Partner mit Erwachsenen-Diagnose

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Agatha
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Agatha » 31. Januar 2018 11:20

Signiert hat geschrieben:Das ist der Punkt den ich versuche herauszufinden, was bei ihm ADS bedingt ist und was z.B. Faulheit, oder Unselbstständigkeit wäre. Was ich von ihm erwarten/verlangen kann und was er wirklich nicht auf die Reihe bekommt.

Es geht nicht wirklich darum, ob er es kann oder nicht, sondern unter welche Bedingungen er es kann.

Ausreden sind dabei genau so wenig hilfreich wie Vorwürfe. Das Problem ist, die Art und Weise wie ADHS Menschen sich verhalten sieht häufig absurd und unlogisch aus. Wenn etwas dringend, brennend, JETZT schmerzt, oder sehr bald schmerzen wird, kann das Gehirn damit umgehen. Es wird in einer Woche schmerzen? Nicht aktuell, nicht relevant. ADHS Menschen können nicht mit langfristigen Konsequenzen umgehen. (Ich habe nie verstanden wie andere Leute sich von Jahresprämien motivieren lassen? In ein Jahr? Es existiert nicht für mich).

Jetzt habt ihr über das Thema Aufräumen geredet, es schmerzt, er macht das. Mit einigen Chancen kann er für eine Weile an nichts anderes denken! Die ganze Küche wird umorganisiert. In zwei Wochen? Thema abgelaufen. Es kann nicht halten, nicht ohne gezielte Strategien, die für ADHS Menschen funktionieren.

Du bist nicht seine Mutter. Du kannst nicht anfangen, ihn Timers zu kaufen oder Stickers zu geben. Aber wenn er einfach verspricht, besser zu werden, und dann versucht es so zu tun wie jeder andere es tut, fährt er sich selbst gegen die Wand und es wird in Konflikte und Ärger enden. Er muss sein ADHS besser verstehen. Und er vor allem muss so viel wie möglich lernen, wie sein Gehirn funktioniert, und wie er damit umgehen kann. Es geht nicht nur um das Aufräumen. ADHS hat Konsequenzen bei der Arbeit, bei der Kindererziehung, Freundschaften, Geld, alles. Er muss verstehen, dass er Kontrolle über sein Leben haben kann, aber nur mit genug Wissen und Verständnis.

Du könntest den Startschuss mit einem guten Buch geben, vielleicht. Vielleicht hat jemand hier Empfehlungen? Ich habe alles auf Englisch gelesen und kenne mich mit deutschsprachige ADHS Bücher nicht aus.

Aber vor allem musst du gegen dir kämpfen, unnötig sein Leben einfacher zu machen. Lass die Socken auf dem Boden liegen. Deine Eltern besuchen am nächsten Tag? Fein, das ist eine Deadline. Mit Dringlichkeit kann ADHS gut umgehen. Mach Panik wenn es sein muss. Je mehr es jetzt drückt, desto einfacher es ist, eine Aufgabe zu erledigen.

Alles andere muss er selber herausfinden.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 31. Januar 2018 12:43

Agatha hat geschrieben:Er muss sein ADHS besser verstehen. Und er vor allem muss so viel wie möglich lernen, wie sein Gehirn funktioniert, und wie er damit umgehen kann.

Ja ich denke das hat jetzt endlich auch bei mir "klick" gemacht, dass ich das verstanden und verinnerlicht habe.

Du könntest den Startschuss mit einem guten Buch geben, vielleicht.

Leider kann ein Buch noch so gut sein, es nutzt nichts wenn er nicht die Motivation hat in das Buch rein zu gucken und sich damit zu beschäftigen.
Agatha
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Agatha » 31. Januar 2018 15:19

Signiert hat geschrieben:
Du könntest den Startschuss mit einem guten Buch geben, vielleicht.

Leider kann ein Buch noch so gut sein, es nutzt nichts wenn er nicht die Motivation hat in das Buch rein zu gucken und sich damit zu beschäftigen.

Natürlich nicht :(
Was sagt er, wenn du mit ihm darüber sprichst? Ist er immer noch in einer "es nutzt alles nichts" Stimmung?
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 31. Januar 2018 16:27

Eva hat geschrieben:Ich wollte auch nur zum Ausdruck bringen, das Unordnung / Chaos allein, nicht unbedingt ADHS bedeuten muss.


Ich glaube, das sagt hier auch niemand. Logischerweise ist nicht jeder Chaot ein ADHS-ler. Aber ADHS-ler haben typischerweise mühe, ordentlich zu sein. Ohne Medis. Dass es dir gut gelingt, Ordnung zu halten, MIT Medis, ist meiner Meinung nach nichts ungewöhnliches. Die Frage wäre, wie es denn vor den Medis aussah.

Ausserdem gibt es auch Situationen, in denen eis einem einfacher fällt. Als ich noch in WGs lebte, da hatte ich in den allgemeinen Räumlichkeiten auch Ordnung. Da war der soziale Druck gross genug. Als ich dann als Hauptmieterin in eine Wohnung zog, in die ich noch eine Mitbewohnerin aus der alten WG mitnahm, gelang es mir schon nicht mehr so gut. Wohl, weil es nun nicht mehr allgemein war, sondern die Wohnung auf meinen Namen lief. Warum das so einen Unterschied machte, kann ich selber nicht sagen. Es gelang mir einfach nicht mehr und ich schämte mich sehr dafür. Als meine Mitbewohnerin dann auszog, wurde es immer schlimmer und ich brauchte Hilfe von Aussen, um das einigermassen hinzubekommen bevor ich dann umzog.

Ausserdem, wenn jemand mit mir wohnt der chaotischer ist als ich, dann läuft es auch besser. Auch da kann ich nicht sagen, warum das so ist. Auch wenn jemand ähnlich chaotisch ist, gehts besser.

Und fremdes Chaos kann ich besser aufräumen als mein eigenes.

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Vielleicht zerbrichst du dir im Moment auch zu sehr den Kopf. Wenn ihr mal mit Medis dran seid, werdet ihr sehen, was ADHS-Bedignt ist und wo dein Mann einfach faul ist. Wie gesagt, ich kann nur von mir reden und ich selber bin Weiblich und daher halt eben anders konditioniert. Ich schämte mich immer für meine Unordnung, fühlte mich nie wohl darin, schaffte es aber nicht, etwas zu ändern. Immer wieder habe ich es versucht, nur um ein paar Wochen später wieder im gleichen Chaos zu versinken. Da ist halt dann auch die Frage, wozu überhaupt versuchen, wenns ja doch nicht nachhaltig ist. Mit Medis habe ich das erste Mal das Gefühl, dass es geht. Wenn ich dann soweit bin, dass ich auch wieder gerne Gäste in meine Wohnung einladen würde, kann ich ja mal einen Vorher-/Nachher-Post machen...
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Eva » 31. Januar 2018 23:25

Ich glaube, das sagt hier auch niemand.


Ich schliesse das nur aus dem vorherrschendem Thema, nichts für ungut.

Vor meiner Diagnose war ich auch recht ordentlich, hat mich aber viel Zeit und Diziplin gekostet, driftete oft ab in *Pingeligkeit". Das ist heute zu Glück anders.

Gruß Eva
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 1. Februar 2018 10:40

Agatha hat geschrieben:Was sagt er, wenn du mit ihm darüber sprichst? Ist er immer noch in einer "es nutzt alles nichts" Stimmung?

Mir fällt es schwer ihn da einschätzen zu können. Wenn ich wüsste was sein Problem ist, könnte ich für mich und mein Verhalten Infos finden.

Ich vermute das er außer ADS noch andere psychische Probleme hat die mit reinspielen. Und ich denke das er zwingend eine Therapie braucht, die seinen Problemen auf den Grund geht. Nur von ADS kommt das nicht alles. Ich als Laie kann aber weder mögliche psychische Erkrankungen herausfinden, und selbst wenn ich wüsste was er noch hat, müsste daran eine Fachperson mit ihm arbeiten.

laetitia hat geschrieben:Vielleicht zerbrichst du dir im Moment auch zu sehr den Kopf.

Das Problem ist aus meiner Sicht, dass es an manchen Punkten auch Auswirkungen auf mein Leben hat. (Ordnung, Sauberkeit/Hygiene, Finanzen, etc.) An den Punkten wo es mein Leben betrifft, bin ich langfristig für mein Leben gezwungen einzugreifen.

Vielleicht wäre sogar eine stationäre Therapie angebracht, das er dort mit sich und seinen Problemen selbst klar kommen muss und er nicht mich als Hilfe hintendran hat. So viel zur schönen Theorie.

Wenn ihr mal mit Medis dran seid, werdet ihr sehen, was ADHS-Bedignt ist und wo dein Mann einfach faul ist.

Immerhin ist er mit dem neuen Medi-Versuch einverstanden, wenn auch nicht aus Eigenmotivation sondern nur weil ich es möchte. Ich hoffe das er durch ihm helfende Medis in der Lage ist eine Therapie, wenn auch nur ambulant, durchzuziehen.

Sachlich mit ihm über die Probleme reden hilft auch nicht. Er scheint es entweder anders wahrzunehmen, oder er redet sich im Kopf selbst eine andere Realität ein. Ich müsste ihn permanent filmen damit er die Realität annehmen/glauben würde.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 1. Februar 2018 11:34

Natürlich hat es Auswirkungen auf dein Leben. Aber er hat ja einen Arzttermin, wenn ich das richtig im Kopf habe. Bis dahin brauchst du Geduld und es bringt wenig, wenn du dich im Vorfeld verrückt machst mit all den Gedanken über deinen Mann. Die Sache läuft.

In der Zwischenzeit kannst du auf dich acht geben. Achtsam sein, wo du sein passives Verhalten verstärkst und sein Aktivsein möglicherweise entmutigst. Und überlegen, wie du es gern möchtest. Was für dich unbedingt sein muss, damit du dich wohl fühlst und wo du auch etwas lockerer sein kannst.

Ich kann mir vorstellen, dass er sich durch deine intensive Auseinandersetzung mit seinem Verhalten auch etwas gestresst fühlt und das innere Trotzkind in ihm wach wird. Ich finde es gut, dass du dich informierst und nach Lösungen suchst. Im Moment wirkt es auf mich einfach, als würdest du dich selbst in etwas hineinsteigern, das am Ende wenig bringen wird.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 1. Februar 2018 12:37

Es läuft eben schon seit 2014 so ohne Veränderung oder Besserung bisher. Da geht mir irgendwann die Geduld aus, wenn ich mich seit 4 Jahren um seine Probleme bemühe, ohne das er sich selbst mit bemüht. Die ADS Abklärung, den ersten Versuch mit Medikation, den Versuch mit der Therapie,...war alles meine Bemühung.
Den neuen Versuch jetzt mit den Medis macht er auch nur weil ich es möchte, ohne Eigenmotivation.

(Ich gebe zu das ich die Jahre zuvor zu viel für ihn gemacht habe, was sich jetzt auch durch die Erkenntnis geändert hat. Zumindest die Punkte wo es mich und mein Leben betrifft kann ich trotz allem aber nicht ignorieren).

Da beide Psychiater keine ADS Fachleute sind (lieber die nächstgelegenen genommen anstatt auf ADS Kenntnisse zu achten. Kommt mir vor wie, Hauptsache erfüllt was ich will) ist es 50/50 wie hilfreich diese Arzttermine tatsächlich sein werden.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 1. Februar 2018 22:07

Hm...also, wenn das schon so lange geht, müsstest du dir ev. mal Gedanken machen, warum du das alles immernoch mit machst.

Meiner Erfahrung nach tun Männer oft erst, was man sich von ihnen wünscht, wenn man aufhört, es von ihnen zu erwarten. Wenn es einem egal wird und man anfängt, sein eigenes Leben zu leben. Mein Ex hat eine posttraumatische Belastungsstörung. Anfangs unternahm er nichts, um mit sich selber einen besseren Umgang zu finden. Ich schlug ihm eine Therapie vor, von der ich gehört habe, dass sie sehr erfolgreich ist. Ein halbes Jahr später kam dann der Zusammenbruch. Ich fragte, ob er sich das mit der Therapie denn mal angeschaut hätte. Seine Antwort: Warum, ich hatte ja nichts. Ehm...funktioniert hat er, ja, aber Symptome hatte er auch, nur glaubte er, er hätte die soweit unter Kontrolle, dass das niemand ausser ihm merkt und beeinträchtigt.

Als ich dann schluss machte, weil mir sein ständiges Abstandnehmen nachdem wir einen schönen und intimen Abend hatten zuviel wurde, fing er plötzlich an, sich von sich aus zu melden, fing an Therapie zu machen und wurde allgemein offener. Allerdings erst, als es mir egal wurde und ich mich mehr auf mein eigenes Leben konzentrierte.

Im Moment hat er wieder eine mühsame Phase, in der er kaum zuhört und nur von sich erzählt, in Momenten, wo mir überhaupt nicht nach zuhören ist. So zum Beispiel letzte Woche, wo ich nach den Prüfungen extrem erschöpft war. Das hat mich genervt und ich habe mich etwas rar gemacht und mir gesagt, dass es mir egal ist. Ich habe mittlerweilen ein soziales Netz, das solide und gross genug ist, dass ich meine Zeit auch mit anderen verbringen kann. Das hilft.

Vier Jahre hätte ich sowas nie mitgemacht. Ausserdem wär mir das zu anstrengend gewesen, mich so lange mit jemand anderem auseinanderzusetzen. Am Ende bin ich für mein Leben verantwortlich und er für seines. Er kann entscheiden, ob er Teil meines Lebens sein will, indem er etwas ändert und sonst hat er gehabt. Das habe ich ihm auch mitgeteilt. Dabei habe ich ihm klar gesagt, womit ich ein Problem habe und was die Konsequenzen sind, wenn da nichts passiert.

Anstatt dich noch länger mit deinem Mann auseinanderzusetzen, würde ich an deiner Stelle meine Energie dafür einsetzen, zu spüren was du willst und was dir wichtig ist und welche Konsequenzen das haben wird.

Wenn ich jemanden hätte, der sich vier Jahre lang mit mir und meinen Unzulänglichkeiten auseinandersetzen würde, wüsste ich nicht, ob ich mit der Person noch etwas zu tun haben wollte.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 2. Februar 2018 11:22

Du bist nicht die erste Person wo mir so etwas (ähnliches) sagt. ;)
Wenn ich hätte gehen wollen, wäre ich schon gegangen. ADS ist nicht einfach, für alle Beteiligten nicht. Ich denke Hyperaktiv wird keinesfalls einfacher oder angenehmer im Umgang sein wie Hypoaktiv.

Fast ein 3/4 Jahr Zeit ging für den ersten Psychiater und den Versuch mit "Medikinet" vorbei. Dann noch die 3 anderen wirkungslosen Wiederaufnahmehammer. Und die 3 Monate seines ambulanten Therapieversuchs.

Hürden gibt es auch in einer normalen Beziehung, umso mehr Hürden vermutlich in einer Beziehung mit einem ADS Partner.
Ich weiß nicht was für psychische Zusatzprobleme er noch haben könnte, aber vielleicht hindert ihn etwas zusätzliches daran es alleine schaffen zu können. Darüber kann/möchte ich erst urteilen, wenn ich tatsächlich weiß was seine Probleme sind.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 2. Februar 2018 21:54

Also...ich hatte mal sowas wie eine Beziehung zu einem Alkoholiker. Da machte ich mir sehr ähnliche Gedanken. Irgendwann musste ich aber aufhören damit und anfangen für mich zu schauen. Ich bin heute Überzeugt, dass er eine Borderlinepersönlichkeitsstörung hat. Aber die Sache ist doch die: Er hat ein Problem, das nur er lösen kann. Er löst es nicht. Was kann ich tun? Ihn so akzeptieren, es aushalten, für ihn die Verantwortung übernehmen, sein Verhalten entschuldigen, herunterspielen oder bagatellisieren...er geht ja zur Arbeit, trinkt erst Abends, kann auch mal weniger trinken, wenns sein muss...ist ja grundsätzlich ein guter Mensch, wenn...humorvoll, zuvorkommend, wenn...er kann auch anders, wenn...Und dann immer mehr in die Rolle des sogenannten Ermöglichers (enabler) zu geraten, am Ende daran kaputt gehen. Oder ich überlasse seine Probleme ihm, die er offensichtlich nicht lösen will und erhalte mir meine Kräfte. Auch wenn ich gern gewusst hätte, was genau seine Probleme waren, ich hätte ihm nicht helfen können.

Das war jetzt ein Extrembeispiel, ist mir bewusst.
Es gibt sicher auch Wege, die nicht ein entweder oder beinhalten. Aber so wie du das alles darstellst, sieht es für mich so aus, als wärst du schon ziemlich tief drin in der Rolle des Ermöglichers.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 3. Februar 2018 10:35

Möglichkeiten und Raum für Spekulationen gibt es da sehr viel.
Ich finde Alkoholsucht oder Borderline nicht vergleichbar mit der Beziehung zu jemandem der ADS hat.

Eventuell äußert sich einer der Psychiater beim Ansprechen der zusätzlichen Probleme auch zu möglichen psychischen Begleiterkrankungen.
Vielleicht heißt es "Er hat .. und braucht hier und da Unterstützung" (was man dann, wenn man es genau weiß auch gezielt machen kann ohne zu viel zu helfen) Oder es heißt "Er hat .. und er muss es alleine schaffen" (auch dann kann man gezielt darauf eingehen).

Aber so lange ich nicht weiß was er hat oder nicht hat, oder ob er außer ADS nichts hat, kann ich nicht weiter urteilen.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 4. Februar 2018 00:45

Nein, Borderline und Alkoholsucht sind primär nicht vergleichbar mit ADHS. Die Sache mit dem schönreden, entschuldigen etc. finde ich allerdings dennoch vergleichbar. Ein ADHS-ler ist kein hilfloses Wesen, dass wie eine Schildkröte auf dem Rücken liegt und wartet bis jemand kommt und ihn umdreht.

Es ist schön, dass du deinen Mann unterstützst und versuchst, eine Lösung zu finden. Ich wünsche euch, dass es klappt und ihr einen guten Weg findet. Einen Weg, den auch dein Mann für sinnvoll hält und nicht bloss um dir einen Gefallen zu tun. Gleichzeitig hoffe ich, dass auch du auf dich acht gibst. Deine Kräfte sind nicht unlimitiert ;) und dein Mann ist kein Baby.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Syn » 4. Februar 2018 04:42

Erstmal ein Hallo von einem Neuling :huch:

Ich habe mich hier die letzten Tage mal so durch die Themen gelesen und bin immer wieder auf diesen Thread zurückgekommen, da ich mich sehr für das Wechselspiel zwischen ADSlern und nicht-ADSlern interessiere.

Ich selbst bin 22 Jahre und wurde bereits mit 5 Jahren mit ADHS diagnostiziert, lebe zudem bereits seid ca. 5 Jahre ohne Medikamente.

Ich habe den Thread jetzt nicht vollständig gelesen, so bitte ich um Entschuldigung falls ich Dinge wiederhole oder nicht Aufnehme. (Ich lese zu meinem bedauern wirklich sehr sehr langsam.)

Viele der Probleme deines Mannes, die du beschreibst, sind mir nur zu gut bekannt. Nehmen wir zum Beispiel den Punkt, dass er Dinge einfach zu vergessen scheint und es ihn auch nicht interessiert.
Da hängt zum Beispiel ein starkes Zusammenspiel, welches für sehr wenige Menschen erschließbar ist. (Meine Mutter war häufig mit mir in einer ähnlichen Position.)
Ich werde zum Beispiel 3 mal daran erinnert, dass ich doch bitte meine Oma am Wochenende anrufen soll. 5 Minuten später habe ich es direkt wieder Vergessen. Nicht weil es mir egal ist, oder es mich stört, sondern weil es uninteressant ist. Das ist für mich hierbei das Schlüsselwort. Aus dem selben Grund sieht meine Wohnung auch aus wie bei Hempels unterm Sofa. Selbes mit den benutzten Klamotten. mein Fußboden sit zu ca. 80% damit bedeckt, obwohl der Wäschekorb 2 Schritte entfernt ist. Auch hier kann ich nur wiederholen: es interessiert mich nicht. xD
Was ich damit sagen will: Man sollte dahinter nicht unbedingt Böswilligkeit oder dergleichen ausgehen. Dein Mann hat da einfach eine komplett andere Sichtweise als du und daran wird sich vermutlich auch nicht viel ändern. (Ich weiß nicht was Medis daran ändern, das können andere bestimmt besser sagen =) )
Ich könnte dir dabei empfehlen, dass du diese Sichtweise versuchst so zu tolerieren. Rege dich am besten garnicht erst darüber auf, dafür sind deine Nerven zu schade, und bringen wird es auch nix.

Doch bevor man jetzt denkt, dass ich nur die männliche Sippschaft versuche zu verteidige, möchte ich auch gern anbringen das er wirklich daran arbeiten sollte, zu seinem und deinem Willen. Und dabei kannst du ihn auch sehr gut unterstützen.

Ich habe mir dabei zum Beispiel folgende Dinge angewöhnt, um dieser Probleme Herr zu werden:
Nehmen wir das Vergessen mal wieder. Ich wäre auch an den Müllbeuteln dreimal vorbei gelaufen. und vermutlich auch noch weitere 3 mal. :verlegen:
Also stelle ich mir solche Sachen, wie zum Beispiel Müllbeutel bewusst in den Weg. Wenn ich zum Weg zur Arbeit noch schnell den Müll runterbringen will (oder muss) stelle ich die Müllbeutel direkt vor die Tür, sodass ich diese garnicht öffnen kann, ohne diese blöden Dinger links liegen zu lassen. Das funktioniert meiner Erfahrung nach echt gut und wenn mir die Beutel entgegenkommen denke ich mir auch jedesmal: "Stimmt da war ja was!"

Desweiteren habe ich mir angewöhnt, immer ein kleines Büchlein bei mir zu tragen, in welches ich ALLES Eintrage. Wenn ich dann eine Aufgabe erledigt habe und/oder z.B. eine Rauche und kurz Zeit und den Kopf habe, schaue ich in das Büchlein hinein, und fast jedes mal stelle ich fest, was ich nicht alles wieder Vergessen habe. Ich kann das Vergessen vielleicht nicht verhindern, aber so kann ich es unter Kontrolle kriegen.

Zu guter letzt möchte ich gerne noch die Sache mit dem Haushaltsplan anbringen. Das hätte ich sein können, als ich meine erste Wohnung bezogen habe. Am Anfang hat alles geklappt und es wurde immer weniger bis irgendwann garnichts mehr getan wurde. Redundanz ist zumeist ein Grund, warum für Menschen wie deinem Mann solche Sachen schnell in Vergessenheit geraten. (Ich bringe hierbei bewusst NICHT das ADS an. ;) ) Eine gute Varianz in den Aufgaben oder in der Durchführung kann dabei echt gut helfen. Das würde dir vermutlich vorkommen, als wenn du die Aufgaben für ein Kind versuchst Schmackhaft zu machen, aber das funktioniert auch hier sehr gut, und muss nicht gleich bedeuten, dass du deinen Mann "bemutterst". Er würde wahrscheinlich garnicht erst selbst auf die Idee kommen.

Schlussendlich kann ich nur zusammenfassend sagen:
Versuche mit seiner Art zu arbeiten und sie nicht auszugleichen. Seine Sprunghaftigkeit kann auch dafür Sorgen das er viele kleine Aufgaben sehr gut bewältigen kann, im Vergleich zu einer großen. Und da ich ja heraus höre, dass du ihn sehr gerne unterstützen würdest, glaube ich dass es dir auch nicht schwer fallen würde. Und es ist wahrscheinlich, dass er dir das auf Dauer auch anrechnen wird. Nicht Heute oder Morgen aber auf Dauer! =)

Mit freundlichen Grüßen
Syn
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 4. Februar 2018 19:40

Danke latentia :) Ich möchte das von ihm auch alles nicht schönreden, und die Wahrscheinlichkeit das du Recht hättest finde ich auch gegeben. Momentan empfinde ich mich nur noch nicht fähig zu urteilen, weil ich zu wenig eindeutiges über die Hintergründe seines Verhaltens weiß. Aber ich behalte deine Worte im Hinterkopf.

Syn hat geschrieben:Nicht weil es mir egal ist, oder es mich stört, sondern weil es uninteressant ist. Das ist für mich hierbei das Schlüsselwort.

Hallo Syn, willkommen hier.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, ist "uninteressant" vielleicht auch nicht das passende Wort? Nicht "Desinteresse" im Sinne von Gleichgültigkeit oder geht mir am Allerwertesten vorbei. Sondern das in dem Moment andere Themen stimulierender sind und deshalb automatisch mehr Beachtung bekommen? Kann man das so verstehen, das man mit ADS eine gewisse Stimulation für etwas braucht? Das von anderen verursachte Unordnung mehr Stimulation bedeutet als die eigene Unordnung?

Syn hat geschrieben:Ich könnte dir dabei empfehlen, dass du diese Sichtweise versuchst so zu tolerieren. Rege dich am besten garnicht erst darüber auf, dafür sind deine Nerven zu schade, und bringen wird es auch nix.

Wenn man zusammen wohnt geht es nicht, das der Eine alles übernimmt und der Andere kaum bis nichts. Auch mit ADS sollte es vermutlich möglich sein, wenn nötig mit Zetteln, Plänen oder ähnlichen Hilfen, für sich funktionierende Veränderungen für manche Situationen zu schaffen. So wie die Dinge, die du dir für dich angewöhnt hast.

Syn hat geschrieben:Versuche mit seiner Art zu arbeiten und sie nicht auszugleichen.

Die letzten 2 Tage waren recht angenehm, er war Freitag auf Samstag bei einem Freund, Zocken, bis morgens wach bleiben, usw. "Schlummerparty" :D
Gestern und heute war ihm sehr viel, auch seiner eigenen, Unordnung aufgefallen und er war sehr motiviert es direkt zu erledigen. Aufgaben auf der Liste die er seit Wochen vor sich her schob hatte er bis heute Vormittag alle abgehakt. Ich denke er braucht etwas das ihn aus dem Strudel aus Frustration und häufigem Scheitern raus holt.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 6. Februar 2018 09:44

Wir sind gestern einen Schritt weiter gekommen. :)
Ich habe ihm von meinen Eindrücken erzählt, auch bezogen auf die kürzliche positive Veränderung.

Mein Eindruck ist das sich bei ihm viel um das "Belohnungszentrum" im Gehirn dreht. Er scheint das Belohnungs-Gefühl (was allgemein ebenso durch Zucker, Drogen, etc. ausgelöst würde) permanent zu brauchen um sich gut zu fühlen. Im normalen Alltag hat man aber nicht permanent nur Erfolge. Früher als er noch zu Hause wohnte und seine Mutter ihn komplett versorgte, holte er sich das Belohnungs-Gefühl durch exzessive Computernutzung. Dadurch ist er das schnelle und einfache Erfolg haben gewöhnt und hat nie gelernt wie das in der Realität ist und wie man mit Misserfolgen in der Realität umgeht.

Da es im Alltag immer wieder vorkommt, das man scheitert oder nicht auf Anhieb der Beste in etwas ist, zieht ihn das übermäßig runter. Gleichzeitig hat er zeitlich nicht mehr die Möglichkeit zur exzessiven Computernutzung. Ich würde sogar sagen, das ihn das in eine Art "depressive Verstimmung" runter zieht und ihm das auch die Motivation klaut.

Bleibt bei mir die Frage(n), ob durch die sehr frühe und jahrelang permanente Computernutzung (Spiele) sein Belohnungszentrum es falsch gelernt hat (vielleicht vergleichbar wie mit einer Sucht nach dem Belohnungs-Gefühl). - Oder ob es an mangelnder Aktivität der Nervenzellen liegt (daher auch die nicht Wirkung der Wiederaufnahmehemmer) und er die exzessive Stimulierung braucht. - Oder das sein Belohnungszentrum den von früher dauerhaft erhöhten Pegel fordert und die Wirkung von Wideraufnahmehemmern zu lasch wäre.
Das sind aber Fragen auf die ich mir dann von den Psychiatern eine Antwort und Abklärung erwarte.

Ich habe mich bis dahin entschieden, das ich zu Hause Dinge ändere. Während seiner Arbeitszeit kann er mir nicht mehr in Whatsapp schreiben, das macht er im Schnitt mehrmals in der Stunde. Er kann sich die Computerzeit zu Hause im Gegenzug zu kleinen Haushaltsaufgaben ermöglichen, vielleicht motiviert ihn das. Für welche Tätigkeit er sich wie viel Zeit verdienen kann werden wir zusammen festlegen, schriftlich.
(Natürlich ist es mir nicht recht mir herauszunehmen über seinen Computer zu entscheiden. Da er gestern nach Hause kam "Hi Schatz" und im nächsten Augenblick wieder direkt schon der Computer an gemacht wurde, finde ich diese Einschränkung durch ihn selbst verursacht. In einem gemeinsamen Haushalt funktioniert es so nicht und er scheint es eigenständig nicht unter Kontrolle zu bekommen).
Wenn wir zusammen unterwegs sind, werden die Mobildaten seines Smartphones ausgemacht. (Durch Facebook und Whatsapp Gruppen bekommt er übermäßig häufig Benachrichtigungen).

Die Computerzeit wird bis zu den Psychiater-Terminen versucht wie es funktioniert. Das mit Whatsapp und den Mobildaten wird eine dauerhafte Änderung bleiben. Bei dem Computer rechne ich mit Protest, aber er kann selbst entscheiden wie viel Computerzeit er sich ermöglicht. Es werden kleine Aufgaben sein die er erledigen kann und wo die zu verdienende Computerzeit im Vergleich verlockender ist. Wenn es z.B. für "Geschirr sofort wegräumen" +15min Zeit gibt, bin ich gespannt wie oft am Tag er sein benutzes Geschirr wegräumt.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Agatha » 6. Februar 2018 12:32

Signiert hat geschrieben:Mein Eindruck ist das sich bei ihm viel um das "Belohnungszentrum" im Gehirn dreht. Er scheint das Belohnungs-Gefühl (was allgemein ebenso durch Zucker, Drogen, etc. ausgelöst würde) permanent zu brauchen um sich gut zu fühlen. Im normalen Alltag hat man aber nicht permanent nur Erfolge. Früher als er noch zu Hause wohnte und seine Mutter ihn komplett versorgte, holte er sich das Belohnungs-Gefühl durch exzessive Computernutzung. Dadurch ist er das schnelle und einfache Erfolg haben gewöhnt und hat nie gelernt wie das in der Realität ist und wie man mit Misserfolgen in der Realität umgeht.

Das ist ein der Hauptmerkmale von ADHS. Das kommt nicht durch die exzessive Computernutzung. Andersrum ist die exzessive Computernutzung ein der Wege, wie Menschen mit ADHS ihren angeborenen Bedarf erfüllen. Andere machen es mit Kaffee, Zigaretten, Drogen, Adrenalin (Konstant in Stress, oder risikoreiche Aktivitäten) und, und, und.

Er wird es nie "verlernen", denn er es nie gelernt hat. Er weiß sehr wohl, dass die Realität nicht so läuft wie in Computerspiele. Er hat aber ein Gehirn, was gut mit Computerspiele umgehen kann, und nicht so gut mit der Welt da draußen. Es wird sich nicht ändern. Entweder kann er die richtige Medikamente finden, oder er muss die gesunde Umwege finden, statt die Ungesunden.

Ich kann dir nur empfehlen, dich so viel wie möglich zu informieren:
Zwanghaft zerstreut
Das große Handbuch für Erwachsene mit ADHS

Das ist sowohl für dich als auch für ihn hilfreich, zu verstehen, was ADHS wirklich ist. Wenn du weiß wie er "tickt", wird auch für dich als Partnerin das Leben einfacher.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Maya18Max » 6. Februar 2018 13:35

Hallo,

ich lese schon von Anfang an fleissig mit. Habe nur leider nicht die Zeit ausführlich zu schreiben.

Erst mal einen RIESEN Respekt, in welcher Form du dich mit dem AD(H)S deines Partners auseinandersetzt!

Das Belohnungszentrum funktioniert überhaupt nicht. Auch die Speicherfunktion bei Erfahrungen funktioniert bei ADHS anders.

Problem ist, dass der Mandelkern (Amygdala) im Gehirn jede Situation in Millisekunden bewertet. Schlecht ist, wenn schon eine ähnliche, schlechte Situation gespeichert ist. Das kann nicht so einfach "überschrieben" werden. Der Lernprozess bei ADHSlern braucht ein Vielfaches (8-18 mal) länger um etwas zu verautomatisieren. Dabei darf zwischendrin sie Amygdala nicht erneut schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Ich habe in einem tiergestützten Ponytraining gelernt, dass man liebevoll, konsequent und autentisch sein sollte. Eigentlich ging es um Erziehung der Kinder. Allerdings habe ich so auch einen Einblick in das ADHS auch bei Erwachsenen bekommen.

Mein Mann braucht zum Beispiel massiv sie positive Rückmeldung. Er braucht die Gewissheit, so wie er ist angenommen und geliebt zu werden.
Krasses Beispiel: Er schichtet. Nach Nachtsiensten haben wir immer den Mega Krach bekommen: Warum? Weil er nachts die Nähe von mir nicht spüren kann bzw. Ich am Tage berufstätig bin.

Ignoriere die negativen Dinge, unterstütze ihn sofern er es zulässt. Wichtig ist, dass ADHSler SELBSTBESTIMMT agieren können. Lobe positive Veränderungen.

Toll ist, dass er die Medis ausprobiert. Seine Wahrnehmung ist aber womöglich eine ganz andere als deine.

Noch zur Dauer, bis Medikamente ins Spiel kommen: Bei uns gingen Jahre ins Land. Erst als Männe nach dem Tiergestützten Elterntraining ADHS akzeptiert hat alle anderen ihre Diagnose und Medikamente, erst dann war er selbst bereit diesen schritt auch zu tun. Auch wenn es hart ist, nicht dazu drängen. Es hilft leider nichts.

Zu Infos ist auch die Seite vom Kolleg-Dat auf Facebook hilfreich. Hier findet man vom Symposium im Oktober 2017 einige wertvolle Videos.

LG Maya
Eine völlig Chaotische Familie:
Und immer geht es Berg und Tal, wie bei einer Achterbahn :mrgreen:
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 6. Februar 2018 13:57

Danke Agatha.
Eine ähnliche Info war auch mit bekannt, aber durch die Aussage dieses Problem(*) von ihm käme nicht von seinem ADS (kann auch ein Missverständnis meiner Erzählung oder meiner Auffassung gewesen sein) habe ich nach anderen möglichen Erklärungen gesucht.

(*) Der Bedarf nach dem Belohnungs-Gefühl verursacht nach meiner momentanen Auffassung die Probleme im Haushalt.
Sowohl durch Kritik bei nicht erledigten Aufgaben, was frustriert und weit von einem Belohnungs-Gefühl entfernt ist. Wie auch dadurch, das er weniger Zeit hat als früher um dem Auffüllen des Bedarfs nachgehen zu können und der Bedarf somit weniger erfüllt wird.
Vielleicht wären da Belohnungen durch das Erledigen von Haushaltsaufgaben gar nicht so verkehrt.

Danke für die Buchtipps. Ich habe nach wie vor ein paar Fragezeichen und Unklarheiten zum Thema in meinem Kopf. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie jemand mit AD(H)S das selbst schaffen soll in dem Thema durchzublicken.

Mein Mann braucht zum Beispiel massiv sie positive Rückmeldung.

Mh ja da ist mein Mann auch gar nicht so verschieden zu deinem.
Ich denke schon das es einfacher, für beide, werden kann wenn man zumindest mal grobe Richtlinien hat und dadurch evtl. auch manche Problemsituationen lenken kann bevor es zu einer negativen Situation wird.

Seine Wahrnehmung ist aber womöglich eine ganz andere als deine.

Wir haben bisher immer über unseren jeweiligen Eindruck von der Wirkung eines Medikaments miteinander geredet. :)

Nicht nur der Lernprozess scheint länger zu sein, es ist bei ihm auch sehr auffällig das die Zeit bis eine Reaktion auf etwas einsetzt länger dauert. Wie ist das denn im Umgang mit anderen Tieren, z.B. Hunden, kann das klappen oder wäre das eher zum Nachteil des Hundes?
Falschparker
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Falschparker » 6. Februar 2018 17:55

Also ich finde deine "Wiederaufnahmehemmer"-These immer noch zweifelhaft. Und wenn der Termin, von dem du sprichst, weiterhin der ist bei dem nächstbesten Psychiater, von dem aber keine ADHS-Expertise bekannt ist, dann wird das sehr wahrscheinlich schief gehen.

Sorry, dass ich unke. Muss ja nicht so sein, ich weiß. Aber da dein Mann für jeden neuen Anlauf neu überzeugt werden muss und es vermutlich jedesmal schwerer wird, ist es nach meiner Meinung nicht sehr vernünftig, den Arzt "ins Blaue" zu suchen.

Der letzte Arzt hat vermutlich zu wenig Geduld bei der Einstellung gehabt. Denn wenn dein Mann von Medikinet Adult noch impulsiver und aggressiver wurde, war es entweder von Anfang an überdosiert, oder die Abstände waren viel zu lang- und die Impulsivität war gar nicht die Hauptwirkung, sondern der Reboundeffekt beim Nachlassen.

Und haltet euch am Besten nicht mit Bupropion auf. Entweder es klappt doch mit Methylphenidat, da sollte man vielleicht mal ganz kleinschrittig mit unretardierten Tabletten experimentieren, oder es läuft doch auf Amfetamin hinaus. Da solltet ihr euch dann leider drauf einstellen, es selbst zu zahlen, aber wenn das wirklich den durchschlagenden Erfolg bringt, ist es das Geld auch wert. Klingt vielleicht anmaßend, aber du hättest auf der einen Seite einige Hundert Euro im Jahr für ein Medikament, auf der anderen Seite etwas mehr Zuverlässigkeit im Beruf, mehr Lebensqualität und Gelassenheit und nicht zuletzt auch eine schönere Ehe, wieviel ist das denn wert? Einige Tausend Euro und mehr pro Jahr, würde ich mal sagen.

Und eine weitere Alternative, wenn Amfetamin nicht geeignet ist (aber besser erst dann!), wäre noch Strattera.

Aber wie gesagt, mit einem Arzt, der ADHS vom Hörensagen kennt, wird es schwierig. Der wird deinen Mann abwimmeln oder nur Antidepressiva nacheinander ausprobieren, was dann vor allem Zeit kostet und entmutigt.

Viele Grüße
Falschparker

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