Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

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Pokerface
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Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Pokerface » 24. Februar 2011 23:19

Mein Mann (40) war wegen diverser Probleme (für sich in erster Linie innere Unruhe, für unsere Beziehung in erster Linie seine Wutausbrüche, heftige Stimmungsschwankungen) beim Neurologen/Psychiater. Dieser hat beim ersten Gespräch den Verdacht geäußert, mein Mann könnte ADHS haben. Er hat ihm eine Infobroschüre und einen Fragebogen für sich (ein paar Seiten) und einen Fragebogen für seine Mutter (1 Seite, ca. 7 Fragen) mitgegeben und ihn gebeten, ihm die Fragebögen und Kopien seiner Schulzeugnisse zukommen zu lassen.

Das hat mein Mann auch gemacht und ich habe einen langen Brief an den Arzt geschickt, der die Probleme aus meiner Sicht schilderte. Zum nächsten Termin bin ich mitgegangen.

Der Arzt war beim Termin relativ unvorbereitet. Während des Gesprächs ist ihm dann erst wieder eingefallen, worum es bei meinem Mann genau ging, meinen Brief hatte er nicht gesehen (obwohl er schon drei Wochen bei ihm lag) und auch während des Termins nicht gelesen und er fragte meinen Mann, ob er ihm seine Zeugnisse hat zukommen lassen (dann ist ihm schon wieder eingefallen, dass er diese auch gelesen hat, aber erst wusste er gar nicht mehr, dass er sie hat).

Der Arzt erwähnte ADHS und Anzeichen einer schweren Depression, wobei dies lediglich eine "Arbeitshypothese" darstellt. Die Zeugnisse und der von der Mutter meines Mannes ausgefüllte Fragebogen würden zwar nicht darauf hindeuten, dass ADHS im Kindheitsalter vorlag, aber dann "ist es eben später gekommen".

Beim ersten Termin hatte der Arzt meinem Mann empfohlen, das Buch "Zwanghaft zerstreut" zu lesen. Ich habe es gelesen, denn mein Mann liest ja keine Bücher.
Beim Lesen in diesem Forum bin ich dann auf Borderline gestoßen und hab auch das Buch "Zerrissen zwischen Extremen" gelesen und konnte meinen Mann da irgendwie eher wiederfinden.
Das habe ich dem Arzt auch gesagt und ihn gefragt, ob er denkt, dass es evtl. auch Borderline sein könnte und er meinte eigentlich nur, dass er eher die "ADHS-Symptome sieht, wobei die ja bei Borderline größtenteils auch zutreffen". Dann war das Thema eigentlich abgehakt.

Mein Mann bekommt jetzt aufgrund der "Arbeitshypothese" vorerst nur ein Medikament für ADHS, beim nächsten Termin soll eines gegen die Depression dazukommen.

1. Was sagt Ihr dazu, also zur Art der "Untersuchung" und Diagnosestellung?
2. Müssen die ADHS-Symptome nicht schon im Kindesalter aufgetreten sein?
3. Kann man keinen Test machen, um andere Krankheiten, z. B. Borderline, auszuschließen?
4. Fällt Euch sonst irgendwas Nettes oder Nützliches ein?

Eigentlich möchte ich noch soviel erläutern, aber ich denke es ist schon genug zu lesen. Ich hoffe, dass ich einigermaßen verständlich formuliert habe.
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Donovan
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Donovan » 25. Februar 2011 01:00

Zuerst ein Kompliment für Dich, dass Du Dich so um Deinen Mann sorgst! Da wird's mir ganz warm.

Hmmmm. So wie Du das schilderst, ist Dein Mann so irgendwie in die Diagnose reingeschlittert. Dass der Arzt schlecht vorbereitet war ist nicht iO finde ich.

Da wäre ich auch nicht beruhigt. Es ist grundsätzlich so, dass ADHS bei Erwachsenen ziemlich schwierig festzustellen ist, weil sich oft schon Komorbide Störungen gebildet haben, die das Ganze verschleiern. Leider können viele von diesen Störungen nämlich auch ohne ADHS auftreten und rufen zum Teil tatsächlich ähnliche Symptome auf wie ADHS.

Deshalb ist eben die Kindheit so wichtig. Weil ADHS bekommt man nicht, ADHS hat man von der Geburt an.

Aber. Es gibt sicher auch Fälle, wo die Kindheit relativ ohne Probleme über die Bühne geht. Die Probleme treten dann erst später auf. Dies ist meistens der Fall, wenn es kompensierende Umstände gab, die die Symptome von ADHS keine Gelegenheit gaben. Zum Beispiel bei einem hohen IQ. Oder wenn das Elternhaus klare Strukturen und Regeln hatte.

Deshalb ist es wirklich wichtig, all diese Faktoren zu betrachten.

Bei der Diagnose ADHS, sollte der Arzt alle andere Möglichkeiten wie Borderline ausschliessen. Wenn nicht, könnte eine Fehldiagnose die Folge sein. Aber wenn das Borderlineverhalten nicht deutlich sichtbar ist, wird für die Diagnose oft nur ein Gespräch geführt, zum verifizieren, ob das wirklich der Fall ist. Wenn Borderline Symptome vorhanden sind, werden dafür auch wieder Fragebögen verteilt und in freien Gesprächen darauf eingegangen.

Zusätzlich habe ich öfters von Psychiatern gehört, dass sie meinen, ADHS + Depression führt mehr oder weniger automatisch zu Borderline-Symptomatik. Das Du Deinen Mann dort wiedererkennst, schliesst ADHS also nicht aus.

Ist der Arzt spezialisiert auf ADHS? Wenn nicht, würde ich die Unterlagen zurückfordern und einen zweiten Spezialisten besuchen, der sich auf ADHS spezialisiert hat. Wenn möglich auf ADHS bei Erwachsenen. Ich würde auch eher tendieren einen Psychologen dafür zu benutzen. Keinen Neurologen/Psychiater/Allgemeinarzt. Hier im Forum gibt es ein Unterforum, wo man Adressen fragen kann.

"Anzeigen einer schweren Depression" finde ich persönlich undeutlich. "Anzeigen einer Depression" hätte ich verstanden. Eine schwere Depression ist meistens nicht schwierig zu erkennen. Dafür gibt es auch Fragebögen.

Ich bin kein Arzt, aber was ich meistens lese, ist dass empfohlen wird Komorbide Störungen zuerst zu behandeln. In diesem Fall die Depression. Gerade weil Depressionen an sich ADHS-ähnliche Symptome aufrufen können (Verlust des Selbstbildes, Unkonzentriertheit, Vergesslichkeit, Wutausbrüche, Impulsivität, usw.). Gerade wenn die ADHS-Diagnose undeutlich wird, weil die Kindheit nichts auffälliges zeigt, würde das eher Sinn machen. Aber eben, ich bin keinen Arzt. Frage ihn eventuell danach, warum er das nicht macht. Vielleicht gibt es gute Gründe.

Eben bin kein Arzt, aber mir kommen spontan diese Fragen auf. Wenn Du nicht antworten willst, verstehe ich das. Aber vielleicht liefern die etwas, was hier im Forum erkannt wird.

Haben die Probleme bei Deinem Mann irgendwann angefangen?
War ein bestimmtes Ereignis der Auslöser?
Gab es vielleicht ein deutliches Trauma, wie der Verlust von jemandem oder ein ausgeprägtes Gefühl nicht liebgehabt zu werden?
Wird Deinen Mann von grossen Ängsten/Phobien geplagt? Wie lange schon?
Wenn er sich frei mit etwas beschäftigen kann, verfliegen die depressiven Symptome dann oft für kurze Dauer - ja kann er dann sogar richtig fröhlich wirken?
Hat er einen überdurchschnittlichen IQ?
Wie würde Dein Mann sein größtes Problem umschreiben?
Wie würdest Du sein größtes Problem umschreiben?
Wenn Dein Mann eine Elfe begegnen würde und er könnte sich etwas wünschen, egal was, wie teuer oder wie aufwändig, was würde er sich wünschen?
Gibt es Tätigkeiten, wobei die Symptome deutlich weniger sind?
Habt Ihr Familienmitglieder mit ADHS Symptomen?
War da auf den Zeugnissen von Früher nicht etwas, dass auf Unruhe oder Träumerei hindeuteten? Oder gab es extrem wechselnde Ergebnisse?
Ist der eher Perfektionist oder eher Chaot oder dazwischen?
Was hat er selber schon probiert, um seine Probleme zu lösen und warum meint er, dass das nicht klappt?
Was hast Du schon probiert, um seine Probleme zu lösen und warum meinst Du, dass das nicht klappt?
Gruss, Donovan.

Ironie & rhetorische Fragen verstehe ich oft buchstäblich. Bitte um Verständnis, Verzeihung und falls möglich Vermeidung.

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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von huschwusch » 25. Februar 2011 09:54

Hallo,

es ist tatsächlich so, dass ADSler ohne auffällig zu werden durch die Kindheit laufen können. Und als Erwachsenen, irgendwo ab Mite der Dreißiger, wenn die Vitalität nachlässt und man nicht mehr so gut seine Schwächen kompensieren kann, mehr oder weniger schnell in sich zusammensacken.

Gründe, warum man als Kind nicht auffällig wurde, hat Donovan beschrieben. Es fehlt m.E. noch der Grund, dass man in einer, was ADS-Verhaltensweisen angeht, sehr toleranten Umgebung gelebt hat. Als Lehrer hätte ich z.B. die berühmten Zappelphilipp-Symptome einfach als lästige Unart weggesteckt. Oder ein Kind ist vojn der besonders charmanten Sorte, so dass seine Umgebung ihm jeden Mist verzeiht. So kann es sein, dass ein vorhandenes ADS überhaupt nicht wahrgenommen wird.

Ich würde übrigens, wenn tatsächlich zwei Medikamentze eingesetzt werden, zuerst versuchen, ob das ADHS-Medikament etwas bringt. Methylphenidat zeigt sehr schnell seine Wirkung und kann, falls unwirksam oder unverträglich, sofort wieder abgesetzt werden.

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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von papillonindigo » 25. Februar 2011 13:07

Hallo pokerface,

Irgendwie kommt mich der vorgehen diese arzt nicht so seriös. So wie ich oft lese, wird zuerst eine klare diagnose gestellt und dann medis gegeben. Es gibt zwar fällen wo ein medis vorher gegeben wird, aber nur wenn der leidendruck gross ist oder sonst eine "notfall" gibt wie kündigungdrohung bei arbeit oder so etwas.

Dann wie kann ein arzt diagnose machen ohne fragenbogen und dein brief zu lesen? èbrigens ist dein brief sicher auch für diagnose wichtig. Besser hätte noch gewesen dass du eine fragenbogen bekommst.

Dazu gehören noch einige testen am PC oder sonst und einige andere untersuchungen. Mögliche andere diagnosen müssen auch ausgeschlossen werden.

Sonst wird sicher nicht viel schlimmes passieren wenn dein mann jetzt medis bekommt und vorsichtig probiert, aber die ganze diagnoseverfahren sollte weitergeführt wird.

Sonst wegen ADS, borderline und depression: Borderline mit ADS oder depression mit ADS kommt nicht selten zusammen. Bei borderline scheint (so wie ich manchmal lese) als ursache eine trauma früh in leben zu sein auf eine sonst sensibele veranlagung (ADS als veranlagung ist auch eine risiko). Depression+ADS kommt bei erwachsene in der alter dein mann sehr häufig vor. Als folge von eine reihe misserfolgen und schwierigkeiten die man sich nicht richtig erklären konnte.
Sonst zeigen die 3 diagnosen ehe viele gemeinsamkeiten. Die heftigen gefühlen sieht man bei borderline und ADS. Konzentration + antriebschwierigkeiten können bei depression oder bei ADS vorkommen.

Es gibt auch medis die bei ADS und depression helfen. Auch MPH hat bei manche ADSler eine leichte antidepri wirkung (aber nicht bei alle).

lg
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Pokerface » 25. Februar 2011 13:34

Vielen Dank schon Mal für Eure Antworten - und für das Kompliment gleich am Anfang!

Ich werde mal versuchen, die Fragen zu beantworten.

[quote="Donovan"]
Haben die Probleme bei Deinem Mann irgendwann angefangen?
War ein bestimmtes Ereignis der Auslöser?
Gab es vielleicht ein deutliches Trauma, wie der Verlust von jemandem oder ein ausgeprägtes Gefühl nicht liebgehabt zu werden?[/quote]

Das kann ich leider nicht sagen. So lange ich meinen Mann kenne (ist noch nicht so sonderlich lange), bestehen diese Probleme und sie haben wohl auch schon längere Zeit vorher bestanden.
Ein bestimmter Auslöser ist mir nicht bekannt. Er hat jedoch ein großes emotionales Problem mit seinem Vater, von dem er von Anfang an nicht die Anerkennung oder Wertschätzung erhalten hat, die er gebraucht hätte. Er schiebt seine Probleme zum größten Teil darauf.

[quote="Donovan"]
Wird Deinen Mann von grossen Ängsten/Phobien geplagt? Wie lange schon?
[/quote]

Er hat sehr große Verlustängste. Er hat große Angst, dass ich ihn verlassen könnte und ist in einer schlechten Phase davon überzeugt, dass ich das sowieso irgendwann machen werde. Im Streit sagt er dann immer "Du kannst ruhig sagen, wenn Du mich verlassen willst...", "Wir können uns ja scheiden lassen, wenn Du möchtest..." etc. (Das habe ich nicht vor und auch noch nie erwähnt, auch nicht im Streit oder aus Wut.) Ein Streit endet nicht selten damit, dass er dann sagt, dass Schluss sei und dass ich morgen früh weg sein soll. Ich weiß aber genau, dass er das nicht möchte und mir kommt es so vor als ob er in der Situation meint, mir zuvokommen zu müssen. Weil er ja denkt, ich werde ihn sowieso verlassen, kürzt er die quälende "Warterei" darauf ab und schmeißt mich gleich raus. Wenn es ihm wieder gut geht, sagt er, er würde kaputt gehen, wenn wir ihn verlassen würden und dass er uns braucht und er sich wahrscheinlich umbringen würde.

Ein anderer Punkt, in dem sich meines Erachtens die Verlustangst äußert ist, dass er bei der geringsten Krankheit einer geliebten Person befürchtet, dass diese jetzt sterben könnte. Er fragt dann allen Ernstes fast wie ein kleines Kind "Aber Du wirst jetzt nicht sterben, oder?"
Nach Angaben seiner Mutter hat er als ganz kleines Kind immer schon gesagt "Gell Mama, Du hast keinen Krebs?" oder "Gell Mama, Du stirbst nicht?"

[quote="Donovan"]
Wenn er sich frei mit etwas beschäftigen kann, verfliegen die depressiven Symptome dann oft für kurze Dauer - ja kann er dann sogar richtig fröhlich wirken?
[/quote]

Er kann durchaus fröhlich und lustig sein. Viele seiner Bekannten, würden wohl kaum glauben können, dass er manchmal in so ein tiefes Loch fällt. Seine Stimmungen schwanken wahnsinnig. Auslöser dafür sind selten zu erkennen.

[quote="Donovan"]
Hat er einen überdurchschnittlichen IQ?
[/quote]

Ich würde ihn aus dem Bauch heraus in der Gegend von 120 einordnen, aber wie gesagt, das ist nur mein Gefühl und muss nicht stimmen.

[quote="Donovan"]
Wie würde Dein Mann sein größtes Problem umschreiben?
[/quote]

Seinen Äußerungen zufolge denke ich, sein größtes Problem ist, dass er immer unter Druck steht, wobei der Druck für Außenstehende nicht zu erkennen ist. Fast jedes Wort setzt ihn unter Druck.

[quote="Donovan"]
Wie würdest Du sein größtes Problem umschreiben?
[/quote]

Meiner Ansicht nach ist UNSER größtes Problem, dass er absolut nicht mit Kritik umgehen kann und zudem überall Kritik vermutet, auch dort wo gar keine ist.
Dann kommt wegen einer gar nicht vorhandenen Kritik ein Wutausbruch, der in keinem Verhältnis zu irgend etwas steht und oft damit endet, dass er mich (wenn auch nur mit nicht Ernst gemeinten Worten) rausschmeißt. Im Streit geht er absolut unter die Gürtellinie. Außerdem sagt er z. B., er möchte sich trennen und in seiner Erinnerung ist es so als ob ich gesagt hätte, dass ich mich trennen möchte.

[quote="Donovan"]
Wenn Dein Mann eine Elfe begegnen würde und er könnte sich etwas wünschen, egal was, wie teuer oder wie aufwändig, was würde er sich wünschen?
[/quote]

Ich denke er würde sich innere Ruhe und Frieden, innere Entspanntheit wünschen.

[quote="Donovan"]
Gibt es Tätigkeiten, wobei die Symptome deutlich weniger sind?
[/quote]

Eine bestimmte Tätigkeit fällt mir hier nicht ein.

[quote="Donovan"]
Habt Ihr Familienmitglieder mit ADHS Symptomen?
[/quote]

Keine ADHS-Diagnose. Ob Symptome, kann ich schlecht beurteilen, denn einige Symptome kann man wohl bei jedem finden, aber ob diese über das "normale" Maß hinausgehen, kann ich nicht sagen.

[quote="Donovan"]
War da auf den Zeugnissen von Früher nicht etwas, dass auf Unruhe oder Träumerei hindeuteten? Oder gab es extrem wechselnde Ergebnisse?
[/quote]

Er war ein sehr ruhiges und braves Kind. Meistens waren Bemerkungen enthalten, wonach die Mitarbeit zu wünschen übrig ließ. In der vierten Klasse hieß es, dass die Leistungen nachgelassen hätten und Ursache eine Konzentrationsstörung sein könnte. Sonst findet sich in den Bemerkungen nichts "Verdächtiges".

[quote="Donovan"]
Ist der eher Perfektionist oder eher Chaot oder dazwischen?
[/quote]

Er ist eher Perfektionist. Er ist nicht unordentlich, er verliert oder vergisst auch nichts.

[quote="Donovan"]
Was hat er selber schon probiert, um seine Probleme zu lösen und warum meint er, dass das nicht klappt?
[/quote]

Er ist bereits seit längerer Zeit bei einem Psychologen zur Therapie, eine Besserung ist aber nicht eingetreten.

[quote="Donovan"]
Was hast Du schon probiert, um seine Probleme zu lösen und warum meinst Du, dass das nicht klappt?
[/quote]

Ich weiß eigentlich nicht, was ich tun könnte, außer dass ich ihm immer sage, dass ich ihn liebe und dass ich ihn nicht verlassen werde. Ich verzeihe ihm seine Wutausbrüche und verbalen Attacken jedes Mal, bestehe allerdings darauf, dass er einsieht, dass das nicht richtig war.


Bei meiner Äußerung, dass ich etwas von dem Arzt enttäuscht war, ist mein gleich wieder an die Decke gegangen (obwohl ihm selbst auch aufgefallen ist, dass die Vorbereitung gleich Null war). Das wird ihm schon wieder zuviel, weil er dann wieder alles erzählen muss. Allerdings geht der Arzt im März in Ruhestand, so dass er sowieso mit einem neuen Arzt konfrontiert ist. Ich habe halt Bedenken, dass der jetzt die Diagnose als gegeben ansieht und nicht mehr über den Tellerrand hinausschaut. Ich werde mich in dem genannten Thread über Adressen in unserer Nähe informieren und falls sich ein Spezialist in unserer Nähe findet, werde ich meinen Mann nochmal darauf ansprechen.

Zu den zwei Medikamenten:
Der Arzt sagte, dass er nicht gleich zwei Medikamente verordnet, weil man bei etwaigen Nebenwirkungen sonst nicht sagen kann, von welchem Medikament sie kommen.
Seit mein Mann das Methylphenidat nimmt, fühlt er sich noch häufiger deprimiert. Ich habe ihm gesagt, dass ich gelesen hätte, dass die innere Ruhe, die durch das Methylphenidat einkehren soll, anfangs oft als innere Leere empfunden wird. Er sagt, dass sich das für ihn so anfühlt. Er fühlt sich schlecht, aber kann den Grund dafür nicht feststellen, da er ja - auch seinen eigenen Angaben zufolge - alles hat, was er sich zum Glücklichsein wünscht.

Trotz allem, seine Depri-Phasen sind nicht das, was ich mir unter einer schweren Depression vorstelle.

So, schon wieder eine ganze Menge zu lesen....danke schon Mal dafür.
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Donovan » 25. Februar 2011 14:04

Deshalb wird glaube ich auch oft gerade nicht mit MPH angefangen, wenn es Anzeichen für andere Störungen gibt. Aber eben, bin kein Arzt. Ich habe mal gelesen, dass zB bei einer Bi-Polaren Störung die Manie wirklich entgleisen könnte mit MPH. Und bei einer Borderline-Störung könnte die Depression eben vertieft werden, weil ihm das Loch in seiner Seele noch deutlicher bewusst wird.

Hat er vielleicht schon öfters gesagt, dass er nicht weiss was er will? Keine richtige eigene Meinung hat und meistens auf andere schaut was die von ihm wollen?

Das mit den Verlustängsten und was Du schreibst mit dem Vater, da kann ich mir vorstellen, dass Du ihn im Borderline-Profil wiedererkennst.

Der Streit den Du umschreibst, gilt in machen BL Büchern auch als selbstverletzendes Verhalten. Siehst Du vielleicht sonst noch Verhalten, woraus Selbstverletzung spricht? Das würde dann auf jedem Fall denke ich die BL Diagnose nahe bringen, obwohl die anscheinend auch bei ADHS vorkommen kann.

Sprich doch mit dem Arzt darüber. Und eben, wenn nicht zufrieden mit dem Arzt, jetzt wechseln. Je länger das dauert, um so schwieriger wird es wahrscheinlich, vor allem für Deinen Mann, weil der solche Änderungen gar nicht verkraften kann (schon wieder Verlust, egal ob es von jemandem ist, der "schlecht" für ihn ist).

Frage ihn doch mal (aber nur, falls es nicht zu Problemen führen könnte!!!) Folgendes. Seine direkte Meinung/Reaktion würde mich interessieren:

- Sagt er, dass er dieses fröhliche und lustige Verhalten spielt? Oder ist er dann wirklich fröhlich und lustig? Wenn er es spielt, warum meint er, dass dies nötig sei?
- Wie umschreibt er selber sein größtes Problem? Falls "Druck", welcher Druck empfindet er?
- Was gibt er selber als Antwort, wenn Du ihn fragst was er machen würde wenn er eine Elfe begegnen würde und er könnte sich etwas wünschen, egal was, wie teuer oder wie aufwändig, was würde er sich wünschen? Die Antwort auf diese Frage ist oft SEHR lehrsam.
- Hat er die Meinung von seinem Vater so lange er ihn kennt? Also wirklich vom Kleinkind an?
Gruss, Donovan.

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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Pokerface » 25. Februar 2011 14:26

Diesmal etwas kürzer... :-)

[quote="Donovan"]
Hat er vielleicht schon öfters gesagt, dass er nicht weiss was er will? Keine richtige eigene Meinung hat und meistens auf andere schaut was die von ihm wollen?
[/quote]

Er weiß oft nicht was er will und entscheidet sich ständig um. Dabei geht es ganz oft um Planung der Freizeit, aber auch um Sachen, bei denen man sich eigentlich nicht umentscheidet. Wenn er z. B. heute sagt: "Das Essen schmeckt heute super, ich esse gerne Fisch." kann morgen kommen "Das Essen gestern hat mir gar nicht geschmeckt, ich esse auch nicht so gerne Fisch.".

Ich denke schon, dass er seine eigene Meinung hat, aber die zählt eben nur in diesem Moment. Auch Bekannte kann er in einem Moment sehr gut leiden und am nächsten Tag findet er, dass er die selbe Person eigentlich nicht so leiden mag.

[quote="Donovan"]
Der Streit den Du umschreibst, gilt in machen BL Büchern auch als selbstverletzendes Verhalten. Siehst Du vielleicht sonst noch Verhalten, woraus Selbstverletzung spricht?
[/quote]

Das habe ich auch so gelesen, dass das als selbstverletzendes Verhalten interpretiert werden kann, also wenn er mich rausschmeißt, obwohl er eigentlich eine Trennung mit aller Gewalt verhindern will.

Weiteres Kriterium, das bei ihm sehr ausgeprägt ist, ist das Schwarz-Weiß-Denken.

Wenn es ihm gut geht, bin ich das Beste, was ihm hätte passieren können. Ich bin außerdem die schönste Frau, die er je gesehen hat (ist natürlich Quatsch) und noch nie war jemand so lieb zu ihm wie ich es bin.....

Ist die Stimmung dann gekippt, hat ihn noch nie jemand so schlecht behandelt wie ich es tue. Ich würde ihn in den Tod treiben usw...

Ich werde versuchen, die Fragen bei Gelegenheit zu stellen, da ihn aber momentan auch noch eine Grippe quält, ist der Zeitpunkt gerade nicht so günstig. (Obwohl - im Moment bin ich ja wieder die Beste.... :-)

LG und danke
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Donovan » 25. Februar 2011 18:22

OK. Bin neugierig.

Wie Du selber schon sagtest, sehe ich auch fast deutliche BL Markmale.

Nach ADHS muss ich noch ein Wenig suchen. Was hat der Arzt dann als ADHS Anzeichen erwähnt?
Gruss, Donovan.

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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von papillonindigo » 25. Februar 2011 21:03

Hallo Pokerface,

Ich verstehe mehr wieso du bei ihm BL sieht. Sehe ich es auch als nicht ummöglich mit alle deine schilderungen.

Ich finde auch toll wie du zu ihm steht  :wu:, es ist nicht immer einfach, aber tut ihm sicher auch gut.

Wegen ADS in der schule: intelligente hypo mit genug struktur zu hause sind oft nicht so auffällig. Aber auch wenn sie so ruhig sind, kann der leidendruck sehr gross sind, da sie auch nie richtig wahrgenommen werden.
Also, auch wenn er in der schule unauffällig war schliesst es noch keine ADS aus. Ich errine mich, du sagst ab der 4. klasse ist nicht mehr gut gegangen. ist etwas bestimmt in sein leben passiert? Es ist manchmal so dass ADSler dekompensieren wenn die herausforderungen im leben höher werden oder wenn etwas dazu kommt.

Sonst noch fragen um mal wegen ADS (auch als neugier, diagnose kann niemand aus de forum):

- Wie ist seine gesprächverhalten in gruppe? Wie geht es mit smalltalk um? Ehe stille grauemaus, oder jemand der jeden im wort fählt und viel redet? Gespräch im gruppe ist mit ADS anstregend und oft verhalten sich ADSler dort nicht so geschickt.

- Hast du oft der eindruck dass er dich nicht richtig zuhört und nicht alles mitbekommt?

- Was macht er beruflich und wie klar geht er damit um?

- Scheint er dich manchmal sich "unreif" zu verhalten?

- Was sind seine hobby, wie tut er gerne abschalten?

lg
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Pokerface » 26. Februar 2011 11:18

So, hallo nochmal...

[quote="Donovan"]
Nach ADHS muss ich noch ein Wenig suchen. Was hat der Arzt dann als ADHS Anzeichen erwähnt?
[/quote]

Direkt gesagt hat er nichts, nur dass eben vieles dafür spricht (einiges aber wieder gar nicht).

[quote="papillonindigo"]
Ich finde auch toll wie du zu ihm steht  :wu:, es ist nicht immer einfach, aber tut ihm sicher auch gut.
[/quote]

Danke. Nein, von einfach kann keine Rede sein. :-)

[quote="papillonindigo"]
Ich errine mich, du sagst ab der 4. klasse ist nicht mehr gut gegangen. ist etwas bestimmt in sein leben passiert.
[/quote]

Nicht dass ich wüsste.

[quote="papillonindigo"]
- Wie ist seine gesprächverhalten in gruppe? Wie geht es mit smalltalk um? Ehe stille grauemaus, oder jemand der jeden im wort fählt und viel redet? Gespräch im gruppe ist mit ADS anstregend und oft verhalten sich ADSler dort nicht so geschickt.
[/quote]

Es fällt mir nicht so sehr auf, dass er ständig ins Wort fällt. Er sagt jedoch von sich selbst, dass das so ist und dass das auch in der Arbeit bei Telefongesprächen so ist.
Smalltalk...da kommt es halt ganz darauf an, ob ihn das gerade interessiert oder nicht. Er klinkt sich halt einfach aus, wenn er das Interesse verloren hat.

[quote="papillonindigo"]
- Hast du oft der eindruck dass er dich nicht richtig zuhört und nicht alles mitbekommt?
[/quote]

Das kommt sehr oft vor. Oft bekomme ich keine Antwort und muss ihn dann dreimal ansprechen bis er reagiert. Oder er antwortet auf eine Frage mit "ja" beantwortet und später stellt sich heraus, dass er gar nicht wahrgenommen hat, was ich gesagt habe.

[quote="papillonindigo"]
- Was macht er beruflich und wie klar geht er damit um?
[/quote]

Er arbeitet im Büro. Er macht seine Sache sehr gut und ordentlich, schiebt auch nichts auf die lange Bank. Wenn er von der Arbeit heimkommt, prüft er schon wieder die Arbeitsemails. (Er hat wohl immer Sorge, es könnte in der Zwischenzeit - Heimfahrt - etwas unangenehmes gekommen sein.)
Allerdings unterbricht er seine Arbeit schon ziemlich häufig, um kurz frische Luft zu schnappen oder mich kurz anzurufen oder Ähnliches (Kann er sich dann vielleicht nicht mehr konzentrieren?).

Er fühlt sich aber immer unter Druck und sehr gestresst, obwohl ich denke, dass er in der Arbeit keinem übermäßigen Stress ausgesetzt ist, auch Überstunden sind kaum nötig. Er fühlt sich halt extrem schnell gestresst (auch daheim, im Umgang mit unserem Baby).

[quote="papillonindigo"]
- Scheint er dich manchmal sich "unreif" zu verhalten?
[/quote]

Ja, allerdings. Man könnte ihn aufgrund seines Verhaltens gut 15 Jahre jünger schätzen. Ein Kindskopf....

[quote="papillonindigo"]
- Was sind seine hobby, wie tut er gerne abschalten?
[/quote]

Abschalten heißt für ihn meistens, Fußball zu schauen oder sich an den PC zu setzen und dort Nachrichten zu lesen oder im Forum mit Freunden "quatschen". Wobei er da manchmal gehörig austeilt. Seine Freunde finden das Austeilen auch nicht schlimm, da es ja offensichtlich Spaß ist, nur mein Mann versteht die ebenso als Spaß gemeinten Retourkutschen selbstverständlich nicht als Spaß.

Zusammen gehen wir gerne Essen oder spielen - wie mein Name verrät - ein Kartenspiel.


Was wohl noch so ein ADHS-Anzeichen wäre: Er kann Zeit schlecht einteilen. Er plant z. B. für Karten spielen, Fußball schauen, ein Bad nehmen und eine Runde ausruhen insgesamt eine Stunde ein.
Außerdem lädt er Freunde ein, dann wieder aus und dann wieder ein, was mir immer ganz unangenehm ist..... zum Glück wissen unsere Freunde schon, dass er da so ist und nehmen es ihm nicht übel.

LG
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Donovan » 26. Februar 2011 13:03

Ahhhh, guck jetzt kann ich den Arzt wieder verstehen. Das sind schon Sachen die für ADHS sprechen.

Ich verstehe jetzt das Dilemma vom Arzt.

Aber gerade weil es so schwierig ist eine Diagnose in diesem Fall zu stellen, sollte der Arzt seriös sein. Um Unterlagen bitten und die dann nicht lesen, gehört nicht so dazu finde ich.

Ich würde an Deiner Stelle einen anderen Arzt ausprobieren. Und dieses Mal vor dem ersten Termin richtig nach seiner Erfahrung in Sachen ADHS fragen. Eben, vielleicht lieber einen Psychologen auswählen. Ärzte wie Neurologen und Psychiater neigen dazu die Pillendose sofort auf zu ziehen und damit alles zu lösen. Bei einem Psychologen hast Du vielleicht eine Chance, dass er die Störungen richtig Diagnostiziert.
Gruss, Donovan.

Ironie & rhetorische Fragen verstehe ich oft buchstäblich. Bitte um Verständnis, Verzeihung und falls möglich Vermeidung.

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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Eule » 26. Februar 2011 13:23

Wenn ein Arzt den Begriff "Arbeitshypothese" in den Raum stellt, würde ich das verstehen als

"Die Symptome sehen nach XXXX aus, wir müssen mal weiter testen ob das stimmt und noch genauer hinsehen, also sozusagen mit diesem Anfangsverdacht arbeiten."

Ich würde da nachfragen, wie/mit welchen Methoden/Tests/Untersuchungen er gedenkt, diese Hypothese zu bestätigen oder auszuschließen.

Der Ansatz "Das sieht nach ADHS aus, ich verschreib mal MPH, und wenn das wirkt dann wars tatsächlich ADHS, wenn nicht müssen wir weitergucken dann wars wohl doch was anderes" ist hier schon ein paarmal von Leuten die für eine Diagnostik zum Arzt gegangen sind geschildert worden - ich finde ein solches Vorgehen unseriös. Trotzdem weiß ich nicht, ob ich nicht bedingt durch den tatsächlich existierenden Leidensdruck, den meine Symptomatik mir verursacht das experiment mit dem Medikament wagen würde. einfach in der Hoffnung daß es dann endlich besser werden könnte. So wie du es schilderst, ist dein Mann ja auch nicht wirklich glücklich mit seinem Zustand - und in solcher Lage greift man doch schnell nach diversen Strohhalmen.

Allerdings: Ich weiß nicht, ob ich als Patientin eines Arztes einen Eingriff meines Partners in der Form wie du es gemacht hast gut finden würde. Ich finde es toll, daß du zu ihm stehst und ihm helfen möchtest - aber gerade wenn jemand zu emotionalen Ausbrüchen und Stimmungsschwankungen neigt, ist es gut möglich, daß er in einer "schlechten" Phase, beispielsweise wenn er mal wieder überzeugt ist, daß er so unmöglich ist, daß du ihn sowieso verlassen wirst, dein gutgemeintes Eingreifen als übergriffig erlebt. Ich hoffe du hast deinen mann gefragt bevor du dem Arzt deinen Brief geschickt hast und ihn deine Sicht der Dinge auch lesen lassen, so daß er nicht das Gefühl bekommt, du hast hinter seinem Rücken gehandelt und ihn bei dem Arzt schlecht gemacht.
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papillonindigo
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von papillonindigo » 26. Februar 2011 14:36

Hallo pokerface,

in deine antworten sind auch einiges typisch ADS.
Smalltalk...da kommt es halt ganz darauf an, ob ihn das gerade interessiert oder nicht. Er klinkt sich halt einfach aus, wenn er das Interesse verloren hat.
Scheint mich typisch. ADSler können nicht aus anstand mitmachen...

neigt er auch dazu sehr aktiv sein und viel zu erzählen zu haben wenn das thema ihm fesselt und dann weg zu driften wenn es ihm nicht interessiert?
Das kommt sehr oft vor. Oft bekomme ich keine Antwort und muss ihn dann dreimal ansprechen bis er reagiert. Oder er antwortet auf eine Frage mit "ja" beantwortet und später stellt sich heraus, dass er gar nicht wahrgenommen hat, was ich gesagt habe.
Auch typisch...
Er arbeitet im Büro. Er macht seine Sache sehr gut und ordentlich, schiebt auch nichts auf die lange Bank. Wenn er von der Arbeit heimkommt, prüft er schon wieder die Arbeitsemails. (Er hat wohl immer Sorge, es könnte in der Zwischenzeit - Heimfahrt - etwas unangenehmes gekommen sein.)
Allerdings unterbricht er seine Arbeit schon ziemlich häufig, um kurz frische Luft zu schnappen oder mich kurz anzurufen oder Ähnliches (Kann er sich dann vielleicht nicht mehr konzentrieren?).

Er fühlt sich aber immer unter Druck und sehr gestresst, obwohl ich denke, dass er in der Arbeit keinem übermäßigen Stress ausgesetzt ist, auch Überstunden sind kaum nötig. Er fühlt sich halt extrem schnell gestresst (auch daheim, im Umgang mit unserem Baby).
Büroarbeit ist bei ADS antregend! Wenn die firma gut strukturiert ist und der ADSler selber gut kompensieren kann, ist noch möglich (ich habe solches auch gut geschaft). Aber es ist deutlich anstregender als für jemand ohne ADS.

Sich schnell gestresst fühlen: ADSler kommen nun mal sehr schnell an ihre grenzen bei alltagdingen.
Ja, allerdings. Man könnte ihn aufgrund seines Verhaltens gut 15 Jahre jünger schätzen. Ein Kindskopf....
Typsich... etwa 30% reifverzögerung. übrigens bin ich 39 jahre alt, sehe ich 15 jahre jünger und verhalte mich auch ehe wie eine 25 jährige...
Wobei er da manchmal gehörig austeilt. Seine Freunde finden das Austeilen auch nicht schlimm, da es ja offensichtlich Spaß ist, nur mein Mann versteht die ebenso als Spaß gemeinten Retourkutschen selbstverständlich nicht als Spaß.
:breitgrinse1: typsich...
Was wohl noch so ein ADHS-Anzeichen wäre: Er kann Zeit schlecht einteilen. Er plant z. B. für Karten spielen, Fußball schauen, ein Bad nehmen und eine Runde ausruhen insgesamt eine Stunde ein.
Gehört auch dazu.

Naj wie andere sonst schon sagen, ich würde es auch sorgen dass er eine anständige abklärung bekommt. Es ist vielleicht nicht nur ADS oder borderline, es darf auch beide sein, oder etwas auch ganz anders...

Noch zu eine bemerkung von heule:
Allerdings: Ich weiß nicht, ob ich als Patientin eines Arztes einen Eingriff meines Partners in der Form wie du es gemacht hast gut finden würde. Ich finde es toll, daß du zu ihm stehst und ihm helfen möchtest - aber gerade wenn jemand zu emotionalen Ausbrüchen und Stimmungsschwankungen neigt, ist es gut möglich, daß er in einer "schlechten" Phase, beispielsweise wenn er mal wieder überzeugt ist, daß er so unmöglich ist, daß du ihn sowieso verlassen wirst, dein gutgemeintes Eingreifen als übergriffig erlebt. Ich hoffe du hast deinen mann gefragt bevor du dem Arzt deinen Brief geschickt hast und ihn deine Sicht der Dinge auch lesen lassen, so daß er nicht das Gefühl bekommt, du hast hinter seinem Rücken gehandelt und ihn bei dem Arzt schlecht gemacht.
Finde ich sehr wichtig! hast du mit ihm darüber geredet? Ich sehe nun dass es bei partner von ADSler(innen) oft vorkommt dass sie für ihre liebsten zu viel übernehmen da er vieles nicht kann. masnche ADSler haben in sich auch eine art "gelernte hilflosigkeit" und lösen ganz geschickt fürsorglichen verhalten mit charmanten rehaugen von andere, die es ihnen dann wieder tierisch nerven. Ich sehe es natürlich bei mich  :upsi: aber auch bei andere menschen so was.

Es ist auch wichtig dass du da klar mit dich bist: hilfst du ihm mit seine bewilligung oder nach seine eigene wunsch oder weil es dich wehtut zu sehen wie es ihm geht oder weil du mit  ihm an deine grenzen kommt? Helfen wenn der andere es auch klar äussert ist ok. Ihm es vorschlagen und einja zu bekommen ist auch ok. Wenn es nur weil du darunter leidet ist wichtiger dass du dich selber hilft und der andere mitteilt wie es dich geht und ihm fragt was er bereit ist zu machen und was er dich erlaubt für ihm zu machen.

lg
:vier: So geht es mir beim Rebound oder nach einem langen Stadtbummel
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Pokerface » 26. Februar 2011 15:44

So...

[quote="Donovan"]
- Sagt er, dass er dieses fröhliche und lustige Verhalten spielt? Oder ist er dann wirklich fröhlich und lustig? Wenn er es spielt, warum meint er, dass dies nötig sei?
[/quote]

Manchmal durchaus. Insbesondere in der Arbeit, weil er nicht möchte, dass Außenstehende merken, dass es ihm nicht gut geht. Es ist aber nicht immer gespielt, er kann durchaus auch euphorisch und glücklich sein.

[quote="Donovan"]
- Wie umschreibt er selber sein größtes Problem? Falls "Druck", welcher Druck empfindet er?
[/quote]

Er sagt, sein größtes Problem ist, dass er stets unter Druck steht und nicht ausgeglichen sein kann. Sein ganzer Tag besteht seiner Ansicht nach aus Kampf und Druck.

[quote="Donovan"]
- Was gibt er selber als Antwort, wenn Du ihn fragst was er machen würde wenn er eine Elfe begegnen würde und er könnte sich etwas wünschen, egal was, wie teuer oder wie aufwändig, was würde er sich wünschen? Die Antwort auf diese Frage ist oft SEHR lehrsam.
[/quote]

Für mich äußerst überraschend: Er würde sich sehr viel Geld wünschen. Nicht um z. B. einen Porsche zu kaufen, sondern er denkt, dann würde der Druck verschwinden. Er müsste dabb z. B. nicht Angst haben seinen Job zu verlieren.... (Wir sind nicht reich, aber wir haben wirklich ausreichend Geld, um gut leben zu können. Es ist auch nicht so, dass er akut Angst haben muss, seinen Job zu verlieren.)

[quote="Donovan"]
- Hat er die Meinung von seinem Vater so lange er ihn kennt? Also wirklich vom Kleinkind an?
[/quote]

Er sagt, das ist so, so lange er denken kann.

[quote="Donovan"]
Ich verstehe jetzt das Dilemma vom Arzt.
[/quote]

Ich ja auch, aber mir kam es eben nicht vor, als sei es ein Dilemma für ihn. Jetzt wird einfach mal von ADHS ausgegangen, versuchen die Medikamente und dann werden wir schon sehen....

[quote="Donovan"]
Aber gerade weil es so schwierig ist eine Diagnose in diesem Fall zu stellen, sollte der Arzt seriös sein. Um Unterlagen bitten und die dann nicht lesen, gehört nicht so dazu finde ich.
[/quote]

Die Zeugnisse hatte er gelesen, er konnte sich nur nicht mehr auf Anhieb erinnern.
Meinen Brief hatten die Sprechstundenhilfen wohl einfach ungelesen in die Kartei gelegt, ohne ihn dem Arzt zu zeigen. Hätte der Arzt kurz bevor er uns zu sich gebeten hat die Kartei aber nochmal angeschaut (so umfangreich war sie ja noch nicht), hätte er den Brief zumindest dann gesehen und noch schnell lesen können

[quote="Eule"]
Der Ansatz "Das sieht nach ADHS aus, ich verschreib mal MPH, und wenn das wirkt dann wars tatsächlich ADHS, wenn nicht müssen wir weitergucken dann wars wohl doch was anderes" ist hier schon ein paarmal von Leuten die für eine Diagnostik zum Arzt gegangen sind geschildert worden - ich finde ein solches Vorgehen unseriös.
[/quote].

Das hat mir eben auch nicht gefallen. Dabei hab ich gar nichts, die Medikamente zu versuchen, aber mir kommt es halt nicht so vor, als ob noch irgendwas getestet werden soll.

[quote="Eule"]
Allerdings: Ich weiß nicht, ob ich als Patientin eines Arztes einen Eingriff meines Partners in der Form wie du es gemacht hast gut finden würde. Ich finde es toll, daß du zu ihm stehst und ihm helfen möchtest - aber gerade wenn jemand zu emotionalen Ausbrüchen und Stimmungsschwankungen neigt, ist es gut möglich, daß er in einer "schlechten" Phase, beispielsweise wenn er mal wieder überzeugt ist, daß er so unmöglich ist, daß du ihn sowieso verlassen wirst, dein gutgemeintes Eingreifen als übergriffig erlebt. Ich hoffe du hast deinen mann gefragt bevor du dem Arzt deinen Brief geschickt hast und ihn deine Sicht der Dinge auch lesen lassen, so daß er nicht das Gefühl bekommt, du hast hinter seinem Rücken gehandelt und ihn bei dem Arzt schlecht gemacht.
[/quote]

Ich habe ihn natürlich gefragt, ob es für ihn in Ordnung ist, wenn ich dem Arzt meine Sicht der Dinge schildere und er war damit einverstanden. Gelesen hat er den Brief nicht, er könnte aber, wenn er wollte.
Trotzdem kann es sein, dass er in einer "schlechten" Phase bemängelt, dass sich für mich nur noch alles um seine "Krankheit" dreht.
Es dreht sich für mich nicht alles um die Krankheit, aber es beeinträchtigt den Alltag schon - gelinde ausgedrückt - recht häufig und ich möchte einfach dass ihm und uns ordentlich geholfen wird, weil es uns dann echt um einiges besser gehen kann und wird.

Und zwar würde es in erster Linie ihm besser gehen. Dass das Familienleben dann entspannter wäre, wäre wohl eine Folge dessen.

[quote="papillonindigo"]
Es ist auch wichtig dass du da klar mit dich bist: hilfst du ihm mit seine bewilligung oder nach seine eigene wunsch oder weil es dich wehtut zu sehen wie es ihm geht oder weil du mit  ihm an deine grenzen kommt? Helfen wenn der andere es auch klar äussert ist ok. Ihm es vorschlagen und einja zu bekommen ist auch ok. Wenn es nur weil du darunter leidet ist wichtiger dass du dich selber hilft und der andere mitteilt wie es dich geht und ihm fragt was er bereit ist zu machen und was er dich erlaubt für ihm zu machen.
[/quote]

Wie oben schon geschrieben, es war mein Vorschlag, ich hatte aber seine Zustimmung.
Warum ich das mache? Da ist natürlich von allem etwas dabei. Erstens will ich ihm helfen, dass es ihm besser geht, weil es mir leid tut zu sehen, dass es ihm schlecht geht. Zweitens ist aber auch der Grund, dass ich zwischendurch auch an meine Grenzen stoße und dass ich gerne ein entspannteres Familienleben hätte.

Mein Mann ist bereit alles für mich zu machen, aber halt nur wenn es ihm gerade gut geht. Wenn er gerade eine "Phase" hat (was ja genau die Zeit ist, in der ich an Grenzen stoße), ist an Rücksicht auf meine Bedürfnisse nicht zu denken.
Außerdem, wenn ich gerade mal nicht gut drauf bin (was so gut wie gar nicht vorkommt) und Zuspruch bräuchte, geht es ihm sofort noch schlechter als mir, weil er sofort denkt, meine schlechte Laune hätte Konsequenzen für IHN oder er sei der Grund dafür... Dann sind die Positionen wieder vertauscht und ich bin wieder bemüht, ihn aufzubauen.


Nun ja, ich werd mal schauen, wenn meine Anfrage im anderen Thread bzgl. Spezialisten bei uns in der Nähe beantwortet ist, ob mein Mann vielleicht mal da hingehen mag.

Dankeschön an alle!
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Donovan » 26. Februar 2011 17:52

Für mich hört es sich an, als ob er ein geringes Selbstbild hat und sich deshalb an anderen Sachen orientiert, die ihm einen Wert verschaffen. Und natürlich hat er dann auch Angst, die Sachen zu verlieren, die ihm sein "ICH" verleihen.

ADHS könnte auch der Fall sein, aber wenn, dann scheint mir das im Moment dermassen von den anderen Symptomen überlagert zu werden, dass es schwierig wird zu entscheiden, ob ein Symptom ADHS oder einer Folgestörung zu zu schreiben ist.

Ich glaube, dass man bei Erwachsenen eigentlich die Diagnose "ADHS" nicht stellen sollte, wenn es klare Hinweise auf andere Störungen gibt, die die Symptome auch erklären. In diesem Fall BL wie Du selber schon vermutetest.

Ohne deutliches Trauma kann ADHS auch zu BL führen, vor allem wenn das ADHS in der Kindheit dermassen ausgeprägt war, dass das Selbstbild des Betroffenen davon beeinflusst wurde. Aber das scheint eher nicht der Fall gewesen zu sein.

Ich würde seine Symptomatik eher auf die BL Störung schieben, wie Du selber auch schon dachtest und auf die daraus resultierenden Ängsten, Stressgefühlen, Depressionen und vielleicht sogar Zwängen.

Ich wünsche Euch viel Glück bei der Spurensuche und bei der Behandlung.

Danke, dass Du so offen warst! Und wirklich toll, wie Du versuchst ihm das Leben besser zu machen. Weiter so! Wenn man dermassen offen ist und sich eine Besserung wünscht, wird es irgendwann besser! Glück hat man nur, wenn man jederzeit bereit ist Glück zu empfangen.
Gruss, Donovan.

Ironie & rhetorische Fragen verstehe ich oft buchstäblich. Bitte um Verständnis, Verzeihung und falls möglich Vermeidung.

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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Falschparker » 28. Februar 2011 01:25

[quote="Pokerface"]
Wenn es ihm gut geht, bin ich das Beste, was ihm hätte passieren können. Ich bin außerdem die schönste Frau, die er je gesehen hat (ist natürlich Quatsch)
[/quote]

Kein Quatsch. Vermutlich hat er Recht.

Meine Frau ist natürlich die Allerschönste.  :wu:

Aber die hat er wohl noch nicht gesehen. Außerdem ist es ja nicht seine.

Von daher nimm es ruhig an.  :ja:

Wenn er das Gegenteil sagt, hat er natürlich unrecht.  :8:
Zuletzt geändert von Falschparker am 28. Februar 2011 01:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Falschparker » 28. Februar 2011 01:36

Wie die Anderen schon geschrieben haben, deutet schon Vieles auf ADHS hin. Was dir beim Lesen von "Zwanghaft zerstreut" auch aufgefallen sein dürfte.

Und ADHS und Borderline tritt so häufig zusammen auf, dass ein "Entweder-Oder" auch nicht unbedingt zielführend ist.

[quote="Eule"]
Der Ansatz "Das sieht nach ADHS aus, ich verschreib mal MPH, und wenn das wirkt dann wars tatsächlich ADHS, wenn nicht müssen wir weitergucken dann wars wohl doch was anderes" ist hier schon ein paarmal von Leuten die für eine Diagnostik zum Arzt gegangen sind geschildert worden - ich finde ein solches Vorgehen unseriös.
[/quote]

Da hat Eule recht (schreibt man recht jetzt klein oder groß?). Vor allem ist es dann tückisch, wenn MPH nicht wie erwartet wirkt und man dann die "Arbeitshypothese" ADHS zu schnell verwirft.

[quote="Pokerface"]Seit mein Mann das Methylphenidat nimmt, fühlt er sich noch häufiger deprimiert. Ich habe ihm gesagt, dass ich gelesen hätte, dass die innere Ruhe, die durch das Methylphenidat einkehren soll, anfangs oft als innere Leere empfunden wird. Er sagt, dass sich das für ihn so anfühlt. Er fühlt sich schlecht, aber kann den Grund dafür nicht feststellen, da er ja - auch seinen eigenen Angaben zufolge - alles hat, was er sich zum Glücklichsein wünscht.
[/quote]

Ja, ich hoffe, dass der Arzt vorsichtig dosiert hat.

Viele Grüße und alles Gute  :winken:
Falschparker
<><
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Pokerface » 28. Februar 2011 10:14

Hallo Falschparker!

[quote="Falschparker"]
Kein Quatsch. Vermutlich hat er Recht.
Meine Frau ist natürlich die Allerschönste.  :wu:
Aber die hat er wohl noch nicht gesehen. Außerdem ist es ja nicht seine.
Von daher nimm es ruhig an.  :ja:
[/quote]

Ich nehme es schon an und freue mich, dass es für ihn so ist. Ich wollte damit nur ausdrücken, dass ich mir nicht einbilde, dass ich wirklich die Schönste von allen bin.... :-)

[quote="Falschparker"]
Wie die Anderen schon geschrieben haben, deutet schon Vieles auf ADHS hin. Was dir beim Lesen von "Zwanghaft zerstreut" auch aufgefallen sein dürfte.
[/quote]

Ja, es sind schon viele der Symptome vorhanden (genau wie im Hinblick auf Borderline), aber bei den im Buch beschriebenen Fällen ist - wie der Titel schon sagt - immer die Zerstreutheit, und das "den Alltag nicht in den Griff kriegen", das vergesslich sein, etc. so sehr im Vordergrund. Das fehlt bei ihm komplett.

Es ist mir schon bewusst, dass es kein entweder/oder gibt, ich möchte nur, dass ordentlich erforscht wird OB entweder/oder oder beides oder ganz was anderes. :-)

[quote="Falschparker"]
Da hat Eule recht (schreibt man recht jetzt klein oder groß?).
[/quote]

Das frag ich mich auch jedes Mal, schaue nach und vergesse es bis zum nächsten Mal!!! (Echt jetzt!)

[quote="Falschparker"]
Ja, ich hoffe, dass der Arzt vorsichtig dosiert hat.
[/quote]

Anfang Februar hat er mit einer halben Tablette am Tag angefangen und ist ab kommendem Freitag bei 2 Tabletten am Tag. Kommenden Montag ist der nächste Arzttermin. Zwischendrin war kein Termin.

Ich habe das Gefühl (er auch), dass es ihm die letzten zwei Wochen gefühlsmäßig schlechter geht. Irgendwie ist er jeden Tag schlecht drauf, ohne zu wissen warum.

Danke und auch alles Gute!
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Donovan » 28. Februar 2011 13:24

[quote="Pokerface"]
Ja, es sind schon viele der Symptome vorhanden (genau wie im Hinblick auf Borderline), aber bei den im Buch beschriebenen Fällen ist - wie der Titel schon sagt - immer die Zerstreutheit, und das "den Alltag nicht in den Griff kriegen", das vergesslich sein, etc. so sehr im Vordergrund. Das fehlt bei ihm komplett.[/quote]

Selber habe ich eher Mühe hier "ganz klar" ADHS zu sehen. Aber ich kann daneben liegen und die anderen könnten durchaus recht haben.

Ich möchte trotzdem noch etwas zu Deiner Bemerkung sagen: ADHS kann meiner Meinung nach sogar vorhanden sein, wenn diese Sachen augenscheinlich fehlen. Es kann sein, dass ein ADHS-ler sich - oft mit ENORMEM AUFWAND - kompensiert. Das ist bei mir zum Beispiel der Fall. In meinen guten Momenten habe ich alles relativ gut im Griff. Und vergesse kaum etwas. Dafür brauche ich jedoch Systeme wie Agenda, ToDo Listen und eine eiserne Disziplin die an mich zerrt. Mein Problem äussert sich dann, wenn diese Systeme versagen, weil ich eben nicht gut Prioritäten setzen kann. Es wandert dann zu viel in diese Listen. Statt mir Übersicht zu schaffen, findet das Chaos in den Listen statt und irgendwann bricht das alles zusammen. Es gibt Grenzen an Listen für Listen erstellen. Wenn das passiert, ist reines Chaos für eine Weile angesagt. Danach folgt oft eine Depression, weil ich die Bruchstücke nicht zusammenflicken kann. Dann raffe ich mich wieder auf, lade die Batterien und richte diese Systeme wieder mit Mühe ein und fange von vorne an.

Gesund ist das nicht. Der Stress und der Druck ist erheblich.

Ich hoffe selber, dass MPH mir dabei helfen wird die Sache deutlicher zu sehen, damit ich die Strategien nicht ständig ins Perverse führe.
Gruss, Donovan.

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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitrag von Pokerface » 28. Februar 2011 14:07

Danke für Deine Einschätzung.... da kannst Du schon Recht haben (@ Falschparker: ich schreib es jetzt mal groß...).

Kommenden Montag ist jetzt Mal der nächste Termin beim Neurologen. Ich werde Euch dann neue Erkenntnisse mitteilen.

Ich wünsch Dir, dass Du alles so in den Griff bekommst, wie Du es Dir wünschst!

LG
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