hohe Impulivität

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m+m
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hohe Impulivität

Beitragvon m+m » 18. Oktober 2012 14:53

Hallo miteinander,
ich bin mit meinem Latein am Ende und frage darum hier um Rat.

Zur Situation: Ich lebe in einem 3 Generationen Haushalt, der zwar recht stressig ist aber auch einiges für sich hat. Schwiegermutter, Ehemann und Sohn haben ADHS. Dabei gilt: Ehemann und Sohn sind diagnostiziert, Schwiegermutter weigert sich, zeigt aber die typischen Symptome. Mein Problem ist nicht die Schwiegermutter, das Verhältnis ist gut und wenn es mir zu viel wird, gehe ich halt.

Schwierigkeitem habe ich mit meiner eigenen Familie. Mein Ehepartner kann sehr liebenswert und charmant sein, hat für wirklich alle Probleme eine Lösung und arbeitet bis zum Umfallen. Was will ich also mehr. Schwierig wird es immer dann, wenn irgendetwas nicht läuft, wie es laufen soll. Dann schießt er emotional meilenweit über das Ziel hinaus. Was jede Situation so schwierig macht ist die Tatsache, dass er in der Sache sicherlich recht hat. Bloß dieser Unmut, diese Schimpferei gehen völlig über das sinnvolle Maß hinaus. Ich leide extrem darunter, was sicherlich auch in unserer Geschichte begründet ist.

Das Thema ADHS haben wir, denke ich, klassisch angegangen. Unser Sohn ist, dann der sehr fitten Kinderärztin, aufgefallen, untersucht und schließlich diagnostiziert worden. Daraufhin habe ich mich mit dem Thema ADHS befasst. Zunächst habe ich mich nur um unseren Sohn gekümmert. Weil ich MPH unbedingt umgehen wollte, haben wir in den ersten Grundschuljahren therapeutisch gearbeitet. Die Verhaltenstherapie (Einzel- und Gruppentherapie) waren hierbei absolute Schwerpunkte. Außerdem habe ich viele Sportelemente in den Alltag unseres Sohnes eingebaut. Klettern, war dabei die erfolgreichste Variante. Da unser Sohn gleichzeitig über einen leicht überdurchschnittlichen IQ verfügt, muss er bis zum heutigen Tag (7. Klasse Gymnasium) nichts weiter tun als Hausaufgaben erledigen und Vokabeln lernen. Das machte ihn unter dem Stichwort "Streber" zu einem Außenseiter. Vor drei Jahren war das Thema MPH nicht mehr zu umgehen. Unser Sohn war verzweifelt und in der Grundschule aufgrund seiner Impulsivität längst zum Sündenbock für alles geworden. Im Nachhinein befürchte ich, zu lange gewartet zu haben, denn die medikamentöse Therapie brachte den Durchbruch. Unser Kind war plötzlich glücklich, wie schon lange nicht mehr. Parallel las ich viel über ADHS. Je mehr ich las, desto mehr gingen mir die Augen über. Ich erkannte bald, dass mein Ehepartner auch ADHS haben könnte. Unsere Eheprobleme waren sicherlich auch typisch. Hie4rbei habe ich
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Angie
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Re: hohe Impulivität

Beitragvon Angie » 18. Oktober 2012 15:03

Das ADHS wahrscheinlich vererbt wird, wird häufig angesprochen.
Wenn du meinst, dein Mann könnte ADHS haben, was denkst du, wie er darauf reagiert, wenn du ihn darauf ansprichst?

Meiner reagierte in etwa so:
Und wenn ich ADHS habe, ist mir doch egal, ich bin wie ich bin, ja meinst ich lasse mich jetzt therapieren oder Medikamente nehmen? Das brauche ich nicht, ich bin auch so in meinen Leben zurecht gekommen!

Falls er mit dieser Aussage kommt, musste Dich damit abfinden, dass er meint, er kommt im Leben zurecht.
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Re: hohe Impulivität

Beitragvon m+m » 18. Oktober 2012 15:13

Hier fehlt ja die Hälfte!
Also noch einmal:
Mein Partner hat sich inzwischen untersuchen lassen und ist diagnostiziert. Er nimmt seit einem Jahr MPH und wir hatten endlich ein Familienleben, mit dem ich klar kam. Seit einem halben Jahr macht er VT und für mich wurde endlich alles gut. Endlich konnte er sämtliche Alltagsentgleisungen wie umgefallene Gläser, heruntergefallene Dinge, veränderte Tagesabläufe etc. etwas lockerer sehen und mich sogar entlasten, indem er diese mit Humor nahm. Das half mir unendlich und ich konnte sogar über seinen anderen Tic, diesen von der Mutter eingeimpften absoluten Sauberkeitswahn, ertragen. Alles, wirklich alles, das außerhalb unserer Wohnung ist, gilt als unsauber und muss gereinigt/abgeputzt werden. Ich glaube, die Therapeutin weiß hiervon herzlich wenig. Das geht vom täglichen Lebensmitteleinkauf über verliehene Sachen bis zu den von etwaigen Gästen benutzten Sitzgelegenheiten. Das löse ich oft hinter dem Rücken meines Ehepartners und wir haben so etwas wir eine stille Übereinkunft: Er fragt nicht und ich sags nicht. Jetzt war es aber durch den Urlaub des verschreibenden Arztes so, dass mein Ehepartner ohne MPH mit uns in den Urlaub gefahren ist. Nun kamen wir im Urlaub, infolge der entspannten Situation damit klar. Jetzt aber, zuhause, will er das MPH überhaupt nicht mehr nehmen. Das kann ich verstehen. Aber ich habe richtige Angst vor dem Alltag. Schon jetzt merke ich, wie er in kleinen Situationen wider hochkocht. Mich befällt Panik, wenn ich daran denke, was mich erwartet, wenn nächste Woche die Schule wieder losgeht und ich auch wieder arbeiten gehe. Das alles habe ich ihm gesagt und er meint nur, wenn ich ihm die Situationen seiner Emotionalität aufzeige, schafft er das schon. Leider komme ich an die Therapeutin nicht heran und jetzt weiß ich nicht mehr weiter.
Zuletzt geändert von m+m am 18. Oktober 2012 15:24, insgesamt 1-mal geändert.
Falschparker
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Re: hohe Impulivität

Beitragvon Falschparker » 18. Oktober 2012 15:47

[quote="m+m"]
Jetzt aber, zuhause, will er das MPH überhaupt nicht mehr nehmen. Das kann ich verstehen.[/quote]

Warum will er es nicht mehr nehmen und warum kannst du das verstehen?

[quote="m+m"]
Schon jetzt merke ich, wie er in kleinen Situationen wider hochkocht. Mich befällt Panik, wenn ich daran denke, was mich erwartet, wenn nächste Woche die Schule wieder losgeht und ich auch wieder arbeiten gehe. Das alles habe ich ihm gesagt und er meint nur, wenn ich ihm die Situationen seiner Emotionalität aufzeige, schafft er das schon.[/quote]

Du fürchtest, dass er sich überschätzt und vermutlich zu Recht. Ein Jahr MPH ist wirklich nicht viel.

Ich erkenne mich in deinem Mann wieder, ich bin auch impulsiv und habe mich mit meiner Frau viel gestritten bevor ich MPH nahm.

Allerdings käme ich nicht im Traum darauf, es abzusetzen, auch nicht jetzt nach immerhin 8 1/2 Jahren, weil ich täglich sehe wie gut es mir und insbesondere meiner Ehe tut.

Fehlt deinem Mann noch die Selbstwahrnehmung, wie er dich damit entlastet hat? Ich neigte früher auch dazu, meinen Anteil zu bagatellisieren, jedenfalls bevor ich MPH nahm. Ich wäre gar nicht auf den Gedanken gekommen, ich hätte ein Problem mit Impulsivität.  :upsi:

Viele Grüße
Falschparker
<><
m+m
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Re: hohe Impulivität

Beitragvon m+m » 18. Oktober 2012 16:15

hallo Falschparker,

[quote=&quot;Falschparker&quot;]
Warum will er es nicht mehr nehmen und warum kannst du das verstehen?[/quote]

Ich denke, dass er sich Sorgen um seine Nieren macht. Das kann ich auch gut verstehen. Ich denke täglich daran, wenn ich unseren Sohn anschaue und frage mich oft, was da später auf ihn zukommt.

[quote=&quot;Falschparker&quot;]
Fehlt deinem Mann noch die Selbstwahrnehmung, wie er dich damit entlastet hat?[/quote]

Ja, ich denke, die fehlende Selbstwahrnehmung spielt da eine große Rolle. Darüber hinaus hat er sich selbst niemals intensiv mit ADHS beschäftigt. Ich kann ihn dazu auch nicht bewegen. Daher vermute ich, dass er weder die Bedeutung von ADHS wirklich durchschaut hat, noch diese Diagnose für sich als dauerhaftes Element akzeptiert hat. Für ihn ist das, glaube ich, eher so etwas wie ein Schnupfen, der vorübergeht.
Falschparker
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Re: hohe Impulivität

Beitragvon Falschparker » 18. Oktober 2012 17:30

Verstehe ich immer noch nicht. Haben dein Sohn und dein Mann Probleme mit ihren Nieren? Und wovor hast du Angst was später auf deinen Sohn zukommen kann?

MPH ist ja Gott sei Dank ein Medikament, was man auch ohne Probleme jahrzehntelang nehmen kann. Einschränkungen gibt es soweit ich weiß bei Menschen mit Herzproblemen, weil MPH den Blutdruck und/oder Puls steigern kann. Aber  ich denke auch es kann Bluthochdruck vorbeugen, wenn man (durch MPH) nicht so unter Stress steht.

Allein wenn ich daran denke, um wieviel wahrscheinlicher Unfälle bei unbehandeltem ADHS sind, bin ich absolut überzeugt dass MPH auch bei langfristiger Einnahme viel gesünder für Betroffene ist als darauf zu verzichten.

[quote=&quot;m+m&quot;]
Ja, ich denke, die fehlende Selbstwahrnehmung spielt da eine große Rolle. Darüber hinaus hat er sich selbst niemals intensiv mit ADHS beschäftigt. Ich kann ihn dazu auch nicht bewegen.[/quote]

Das ist aber absolut erforderlich dass er sich damit beschäftigt, und zwar allein wegen seinem Sohn. Wie soll er ihn sonst verstehen können? Das kann man nicht an den anderen Elternteil oder professionelle Therapeuten delegieren, er ist der Vater.

Ich meine, die ADHS-Diagnose ist ja erstmal befreiend, weil man eine Erklärung bekommt für Vieles was bisher im Leben schief gelaufen ist. Da müsste einem schon aufgehen dass das kein Schnupfen ist der vorbei geht. Immerhin macht er Verhaltenstherapie und kann Alltagsentgleisungen lockerer sehen wie du sagst.

[quote=&quot;m+m&quot;]
as alles habe ich ihm gesagt und er meint nur, wenn ich ihm die Situationen seiner Emotionalität aufzeige, schafft er das schon. Leider komme ich an die Therapeutin nicht heran und jetzt weiß ich nicht mehr weiter.[/quote]

Die Therapeutin ist nicht wichtig, er ist mit dir verheiratet. Und wenn du unter der Situation leidest darf er das nicht ignorieren. Das heißt die Entscheidung ob er weiter Medis nimmt oder nicht solltet ihr zusammen treffen, er ist nicht allein auf der Welt.

Es macht die Situation allerdings nicht einfacher, so lange ihr beide diffuse Ängste in Bezug auf MPH habt. Natürlich hat MPH wie jedes Medikament mögliche (!) Nebenwirkungen, wie Magen-Darm-Probleme, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit oder auch was Manche beklagen mangelnde Kreativität. Aber das Schöne ist, die merkt man immer gleich. Nebenwirkungen die schleichend und als Langzeiteffekt auftreten wurden in vielen Jahrzehnten nicht beobachtet, sie sind eine Erfindung der Anti-Ritalin-Propaganda von Scientology u. a.

Das kannst du übrigens an vielen Stellen nachlesen, das schreibe nicht nur ich.

Viele Grüße und alles Gute  :winken:
Falschparker

Lass doch deinen Mann hier mitlesen. Oder vielleicht möchte er ein Elterntraining machen oder ein Buch wie dieses
http://www.amazon.de/Neuropsychotherapi ... 3170203452
lesen? Du kannst es ja "tarnen" indem du sagst es gehe um seinen Sohn (was ja auch wichtig ist).  :811:
<><
m+m
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Re: hohe Impulivität

Beitragvon m+m » 18. Oktober 2012 17:54

[quote=&quot;Falschparker&quot;]
Das ist aber absolut erforderlich dass er sich damit beschäftigt, und zwar allein wegen seinem Sohn. Wie soll er ihn sonst verstehen können? Das kann man nicht an den anderen Elternteil oder professionelle Therapeuten delegieren, er ist der Vater. [/quote]

. . . und wie um Himmels willen kriege ich ihn dazu, wenn er nicht will!  :Möhrchen: Das versuche ich schon seit Jahren! Da hilft kein Druck, da hilft kein Bitten, da hilft kein "Zeit lassen". Er kümmert sich einfach nicht drum!

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