Partner auf dem Weg begleiten

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ithildin
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Partner auf dem Weg begleiten

Beitrag von ithildin » 6. Mai 2018 21:00

Hallo zusammen,

ich habe mich eben gerade erst hier angemeldet, nachdem ich das Thema "Partner mit Erwachsenen-Diagnose" teils gelesen und teils überfolgen habe - und ich dort in vielen Bereichen "meine Beziehung" zu 100% wiedererkannt habe. Und ich möchte mich da jetzt aber erstmal ungerne einklinken, damit ich nicht "meine eigenen Themen" da reinmische.
Deswegen ein neues Thema - ich hoffe, das ist in Ordnung.

Mein Partner (37) hat (noch) keine offizielle ADHS-Diagnose [Und ich hoffe, dass ich jetzt dann trotzdem hier nicht falsch bin!] - allerdings bin ich mir sicher, dass sich das ändern wird, wenn er mal eine diagnostische Abklärung macht/ machen würde. Seine Mutter (selbst Ärztin) hatte solch eine Abklärung schon vor über 15 Jahren initiiert - allerdings hat mein Partner damals die Termine nicht wahrgenommen und sich dagegen gesperrt. Und ggü. seinen Eltern reagiert er auf solche Versuche insgesamt ausgesprochen allergisch - weshalb von der Seite nur noch manchmal "durch die Blume" etwas kommt.

Heute haben wir mal wieder eine ausführliche Unterhaltung geführt über seine Desorganisiertheit im Beruf und Alltag, seine Schwierigkeiten "Wichtiges von Unwichtigem" zu unterscheiden, seine Schwierigkeiten zu fokussieren und sich zu begrenzen und auf eine Sache zu konzentrieren - und über noch diverse andere Dinge, die schwierig sind (.... da könnte ich Bücher drüber schreiben :shock: ...)
Mittlerweile geht er damit reflektierter um und sieht die Probleme auch selbst - allerdings hat er mit dem Umgang nach wie vor Schwierigkeiten - und diese "Einsicht" hält auch nie lange vor. Also wir müssen uns diese Einsicht in Gesprächen immer wieder neu erarbeiten. Dann ist er motiviert und hat tausend Ideen dazu - und kurz drauf sind wieder andere Dinge wichtig.
Er versucht die Probleme im Alltag zu überspielen, sucht Ausreden und Erklärungen - und da ist er auch wirklich kreativ. Ich glaube, ihm fällt das selbst schon gar nicht mehr auf, dass er das tut.
Ich bin die einzige Person in seinem Umfeld, die ihm diese Rückmeldung über sein Verhalten geben darf - bzw. von der er dieses Feedback annehmen kann und anfängt nachzudenken - ohne unter die Decke zu fliegen (meistens zumindest). Wenn er doch mit starker Impulsivität reagiert, muss ich (aus Eigenschutz) die Auseinandersetzung/ Diskussion sofort beenden, weil ich damit selbst nicht umgehen kann und das für mich auch zu nichts führt. Wir raufen uns dann aber auch i.d.R. zeitnah wieder zusammen.

Jedenfalls habe ich ihm aufgrund der Unterhaltung heute dann mal alle klassischen Symptome und Verhaltensweisen von "Erwachsenen mit ADHS" vorgelesen (ich bin ja auch schon lange der Meinung, dass das sein Problem ist) - und wir mussten beide zwischendurch immer wieder lachen, weil einfach alles passt wie die Faust auf's Auge - selbst der Verlauf in der Kindheit.
Daraufhin habe ich ihm vorgeschlagen, dass es doch mal sehr sinnvoll wäre, das diagnostisch abklären zu lassen - womit ich tatsächlich auch auf Anklang gestoßen bin. Gleichzeitig habe ich ihm angeboten, ihn dabei zu unterstützen - was er tatsächlich auch angenommen hat.

Aktueller Stand: er hat jetzt eine Telefonnummer von unserer ansässigen Uni-Ambulanz für Menschen mit ADHS - und ich werde ihn morgen daran erinnern, dass er dort anruft und einen Termin vereinbart.

Ebenfalls habe ich ihm angeboten, bei einem etwaigen Termin mitzukommen und ihn dort zu unterstützen, bzw. auch eine "Außensicht" mitzuteilen.


Heute bin ich erstmal wahnsinnig froh, dass er einer Abklärung zugestimmt hat. Das ist ein Durchbruch, mit dem ich gar nicht mehr gerechnet hätte. Allerdings weiß ich nicht, wie lange das bei ihm vorhält - und wie ich ihm die entsprechende Unterstützung geben kann, ohne seine "Mama" zu sein, die ihm alles abnimmt.

Ich glaube, deswegen melde ich mich hier in erster Linie... weil wir in der Beziehung schon ganz oft an dem Punkt waren, dass er einsichtig war und sich Hilfe holen wollte - und das Vorhaben dann in der Versenkung verschwunden ist. Und ich weiß aber, dass er einen hohen Leidensdruck hat - den er versucht gut zu verstecken und zu unterdrücken.... mehr oder weniger erfolgreich - und mit sehr negativen Folgen für ihn und für unsere Beziehung (und auch darüber könnte ich Bücher schreiben :shock: :? ...)



... und um das alles hier noch einigermaßen zu vervollständigen - noch ein paar Hintergrundinformationen - Entschuldigung für diese Ausführlichkeit, aber bei mir stellt sich gerader der "Flow" ein:

Ich selbst (31) bin (schon lange) in therapeutischer Behandlung und habe mein eigenes Paket zu tragen - und an der Stelle ist mein Partner wirklich sehr sehr sehr verlässlich und hilfreich und verständnisvoll - und äußerst unterstützend. Er ist wahnsinnig (hoch)sensibel, empathisch, feinsinnig und intelligent. Überhaupt ist er als Mensch und Partner der einzige, den ich mir vorstellen kann und mit dem ich gerne mein Leben verbringen möchte.
Und unsere Beziehung ist aber trotzdem schon immer auch ein Belastungsfaktor, weil er sich gleichzeitig nicht mit seinen Problemen auseinandersetzt - und ich bin der Überzeugung, dass wir beide an unseren eigenen Themen arbeiten müssen, damit wir langfristig ein Leben zusammen führen können. Da haben wir auch schon drüber gesprochen.

Wir waren von 2010 bis 2013 schon mal in einer Partnerschaft - bis ich mich getrennt habe, weil ich sein Verhalten und seine "Auswüchse" nicht mehr mittragen konnte und wollte. Die ganzen Konflikte damals ließen sich nicht mehr klären, und meine Kraft war aufgebraucht. Und trotzdem wusste ich auch in der Zwischenzeit (ohne Kontakt), dass er mir als Mensch weiterhin wertvoll ist und dass es nicht an seiner "inneren Person/ seinem Wesen" lag, dass es nicht funktioniert hat. Sondern an diesen (für mich damals nicht nachvollziehbaren) Verhaltensweisen.
Seit Ende 2016 leben wir wieder in einer Partnerschaft - mit allen Höhen und Tiefen.

Und ich merke zunehmend deutlich, dass sich etwas verändern muss, damit wir eine Perspektive haben können.

Weil ich ganz ganz oft hilflos bin seinen Verhaltensweisen gegenüber. Und ich ihn gerne unterstützen wollen würde - es aber ganz oft nicht kann - oder meine "Interventionen" keinen/ den gegenteiligen Effekt haben und er sich unter Druck gesetzt oder von mir bevormundet fühlt.

Im Endeffekt übernehme ich derzeit seine komplette Alltagsorganisation, weil er das nicht alleine hinbekommt. Bearbeitung von Post, Behördenkram, Arzttermine, alle anfallende Büroarbeit bzgl. seines Berufs (er ist Servicetechniker und die ganze Woche unterwegs) - Spesenabrechnung, Berichte be- und verarbeiten, alles organiseren; Urlaub planen. Dafür sorgen, dass er Anträge rechtzeitig stellt; an Banküberweisungen erinnern - oder "daneben sitzen", bis er es tut... usw usw........ von Haushaltstätigkeiten fange ich gar nicht erst an.
Und wenn ich das nicht mit ihm zusammen tue - dann sammelt sich das einfach so lange auf einem Papierhaufen an, bis der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht (mehrfach schon erlebt).
Und wenn ich den Haushalt "liegen lasse", verschimmelt alles, bis ich die Lebensmittel inkl. Behältnis entsorgen kann (auch schon erlebt - da haben wir allerdings nicht in einer gemeinsamen Wohnung gelebt).
Und wenn ich mich nicht mit ihm zusammen um seine arbeitstechnischen Belange kümmere - verliert er den Job (auch schon erlebt).

Grundsätzlich mache ich diese Organisationsarbeit sogar gerne.... ich mag Organisation und Planung und Sicherheiten und und und. Und trotzdem haben wir deshalb permanent Auseinandersetzungen. Eigentlich jedes Wochenende, weil da die angefallene Büroarbeit der ganzen Woche auf den Tisch kommt - und nur da sehen wir uns. Und das belastet natürlich ungemein. Er fühlt sich von mir unter Druck gesetzt - und blockiert dann komplett....... und ich sehe die "zu erledigen-Liste" - und würde das gerne abarbeiten, damit wir in Ruhe Zeit zusammen verbringen können......... (und an sich wären die Dinge sogar innerhalb kürzester Zeit erledigt, wenn man da effektiv rangeht).
Und ich bin mir halt nicht sicher, inwiefern ich da von ihm mehr erwarten kann und sollte - und inwiefern ich eine Abhängigkeit und Unselbstständigkeit unterstütze, wenn ich diese Dinge erledige.... oder ob das "ok" ist, das zu tun, weil er an der Stelle halt wirklich ein Defizit hat (... und das hat er ganz offensichtlich).

Ich kann von meiner Position heraus halt nach wie vor nicht davon abrücken, zumindest ein "Bemühen" von ihm zu erwarten.... und das fehlt mir ganz oft... oder ich sehe das nicht.

Wir treffen konkrete Absprachen - und er 'vergisst' das 10 Minuten später, oder es kümmert ihn nicht mehr, weil etwas anderes "ganz plötzlich" wichtiger ist.
Wir vereinbaren einen Zeitrahmen/ Zeitpunkt - es klappt nicht.
Wir schreiben zusammen einen Aufgaben/ "zu erledigen"-Plan - Papier ist geduldig. Aber sowas von geduldig.
Er schreibt "selbst" einen Plan - der hat dann nach 2 Stunden 4 DIN A4-Seiten dicht beschrieben mit Inhalten, die ich mir schon gar nicht mehr anschauen will.... (und ja, da hab ich leider keine Energie für übrig, weil das so weit weg ist von dem Ursprungsthema....)


naja... ich verliere mich gerade auch in Details. So ausführlich wollte ich eigentlich gar nicht berichten. Jetzt ist es halt so geworden.

Ich erhoffe mir hier jetzt (unbekannterweise) Feedback, wie ich meinen Partner im Alltag sinnvoll unterstützen kann - und v.a. auch Hilfe/Rückversicherung auf dem Weg, der jetzt ansteht.... Termin zur Diagnostik usw.... weil ich davon ausgehe, dass das mit dem heutigen besprochenen Vorhaben nicht "einfach so" getan sein wird.
Und vielleicht auch Meinungen dazu, was ich ihm zumuten kann und erwarten darf - und wo es besser wäre, aktiv da zu sein. Ich investiere gerne meine Ideen und meine Energie dafür... nur bin ich irgendwann auch begrenzt, weil ich auch noch was für mich brauche... und auf Dauer klappt das so nicht

Danke an alle, die sich bis hierher durchgekämpft haben :-)
liebe Grüße,
Anne
Agatha
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Re: Partner auf dem Weg begleiten

Beitrag von Agatha » 7. Mai 2018 11:44

Hallo, und erstmal herzlich willkommen. Ich habe selber ADHS.
ithildin hat geschrieben:Und ich bin mir halt nicht sicher, inwiefern ich da von ihm mehr erwarten kann und sollte - und inwiefern ich eine Abhängigkeit und Unselbstständigkeit unterstütze, wenn ich diese Dinge erledige.... oder ob das "ok" ist, das zu tun, weil er an der Stelle halt wirklich ein Defizit hat (... und das hat er ganz offensichtlich).
Es gibt keine einfache Antwort auf diese Fragen. Es ist keine schlechte Strategie für Paare sich die Aufgaben so zu verteilen, dass jeder dass macht, was er/sie am besten kann. Aber es muss ein Gleichgewicht geben, damit keiner davon erschöpft wird, oder sich ausgenutzt fühlt. Du musst nicht nur geben sondern auch bekommen. Es ist also extrem wichtig, dass du persönliche Grenzen setzt und auch diese nicht überschreiten lässt. Diese persönliche Grenzen sind da, wo du dich noch wohl fühlst, nicht da, wo nur er sich wohl fühlt. Es ist nicht ein "Mach alles was er nicht kann". Er hat Defizite, es ist klar, aber es gibt andere Wege damit umzugehen als nur alles an andere zu delegieren. Es ist nicht deine Aufgabe, alle seine Defizite zu kompensieren.
ithildin hat geschrieben:Ich kann von meiner Position heraus halt nach wie vor nicht davon abrücken, zumindest ein "Bemühen" von ihm zu erwarten.... und das fehlt mir ganz oft... oder ich sehe das nicht.
Das Bemühen ist eben etwas was bei ihm stark behindert ist. Die innere Prozesse, was andere Menschen als "Bemühen" verstehen, funktionieren bei ADHS Menschen nicht gut oder nehmen... komische Umwege. Außerdem nach viel versagen sind häufig Erwachsene ADHSler in einem negativen Verhaltensmuster gefangen "Das werde ich wie immer versäumen, was auch immer...". Das bedeutet nicht, dass du Bemühung nicht erwarten darfst, nur dass es halt nicht ganz einfach wird dahin zu kommen.

Was kann man da machen? Medikamente sind meistens der erste Türöffner, um die Verhaltensmuster überhaupt zu ändern. Verhaltenstherapie ist unbedingt notwendig, um nachhaltige Änderungen zu machen. Es gibt kein Heilmittel, aber man kann es definitiv so verwalten, dass man mehr schafft und glücklicher ist.

Während der Diagnostik werden einige Tests gemacht und ganz viele Formulare ausgefüllt. Sie werden auch Infos aus der Kindheit verlangen, z.B. Diagnose als Kind, oder Schulzeugnisse, oder Berichte von den Eltern, wie man als Kind war. Die Ärzte wollen feststellen, ob die Beschwerde tatsächlich an ADHS liegen, oder an etwas anderes. Bei mir wurden z.B. Depression, Psychose, usw. ausgeschlossen.

Danach bekommt man meistens ein Rezept für Methylphenidat. Hier im Forum wirst du ganz viele Infos zu Medis finden. Es ist besser, sich vorher schlau zu machen. Insb. zur Dosis, Nebeneffekte und Alternativen, falls MPH nicht hilft.

Aber Medis lösen nicht alles. Sie schaffen nur eine bessere Grundlage, um den Rest zu schaffen. Ritalin macht nicht die Hausaufgaben, sondern bringt jemand nur in der Lage, die Hausaufgaben besser und schneller zu schaffen. Es ist also ganz wichtig, die Gelegenheit zu nehmen, um Nachhaltige Änderungen zu machen. Dafür sind meine Meinung nach folgende Dinge wichtig:
- Ein guter Therapeut finden, der sich mit ADHS und Verhaltenstherapie auskennt (such nach "ADHS Netzwerk" in eurer Region)
- Als Paar gemeinsame Ziele erarbeiten. Wo wollt ihr sein? Wo soll euch die ADHS-Behandlung bringen? Was braucht ihr, was fehlt euch, damit es euch gut geht und ihr eine Zukunft zusammen habt? (Paartherapie kann damit auch helfen)
- Als ADHSler muss dein Partner anfangen, sein ADHS selber zu verwalten, und Selbstverantwortung zu übernehmen. Das heißt er muss die Diagnose akzeptieren und die Führung übernehmen. Häufig bei uns ADHSler übernimmt die ADHS die Führung. Er muss es schaffen, die Kontrolle über das eigenen Leben zurück zu verlangen. Das heißt nicht keine Probleme mehr haben, sondern selber mit seinen Defizite umzugehen, und wenn etwas nicht klappt, selber nach neuen Strategien zu suchen.
Ich schaffe etwas nicht. Kann ich mir hilfe holen? Will ich zu einer Selbsthilfegruppe? Was hat andere Leute wie ich mit diesem Problem geholfen? Es ist wichtig, dass er diese Art von Einstellung zu ADHS entwickelt. Das kannst du leider nicht für ihn machen.

Ich empfehle übrigens sehr, zu einer lokalen Selbsthilfegruppe zu gehen. Es kann sehr befreiend sein, mit anderen zu sprechen, die auch mit diesem ganzen Spaß umgehen müssen.
ULBRE
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Re: Partner auf dem Weg begleiten

Beitrag von ULBRE » 7. Mai 2018 13:22

Agatha hat geschrieben:Ich empfehle übrigens sehr, zu einer lokalen Selbsthilfegruppe zu gehen. Es kann sehr befreiend sein, mit anderen zu sprechen, die auch mit diesem ganzen Spaß umgehen müssen.
Da schliesse ich mich unbedingt an.
Selbsthilfegruppen können zuweilen eine höhere Sachkompetenz haben als Ärzte (vor allem, wenn sie AD(H)S eher nur so nebenher behandeln). Nicht jede SHG ist so kompetent und eine spezialisiertes AD(H)S-Behandlungszentrum einer Uni sollte es eigentlich wirklich drauf haben.
Aber auch da habe ich schon erlebt, dass eine massiv ADS-belastete Frau nach zwanzig Minuten nach Hause geschickt wurde, weil sie ja studiert hat und selbständig ist und deswegen gar kein AD(H)S haben könne.
Im Zweifel gilt für Ärzte, Therapeuten und SHGs: so lange suchen, bis es menschlich passt. Dann klappts auch mit den Inhalten.

Ich würde noch ergänzen:
Lesen, lesen, lesen. Werdet Eure eigenen Experten.
Zwanghaft zerstreut (Hallowell) als Einstieg, Barklay (ADHS bei Erwachsenen) als Fortsetzung und Krause (ADHS bei Erwachsenen) als schon eher wissenschaftliche Literatur.
Kostenlos gibts auch einiges im Netz, wie z.B. ADHSpedia, oder das von mir verbrochene www.adxs.org.

Alles Gute Euch

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
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Re: Partner auf dem Weg begleiten

Beitrag von Falschparker » 7. Mai 2018 22:16

ithildin hat geschrieben:Und ich möchte mich da jetzt aber erstmal ungerne einklinken, damit ich nicht "meine eigenen Themen" da reinmische.
Deswegen ein neues Thema - ich hoffe, das ist in Ordnung.
Liebe Anne,

herzlich willkommen! :wedeln:

Doch, das ist nicht nur in Ordnung, es ist genau richtig. In einem anderen Thread besteht die Gefahr, unterzugehen. Außerdem würde es so leichter unübersichtlich.

Wir ADHS-ler sind schon eine starke Belastung für unsere Lebensgefährten. Meine Frau erträgt nicht nur meine ADHS schon 28 Jahre, sondern auch die unserer Kinder. :oops:
Und ich bin mir halt nicht sicher, inwiefern ich da von ihm mehr erwarten kann und sollte - und inwiefern ich eine Abhängigkeit und Unselbstständigkeit unterstütze, wenn ich diese Dinge erledige.... oder ob das "ok" ist, das zu tun, weil er an der Stelle halt wirklich ein Defizit hat (... und das hat er ganz offensichtlich).

Ich kann von meiner Position heraus halt nach wie vor nicht davon abrücken, zumindest ein "Bemühen" von ihm zu erwarten.... und das fehlt mir ganz oft... oder ich sehe das nicht.
Nein, du unterstützt keine Abhängigkeit, denn du hast ja schon erlebt, dass er es dann nicht selbst tut, sondern dass es einfach liegen bleibt. Gewöhn dir "Pädagogik" ab und mach die Sachen oder eben nicht. Vor allem so lange er nicht behandelt ist, kannst du nichts erwarten. Das heißt nicht dass du alles hinnehmen musst!
Im Endeffekt übernehme ich derzeit seine komplette Alltagsorganisation, weil er das nicht alleine hinbekommt. Bearbeitung von Post, Behördenkram, Arzttermine, alle anfallende Büroarbeit bzgl. seines Berufs (er ist Servicetechniker und die ganze Woche unterwegs) - Spesenabrechnung, Berichte be- und verarbeiten, alles organiseren; Urlaub planen. Dafür sorgen, dass er Anträge rechtzeitig stellt; an Banküberweisungen erinnern - oder "daneben sitzen", bis er es tut... usw usw........ von Haushaltstätigkeiten fange ich gar nicht erst an.
(...)
Grundsätzlich mache ich diese Organisationsarbeit sogar gerne.... ich mag Organisation und Planung und Sicherheiten und und und. Und trotzdem haben wir deshalb permanent Auseinandersetzungen. Eigentlich jedes Wochenende, weil da die angefallene Büroarbeit der ganzen Woche auf den Tisch kommt - und nur da sehen wir uns. Und das belastet natürlich ungemein. Er fühlt sich von mir unter Druck gesetzt - und blockiert dann komplett....... und ich sehe die "zu erledigen-Liste" - und würde das gerne abarbeiten, damit wir in Ruhe Zeit zusammen verbringen können......... (und an sich wären die Dinge sogar innerhalb kürzester Zeit erledigt, wenn man da effektiv rangeht).
Versucht das besser zu trennen- soweit es um den Beruf geht. Die Rollen der Arbeitsorganisatorin und der Freundin kommen sich in die Quere. Dein Freund sollte gucken, dass er eine dritte Person findet, die dafür Geld kriegt, dass sie seine Schusseligkeit kompensiert, aber eben nicht privat emotional beteiligt ist. Ich meine, wenn er deswegen in seinem Beruf erfolgreicher ist, kann er sich diese Person auch leisten, oder?

Dass es sehr schwer ist, so jemand zu finden und zu halten, weiß ich leider selbst. :oops:

Viele Grüße
Falschparker
ithildin
Forummitglied
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Re: Partner auf dem Weg begleiten

Beitrag von ithildin » 8. Mai 2018 21:35

Hallo zusammen,

vielen Dank für eure ganzen Antworten :-) - komme leider jetzt erst dazu, mich damit zu beschäftigen. Ich empfinde eure Rückmeldungen jetzt schon als sehr hilfreich und gehe mal auf ein paar Dinge ein, die mich direkt angesprungen haben:
Agatha hat geschrieben:Das Bemühen ist eben etwas was bei ihm stark behindert ist. Die innere Prozesse, was andere Menschen als "Bemühen" verstehen, funktionieren bei ADHS Menschen nicht gut oder nehmen... komische Umwege. Außerdem nach viel versagen sind häufig Erwachsene ADHSler in einem negativen Verhaltensmuster gefangen "Das werde ich wie immer versäumen, was auch immer...". Das bedeutet nicht, dass du Bemühung nicht erwarten darfst, nur dass es halt nicht ganz einfach wird dahin zu kommen.
Aus der Perspektive klingt das für mich sehr viel nachvollziehbarer. Und wahrscheinlich würde ich es jetzt schon nicht mehr so formulieren, dass ich kein Bemühen sehe. Ich sehe das schon.... und ich sehe auch, wie er leidet, wenn er seine Pläne und Versprechungen "wieder" nicht umsetzen konnte. Oder - und das ist auch klassisch - wenn er ganz viel Anstrengung und Zeit in eine Sache investiert, die er "für mich" tut - und es im völligen Chaos endet und ich dann nachher damit mehr Umstände habe, das wieder auszubügeln - als dass es von Erfolg gekrönt ist.
Und ich glaube, mich macht diese ganze Situation einfach nur hilflos - eben weil ich seine eigentliche Intention ja kenne - und es in der Umsetzung nachher aber mehr Arbeit produziert. <-- und das soll jetzt nicht gemein klingen, sondern es ist eher als Fakt gemeint. Und das tut mir schon sehr leid dann, dass ich nicht seine investierte Energie anerkenne - sondern ihn mit dem fabrizierten Chaos konfrontiere, weil ich mich verletzt fühle - trotz allem. Hach man.... :?

Und vielen lieben Dank für die ganzen Tipps und Empfehlungen. Ich bin gerade schon dabei, mir ganz viele Informationen zusammen zu sammeln
Agatha hat geschrieben:- Als ADHSler muss dein Partner anfangen, sein ADHS selber zu verwalten, und Selbstverantwortung zu übernehmen. Das heißt er muss die Diagnose akzeptieren und die Führung übernehmen. Häufig bei uns ADHSler übernimmt die ADHS die Führung. Er muss es schaffen, die Kontrolle über das eigenen Leben zurück zu verlangen. Das heißt nicht keine Probleme mehr haben, sondern selber mit seinen Defizite umzugehen, und wenn etwas nicht klappt, selber nach neuen Strategien zu suchen.
Ich schaffe etwas nicht. Kann ich mir hilfe holen? Will ich zu einer Selbsthilfegruppe? Was hat andere Leute wie ich mit diesem Problem geholfen? Es ist wichtig, dass er diese Art von Einstellung zu ADHS entwickelt. Das kannst du leider nicht für ihn machen.
Genau dieses "da kann ich nichts machen" macht mich halt wahnsinnig. Das habe ich ja im Verlauf der letzten Jahre auch festgestellt - dass ER an der Stelle jetzt die Schritte gehen muss... und dass ich das nicht für ihn tun kann. Ich suche allerdings immernoch nach dem Weg, wie ich ihn gut unterstützen kann, dass er die Schritte auch nachher schlussendlich tut und ins Handeln geht.
Für mich ist das alles so "glasklar" - schon seit langer Zeit... und für mich sind die ganzen Schritte auch völlig einleuchtend - und ich kann den Prozess trotzdem für ihn und uns nicht abkürzen, sondern habe halt nach wie vor die Hoffnung, dass er jetzt wirklich anfängt damit. Was es mir in der Bewertung tatsächlich ein bisschen leichter macht ist dabei meine eigene Biographie und dass ich eben auch die "Betroffenenseite" kenne. Zwar zu einem anderen Thema, aber von den Schritten her ist es ja wahrscheinlich immer ähnlich.
Agatha hat geschrieben:Ich empfehle übrigens sehr, zu einer lokalen Selbsthilfegruppe zu gehen. Es kann sehr befreiend sein, mit anderen zu sprechen, die auch mit diesem ganzen Spaß umgehen müssen.
meinst du damit eine Selbsthilfegruppe für Angehörige oder Betroffene? Oder beides ;)


ULBRE hat geschrieben:Ich würde noch ergänzen:
Lesen, lesen, lesen. Werdet Eure eigenen Experten.
Danke für den Input - da werde ich mich mal schlau machen :-)
Alles, was es für mich und uns "greifbarer" macht kann nur hilfreich sein

Falschparker hat geschrieben:Nein, du unterstützt keine Abhängigkeit, denn du hast ja schon erlebt, dass er es dann nicht selbst tut, sondern dass es einfach liegen bleibt. Gewöhn dir "Pädagogik" ab und mach die Sachen oder eben nicht. Vor allem so lange er nicht behandelt ist, kannst du nichts erwarten. Das heißt nicht dass du alles hinnehmen musst!
Thx für das klare Feedback - v.a. das mit der Pädagogik. Ich bin da vermutlich durch meinen pädagogischen Beruf sehr vorbelastet und sehe das automatisch unter solchen Aspekten. Deshalb ist es gut, mich da nochmal drauf zu stoßen.
Wobei dieses Thema "Abhängigkeiten" auch ganz viel "mein" Thema ist - und ich da sehr allergisch drauf reagiere. Vielleicht steht das auch deshalb so im Fokus. Guter Einwand 8-)
Falschparker hat geschrieben:Versucht das besser zu trennen- soweit es um den Beruf geht.
Das geht leider gerade finanziell überhaupt nicht. Und die Arbeitsorganisation wäre für mich wirklich auch an der Stelle keine Belastung, da ich sowas sehr effektiv angehen kann - sofern er mir halt die entsprechenden Informationen auch liefert. Mit Luft kann ich leider wenig anfangen. Aber da bewegt sich schon einiges in den letzten Monaten.
Er hat den Job noch nicht lange - und sein Umgang mit Finanzen ist ähm quasi nicht vorhanden... weshalb ich gerade auch mit ihm zusammen noch "Altlasten" angehe und wir zusammen schauen, wo man noch 'was' optimieren kann, damit er endlich mal auf einen grünen Zweig kommt. Weil derzeit das meiste seines Gehaltes für "sinnlose ungekündigte Verträge", Rückzahlungen usw drauf geht.
Ich habe irgendwann angefangen, seine ganzen Berge ungeöffneter Post (von Jahren) abzuarbeiten und mir einen Überblick über seine Bank-Angelegenheiten verschafft (natürlich mit seinem Wissen - wobei ich am Ende nicht mehr gefragt habe, sondern ihn 'in Kenntnis' gesetzt habe, dass ich das tun werde...... weil ich doch arge Existenzängste bekommen habe).

Und es ist schon auch so: Obwohl wir ganz üble Auseinandersetzungen haben wegen solcher Angelegenheiten - nachher, wenn wir das klären konnten, geht es uns beiden besser. Ich bin beruhigter und er ist dankbar und sagt ja auch (im Nachhinein), dass es hilfreich war, dass ich an der Stelle so pedantisch und beharrlich bin.....

Trotzdem zerrt es ganz schön an den Nerven.




Er hat gestern überall bei den Stellen angerufen, die ich ihm rausgesucht habe - das fand ich schon mal sehr prima :-).
Leider vergibt die Spezialambulanz erst neue Termine in 2019(!!! :shock: :shock: ) - und die ansässigen Psychiater vergeben die ersten Termine im November.... es ist echt verrückt.
Glücklicherweise bin ich ja mittlerweile auch ein bisschen vernetzt - und hatte selbst heute einen Termin bei meiner Ärztin in einer Ambulanz - und die habe ich direkt mal ausgequetscht, ob die auch solch eine Diagnostik machen.
Antwort war Ja
Wartezeit 3-5 Wochen.
Das klingt schon mal besser...


und zum Thema Diagnostik nochmal
Agatha hat geschrieben:Während der Diagnostik werden einige Tests gemacht und ganz viele Formulare ausgefüllt. Sie werden auch Infos aus der Kindheit verlangen, z.B. Diagnose als Kind, oder Schulzeugnisse, oder Berichte von den Eltern, wie man als Kind war. Die Ärzte wollen feststellen, ob die Beschwerde tatsächlich an ADHS liegen, oder an etwas anderes. Bei mir wurden z.B. Depression, Psychose, usw. ausgeschlossen.
mhm... also das sollte alles kein Problem darstellen.
- Seine Eltern sind ja eh davon überzeugt
- seine Schul- und Arbeitszeugnisse sollten auch etwas entsprechendes hergeben (ich war schockiert, als ich die lesen durfte....)
- ich selbst würde natürlich auch meine aktuelle Wahrnehmung mitteilen, falls das helfen sollte

... bzgl. einer Depression wäre meine Meinung, dass er definitiv an der Stelle schlimme Phasen hatte - und da auch gefährdet ist. Aber ich (als Laie) würde das eher als Begleit/Folgeerscheinung werten, weil er so wahnsinnig schnell mit allen Dingen überfordert ist und dann in die Lethargie und Handlungsunfähigkeit rutscht. Und in dem Moment, wo sich die Dinge klären, kann er direkt wieder aufblühen....

aber das müsste natürlich abgeklärt werden....
ithildin
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Re: Partner auf dem Weg begleiten

Beitrag von ithildin » 8. Mai 2018 23:05

mhm und noch vielleicht ein bisschen was zum Verständnis und zu den Hintergründen (entschuldigt, wenn ich euch so vollquatsche, aber das sind alles so Inhalte, die ich sonst nie loswerden kann - und die trotzdem da sind):

Mein Partner und ich sind auf intellektueller Ebene und bzgl. der emotionalen Verbundenheit eine einzige Einheit. Sobald es allerdings um die Lebensführung geht, driften die Welten unendlich weit auseinander.
Ich bin ein Mensch, der unbedingt in allen Belangen Sicherheit und Verlässlichkeit braucht. Und ich gehe mal davon aus, dass ich nicht weiter ausführen muss, dass dieser Punkt in der Partnerschaft bei uns sehr problematisch ist - und schon immer war. Emotional gibt er mir die Sicherheit zu 100% - und das ist wahrscheinlich auch ausschlaggebend dafür, dass wir diese Beziehung überhaupt führen können. Alle anderen "äußeren" Lebensbereiche gehen vollkommen auseinander.

Ich lege so viel Wert darauf, dass er den jetzigen Job behält - und tue auch mein Möglichstes dafür - weil er mit Ende 30 keine abgeschlossene Ausbildung hat (alles abgebrochen), sich immer von "A nach B" gehangelt hat. Und wenn das dort in dem Unternehmen mittelfristig klappen kann, dann ist das sehr viel wert (demnächst steht ein Verlängerungsgespräch an).
Er hat beruflich ganz viele Enttäuschungen erlebt, war intellektuell immer unterfordert (das stelle ich mir ganz ganz schrecklich vor) - aber konnte trotz relativ 'einfacher' Arbeiten nie irgendwas erreichen, weil verschiedene Verhaltensweisen immer dazu geführt haben, dass er den Job verloren oder (aus heiterem Himmel) gekündigt hat [--> und das ist für eine Beziehung auch ganz furchtbar].

Er ist im Moment die ganze Woche unterwegs als Servicetechniker. Ich will auch lieber nicht wissen, wie er seine Einsätze vor Ort strukturiert - aber die Endergebnisse sind i.d.R. perfekt (mit vielen vielen Überstunden). Zwar schafft er die Anzahl an Einsätzen nicht immer - allerdings wird das seitens der Firma (noch) so mitgetragen, weil er eben qualitativ im Endergebnis sehr gut arbeitet und es seitens der Kunden auch Lob gibt (er kann Menschen sehr von sich überzeugen im kommunikativen Kontakt). Und diese (positive) Erfahrung hat er bisher nicht gemacht.

Nur alles, was "außerhalb" der direkten Einsätze anfällt an organisatorischen Dingen, schafft er nicht. Er muss seine Aufträge im IT-System verarbeiten und abschließen, muss Spesenabrechnung machen, Arbeitszeitnachweise und Fahrtenbuch führen, interne Anträge stellen usw.....
---> für 'mich' wäre das überhaupt kein Problem, sowas "nebenbei" zu erledigen und in den Arbeitsalltag zu integrieren. Aber er kann das nicht parallel. Das habe ich auch jetzt mittlerweile begriffen - weshalb wir diesbezüglich mittlerweile auch Absprachen gefunden haben, wie er mit ganz einfachen Mitteln (z.B. km-Stand bei Arbeitsbeginn und Arbeitsende fotografieren --> damit kann ich zig Excel-Spalten füllen!) alle wichtigen Informationen speichern kann, damit ich nachher alles habe, um die Organisation für ihn zu erledigen. Wenn ich das nicht tun würde, hätte er innerhalb von 4 Wochen einen Berg angehäuft, der nicht mehr zu bewältigen wäre (---> das war in der Anfangszeit ganz ganz schlimm. Mittlerweile geht es echt vergleichsweise sehr gut)

ja.... ich habe jetzt ein bisschen ausgeholt inhaltlich, aber das sind so Dinge, die uns im Alltag permanent beschäftigen.
Ich versuche mit ihm zusammen möglichst "einfache aber effektive" Methoden herauszufinden, wie er wichtige Informationen abspeichern kann, damit am Ende eine 0 steht....

kA, ob das von mir bzgl. der Arbeit alles so sehr sinnvoll gedacht ist, aber zumindest sehe ich im Verlauf der vergangenen Monate diesbezüglich große Fortschritte.... ist halt langfristig die Frage, ob wir mit dem Arrangement zurechtkommen, oder ob wir doch irgendwann externe Hilfe brauchen.....
Agatha
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Beiträge: 51
Registriert: 19. Januar 2018 10:13

Re: Partner auf dem Weg begleiten

Beitrag von Agatha » 9. Mai 2018 08:56

ithildin hat geschrieben:Er hat den Job noch nicht lange - und sein Umgang mit Finanzen ist ähm quasi nicht vorhanden... weshalb ich gerade auch mit ihm zusammen noch "Altlasten" angehe und wir zusammen schauen, wo man noch 'was' optimieren kann, damit er endlich mal auf einen grünen Zweig kommt. Weil derzeit das meiste seines Gehaltes für "sinnlose ungekündigte Verträge", Rückzahlungen usw drauf geht.
Ich habe irgendwann angefangen, seine ganzen Berge ungeöffneter Post (von Jahren) abzuarbeiten und mir einen Überblick über seine Bank-Angelegenheiten verschafft (natürlich mit seinem Wissen - wobei ich am Ende nicht mehr gefragt habe, sondern ihn 'in Kenntnis' gesetzt habe, dass ich das tun werde...... weil ich doch arge Existenzängste bekommen habe).
Das ist alles leider ziemlich typisch.
Ich fange gerade erst an, meine Finanzen wieder auf die Spur zu bringen (ich nehme seit ca. 2 Monate Methylphenidat). Ich habe letzte Woche einen Vertrag bei einem Fitness Studio gekündigt, ich war da das letzte Mal in 2009 oder so. Ich muss noch mein S-Bahn Abo kündigen in einer Stadt aus der ich vor Jahren ausgezogen bin. Und ich habe schon so viel Geld in Strafgebühren für unbezahlten Rechnungen gesunken... ich will lieber gar nicht über meine Schufa Auskunft nachdenken.

Job habe ich bisher behalten, aber ich denke es liegt hauptsächlich daran, dass mein Chef auch ADHS hat. Alles was ich versäume versäumt er auch ^^ Also mag er mich nicht dafür kündigen. Aber ja, Spesenabrechnungen? Ich schaffe es nicht und kriege dann mein Geld nicht zurück. Zeiten erfassen? Kriege ich immer wieder Ärger, weil ich es nicht rechtzeitig (oder gar nicht) gemacht habe.
ithildin hat geschrieben:Er hat gestern überall bei den Stellen angerufen, die ich ihm rausgesucht habe - das fand ich schon mal sehr prima :-).
Leider vergibt die Spezialambulanz erst neue Termine in 2019(!!! :shock: :shock: ) - und die ansässigen Psychiater vergeben die ersten Termine im November.... es ist echt verrückt.
Die Wartezeiten können echt schlimm sein, ja :-(
... bzgl. einer Depression wäre meine Meinung, dass er definitiv an der Stelle schlimme Phasen hatte - und da auch gefährdet ist. Aber ich (als Laie) würde das eher als Begleit/Folgeerscheinung werten, weil er so wahnsinnig schnell mit allen Dingen überfordert ist und dann in die Lethargie und Handlungsunfähigkeit rutscht.
Ja, natürlich gibt es das auch als Begleiterscheinung. Es geht darum, herauszufinden, ob die Symptome durch die Depression erklärt werden. Aber bei vielen Hinweise auf Symptome in der Kindheit und durch das ganze Leben ist es ja nicht wahrscheinlich.
meinst du damit eine Selbsthilfegruppe für Angehörige oder Betroffene?
Beides können hilfreich sein. Die Gruppen für Angehörige bestehen meistens aus Eltern. Ansonsten gibt es Gruppen für Erwachsene Betroffene. Die Erwachsene Betroffene Gruppen haben zweifellos mehr praktische Tipps, sie setzen sich mehr mit Erwachsene Themen wie Job und Finanzen auseinander, und weniger mit Schulzeugnisse. Da kann man auch auf Anfrage als Partner hin (oder als Paar). Elterngruppen können aber auch sehr hilfreich sein. Häufig sind die Eltern selber betroffen oder mit einem Betroffenen Erwachsene verheiratet, da ADHS einen sehr hohen genetischen Anteil hat. Sie haben meistens sehr viel dazu zu erzählen, wie man mit ADHSler lebt! Reine Partnergruppen sind seltener, aber du kannst nachschauen, vielleicht gibt es eine in der Umgebung.
Falschparker
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Re: Partner auf dem Weg begleiten

Beitrag von Falschparker » 9. Mai 2018 21:54

ithildin hat geschrieben: Das geht leider gerade finanziell überhaupt nicht. Und die Arbeitsorganisation wäre für mich wirklich auch an der Stelle keine Belastung, da ich sowas sehr effektiv angehen kann - sofern er mir halt die entsprechenden Informationen auch liefert. Mit Luft kann ich leider wenig anfangen. Aber da bewegt sich schon einiges in den letzten Monaten.
Er hat den Job noch nicht lange - und sein Umgang mit Finanzen ist ähm quasi nicht vorhanden... weshalb ich gerade auch mit ihm zusammen noch "Altlasten" angehe und wir zusammen schauen, wo man noch 'was' optimieren kann, damit er endlich mal auf einen grünen Zweig kommt. Weil derzeit das meiste seines Gehaltes für "sinnlose ungekündigte Verträge", Rückzahlungen usw drauf geht.
Ich habe irgendwann angefangen, seine ganzen Berge ungeöffneter Post (von Jahren) abzuarbeiten und mir einen Überblick über seine Bank-Angelegenheiten verschafft (natürlich mit seinem Wissen - wobei ich am Ende nicht mehr gefragt habe, sondern ihn 'in Kenntnis' gesetzt habe, dass ich das tun werde...... weil ich doch arge Existenzängste bekommen habe).

Und es ist schon auch so: Obwohl wir ganz üble Auseinandersetzungen haben wegen solcher Angelegenheiten - nachher, wenn wir das klären konnten, geht es uns beiden besser. Ich bin beruhigter und er ist dankbar und sagt ja auch (im Nachhinein), dass es hilfreich war, dass ich an der Stelle so pedantisch und beharrlich bin.....
Moment mal, wieso hast du arge Existenzängste wegen seiner Schulden? Ihr seid doch wenn ich es richtig verstehe nicht mal verheiratet, zahlt kein gemeinsames Haus ab oder habt keine gemeinsamen Kinder? Jedenfalls schreibst du davon nichts.

Und selbst wenn ihr heiratet, bekommst du damit nicht seine Schulden übergeholfen. Nur falls dich das bisher abhält meine ich.

Wenn derzeit das Meiste seines Gehaltes für sinnlose Verträge, Rückzahlungen usw. draufgeht, lasst euch auf jeden Fall von beispielsweise einer Schuldnerberatung helfen. Denn viele Rückzahlungen helfen einem gar nichts um schuldenfrei zu werden, weil die Inkassounternehmen unglaubliche Zinsen und Gebühren nehmen; da zahlt man am Besten frühestens dann ab, wenn man einen Vergleich abgeschlossen hat, der die den Betrag festlegt, ohne dass er weiter wächst. Und wegen der Pfändungsfreigrenzen und der Möglichkeit, ein P-Konto zu führen, sind die Inkassoleute viel "zahnloser" als noch vor 10 Jahren.

Schließlich gibt es noch die Möglichkeit einer Privatinsolvenz, wie du sicher weißt. Das aber bitte erst, wenn die Möglichkeit, neue "sinnlose Verträge" abzuschließen, wirksam unterbunden ist.

Natürlich ist die Organisation für dich keine Belastung, sondern viel eher die Auseinandersetzung darüber, das habe ich schon verstanden.

Viele Grüße
Falschparker
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Re: Partner auf dem Weg begleiten

Beitrag von ULBRE » 11. Mai 2018 16:15

Selbsthilfegruppen können helfen, die Wartezeit bis zum Arzttermin zu überbrücken...

Viele Grüsse

UlBre
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