Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

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MrsKleeblatt
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon MrsKleeblatt » 28. Februar 2011 15:27

[quote="Pokerface"]
Er ist eher Perfektionist. Er ist nicht unordentlich, er verliert oder vergisst auch nichts.
[/quote]

Wenn er wirklich keinen Hang dazu hat, Dinge zu verlieren oder etwas zu vergessen, dann ist die Diagnose AD(H)S eigentlich auszuschliessen. Gut - möglicherweise kompensiert er. Siehe Donovan. Aber da muss man wirklich genau hinsehen? Würde er z.B. ohne seine Listen und Hilfsmittel tatsächlich leicht untergehen?

Oder bildet er sich nur ein, unterzugehen, weil Fehler = mittlere bis schwere Katastrophe bis Versagen?
Oder ist die Angst und der Druck vor Fehlern so gross, dass das ihm die Konzentrationsfähigkeit raubt?
Da gibt es glaube ich genügend Leute, die so sind und deshalb nie entspannen können? Ich fände es fatal falsch solche Leute als AD(H)Sler zu diagnostizieren.

Weil: Denen wird mit den falschen Dingen (Medikamenten!!) gegen das falsche geholfen. Denn eigentlich müsste man ihre Angst und ihren selbstgemachten inneren Druck therapieren. Und nicht die krankhaften Folgen wie aufmerksamkeitsprobleme usw., die sich aufgrund des krankhaften inneren Drucks zum Glück entwickeln...

Ich finde, der Punkt "Aufmerksamkeitsstörung" ist - egal welchen Typ von ADS man hat - ein wichtiger, wenn nicht der wesentlichste Teil der Störung. Und habe manchmal - auch wenn ich in meinem Umfeld so höre, wer von sich den Verdacht auf ADS entwickelt - und wer, leider nie... - die befürchtung, dass genau das in Vergessenheit gerät. Und statt dessen der Punkt "sich ständig gestresst fühlen und nicht abschalten können" viel zu viel gewicht erhält. Ich glaube - der hauptpunkt, warum echt viele Menschen nicht abschalten können und sich ständig gestresst fühlen - ist: weil sie einfach gelernt haben, zu viel Angst zu haben.
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Donovan
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon Donovan » 28. Februar 2011 16:57

Sehe ich auch so. Und Aufmerksamkeitsstörung dann auch nicht irgendwann, aber in irgendeiner Form von Kleinkind ab.

Jeder mit einer Depression hat denke ich auch Probleme mit der Aufmerksamkeit. Jeder unter gewaltigem Stress bringt wahrscheinlich nicht die volle Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeitsstörung heisst nicht per Definition ADHS, aber ich denke ADHS heisst schon per Definition eine Aufmerksamkeitsstörung in irgendeiner Form.
Gruss, Donovan.

Ironie & rhetorische Fragen verstehe ich oft buchstäblich. Bitte um Verständnis, Verzeihung und falls möglich Vermeidung.

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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon Pokerface » 28. Februar 2011 17:32

[quote="MrsKleeblatt"]
Wenn er wirklich keinen Hang dazu hat, Dinge zu verlieren oder etwas zu vergessen, dann ist die Diagnose AD(H)S eigentlich auszuschliessen. Gut - möglicherweise kompensiert er. Siehe Donovan. Aber da muss man wirklich genau hinsehen? Würde er z.B. ohne seine Listen und Hilfsmittel tatsächlich leicht untergehen?
[/quote]

Also Listen oder so muss er sich keine machen. Es ist eher so, dass er meine Papiere (Posteingang) sortiert und ordentlich in Ordnern ablegt (bei mir hatte sich das immer endlos auf einem oder mehreren Häufchen gesammelt).

[quote="MrsKleeblatt"]
Oder bildet er sich nur ein, unterzugehen, weil Fehler = mittlere bis schwere Katastrophe bis Versagen?
Oder ist die Angst und der Druck vor Fehlern so gross, dass das ihm die Konzentrationsfähigkeit raubt?
[/quote]

Ich denke, dass das schon so sein könnte, dass die Angst den Druck verursacht.

Schwierig das alles......
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papillonindigo
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon papillonindigo » 28. Februar 2011 18:15

Hallo alle,

[quote="Pokerface"]

Wie oben schon geschrieben, es war mein Vorschlag, ich hatte aber seine Zustimmung.
Warum ich das mache? Da ist natürlich von allem etwas dabei. Erstens will ich ihm helfen, dass es ihm besser geht, weil es mir leid tut zu sehen, dass es ihm schlecht geht. Zweitens ist aber auch der Grund, dass ich zwischendurch auch an meine Grenzen stoße und dass ich gerne ein entspannteres Familienleben hätte.

Mein Mann ist bereit alles für mich zu machen, aber halt nur wenn es ihm gerade gut geht. Wenn er gerade eine "Phase" hat (was ja genau die Zeit ist, in der ich an Grenzen stoße), ist an Rücksicht auf meine Bedürfnisse nicht zu denken.
Außerdem, wenn ich gerade mal nicht gut drauf bin (was so gut wie gar nicht vorkommt) und Zuspruch bräuchte, geht es ihm sofort noch schlechter als mir, weil er sofort denkt, meine schlechte Laune hätte Konsequenzen für IHN oder er sei der Grund dafür... Dann sind die Positionen wieder vertauscht und ich bin wieder bemüht, ihn aufzubauen.
[/quote]

Dann sind es gute gründen ihm zu helfen und du machst es auch gut!

[quote="Falschparker"]
[quote="Pokerface"]
Wenn es ihm gut geht, bin ich das Beste, was ihm hätte passieren können. Ich bin außerdem die schönste Frau, die er je gesehen hat (ist natürlich Quatsch)
[/quote]

Kein Quatsch. Vermutlich hat er Recht.

Meine Frau ist natürlich die Allerschönste.  :wu:

Aber die hat er wohl noch nicht gesehen. Außerdem ist es ja nicht seine.

Von daher nimm es ruhig an.  :ja:

Wenn er das Gegenteil sagt, hat er natürlich unrecht.  :8:
[/quote]

:ja: Du bist einfach die schönste für IHM[quote a[quote="Donovan"]
[quote="Pokerface"]
Ja, es sind schon viele der Symptome vorhanden (genau wie im Hinblick auf Borderline), aber bei den im Buch beschriebenen Fällen ist - wie der Titel schon sagt - immer die Zerstreutheit, und das "den Alltag nicht in den Griff kriegen", das vergesslich sein, etc. so sehr im Vordergrund. Das fehlt bei ihm komplett.[/quote]

Selber habe ich eher Mühe hier "ganz klar" ADHS zu sehen. Aber ich kann daneben liegen und die anderen könnten durchaus recht haben.

Ich möchte trotzdem noch etwas zu Deiner Bemerkung sagen: ADHS kann meiner Meinung nach sogar vorhanden sein, wenn diese Sachen augenscheinlich fehlen. Es kann sein, dass ein ADHS-ler sich - oft mit ENORMEM AUFWAND - kompensiert. Das ist bei mir zum Beispiel der Fall. In meinen guten Momenten habe ich alles relativ gut im Griff. Und vergesse kaum etwas. Dafür brauche ich jedoch Systeme wie Agenda, ToDo Listen und eine eiserne Disziplin die an mich zerrt. Mein Problem äussert sich dann, wenn diese Systeme versagen, weil ich eben nicht gut Prioritäten setzen kann. Es wandert dann zu viel in diese Listen. Statt mir Übersicht zu schaffen, findet das Chaos in den Listen statt und irgendwann bricht das alles zusammen. Es gibt Grenzen an Listen für Listen erstellen. Wenn das passiert, ist reines Chaos für eine Weile angesagt. Danach folgt oft eine Depression, weil ich die Bruchstücke nicht zusammenflicken kann. Dann raffe ich mich wieder auf, lade die Batterien und richte diese Systeme wieder mit Mühe ein und fange von vorne an.

Gesund ist das nicht. Der Stress und der Druck ist erheblich.

Ich hoffe selber, dass MPH mir dabei helfen wird die Sache deutlicher zu sehen, damit ich die Strategien nicht ständig ins Perverse führe.
[/quote]

Ja es gibt wirklich ADSler die ihre leben in griff haben aber mit grosse aufwand. Vielleicht weil sie nicht stark betroffen sind und auch eine gute umfeld haben. Aber so bald die anforderungen steigen geht es nicht mehr...

lg
:vier: So geht es mir beim Rebound oder nach einem langen Stadtbummel
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MrsKleeblatt
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon MrsKleeblatt » 28. Februar 2011 22:12

[quote="Pokerface"]
Also Listen oder so muss er sich keine machen. Es ist eher so, dass er meine Papiere (Posteingang) sortiert und ordentlich in Ordnern ablegt (bei mir hatte sich das immer endlos auf einem oder mehreren Häufchen gesammelt).[/quote]
Ich würde es mal so sagen: Ich war ohne MPH kaum fähig, Papiere zu sortieren,  nicht nur, weil ich das Zeug ständig versehentlich an falschen Stellen abgelegt habe (was man vielleicht bei geringer Ausprägung der Aufmerksamkeitsstörung + strengen Kontrollmechanismen noch vermeiden könnte...), sondern v.a. auch weil ich mir kaum in der Lage war, auszudenken, wie man das Zeug sinnvoll ablegt, in welche Kategorien man es sortiert usw...

Auf gut deutsch: Ich sehe es wie Donovan. Von deiner Beschreibung her habe ich Probleme, bei deinem Mann ADS zu sehen.
Nicht nur wegen der möglicherweise oder wahrscheinlich fehlenden primären Aufmerksamkeitsstörung - sondern auch weil man ADS tatsächlich von Geburt an hat und es höchstens sein kann, dass man es als Kind noch so kaschieren kann, dass niemandem was auffällt. (Wahrscheinlich insbes. dann, wenn man in der Familie eher nicht gerade der einzig Betroffene ist - dann werden die Symptome eher zur "Normalität"...)

Von deiner Beschreibung her scheint dein Mann eher der Typ Perfektionist zu sein - oder jemand der aus andern Gründen (von denen es reichlich gibt) innerlich nicht zur Ruhe kommen kann.

Eine Frage hätte ich noch - deren klare Beantwortung meiner Meinung nach AD(H)S unter Umständen direkt ausschliessen kann:
Gibt es Tätigkeiten, in die er völlig versinkt, total darin aufgeht und dann für nichts anderes mehr ansprechbar und brauchbar ist?

Und dann: Wechseln diese Dinge häufig? Oder auch: Bleiben sie + v.a. das "Problem" des Versinkens und total darin aufgehens über verhältnismässig lange Zeiträume sehr konstant... Kann dann aber auch, z.B. durch Kränkung oder Misserfolg unvorhersehbar unter Umständen wieder ziemlich verschwinden?

Ich hatte nicht jeder Zeit in meinem Leben die Möglichkeit, in so einem Hyperfokus abzutauchen (jedenfalls nicht in einem angenehmen Hyperfokus, wo man die Zeit und alles um sich rum völlig vergisst, um in irgendeiner Tätigkeit angeblich grossartige Leistungen zu vollbringen), aber prinzipiell kennt glaube ich jeder ADSler dieses Abtauchen in Zustände, in denen man kaum noch ansprechbar ist und sich gleichzeitig sehr intensiv, erfolgshungrig und begeistert mit einer für einen selbst recht spannenden Sache beschäftigt...

Insgesamt tippe ich ehrlich gesagt aber bei den Symptomen deines Mannes wesentlich mehr auf Borderline als auf ADHS. Was doch einen erheblichen Unterschied in der Therapie machen würde, denn Borderliner brauchen kein MPH (ausser der arme Borderliner hat auch noch ADS) - aber dafür nahezu zwingend so kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze wie DBT (die ADSlern i.d.R. auch nicht schaden, wenn sie Borderlinern helfen, aber von ADSlern nicht so zwingend krass benötigt werden wie von Borderlinern... ausser natürlich der arme ADSler hat auch noch Borderline)

Ich finde, was du als schlimmste Probleme deines Mannes bezeichnest, das ist typisch Borderline... Das kann auch typisch ADS sein, ist es aber in der Regel nicht in dem Ausmass und Ursache der Stimmungsschwankungen ist bei ADSlern im Grunde (denke ich...) die Aufmerksamkeitsstörung. D.h. die Aufmerksamkeitsstörung wird natürlich bei Gefühlsausbrüchen schlimmer - wie bei allen Menschen. Aber sie wird nicht erst durch die starken Gefühle hervorgerufen - sondern umgekehrt.
Das er permanent unter Druck steht - das ist bei Borderline eigentlich auch der Fall - vielleicht noch schlimmer, als bei AD(H)S -..., dass sind keine ausgeglichenen Menschen...
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon Pokerface » 28. Februar 2011 22:34

[quote="MrsKleeblatt"]
Eine Frage hätte ich noch - deren klare Beantwortung meiner Meinung nach AD(H)S unter Umständen direkt ausschliessen kann:
Gibt es Tätigkeiten, in die er völlig versinkt, total darin aufgeht und dann für nichts anderes mehr ansprechbar und brauchbar ist?

Und dann: Wechseln diese Dinge häufig? Oder auch: Bleiben sie + v.a. das "Problem" des Versinkens und total darin aufgehens über verhältnismässig lange Zeiträume sehr konstant... Kann dann aber auch, z.B. durch Kränkung oder Misserfolg unvorhersehbar unter Umständen wieder ziemlich verschwinden?
[/quote]

Ich muss ihn manchmal schon zwei oder drei Mal ansprechen bis ich eine Antwort bekomme, wenn er z. B. am Computer sitzt (und z. B. online Nachrichten liest oder so). Dann ist er schon in der Sache versunken. Ich weiß nicht, ob es das trifft, was Du meinst. Sonst fällt mir eigentlich nichts derartiges ein/auf.

Die Begeisterung für eine Sache verfliegt meistens so schnell wie sie gekommen ist.


Jetzt nimmt er ja seit fast vier Wochen das Medikament (Dosis wurde wöchentlich erhöht) und er ist noch schlechter drauf (bzw. noch öfter schlecht drauf) als sonst schon. Er würde das Medikament am liebsten wieder absetzen, aber kommenden Montag hat er ja jetzt den nächsten Termin und ich denke, dass er dann die zusätzlichen Medikamente gegen die Depression bekommen soll. Wir hoffen halt, dass die Laune dann etwas besser wird.

Abgesehen davon ist mein Mann jetzt damit einverstanden, dass er noch zu einem Arzt geht, der mit ADHS bei Erwachsenen Erfahrung hat.  :froi1: Ich soll ihm nur sagen zu welchem. Da werde ich die nächsten Tage Mal recherchieren.....

Danke Euch!
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon Donovan » 1. März 2011 00:30

Gute Nachricht!  :ja:

Habe das hier noch gefunden, worin berichtet wird, dass BL Patienten depressiv wurden, nach einer MPH-Infusion:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3688282

Vielleicht passiert etwas ähnliches mit Deinem Mann?

Aufpassen also (Suizid-Gefahr)?
Gruss, Donovan.

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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon MrsKleeblatt » 1. März 2011 09:39

[quote="Pokerface"]
Ich muss ihn manchmal schon zwei oder drei Mal ansprechen bis ich eine Antwort bekomme, wenn er z. B. am Computer sitzt (und z. B. online Nachrichten liest oder so). Dann ist er schon in der Sache versunken. Ich weiß nicht, ob es das trifft, was Du meinst. Sonst fällt mir eigentlich nichts derartiges ein/auf.[/quote]

Eigentlich nicht so ganz - jedenfalls wäre das: mehrmals ansprechen nur ein teil des Aspektes.
Der andere Teil wäre, dass er so an seinen e-Mail-Nachrichten interessiert wäre, dass er auch nach Ansprechen sich einfach auf nichts anderes mehr konzentrieren könnte - weil er so sehr an seinen E-Mail-Nachrichten interessiert ist.
Wenn er nach dem Ansprechen ständig nur noch von seinen e-Mail-Nachrichten spricht - und falls er dann was anderes machen soll - zwar was anderes macht, aber gedanklich bei seinen e-Mail-Nachrichten ist und sich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit unter absoluter Garantie wieder an den Rechner setzt...
Wobei ich sagen muss: Borderliner sind auch sehr emotional - und wenn sie von einer Sache begeistert sind, dann wollen sie diese - unbedingt und werden auch oft bei der nächsten Gelegenheit wieder diese Sache machen - und eher nicht unbedingt das, was abgesprochen war.

[quote="Donovan"]
Aufpassen also (Suizid-Gefahr)?[/quote]
Hätte ich auch ein bisschen Bedenken, falls er Borderline hat. Die neigen doch bei schlechten Gefühlen sehr zu so überschiessenden Reaktionen, die sie garantiert ein paar Tage später schon bereuen und "nie wieder machen" wollen...

Also mein Tipp: Lieber noch mal einen anderen Arzt aufsuchen. Und hoffentlich einen guten...
Und vielleicht gar nicht nur einen, der sich mit ADHS bei Erwachsenen auskennt, sondern der es daneben auch wichtig findet, den Unterschied zwischen Borderline, Depression und ADHS zu erkennen oder zu erkennen, ob der Patient beides hat.
Denn ich finde es für eine hilfreiche Behandlung schon wichtig, die Sachen korrekt zu trennen.
Zuletzt geändert von MrsKleeblatt am 1. März 2011 09:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon Pokerface » 1. März 2011 10:31

[quote="Donovan"]
Vielleicht passiert etwas ähnliches mit Deinem Mann?
[/quote]

Ja, das kann gut sein....

[quote="Donovan"]
Aufpassen also (Suizid-Gefahr)?
[/quote]

Ich versuche, mich die Tage wie auf rohen Eiern zu bewegen... (falls ich das nicht ohnehin immer mache).

[quote="MrsKleeblatt"]
Eigentlich nicht so ganz - jedenfalls wäre das: mehrmals ansprechen nur ein teil des Aspektes.
Der andere Teil wäre, dass er so an seinen e-Mail-Nachrichten interessiert wäre, dass er auch nach Ansprechen sich einfach auf nichts anderes mehr konzentrieren könnte - weil er so sehr an seinen E-Mail-Nachrichten interessiert ist.
Wenn er nach dem Ansprechen ständig nur noch von seinen e-Mail-Nachrichten spricht - und falls er dann was anderes machen soll - zwar was anderes macht, aber gedanklich bei seinen e-Mail-Nachrichten ist und sich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit unter absoluter Garantie wieder an den Rechner setzt...
Wobei ich sagen muss: Borderliner sind auch sehr emotional - und wenn sie von einer Sache begeistert sind, dann wollen sie diese - unbedingt und werden auch oft bei der nächsten Gelegenheit wieder diese Sache machen - und eher nicht unbedingt das, was abgesprochen war.
[/quote]

Das hab ich mir schon gedacht. Das was Du beschreibst, kenn ich eigentlich nicht von ihm.

[quote="MrsKleeblatt"]
Hätte ich auch ein bisschen Bedenken, falls er Borderline hat. Die neigen doch bei schlechten Gefühlen sehr zu so überschiessenden Reaktionen, die sie garantiert ein paar Tage später schon bereuen und "nie wieder machen" wollen...
[/quote]

Das hingegen kann ich absolut unterschreiben - bisher waren es jedoch lediglich verbale Reaktionen und so Sachen wie Türen schlagen...

[quote="MrsKleeblatt"]
Also mein Tipp: Lieber noch mal einen anderen Arzt aufsuchen. Und hoffentlich einen guten...
Und vielleicht gar nicht nur einen, der sich mit ADHS bei Erwachsenen auskennt, sondern der es daneben auch wichtig findet, den Unterschied zwischen Borderline, Depression und ADHS zu erkennen oder zu erkennen, ob der Patient beides hat.
Denn ich finde es für eine hilfreiche Behandlung schon wichtig, die Sachen korrekt zu trennen.
[/quote]

Ja, das machen wir. Ich rufe heute bei einer Selbsthilfegruppe in der Nähe an, die können mir vielleicht etwas über die in Frage kommenden Ärzte sagen und wer für "unseren Fall" am besten wäre.
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon Fido » 17. April 2011 21:07

Nicht jeder, der Angst hat verlassen zu werden ist Borderliner .
Nicht jeder der die "Trennung vorwegnimmt" ist Borderliner.

Manchmal reichen schlechte Erfahrungen aus, die einen veranlassen es "vorweg zu nehmen".
Da hilft es, diese Aussagen zu unterbinden.

Oft ist es so, das durch die Äusserungen, der andere erst anfängt zu erklären warum weshalb und wieso nicht - das führt dazu, das der Betroffene bei der nächsten unsicherheit wieder seine bestätigung braucht (und da er nicht sagen kann "ich habe angst das du mich verlässt" sagt er "geh").
Wenn da der hahn abgedreht wird, wird es erstmal für den Betreffenden ungemütlich.
Denn die bestätigung fehl und er MUSS lernen, auf die wenigen GEspräche sich "zu verlassen" und wird, hoffentlich, irgendwann begreifen, das so schnell der partner nicht weg ist.

Ich bin kein Borderliner, war nie einer.
Aber dieses VErhalten "geh" beziehungsweise "du wirst doch eh gehen" habe ich früher auch gezeigt.
Schlicht, weil mir immer für alles die Schuld in die Schuhe geschoben wurde und mir immer gesagt wurde ich sei dies und jenes und sowieso.

Natürlich verspür ich manchmal die Angst das mein Partner mich verlässt. Aber sie frisst mich nicht auf. Und ich weis, selbst wenn, es wäre einfach dann eben "an der Zeit".
Er hat vieeeeeeeeeeel mit mir durchmachen müssen und macht es immer noch durch.
Und das hat mir auch geholfen zu verstehen, das ich nicht so der mörder sein kann, sonst wäre er nicht hier.
Und n bissle leidensbereitschaft brauch jede Partei.
Denn nicht nur die , die sich "anders" verhalten sind manchmal streßig, schwierig , sondern die "anderen - nicht anderen" auch ;)
Wobei ich letztere eher unerträglich finde, aber das steht auf einen anderen Blatt ^^

AHDS und ne zermatschte Persönlichkeit (nicht im KrankhaftenSinne gemeint sondern im unsicheren) ist ja nu nicht so selten.
Und wie viele angebliche Borderliner stellen sich später als ADHSler raus?

und tröpfelt man n paar Schuss asperger mit rein, wirds noch lustiger. Denn dann ist das "sich ausdrücken" eh oft n drama und wird dann rein über gefühlsausbrüche geleitet, welche eben nichts anderes sagen als " ich habe angst".
Erst wenn man mich am Galgen hochgezogen, weiss ich , wieviel mein Arsch gewogen.
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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon Donovan » 17. April 2011 22:18

Das Problem: Wenn jemand alle Symptome zeigt die als BL gelten, dann ist de BL Diagnose gegeben.

Natürlich kann sich aus ADHS eine BL entwickeln.

Oder aus Gemobbt-werden.

Oder aus Hypersensibilität.

Oder aus einer Scheiß-Erfahrung.

Aber die Sammlung dieser Symptome heisst immer noch BL.

Ich denke wenn der Verlust des Wertes des "ICH"s gefühlt wird, ist BL nicht weit weg.
Gruss, Donovan.

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Re: Arbeitshypothese statt Diagnose/ADHS-Symptome erst im Erwachsenenalter?

Beitragvon Fido » 17. April 2011 22:25

bei der Ansammlung von vielen Symtomen ja.
Aber ich bekomm immer die Krise wenn es heisst "selbstverletzend? Borderline!!!!" - kurzfassung

solltest du mit "borderline nicht weit weg" auf meinen beitrag dich beziehen, lägst du nicht weiter weg als möglich.
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