Jugendlicher weigert sich zur Nachhilfe zu kommen

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MijkeWaanzin
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Jugendlicher weigert sich zur Nachhilfe zu kommen

Beitragvon MijkeWaanzin » 18. Dezember 2012 10:36

:winken: Hallo ihr Lieben!
Ich wil es kurz machen: Seit gut drei Jahren gebe ich Mathematiknachhilfe bei knapp 16-jährigen Zwillingsjungen, die beide  ADHS haben, aber keine Medikamente bekommen.

Bisher bin ich immer zu der Familie hingefahren, da aber mein Examen im Frühjahr ansteht, möchte ich mir die Fahrzeit sparen. Die Schule des einen Jungen (dem ich hauptsächlich NH gebe) liegt 5 Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt. Da macht es ja Sinn, dass er nach Schulschluss zu mir kommt, oder?

Doch das Problem ist, das er sich ganz enorm weigert, mich auch nur zu besuchen. Da ich weiß, dass es grundsätzlich ein Problem mit Besuchen bei Fremden gibt, habe ich vorgeschlagen, dass er einen Tag kurz vorbeikommt und sich die Wohnung ansieht, sich die Katzen anguckt (er liebt diese Tiere), vielleicht was trinkt, man quatscht und dass er dann den Bus nach Hause nimmt - alles ganz entspannt, ohne Druck und so lange er will.
Beimir sagt er zu allem Ja und gibt mir die Hand drauf, doch wenn der Tag dann kommt, fängt er an mit seinen Eltern zu streiten, richtig heftig wohl und das Treffen bei mir kommt nicht zustande.

Jetzt ist es aber so, dass ich definitiv ab den Weihnachtsferien nicht mehr zu der Familie fahren kann, da ich lernen muss!!

Also: was tun?

Heute Nachmittag steht das Gespräch an. Ich bin zwiegespalten: einerseits denke ich, dass er sich bloß anstellt und seinen Willen durchsetzen will, andererseits denke ich, dass er vielleicht wirklich ein enormes Problem hat, dass er Leute nicht besuchen kann. Doch er redet nicht.. er sagt weder mir noch seinen Eltern den Grund für sein Verhalten. Vielleicht ist es ja so, dass er Herzrasen und Schweißausbrüche bekommt, so wie eine Phobie oder so - das wäre alamierend.

Ich bin im Moment auf dem Standpunkt, dass ich ihm sage, dass wir während der Ferien noch Nachhilfe bei ihm machen können, aber dann nicht mehr! Die Eltern haben mir zwar angeboten mich zu fahren, aber das kommt aufs gleiche raus. Was noch bliebe ist die Nachhilfe in der Schule zu machen (wenn das überhaupt geht) oder in der Pommesbude (die er schon öfter besucht hat).

Was meint ihr dazu?
ripley
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Re: Jugendlicher weigert sich zur Nachhilfe zu kommen

Beitragvon ripley » 18. Dezember 2012 10:46

Spontane Idee: Hol ihn die ersten Male einfach von der Schule ab. DA ist er noch in einem Bereich, den er kennt und wird dann von jemandem, DEN er kennt (Dir) in den Bereich geführt, in dem er sich (noch) nicht wohlfühlt. Und ich würde das auch gar nicht groß vorher mit ihm absprechen, nur den Eltern mitteilen und sie fragen, wo Du ihn am sichersten abpassen kannst.
MijkeWaanzin
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Re: Jugendlicher weigert sich zur Nachhilfe zu kommen

Beitragvon MijkeWaanzin » 18. Dezember 2012 11:00

Danke ripley für die schnelle Antwort!

Deine und ähnliche Ideen hatten wir schon (mit wir meine ich die Mutter und mich), doch sie kennt ihren Sohn besser: der junge Mann würde weglaufen...  :smilie_wut_079:

Dann hab ich folgenden Vorschlag gemacht (und ihm leider auch mitgeteilt): ich bin heute wegen eines Studienprojektes bei den Jungs und der Vater soll mich heimfahren. Und da ist es doch äußerst praktisch, dass die Jungs mitkommen, fand ich. Wenn sch dann wieder geweigert wird, halte ich Schuhe und Jacke hin und fordere ruhig aber bestimmt: "Anziehen und mitkommen! Jetzt!" Das "Spiel" kann ich lange...
Doch doof wie ich war, hab ich dem einen das schon mitgeteilt und gestern gabs Zoff. Die Mutter rief mich an, fast wieder den Tränen nahe - da muss im Moment ganz viel im Argen sein. Der Junge meinte, dass er DEFINITIV nicht zu mir kommt, da soll lieber jemand neues für die NH gesucht werden... ganz großes Tennis! Ich könnt mich in den Hintern beißen!

Ich frag mich ja, was in dem Jungen vorgeht....
ripley
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Re: Jugendlicher weigert sich zur Nachhilfe zu kommen

Beitragvon ripley » 18. Dezember 2012 11:19

[quote="MijkeWaanzin"]Ich frag mich ja, was in dem Jungen vorgeht.... [/quote]

Wilde Vermutung: Er weiß genau, wo die Feuerwrkskörper liegen und es macht einfach ungeheuren Spaß, da ein Zündholz dranzuhalten. Ist doch klasse, wenn man die eigenen Eltern völlig an den Rand der Verzweiflung treiben kann.
(Und, nein, ich meine nicht, dass das voll bewusst abläuft. Aber es funktioniert auch halb- und unbewusst).
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Re: Jugendlicher weigert sich zur Nachhilfe zu kommen

Beitragvon Farah » 18. Dezember 2012 11:26

Möchte er nicht zu Dir kommen, oder nicht alleine zu Dir kommen? Wäre es anders, wenn sein Bruder mitkäme?

Was ist eigentlich generell seine Meinung zu euren Stunden - hilft es ihm wirklich, und merkt er das auch, oder sagt er das nur wegen seiner Eltern? Und nutzt jetzt die Verlegung des Ortes, um aus der Angelegenheit rauszukommen?

Du kannst nicht wissen, was in dem Jungen vorgeht. Auch seine Mutter kann das nur sehr eingeschränkt wissen.

[sub]Nur mal so ein Gedanke, ohne dass der hier zutreffen müsste: vielleicht ist der Junge irgendwann mal belästigt worden,und hat daher (verständlicherweise) Angst vor fremden Wohnungen. Muss nicht sein, könnte aber. Und er würde darüber ganz sicher nicht sprechen - nicht mit seiner Mutter, und schon gar nicht mit einem Fremden.[/sub]

Ich persönlich denke nicht, dass er eine Show abzieht. (Unter anderem, weil auch seine Mutter davon überzeugt ist, dass er weglaufen würde.)

Check doch lieber mal ab, ob sich nicht vielleicht in der Schule eine Möglichkeit anbietet. Und was wäre eigentlich gegen die Pommesbude einzuwenden? Oder - als allerletzte Möglichkeit - Unterricht per Skype?

Farah  :winken:
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Re: Jugendlicher weigert sich zur Nachhilfe zu kommen

Beitragvon pando » 18. Dezember 2012 11:31

Hallo MijkeWaanzin

Nun, ob ich dir wirklich etwas raten kann weis ich nicht...

Ich bin Mutter von 5 Kindern...zwei haben die Diagnose ADS bzw ADHS, eines steht zur Diagnostik an und ich selber stehe auch noch vor der Diagnostik...

Heute Morgen hätte ich "eigentlich" zum Elternfrühstück in die Schule meines 7 Jährigen gemusst, und uneigentlich ist glücklicherweise die Oma für mich eingesprungen.

Die Vorstellung mit fast ca 25 schmatzenden Kindern und deren Eltern in einem normalem, relativ kleinem Raum zu sein macht mich wahnsinnig. Mir war schlecht, ich hatte Kopfschmerzen....schon die Vorstellung schlug mir auf den Magen. Der Gedanke wie Lebensmittel angetatscht werden, das "Frühstücksbuffet" direkt vorne unter der Schultafel aufgebaut....urgh.

Klar wollte ich gerne zu meinem Sohn und mir war auch bewusst, das ich das ganze "nur" 90 Minuten ertragen musste, doch in den Griff gekriegt habe ich mich dennoch nicht.

Etwas wollen und etwas zu können sind eben zwei Paar Schuhe.

In meinem Fall Heute Morgen, war die Oma eine Alternative, die meinen Lütten sogar besonders gefreut hat.

Welche Alternativen gäbe es bei der Nachhilfe?

Bei anderen Fächern wie Mathe, wäre ein Chat über einen Messenger ja möglich gewesen.
Würde die Nachhilfe bei dir zu Hause noch effektiv sein oder wäre der Junge so sehr mit seinem, ich nenn es Mal inneren Kampf, beschäftigt, das er inhaltlich gar nichts mehr aufnimmt.

Frag den Jungen doch direkt.

Wenn er die Wahl zwischen einem anderen Ort der ihm vertraut ist (ganz klar das zu Hause ausschließen) und deiner Wohnung hat, wird er sich schon entscheiden.

Ich würd ihm vorher noch erklären, das eine neue Nachhilfe auch bedeutet, das er jemand neues kennen lernen muss und diese neue Person dann auch in seinen "Wohlfühlbereich" lassen muss.

Mit knapp 16 wird er schon merken, was ihm besser tut und was nicht.

LG Pando
:biene: 3
MijkeWaanzin
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Re: Jugendlicher weigert sich zur Nachhilfe zu kommen

Beitragvon MijkeWaanzin » 18. Dezember 2012 11:50

Oh fein, so viele Anregungen!

Ich denke, dass i.M. auch die Hormone eine Rolle spielen und der Junge in die Pubertät kommt - also hat ers noch schwerer, als seine Altersgenossen ohne ADHS. Die testen ja auch Grenzen aus...

ach und er nimmt seine Mineralien nicht mehr, die wohl dafür gesorgt haben, dass er sich zumindest besser konzentrieren kann (Eindruck der Mutter).

Was ich aber sagen kann, dass die Nachhilfe auf alle Fälle was bringt: vor drei Jahren stand er 5, mittlerweile schreibt er 2en und seine math. Fähigkeiten und Fertigkeiten haben sich stark verbessert! Außerdem steht für ihn die ZAP im nächsten Jahr an, vor der er schon Anfang letzten Schuljahres regelrecht Panik bekam. Da isses doch gut, dass er NH hat, die was bringt (zumindest schriftlich).

Zu seinem Bruder hat er ein sehr schlechtes Verhältnis - von daher brächte das nichts.
Ich hab auch angeboten, dass er mit Mama und Papa, nur mit Mama oder nur mit Papa oder mit seinen Kollegen kommt...
dass ich ihm entgegenkomme, ihn abhole, an der Bushaltestelle auf ihn warte.... usw.
Es kam ein nein...
Und dabei ging es nur um einen kurzen Besuch, ohne Jacke ausziehen - nur mal gucken!

Ob er mal belästigt worden ist? Keine Ahnung! Das wäre schlimm!

Soweit ich weiß, gehen die Jungs auch nicht shoppen oder in den supermarkt etc. und momentan verpasst er auch den Schulbus....
- im krassen Gegensatz dazu stehen die Praktika (ein schulisches und ein freiwilliges), zu denen er hingefahren ist...

Ich finde das alles unglaublich kompliziert!
Dabei isses mir gleich, ob wir die NH hier machen, in der Schule oder in der Pömse. Nur um eine Gelegenheit in der Schule kann ich mich nicht kümmern.

EDIT:
@ Pando
Wenn ICH ihn frage, dann bekomm ich ein "weiß nicht". Das ist auch so, wenn es um die inhaltlichen Dinge der NH geht. Er sagt mir nicht, was er will.
Und ihm ist es lieber, sich an jemand neues zu gewöhnen, solange diese Person zu ihm kommt... das hat er seinen Eltern gestern im Streit an den Kopf geworfen.
Zuletzt geändert von MijkeWaanzin am 18. Dezember 2012 11:55, insgesamt 1-mal geändert.

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