"Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

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nixe
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"Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon nixe » 14. Mai 2009 16:11

Hallo an Alle und ganz besonders an (Ex-)Partner/innen von Menschen mit ADS,

mir liegt da etwas schon länger auf der Tastatur, das ich unbedingt loswerden muss. Es scheint immer häufiger vorzukommen, dass sich Ex-Partner/innen von Menschen mit ADS "hilfesuchend" ans Forum wenden - und zwar auf der Suche nach einer "Gebrauchsanleitung" für ADSler.

Eine solche "Gebrauchsanleitung" gibt es nicht und wird es nicht geben. Stattdessen einmal Folgendes:

1) Menschen mit ADS sind Menschen mit ADS - und nicht "ADS mit einem Menschen dran". "ADSler" wird hier im Forum nur als verkürzender Begriff benutzt.

2) Menschen mit ADS sind nicht alle gleich. Man kann sie nicht auf eine Handvoll "merkwürdiger Eigenschaften" reduzieren.

3) Selbst die gemeinsamen, häufigen oder typischen Verhaltensweisen oder Wesensarten sind nicht so etwas wie ein unerwünschtes "Plug-in", das man sich einfach nur wegdenken müßte, um einen "ganz normalen" Menschen vor sich zu haben.

4) Die Entscheidung, sich behandeln zu lassen (oder eben auch nicht), liegt alleine beim betroffenen Menschen selbst. Man kann unterstützen, Rat und Tat ANBIETEN, hat aber KEIN Recht darauf, dass dieses Angebot in dieser oder einer ähnlichen Form angenommen wird.

5) Es gibt kein Gefälle innerhalb einer Partnerschaft, nur, weil einer eine Diagnose hat und der andere nicht. Nur, weil für einen keine Diagnose vorliegt, heisst das noch lange nicht, dass er / sie dadurch zur Bevormundung desjenigen MIT Diagnose berechtigt wäre.

6) Der angemessene Umgang mit einem "ADSler" ist der, wie er jedem Menschen gegenüber sein sollte: respektvoll, akzeptierend, nicht wertend.

7) Was im Alltag mit einem "ADSler" ebenso hilft wie bei jedem anderen: viel Kommunikation. Keine überzogenen Erwartungen, keine Abwertung. Den Blick auf das Positive richten. Miteinander reden, reden, reden.

8) Nicht alle Schwierigkeiten innerhalb einer Beziehung oder generell im Umgang mit einem "ADSler" liegen an ADS. Beziehungen sind niemals Einbahnstraßen und Probleme kommen nicht nur von einer Seite.

9) Auch ein Mensch mit ADS kann Nein *meinen*, wenn er / sie Nein *sagt*.

Insbesondere eine Trennung liegt nicht "nur am ADS des/r Ex". Die Vorstellung, ein/e Expartner/in müsse nur ihr ADS behandeln lassen und schon würde man die beendete (!) Beziehung in perfekter Form gemeinsam weiterführen, ist nicht nur eine Illusion, sondern auch ein übergriffiger Versuch der Entmündigung.

10) Nicht jede/r Mensch, der aufbrausend scheint, oder nervös, zerstreut, sprunghaft etc. hat ADS. Auch, wenn es bei Liebeskummer als willkommene Erklärung erscheinen mag, dem / der Ex oder dem / der Parter/in ADS "anzuhängen" - bitte Abstand nehmen von hausgemachten Laiendiagnosen.

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nosina
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon nosina » 15. Mai 2009 00:16

Finde ich super!  :smt023:



Ich hatte da auch mal was gefunden für Partner von ADSlern (wahrscheinlich steht das sogar hier irgendwo im Forum - aber es passt auch hier zum Thema).


"Anleitung" für ein Leben mit ADHS-lern
(von Dr. Astrid Neuy-Bartmann)

- Zuerst braucht man Humor und Gelassenheit, sonst ist das Leben ganz und gar unerträglich.

- Es ist wichtig, die eigenen Ziele ganz klar abzustecken, sonst hat man gegenüber der Heftigkeit eines ADHS-lers gar keine Chance.

- Man muss die eigenen Ziele und Interessen mit einer freundlichen Beharrlichkeit verfolgen, nach dem Motto: nett und freundlich, aber klar und bestimmt.

- Man benötigt eine gehörige Portion Geduld und Langmut und muss jeder Versuchung widerstehen, sich aus der Fassung bringen zu lassen. Falls die Gefühlsreaktionen eines ADHS-lers allzu heftig werden, ist es gut, eine Auszeit zu nehmen. Auf keinem Fall sollte man sich in Diskussionen und Streitduelle einlassen, wenn die Emotionen schon hochgefahren sind.

- Diskussionen sind nur fruchtbar, wenn man sie in Ruhe und zum richtigen Zeitpunkt führt. Ist die Situation schon gefühlsgeladen, hört der ADHS-ler sowieso nicht zu und kämpft wie ein Löwe um sein Recht.

- Man sollte sich nie schlecht behandeln lassen. Sollte der ADHS-ler entgleisen, immer eine Auszeit nehmen statt darüber zu diskutieren.

- Man sollte gemeinsame Gesprächstermine in angenehmer Umgebung festlegen, wo über die Beziehung und die Probleme, Wünsche und Bedürfnisse etc. gesprochen werden kann. Es ist auch wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass ADHS »eine andere Art zu sein« bedeutet und dass der Rest der Menschheit (95% !) anders fühlt, denkt und anders getaktet ist.

- Es ist sehr sinnvoll, gemeinsam in einer entspannten Situation Beziehungsregeln aufzustellen. Am besten macht man dies schriftlich und beide bestätigen per Unterschrift die gemeinsame Vereinbarung. Es ist hilfreich, diese Regeln gut sichtbar aufzuhängen. Das Gleiche gilt für Pflichten und Aufgaben, die jeder in der Beziehung übernimmt.

- Weisen Sie den ADHS-ler darauf hin, wenn er in Stress kommt, dass es in diesen Situationen sehr oft zu unkontrollierten Gefühlsausbrüchen und unangemessenen Reaktionen kommt. Weisen Sie ihn darauf hin, dass er Zeitdruck, »alles auf den letzten Drücker«, Hunger, Schlafmangel etc. möglichst vermeiden sollte.

- Übernehmen Sie nicht alle Aufgaben Ihres Partners, auch wenn Sie vieles besser und schneller können.

- Versuchen Sie ADHS zu verstehen, aber lassen Sie ADHS nicht als Dauerausrede gelten.

- Finden Sie nette Formulierungen für das ADHS-Dasein Ihres Partners und bleiben Sie hartnäckig, aber freundlich dabei, dass Ihr Partner an sich arbeiten und seinen gerechten Beitrag für die Beziehung leisten muss. Fordern Sie immer wieder eine gerechte Arbeits-, Zeit- und Geldeinteilung ein.

- Finden Sie freundliche und humorvolle Formulierungen für die ADHS-Problematik wie »Du, dein ADHS-Chaos zeichnet sich wieder ab« oder »heute bist du wieder ein ADHS-Hitzeblitz oder Rumpelstilzchen«.

- Versuchen Sie Ihrem Partner möglichst wenig Vorwürfe zu machen und ihn nicht anzuklagen. Genau das kennt er sein ganzes Leben lang, und er reagiert darauf reflexartig mit Trotz, Beleidigsein und heftiger Gegenwehr. Versuchen Sie Formulierungen wie »schade, dass du vergessen hast ...«.

- »Schade» ist ein Zauberwort, weil es Bedauern und Enttäuschung ausdrückt, ohne den anderen anzugreifen.

- Vergessen Sie nicht den ADHS-ler zu loben, wenn er etwas gut macht. Genau das kennt er nämlich nicht, und er ist auf Lob sehr angewiesen.

- Drängen Sie einen ADHS-ler nie in die Ecke, weil er sonst rabiat zuschlägt. Lassen Sie ihm immer die Wahl: »Wenn du deine Jobs erledigt hast, können wir noch zusammen in die Stadt gehen, sonst gehe ich alleine ...«

- Vermeiden Sie Formulierungen wie: »Du musst und du sollst ...«

- Verzichten Sie nicht auf Ihre eigenen Bedürfnisse und fordern Sie diese immer wieder ein. Falls er nicht darauf eingeht, machen Sie es trotzdem und warten Sie nicht auf seine Erlaubnis, wenn es um Ihr eigenes Wohlbefinden geht.

- Bleiben Sie bei Ihrer Sicht der Lage. Wenn man ADHS-lern zu lange zuhört, können diese so lange auf andere einreden, bis schwarz eben doch weiß ist. Beenden Sie frühzeitig unfruchtbare Diskussionen mit dem Satz: »Du siehst das so und ich sehe es anders, und wir lassen das einfach mal so stehen«.

- Tun Sie genug für sich selbst, um Kraft zu tanken für das anstrengende Leben mit einem ADHS-ler.

- Sehen Sie ADHS als Herausforderung, denn Sie können auch ganz viel daran lernen.
Der ADHS-ler fordert Selbstsicherheit, Abgrenzungsfähigkeit, Klarheit und Durchsetzungsfähigkeit ein. Lernt man dies nicht, läuft man Gefahr, in dieser Beziehung Schaden zu erleiden. Das sind aber Eigenschaften, die man auch ansonsten im Leben sehr gut gebrauchen kann. Vergessen Sie nicht, dass der ADHS-ler auch sehr gute Eigenschaften hat: So wird Ihnen nie langweilig, Sie werden nie wirkliche Sicherheit, Ruhe und Entspannung haben. Sie sind immer gefordert und profitieren ebenfalls von seiner Kreativität und seinen vielen Ideen.

Denken Sie noch einmal daran: Das Wichtigste ist Humor und Gelassenheit!!!



(Quelle: http://www.adhs-deutschland.de/content. ... site_ID=63)
Zuletzt geändert von nosina am 15. Mai 2009 00:20, insgesamt 1-mal geändert.
LG nosina :nasentier:

[color=blue]Solange du dem anderen sein Anderssein nicht verzeihen kannst, bist du weitab vom Wege der Weisheit.
(Chin. Sprichwort)
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Sandiris
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon Sandiris » 15. Mai 2009 08:52

Nixe,

:smt023: :smt023: :smt023: Das, was du da zusammengefasst hast, ist  a b s o l u t  super!!!!!!!  :top:


Die "Anleitung" von Dr. Astrid Neuy-Bartmann finde ich schrecklich. Ich möchte auf gar keinen Fall, dass mein Partner mich ständig unter dem Aspekt "Sie hat ADHS und darum muss ich 1. ... blah blah .... " Das wertet mich eindeutig ab.

Ich finde, Dr. Astrid Neuy-Bartmann macht aus einer auf Liebebasierenden Beziehung einen "helfenden Kontrakt", Punkte wie
Es ist auch wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass ADHS »eine andere Art zu sein« bedeutet und dass der Rest der Menschheit (95% !) anders fühlt, denkt und anders getaktet ist.
sind eine Katastrophe! Hallo Frau Dr, ich möchte doch nicht ständig von meinem Partner oder sonst wem hören, dass ich "anders" als 95% der Menschheit bin! Hilfe, mein Selbstwertgefühl!!

Es ist sehr sinnvoll, gemeinsam in einer entspannten Situation Beziehungsregeln aufzustellen. Am besten macht man dies schriftlich und beide bestätigen per Unterschrift die gemeinsame Vereinbarung. Es ist hilfreich, diese Regeln gut sichtbar aufzuhängen. Das Gleiche gilt für Pflichten und Aufgaben, die jeder in der Beziehung übernimmt.

Ja, genau, wir schreiben auf, was ich darf und was nicht und wie wer mit wem umgeht und kleben das in Posterformat auf die Wand. Wow, was für eine beknackte Idee. Und ich unterschreibe das auch noch und wenn ich emotional eskaliere oder esnicht gebacken bekomme, die Wäsche aufzuhängen dann kann meinPartner sage "Hier, Frau ADS, du bist anders als alle anderen und du hast unterschrieben, dass du das machst und jetzt bist du vertragsbrüchig und heulst, obwohl wir vereinbart haben, dass du nicht heulst und ich passe darauf auf, dass du dich so verhälst, wie 95% der Menschheit und jetzt gehst du in den Keller bis übermorgen." Machtgefälle, gelle?!
Vergessen Sie nicht den ADHS-ler zu loben, wenn er etwas gut macht. Genau das kennt er nämlich nicht, und er ist auf Lob sehr angewiesen.

"Haben Sie Ihr Kind heute schon gelobt?" Ich bin eine erwachsene Partnerin, wenn mein Partner mir nicht gut tut, weil er mir nie was nettes sagt, dann nutzt auch die Regel "Lob mal die ADHSlerin" nichts- es kommt nicht aus dem Herzen, und ganz genau das spüre ich als ADHSlerin. Eine solche Regel ist extrem kontraproduktiv, weil es die Echtheit eines Lobes in Frage stellt.
Drängen Sie einen ADHS-ler nie in die Ecke, weil er sonst rabiat zuschlägt. Lassen Sie ihm immer die Wahl: »Wenn du deine Jobs erledigt hast, können wir noch zusammen in die Stadt gehen, sonst gehe ich alleine ...«

Wie bei den Ratten, nicht wahr? Die schlagen auch zu, wenn man sie in die Ecke drängt.
Äh, bin ich ein Kind? Wenn ich in die Stadt gehen will, dann gehe ich in die Stadt, und wenn mein Partner nicht mit will, weil ich die Spülmaschine trotz schriftlicher Vereinbarung nicht ausgeräumt habe, dann bleibt er eben Zuhause.

Tun Sie genug für sich selbst, um Kraft  zu tanken für das anstrengende Leben mit einem ADHS-ler.

Ja, natürlich sind wir ADHSler anstrengend. Wir sollten uns bei all den Menschen, die sich, natürlich mit schriftlicher an die Wand tapezierter Vereinbarung mit uns abgeben und "Ein das hast du fein gemacht!" puktuell zu unserer Selbstwertstärkung einsetzen, bedanken und uns vor allem entschuldigen, dass wir so dumm sind, wie wir nach Frau Doktors-Regeln behandelt werden sollen.

Ich bin sprachlos!! Die Frau Doktor degradiert mich, wertet mich ab, macht mich zu einem hilflosen, unkontrollierten Trottel.  :108:
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon Emy » 15. Mai 2009 10:10

Nixe, da sagst du was. Das habe ich schon so oft bei den genannten Threads gedacht  :smt023:

Ansonsten kann ich nur sagen, ich bin ich und das ist auch gut so  :breitgrinse1: Für mich gibt es keine "Gebrauchsanweisung" und ich fände es schlimm wenn mein Mann mich nach irgendwelchen "Regeln" behandeln würde. Sandiris, du hast das schon gut zusammen gefasst.

Ach ja, und auch "normale" Menschen sind doch Personen mit Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten. Ist ja nicht so, als wären wir besonders schlimm und alle anderen nicht  :8:

Insgesamt hatte ich schon öfter den Eindruck, dass AD(H)S gerne mal als Grund für das scheitern einer Beziehung / Probleme in der Beziehung genommen wird, das ist halt einfacher, als z.B. mal das eigene Verhalten zu reflektieren  :108:

LG Emy
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Sandiris
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon Sandiris » 15. Mai 2009 10:15

[quote="Emy"]
...

Ach ja, und auch "normale" Menschen sind doch Personen mit Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten. Ist ja nicht so, als wären wir besonders schlimm und alle anderen nicht  :8:

...
[/quote]

:smt023: Und genau da liegt der Hase im Pfeffer, wie ich finde. Wenn der Partner eine "Anleitung", am besten noch eine schriftliche Vereinbarung "Wie der AD(H)Sler sich zu verhalten hat" in der Hand hat, dann birgt das ein ganz enormes Risiko: Der StiNo (Stinknormaler  :8:) kann sich verhalten, wie er gerade Bock hat, er ist ja "gesund" und alles, was in der Beziehung zu Konflikten führt, wird auf das "unangebrachte" Verhalten des AD(H)Slers projeziert. Der StiNo macht ja alles richtig, für den braucht mensch ja keine "Gebrauchsanweisung".  :108:
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon Majana » 15. Mai 2009 10:16

Liebe Sandiris,

ich kann dir da nur zustimmen! Die Anleitung von Frau Dr. finde ich fürchterlich und total abwertend. Sie scheint der Ansicht, dass ADHSler ihr Leben nur auf die Reihe kriegen, wenn sie das Glück haben, dass ein nicht-Betroffener die Bürde auf sich nimmt den ADHSler zu retten... Irgendwie so... oh man...  :aufsmaul_2:

LG Majana
„Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“

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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon Dopaminchen » 15. Mai 2009 10:51

[quote="nosina"]
- Es ist sehr sinnvoll, gemeinsam in einer entspannten Situation Beziehungsregeln aufzustellen. Am besten macht man dies schriftlich und beide bestätigen per Unterschrift die gemeinsame Vereinbarung. Es ist hilfreich, diese Regeln gut sichtbar aufzuhängen. Das Gleiche gilt für Pflichten und Aufgaben, die jeder in der Beziehung übernimmt.
[/quote]

Und Madame will Ahnung von AHS haben?  :icon_eek:  :icon_eek: :icon_eek: :icon_eek:
Wenn mir jemand einen Vertrag vorlegen würde, würde ich schreiend weglaufen und nieeee wieder kommen! 

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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon Professor » 15. Mai 2009 13:15

Ok, man muss ja nicht einen Vertrag unterscheiben, dass man aber klare, strukturierte Aufgabenbebiete schriftlich niederlegt, finde ich ok.
Und es soll keine Abwertung gegen uns ADSler sein, jedenfalls versuche ich es nicht so zu sehen. Ich sehe es als eine positive Hilfestellung für beide Seiten, ADS und NICHT-ADS.
:ja:
...ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert  :ichboss:
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon Bluegoe » 15. Mai 2009 13:53

11) Versuche nicht einem Menschen mit ADS zu sagen dass Er /Sie etwas nicht kann oder zu etwas zu zwingen. Sei stets auf eine Überraschung gefasst.  :icon_mrgreen:
Zuletzt geändert von Bluegoe am 15. Mai 2009 13:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon spunki » 15. Mai 2009 14:31

Nixe, ich könnte Dich küssen für diesen Beitrag :ja: :smt023: Sowas in der Art habe ich auch schön häufiger gedacht, hätte das aber nie so gut formulieren können.
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon nixe » 15. Mai 2009 21:22

Vielen Dank für Eure Rückmeldungen..... Es ist mir tatsächlich ein Bedürfnis gewesen, mich mal in aller Deutlichkeit auszusprechen.

Ich möchte noch ergänzen:

11) Auch an eigene Probleme und Erwartungen mal "rangehen", sprich überprüfen. Stimmt die eigene Abgrenzung ? Was sind die eigenen Wünsche und Ziele ?

Wie kommt es, dass so viele oft ganz hilf- und tatenlos an den Schwierigkeiten zu verzweifeln scheinen ? Menschen mit ADS mögen impulsiv sein, aber sie wandeln sich nicht über Nacht von einem liebenswerten Sonnenschein in einen belastenden Sozialfall. Vielleicht auch einmal überprüfen, ob die anfängliche Verliebtheit wirklich zu einer tragenden Liebe gewachsen ist oder einfach nur zu Ende gegangen ist. Auch "normale" Menschen wirken oft bei näherem Kennenlernen nicht mehr ganz so hinreissend wie in den ersten Stunden / Tagen / Wochen....

Manchmal wird einfach auf alles, was nicht gefällt, das "Etikett" ADS geklebt und das soll der "ADSler" dann bitteschön wegbehandeln lassen / unterdrücken / sich abgewöhnen / sich mal wenigstens dafür den Schuh anziehen / ...... So funktioniert die Welt nicht !

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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon nixe » 15. Mai 2009 21:26

PS: Oder 12) *g
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon Menolly » 18. Mai 2009 09:19

Nixe das war Super!  :breitgrinse1:  :smt023:

Und zu dieser Frau Dr. . Warum schreibt sie nicht gleich in ihrer Anleitung: Bitte Legen sie ihrem ADS'ler eine Leine an, um die beste Kontrolle zu erlangen.  :aufsmaul_2:

Liebe Grüße
Menolly
Du sollst Deine Freunde nicht trocknen und rauchen.
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon Dea Humanus » 19. Mai 2009 17:21

Hallo

Na da trifft es sich ja gut, dass mein Partner und ich beide ADHS haben - Machtgefälle ausgeschlossen  :breitgrinse1: .

@nixe: Dein Beitrag ist gut! Aber er liest sich so, als hättest du in der Vergangenheit viele böse Erlebnisse dieser Art machen müssen und so kann es zwar gehen, so muss es aber nicht laufen  :ja: .

Ich für mich kann nur sagen, dass ich mir unserer ADHS immer bewusst bin und dementsprechend agiere und reagiere.
Ich habe gelernt und mittlerweile formuliere ich viele Dinge anders, spreche sie in andere Situationen an, kann die Aktion und Reaktion meines Partners viel besser beurteilen und einordnen und unser Verhältnis hat sich seit unserer "Bewusstwerdung" enorm entspannt.
Ja, wir beide verhalten uns tatsächlich anders als andere Menschen und nehmen Dinge anders wahr.
Und es tut so unglaublich gut, wenn der eigene Partner auch so ist und nach einem komischen Erlebnis das gleiche fühlt oder sich zumindest in einen hereinversetzen kann und einen nicht schief anschaut weil man sich grade so gar nicht erwachsen rational verhält.

Warum schreibt sie nicht gleich in ihrer Anleitung: Bitte Legen sie ihrem ADS'ler eine Leine an, um die beste Kontrolle zu erlangen.


Hmm, ganz so heftig würde ich es für uns nicht sagen, aber wir "kontrollieren" den jeweils anderen schon sehr.
Wir sind sehr gut darin, Dinge für andere zu organisieren. Also organisiert er viel für mich und ich viel für ihn. So läuft unser gemeinsames Leben deutlich reibungsloser und relaxter ab als ohne diese "Fremd"organisation.
Jeder hat besondere Stärken und Schwächen und diese bringen wir so ressourcenschonend wie möglich in die Beziehung ein.
Warum sollte ich mich mit der genauen technischen Konstruktion des Kleiderschranks abplagen, wenn meine Fähigkeit eindeutig im Desing liegt und umgekehrt? Müsste ich mich um die Konstruktion kümmern und er um das Desing käme vermutlich ein semihässlicher Klapperkasten heraus. Andersherum haben wir nun einen perfekten, stabilen und wunderschönen Kleiderschrank  :zwink: .

Manchmal wird einfach auf alles, was nicht gefällt, das "Etikett" ADS geklebt und das soll der "ADSler" dann bitteschön wegbehandeln lassen / unterdrücken / sich abgewöhnen / sich mal wenigstens dafür den Schuh anziehen /


Das stelle ich mir unglaublich belastend vor! Und ist eine gleichermaßen unglaublich falsche Reaktion innerhalb einer Beziehung.

AD(H)S ist nicht (nur) negativ. Für mich hat es durchaus viele positive Eigenschaften welche mich und meinen Partner ausmachen und wofür ich mir jederzeit gerne den Schuh anziehe :breitgrinse1: .

Und ja, Humor hilft tatsächlich.
Wir beide lachen viel. Auch über manche von unseren komischen Wahrnehmungen.

Liebe Grüße,
Dea
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aj82
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon aj82 » 19. Mai 2009 17:43

Hallo allerseits,

ich finde viele Aussagen zur "Anleitung" sind trotzig formuliert. Aber sich angegriffen und verurteilt zu fühlen ist ja typisch für AD(H)S.

Und ich darf das sagen, wenn ich habe ADS.  :winken:

Einige der Anleitungen sind wirklich etwas übertrieben, andere aber auch genau richtig. Und diese Anleitung ist sicher ebenfalls mit Humor geschrieben wurde. Und mir hilft es z.B. wirklich mehr, wenn auf dem Müll ein Zettel klebt "Bring mich runter, ich will verreisen" und ich ihn dann mit einem Lächeln runter bringe, als wenn ich's jeden Tag gesagt bekomme und doch nicht mache. Das klingt albern, aber so ist es. Das hilft im Übrigen auch nicht-Ads-lern, aber da ist es ja meist in dem Maße nicht nötig.

Eigentlich bin ich aber wegen dem Thema Partnerschaft hier

Ich habe seid ein paar Monaten einen neuen Freund von dem ich behaupten würde, dass er der Mann für's Leben ist. Und nach zwei voran gegangen, langen Beziehungen, meine ich das auch beurteilen zu können. Gleichzeitig muss ich mir aus dem gleichen Grund eingestehen, dass viele meiner täglichen Reaktionen nicht an der Tatsache lagen, dass meine Ex-Partner einfach nicht die richtigen waren. Denn ich verhalte mich jetzt wieder genau so ätzend.

Mir würde es helfen mich mal mit jemandem auszutauschen, der Mitte 20 bis Mitte 30 ist, weiblich und in einer Beziehung mit einem Mann ist, der nicht ADS hat.

Ich freue mich auf Kontakt.

Gruß Andrea
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aj82
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon aj82 » 19. Mai 2009 17:45

PS: Genauso freue ich mich über Kontakt von Männern zwischen 30 und 40, die eine Freundin mit AD(H)S haben/hatten. Was sind eure Erfahrungen, wie ich am besten mit so jemandem wie mir klar kommt. ;-) Was könnt ihr meinem Partner im Prinzip empfehlen?
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon nixe » 20. Mai 2009 14:23

Hallo Dea Humanus,

danke der Nachfrage : ) Gott sei Dank beruht meine "Widerrede eines Manuals für ADS-Menschen" nicht auf einer Unzahl schlechter Erfahrungen, wofür ich sehr dankbar bin. Nein, ich bin ebenfalls in einer "gleichbetroffenen" Beziehung, sowohl mein Mann, als auch ich selbst haben ADS.

Mich nervt und schockiert es nur, wenn hier die Pauschalisierungen weiter zunehmen. Und die Anfragen der beschriebenen Art an der Tagesordnung sind.

Ich finde es großartig, wenn der nichtbetroffene Partner/in sich für das Thema interessiert, mit Respekt und Neugier darangeht und in der Folge nicht zu stereotypen Abwertungen kommt. Dafür jederzeit ein dickes Daumenhoch !

Nur nehme ich eben immer häufiger wahr, dass besonders für alle möglichen "normalen" Beziehungsprobleme, ganz besonders in letzter Zeit für Trennungen, ADS als Projektionsfläche hergenommen werden soll. Und das geht nicht. Das mag ich weder in der freien Welt, noch hier im Forum haben.

Bei aller Liebe zum Thema finde ich es ganz wichtig, immer den einzelnen Menschen zu sehen, und nicht immer stärker nur noch die Silhouette eines "ADSlers".

Liebe Grüße,

nixe
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon magon » 21. Mai 2009 14:21

Ich bin der festen Überzeugung das ich die jeweiligen Partner ,die ich bisher hatte, auch so in den Wind geschossen hätte, da sie

a) ein besitzergreifendes Arschloch waren
b) ein selbst verliebter Egoist
c) nicht fähig war Konflikte auszutragen
oder, ganz einfach
d) weil wir nicht zusammen gepasst haben

Mit AD(H)S hat damit soviel zu tun wie mein A**** mit dem Mond. Entschuldigung mal, wenn die Menschen nicht fähig sind mit anderen Menschen umzugehen, dann sollten sie es lieber lassen.

Partnerschaft basiert auf gegenseitigen Respekt und den hab ich auch mit ADS.
(Ja, ich bin auch in der Lage zu lieben mit ADS. Wahnsinn nicht war?)
Also was soll das ganze mit "Wie ADHS eine Beziehung zerstörte" u.s.w

Was kommt als nächstes? Wie ADHS meinen Kaffeebecher zerstörte? :108:

Ich gebe nixe voll kommend recht  :wu:

Und dieser andere Beziehungsratgeber taugt eher für eine rehabilitierungs Einrichtung für Kidis aus dem Jugenknast. :ja:
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon papillonindigo » 23. Mai 2009 15:15

Hallo alle,  :winken:

Ich frage mich wie weit ADS an ein scheitern eine beziehung schuld gegeben ist, bei menschen die der andere ändern wollen, ihm zu Ordnung, diziplin umerziehen wollen.

Ich habe oft erlebt dass menschen mit mich nicht umgehen können, weil in ihre kopf nur eine art richtig ist: Ihre eigene. Wer etwa offen ist und flexibel kommt mit mich besser klar.

Ich bin ADSler mit eine partner der mich in vieles sehr ähnlich ist (besonders bei reizbarkeit, impulsivität und schlechte zeitmanagement aber keine ADS-diagnose). Ich habe beobachtet dass die beziehung viel besser ist, wenn jeden der andere so annimmt wie er ist ohne sich an "richtig" oder "falsch" zu versteifen und versucht mit der andere klar zu kommen wie er nun ist statt ihm zu ändern.

Ich komme auch mit seine hektik besser klar wenn ich gleizeitig zu meine langsame tempo stehe und seine art zulasse und damit kompromisse suche.

Ich komme auch mit unsere heftigen streit aus kleinigkeiten wenn ich es gelassen nehme als etwas normal bei 2 temperamentevolle menschen.

lg
:vier: So geht es mir beim Rebound oder nach einem langen Stadtbummel
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Re: "Gebrauchsanleitung" für Partner/in mit ADS ?!

Beitragvon papillonindigo » 23. Mai 2009 15:20

nachtrag:

Meine beste freundin ist eine sensibele träumerin die mit praktische sachen mühe hast. Zum glück hat ihre ehemann keine grosse erwartungen an ihr in bezug auf haushalt (ist ihm ehe so egal wie chaotisch es ist) und schätz ihre fröhliche, spontane art.

Sie hat eigentlich eine putzfrau und tut gerne ab un zu etwas backen.

Ich errine mich wie meine schwiegervater mal gesagt hat dass es ihm wichtig ist dass eine frau eine haushalt gut führen kann.... Wem so wichtig ist, sollte sich an keine chaosprinzessin verlieben  :zwink:. Zum glück ist es mein schatz nicht das wichtigste...

lg
:vier: So geht es mir beim Rebound oder nach einem langen Stadtbummel

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