Ständiges Kippeln: Hat mein jugendlicher Nachbar ADHS? Wie damit umgehen?

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chrisi_1
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Ständiges Kippeln: Hat mein jugendlicher Nachbar ADHS? Wie damit umgehen?

Beitragvon chrisi_1 » 1. März 2012 23:04

Hallo liebe Forenteilnehmer,

ich wende mich jetzt an euch weil ich nicht mehr weiter weiß.Die Vorgeschichte mag nicht zum Thema passend erscheinend, ist aber für meine Fragen wichtig.

Es geht um meine Nachbarn, zwei Jungs im Alter von ca 20, die über mir wohnen. Seit ich vor einem Jahr in die Wohnung einzog gab es nur Probleme, und zwar wegen Ruhestörung. Meine Nachbarn haben durchgehend alle zwei Tage laut gefeiert, und zwar die komplette Nacht durch von 22.00 bis 7.00Uhr, hatten immer lauten Besuch von Freunden, es klirrten Flaschen und wurde ständig Alkohol getrunken, gekifft, die Musik hämmerte durch die Decke und wenn sie mal nicht gerade tagsüber schliefen (sie scheinen beide nicht wirklich einem Job nachzugehen) verhielten sie sich auch im Alltag unfassbar laut. Ich konnte kaum mehr eine Nacht ruhig schlafen oder einen Abend verbringen ohne gestört zu werden.

Ich habe mich mehrmals bei ihnen beschwert, aber statt Verständnis und Rücksicht bekam ich immer nur pubertäres Unverständnis und Häme zurück. Schließlich ging ich zum Vermieter. Danach wurde es erst mal besser. Aber mittlerweile hat sich der "Party-Lärm" zum "Alltags-Lärm" verlagert.

Irgendwann fiel mir auf, dass einer der beiden, nämlich der, der sich extrem pubertär verhält, abends stundenlang mit dem Stuhl kippelt. Wir wohnen in einem Altbau, das heißt ich höre das sehr deutlich. Das interessante ist aber, dass er in einem bestimmten Rhythmus kippelt. Er kippelt 4 bis 5 Mal mit dem Stuhl, dann springt er nervös und lärmend auf, läuft ein paar Schritte und setzt sich dann wieder hin, und das Spiel beginnt von vorne. Das geht manchmal zehn, zwanzig Mal an einem Abend, mit Unterbrechungen dazwischen.

Ich habe mich vor einigen Jahren aus persönlichem Interesse mal viel mit Hochbegabung, ADS und ähnlichen Dingen beschäftigt. Daher wusste ich, dass dieses nervöse Kippeln ein Tick sein kann. Dazu kommen die anderen Hinweise: das permanente Feiern und Pöbeln in der Gruppe zum Abreagieren, das Kiffen und Trinken, das Nichtwahrnehmen des eigenen lauten oder störenden Verhaltens (Umfallen von Flaschen, nicht leise eine Handlung durchführen können) und vor allem der nicht eintretende Lerneffekt. Jemand der sich nicht mit Psychologie auskennt würde das Verhalten als pubertär, aggressiv und rücksichtslos einordnen. Neulich stand er mal vor meiner Türe (wenn er was möchte ist er ausgesprochen höflich, fast schon schüchtern) und fragte nach einem Kartenspiel. Ich hatte leider keines da. Fand ich schon seltsam.

Nun meine Frage an euch: könnte man an diesem Verhalten auf ADHS schließen?

Wenn ja, wie verhält man sich so einem Menschen gegenüber? Ich bin niemand der auf Teufel komm raus die Polizei ruft oder jemanden anschwärzt, sondern würde das gerne *versuchen* im Dialog zu lösen, vor allem weil ich glaube, dass mein schon sehr alter Vermieter (ca 70) da nichts bewirken wird. Würdet ihr es befürworten, wenn ich den Kippler in einer ruhigen Minute mal anspreche und ihn vorsichtig frage, ob er weiß warum er kippelt oder ob er ADHS hat, oder erachtet ihr das (sofern ihr das Kippeln kennt) als Angriff auf eure Privatsphäre? Oder würdet ihr es gut finden, wenn eine Nachbarin, die sich *immer nur beschwert* merkt dass man ein Problem hat?

Sofern er tatsächlich ein Problem hat, was es auch sein mag, bringt es ja nichts, ihn mit Konsequenzen unter Druck zu setzen. Stattdessen würde ich ihm (sofern er noch nichts von ADHS weiß) einfach ein paar Tipps geben (z.B. fragen ob er nicht Interesse an Sport oder Klettern zum Abreagieren hat), oder mit ihm besprechen ob er unter Tische und Stühle mal Filzgleiter kleben könnte...

Oder findet ihr, dass das alles eine ganz blöde Idee ist?

Das Gespräch würde ich zur Not auch mit meinem Vermieter zusammen organisieren, weil mich langsam wirklich der Verdacht beschleicht, dass der Nachbar gar nichts für sein Verhalten kann. Natürlich kann ich mich auch total irren und die Jungs sind einfach schlecht erzogen, haben familiäre Probleme, keinen Abschluss und hängen deshalb nur rum. Aber das Risiko gehe ich ein.

Über eure Meinungen und Tipps würde ich mich freuen!

Gruß, Christiane

ps: ich habe übrigens noch nie einen Erwachsenen bei Ihnen gesehen, also Eltern oder so, selbst während der Feiertage waren sie konsequent zu Hause und haben gefeiert oder geschlafen...
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Re: Ständiges Kippeln: Hat mein jugendlicher Nachbar ADHS? Wie damit umgehen?

Beitragvon BlackLady » 2. März 2012 12:10

Hmmm,
ob ich gleich mit ADHS kommen würde weiß ich nicht........eher nicht.

Aber ich würde die beiden mal zu mir einladen.
Ein freundschlaftliches Gespräch in einer entspannten Situation.......möglichs ohne das vorher eine Auseinandersetzung war.

Beobachte mal, ob der eine vllt auch im Gespräch mit dir, dieses Kippeln macht.
Das wäre eine gute Gelegenheit ihn darauf anzusprechen, ob er das bewußt macht.
Oftmals fällt den Betroffenen selbst garnicht auf, das sie das ständig machen.

Sag wie sehr dich das stört.........vllt kannst du den Kippler ja auch bitten mal nach oben zu gehen und zu kippeln, und der andere bleibt bei dir und hört sich das an.

Eine einfache und Preiswerte Möglichkeit wären die von dir erwähnten Filzgleiter.......jedoch wenn die Wohnung wirklich so hellhörig ist, dann hörst du trotzdem noch, wenn er aufspringt und rumläuft.

Vllt wäre ein Teppich eine Alternative.


Junge Erwachsene können in dem Alter schwierig sein.
Vllt kannst du sie ja mal näher Kennenlernen, vllt mal mit ihnen was trinken, so dass sie durchaus sehen, das auch du mit ihnen zusammen mal deinen Spaß hast.
Aber bestehe ruhig weiterhin auf deiner Nachtruhe........immerhin gibts auch Leute die arbeiten müssen.

Und etwas Rücksicht und Respekt darf man auch von jungen Erwachsenen erwarten.

Sag ihnen klar und deutlich, das ab 22 Uhr Nachtruhe herrscht, und das du 1 mal verwarnst, und dann die Polizei holst.....auch wenn du das eigentlich nicht willst...........aber glaub mir. Wenn die wirklich Kiffen, ist das Androhen mit Polizei seeeehr wirkungsvoll.


Fühlen sich eigentlich auch andere Mieter gestört von den beiden?

Und vllt wäre auch zu klären, ob die beiden sich wirklich "unfassbar" laut verhalten, oder ob die Wohnungen so unfassbar schlecht gedämmt sind, das man wirklich alles fast hautnah mitbekommt.......dann würde ich mich zusätzlich an den Vermieter wenden, das der dagegen was unternimmt.



Achja.......noch zu deiner Aussage, das der Nachbar vllt garnichts für sein Verhalten kann.

Falls er ADHS oder eine Tickstörung oder sonstiges hat, kann man natürlich argumentieren, das derjenige nichts dafür kann.......aber die Konsequenzen muß trotzdem jeder dafür ausbaden.

Wenn mein Kind aufgrund seiner "Schusseligkeit" ein Glas Saft umschmeißt, dann kann er zwar oft nichts dafür, aber aufwischen muß er trotzdem selbst
Wenn Kind die Hausaufgaben vergisst, dann muß es trotzdem die Konsequenzen dafür tragen.(mal als kleine Beispiele)

ADHS kann eine Erklärung sein.........aber eben keine Entschuldigung.
Behalte das bitte im Hinterkopf.
Auch ADHSler können (und müssen in meinen Augen) lernen, sich angemessen zu verhalten.

Allerdings könntest du ihn fragen, ob er in einem gewissen Punkt unterstützung braucht.
Vllt kannst du ihm Zeiten nennen, wo es dich nicht, oder weniger stört, wenn es laut zugeht, so dass er nicht ständig auf sich achten muß......aber auch Zeiten, wo dir Ruhe wichtig ist.
Ich habe ein Motivationsproblem - solange bis ich ein Zeitproblem hab....


Wer mich für KOMPLIZIERT hält,
hat nur keine Lust
sich mit meiner EINZIGARTIGKEIT
auseinander zu setzen
chrisi_1
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Re: Ständiges Kippeln: Hat mein jugendlicher Nachbar ADHS? Wie damit umgehen?

Beitragvon chrisi_1 » 4. März 2012 22:53

Hallo BlackLady,

vielen Dank für die Antwort! Ich bin halt auch kein Psychologe, aber ich fand das ganze Verhalten immer sehr seltsam. Vor allem, dass es sich selbst dann nicht ändert, wenn man mit der Polizei droht.Jeder Jugendliche sollte sich doch dann eigentlich verunsichert fühlen...

>>Fühlen sich eigentlich auch andere Mieter gestört von den beiden?<<

Das rauszufinden wäre mein nächster Schritt gewesen. Es ist so dass das Haus aus einer Altbau- und einer modernen (80er Jahre?)-Hälfte besteht, ich wohne in der Altbauhälfte zur Straße hin. Die lauten Nachbarn wohnen über mir unterm Dach. Unter mir wohnt ein Student, der ebenfalls Schwierigkeiten mit angemessener Lautstärke hat, doch der ist vielleicht einmal in drei Wochen da, daher ist das unwichtig. In der untersten Etage des Altbaus befindet sich ein Geschäft, das der Familie des Vermieters gehört. Das bedeutet, dass alle übrigen Mieter ihre Schlafzimmer im moderneren, innen liegenden Teil des Hauses haben.

>>Und vllt wäre auch zu klären, ob die beiden sich wirklich "unfassbar" laut verhalten, oder ob die Wohnungen so unfassbar schlecht gedämmt sind, das man wirklich alles fast hautnah mitbekommt.......dann würde ich mich zusätzlich an den Vermieter wenden, das der dagegen was unternimmt.<<

Der alte Vermieter hat selbst zugegeben dass die Wohnung schlecht gedämmt sind. Es wurde wohl mal nachgedämmt, weil der Vermieter selbst dort wohnte und Probleme mit lauten Geräuschen hatte. Es ist offensichtlich dass die Dämmung ein Teil des Problems ist. Aber hier ist leider auch der Knackpunkt, da kann ich nichts erreichen. Der Vermieter ist alt, sehr nett, und verständnisvoll, aber nicht durchsetzungsfähig. Er würde nie auf die Idee kommen die Jungs rauszuwerfen oder etwas an der Dämmung zu machen. Dass die beiden sich zu laut verhalten haben mir aber schon mehrere Freunde bestätigt, die zu Besuch waren.

Ich werde das mit dem Gespräch bei der nächsten Gelegenheit mal anleiern. Was die Konsequenzen angeht hast du natürlich recht. Es ist einfach so dass meine Geduld langsam am Ende ist und ich jede Möglichkeit nutzen möchte die Sache friedlich zu klären. Ich werde mal auf den einen Nachbarn achten und ihn ggf. darauf ansprechen.

Danke für deine Tipps :)

LG Christiane

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