HILFE: Leidet Partnerin an ADHS? Nähe, Distanz, Freiräume

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Zombie-Slayer
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HILFE: Leidet Partnerin an ADHS? Nähe, Distanz, Freiräume

Beitragvon Zombie-Slayer » 11. Oktober 2014 11:13

Hallo liebes Forum,

ich habe vor 3 Monaten eine Frau übers Internet kennengelernt. Nennen wir sie Eva. Eva ist 28 Jahre alt, hat eine Ausbildung abgeschlossen, anschließend eine Bachelor-Studium erfolgreich absolviert und arbeitet seit knapp 3 in einer relativ guten Position.

Die Kennenlern-Phase ist immer wieder von Stimmungsschwankungen geprägt. Hauptsächlich gekennzeichnet durch Phasen von enormer Anhänglichkeit und Empathie, gefolgt von Phasen, in der sie große Freiräume braucht. Sie ist sich dann plötzlich nicht mehr sicher, ob ich der "Richtige" bin und ist dann auch ziemlich abweisend, zeigt keinerlei Gefühle mir gegenüber. Sie sagt in diesen Situationen, was sie denkt, ohne Rücksicht auf Verluste (dann kann sehr kränkend und verletzend sein).

Plötzlich ändert sich ihre Stimmung und Eva gibt mir das Gefühl, dass ich ihr wichtig bin. Sie sagt, dass sie mich lieb hat, sucht den Körperkontakt und ist äußerst kuschelbedürftig. In diesen Phasen kommt es auch meistens zu sehr befriedigendem Sexualverkehr.

Sehr auffällig sind auch unsere "Diskussionen": es gibt gewisse Themen, da wird sie regelrecht zu einer kleinen Furie, sie versteht mich ständig falsch, verteidigt ihre Ansicht sehr aggressiv und extrem und ist nicht mehr zu beruhigen... auch dann nicht, wenn ich versuche, die Diskussion zu entschärfen oder zu beenden. Sie regt sich so dermaßen auf, dass es ihr anschließend richtig schlecht geht. Nach einer sicheren Zeit kann es sogar passieren, dass sie mir "gesteht", größtenteils meine Ansichten zu vertreten. Ich verstehe nicht, weshalb Eva dann in der Diskussion das Gegenteil vertritt.

Noch ein paar Hintergrundinformationen zu Eva: sie verträgt keinen Stress, ist impulsiv, ungeduldig (einmal mussten wir eine knappe Stunde auf eine bestellte Pizza warten - sie äußerte dann Kommentare wie "jetzt habe ich keinen Hunger mehr" und wurde ziemlich ungehalten), vergesslich (Kurzzeitgedächtnis), fährt aggressiv Auto (zu schnell, fährt Vordermann so weit auf, schimpft ständig über das Fahrverhalten anderer Autofahrer), hasst es regelrecht, wenn ich ihr ins Wort falle (wobei sie sich nicht anders verhält), fängt in Stresssituationen plötzlich an zu weinen, Haushaltsaufgaben bereiten ihr regelmäßig Stress (Wäsche, Flurdienst usw.), plant oft zu viele Aktivitäten für den Tag ein (wenn dann nicht alles eingehalten werden kann, ist Eva schnell frustiert und gestresst), muss immer Recht haben...

Wenn Eva an ADHS leidet, wie gehe ich am besten mit ihrer "Nähe-Distanz-Regulierung" um? Ich selbst bin ein sehr anhänglicher Typ, der möglichst viel Zeit mit seiner Partnerin verbringen möchte. Da ich auch ein wenig unter Verlustängsten leide, fällt es mir schwer, mit den Phasen umzugehen, in denen sie sehr viel Freiräume benötigt. Da in diesen Phasen wenig Bestätigungen oder Gefühle ihrerseits kommen, verstärken sich meine Verlustängste natürlich sehr. Wie soll ich in diesen Phasen handeln? Wäre sehr dankbar für eure Ratschläge.

Vielen Dank schon mal vorab.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

Zombie-Slayer
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Scully83
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Re: HILFE: Leidet Partnerin an ADHS? Nähe, Distanz, Freiräume

Beitragvon Scully83 » 11. Oktober 2014 11:54

Hallo Zombie-Slayer,

ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen und ohne jemandem nahe treten zu wollen, klingt das, was du da beschreibst, auch ein bisschen nach Borderline.
Vielleicht kannst du hier ein bisschen lesen. http://www.stern.de/tv/sterntv/persoenl ... 13493.html

Bei Frauen (auch bei Männern - viel häufiger aber bei Frauen) können Störungen des Hormonhaushalts (Schilddrüsenunter- oder Überfunktion, Progesteronmangel) oder Nährstoffmängel (Eisen, Vitamin D, B-Vitamine...) Auslöser für Stimmungsschwankungen und Agressivität sein. Es ist natürlich schwierig, jemanden darauf hinzuweisen, der solche "Probleme" bei sich selbst nicht wahrnimmt. Aber vielleicht redet sie ja mit dir darüber, gibt dir zu verstehen, dass sie sich selbst so nicht wohlfühlt?

Bei Verdacht auf psychische Probleme sollte zu allererst ausgeschlossen werden, dass körperliches (d.h. hormonelles oder organisches ) Leiden zugrunde liegt (wozu auch ADS oder ADHS als neurolgisches "Leiden" dazugehört).

Ich bin selbst noch "neu" dabei, aber bei mir stand der Verdacht Borderline auch mal im Raum und ich weiß, dass bei mir auf jeden Fall hormonelle Sachen vorliegen, die mich unbehandelt zu einer wirklich für andere - und mich selbst!!! - unausstehlichen Person gemacht haben! Vielleicht ist es auch AD(H)S, vielleicht bei deiner Freundin ja auch.

Wichtig ist, dass sie selbst versteht, dass die Situation für eure Beziehung - vielleicht auch für ihre Beziehung mit anderen Menschen, sowie auch für sich selbst - eine Belastung darstellt und mit einem Arzt darüber sprechen.

Du bekommst sicher noch ein paar Einschätzungen von den Experten hier!

Alles Liebe und ein schönes Wochenende!
Scully83
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Re: HILFE: Leidet Partnerin an ADHS? Nähe, Distanz, Freiräume

Beitragvon Zombie-Slayer » 11. Oktober 2014 11:59

Danke, Scully.

Habe gerade eine 11-jährige Beziehung mit einer Borderlinerin hinter mir...  :ichboss:
graffiti
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Re: HILFE: Leidet Partnerin an ADHS? Nähe, Distanz, Freiräume

Beitragvon graffiti » 11. Oktober 2014 18:51

ferndiagnosen haben den haken, daß man sie nicht stellen kann  :zwink:

die symptome, die du beschreibst, schließen ad(h)s nicht aus, können darauf hindeuten ... können aber auch ganz andere ursachen haben.

ich finde es sehr schwierig, auf deine fragen zu antworten, da du nach rat im umgang mit einem ad(h)sler fragst, ohne zu wissen, ob du es wirklich mit einem zu tun hast.

hast du deine freundin schon auf all diese dinge angesprochen, die für dich problematisch sind?
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
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Re: HILFE: Leidet Partnerin an ADHS? Nähe, Distanz, Freiräume

Beitragvon Weil » 11. Oktober 2014 19:39

Selbst wenn es denn AD(H)S wäre, kannst du nicht erwarten, dass andere Leute, die auch AD(H)S haben, wissen, warum deine Freundin so ist, wie sie ist. :811:

Kurzum, schau nicht auf eine mögliche Diagnose, sondern auf den Menschen und seine Bedürfnisse (und auf dich und deine Bedürfnisse!).
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Re: HILFE: Leidet Partnerin an ADHS? Nähe, Distanz, Freiräume

Beitragvon Lilie » 11. Oktober 2014 21:47

Huhu ihr lieben :-)
Ich habe einen Partner mit ADS und er hat genau solche Probleme manchmal ist er sehr anhänglich dann wieder beachtet er mich kaum. Mir fällt es sehr schwer damit umzugehen oft sagt er in den Phasen in denen er mich kaum beachtete das ich ihn einenge - vielleicht hat jemand trotzdem ein paar Tipps für mich was ich besser machen kan, dass das ganze leichter zu Händeln îst für beide ?  :Frag:
Ich danke euch
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Re: HILFE: Leidet Partnerin an ADHS? Nähe, Distanz, Freiräume

Beitragvon Zombie-Slayer » 12. Oktober 2014 12:20

Danke, Lilie... wäre auch dankbar für ein paar Tipps...

Habe Eva seit Mittwoch nicht mehr getroffen, hatten lediglich SMS-Kontakt bzw. Telefonkontakt. Sie hatte mir kürzlich mitgeteilt, dass sie unbedingt Zeit benötige, um über unsere Beziehung bzw. über ihre Gefühle nachzudenken. Sie ist sich nicht sicher, ob sie mich mag, liebt oder ob ich nur ein guter Kumpel für sie sei. Das fällt mir ziemlich schwer nachzuvollziehen.

Gestern Nachmittag hatte sie sich mit einer Freundin zum Shoppen getroffen. Eigentlich wollten wir uns abends sehen. Dazu kam es dann jedoch nicht, da Eva "ein bisschen Zeit" brauchte. Ich solle deshalb nicht traurig sein.

Warte seitdem sehnsüchtig darauf, dass sie sich bei mir meldet... weiß einfach nicht, wie ich mit dieser Situation umgehen soll... ich hänge so an ihr...  :baw:
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Re: HILFE: Leidet Partnerin an ADHS? Nähe, Distanz, Freiräume

Beitragvon graffiti » 12. Oktober 2014 17:06

ganz davon ab, ob die distanziertheit eurer partner ads-bedingt ist oder nicht:
der einzige wirklich zündende tip, den ich euch geben kann, ist: reden.

ein adsler ist ein mensch im vollbesitz seiner geistigen kräfte (auch wenn er sich manchmal benimmt, als wäre er es nicht  :icon_mrgreen: ).
ihr könnt nicht an ihm vorbei eure partnerschaft verbessern, nur mit ihm zusammen.

das nähe-distanz-problem haben offenbar viele adhsler, das stimmt.
es gibt auch gründe dafür.

mir fällt nicht ein, wie man es von außen beseitigen könnte.
man kann nur sich selber klar machen, wie viel nähe man braucht.
wie viel nähe eine beziehung für einen selber haben muß.
und das zunächst völlig unabhängig von dem, wie man es bisher gehandhabt hat.

das kann man dem adsler in einem sachlichen gespräch sagen und versuchen, mit ihm zusammen etwas zu entwickeln, mit dem sich beide vorstellen können, klar zu kommen.
oder der andere sagt: das kann ich nicht / das will ich nicht.
dann muß man selber entscheiden, ob man eine solche beziehung möchte oder nicht.
Zuletzt geändert von graffiti am 12. Oktober 2014 17:07, insgesamt 1-mal geändert.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
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Re: HILFE: Leidet Partnerin an ADHS? Nähe, Distanz, Freiräume

Beitragvon Falschparker » 15. Oktober 2014 17:25

Hallo,

was nützt es wenn du wüsstest, dass es ADHS ist? Letztlich musst du für dich entscheiden ob du damit leben kannst oder nicht, so oder so.

Ja, du hättest dann eine Erklärung. Ja, es wäre eventuell therapierbar.

Aber für eine Erklärung kannst du dir nichts kaufen, und selbst wenn es dir dann leichter fiele es hinzunehmen- spätestens wenn Kinder da sind ist es völlig egal ob es für Stimmungsschwankungen und gefährliches Auto fahren eine Erklärung gibt, dann seid ihr für eine dritte Person verantwortlich.

Und Therapie- ja, meiner Ehe tut es sehr gut dass ich meine Diagnose habe, mich über ADHS kundig mache und Medikamente nehme. Aber Therapie, weil der Partner meint man müsste eine machen- das wird in neun von zehn Fällen nichts. Leider.

Welchen Leidensdruck hat Eva denn? Würde sie gerne mit weniger Impulsivität und mehr Ausgeglichenheit leben und sieht sie da ein Defizit? Oder glaubt sie, bei ihr ist alles klasse und das Leben wäre so schön, wenn nur die anderen Leute nicht so nervig wären?
Zuletzt geändert von Falschparker am 15. Oktober 2014 17:28, insgesamt 1-mal geändert.
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