Partner mit Erwachsenen-Diagnose

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Hanghuhn
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Hanghuhn » 20. Januar 2018 13:41

Signiert hat geschrieben:Ich habe ab heute meinen kompletten Betrieb eingestellt, kümmere mich um überhaupt nichts mehr außer um mich selbst und alles weitere geht mir am allerwertesten vorbei. Ob es das Geschirr ist, das Aufräumen, das sauber machen, den Einkauf organisieren, den Müll rausbringen, etc. Nichts mehr davon mache ich. Nicht in der Hoffnung das sich was ändert, sondern das er irgendwann keine Wahl hat außer sich selbst drum kümmern zu müssen.

Ich hoffe, dass es was bringt. Hirn einschalten muss er schon selber.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 20. Januar 2018 19:30

Naja, ob das funktioniert ist nicht sicher. Vielleicht stört ihn das alles auch nicht. Aber ein Versuch ist es Wert.

Hast du denn eigentlich auch Freundinnen und Hobbies respektive Freizeitbeschäftigungen? Das ist jetzt nur so ein Gedanke, den ich beim Lesen deiner Beiträge hatte. Aber vielleicht könntest du etwas mehr in dein Sozialleben ausserhalb der Beziehung investieren, wenn dein Mann so wenig Interesse daran zeigt, Zeit mit dir zu verbringen. Dann ist nicht die ganze Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet und er merkt, dass du auch ein Leben hast und es nicht selbstverständlich ist, dass du einfach da bist. Männer brauchen das manchmal...irgendwie ist ihnen langweilig, wenn die Partnerin einfach immer da ist. Aber es ist auch für dich interessanter, wenn du nicht alle deine Bedürfnisse bei ihm zu stillen suchst. Du hast dann mehr zu geben und wirst interessanter.

Ich habe mich von meinem Ex im Frühling getrennt, nachdem wir so ein ständiges Hin und Her hatten und ich einfach fand, dass das für mich keine Beziehung darstellt. Wir sind im guten auseinander und seither meldet er sich viel öfters einfach von sich aus, hat sich mir gegenüber mehr geöffnet etc. Seit ich ab und zu auch schon mal was vor habe, wenn er was machen will, zeigt ihm, dass ich nicht einfach immer da bin, dass ich meine Prioritäten habe und dass er nicht immer zu diesen Prioritäten gehört. Ich fühle mich weniger einsam, denn ich habe ein immer besseres und tragfähigeres soziales Netz. Durch die Aktivitäten die ich habe, fühlt sich mein Leben reich an und ich gehe oft gut gelaunt zu Bett. Seit ich mein eigenes Leben mehr pflege, habe ich auch spannendere Interaktionen mit anderen...ein eigenes Leben zu haben macht unabhängiger und dadurch attraktiv ;) . Wenn dein Mann merkt, dass du auch für andere attraktiv bist, motiviert es ihn vielleicht, sich etwas mehr Mühe zu geben. Und wenn nicht, hast du dennoch ein gutes Leben, das nicht so sehr auf ihn fixiert ist...
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Murmel » 21. Januar 2018 10:59

Hanghuhn hat geschrieben:
Signiert hat geschrieben:Ich habe ab heute meinen kompletten Betrieb eingestellt, kümmere mich um überhaupt nichts mehr außer um mich selbst und alles weitere geht mir am allerwertesten vorbei. Ob es das Geschirr ist, das Aufräumen, das sauber machen, den Einkauf organisieren, den Müll rausbringen, etc. Nichts mehr davon mache ich. Nicht in der Hoffnung das sich was ändert, sondern das er irgendwann keine Wahl hat außer sich selbst drum kümmern zu müssen.

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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Hanghuhn » 21. Januar 2018 11:30

Hach, das Leben ist ja so kompliziert.

Mich lässt das mit dem Mülleimer nicht los. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dein Mann den Mülleimer übersehen hat.

[list=]Kann es so eine Art Trotz oder Auflehnung gegen Kleinkind-Methoden sein? Dann gibt es nur eine Antwort: Bei jemandem, der sich erwachsen benimmt, braucht man auch keine Kleinkind-Methoden anzuwenden.[/list]

[list=]Ist es ihm wirklich egal, wie es bei euch aussieht? Das glaube ich gar nicht, er will bloß nichts für das Gegenteil tun. Interessant ist zu beobachten, wie sich Leute, denen angeblich die häusliche Unordnung egal ist, in einer fremden, sauberen und ordentlichen Umgebung wohl fühlen - und das sichtbar! Wenn das so ist, musst du solche Situationen in "fremden, sauberen und ordentlichen Umgebungen" herbeiführen und ihn diskret darauf aufmerksam machen.[/list]

[list=]Eine dritte Möglichkeit sehe ich allerdings darin, dass er bereits in Depressionen abgeglitten sein könnte oder bereits auf dem Weg ist abzugleiten. Dann hätte ihn die ADS bereits mehr im Griff, als euch dein Mann und du bisher vorstellen konntet. Dann wäre es umso wichtiger, sich endlich um eine geeignete Therapie zu kümmern und außerdem die Depression in Angriff zu nehmen. [/list]

E führt halt kein Weg an einer eingehenden Diagnose und Therapie vorbei. Aber das ist dir ja schon länger bewusst.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 22. Januar 2018 21:09

Er kann es durchaus :mrgreen: Wenn er muss...Dann zwar unter zickigem Protest, aber die Fähigkeit sich darum zu bemühen scheint grundlegend vorhanden und auch, es zu vom Antrieb zu erledigen.

Heute der Spruch von ihm (ich hätte mich gerne lachend auf dem Boden geklingelt und musste mich beherrschen mir nichts anmerken zu lassen) Er: "Bei mir beschwerst du dich immer darüber wenn ich was nicht weg räume. Aber selbst machst du es doch auch nicht anders!" (Weil ich ja damit anfing meinen Aufräumen-Betrieb einzustellen.
Ich hätte sooo gerne was darauf kommentiert :D Aber er soll nicht wissen/merken das ich es im Prinzip mit Absicht mache.

Es hatte ihn auch heute offenbar gestört wie die Küche aussah (lagen eben meine leeren Verpackungen auf der Arbeitsfläche herum, das Brot vom Frühstück stand noch herum, usw.) Und während er sich über mich aufregte .. :roll: .. räumte er alles weg.
Aber offenbar scheint er Probleme mit Selbstreflektion und Wahrnehmung zu haben. Er scheint die Ähnlichkeit zwischen seinem "nichts wegräumen" usw. und meinem jetzigen Verhalten (ich mache im Prinzip sein Verhalten nach) nicht zu bemerken. Würde ich es ihm sagen würde er es vermutlich ungläubig abstreiten dass es so wäre. Ich denke aber das er das tatsächlich nicht so wahrnimmt, das passiert ihm auch in anderen Situationen häufig.

Zu gerne hätte ich ihm heute auf seine Zickereien vor Augen gehalten, das ich mich wie er verhalten habe und es ihm gerade identisch so geht wie mir sonst mit ihm. Ich mich über ihn sonst genau so aufrege wie er sich gerade über meine Hinterlassenschaften aufregt.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 22. Januar 2018 21:38

Ja, gut dass er es schafft, den Finger aus dem A* zu nehmen. Ich frage mich allerdings, ob es zielführend ist, nichts dazu zu sagen und zu erwarten, dass es bei ihm Klick macht. Also für den Moment vielleicht OK, aber da würde ich dann schon mal sagen, was dahinter steckt. Männer sind nicht so gut darin, Verhalten zu deuten...
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 23. Januar 2018 10:21

Heute früh haben wir darüber geredet (Es ist verblüffend, er regt sich über meine momentane nicht-Ordnung mehr auf als ich mich über seine) :roll: Das es ihm gerade so geht, wie es mir sonst wegen seinen Hinterlassenschaften geht (Vielleicht hilft der Vergleich, das er es jetzt selbst nachempfinden kann) Und er sich genau so über das aufregt, worüber ich mich sonst bei ihm aufrege.

Ich habe ihm dann gesagt, das es so nicht zielführend ist. Entweder räume ich meine Sachen weg, er lässt seins liegen und ich bin sauer, oder ich lasse meine Sachen liegen, er räumt es weg und ist dann sauer.
Mein Vorschlag war letztlich, das wir beide zufrieden wären wenn jeder darauf achtet einfach seinen Kram weg zu räumen. Dann muss niemand zu viel machen, niemand ist sauer und trotzdem ist alles aufgeräumt und erledigt. Überraschender Weise folgte darauf keine Rechtfertigung, Ausrede oder Fehlersuche bei anderen, vielleicht kam es tatsächlich an.

Als Versuch werde ich heute mit gutem Beispiel voran gehen und alles was ich hinterlasse weg räumen, sauber machen, etc. Aber nichts von dem was er hinterlassen hat. Dann mal gucken was er tatsächlich weg räumt wenn er nach Hause kommt. So lange ist das Gespräch immerhin noch nicht her, das er es schon vergessen hätte worüber wir geredet haben.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 23. Januar 2018 11:00

Hey, tönt doch mal gut. Hoffen wir, es ist nachhaltig :mrgreen:

Falls es nicht klappt, vielleicht wäre auch eine Umkehrung der Aufgaben eine Lösung. Er räumt deinen kram weg und du seinen. Aber eben, das geht natürlich nur, wenns ausgeglichen ist und man sich dabei nicht über den anderen aufregt. Und schlussendlich ist das Ziel, dass er auch sieht, wo was getan werden sollte.

Das ist mir auch nur in den Sinn gekommen, weil ich als Kind gerne das Zimmer meines Bruders aufräumte, während ich selbst im Chaos versank. Meine Mutter wurde dann immer wütend, weil sie nicht verstehen konnte, warum ich das Zimmer meines Bruders aufräumte, mein eigenes aber nicht ordentlich halten konnte...die Ergotherapeutin, mit der ich ein Aurfäumcoaching machte vor zwei Jahren meinte aber, das sei typisch ADHS...

An fremden Orten Ordnung zu halten oder für andere Ordnung zu machen, fällt und fiel mir nie schwer. Ordnung in meinem eigenen Haushalt habe ich bis jetzt nicht hinbekommen. Jedenfalls nicht ohne Medis. Mit Medis, ich nehme die erst seit Dezember, weil ich mit Methylphenidat schlechte Erfahrungen gemacht hatte und dann auch meine Diagnose wieder anzweifelte...andere Geschichte...jedenfalls nehme ich seit Dezember Elvanse und bin immer wieder überrascht, wie strukturiert ich denken kann damit. Zur Zeit bin ich mit Lernen ausgelastet, aber sobald die Prüfungen vorbei sind, werde ich mich dem Chaos annehmen und habe zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, dass ich es schaffen werde. Vor einem Monat hat ein Freund mir geholfen, mal das Gröbste aufzuräumen. Es liegen jetzt nur noch wenige Sachen auf dem Fussboden...und es ist mir tatsächlich gelungen, den Status Quo zu halten. Ausserdem habe ich es geschafft, Küche und Bad aufzuräumen.

Die Leute sagen dann immer, Aufräumen muss man selbst, das tun die Medis nicht...aber es räumt sich einiges leichter auf, wenns einfach so geht, man nicht ständig von Gedanken unterbrochen wird und auf dem Weg zur Küche, wo man zum Beispiel einen Abfallsack holen wollte, dann noch dies und das einfällt und man am Ende mit einem Kaffee statt dem Abfallsack zurück ins Wohnzimmer kommt...

Aber jetzt bin ich gerade etwas abgeschweift...hehe :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 23. Januar 2018 11:45

Wow bitte nicht. :shock:
Nachdem er gestern meine liegen gelassene Käse Verpackung weg räumte, fand er eins nach dem Anderen und es endete darin das er stellenweise die Küche anfing umzuräumen. Topflappen waren schließlich in der Besteck-Schublade anstatt bei den Kochsachen, der Wasserkocher stand wo anders usw.
Ok er denkt anders und er hat es vermutlich so gemacht, wie es ihm sinnvoll erschien. Und vermutlich aus dem Grund es verbessern zu wollen. Ist das denn auch etwas typisches für Menschen mit ADS?
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 23. Januar 2018 19:55

Also, ich würde mal sagen, dass es normal ist, dass man die Sachen gern so verräumt, wie es für einen am besten passt. Wenn die Küche bis dahin deine Domäne war, kann es gut sein, dass er nicht so geübt darin ist, wo was hingehört. Vielleicht auch, weil es nicht intuitiv für ihn ist.
Ich hatte das mal mit einer Mitbewohnerin. Wir räumten die Sachen nach ihrer Logik ein. Das war aber völlig kontraintuitiv für mich und ich konnte mich nie wirklich daran gewöhnen. In meiner jetzigen Wohnung musste ich nach einem ersten Einräumen auch nochmals umräumen, bis es für mich passte...weil ich die Sachen ständig in den falschen Kästchen suchte, was ziemlich nervig ist...wenn man dabei noch vergisst, was man eigentlich sucht...

Was aber typisch ADHS ist: Musste ich mein Zimmer aufräumen gab es genau zwei Strategien, die halfen.
1. Ein Zeitultimatum mit abgedrohten Konsequenzen.
2. Das Zimmer komplett unstellen. Alles auf den Boden, Möbel verschieben, alles wieder einräumen.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 24. Januar 2018 12:38

Wir haben seine Arzt Unterlagen von früher ausdrucken lassen, wegen den Psychiater Terminen.

Probleme hatte er schon als Kind, (Extreme Konzentrationsschwächen, Auseinandersetzungen mit der Mutter beim Lernen, Ärger mit der Mutter die ihm als Erziehung viel verbietet, im Scenotest lies er seine Mutter weg, festgestellte Hochbegabung, blühende Fantasie, verträumt, verweigert oft die Mitarbeit im Unterricht, etc.)

Ob eine ADS Diagnose vorlag geht aus den Unterlagen nicht hervor aber sein früherer Kinderarzt hatte ihm damals Ritalin verordnet. Also wird da vermutlich schon was gewesen sein, da bekommt man doch nicht ohne Grund verordnet. Seine Mutter hat es nach seiner Erzählung nach kurzer Zeit abgesetzt, nach seiner Aussage half es ihm aber. Er bekam weder Förderung, noch andere Hilfe wegen seiner Probleme.

Seine Mutter hat eine Art Helfersyndrom und fühlt sich nur wichtig und wertvoll, wenn sie das Gefühl hat gebraucht zu werden. (Erzählung ihres Mannes) Ein ADS hatte er nie selbst abklären lassen, weil seine Mutter ihm sagte er hätte kein ADS. (Seine eigene Aussage). Die Abklärung in Mannheim hatte ich veranlasst, eben weil es von seiner Kindheit keine Unterlagen über eine ADS Diagnose gibt und ich eine eindeutige Info sinnvoll fand.

Bei 2 Situationen wurde er selbst misstrauisch (Als er die ADS Diagnose bekam, obwohl seine Mutter ihm einredete er hätte kein ADS. Und als er sein Abi nachholen wollte und die Mutter meinte er solle es nicht machen weil er es nicht schaffen würde wegen fehlendem Antrieb für die Schule zu lernen. Er redet sich die Probleme mit seiner Mutter aber selbst schön, ich denke vielleicht will er es nicht wahr haben.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 29. Januar 2018 10:02

Eine kurze Rückmeldung über den momentanen Verlauf.

Leider neigt er sehr dazu, sofort alles aufzugeben und hinzuschmeißen, wenn eine Hürde kommt oder wenn er beim ersten Versuch scheitert. In so einer Phase ist er momentan, alles sei sch**ße, er kann überhaupt nichts, etc.
Das führt aber direkt zu impulsartigen unbedachten Handlungen, das er ohne zu überlegen seinen Arbeitsplatz kündigt, alle Interessen aufgibt, alles verkaufen will und ähnlichen Kurzschlusshandlungen.

Ich muss zugeben das er tatsächlich oft scheitert trotz viel Mühe und sich übermäßig bemühen müsste um ähnliche Erfolgserlebnisse zu haben wie normale Menschen bei normaler Bemühung hätten. Bei seiner zusätzlich geringen Frustrationstoleranz. Daher bin ich mir mittlerweile sicher, das er irgend ein ihn unterstützendes Medikament braucht um ein normaleres Alltagsleben haben zu können.

Ich hoffe das zumindest einer der von ihm ausgesuchten Psychiater eine tatsächliche Hilfe für ihn ist.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 29. Januar 2018 11:40

Hoffen wir, dass es klappt mit einem Psychiater und ihr was findet, das hilft.

Gleichzeitig denke ich, braucht er vielleicht mehr als ein Medi. Medis können viel bewirken. Das Selbstvertrauen muss man aber trotzdem aufbauen. In Momenten wo ich das Gefühl habe, dass in meinem Leben alles falsch läuft, versuche ich an die Dinge zu denken, die richtig laufen. Ich hatte eine Zeit, da war ich so frustriert mit mir selbst, dass ich nur sah, was ich nicht schaffe und kann. Beim rekapitulieren des Tages, abends im Bett, kamen mir all die Sachen in den Sinn, die ich schon wieder nicht erledigt hatte. Ich habe mir dann für eine Weile eine neue Routine angeeignet. Anstatt an den Dingen herumzustudieren, die nicht klappten, überlegte ich, was ich am Tag alles getan hatte. Angefangen mit dem Aufstehen am Morgen, duschen, mich anziehen, frühstücken etc. Das hat die Gefühle mir selbst gegenüber stark verändert. Auch sonst habe ich mir oft gesagt, dass ich voll ok bin, dass ich was kann und eine tolle Person sei. Über die Zeit hat sich das in mein Unterbewusstsein eingeprägt.

Die Medikamente tun noch das ihre dazu, weil ich damit auch zeigen kann, was ich mir zuredete, und das stärkt auch das Selbstvertrauen. Es ist nicht mehr so vage...also so ein diffuses Wissen darüber, dass ich ja könnte, wenn...sondern ein klares Wissen, dass ich kann.

Vielleicht hilft es deinem Mann, wenn du mit ihm eine Liste machst, darüber, was er gut macht und bisher schon erreicht hat. Was du an ihm schätzt und magst. Und wenn er so eine Phase hat, wo ihn das Leben so sehr frustriert, dass er den Glauben an sich für den Moment verloren hat, kannst du ihn daran erinnern.

Wir tendieren oft dazu, zu sehen, was nicht läuft und verlieren dann die Sicht auf das, was läuft...
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 29. Januar 2018 13:11

Das sehe ich auch wie du was die Medikamente betrifft. Gleichzeitig habe ich den Eindruck das er es ohne Medikation erst gar nicht schafft irgendwas aufzubauen oder an sich arbeiten zu können. Nur Medikamente finde ich auch nicht die Lösung, bei ihm sehe ich es eher als Grundlage damit er überhaupt in der Lage ist an sich arbeiten zu können, Therapie zu schaffen, etc.

Ich weiß nicht ob ich dich richtig verstanden habe, so eine Liste fände ich eher nicht sinnvoll. Ich möchte ihm nicht die Welt schön reden, so lernt er denke ich nicht mit negativem umzugehen.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Eva » 29. Januar 2018 18:39

Hallo zusammen.
Ich musste beim Lesen der Postings häufiger schmunzel und suchte dann den Vergleich zwischen mir und meinem Mann. Ich habe nämlich ADS und nehme Medis, er ist aber ein sogenannter Stino! Unser Haus habe ich gut im Griff, es ist nie chaotisch, alle Dinge haben ihren Platz ... was für mich ziemlich wichtig ist und das Aufräumen somit Routine.

Mein Mann: Experte darin irgendwelche Dinge ... vor allem aus seiner Werkstatt, der Gartenhütte, seinem Arbeitszimmer und Garage ... irgendwo " zwischenzulagern". Im Haus, auf den Kellerstufen, im Vorraum vor der Kellertür, auf der Terrasse. Das kann sich dann schon mal über einige Wochen hinziehen, ich denke er sieht das irgenwann gar nicht mehr ... und mich macht das dann irgendwann ziemlich kirre. :roll:

Über sein Zimmer sage ich nichts ... ist seine Bude! :lol:

Unordnung oder das nicht registrieren ( wollen? ) von Notwendigkeiten, hat nun wirklich nicht unbedingt etwas mit ADHS zu tun. Ein ADHSler hat schwerpunktmäßig ganz, ganz andere Probleme und der Normalste unter den Stinos kann der größte Chaot sein.

LG Eva
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Agatha » 30. Januar 2018 10:08

Eva hat geschrieben:Unordnung oder das nicht registrieren ( wollen? ) von Notwendigkeiten, hat nun wirklich nicht unbedingt etwas mit ADHS zu tun. Ein ADHSler hat schwerpunktmäßig ganz, ganz andere Probleme und der Normalste unter den Stinos kann der größte Chaot sein.

Unordnung ist schon eine typische Herausforderung von ADSHler. Man braucht nur die vielen Artikeln zu dem Thema lesen.(*)

Aber ich stimme dir zu, es ist hier nicht das einzige Problem. Ich denke es liegt eher daran, dass er ADSH hat UND ein Mann ist.

Wenn man die Ordnung im Haushalt nicht als die eigene Aufgabe sieht, bewusst oder unbewusst, dann steckt man auch nicht super viel Energie darin, Haushaltstätigkeiten zu erledigen. Und man akzeptiert nicht, dass es ein Problem ist, es nicht zu schaffen. Socken liegen lassen wird kulturell als "typisch Mann" gesehen, und als ein triviales Problem freundlich ausgelacht.

Wenn ich es nicht schaffe, mein Haushalt in Ordnung zu halten, es ist als Mutter von zwei Kinder ein deutlich unterschiedliches schuldgefühl. Da bemühe ich mich, Tricks zu finden. Ich google nach Methoden, mich zu organisieren, oder gehe zu einem Coach, der mir dabei hilft. Ein Mann wird eher denken "na ja, ich bin halt so". Vor allem, wenn dann die Socken "von allein" in die Wäsche landen, wo ist für ihn das Problem? Es gibt halt keins.

(*) Ein paar Beispiele (ja, das Thema ist ziemlich relevant zu meinem Leben):
https://www.additudemag.com/housekeeping-made-easy/
https://www.additudemag.com/overwhelmed-mom-with-adhd/ (merkt wies es um Mütter geht, obwohl es genauso relevant für Männer sein könnte?)
http://www.thedistractedmom.com/adhd-ho ... intenance/
http://untappedbrilliance.com/housework-and-adhd/
https://psychcentral.com/blog/7-tips-fo ... with-adhd/

und, und, und. Es gibt auch ganze Bücher über das Thema.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 30. Januar 2018 10:16

Stino

Danke, wieder was gelernt. :lol: (Ich kannte die Abkürzung bisher nicht)

Es ist wirklich gut und sehr hilfreich, all diese Rückmeldungen über (und von) Menschen mit ADS oder auch deren Angehörigen mit entsprechend weitreichender Erfahrung zu bekommen. Das hilft mir, einigermaßen sortieren zu können was ich seinem ADS zuordnen könnte, was ich von ihm verlangen/erwarten könnte (als Mann und als Person mit ADS)
...oder was er einfach wirklich nicht kann. (als Person mit ADS oder als Mann) :roll:

Bei meinem Mann passiert es auch gelegentlich, das er über (größere) Dinge stolpert. Entweder guckt er nicht wohin er läuft oder er ist (gedanklich) nicht genug bei der Sache, als das ihm auffallen würde dass da was steht.
(Ja, wenn man den Staubsauger, oder die Tasche, oder die Schuhe,...zwischenzeitlich weg geräumt hätte, wäre das nicht passiert).

Ein Mann wird eher denken "na ja, ich bin halt so". Vor allem, wenn dann die Socken "von allein" in die Wäsche landen, wo ist für ihn das Problem? Es gibt halt keins.

Sehr gut beschrieben. :D
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 30. Januar 2018 11:07

Signiert hat geschrieben:Ich weiß nicht ob ich dich richtig verstanden habe, so eine Liste fände ich eher nicht sinnvoll. Ich möchte ihm nicht die Welt schön reden, so lernt er denke ich nicht mit negativem umzugehen.


Nein, das hat mit schönreden nichts zu tun. Es geht nicht darum, so zu tun, als wäre alles super und gäbe es kein Problem. Aber wenn der Fokus nur auf den Problemen liegt, ist meiner Erfahrung nach eine Veränderung schwierig. Wenn nur noch Frust da ist, man aufhört an sich selbst und seine Fähigkeiten zu glauben, kommen sehr schnell sehr dunkle Gedanken auf. Aber auch jemand, der mühe hat im Alltag hat stärken und positive Seiten. Die vergisst man schnell, wenn man nur auf das schaut, was nicht läuft...und dann kommt man sich wie der grösste Versager vor, der nichts auf die Reihe bekommt und ohne den die Welt besser dran wäre.

Und @Eva, mag sein, dass Ordnung bei dir kein Zentrales Thema war und ist. Bei mir war es eigentlich der Hauptgrund für meine Abklärung und dass ich es jetzt nochmals mit Medis versuche. Die Medis machen einen Unterschied darin, wie ich die Unordnung wahr nehme und beseitige. Es ist nicht mehr ein überforderndes Chaos, das kein Ende nimmt und ich nicht weiss, wo überhaupt anfangen. Es fällt mir plötzlich leicht, zu sehen, wo ich was verräumen soll. Ich sehe auch eher die Dinge, die rumliegen.

Und ja...ich stolpere auch öfters, schlage meine Zeh in Objekte und habe ab und zu blaue Flecken, von denen ich keine Ahnung habe wie die entstanden sind.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Eva » 30. Januar 2018 14:25

Und @Eva, mag sein, dass Ordnung bei dir kein Zentrales Thema war und ist. Bei mir war es eigentlich der Hauptgrund für meine Abklärung und dass ich es jetzt nochmals mit Medis versuche. Die Medis machen einen Unterschied darin, wie ich die Unordnung wahr nehme und beseitige.


Ich wollte auch nur zum Ausdruck bringen, das Unordnung / Chaos allein, nicht unbedingt ADHS bedeuten muss. In meinem Freundeskreis sind sehr viele ADHSler und bei denen zuhause ist es top. Umgekehrt kenne ich viele "Stinos" und ihr häusliches Chaos. :mrgreen:

Was die "Zuständigkeit" für Ordnung in Wohnung / Haus betrifft, hast Du aber ganz sicher recht! Frauen sind immer noch für Sauberkeit und Ordnung "zuständig", auch dann wenn sie Vollzeit berufstätig sind. Ein (ADHS) Mann mit seiner ganz eigenen Wahrnehmung ,sieht möglicherweise selbst dann immer noch kein Problem, wenn die Partnerin bereits grünviolett anläuft.

Meine Bedürfnis nach Ordnung und Harmonie, habe ich witzigerweise meinem ADS zu verdanken. Mit Chaos im Kopf, kann ich nicht auch noch Chaos um mich herum gebrauchen. Daraus entwickelte ich eine Strategie und das funktioniert gut! Ich brauche Ordnung um mich besser aushalten zu können. Auch mit Medis.

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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 31. Januar 2018 10:11

Als ich meine Sachen nicht weg räumte sah er das und schaffte es auch überraschend gut das aufzuräumen. Das lässt das bei mir die Frage aufkommen, warum er das bei seinen Sachen nicht schafft. Ich will ihm keine Vorwürfe für etwas machen, wofür er wegen ADS nichts könnte. Aber Verhaltensweisen die nicht ADS bedingt sind, sollen auch nicht durch ADS versucht werden zu rechtfertigen.

Das ist der Punkt den ich versuche herauszufinden, was bei ihm ADS bedingt ist und was z.B. Faulheit, oder Unselbstständigkeit wäre. Was ich von ihm erwarten/verlangen kann und was er wirklich nicht auf die Reihe bekommt.

Ich merke gerade, das ich wieder viel zu viel mache und ihm abnehme... :o
Das ist alles nicht meine Aufgabe, schon gar nicht ohne das er selbst das Bedürfnis dafür hat. Wenn er um Hilfe bittet kann ich ihm helfen. Aber ich muss weder irgendwas herausfinden, noch muss ich mir Strategien für seine Probleme überlegen. Zumindest die Motivation dafür sollte von ihm kommen, nicht ausschließlich nur von mir. (Immerhin habe ich es selbst gemerkt).

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