Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
Benutzeravatar
Sensibelchen
Andersweltler
Beiträge: 20
Registriert: 31. Januar 2013 17:43

Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 5. Februar 2013 20:13

Hallo Miteinander,
ich bin neu hier und möchte mich nach einer querfeldein-Informationsrunde als Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"
einfach mal "abgleichen". Sensibelchen wählte ich, da mein Partner meint, ich wäre einfach zu empfindlich.
Da hat er eindeutig recht, ich trage seit gut 6 Jahren seine recht anstrengenden Verhaltensweisen mit sehr viel Verständnis und Unterstützung. Dabei konnten wir humorvoll viele Situationen meistern und ich erwarte auch keine Veränderungen (z.B. Türen leise schliessen, die Rechnung im Cafe nicht schon kommen lassen, wenn mein Kaffee gerade hingestellt wird...). Damit lässt es sich leben, wenn man hin und wieder mal mit anderen Menschen das Gleiche tut und sich entspannen kann. Nur Verletzungen und das Ignorieren meiner wenigen wichtigen Grundbedürfnisse  gehen mächtig an meine Substanz. Ich bin es leid, aus unerfindlichem oder nichtigem Anlass angebrüllt zu werden.
Ich wünsche mir,  dass meine Bedürfnisse auch berücksichtigt werden. Umgekehrt werden sehr viele absolute "Anleitungen" an mich vermittelt, wie : sprich das Thema nicht an, informiere mich lange genug vorher, erinnere mich mehrmals.... Das tue ich, wenn ich es 1 Mal versäume, dann kracht's. Das tut weh!
Ich bat ihn, sich zum Thema ADHS zu informieren. Daraufhin wurde ich 2 Tage lang mit massiver Gegenwehr bearbeitet und bekam den Hinweis, mich wegen meiner Empfindlichkeit therapieren zu lassen und mir kein Buch zu ADHS sondern zu Selbstkritik besorgen sollte.
Nun habe ich hier diese "Anleitung" gefunden und fand im Inhalt hilfreiche Hinweise und in den Reaktionen darauf vieles wieder, was ich bei meinem Mann erlebe (z.B. wörtlich nehmen, obwohl das Wort in Anführungsstrichen gesetzt ist). Mir hat es sehr geholfen, auch wenn ich Angehörige der 95 % bin, stehen sich bei Konflikten in der Partnerschaft ja immer 2 verschiedene Menschen gegenüber. Also jeder für sich allein, mit seiner Denk- und Gefühlswelt. Diese Anleitung soll ganz sicher nich degradieren, sondern den Menschen drum herum wichtige Zweifel aufklären. ICh habe nun die Gewissheit, dass gegen diese "Mauer" nicht anzukommen ist. Ist es denn bei ADSH-Betroffenen so, dass sie nicht so gut auf andere Menschen eingehen können? Ist es möglich daran zu arbeiten?
Zuletzt geändert von Sensibelchen am 5. Februar 2013 20:18, insgesamt 1-mal geändert.
Sensibelchen
nixe
Foruminventar
Beiträge: 2397
Registriert: 7. Januar 2006 17:53

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon nixe » 5. Februar 2013 21:20

Sensibelchen - ich habe Deinen Beitrag mal abgetrennt, damit Deine Anfrage ganz im Mittelpunkt stehen kann.

Und jetzt mal gleich meine "fiese" Nachfrage: wo siehst Du Deinen eigenen Anteil ?

Kannst Du Deine eigenen Bedürfnisse deutlich machen und wirksam Grenzen setzen ? Wie gehst Du zB damit um, wenn er Dich anbrüllt ?

Für mich deutet vieles darauf hin, dass Du zuviel Gewicht auf "Verständnis" für ihn legst. Das Etikett "ADS" erklärt sicherlich nicht alle Eure Probleme. Hat er eigentlich eine Diagnose ?
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)
Benutzeravatar
Sensibelchen
Andersweltler
Beiträge: 20
Registriert: 31. Januar 2013 17:43

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 6. Februar 2013 19:05

Hallo nixe,
ich freue mich sehr :winken:, dass Du mir antwortest, denn Deine ehrlichen Worte haben mir schon sehr weiter geholfen. Deine Frage ist gar nicht fies,
Du hast den richtigen Punkt erwischt, ich muss für mich jetzt langsam mal eine Strategie finden, die mir die Wahrung meiner eigenen Bedürfnisse sichert. Das wurde mir auch durch die umstrittene "Anleitung" recht deutlich.
Ich war es im Umgang mit anderen Menschen gewöhnt, dass man auch auf mich eingeht. Die Einsicht, dass bei meinem Mann etwas anders ist hilft mir, denn ich kann nicht glauben, dass er so ignorant ist und böswillig agiert.
Ich habe gestern Abend auch schon geübt, mit dem Erfolg, dass er seine Endlosargumentation beendet hat.  :top:
Er hat keine Diagnose und ist auch bereits Ü50. Da hat er im Laufe des Lebens vieles schon gut organisiert bekommen und in "geordneten Verhältnissen" und mit meinem Halt kommt er gut klar, keine dramatischen Gefährdungen. Die Frage ist, ob eine Diagnose etwas Positives bringt...
Ich würde mich freuen, wenn er sich mit dem Thema befassen würde. Ist das ein Anspruch, den ich habe? Wie soll ich mich da verhalten? Hast Du schon Deine Diagnose "mitgebracht" oder brachte Dich jemand darauf?
Sensibelchen
Falschparker
Foruminventar
Beiträge: 4860
Registriert: 28. Mai 2008 13:37
Wohnort: Kleinstadt
Alter: 52

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Falschparker » 7. Februar 2013 00:47

Na, sicher kann eine Diagnose viel bringen, wenn er sich dann behandeln lässt. Unsere Ehe hat sich durch meine ADHS-Behandlung ganz deutlich gebessert, das bestätigt auch meine Frau.  :ja1:

Das Verzwickte: Ich habe die Diagnose und die Behandlung angestrebt, weil ich das Chaos im Leben und im Beruf leid war. Dass auch meine Frau ein Problem mit mir haben könnte, habe ich vorher kaum wahr genommen.  :upsi:

Das heißt: Wenn von ihr gekommen wäre: Ich glaub du hast ADHS, lass dich mal untersuchen, ich weiß nicht ob mich das motiviert hätte.  :icon_eek:
<><
Benutzeravatar
Hanghuhn
Foruminventar
Beiträge: 4789
Registriert: 24. Oktober 2010 03:29

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Hanghuhn » 7. Februar 2013 06:43

[quote=&quot;Sensibelchen&quot;]
... Damit lässt es sich leben, wenn man hin und wieder mal mit anderen Menschen das Gleiche tut und sich entspannen kann. Nur Verletzungen und das Ignorieren meiner wenigen wichtigen Grundbedürfnisse  gehen mächtig an meine Substanz. Ich bin es leid, aus unerfindlichem oder nichtigem Anlass angebrüllt zu werden.
Ich wünsche mir,  dass meine Bedürfnisse auch berücksichtigt werden. Umgekehrt werden sehr viele absolute "Anleitungen" an mich vermittelt, wie : sprich das Thema nicht an, informiere mich lange genug vorher, erinnere mich mehrmals.... Das tue ich, wenn ich es 1 Mal versäume, dann kracht's. Das tut weh!  [/quote]
[quote=&quot;Falschparker&quot;]
Das Verzwickte: Ich habe die Diagnose und die Behandlung angestrebt, weil ich das Chaos im Leben und im Beruf leid war. Dass auch meine Frau ein Problem mit mir haben könnte, habe ich vorher kaum wahr genommen.  :upsi:

Das heißt: Wenn von ihr gekommen wäre: Ich glaub du hast ADHS, lass dich mal untersuchen, ich weiß nicht ob mich das motiviert hätte.   :icon_eek:  [/quote]
Falschparker hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Trotzdem kommt mir das Ganze komisch vor. Dein Mann merkt angeblich nichts von ADHS, wird aber wütend, wenn Du ihm sein Leben nicht organisierst, wenn Du ihn nicht mehrmals erinnerst. Das finde ich ein starkes Stück.

Trotzdem überrascht mich Deine Situation nicht wirklich. Ich hatte schon mehrfach an anderer Stelle im Forum den "Verdacht" geäußert, dass ich glaube, dass viele "unerkannte" von AD(H)S Betroffenen sich ihren Alltag von ihren Partnern (meist Männer von ihren Frauen, aber auch umgekehrt) organisieren lassen. Sie sind der Meinung, das klappte ja wunderbar. Wo solle da ein Problem liegen? Weil das meist schon lange so geht, sehen sie keinen Handlungsbedarf. Das Problembewusstsein ist gar nicht da.

Was macht man da? Das einzige, was mir dazu einfällt: ihn fallen lassen. Er muss sein Problem selbst erspüren. Du musst ihm das vorher ankündigen, sonst ist der Streit programmiert. Deine Ankündigung wird schon Ärger genug bringen, vielleicht aber auch deshalb, weil er schon ahnt, dass er ohne Dich aufgeschmissen ist.

Du bist ja auch nie sauer darauf gewesen, dass Du ihm seinen Alltag organisieren musst, sondern auf seine Reaktionen, wenn Du etwas vergisst (finde ich übrigens z. K., das fehlen mir die Worte) und auf seine sonstigen Wutanwandlungen.

Er "organisiert" sich sein Leben (lässt es sich organisieren), indem er seine Umgebung tyrannisiert. Ein Brüller und Du hast ein schlechtes Gewissen.   :up_to_something:   :aufsmaul_2: 
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 7. Februar 2013 06:44, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn
nixe
Foruminventar
Beiträge: 2397
Registriert: 7. Januar 2006 17:53

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon nixe » 7. Februar 2013 11:43

Das Gemeine ist, dass immer zwei dazu gehören: einer, der brüllt und einer, der sich anbrüllen *lässt*.

BEIDE können nur an ihrem jeweils eigenen Verhalten etwas ändern.

Das Problem besteht meiner Meinung nach eher in der Frage der Abgrenzung. Weniger darin, ob er jetzt ADS hat oder nicht. Solange er nichts an seiner Situation ändern will, ist das sowieso recht wurscht.
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)
Benutzeravatar
Sensibelchen
Andersweltler
Beiträge: 20
Registriert: 31. Januar 2013 17:43

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 7. Februar 2013 18:47

Hallo, erst mal vielen Dank für Eure Antworten. Mir geht es schon viel besser, weil ich einfach mal drüber reden kann.
Ohne Diagnose ist es schwer mit gemeinsamen Bezugspersonen darüber zu  reden. Er bemerkt übrigens gegenüber anderen schon mal anklagend ironisch, dass ich ja der Meinung wäre, er habe ADHS...haha. Auch mir gegenüber zieht er es ins Lächerliche.
Besonders geholfen hat mir auch die Info von Falschparker, dass er nicht wahrgenommen hat, dass seine Frau ein Problem hat. Nun, selber Schuld? Da ich schon 2 Kinder überwiegend allein großgezogen habe, bin ich im Umgang mit anderen recht konsequent. Meinem Mann nehme ich seine persönlichen Dinge nicht ab. So wäscht und bügelt er auch seine Klamotten selbst, kümmert sich um seine Termine und seine finanziellen Angelegenheiten. Da gibt's klare Trennungen. Da resultiert aus unseren Erfahrungen und ist eine gemeinsame Entscheidung. Was die gemeinsamen Dinge angeht, das hefte ich mir schon an, damit es läuft.
Leider habe ich auch noch zu häufig schweigend hinter ihm den Tisch abgewischt oder das Chaos in der Küche beseitigt, wenn er auch nur ein kleines Essen zubereitet hat. Gestern war ich schon mal Stolz, weil ich die Essensreste in der Pfanne auch am 4. Tag auf dem Herd stehen ließ. Es war schon ein ziemlicher Gestank :kk:
Und siehe da, er hat es wahr genommen und die Reste entsorgt. Gut, dass sich kein Besuch angekündigt hatte, dann hätte ich das nicht durchgehalten. Auf wen fällt eine verdreckte Küche zurück (21.Jahrhundert)?
Wenn wieder mal etwas weg ist, dann gehe ich auch nicht mehr darauf ein, sondern checke nur kurz ab, ob ich das verkramt haben könnte. Fortsetzung folgt, die Ruhe ist gleich nicht mehr gegeben. Übrigens freue ich mich jeden Tag darauf, dass er nach Hause kommt. Nur mal so, ich will hier nicht nur Frust loswerden. :ja1:
Sensibelchen
prototo
Andersweltler
Beiträge: 16
Registriert: 6. Februar 2013 06:46

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon prototo » 7. Februar 2013 18:52

..ich gehöre zu den von dir beschriebenen 5% (ADHSler, Ü 50) und kann das Verhalten deines Partners (ADHS.Verdächtigen) sehr gut nachempfinden....dazu ein paar Erklärungen...die meiste Kommunikation zwischen Menschen ist nonverbal, auch bei Adhslern :-), nur interpretieren wir diese Interaktionen oft anders, oft heftiger, verzweifelter, massiver, ablehnender....

...wenn meine Partnerin mein "Wertesystem" und meine Eigenverantwortlichkeit in Frage stellen würde, es gäbe sicherlich Auseinandersetzungen der emotionaleren Art...Adhsler haben ziemlich archaische Instinkte und wenn der Partner verbal und nonverbal mir vermitteln würde: Du krank, du verdächtig, du mit Adhs...dann würde ich schon hinterfragen, Moment, stehen diese Argumente alle in einem Kontext, bin ich wirklich das Problem oder die Ursache....oft entsteht ja in der Beziehung eine Symbiose, die beide in gewisse Rollen drängt...und das hat zunächst nichts mit ADHS zu tun..

Veränderung wirst du bei deinem "Verdächtigen" erst erreichen, wenn du ihm mit Respekt und auf Augenhöhe begegnest...warum soll er sich behandeln lassen, warum mit sich auseinandersetzen...wenn du als Partner nicht selbst bei dir anfängst...

..ich kann deine "Verzweiflung" förmlich spüren, vielleicht hilft dir zu überprüfen, ob die positiven Aspekte in der Beziehung die negativen überwiegen...und dann überlege, dass du nie einen anderen verändern kannst, sondern du nur dich und dein Verhalten. Das betrifft natürlich auch deinem Partner, sofern er das Bedürfnis in sich verspürt...

...und dies alles hat zunächst nichts mit ADHS zu tun, sondern mit dem zwischenmenschlichen Miteinander..

...ich wünsche dir viel Kraft

prototo
wer im Glashaus sitzt, sollte die Steine benutzen :-)
Benutzeravatar
Hanghuhn
Foruminventar
Beiträge: 4789
Registriert: 24. Oktober 2010 03:29

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Hanghuhn » 7. Februar 2013 21:06

[quote=&quot;Sensibelchen&quot;]
Gut, dass sich kein Besuch angekündigt hatte, dann hätte ich das nicht durchgehalten. Auf wen fällt eine verdreckte Küche zurück (21.Jahrhundert)?   [/quote]
Ooooh, Du hast ja soooooooooo recht. Das Gleiche gilt bei der Kindererziehung. Der Kindsvater kann Dir 1000x erziehungsmäßig in den Rücken fallen. Wenn das Kind irgend welche Macken hat, warst Du es. Wie frau damit umgeht, steht in keinem Erziehungsratgeber. Die geben immer nur Anleitung, wie die Eltern, Mutter oder Vater es tun sollten. Als ob sich immer alle so einig sind ...

Was prototo schreibt, finde ich interessant. Schließlich hat Dein Mann mit ü50 schon eine Menge Leben, den größten Teil seines Berufslebens hinter sich. Wahrscheinlich hat ihm schon immer jemand Teile seines Alltags organisiert. Vor einiger Zeit las ich einmal, dass jemand, der plötzlich dauerhaft ohne Sekretärin auskommen musste, erst jetzt entdeckte, dass er ADS hatte. So in etwa stelle ich mir das bei Deinem Mann vor. Wenn er tatsächlich ADHS hat und das endlich auch weiß, muss diese Erkenntnis ziemlich hart für ihn sein.

[quote=&quot;Sensibelchen&quot;]
Er bemerkt übrigens gegenüber anderen schon mal anklagend ironisch, dass ich ja der Meinung wäre, er habe ADHS...haha. Auch mir gegenüber zieht er es ins Lächerliche.  [/quote]
Er hat starke Zweifel an Deiner Behauptung, aber es nagt in ihm. Er lehnt es ab, dass mit ihm etwas nicht stimmen soll. Das wird er aber nie wissen, wenn er nicht zum Psychiater geht.

Ob er AD(H)S hat oder nicht, spielt für Dich zunächst erst einmal keine Rolle: Du musst Dich mehr abgrenzen. Er muss "das Bedürfnis in sich" verspüren, sich diagnostizieren zu lassen.

Falls er die Diagnose AD(H)S nicht bekommt, muss es ja trotzdem bei Euch weiter gehen. Dann ist er eben manchmal etwas aufbrausend und manchmal etwas unorganisiert. Damit müsst Ihr dann auch leben können.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 7. Februar 2013 21:13, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn
Benutzeravatar
Sensibelchen
Andersweltler
Beiträge: 20
Registriert: 31. Januar 2013 17:43

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 7. Februar 2013 21:32

Hallo prototo, vielen Dank für Deine offenen Worte. Gleich vorneweg: es überwiegen bei uns die positiven Aspekte in der Partnerschaft. Ich habe mich schon viel mit Kommunikation befasst und wir haben auch schon gemeinsam versucht herauszufinden, wo es bei uns  immer wieder kritisch wird. Da kam auch das Thema nonverbale Kommunikation. Da habe ich nun durch Dich erklärt bekommen, was ich an meinem Mann beobachte und versucht habe ihm mitzuteilen - seine Mimik und Gestik sind bedrohlich, angsteinflößend bis hasserfüllt -->archaisch?
Da geht dann nix mehr bei mir. :baw: Ich arbeite nun an meinem Verhalten, weil mir klar wurde, dass mein Gegenüber etwas besonderes ist. Klar, ich möchte ihn nicht verändern und ihm auch eine mögliche ADHS-Betroffenheit rüberschieben. Für mich war die Beschäftigung mit dem Thema ein Einstieg, eine andere Sichtweise auf unsere Probleme zu bekommen. Ohne diese auf die mögliche Erkrankung zu schieben. Sondern knallhart das Anderssein meines Partners zu begreifen. Ich hatte nun bei meinen ersten Versuchen schon das Gefühl, dass ihn meine Verhaltensänderung stutzig macht.
Was meinst Du, Falschparker, mit fallenlassen? Hängenlassen, wenn er Hilfe braucht? Nicht warten, wenn er noch einmal zurück muss, weil er seine Brille vergessen hat?
Habt Ihr mit Euren Partnern feste Abmachungen getroffen?
Sensibelchen
Falschparker
Foruminventar
Beiträge: 4860
Registriert: 28. Mai 2008 13:37
Wohnort: Kleinstadt
Alter: 52

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Falschparker » 7. Februar 2013 21:55

[quote=&quot;Sensibelchen&quot;]Was meinst Du, Falschparker, mit fallenlassen?[/quote]

Das war Hanghuhn.
<><
Benutzeravatar
Sensibelchen
Andersweltler
Beiträge: 20
Registriert: 31. Januar 2013 17:43

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 7. Februar 2013 22:02

[quote=&quot;prototo&quot;]
..ich gehöre zu den von dir beschriebenen 5% (ADHSler, Ü 50) und kann das Verhalten deines Partners (ADHS.Verdächtigen) sehr gut nachempfinden

Hallo prototo,
...das mit der Kraft ist nett und genau das, was manchmal schwer fällt. Danke.
Würdest Du mir auch sagen, wann Du Dich aufgemacht hast, um zu klären, was Dir so zu schaffen macht? Hast Du vorher darüber mit Menschen aus Deinem Umfeld gesprochen und gab es vorher grenzwertige Erlebnisse?
Ich denke mein Mann weiß, dass er nicht ist, wie die Masse.... Deshalb mag ich ihn ja auch.
Als ich ihn kennenlernte war er frisch getrennt und frisch verliebt und hatte damit die Situation, dass alles ungeordnet war. Es lief bei ihm alles aus dem Ruder, war völlig "ausgekreist", Führerschein weg, Firmenwagen im Wald festgefahren und nach geraumer Zeit die Kündigung. Da war er auch bei einer REHA wegen Verdacht auf Bandscheibe. Er störte dort massiv "den Unterricht". Er war auch bei einer Psychologin, aber keine Rede von möglichen Ursachen - jedenfalls nicht mir gegenüber.
Das war gemeinsame, harte Arbeit, dass es jetzt im Verhältnis so gut geht. Es kommt ja auch das Alter hilfreich dazu :zwink:
Sensibelchen
Benutzeravatar
Sensibelchen
Andersweltler
Beiträge: 20
Registriert: 31. Januar 2013 17:43

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 7. Februar 2013 22:05

[quote=&quot;Falschparker&quot;]
[quote=&quot;Sensibelchen&quot;]Was meinst Du, Falschparker, mit fallenlassen?[/quote]

Das war Hanghuhn.
[/quote]

Entschuldigung, da war ich schusselig.
Danke, vielleicht gibt mir ja Hanghuhn eine Antwort.
Sensibelchen
Benutzeravatar
Sensibelchen
Andersweltler
Beiträge: 20
Registriert: 31. Januar 2013 17:43

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Sensibelchen » 7. Februar 2013 22:25

Du bist ja auch nie sauer darauf gewesen, dass Du ihm seinen Alltag organisieren musst, sondern auf seine Reaktionen, wenn Du etwas vergisst (finde ich übrigens z. K., das fehlen mir die Worte) und auf seine sonstigen Wutanwandlungen.

Ich möchte mal aufklären, worum es ging (Bsp.): Er hat sich grundsätzlich erbeten, dass ich nicht das Fenster öffnen möge, wenn er bald frisch geduscht aus dem Bad kommen wird (frier, unangenehm usw.). Da habe ich mich dran gehalten, weil es war klar, das zu akzeptieren. Nun hatten wir ein sehr schönes WE im Hotel und mir war am Morgen sehr heiß, die Luft war stickig und ich öffnete für meine Erleichterung das Fenster...,
er war im Bad..... und kam raus! Krach, brüll... ich akzeptiere seine Bedürfnisse nicht. Ich mache das nur um ihn zu ärgern.  :please: :please:Damit war es kein schönes WE mehr.
Ich habe da das Problem, nicht richtig einschätzen zu können, ob das so auch bei anderen Paaren läuft.  :please:
Sensibelchen
Benutzeravatar
lilian 74
Spezial User
Beiträge: 308
Registriert: 3. März 2012 21:52

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon lilian 74 » 7. Februar 2013 23:59

@Sensibelchen

Ich habe eben beim Lesen gedacht,diesen Text hätte mein Partner geschrieben haben können....Hier ist es "andersrum",ich bin die ADHS-Verdächtige und er ist der Mann an meiner Seite,der mit Sohnis(10)und auch meiner Impulsivität und emotionalen "Achterbahnfahrt" nicht mehr umgehen kann/möchte....

Wir sind noch zusammen,leben zusammen und bilden weiterhin ein ganz passables "Team" was die Kids/Alltagsorga etc.angeht(...)
ABER es  ist für mich "kurz vor zwölf",unsere Beziehung steht gerade echt auf der Kippe und nach mehreren Gesprächen ist nun klar:
er zieht sich aus Schutz in sen "Schneckenhaus"zurück und er fühlt seine Grenzen überschritten....

Es wurde doch schnell deutlich,dass es nicht nur um Sohnemanns ADHS geht,die er nicht mehr"wuppen"kann,sondern auch um mich und meine Art (nicht generell,sondern im Speziellen,wenn ich ihn verletze verbal oder meine schnell wechselnden Launen etc.).

Das strengt ihn an und er kann und will solche "Grenzüberschreitungen"nicht mehr einfach so tollerieren...
Zuerst wurde ich wütend und hilflos,ich kannte es von ihm nicht,dass er sich so abgrenzte,er hat jahrelang recht schnell wieder auf"normal"geschaltet und ziemlich zügig wieder Zugang zu mir gefunden(und gesucht)....

Ich sowieso,ich bin binnen von Sekunden wieder eine "Kuschelkatze"gewesen und lustig und zu jedem Spass aufgelegt-
aber er ist mit den Jahren immer mehr auf "Abstand"emotional gegangen.....was mich natürlich verunsichert und auch gereizt hat(da es mich hilflos machte und leider deshalb auch verbal wieder "aggressiver":bitte lass mich wieder rein in Dein Herz/in Dein/unser Leben...)

Nun ist es fast zu spät,aber vielleicht nicht ganz zu spät..!? Jedenfalls bin ich nun "am Zug"und nehme das auch sehr ernst(inzwischen).
Ich habe in 2 Woche wirklich einen ersten Termin zur Testung und bin bis dahin gerade ganz ruhig und nachdenklich....erstmalig klickerts bei mir,erstmalig schaue ich auf mich und die letzten Jahre(die zwar stressig waren,aber das rechtfertigt nicht,wie ich ihn oft angefahren habe)..

Also will sagen:erst jetzt,wo mein Partner sich unübersehbar und massiv abgrenzt wo u.wie er kann hats bei mir "klick"gemacht...
Ich war vorher halt auf "autopilot"/teils unbewusst und eben "einfach impulsiv"... Nur jetzt ist es nicht mehr "zu leugnen"und seine Vermutung/Ahnung,ich könnte auch ADHS haben,sitzt .Und ich fühle mich zumindest zur Zeit klar und kontrolliert und sehr ruhig(also aus mir selber,nicht aus Angst vor einer möglichen Trennung-die war für mich eigentlich schon unvermeidbar aufgrund seiner emotionalen "Notlage")..

Nun ist es zumindest hier bei uns echt ganz klar und deutlich:Ich muss was tun.Er ist weiterhin an meiner Seite und hier hängt auch viel dran(die zwei Kinder),aber so wie bisher KANN es nicht weiter gehen.

Wenn ich nicht meinen Sohn mit ADHS hätte(ich bin also an das Thema "gewöhnt"inzwischen),dann würde ich eine Vermutung seitens meines Partners auch eher abtun und nicht "wahrhaben"wollen!
Er hat auch nie gesagt "Schatz,ich glaube Du könntest eine ADHS-lerin sein.."

Sondern wann immer ich mich wegen Sohnemann "aufgeregt"oder "ausgeheult"habe(wegen seiner ganzen anstrengenden Art und seiner Impulsivität ,den Konflikten etc.),hat er ganz sachte gesagt:"Ich finde Du bist ihm gar nicht so unähnlich..."

Lange Zeit ging das gar nicht weiter vom Ohr ins Hirn(also wirklich nicht),aber ich habe irgendwann doch mal versucht mich "von Aussen"zu betrachten und ja,er hat Recht.Wir sind uns ähnlicher als ich je dachte/wahrhaben wollte.

Er meinte auch,mein Sohn und ich hätten schon sowas wie eine "Hass-Liebe"entwickelt(die mir übrigens sehr zu schaffen macht,das mein ich jetzt ernst),er empfindet es von Aussen so,dass wir uns gegenseitig soz. immer wieder triggern und ja,so ist es auch.

Anderes Thema...

Dir Sensibelchen rate ich:ganz klar sofort Rückmeldung geben an Deinen Partner,wann immer er Deine Grenze überschreitet,und bleib dabei und sag ihm Deine Gefühle sofort....Ich habe meinem Partner gesagt,als er genau wie Du meinte,dass ich seine Bedürfnisse nicht respektiere,dass ER für SEINE BEDÜRFNISSE einstehen muss,nicht warten,bis ich sage:hey,tu Dir doch endlich mal was Gutes und geh mal eine Woche mit Deinen Kumpels Segeln...

So bin ich eben nicht(vielleicht kann ich ja mal so o.so ähnlich werden???!!)    Also ich weiss schon,dass ich verdammt aufpassen muss in Zukunft mit grenzüberschreitendem Verhalten,aber ich hab es eigentlich nir grenzüberschreitend gemeint :Frag:

Ich meine ich habe es schon gemerkt,aber für mich ging es danach normal weiter und er hats geschluckt und wurde stiller und stiller....
Nun bin ich bereit an mir zu arbeiten und hoffe,er hat noch etwas "Zeit"und Bereitschaft,mit mir weiterzugehen...??

Sensibelchen,wir sind ja "von den entgegengesetzten Ufern"(vielleicht nicht so drastisch,aber ich habe eher die Rolle Deines Mannes)
aber ich weiss ja,wie er evtl.am ehesten zum Nachdenken/Verhaltensumstellung kommt...Sag ihm nicht nur,was Dich stört/ärgert/verletzt etc.
oder sag ihm nicht nur,was Du brauchst/wünschst/nicht wünschst etc.  ZEIG ES IHM (im negativen wie im Positiven)
Alles gesagte/geforderte/kritisierte kommt entweder gar nicht an oder es überfordert ihn ...

Also ich bräuchte es geradezu,dass mein Partner stärker "nach vorne"geht und sich für sich selbst gerade macht--das beeindruckt mich am ehesten und regt mich zum Nachdenken an...

GIB IHM SOFORT DEN SPIEGEL,geh nicht in die devote "Opferrolle",das macht ihn vielleicht nur noch wütender/hilfloser
(zumindest isrt es bei mir so).

...Oh mein Gott...also das Schreiben hier ersetzt gerade Therapie....Auch ich habe schon öfter zu meinem Männe gesagt,er mach das extra,um mich zu ärgern(irgendwas,was mir nicht in den Kram passt/mich verletzt.....oh  mein Gott,das ist mir nie bewusst gewesen...er hat mich dann echt fragend und sorgenvoll angeguckt und meinte nur:Wieso sollte ich Dich ärgern wollen,ich liebe Dich doch :icon_eek:

Ich muss mal eben aufhören(ist das laaaaang geworden,entschuldigung!!),ich habe gerade eine hammer Erkenntnis,die mich irgendwie gerade erschreckt :Frag: :schäm: :baw:

Lilian
Benutzeravatar
Hanghuhn
Foruminventar
Beiträge: 4789
Registriert: 24. Oktober 2010 03:29

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Hanghuhn » 8. Februar 2013 08:37

@Falschparker, danke, dass Du das aufgeklärt hast!

[quote=&quot;Sensibelchen&quot;]
Danke, vielleicht gibt mir ja Hanghuhn eine Antwort. [/quote]
Eigentlich gibt es dem Beitrag von lilian 74 nicht mehr viel hinzuzufügen. Ich bin ADSler und meine Wutausbrüche halten sich eher in Grenzen. Ich bin eher die, die es lernen musste und muss, sich abzugrenzen.

Irgend wie erinnert mich das eine Episode, die über Helmut Kohl berichtet wurde. Der war despotisch, und wenn der donnerte, bekam er oftmals keine Widerworte, was ihn aber oft selbst ärgerte. In einem bestimmten Fall soll er sich mal einem Dritten (Parteifreund) anvertraut haben und fragte: "Warum sagt der nichts?"

Ich glaube, dass Dein Mann den Widerstand gegen sein Verhalten regelrecht erwartet, aber nicht in der Art "Du hast ADHS", sondern wirklich dadurch, dass Du ihm etwas entgegenzusetzen hast.

Dieses Hängenlassen bezieht sich nur auf den privaten Bereich und nur, wenn der Job, Du und die Kinder nicht darunter mitleiden. Wenn er seine Brille vergessen hat und sie im Job braucht, wartest Du natürlich auf ihn. Wenn es aber nur darum geht, dass er sein chiceres Modell vergessen hat aufzusetzen,  "So what?" Stell ihn vor die Wahl: mitfahren, so wie er ist, oder mit seinem chicen Modell zu spät kommen (aber ohne Dich)! Er kann auch mit der nicht so schönen Brille gucken.

Wenn er Dich wegen des geöffneten Fensters anfaucht, geh gar nicht darauf ein. Mach 's Fenster zu und sag, Dir sei heiß gewesen und er solle einen anderen Ton anschlagen. Du hast Dich nicht dafür zu verteidigen, dass Du auch mal an Dich gedacht hast. Dir ging 's ja auch nicht so gut mit dem geschlossenen Fenster. Später fragst Du ihn, wie er 's denn gern hätte. Und bei dem Wie-er-'s-denn-gern-hätte soll er sich Gedanken um eine Lösung machen, die Euch beiden gerecht wird. Z. B. könntest Du ihn warnen, bevor er die Badezimmertür öffnet, so dass er sich vorher entsprechend einpacken kann. Halt ihm seine eigenen Worte vor: Wenn Du nicht seine Bedürfnisse akzeptierst, wer dann?

Vielleicht ist er ein ganz lieber Mensch und verharrt bei Fehlern, zu deren Einsicht er gar nicht kommen kann, weil ihm der Blickwinkel fehlt. Den Blickwinkel kannst Du ihm verschaffen. Erzähl Deine Sicht des WE, das er Dir mit ein, zwei Sätzen versaut hat. Im Gegensatz zu ihm kannst Du das eben nicht nach ein paar Minuten vergessen, das WE ist versaut. Wie schade!
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 8. Februar 2013 08:46, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn
prototo
Andersweltler
Beiträge: 16
Registriert: 6. Februar 2013 06:46

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon prototo » 8. Februar 2013 09:54

@Sensibelchen

"Würdest Du mir auch sagen, wann Du Dich aufgemacht hast, um zu klären, was Dir so zu schaffen macht? Hast Du vorher darüber mit Menschen aus Deinem Umfeld gesprochen und gab es vorher grenzwertige Erlebnisse?"

Guten Morgen,

zu deinen Fragen...wann...allen Ernstes ein Leben lang, das Inhomogene in mir zur Gesellschaft erfuhr und erfahre ich jeden Tag und erst nach der Diagnose (vor etwa 10 Jahren) konnte ich meine Verhaltensmuster verinnerlichen (teils verändern). Aber Vorsicht, was vermeintlich als "Befreiung" erscheint, hatte bei mir tiefste Depressionen hinterlassen. War ich bis dato der Überflieger (der Hypie), der Kreative, der Macher, der Erfolgreiche, so folgte nach der Diagnose die tiefgreifende Erkenntnis, mein ganzes Leben gegen Windmühlen gekämpft zu haben. Trotz massiver Tiefschläge konnte ich nichtdiagnostiziert immer wieder aufstehen und mich zum Gewinner hochpushen. Blicke ich heute zurück, hat mich die Diagnose gesellschaftlich zum "Looser" abgestempelt. Ich wurde kraftlos und konnte mich kaum noch selber motivieren. Das berühmte Umfeld (Familie, Freunde, auch vermeintlich echte, Bekannte), mit dem ich nach der Diagnose, die parallel zu der meiner Tochter erfolgte, sprach, war komplett ablehnend...ohne Ausnahme, trotz immer wiederkehrender Aufklärung meinerseits. Es folgten danach die schlimmsten Jahre für mich und nur das Besinnen auf eigenen Stärken und Schwächen liess mich überleben.
Heute überlege ich mir oft, ob die Diagnose mir für mein Leben etwas gebracht hat oder nicht. Philosophisch auf jeden Fall, gesellschaftlich, sozial, merkantil, energetisch war es für mich der totale Abstieg. Ich habe aber meinen "Seelenfrieden" in mir gefunden.

Dies ist auch der Grund, warum ich vor dem Diagnosehype um AD(H)S immer wieder warne, mit der Diagnose bist du meist als krank durch eine ziemlich unwissende Gesellschaft abgestempelt (besonders in Deutschland, die mit "Randgruppen wie Alte, Kranke, Sozialschwache, Migranten etc. nicht umgehen kann).
Wenn dein Mann die Diagnose nicht will, lass ihn...das oft angeknackste Selbstwertgefühl könnte noch größeren Schaden nehmen. Auch wenn es schwer fällt, AD(H)sler brauchen tiefstes Vertrauen, dann können sie sich (weiter)entwickeln.

...einen wunderschönen Wintertag wünscht dir prototo
wer im Glashaus sitzt, sollte die Steine benutzen :-)
Benutzeravatar
lilian 74
Spezial User
Beiträge: 308
Registriert: 3. März 2012 21:52

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon lilian 74 » 8. Februar 2013 11:46

@prototo(und natürlich sensibelchen...und alle anderen)


Ich finde Du schreibst was sehr interessantes und hilfreiches,hat mich zum Nachdenken angeregt...
Eine ADHS-Diagnose zu haben/bekommen wäre in meinen Augen auch nur dann wichtig,wenn man was mit ihr"anfängt" bzw.sie eben "braucht"z.B.um evtl Medikamente zu bekommen oder eine spez.Therapie(also das Finanzieren zu erreichen)zu beantragen.....
oder manche "brauchen"diese Diagnose evtl.um sich besser selbst zu verstehen sozusagen.

Ich habe mir bisher noch keine Gedanken gemacht darüber,ob und/oder WEM ich(sollte die Testung positiv sein)von der ADHS-Diagnose erzählen würde.
Das ist ein wichtiger Punkt finde ich.

Letztenendes geht es ja nicht darum eine ADHS-Diagnose zu haben,um aller Welt zu sagen:ich habe ADHS und so ist es,auch denke ich sollte man der Diagnose nicht zu viel "Wert"beimessen-man kann sie aber denke ich positiv für sich nutzen.
(eben die richtige Therapie bekommen endlich und auch eine-wenn gewünscht-medikamentöse Behandlung)

Aber natürlich kann man auch ohne Diagnose eben an spezifischen Themen arbeiten und Therapie machen...

Und ja,ich habe auch "Angst"davor,wenn es "schwarz auf weiss"irgendwo steht,dass ich ADHS habe,dass ich mich zu sehr damit "identifiziere"und mein "Selbstbild"angekratzt ist...

Damit muss man dann einen positiven Umgang finden und das ist bestimmt nicht leicht?!

Wenn ich eine Diagnose erhielte,würde sie schon eine Erklärung für vieles in meinem Leben sein,was anders (mal ganz pauschal ausgedrückt)verlief als bei der Mehrzahl meiner Mitmenschen...
Das würde mich schon auch auf eine gewisse Weise "entlasten"(nix entschuldigen oder rechtfertigen),ich wüsste für mich-aha-alles klar,"da liegt der Hase im Pfeffer"...

Und ich glaube,ich ich müsste auch "üben"/trainieren,das ADHS nicht so im Vordergrund zu halten und nicht "entmutigt"zu sein aufgrund dieser Diagnose und mich davon "schwächen"zu lassen,sondern im Gegenteil-

mit etwas mehr "Selbstverständnis"und neuen Erkenntnissen andere Wege versuchen zu beschreiten in Verhaltensdingen(auf vielen Ebenen)und mit etwas Selbstironie und aber auch "neuem Mut"und vor allem anderer "Selbstakzeptanz" weiter zu gehen.

Ich bin ja nicht automatisch-peng-anders als zuvor,nur weil ich ab einem gewissen Datum eine ADHS-Diagnose habe.

Aber so eine Diagnose birgt auch eine enorme Chance(wenn man denn ADHS wirklich hat),sich neu zu sortieren und zu orientieren bewusster!!!

Und wahrscheinlich würde ich es am liebstem NIEMANDEM erzählen(wozu auch,da kann wohl kaum jemand "nicht betroffenes" etwas mit anfangen wie mir scheint),sondern nur für mich und mein weiteres Leben  diese Diagnose versuchen als Sprungbrett zu nutzen,besser im Leben klar zu kommen als bisher.......

Hm.Gedankensalat. :Frag:

LG,Lilian
Benutzeravatar
lilian 74
Spezial User
Beiträge: 308
Registriert: 3. März 2012 21:52

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon lilian 74 » 8. Februar 2013 12:23

Ach prototo,(hatte mich schon ausgeloggt und Compi runtergefahren),was ich doch noch loswerden möchte:

Du HAST vielleicht in Deinen Augen"gegen Windmühlen angekämpft"(wie so viele betroffene Kinder oder Erwachsene hier im Forum),ABER das ist in meinen Augen gar keine Schwäche oder Grund zu resignieren oder depressiv zu sein,denn ich finde das ist eine absolute Stärke,nach herben Rückschlägen(die hier viele auf verschiedenen Lebensebenen zu verbuchen haben garantiert,übrigens ja auch "Normalos") immer wieder aufzustehen und weiterzumachen,wieder anpacken,was zusammengebrochen ist etc.

Du hast wie Du schreibst eine ADS-Tochter grossgezogen(Respekt),hast immer weiter gemacht und scheinst ein sympatischer Typ zu sein,der mit Tiefschlägen umgegangen ist,die andere Menschen nicht zu verkraften hatten/haben....

Das ist doch auch Grund stolz zu sein und sich zu sagen,dass man immer das Beste draus gemacht hat(macht jeder ) und aufs "Endergebnis"kommt es weniger an als auf die Lebensenergie die Du zu haben scheinst un d die Dich immer wieder hat "Täler"überfliegen lassen bzw.u bist rausgekletter(aus den Tälern)....

Sei mal nicht so streng mit Dir und ja,manche haben es im Leben wohl einfacher und sind evtl."geradliniger" und verballern nicht so viel Energie um irgendwo hinzugelangen(beruflich,privat),so wie es ADHSler manchmal tun(müssen),aber es zeugt doch von "Kampfeswille"und Mut und Lebensenergie,die Du hast;

Aber Du schreibst auch,Du hast Deinen Seelenfrieden mit der Diagnose u.Deinem bisherigen Leben gefunden..!!!!

Das ist mehr als viele Normalos je von sich behaupten werden/können..... :zwink:

LG,Lilian
Eule
Foruminventar
Beiträge: 2680
Registriert: 30. Oktober 2010 00:35
Wohnort: auf einem windigen Hügel bei Köln
Alter: 48

Re: Partnerin eines "ADHS-Verdächtigen"

Beitragvon Eule » 8. Februar 2013 12:49

@ADHS-verdächtig

Für mich kam der Denkanstoß von einer Bekannten, die nach ihrer eigenen Diagnose meinte, sie habe den Eindruck daß ich in vielen Dingen sehr ähnlich "ticke" wie sie, und mir vorschlug mich mal zu dem Thema zu informieren.

Ich hab zunächst das ganze meilenweit von mir gewiesen, ahnungslos wie ich zu der Zeit war, assoziierte ich mit ADHS klischeehaft diese "Zappelkinder die zu blöd zum Lernen sind" - das konnte doch gar nicht zu mir passen, die ein Spitzenabi gebaut hatte, spielend leicht neue Dinge lernte und eben nicht dauernd mit den Füßen wippte daß der Tisch vibrierte.

Da ich allerdings durchaus die Gemeinsamkeiten mit meiner Hinweisgeberin sah, und daraus schloß daß cih offenbar nicht alles wußte was man zu diesem Thema wissen sollte, habe ich mich durch die Links und Infos gegraben, die ich von ihr erhalten hatte.

Ich fand recht schnell heraus daß es wirklich paßte. Und daß ADHS nichts mit Blödheit zu tun hat, sondern im gegenteil durchaus auch sehr intelligente menschen AD(H)S haben können, und aus ebendiesem Grund ihr Potential nicht umsetzen können.

Beim Lesen auf dieser Internetseite http://ads-bei-erwachsenen.de/ habe ich mich dann so erschreckend wiedererkannt, daß mir klar war "Das ist der Treffer der die vielen wirren Brüche und seltsamen Verhaltensweisen in meinem Leben erklärt." Vielleicht ist diese Seite auch etwas für deinen partner als Erstinformation. Was er weiter daraus macht ist natürlich seine Entscheidung. Für mich wars der Anfangspunkt einer intensiven Beschäftigung mit dem Thema.

Auch danach habe ich noch einige Zeit gezögert bis ich tatsächlich mich daran gemacht habe ernsthaft eine fachliche Abklärung anzustreben, und bis die tatsächlich zur Diagnose ADS geführt hat, ist nochmals viel Zeit vergangen.

Aber selbst ohne "offizielles AD(H)S - Etikett" hat mir die Information über das Thema eine ganze Menge Entlastung verschafft, und auch Ansatzpunkte für kleinere Veränderungen in Verhalten und Sichtweise waren ohne offiziell bestätigte Diagnose möglich.

Zurück zu „Board für Nicht – ADSler, Interessierte, Freunde und Partner*“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 20 Gäste