Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

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Sensibelchen
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 9. Februar 2013 20:18

Hallo prototo, vielen Dank für Deinen ehrlichen Exkurs in Deine Vergangenheit.
Wenn ich davon ausgehe, dass mein Mann ADHS hat, dann entdecke ich sehr viele Strategien und Verhaltensweisen, die er sich in seinem Leben entwickelt hat, um sich gegen die Welt zu wehren und seine Auffälligkeiten zu "tarnen". Dies würde eine Diagnose für Ihn (in seiner Angst auch für andere) alles zu Tage fördern und seine selbst kreierte Identität zerstören. Andeutungsweise äußerte er sich auch so "es würde mir meine Identität nehmen"... Diese Aussage ließ mich über das Risiko nachdenken, was die Gewissheit bei ihm bewirken könnte.
Meine Schlussfolgerung: Finger weg davon. Ich erarbeite mir mit Eurer Hilfe, Hilfe für ihn und mich. Wie lilian 74 trefflich sagte, der Austausch mit Euch aufgeschlossenen Menschen ist wie Therapie.
Deine ehrliche Beschreibung, was mit Dir passierte, nachdem Du die Diagnose hattest, bestätigt mir massiv meine Befürchtungen, dass mein Mann dann wirklich "krank" wird. Der Preis ist zu hoch, für die dann wohl Kleinigkeiten in unserer Beziehung. Ich kann grundsätzlich lernen, mich gegenüber starken Menschen durchzusetzen. Übrigens bin ich seit den Auseinandersetzungen mit ihm selbstbewusster und erfolgreicher.
Alles in allem, an alle ADSler: ihr seid außergewöhnliche Menschen, liebenswert, humorvoll, wertvoll und treu. Ich kenne nicht nur mein "Exemplar".  So freue ich mich auf einen weiteren Austausch. Viele Grüße Sensibelchen
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 9. Februar 2013 20:46

[quote="lilian 74"]
@Sensibelchen

Ich habe eben beim Lesen gedacht,diesen Text hätte mein Partner geschrieben haben können.......
.
Hallo lilian 74,

Deine Beschreibung hat mich sehr bewegt. Es ist wohl nun höchste Zeit, gemeinsam einen Weg zu finden. Das "immer ruhiger werden" Deines Mannes kann ich nachvollziehen. Ich kann nur empfehlen: Sprich mit ihm. Du bist nun an einem Punkt, wo ihr eine Wende schaffen könnt, wenn Dein Mann noch bereit ist, mitzuziehen. Wenn Du Dir über Deine Entscheidung klar bist, Dich Deiner Betroffenheit zu stellen, dann binde ihn mit ein in Dein weiteres Denken und Handeln. Bitte um seine Unterstützung, sag ihm, was er in welchem Umfang für das gemeinsame Gelingen tun kann... und suche seine Nähe, Du  bist eine Kuschelkatze. Es wird Dir sehr viel Kraft kosten und sicher wieder entsprechende "Ausbrüche" mit sich bringen. Verabredet, wie ihr damit umgehen wollt. Und ganz wichtig: Sag ihm, dass Du es einsiehst, dass Du ihn verletzt und es Dir leid tut
Wenn vielleicht Deine Einsicht auch so noch nicht aussieht, versuche es glaubhaft auszusprechen..
Genau das fehlt mir bei meinem Mann, es würde es sooooooo viel leichter machen. Er bleibt leider immer dabei, dass sein Verhalten gerechtfertigt war. In Deiner Situation mit ebenfalls besonderem Kind, kann wohl für Dich auch nicht die nötige Ruhe und ein geregeltes Umfeld vorhanden sein, dass Du ins Gleichgewicht kommst. Fordere Dir Unterstützung und Entlastung ein. Ich bin zwar nicht super informiert, aber ich denke, Dir könnten Medikamente sehr helfen. Normale, ausgeglichene Phasen würden Eurer Beziehung sehr gut tun. Danach sehne ich mich auch. Wenn sie dann da sind bin ich sehr glücklich, aber es lauert auch die Angst, es könnte jeden Moment zerstört sein. Ich bin angespannt und wachsam, um gar keinen Anlass zu liefern, um schon etwas zu wittern und behutsam gegenzusteuern. Vielleicht konnte ich Dir auch ein wenig weiterhelfen. Bis bald. Sensibelchen
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 9. Februar 2013 21:32

An lilian 74:
Ich bin's noch einmal. Ich möchte noch etwas loswerden, was mir mit meinem Partner verfallt, weil ich glaube, dass könnte sehr gut auch Deinen Mann bewegen. Ich habe sehr häufig das Gefühl, dass mein Partner sich für mein Befinden nicht interessiert und ganz besonders das vergisst, was mich betrifft. Beispiel (möchte mein Mann immer haben) Ich hatte eine Zahn-OP. Davon habe ich auch regelmäßig vorher erzählt (habe keine Angst vor so etwas, bin nur sauer über die Umstände). Auch einen Tag vorher und an dem Tag, mit meinem Ärger, nicht essen zu können. Keine Frage nach dem Verlauf der OP oder wie es mir geht. Dafür die Frage, wieviel Scheiben Vollkornbrot er für mich abschneiden soll. Wieviel Zuwendung bringst Du für Deinen Mann auf? Zeigst Du ihm Dein Interesse an seinen Sorgen und seinem Befinden? Fragst Du: Wie geht es Dir? Es kann gut sein, denn Frauen tun so etwas schon eher, aber wenn es wirklich ein ADHS Problem ist, dann nicht? Vielleicht ist Dein Mann auch eifersüchtig und fühlt sich nicht beachtet. Nicht umsonst betont er ja das Verhältnis von Dir zu Deinem Kind. Wenn täglich so viele Probleme zu bewältigen sind, fühlt sich der Mensch an Deiner Seite vielelicht nicht genug beachtet. Die Frage: Wie geht es Dir ? kann schon eine tolle Brücke sein. Nun aber gute Nacht. Sensibelchen
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Falschparker » 10. Februar 2013 01:04

[quote="Sensibelchen"]Meine Schlussfolgerung: Finger weg davon. Ich erarbeite mir mit Eurer Hilfe, Hilfe für ihn und mich. Wie lilian 74 trefflich sagte, der Austausch mit Euch aufgeschlossenen Menschen ist wie Therapie.
Deine ehrliche Beschreibung, was mit Dir passierte, nachdem Du die Diagnose hattest, bestätigt mir massiv meine Befürchtungen, dass mein Mann dann wirklich "krank" wird. Der Preis ist zu hoch, für die dann wohl Kleinigkeiten in unserer Beziehung.[/quote]

Hm, nöö, das kann ich so nicht nachvollziehen. Erstens hat mich meine Diagnose nicht "krank" gemacht. ADHS ist eine Störung im Gehirnstoffwechsel, die lästig, teilweise lebensgefährlich und zerstörerisch ist, aber zuweilen auch witzig und auf jeden Fall originell ist, und manche Betroffene waren geniale Erfinder oder Musiker usw.

Für mich war nach der Diagnose erstmal Trauer und Vergebung angesagt. Trauer über bisher Verpasstes und Schiefgegangenes im Leben und Vergebung insbesondere gegenüber meiner Mutter, die meine Fehlleistungen, vor allem wenn ich als Kind Gegenstände verloren habe, schlecht tolerieren konnte und mir ein schlimmes Gefühl vermittelt hat.

Aber "Finger weg" hieße ja auch ihm die Chance auf Therapie verbauen. Meine Lebensqualität hat sich sehr verbessert- einmal durch das Wissen um meine ADHS, und dann durch die sehr wirksame medikamentöse Behandlung, die mir endlich ermöglicht mich und andere besser wahrzunehmen.

Ja, ich bin meiner Frau sehr dankbar dass sie mich fast 14 Jahre als unbehandelten ADHS-ler ertragen hat.  :wu: Aber auch glücklich dass es seit 2004 (jedenfalls etwas) besser geht.

Beispiel Zahn-OP/Vollkornbrot: Geh mal davon aus, dass ihm deine Beschwerden wirklich nicht egal sind, sondern er dachte in dem Moment wirklich nicht daran. Weh tut es trotzdem, auch wenn du es weißt.  :upsi:

Beispiel offenes Fenster: Er will maximale Rücksichtnahme, die du auch gewährst, aber wenn es einmal nicht gelingt, rastet er aus. Natürlich ist das furchtbar ungerecht, aber er nimmt das (ADHS-bedingt) gar nicht wahr. Weh tut es dir trotzdem, eine Sauerei von ihm ist es trotzdem.  :aufsmaul_2:

Identität verlieren? Nein, durch Diagnose und Behandlung bleibe ich ADHS-ler im positiven Sinne: Die Originalität, das Um-Die-Ecke-denken, die Begeisterungsfähigkeit bleiben. Aber ich muss nicht so ganz Sklave der ADHS im negativen Sinne sein. Auch mit Medis bin ich nicht ganz Normalo: Volle und laute Supermärkte nerven mich immer noch, lange Autofahrten (als Fahrer) vermeide ich immer noch.
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lilian 74
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon lilian 74 » 10. Februar 2013 06:16

@Sensibelchen

Danke für Deine Rückmeldung.
Dein Partner kann ganz froh sein,eine so verständnisvolle bzw.engagierte Frau an seiner Seite zu haben!

Ja,Du hast Recht,manchmal bin ich sehr "bei mir"und versuche einigermassen gut den Familienalltag zu "wuppen"und hauptsächlich die Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen und die alltäglichen Dinge zu schaffen(einkaufen,kochen,Haushalt,Schularbeiten,viele Termine u.Gespräche wg.dem älteren Sohn...u.s.w.)

Mein Partner hat mich die letzten Jahre gut "unterstützt" und wir funktionierten eigentlich fast ausschliesslich auf der Versorger/Elternebene,unsere Partnerschaft u.die Bedürfnisse von uns Erwachsenen haben wir zwangsweise irgendwie aus den Augen verloren...
Es ging auch extrem viel u.oft thematisch und "praktisch"um meinen älteren Sohn(aus Vorbeziehung)...

Ich habe fast meine komplette Zeit u.Energie in das Thema "ADHS-Sohn"investiert um meiner/unserer Überforderung u.Sorgen mit ihm zurecht zu kommen.

Dieses Thema hat devinitiv viiieeeel zu viel Raum und Zeit beansprucht,so dass wir nun beide nach Jahren eines ziemlich anstrengenden und aufreibenden Familienlebens energetisch"am Boden"sind und manchmal nur noch "flüchten"wollen....

Er "flüchtete"eben nach innen und ich "flüchtete"in impulsives und überfordertes "Dauergestresst-sein"..

SO überlebt natürlich keine Partnerschaft und so langsam auch nicht mehr unser "Vierer-Gefüge"/die Familie...

Zur Zeit stehen mehrere Optionen für uns/mich im Raum: ich gucke mir nächstes Wochenende eine Einrichtung für Sohni an,mit der "ich leben könnte"ihn dort für eine Zeit unterzubringen...
Aber gut geht es mir damit leider nicht und es wäre ein Akt absoluter Hilflosigkeit meiner/unsererseits....

Ansonsten spiele ich doch auch mit dem Gedanken,wie es wäre,wenn wir uns doch erstmal(?!)räumlich trennen (also mein Partner und ich)und ich mit meinen zwei Söhnen "allein"lebe....

Beide Schritte sind aber nicht das,was sich gesund und richtig anfühlt,und so hängen wir hier etwas "desorientiert"durch und die Stimmung ist auf dem Nullpunkt(wir sind beide zur Zeit ziemlich still und müde im übertragenen Sinne und versorgen mit letzter Restkraft weiter Kinder,Konto und Haushalt...).

Allerdings geht dieser Zustand schon zu lange und ich habe mich die letzten Wochen um verschiedene Hilfen von Aussen bemüht...

U.a. haben wir die kommende Woche einen ersten Termin für eine Paar-Beratung bzw.Beratung um "einen roten Faden"für unsere Situation zu bekommen....

Das ist jetzt auch echt nötig und dringend!

Meine Testung bez.ADS mache ich parallel,aber sie kommt für uns als Paar/Familie evtl.etwas spät......

Wir werden sehen,ob wir noch als Familie eine "Chance"haben/wollen,oder es doch ein anderer Weg wird...


Dir Sensibelchen mit Deinem Mann wünsche ich aber viel Glück und positive Kraft und dass Ihr miteinander weitergeht und Du u.er Euch trotz seiner evtl.ADS nicht "entmutigen"lasst und immer wieder Wege zueinander findet...!!!!

LG,Lilian
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Hanghuhn
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Hanghuhn » 10. Februar 2013 08:05

Hallo, Lilian,

kannst Du die Zeit nutzen, in der Dein ADHS-Sohn in einer Einrichtung ist? 

Ein Nicht-AD(H)S-Kind läuft evtl. einigermaßen entspannt nebenher, wenn es etwas nicht so interessert, ein AD(H)S-Kind plagt von Anfang von Ende die Langeweile und tut das auch kund. Um das zu vermeiden, müsst Ihr Euch entweder als Familie aufteilen, oder die Interessen des anderen Kindes kommen zwangsläufig zu kurz.

Deshalb finde ich es wichtig, dass Du die Zeit, in der Dein Großer in einer Einrichting verbringt, sinnvoll für den Rest der Familie nutzt. Mach etwas, was die Interessen des Kleinen und auch Deines Mannes berücksichtigt! Geh mit dem Kleinen ins Kino in einen Film, der dem Großen schon zu "babysch" ist, der dem Kleinen aber gefällt! Macht einen Ausflug, bei dem sich der Kleine mal nach seiner eigenen Facon austoben kann!
LG Hanghuhn
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lilian 74
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon lilian 74 » 10. Februar 2013 11:14

@Hanghuhn

Dein Vorschlag ist gut und genau so machen wir es ja zwangsweise seit Jahren:wir teilen die Kinder auf untereinander bzw.sind IMMER beide mit einem oder beiden Kindern zusammen.....

So waren wir ja JEDEN(!!!) Nachmittag u.Abend immer BEIDE in der Familie...ich habe mich maximal nach acht/neun Uhr abends mal mit Freundinnen verabredet o.bin rausgegangen...

So ein Leben bricht zwangsweise irgendwann zusammen.Ich habe Jahre damit verbracht,mit Psychologen,Ärzten,Beratungsstellen Kita,Schule etc.zu sprechen,geeignete Hilfen zu finden bzw.überhaupt erstmal zu verstehen,was mit meinem Kind los ist.

Daneben Baby bekommen,Schlafmangel,als Patchworkfamilie zusammenwachsen(auch ne echte Herausforderung,schon OHNe ADHS-Kind)...

Und ja,wahrscheinlich habe ich auch noch ADS und verstehe nun,warum ich nicht wie die Eiche im Sturm alles glatt über die Bühne bringe,sondern von Jahr zu Jahr immer "weniger"und gestresster und auch unzufriedener(halt überfordert/total am körperlichen und seelischen Limit)wurde....

Wir haben wie die Wahnsinnigen hier alles versucht am Laufen zu halten und es auch ganz gut gemacht,aber wir haben voll verpasst,an uns zu denken und Ausgleich zu schaffen(nie Babysitter,Kind/er nie mal eine Woche bei Grosseltern.....

Nach langen Ferien hätten WIR erstmal eine "Erwachsenen-Kur"gebraucht,um zu regenerieren...aber der Alltag schlug mit voller Breitseite wieder zu.

Und nun ist das Endprodukt eben,dass es so nicht mehr funktioniert,wie wir es jahrelang gelebt haben.

Wir schaffen es einfach nicht mehr,den Grossen hier innerhalb der Familie "zu tragen",wir sind so erschöpft und die Beziehungsstrukturen untereinander sind so negativ verstrickt,dass wir weit ab davon sind inzwischen,wie es alles mit uns als Familie und Paar mal angefangen hat(nämlich glücklich,fröhlich,zuversichtlich und voller Elan und Energie ).

Auch ist die Rolle,die mein Grosser hier inzwischen einnimmt(nicht die WIR ihm geben,aber mit Reaktionen weiter untermauern),total schädlich für seine Entwicklung und seine seelische Gesundheit.....
Er merkt doch auch,wie anti und gereizt und erschöpft wir sind mit ihm,und so langsam aber almählich merkt es auch der Kleine,den wir bisher immer noch ganz gut "abschirmen"konnten von zu viel Stress und Attacken vom Grossen(ewiges Triezen,Provozieren,ärgern....)

Früher hatten wir noch Kraft und Energie,das ruhig und rel.gelassen zu regeln und zu separieren wo wir konnten(kaum noch Ausflüge gemeinsam,immer getrennt Unternehmungen gemacht jeder mit jeweils dem anderen Kind...)..

Aber so wars für uns eine totale "Abwärtsspirale"und wir haben uns verloren.Als Paar.Und als Familie wohl auch.

SOLLTE ich wirklich diesen Schritt tun und meinen Sohn woanders betreuen lassen,dann ist erstmal "Aufräumarbeit"dran:

WER sind wir noch als Paar,aber auch:WER sind wir jeder einzeln für sich.Und so schrecklich es sich anhört:wir würden wohl erstmalig spüren,wie es ist,nicht mit einer Adrenalin-Attacke aufzuwachen und sofort Katastrophendienst zu "spielen"....

Wir würden wieder abends mal nicht "da sein"müssen bei der Familie,könnten vielleicht jeder sein Hobby verfolgen,Auszeiten von der Familie mit gutem Gewissen nehmen,als Paar mal wieder nachfühlen wie das ist:zusammen ins Kino gehen,spazieren gehen Hand in Hand OHNE Dauerstress und Überlegungen,was sofort als nächstes geschieht...

Und bestenfalls kommt mein grosser Sohn an einen Ort(auch weg von seiner jetzigen Schule),wo er NICHT fühlt dass er aneckt permanent sondern mal sich wohl und richtig fühlt und aus seiner "Alltagsrolle"die sich hier und in der Schule so massiv gebildet hat,rauskommt.

Das wünsche ich mir so sehr für ihn.Es tut auch weh,ihn sich so entwickeln zu sehen(wird immer frustrierter,aggressiver,hilfloser...)
Aber ich kann nicht mehr im Moment seine Welt für ihn regeln und ihn von zu viel Frustration und "aneckung"schützen,da ich selber zu seinem Gefühl anzuecken ja beitrage....weil ich so erschöpft bin.Leider,leider,leider!!!!!

LG,Lilian
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Eule » 10. Februar 2013 11:17

@sensibelchen

Da du auf meinen Beitrag (erste Seite, ganz unten) nicht reagiert hast, hab ich ihn nochmal gelesen und überlegt warum wohl.

Ich denke es ist gar nicht rübergekommen was ich sagen wollte oder was diese ganze story mit dir und deiner Situation zu tun haben könnte.

Meine Idee dabei war, daß das von dir geschilderte termine verschusseln, "Sekretärin brauchen" und andere Zeichen von schwierigkeiten in der Selbstorganisation sowie durchaus auch irgendeine Art von Bewußtsein daß dieser Punkt ein Knackpunkt ist durchaus ein ADHS-Kennzeichen ist. Auch die Vorwürfe und Wut, wenn man dann merkt es ist was schiefgegangen weil dem Partner dem man diesen "Drecksjob" zugeschoben hat und der das doch viel besser kann (können muß), obwohl eigentlich jedem Erwachsenen klar sein sollte daß Menschen fehler machen, ist ganz typisch. Man macht über Jahre immer wieder Bauchlandungen weil man das mit der Selbstorganisation allein nicht hinkriegt, findet einen willigen Helfer der da unterstützt, und anstatt das als Chance zu begreifen vielleicht bessere Strategien zu lernen mit einer Absicherung für den fall daß es doch nicht ganz hinhaut durch den Partner, schafft man sich den lästigen Mist völlig vom Hals.

Macht dann der Partner den ihm übertragenen Job nicht absolut perfekt und das hat Konsequenzen die auf einen selbst zurückfallen könnten, ist der Partner schuld und wird mit Vorwürfen überschüttet. "Du hast mich hängen lassen, du sollst mich doch unterstüptzen" ist dabei traurigerweise oft die Vorstufe zu "Du wolltest mich auflaufen lassen und bloßstellen" oder "Du liebst mich nicht so wie es sein sollte und das ist deine Art mir eine reinzudrücken"

Dummerweise passiert das alles unbewußt - ich beginne gerade zu verstehen daß ich genau das gemacht habe und daß die Lösung nicht heißen kann Verantwortung abzuschieben sondern daß es auch für mich irgendeinen Weg geben muß mit Zeitplanung und Organisation umzugehen der für mich funktioniert und daß ich lernen muß Fehler und Versäumnisse meinerseits dabei auch anders zu kommunizieren als ich das bisher tat.

Auch die Fenster-Geschichte und die völlig überzogene haudraufundschluß-reaktion darauf, die dir das Wochenende versaut hat ist typisch und könnte glatt von mir sein. Die Fähigkeit wahrzunehmen wann ich in Wortgebrauch, Tonlage und sonstiger Haltung so aggressiv rüberkomme, daß die Normalreaktion sein müßte schnellstens das Weite zu suchen, ist bei mir nicht wirklich vorhanden. Würde mich jemand genauso behandeln, wäre entweder wüster streit oder Rückzug wie ein geprügelter Hund und der Beschluß daß jemand der so mit mir umgeht mich nicht mag und ich daher zukünftig den kontakt vermeide sicher.

Den alten Spruch "Was du nicht willst was man dir tu' das füg auch keinem anderen zu" habe ich als Kind oft gehört - umsetzen konnte ich ihn kaum. Ich war immer Weltmeisterin im Austeilen, konnte aber Vergleichbares von anderen nicht einstecken und reagierte darauf keineswegs adäquat. Und für dieses verhalten wurde ICH von meiner Mutter "Sensibelchen" genannt. Ich konnte dieses Mißverhältnis trotzdem nicht sehen, und habe gar nicht verstanden was sie da meinte oder wollte.

der Link aus dem anderen Post war für mich ein erster Punkt, viele meiner "Knackpunkte" für mich annehmbar dargestellt zu bekommen. Endlich mal wurde nicht gesagt "Das mußt du doch können, das kann jeder Erwachsene, und du mit deiner Intelligenz solltest das doch spielend hinkriegen" - was ich immer als versteckten Vorwurf der Art "Irgendwie mußt du ja doch blöd sein, oder vielleicht machst du das sogar mit Absicht" wahrgenommen hatte.

Insofern denke ich, daß wenn du einen Einstieg in die Richtung möchtest daß nicht nur du, sondern auch dein Partner über den ADHS-Verdacht nachdenkt, diese Seite ein ganz guter Anfang sein könnte. Link geben, darum bitten daß ers sich mal in Ruhe ansieht, NICHT nachhaken ob ers denn schon angeguckt hätte und das ganze erst mal ein bißchen schmoren lassen. Kann sein daß er ein halbes Jahr braucht, bis er da ran geht - und in der Zwischenzeit bleibt dir nur klares Grenzen setzen und (unmittelbar, nicht erst Tage später) mitteilen wenn er diese überschreitet. Die Abwehr der Sorte "Ich? ADHS? So ne komische Krankheit? Das kann nix mit mir zu tun haben! Das will ich nicht!" ist ganz typisch, und da hat jeder sein eigenes tempo da ran zu gehen.

das was Falschparker schildert, die Wut, die trauer ü+ber die verpaßten Chancen mit denen man mit dem Begreifen daß das ADHS etwas ist das einen unerkannt schon immer begleitet hat erst mal fertig werden muß ist sicher nicht einfach. Aber wenn die Konflikte mit Partner, familie oder Arbeitsumfeld oder allem zusammen ausreichend belastend sind, um dafür eine erklärung und eine bessere strategie zu wollen, dann ist die Erkenntnis daß ADHS das ganze erklären kann entlastend. Für mich war es befreiend, zu erfahren daß ich nicht ein schlechter Mensch bin sondern vermutlich ein neurobiologisches Problem habe für das es Lösungen von besseren strategien bis hin zu medikamentöser und verhaltenstherapeutischer Unterstützung gibt. Schon der Verdacht und daraufhin die Selbstinformation durch Bücher und Internet ohne offizielle Diagnose hat bei mir eine zwar nicht einfache, aber klar lösungsorientierte und insgesamt zuversichtliche Entwicklung in gang gesetzt. Ob/wann man die möchte kann man immer noch entscheiden wenn man sich ein Bild gemacht hat. Das Anklicken einer seriösen ADHS-Info-Seite ist schließlich nicht gleichbedeutend mit einem eingeständnis eines Fehlers oder gar einer Diagnose. Und im ganzen Freundes- und Verwandtenkreis rumerzählen muß man das auch nicht.

Der Anfang ist schwer, und tut weh, es ist schlimm zu erkennen daß man an Punkten wo man gescheitert ist hätte gewinnen können, wenn man verstanden hätte wo es klemmt. Aber ich denke es lohnt sich.
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 10. Februar 2013 22:12

@Eule
Hallo Eule, es tut mir leid, dass Du den Eindruck bekommen hast, ich hätte Deinen Beitrag übersehen. Grund ist: ich schaffe einfach nicht auf all die neuen Anregungen und Lebenserfahrungen gleich einzugehen. Das muss ich erst mal umsetzen und die Zeit ist auch eng. So werde ich nun auch für ein paar Tage auf einer Dienstreise "abtauchen".
Deine Schilderungen beantworten mir schon recht gut einige meiner Fragen, die mich bewegen. Vor allem: Wie ist die Wahrnehmung meines Partners? So kann er sich trefflich über das gleiche Verhalten, wie ich es bei ihm beobachte, bei anderen aufregen. Ein wenig habe ich schon das Gefühl, dass er sich mit dem Thema ADHS beschäftigt. Eigenschaften, wie lautes Verhalten (Türen fallen ungebremst ins Schloss), also erlebbare Fakten werden von ihm schon wahr genommen und auch anerkannt.Den Verhaltensweisen, die mir zu schaffen machen, kann er (will er) sich nicht zuordnen. Es gibt ja verschiedene Ausprägungen, so kann er ja auch immer Beispiele aufführen, die nicht auf ihn zutreffen, die nicht von der Hand zu weisen sind. Ich hoffe, er arbeitet für sich doch soweit daran, wie er es sich jeweils zulässt.
Es stellt sich so dar, dass nur ich ein Problem habe. Ich höre von Dir und den anderen, dass ihr schon ganz schöne Schwierigkeiten im Alltag habt. Für viele war ein entstandener Leidensdruck der Anlass zur Aufklärung. Bei meinem Mann weiß ich nicht, ob es ihm zu schaffen macht, dass er z.B. häufig nach Dingen suchen muss und so. Ich habe das Gefühl, dass er durch einen normalen Arbeitsalltag zunehmend erschöpft ist, dass er mit zunehmenden Alter nicht mehr genug Energie hat, um zu kompensieren. Die Gesundheit nimmt Schaden, da scheint er auch zu verzweifeln. Gerade da sehe ich auch Bezug auf eine mögliche ADHS-Erkrankung. Erklärungen für "Schwächen", wie maßlos essen (auch Süßes...). An den beiden Punkten könnte eine Diagnose positive Erklärungen und ggf. Erleichterung geben. Das war auch mein Einstieg, ihn zu bitten, sich damit zu befassen.
Eule, ich finde es eine beachtliche Lebensleistung, dass Du Dich dem Thema genähert hast. Es war sicher ein langer Prozess und auch mit viel innerer Gegenwehr verbunden. Du hast Dich Stück für Stück erkannt, als Du die Informationen gelesen hast. Was überwog bei Dir? Verzweiflung darüber krank zu sein oder die Hoffnung auf Hilfe und Erklärungen? Empfindest Du jetzt mehr Lebensqualität?
Sensibelchen
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 10. Februar 2013 22:44

@falschparker
Eben ist leider mein Artikel im Nirwana verloren gegangen, wohl ein Anfängerfehler. Da es schon spät ist, fange ich nicht mehr von vorn an. Ich melde mich bestimmt, wenn ich wieder online sein kann.
Dir und allen anderen wünsche ich einen guten Start in die neue Woche! :winken:
Sensibelchen
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Falschparker » 10. Februar 2013 23:28

Oh, schade, kann aber passieren. Ich warte auch gerne ein paar Tage.

Eine schöne Dienstreise wünscht
Falschparker
<><
nixe
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon nixe » 11. Februar 2013 12:06

Hallo Sensibelchen,


jetzt muss ich doch auch noch einmal meinen Senf "loswerden". Die ganze Zeit frage ich mich schon, warum Du eigentlich ausgerechnet diesen Nick gewählt hast. Für mich liest es sich dauernd so, als würdest Du Dir selbst den Vorwurf machen, "zu sensibel", also zu empfindlich zu sein. Als ob es die Lösung sein könnte, Dich noch mehr anzustrengen, um Dich noch besser an die Eigenarten und Bedürfnisse Deines Mannes anzupassen und dann gäbe es keine Probleme mehr.

Ich finde es grundsätzlich gut, dass Du Dich auch dafür interessierst, was mit Deinem Mann sein *könnte* (eine Diagnose gibt es ja nach wie vor nicht, nur Deine Vermutungen).

Was mir auffällt: Du kreist ständig um ihn, suchst bis in Spekulationen hinein nach Hintergründen oder Absichten, die er gehabt haben *könnte*. Das kann Dir hier wirklich keiner erraten. Und es macht für mich auch ein bißchen den Eindruck, als ob Du nach einer Entschuldigung suchen würdest für alles das, was Dich im Umgang miteinander verletzt. Wenn Du eine finden würdest, müsste sich dann nichts mehr an Eurem Alltag ändern ?

Dazu kommen Deine Betrachtungen, ob Du ihn nun weiter auf ein Diagnoseverfahren ansprechen solltest oder nicht und was die möglichen Konsequenzen sein könnten oder nicht ------ das kann alles kein Mensch vorher wissen und das muss zum Glück auch kein Mensch vorher wissen.

Was ich daran nicht konstruktiv finde, ist, dass dahinter die Haltung steht, Du müsstest wie eine Mutter seine Verantwortung tragen. Nicht er soll dafür einstehen, wie er sich verhält und warum er sich so verhält, sondern stattdessen suchst Du nach Erklärungen. Kannst Du wirklich akzeptieren, dass er selbst für sein Verhalten und auch für seine Entscheidungen verantwortlich ist ? Auch, wenn er derzeit zB *keine* Diagnose anstreben möchte ? Mal abgesehen davon, dass auch ein anderes Ergebnis dabei herauskommen könnte.

Warum setzt Du nicht bei Dir selbst an ? Was hält Dich davon ab, zu ihm zu gehen und zu sagen: das mit dem Fenster und das mit dem Vollkornbrot hat mich verletzt, und zwar so und so, es würde mir helfen, wenn Du mir sagen könntest, wie Du das wahrgenommen hast ?

Vielleicht hat er sich gar nichts gedacht, vielleicht war er vergesslich, vielleicht hat er Deine Andeutungen nicht ernst genommen, vielleicht dies, vielleicht etwas anderes. Vielleicht findet er Deine Kommunikation nicht so unmissverständlich, wie Du sie einschätzt. Vielleicht lässt sich das Ganze im Gespräch miteinander lösen.

Von daher solltest Du Dich meiner Meinung nach erst einmal mit dem Punkt auseinandersetzen, der bei Dir selbst liegt. Warum fällt es Dir schwer, dafür zu sorgen, von ihm ernst genommen zu werden ? Was lässt Dich zögern, Dich ihm mit Deinen eigenen Bedürfnissen voll und ganz zuzumuten ? Was ist Deine Angst ?

Bei uns ist es so, dass beide Erwachsene ADSler sind. Mein Mann und ich machen uns oft die Kommunikation viel zu kompliziert. Oft will einer "den anderen nicht belasten", oder versucht, "etwas mit sich selbst abzumachen" oder will nicht über etwas reden, weil Ängste damit verbunden sind, oft auch Ängste um den anderen. Da läuft jeder von uns gerne mal in seine jeweilige Falle. Jetzt gerade zB ist mein Mann seit Tagen grummelig, weil er irgendwelche Sorgen wegen der Arbeit hat. So.
Wenn ich nicht auf Zack bin, bzw in meine alten Muster falle, fällt es mir schwer, diese Laune "bei ihm zu lasen" und dann neige ich dazu, ihm die Würmer aus der Nase zu ziehen. Das ist aber nicht meine Aufgabe. Wenn ich auf Zack bin und bei mir bleibe, ist mir klar, dass seine Laune nichts mit mir oder mit uns zu tun hat. Dann spreche ich ihn nur kurz darauf an, gebe sozusagen ein Signal, weil ich nicht möchte, dass die Laune auch bei Tisch usw. überhand nimmt und überlasse es ansonsten ihm selbst, sich damit auseinanderzusetzen. Es sind zwei verschiedene Dinge: das eine ist seine Befindlichkeit an sich. Da ist er schlicht selbst verantwortlich, ob er sich nun von etwas herunterziehen lässt oder nicht. Das andere ist, ich möchte nicht, dass er seine Laune in alle alltäglichen Situationen überschwappen lässt, das ist der Teil, der mich durchaus etwas angeht.

Das eine ist, sich darum zu bemühen, den anderen zu verstehen. Das andere ist, sich darum zu bemühen, dass der andere einen versteht / verstehen kann. Beides geht Hand in Hand. Es bringt absolut nichts, in den anderen hineinkriechen zu wollen und von hinten alles nachvollziehen zu wollen, ohne denjenigen straight von vorne darauf anzusprechen. Glaub´mir, ich habe es selbst lange genug versucht, in meinen Mann hineinkriechen zu wollen. Irgendwann habe ich kapiert, dass ich ihn letztendlich damit auch entmündige (und meine Zeit verschwende und fleißig an meinem eigenen "Unglück" stricke).

Na, ist jetzt ien ganz schöner Wust geworden. Hoffentlich kannst Du da überhaupt durchsteigen : )
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 14. Februar 2013 17:59

@falschparker
Bin wieder da, danke für’s Warten. :ja1:
Dein Beitrag bringt nun wieder viele positive Aspekte für eine Diagnose. Ich sehe auch in Deiner Beschreibung darüber, dass Du durch die Medis Dich selbst und andere besser wahrnimmst, eine endgültige Bestätigung für mich (Zweifelnde, Unwissende), dass da wirklich die Wahrnehmung eine andere ist. Das ist hier die große Hilfe, von betroffenen Menschen die gelesenen Informationen bestätigt zu bekommen. Zum Thema: „Störung im Gehirnstoffwechsel, die lästig, teilweise lebensgefährlich und zerstörerisch ist" Da habe ich mich noch nicht so gut informiert, klingt aber auch nach >Gesundheit in Gefahr<. Nun ja, er sollte schon den Weg finden, sich dem Thema zu nähern. Ich finde es super von Dir, dass Du es geschafft hast und ganz besonders, dass Du Dich dankbar gegenüber Deiner Frau äußerst (hoffentlich hast Du ihr das auch direkt gesagt). War Dir die Anerkennung der Unterstützung Deiner Frau erst mit Medis möglich oder hast Du ihr das auch schon mal vorher gesagt? Mir würde ein solcher Satz schon richtig viel geben.
Schade, dass die Ärzte offensichtlich ADHS überhaupt nicht im Köpfchen haben, wenn hier mal einer so eine Diagnose in Betracht ziehen würde, dann würden wohl auch einige Folgeerkrankungen vermieden werden können. Mein Mann ist da schon häufig auffällig geworden (beim Arzt muss man ja warten, an Termine denken, die Papiere und Körperflüssigkeiten mitbringen), so gab es den Rat, Yoga zu machen u.ä.. Das finde ich nicht so angemessen. Er würde die Truppe richtig in Schwung bringen… :breitgrinse1:
Tja, mal sehen, wie er sich weiter dafür interessiert, ein Redeverbot zum Thema ADHS gibt‘s ja nicht.
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 14. Februar 2013 18:33

Hallo nixe, den Nick habe ich gewählt, weil mein Mann mir zugeschoben hat, dass ich ja nur empfindlich wäre, sein Verhalten aber vollkommen in Ordnung ist. Nun habe ich ja gelernt, dass seine Wahrnehmung wohl tatsächlich so ist. Das weiß ich nun, kann dadurch auch schon anders mit Auseinandersetzungen umgehen. Nur ich kann ihm nicht sagen: Hey, Deine Wahrnehmung ist gestört, deshalb läuft hier etwas schief. Es ist klar, dass er das nicht erkennt und wenn es so sein sollte, hätte er ja an sich zu arbeiten. Eine Diagnose würde aber gerade das bestätigen. Das weiß er, ist seinen Äußerungen zu entnehmen (er weiß schon etwas über ADHS). Das hieße aber, er müsste mir zugestehen, dass ich nicht die Blöde bin und durchaus hier und da (ganz sicher nicht immer!) recht haben könnte.
Ja, ich bedauere, dass ich bisher leider zu schnell heulen  :baw:musste und so keine Chance hatte. Bei einem Menschen, den ich nicht liebe kann ich anders. :aufsmaul_2:
So habe ich heute meinem Kollegen sehr deutlich gemacht, dass er eine Grenze überschritten hat. Seine knappe Antwort war: „Ist angekommen.“
Ich habe mit meinem Mann über die „Vorfälle“ gesprochen. Die Themen lassen sich nicht auflösen. Da haben mir die Sätze von der „Anleitung“ geholfen, sinngemäß: er redet so lange bis schwarz dann doch weiß ist und gegen die Kraft kommen sie nicht an. Trifft auf meinen Mann voll zu. Ich bin diejenige, die überhaupt die Dinge anspricht.
Bedürfnisse muss ich klarer formulieren und mit Nachdruck darauf bestehen. Ich habe nun gelernt, dass ich nicht davon ausgehen kann, dass er den einmal geäußerten Wunsch von mir berücksichtigt. Das bin ich von anderen Mitmenschen so gewohnt.
So muss ich schon lernen, ihn besser zu verstehen, um meine Bedürfnisse einzubringen. Weil: bei anderen Mitmenschen funktioniert meine Kommunikation.  :ja1:
Fortsetzung folgt.
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Falschparker » 14. Februar 2013 19:51

[quote=&quot;Sensibelchen&quot;]„Störung im Gehirnstoffwechsel, die lästig, teilweise lebensgefährlich und zerstörerisch ist" Da habe ich mich noch nicht so gut informiert, klingt aber auch nach >Gesundheit in Gefahr<.[/quote]

lebensgefährlich- damit meine ich v. a., dass die Unaufmerksamkeit bei ADHS die Unfallhäufigkeit statistisch steigert. Wenn jemand abgelenkt ist und einen Unfall (nicht nur im Verkehr, sondern auch im Beruf oder im Haushalt) verursacht, kann ADHS nicht direkt, aber indirekt tatsächlich tödlich sein. Dazu kommt die verstärkte Suchtneigung durch Selbstmedikation, und dass der Stress durch das häufige Verschusseln und Streiten sich auf die Dauer auch negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt.

zerstörerisch- unbehandelt kann ADHS Berufswege, Beziehungen, Ehen und Familien zerstören. (Wobei sich das jetzt wieder schuldverschiebend anhört- die Betroffenen sind für das was sie tun natürlich verantwortlich, sie können nicht sagen ich kann nichts dafür, ich habe ADHS.)
Zuletzt geändert von Falschparker am 14. Februar 2013 19:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Falschparker » 14. Februar 2013 20:22

[quote=&quot;Sensibelchen&quot;]Nur ich kann ihm nicht sagen: Hey, Deine Wahrnehmung ist gestört, deshalb läuft hier etwas schief.[/quote]

Nein, das würde ihn ja unglaublich provozieren.  :breitgrinse1:

Es ist klar, dass er das nicht erkennt und wenn es so sein sollte, hätte er ja an sich zu arbeiten. Eine Diagnose würde aber gerade das bestätigen.


Jein. Eine Diagnose würde ja nicht sagen: Du hast Schuld an allem was schief läuft, jetzt musst du alles (aus eigener Kraft) ändern. Sondern: Viele Dinge laufen schief, weil ich ein Problem im Gehirnstoffwechsel habe. Und daran kann ich etwas tun, nicht durch erneute Apelle, sondern durch Medikamente und Therapien und indem ich mich damit beschäftige wie ADHS-ler ticken.

Apelle haben wir im Leben ja schon genug bekommen (und verinnerlicht). Du musst endlich diszipliniert sein, du musst dich zusammennehmen.

Ich finde es super von Dir, dass Du es geschafft hast und ganz besonders, dass Du Dich dankbar gegenüber Deiner Frau äußerst (hoffentlich hast Du ihr das auch direkt gesagt). War Dir die Anerkennung der Unterstützung Deiner Frau erst mit Medis möglich oder hast Du ihr das auch schon mal vorher gesagt? Mir würde ein solcher Satz schon richtig viel geben.


Ja, dass ich dankbar bin für ihre Unterstützung in vielen alltäglichen Dingen, das sage ich ihr häufig und auch vorher schon. Aber wenn wir uns früher gestritten haben, habe ich mich oft über Kleinigkeiten sehr aufgeregt und dann sah für mich alles so aus dass alle Anderen (und vor allem meine Frau) die Probleme verursachen und ich alles richtig mache. Von außen betrachtet absurd. Mit den Medis fiel das Aufregen über Kleinigkeiten meist einfach weg.  :ja1:

Und wenn ich dann mal (abends) keine Mediwirkung hatte und wieder einen sinnlosen Streit anfing, konnte ich plötzlich inne halten und denken, Moment mal, mein Medikament wirkt nicht mehr, das Thema lasse ich jetzt beiseite oder wir sprechen weiter morgen tagsüber darüber. Und dann fragte ich meine Frau manchmal, war ich früher immer so wie jetzt (nämlich wie ein HB-Männchen)? Nein, immer nicht, aber ziemlich häufig, sagte dann meine Frau.

Aber so "von außen betrachten" konnte ich mich wirklich erst als ich mich auch "anders" (d. h. mit Medis) kannte. Ohne das müsste ich mich ja weiter vor dem Gedanken abschotten dass ich möglicherweise so bin, weil ich da ja nicht "raus" käme, wenn du verstehst wie ich das meine.

Also ich denke schon, wenn das jetzt ein ebenso impulsiver ADHS-ler, der nie Medis genommen hat, lesen würde, könnte er sicher Angst kriegen, ey das ist ja ein Medikament was die Persönlichkeit verändert.

Und zusätzlich wäre es ja eine Zumutung, zu denken, dass man das selbst nötig haben könnte. Dieser Falschparker im Forum nimmt Medikamente, weil er sonst seine Frau anbrüllt? Typen gibt's- der Arme, aber ich bin doch nicht so.  :breitgrinse1:

Wie gesagt, das ist eine Wirkung, die ich nachträglich festgestellt habe, aber es war nicht mein Ziel (und für mich kein Problem). Ich wollte Medis, um im Beruf mehr geregelt zu kriegen und nicht so ein Chaos im Büro zu haben.  :icon_rolleyes:

Das macht das Medikament auch- aber im Aufschieben bin ich noch gut, und mein Schreibtisch sieht aus...  :breitgrinse1:
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 14. Februar 2013 21:17

Hallo Falschparker, das hört sich ja rund für mich an, Du kannst nun gut Deinen Alltag bestreiten, Deine Frau weiß, wann Sie am besten mit Dir redet und trotzdem bist Du der sympathische, interessante Typ. Du hast Deine heimelige Unordnung und hast dabei nicht mehr den Druck von früher. Finde ich echt gut. Klar, dass das Leben sonst noch genug Probleme mit sich bringt. :denknach:
Ich habe Dich gut verstanden, auch, dass Apelle absolut unangebracht sind. Da bin ich so nicht der Typ für. Da gibt’s eher Bitten mit netter Geste. Oder, die Uhr, wo die Batterie seit Tagen von ihm gewechselt werden sollte, einfach mal in den Sichtbereich hinlegen. Wurde gleich gestellt und aufgehängt….. leider geht sie nun 1 Stunde vor. :top: Das nehme ich mit Humor, soll ja im Bad nur eine Orientierung sein, wann ich mich ausgetrödelt haben sollte (20 min.).  Wie bleibe ich nun am Thema dran? Mein Mann schickte an mich die Botschaft, dass meine Tochter ja auch ADHS haben würde. Finde ich gar nicht abwegig, da stimmen einige Kriterien. Ich glaube, da wollte er mir als Gegenwehr eher ein wenig vor den Kopf stoßen. Das würde ich gern weiterverfolgen, ohne in einen „ADHS-Diagnose-Wahn“ zu verfallen. Ich könnte ihm ja den Link (von Eule empfohlen) schicken, damit er mir mal sagt, ob meine Tochter in Frage kommen würde. So würde er sich mit dem Thema beschäftigen. Ist das legitim? Das entspricht nicht meiner Gewohnheit, etwas direkt und ehrlich anzusprechen, aber direkt hat hier zu diesem Thema schon richtig gekracht und ich wüsste nicht wie.  :Frag:
Was meinst Du dazu?
Was meint Ihr dazu?
Viele Grüße Sensibelchen
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Falschparker » 14. Februar 2013 21:40

[quote=&quot;Sensibelchen&quot;]Oder, die Uhr, wo die Batterie seit Tagen von ihm gewechselt werden sollte, einfach mal in den Sichtbereich hinlegen. Wurde gleich gestellt und aufgehängt….. leider geht sie nun 1 Stunde vor. :top:[/quote]

Ab Ende März geht sie dann wieder richtig.  :breitgrinse1:
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon nixe » 14. Februar 2013 21:50

Ich persönlich meine dazu:

lass´´mal den Gedanken los, Deinen Mann mit Tricks und Schlichen dahin zu bringen, wo DU ihn haben willst, nämlich in der Diagnostik. Entschuldige, aber Du scheinst Dich richtig verbissen zu haben in diesen "ich-weiß-am-besten-was-gut-für-ihn-ist-und-ich-muss-ihn-retten"-Trip.

Auch "Bitten mit netter Geste" sind Appelle. Große Augen machen und Schmeicheleien oder Andeutungen von hinten durch die Brust ins Auge sind auch nichts anderes als "nun mach´endlich das, was ich schon lange als richtig für Dich erkannt habe" - bloß indirekt vorgetragen oder "netter verpackt".

Fakt ist, Du hast ihm längst mitgeteilt, was Du mitteilen wolltest, nämlich Deinen Verdacht, dass er ADS haben *könnte* und Deinen Wunsch, diese Möglichkeit abzuklären. Diese Mitteilung ist bei ihm angekommen.

So. Dazu hat er längst Stellung genommen: er will nicht. Vielleicht ist es an der Stelle konstruktiver, ihm den Raum zu geben, selbst damit umzugehen. Ich für meinen Teil könnte mir vorstellen, dass es ihm auf den Sack gehen könnte, trotzdem ständig von Dir auch auf ach-so-nette-und-subtile-Weise wieder mit der Nase darauf gestoßen zu werden.

Du schreibst, es entspräche nicht Deiner Gewohnheit, etwas direkt und ehrlich anzusprechen. War wahrscheinlich eine Art Freudscher Vertipper. Aber einer zum darüber nachdenken, möchte ich meinen.

Zuletzt möchte ich Dir gerne sagen, dass sicherlich ´rüberkommt, dass ich gereizt reagiere. In der Tat reagiere ich gereizt auf Deine pseudo-verständnisvolle Haltung. Aber nicht, weil Du irgendjemand anderem damit auf die Füße trittst, schon gar nicht mir, sondern, weil ich den Eindruck habe, dass Du selbst Dir damit die klare Sicht verstellst. Und das tut mir leid.
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)
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Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 14. Februar 2013 21:59

:froi1: Jo, Falschparker. Bei uns ticken die Uhren eben anders... :froi1:
Wir haben wegen der stetig auftretenden kleinen Versäumnisse eben auch richtig Spass, so ist mein liebster Ausspruch: "Das kann doch mal vorkommen..." Vielleicht kennt ja jemand den Spruch. Ursprung ist die Sesamstrasse. Da gab es einen Jungen, der hieß Bumfiedel. Ihm passierten häufig typische Missgeschicke. So kam er regelmäßig völlig nass und schmutzig nach Hause und wenn Mutti wunderte, dann sagte er den berühmten Satz.
ADHS bei Bumfiedel??? Danke Sesamstrasse. Hat sich bei mir eingeprägt, wie auch das HB-Männchen.
Gutes, altes Fernsehen.
:schäm: Nun bin ich abgeschweift. Gute Nacht.
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