Überfordert!

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Lumbi88
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Überfordert!

Beitrag von Lumbi88 » 21. Januar 2018 21:12

Hallo ihr Lieben,

Ich habe mich gerade hier angemeldet weil ich hoffe hier Tipps und Ratschläge sammeln zu können.

Mein Freund ( 33) hat ADHS. Ich kenne ihn seit ca. 15 Jahren, sind aber erst seit 10 Monaten zusammen.
Ich muss sagen es ist mir früher entweder nicht aufgefallen bzw hatte ich einfach keine Ahnung.
Er war damals schon einfach "hippelig" und ein "zappelphillip". Aber ADHS? Noch nie gehört.
Mittlerweile habe ich mich etwas schlau darüber gemacht, was das überhaupt ist, symptome...usw.
Allerdings denke ich, dass Menschen trotzdem unterschiedlich sind und - ich weis nicht - kann es beim einen stärker sein als beim anderen? Der Freund seiner Schwester ist auch ADHS Patient, allerdings ist er z.B. total anders als mein Freund.

Ich bin manchmal einfach überfordert, weil ich ihm nicht helfen kann. Er trinkt viel, wenn er ein Problem hat oder ihm irgendetwas nicht passt. Sei es noch so eine Kleinigkeit, er kann sich Stunden,Tage darüber aufregen. Er wird aggressiv und beleidigend. Ich habe Ihm schon öfters gesagt, dass ich mir das von ihm nicht gefallen lassen muss. Aber dann kommt nur "Du musst gar nichts, dann geh doch es interessiert dich sowieso nicht wie es mir geht" Natürlich tut es das, ich würde alles für ihn tun, aber es ist NIE perfekt oder gut genug. Er meint immer ich soll strenger mit ihm sein. Ok!...kann ich!.. Ich hatte eine Führungsposition, hatte 20 Mädels unter mir..Die hatte ich gut im Griff..Aber er..macht was er will. Und wenn ich ihm sage er soll bsp. weniger trinken weil es nur für ein paar stunden "besser" ist, und es nichts ändert, dann kommt ein "F*** D***" Von einer Person die man liebt so etwas zu hören tut weh!

Er flippt bei Kleinigkeiten aus..schreit mich an, macht Sachen kaputt aus Wut. Und zwei Stunden tut es ihm leid. Entschuldigen würde er sich nie, aber ich merke es ihm an. Manchmal hab ich einfach nur Mitleid, weil er sich selbst so fertig macht. Er ist ein Versager, er kann nichts, er ist dumm und e wäre lieber tot. Ich rede ihm immer gut zu, dass das nicht stimmt. Er ist nicht dumm, im Gegenteil. Er traut sich nur nichts, warum auch immer. Angst vor Enttäuschung? Es ist schwierig mich in seine Situation hineinzuversetzen, obwohl ich ein sehr emotionaler Mensch bin. Aber ich versuche immer neues zu lernen, oder versuchen..Entweder es klappt oder eben nicht.

Er hat selbst schon gesagt, er sollte zum Arzt damit es ihm wieder besser geht. Aber er hat Angst, dass er eingesperrt wird. Kann das passieren, falls Suizidgefahr besteht? Ist er es überhaupt? Wie kann ich ihm helfen?

Danke fürs lesen und einen schönen Abend noch

Lumbi88
laetitia
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Re: Überfordert!

Beitrag von laetitia » 21. Januar 2018 21:46

Hi Lumbi88

Willkommen im Forum.

Für mich tönt das nach mehr als bloss ADHS. Da würde ich ihm auch raten, in Behandlung zu gehen.
Wie das in Deutschland ist, weiss ich nicht. In der Schweiz kann jeder jeden einweisen lassen. Das nennt sich fürsorgerische Unterbringung. Allerdings nur, wenn ein begründeter Verdacht auf Selbst- oder Fremdgefährdung besteht.

Die Frage wäre, ob eine Suizid- oder Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt. Aber in jedem Fall, nichts tun wird die Situation nicht verbessern. Die Psychiatrien sind oft voll, dass lange auf einen stationären Platz gewartet werden muss. Daher wäre eh erst mal eine ambulante Therapie angezeigt. Aber auch da ist in Deutschland lange auf einen Termin zu warten.

Zum Thema Alkohol. Es bringt nichts, einem der Trinkt zu sagen, er solle es lassen. Sofern er täglich trinkt und gleichzeitig seinen Lebensunterhalt selbst verdient, erst recht nicht. Abhängigkeit bei gleichzeitigem gesellschaftlichen Funktionieren ist eine schlechte Kombination. Da hatte ich auch meine Erfahrung damit. Sein Credo war: Solange ich arbeiten gehe und nicht zum Sozialfall werde, kann mir niemand sagen, was ich zu tun habe.

Was ich dir raten kann, aus dieser Erfahrung, dass du bei aller Liebe gut auf dich selbst achtest. Man gerät schnell in einen Kreislauf, der sehr manipulativ wird und in dem man sich selbst verliert. Du kannst ihn unterstützen, allerdings sind auch deine Kräfte limitiert. Und helfen kann ihm letztenendes nur er selbst.
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Hanghuhn
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Re: Überfordert!

Beitrag von Hanghuhn » 21. Januar 2018 23:44

Im wesentlichen schließe ich mich laetitia an.

Ob er allerdings tatsächlich schon Alkoholiker ist oder das Trinken doch noch lassen kann, das wird keiner wissen, auch er selbst nicht. Falls er auf Dauer weitertrinkt, ist es egal, ob er jetzt Alkoholiker ist, er wird es dann werden.

Für dich ist wichtig, dass du dich nicht mit 'runterziehen lässt. Es gibt den Begriff der Ko-Abhängigkeit. Man vertuscht um des lieben Familienfriedens und wegen des sozialen Friedens vor Kollegen und Nachbarn die Sucht des Freundes/ Mannes und merkt nicht, dass man sich mehr und mehr selbst verar...t.

Mir hatte uch mal jemand seine Trinkerei damit begründet, dass er Probleme hatte. Meine Frage war: "Und? Sind deine Probleme jetzt gelöst?" Natürlich waren sie das nicht. Zum Glück konnte er noch ohne fremde Hilfe aufhören.

Als AD(H)Sler ist man anfälliger für Süchte, weil die mangelnde Impulskontrolle dazu führt, dass man seinen (nicht guten) Impulsen nur allzu leicht folgt. Dass trotzdem nicht alle AD(H)Sler süchtig sind, dürfte dir klar sein.

Dein Freund hat schon einen großen Teil seines Lebens ohne Therapie durch gemacht. Ich verstehe nicht, warum viele AD(H)Sler zwar eine Diagnose haben, sich aber nicht um eine Therapie bemühen. Andererseits weiß ich auch, dass unsere Selbstwahrnehmung etwas gestört ist.

Dass er äußert, nicht mehr leben zu wollen, tönt nach Depression. Er scheint sich selbst zu überfordern. Aber er überfordert auch dich.

Dass du Führungserfahrung hast, finde ich echt gut. Trotzdem ist es etwas anderes, 20 Mädels zu führen, als den eigenen Bettgenossen herumzukommandieren. Im Prinzip hat er Recht, er braucht klare Ansagen und Struktur von außen.

Du bist kein Roboter.. Seine Beleidigungen, auch wenn es ihm eine halbe Stunde oder zwei Stunden später leid tut, prallen auf die Dauer nicht an dir ab und werden irgend wann Wirkung zeigen. Es ist ein Unterschied, ob dich die 20 Mädels beleidigen (was sie gar nicht tun werden), oder ob dich dein Freund beleidigt - das tut 1000mal mehr weh.

Die Angst vor dem Einsperren kommt wahrscheinlich noch aus Kindertagen. Da haben die Erwachsenen über den Kopf des Kindes oder Jugendlichen über so etwas entschieden. Was spricht dagegen, einen Menschen, der suizidgefährdet ist, vor sich selbst zu schützen? So ohne Weiteres wird niemand eingewiesen.

Er muss zum Arzt. Da führt kein Weg dran vorbei, je früher desto besser.
LG Hanghuhn
Murmel
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Re: Überfordert!

Beitrag von Murmel » 22. Januar 2018 06:19

Hallo,

auch für mich hört sich das nach mehr als bloß ADHS an. Dein Freund sollte sich schnellstens Hilfe suchen.
Du selbst solltest gut auf dich achten.

Drücke euch die Daumen.

LG Murmel
laetitia
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Re: Überfordert!

Beitrag von laetitia » 22. Januar 2018 08:56

Hanghuhn hat geschrieben: Du bist kein Roboter.. Seine Beleidigungen, auch wenn es ihm eine halbe Stunde oder zwei Stunden später leid tut, prallen auf die Dauer nicht an dir ab und werden irgend wann Wirkung zeigen. Es ist ein Unterschied, ob dich die 20 Mädels beleidigen (was sie gar nicht tun werden), oder ob dich dein Freund beleidigt - das tut 1000mal mehr weh.
Das kann ich nur bestätigen. Als ich meinen ehemaligen Nachbar kennen lernte, dachte ich, dass ich stark genug sei. Ich ging zwar keine Beziehung ein mit ihm, aber am Ende war es doch fast eine, einfach ohne Sex...

Im Verlaufe der Abende entwickelte sich oft folgendes Muster: Er wurde sentimental. Dann begannen die manipulativen Spielchen. Sehr subtil. Erst den Macker raushängen (ich kann jederzeit aufhören) bis zur Mitleidstour (glaubst du etwa, es wäre so einfach) um dann zu Vorwürfen über zu gehen (du machst mich fertig)...Lange Zeit war es mir möglich, zu erkennen, was abgeht und somit nicht mitzuspielen, etwas Distanz zu halten. Aber einerseits fühlte ich mich nach solchen Abenden ausgelaugt und brauchte Abstand. Andererseits Ist auch eine starke Persönlichkeit mal unachtsam und so kam es, dass er mich dann mit genau der gleichen Tour auf eine Weise verletzte, dass in mir wie etwas zerbrach, das in etwa über fünf Jahre brauchte, um wieder ganz zu werden. Das schaffte er dann noch zwei mal, woraufhin ich den Kontakt abbrach.

Darum, lass dich nicht einwickeln und mach es zur Bedingung, dass er Hilfe sucht.
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Sheherazade
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Re: Überfordert!

Beitrag von Sheherazade » 22. Januar 2018 10:21

Mal abgesehen davon, dass ich den anderen zustimme, dein Partner muss dringend zum Arzt, ist mir noch das hier aufgefallen.
Lumbi88 hat geschrieben:ich würde alles für ihn tun, aber es ist NIE perfekt oder gut genug. Er meint immer ich soll strenger mit ihm sein.
VIelleicht meint er nicht strenger im Sinne von Erziehung sondern dass du ihm (und dir) DEINE Grenzen aufzeigst und auch beibehältst. Menschen mit einer derart instabilen Psyche wie dein Freund neigen immer dazu, die Grenzen ihrer Mitmenschen, besonders im engeren Umfeld, permanent zu übertreten, sei es, weil sie sie nicht sehen oder nicht sehen wollen.

In vielen Punkten deines Beitrages habe ich meinen Mann wieder erkannt wie er vor 21 Jahren war als wir uns kennengelernt haben. Unser erstes gemeinsames Kind wird bald 20 Jahre alt und es hat einen Grund, warum wir "erst" 17 Jahre zusammenwohnen und verheiratet sind.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
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Re: Überfordert!

Beitrag von Signiert » 23. Januar 2018 10:43

Hallo Lumbi88 willkommen hier.

Auch mein Partner hat ADS (zwar ohne H aber vielleicht kann ich dir dennoch etwas nützliches schreiben. (Er bekam die Diagnose auch erst, nachdem wir schon längere Zeit zusammen waren).

Was ich von mir selbst kenne ist das Bedürfnis ihm irgendwie helfen zu wollen. Nach fast 3 Jahren viel Engagement und Energie habe ich jetzt allmählich wohl begriffen, das ich ihm nur sehr wenig bis gar nicht helfen kann wenn er selbst keine eigene Motivation hat etwas ändern zu wollen.
Vielleicht ist deine Überforderung eine Rückmeldung an dich selbst, das du ihm mehr helfen willst als es möglich ist?

Auch wichtig ist aus meiner Sicht, das du bei all der Aufmerksamkeit und Energie die du für ihn aufbringst, nicht vergessen oder missachten darfst auf Dich und Deine Bedürfnisse zu achten.
Meine Ansicht ist mittlerweile, das du ihm nur unterstützend helfen kannst aber nicht direkt etwas an ihm ändern kannst. Dafür sind Ärzte und Therapeuten zuständig, mit entsprechender Erfahrung und persönlicher Distanz. Du kannst ihm anbieten mit zum Arzt zu gehen als Unterstützung. Ich denke Diplomatie ist da wichtig, wenn er das Gefühl bekommt gezwungen oder gedrängt zu werden, könnte er das Thema Hilfe suchen abbrechen. Aus Angst oder Überforderung.
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