Was soll ich tun?

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Keks90

Was soll ich tun?

Beitragvon Keks90 » 16. Januar 2011 18:30

Hallo erstmal!

ich habe ein kleines Problem mit einem an ADHS erkrankten Kollegen in der Arbeit. Wir arbeiten seit September zusammen und 3 Monate lang wusste ich gar nichts von seiner Krankheit, bis ich ihn darauf angesprochen haben ob etwas mit ihm nicht stimmt. Er versteht Sachen, die man ihm erklärt nicht leicht und hat auch enorme Schwierigkeiten im Umgangsverhalten mit anderen Menschen, also was gesellschaftlich/sittlich ,,normal" ist und was nicht. Er wird auch schnell wütend wenn er merkt, dass er gerade falsch gehandelt hat und man ihn darauf hinweist.

Damit könnte ich ja noch umgehen, da ich nun weiß, dass er an ADHS leidet und ich nur ein Jahr mit ihm zusammenarbeiten muss. Allerdings wissen die anderen Arbeitskollegen nichts von seiner Krankheit und auch der Chef hat keine Ahnung. Deshalb kamen die anderen schon oft mit den Fragen zu mir: ,,Weißt du irgendwas was mit ihm los ist?" Ich habe ihn aber gefragt, ob er es nicht den anderen auch sagen möchte, aber das will er nicht, da er  es nicht für notwendig erachtet. Er denkt er verhielte sich völlig normal und ich konnte ihm in dem Moment auch nicht aus heiterem Himmel offenbaren, dass seine komplette Selbsteinschätzung falsch ist. Ich habe mich dann weiter erkundigt und herausgefunden, dass er Medikamente (Ritalin) nimmt, allerdings wurde die Dosierung schon seit längerem nicht mehr überprüft, ob sie noch angemessen ist, da er sich nicht laufend in Rücksprache mit einem Arzt befindet. Ich habe auch eine chronische Erkrankung und muss ständig Medikamente nehmen, sodass ich aus eigener Erfahrung weiß, dass die Rücksprache mit dem Arzt sehr wichtig ist. Besonders als er mir offenbarte, dass er die Medikamente absetzen will, hab ich ihm erstmal davon abgeraten und er sollte sich doch erstmal an den Arzt oder Psychologen (bei dem war er auch schon länger nicht mehr) wenden.

Mein Problem ist, dass ich die einzige bin, die von seiner Krankheit weiß und auch mitbekomme, wie die anderen über ihn reden. Manche haben schon gesagt, dass er aussieht als wäre er auf Drogen (was mir auch stark aufgefallen ist). Da er es aber nicht möchte, dass es die anderen wissen, habe ich seine Entscheidung respektiert und nichts gesagt. Ich weiß aber dass es besser wäre, wenn die anderen es wüssten, da sie ihm dann mehr Verständnis entgegen bringen könnten. Im Moment sieht man ihn als jemanden, der oft ,,verpeilt" ist, sich seeehr viel Zeit für die Arbeit lässt und nicht in die Gänge kommt.
Ich habe auch ziemliche Probleme mit seiner Art umzugehen, besonders weil ich eben nicht weiß was an der Krankheit liegt und was an seinem Charakter. So kann es schon mal kommen, dass wir uns anschnauzen und ich halb am durchdrehen bin, weil er oft total unlogisch ist und man ihm das aber auch nicht begreiflich machen kann.

Außerdem würde ich ihm selbst gerne helfen, da er später im Leben (er ist erst 20) Probleme haben wird, wenn er die normalen ,,Umgangsformeln" nicht weiß und eben auch seine Medikation so chaotisch verläuft, was mir Sorgen bereitet. Viele von meinen Freunden haben mir schon geraten, ich solle die Finger davon lassen und das Jahr einfach rumbringen. Aber er weiß ja nicht, dass bei ihm deutlich was aus dem Ruder läuft und dann müssten die anderen ihm ja helfen. Über seine Familie und Freunde weiß ich nichts, aber so wie es aussieht bemühen sie sich wenig um ihn.
Ich weiß nicht, ob man mein Problem so gut verstanden hat. Meine Fragen wären: Soll ich es meinem Chef erzählen ohne seine Zustimmung? Wie kann ich besser mit ihm umgehen ohne mich selbst verrückt zu machen? (ich bin auch erst 20 und sehr unerfahren im Umgang mit ADHSlern und auch jemand, der sich nicht alles gefallen lässt und seine Meinung sagt).

Vielen Dank für eure Hilfe!
Viele Grüße, Keks
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Donovan
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Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Donovan » 16. Januar 2011 18:42

Wow. Zuerst mal finde ich das vorbildlich, wie Du reagierst und sogar Dich in einem Forum begibst um Hilfe zu holen!

Ich würde auf KEINEN FALL die Diagnose dem Chef oder andere Angestellten zuspielen.

Wenn es Dich wirklich interessiert, setzt Du Dich denke ich am Besten mal nach der Arbeit in einer Kneipe mit ihm zusammen und fragst Du den ganzen Abend nur. Nichts sagen, sondern nur fragen. Du kannst ihm schon etwas von Dir mitteilen, aber ich würde immer mit einer Frage abschliessen. zB: "Manchmal machst Du Sachen, die kommen mir total unlogisch vor, wie zB letztlich ...., ich weiss nicht wie ich dann reagieren soll. Soll ich Dir das sagen?".

Dann wirst Du eine Menge lernen.

Noch was: Viele ADHS-ler sind ziemlich "allergisch" wenn es um Kritik geht. Stelle Kritik niemals als einzige Wahrheit dar "das ist" / "Du bist" / "niemals" / "immer", sondern immer als Deine Meinung "ich finde" / "ich meine" / "ich glaube" / "nicht oft" / "oft".
Gruss, Donovan.

Ironie & rhetorische Fragen verstehe ich oft buchstäblich. Bitte um Verständnis, Verzeihung und falls möglich Vermeidung.

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Farah
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Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Farah » 16. Januar 2011 20:36

Hallo Keks90,

herzlich willkommen hier im Forum!  :willkommen:

Was Du tun kannst - Dich informieren - und damit hast Du ja schon begonnen  :smt023: .
Wir hatten vor kurzem ein ähnliches Thema, schau mal hier: http://www.adhs-anderswelt.de/http://lo ... ic.php?t=8 - vielleicht sind da auch für Dich Tipps dabei.

Auf keinen Fall solltest Du dem Arbeitgeber davon erzählen! Das muss der Kollege schon selbst tun.

Viele Grüße
Farah
:biene: 2
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Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Falschparker » 16. Januar 2011 20:57

Hallo Keks,

dass dein Kollege dir (und niemand sonst) das erzählt hat, zeigt, dass er sehr viel Vertrauen zu dir hat. Die Konsequenzen, die daraus entstehen, dass sich das herumspricht, können sehr negativ sein, also bitte geh damit verantwortungsvoll um.

Das
[quote="Keks90"]Er versteht Sachen, die man ihm erklärt nicht leicht und hat auch enorme Schwierigkeiten im Umgangsverhalten mit anderen Menschen
(...)
Er wird auch schnell wütend wenn er merkt, dass er gerade falsch gehandelt hat und man ihn darauf hinweist.
[/quote]
ist sehr typisch für ADHS-ler.

Du hast schon recht: Er sollte die Medis nicht absetzen, sondern die Dosierung anpassen lassen, sonst wird alles schlimmer. Und er sollte sich auch selbst mehr mit seinem Krankheitsbild beschäftigen, um sich kennenzulernen. Falls seine Selbstwahrnehmung tatsächlich so schlecht ist (vielleicht erscheint es aber auch nur so).

Mir ging es genau so- ich hielt mich für normal. Aber vor meiner Diagnose und Medikation. Seitdem nehme ich meine Defizite stärker wahr.

In der Beschäftigung mit dem Krankheitsbild wirst du lernen, dass er die o. g. Dinge nicht macht, um dich zu ärgern oder weil er sich gehen lässt, sondern weil er nicht (oder kaum) anders kann. Du kannst ihm helfen, indem du nicht an ihm herumkritisierst, sondern ihm hilfst, wo seine Schwächen liegen. D. h. an vergessene Dinge erinnern, ihn ermutigen usw.

[quote="Keks90"]
Außerdem würde ich ihm selbst gerne helfen, da er später im Leben (er ist erst 20) Probleme haben wird, wenn er die normalen ,,Umgangsformeln" nicht weiß
[/quote]

ADHS-ler reifen verzögert. Wenn ich an mich selbst mit 20 denke...  :eusa_doh:

Viele Grüße  :winken:
Falschparker
Zuletzt geändert von Falschparker am 16. Januar 2011 21:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Sandiris
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Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Sandiris » 16. Januar 2011 21:45

[quote=&quot;Falschparker&quot;]
.............
Das
[quote=&quot;Keks90&quot;]Er versteht Sachen, die man ihm erklärt nicht leicht und hat auch enorme Schwierigkeiten im Umgangsverhalten mit anderen Menschen
(...)
Er wird auch schnell wütend wenn er merkt, dass er gerade falsch gehandelt hat und man ihn darauf hinweist.
[/quote]
ist sehr typisch für ADHS-ler.

...
[/quote]

Sorry, aber da muss ich widersprechen, nimm´s mir bitte nicht übel.

Eine schlechte Auffassungsgabe ist nicht "typisch AD(H)S"! Viele ADHSler sind Akademiker, besuchen Haupt-, Realschulen und Gymnasien und sind in Schule, Beruf, Hobby usw. erfolgreich.

Im Umgangsverhalten haben längst nicht alle AD(H)Sler Schwierigkeiten! Sowohl meine Kinder als auch ich, aber auch zahlreiche weitere ADHSler haben sehr gute Umgangsformen! Das hat mit AD(H)S grundsätzlich erst einmal gar nichts zu tun!!

AD(H)Sler sind auch nicht "bekannt" dafür, dass sie wütend werden, wenn ihnen Fehler unterlaufen.

Sorry, aber hier entseht gerade ein nach meinem Verständnis völlig falsches Bild der AD(H)S-Symptomatik. Das kann ich so nicht stehen lassen!
ADHS-Deutschland e.V. Mitglied

Ich mache Flüchtsigkeitfehler und verdehre Buchtsaben.
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Donovan
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Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Donovan » 16. Januar 2011 22:11

Wobei es schon möglich wäre, dass die genannten Sachen in manchen Situationen mit ADHS Verbindung haben, oder?

Ich meine: Es ist nicht typisch, also nicht in den meisten Fällen so, aber es könnte in manchen Fällen schon eine Ursache-Wirkung-Verbindung bestehen oder?

"Das hat mit AD(H)S grundsätzlich erst einmal gar nichts zu tun"


...weckt bei mir den Eindruck, dass es niemals mit ADHS zusammenhängen kann? Aber so war das nicht gemeint, oder?
Gruss, Donovan.

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Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Eugenie » 16. Januar 2011 22:17

Boah Donovan, jetzt juckt es mich aber auch....
Nicht alles was passiert hängt mit Ad(h)s zusammen oder steht im kausalen Zusammenhang dazu. Das wäre in meinen Augen nur eine tolle Entschuldigung für alles was falsch läuft. Irgendwie fängt es langsam an lästig zu werden.

Mein Sohn hat keine Schwierigkeiten im Umgang mit anderen. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass hier Ads nicht als allgemeingültige Entschuldigung gilt.  :108:
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Donovan
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Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Donovan » 17. Januar 2011 09:12

Hallo Keks90,

ich richte mich mal zu Dir, weil die anderen scheinen es im Moment nötig zu finden eine Art Jihad gegen mich zu führen, womit das Zitat von Falschparker vielleicht eher Unterstützung findet als entkraftet wird...

Wie bereits gesagt wurde, KANN es so sein, dass die Symptome die Du siehst mit ADHS zusammenhängen, vor allem auch, weil Du weisst, dass er diese Diagnose hat. Es muss aber nicht. Es ist sicher nicht typisch für ADHS, in dem Sinne, dass die meisten dieses Verhalten zeigen. ADHS geht oft einher mit verschiedenen Begleitstörungen als Folge der ADHS Störung. Und das Verhalten kann ach dort seinen Ursprung haben.

Aggressive Reaktionen können oft den Ursprung haben in einem verminderten Selbstwertgefühl, dass ein erwachsener ADHS-ler entwickeln kann, weil er ständig Kritik ausgesetzt wird.

Falls Du mehr lesen willst, gibt es 2 kurze Büchlein, die Dir mehr Informationen vermitteln können:

  • Zwanghaft zersteut.
  • Lass mich, doch verlass mich nicht.

Die kannst Du in ein Paar Abende durchlesen und wirst viel verstehen wie ADHS das Verhalten beeinflusst und auch wie das Verhalten eventuell mit ADHS zusammenhängt oder nicht.

Hier noch ein Zitat aus dem letzten Buch: "Das Paar scheint unfähig zur reifen, erwachsenen Kommunikation, fast scheint es, als ob der eine Suaheli und der andere Japanisch spräche.".

Ich sehe vielleicht noch eine Möglichkeit zur guten Zusammenarbeit: Könntest Du sein Vertrauen gewinnen, könntest Du vielleicht vorschlagen, eine Art Coach-Rolle zu übernehmen. Vielleicht sogar heimlich vor den Anderen. Manche ADHS-ler sind plötzlich zu ganz guten Ergebnissen fähig, wenn jemand ihnen hilft beim Setzten der Prioritäten.

Sein Vertrauen kannst Du vielleicht gewinnen, in dem Du Dich für ihn interessierst und ihn öfters subtil Komplimente gibst für Sachen die für Dich vielleicht einfach wären. Auch wenn Du ihn schützt vor seinen Kollegen.
Gruss, Donovan.

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Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Soul » 17. Januar 2011 09:38

[quote=&quot;Eugenie&quot;]
Aber vielleicht liegt es auch daran, dass hier Ads nicht als allgemeingültige Entschuldigung gilt.  :108:
[/quote]

Schön gesagt, das wollte ich nochmal unterstreichen.
Probleme im Sozialverhalten haben viele Menschen, oft sogar gerade diejenigen, die bester psychischer Gesundheit erfreuen ;)
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Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Elvira » 17. Januar 2011 13:08

Hallo Keks

erst mal "Hut" ab.

Ich selber habe eine ADHS und hatte in meiner jetztigen Stelle 2 mal eine direkte Kollegin mit einer AD(H)S. In beiden Fällen habe ich meine Kollegin auf meinen Verdacht angesprochen, bei beiden Fällen hat sich meine Vermutung bestätigt.

Es kann Hartcore sein mit einem AD(H)Sler zusammen zu arbeiten. Nach dem ich selber diese Erfahrung machen durfte, danke ich allen meinen Kollegen und Kolleginnen für ihre Geduld und Rücksichtnahme.

Jetzt zu deinem Kollegen liebe(r) Keks. Unhöflichkeit geht gar nicht - egal ob AD(H)S oder nicht. Er hat sich zu benehmen und wenn er es nicht tut, dann hat er die Konsequenzen für sein Verhalten zu tragen.

Wenn die anderen Kollegen über ihn sprechen, dann gib ihnen den Rat den Betroffenen selber anzusprechen, über jemanden sprechen ist einfach nur billig und blöde.


Noch mal zu meinen beiden AD(H)S Kolleginnen. Die eine hat ihre Diagnose ernst genommen und sich angemessene Hilfe gesucht. Inzwischen hat sie eine Stelle, die ihr mehr Spaß macht.

Die andere Kollegin fand es zwar interessant eine AD(H)S zu haben, aber das war es dann auch. Ich habe meinen Chef gebeten sie zu kündigen, was er auch getan hat. Ihre extrem verpeilte Art war nicht mehr tragbar.

Alles Liebe Elvira
Zuletzt geändert von Elvira am 17. Januar 2011 13:10, insgesamt 1-mal geändert.
Keks90

Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Keks90 » 18. Januar 2011 15:43

Vielen Dank für eure Antworten!  :-)

Viele Hinweise sind sehr hilfreich und ich werde mal versuchen ein paar davon umzusetzen und hoffe besser mit ihm klar zu kommen.

:butterfly:
Falschparker
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Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Falschparker » 18. Januar 2011 21:34

[quote=&quot;Sandiris&quot;]
Eine schlechte Auffassungsgabe ist nicht "typisch AD(H)S"! Viele ADHSler sind Akademiker, besuchen Haupt-, Realschulen und Gymnasien und sind in Schule, Beruf, Hobby usw. erfolgreich.
[/quote]

Hallo Sandiris,

nein, du hast recht, es gibt auch viele Menschen ohne ADHS und mit schlechter Auffassungsgabe.

Ich gehe vielleicht zu sehr von mir aus.  :icon_redface:

Abitur und Studium habe ich allerdings auch. Und trotzdem in gewisser Weise eine schlechte Auffassungsgabe. ADHS-ler sind nicht dümmer oder ungebildeter als Andere, aber sie denken manchmal sozusagen um eine Ecke zu viel, weswegen sie manchmal Schwierigkeiten haben, etwas umzusetzen, was man ihnen erklärt. 

Ich hatte z. B. im Sportunterricht immer große Schwierigkeiten damit, eine Leichtathletikübung nachzumachen, die einmal vorgemacht wurde. Hätte es vorher eine Erklärung mit Einsatz der Tafel oder eines Tageslichtprojektors gegeben, mit einzelnen Zeichnungen des Bewegungsablaufes, wäre es mir leichter gefallen.

Okay, selbst das ist nicht unbedingt typisch ADHS. Bei mir trifft es aber zusammen mit schlechter Körperkoordination, und das soll nicht selten sein.

[quote=&quot;Sandiris&quot;]
Im Umgangsverhalten haben längst nicht alle AD(H)Sler Schwierigkeiten! Sowohl meine Kinder als auch ich, aber auch zahlreiche weitere ADHSler haben sehr gute Umgangsformen! Das hat mit AD(H)S grundsätzlich erst einmal gar nichts zu tun!!

AD(H)Sler sind auch nicht "bekannt" dafür, dass sie wütend werden, wenn ihnen Fehler unterlaufen.
[/quote]

Höflichkeit meinte ich nicht. Aber eine schlechte Frustrationstoleranz und einen Drang, eigene Fehler in geradezu absurder Weise wegzudiskutieren (wozu dieser Beitrag hoffentlich nicht gehört  :breitgrinse1:), kenne ich von mir und anderen ADHS-lern gut.

[quote=&quot;Sandiris&quot;]nimm´s mir bitte nicht übel.
[/quote]

Nein, kein Problem. Ist ja gut, wenn du schiefe Aussagen richtig stellst.  :ja:

Aber neulich (beim Thema "Fünf-Tages-Gruppe"), das tat schon etwas weh. Weil ich das Gefühl hatte, du simplifizierst bewusst meine Aussagen ("Für dich hat das Kind ADHS und braucht mph"/"und du empfiehlst mph und Zuhause bleiben").

Aber die allermeisten deiner Beiträge lese ich sehr gerne, wirklich!  :ja: :wu:

Viele Grüße  :winken:
Falschparker
Zuletzt geändert von Falschparker am 18. Januar 2011 21:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was soll ich tun?

Beitragvon Sandiris » 19. Januar 2011 09:07

[quote=&quot;Falschparker&quot;]
..........ADHS-ler sind nicht dümmer oder ungebildeter als Andere, aber sie denken manchmal sozusagen um eine Ecke zu viel, weswegen sie manchmal Schwierigkeiten haben, etwas umzusetzen, was man ihnen erklärt. 
..........
[/quote]

Ich glaube, dass eine mögliche Schwierigkeit, Anweisungen umzusetzen, eher an der "Unaufmerksamkeit" liegt. Jemand erklärt etwas "Das ist so ... und so .... dann tust du dies .... und das ....!" und irgendwie hört man die Details, aber erkennt nicht unbedingt das Ganze. Vielleicht auch, weil man von 5 Schritten den 3. Schritt verpasst hat.

Ich denke da gerade an Filme. Ich kann Filme ohne Medis nicht schauen, weil ich immer wieder "wegdrifte" und plötzlich den Zusammenhang des Filmes nicht mehr verstehe. Dann wird der Film doof und ich höre erst recht nicht mehr zu.  :eusa_doh:

Ansonsten: Alles gut!  :wu:
ADHS-Deutschland e.V. Mitglied

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