Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

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Reko76
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Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

Beitragvon Reko76 » 28. November 2008 12:51

Hallo zusammen,

ich bin froh, dieses Forum gefunden zu haben. Viele Informationen konnte ich bisher finden aber ich würde gerne mal in einem Beitrag diverse Erfahrungen sammeln, die ihr als Partner mit einem AD(H)S´ler bisher gesammelt habt. Wie geht ihr damit um? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Was macht ihr nun anders? Wie hat sich euer Leben verändert? Wie reagiert ihr auf typische Situationen? und und und...... Auch die Betroffenen können ruhig was rein schreiben.

Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr mal eure Erlebnisse hier rein schreibt und wie ihr letztendlich richtig oder falsch reagiert habt.

Kurz was zu mir. Ich stecke seit 3 Monaten in einer Beziehung mit einer Frau, die AD(H)S hat. Sie hat noch eine 10 jährige Tochter, die ebenfalls AD(H)S hat. Für mich am Anfang erstmal nichts weltbewegendes, weil ich mich nie damit auseinandergesetzt habe und auch nie zuvor damit konfrontiert wurde aber mit der Zeit, auch wenn sie bisher recht kurz war, hab ich schon ziemlich viele Dinge erlebt, die mich anfangs doch etwas irritiert haben und ich hab ziemlich schnell gemerkt, dass ich in manchen Situationen falsch reagiert habe aber auch durch meine Art und Weise wiederum guten Einfluß auf meine Freundin habe. Auch auf die Tochter und natürlich auf meine Freundin wirke ich wie Medizin, wie sie mir gesagt hat.
Ich habe viele Dinge bisher falsch interpretiert, einfach aus Unwissenheit und dadurch sind teilweise Streitereien entstanden, die sich aber dann wieder schnell aufgeklärt haben. Wir sprechen viel miteinander aber ich würde gerne schon im Vorfeld einiges wissen. Mit Sicherheit werden noch einige Situationen auf mich zukommen, mit denen ich Anfangs wohl nicht zurecht kommen werde. Vielleicht habt ihr eine solche Situation schon erlebt und könnt hier mal darüber berichten?

Ich würde diese Erfahrungen bündeln und sammeln und daraus eine Webseite erstellen. Einfach zum Nachlesen. In erster Linie für mich, wegen der Übersicht und natürlich für alle anderen Betroffenen. Sowas wird es sicherlich schon geben aber ich lerne viel besser, wenn ich es persönlich sammel und niederschreibe und ich stelle es dann für alle anderen zur Verfügung.

Ich würde mich freuen, wenn hier rege Teilnahme herrscht. Derweil durchforste ich weiter das Forum und die weiten des Internets und fange an zu sammeln. Das Thema interessiert mich sehr aber auch nur deswegen, weil mir diese Frau sehr wichtig ist und ich einfach nichts falsch machen möchte.

LG Reko ;)
"normalo" mit gaaaaaaaaaanz vielen Macken :-)
Dopaminchen

Re: Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

Beitragvon Dopaminchen » 28. November 2008 13:11

[quote="Reko76"]
Ich würde diese Erfahrungen bündeln und sammeln und daraus eine Webseite erstellen. Einfach zum Nachlesen. In erster Linie für mich, wegen der Übersicht und natürlich für alle anderen Betroffenen. Sowas wird es sicherlich schon geben aber ich lerne viel besser, wenn ich es persönlich sammel und niederschreibe und ich stelle es dann für alle anderen zur Verfügung.
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[quote="Reko76"]
Ich würde mich freuen, wenn hier rege Teilnahme herrscht. Derweil durchforste ich weiter das Forum und die weiten des Internets und fange an zu sammeln.
[/quote]


Hallo Reko,

Du wirst aber nicht ungefragt Beiträge kopieren und auf einer Website veröffentlichen?  :icon_rolleyes:

Gruß
Dopaminchen
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Reko76
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Re: Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

Beitragvon Reko76 » 28. November 2008 13:41

Naja kopieren nicht, dann hab ich ja nichts von. Ich würde es um schreiben, nachdem ich den Beitrag gelesen habe. Ist ne Art zu lernen für mich. Ich muß alles neu und in meinen Worten aufschreiben.

Mal als Bsp.:

Jemand schreibt eine Erfahrung nieder und vielleicht wird darüber diskutiert und andere haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich würde es dann auseinander nehmen und zusammenfassen. Eine art FAQ erstellen. Z.B. meine Frau fängt ständig an zu heulen, wenn wir ein wenig streiten oder aus anderen Gründen. Wie sollte man damit umgehen? Gibt es verschiedene Varianten? Fern bleiben, in Ruhe lassen, in den Arm nehmen, ruhig und besonnen weiter diskutieren? Was wäre absolut falsch usw.. Oder meine Frau hat nen Problem mit der Ordnung. Soll ich sie anschnauzen deswegen? Sicherlich nicht, usw. etc. pp.

Sowas will ich halt sammeln. Eine Art Lexikon. Ich weiß auch, dass es für viele Situationen kein Patent-Rezept gibt aber Möglichkeiten, die funktionieren und die Partnerschaft funktionieren lassen.

Vielleicht ist es auch der falsche Weg aber ich wills einfach nur aus eigenem Interesse machen und der eine oder andere hätte vielleicht auch was davon. Hier im Forum gibt es nur ein Bereich für nicht Betroffene und ich finde der Partner ohne AD(H)S hat es genauso schwer, wie der Partner mit AD(H)S.
Zusätzlich will ich auch noch einen Bereich schaffen, wie Eltern mit Kindern die AD(H)S haben, umgehen sollten.

Wenn ihr kein Interesse habt, ist es nicht weiter schlimm. Ich mache diese Seite trotzdem und werde sammeln.
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Re: Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

Beitragvon klaresicht » 28. November 2008 13:50

Hallo Reko76,

das ist eine sehr tolle Idee die du da hast. Ein Erfahrungsaustausch über das Empfinden einens Nicht-ADS`lers im zusammen leben mit einem ADS`ler habe ich bisher leider selber noch nirgends gefunden, es hätte mich auch sehr interessiert.
Allerdings muss ich zu bedenken geben, dass ja Menschen ihre Erlebnisse und Ansichten subjektiv empfinden und man daher sicher keine "Gebrauchsanweisung" geben kann oder sollte. Außerdem sehe ich persönlich ADS nicht als "Krankheit" in herkömmlichen Sinn, sondern eher als "Anderssein/fühlen".  Soll heißen: Anleitung im Umgang, damit nichts falsch verstanden oder gemacht wird (aus Sicht des Nicht-ADS`lers), wie in einer Medikamentenbeilage, wird es nicht geben und finde ich persönlich auch nicht so gut. Denn das würde bedeuten, dass sich der Nicht-ADS-Partner immer selbst zurück nimmt mit seiner Sicht der Dinge und seinen eigenen Bedürfnissen, somit auch dem normalen Verlauf der Beziehung entgegenwirkt und seinen Partner indirekt versucht zu beeinflussen.
Man sollte bestimmte Sachen akzeptieren können, ohne das es einem schwerfällt und in einem Rahmen, der einem selbst nicht schadet (und damit dem anderen auch nicht). Wie bei allen Beziehungen.

So wie ich dich verstanden habe, bist du sehr verliebt und möchtest die Frau gerne für dich gewinnen und behalten. Du informierst dich über ADS und bist bereit das "anderssein" zu respektieren und zu verstehen. Finde ich ganz toll, geht mir bei meinem LG auch so. Aber auch der ADS-Partner muss sich mit unserer Sichtweise und unserem Verhalten arrangieren können, darf uns nicht alles an Beziehungsverantwortung aufhalsen und wenn es mal nicht so klappt uns dafür als alleinigen "Schuldträger" verantwortlich machen.
Das werden auch die meisten erwachsenen ADS`ler nicht tun, sie empfinden, so wie ich es bislang verstanden habe, zwar anders, sind aber nicht verantwortungs-, lieb-, sorglos im Umgang mit ihren Familien und Freunden.

Ich habe deinen Anfangsbeitrag auch gelesen und wusste da gar nicht so Recht, was ich dazu hätte schreiben können. Für mich persönlich wäre es ein Vertrauenbruch gewesen, zumal in der ersten Verliebtseinsphase hätte es mich schwer getroffen, wenn mein Partner Versprechen dieser Art schon nicht mehr einhält. Wobei auch bei mir die Frage aufkeimte, woher denn du weißt, das sie noch weiter mit anderen Männern chattet?!? Wenn jetzt schon das Bedürfnis der Kontrolle da ist (deinerseits) und sie deine Gefühle, na sagen wir mal ganz platt, der Eifersucht nicht für so wichtig nimmt.... Was soll ich da denken?

Ergo: Du hast nicht "falsch" reagiert, sondern so wie es für dich richtig war. Damit muss auch deine Freundin leben können, genau so wie umgekerhrt... Hoffe du verstehst mich  :icon_wink:
Es bleibt nur die Möglichkeit die verschiedenen Sichtweisen und Reibereien aus der jeweils eigenen Sicht zu beschreiben und dann einen Konsens zu finden (wie ihr das ja offenbar auch schon gemacht habt!!) und wenn das auf Dauer klappt und ihr zufrieden mit eurem Zusammensein seid, ist es gut. Wenn sich einer immer zurücknimmt zum Wohl des anderen, ist es nicht gut.

P.S.: Bei mir sind offenbar mehrere, falsch interpretierte, Jahre der Rücksichtnahme (ADS bei LG erst vor wenigen Monaten diagnostiziert) und mich selbst zurücknehmens nach "hinten" losgegangen.  :baw: Und das, obwohl ich ihn immer noch sehr liebe und seine vermeindlichen "Macken" für mich selten ein Problem waren. Anders herum ist es wohl nicht so... Darüber bin ich sehr sehr traurig.

Liebe Grüße
klaresicht
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Re: Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

Beitragvon Reko76 » 28. November 2008 17:14

Eigentlich wollte ich nicht darüber schreiben, weils keinem was angeht aber damit ihr mich nicht falsch versteht.

Diese Chatterei hatte bei ihr folgenden Hintergrund:

Ihr Ex, mit dem sie eine Tochter hat, ist auch in dieser Community angemeldet. Den zweiten Account, den sie sich angelegt hat, war völlig anonym, sprich das war nicht sie, sondern sie hat sich als eine andere Person ausgegeben. In erster Linie, so sagte sie mir, wollte sie damit ihren Ex auf andere Gedanken bringen und ihn dazu bringen, mal wieder eine andere Freundin zu finden. Um nicht gleich aufzufliegen, hat sie andere Männer angeschrieben, um sie in ihre Friendlist zu bekommen. Zu dem Zeitpunkt war der Ex recht nervig. hat ständig anonym bei ihr angerufen, stand ab und an mal vorm haus usw.. Das hat sich mitlerweile erledigt. Sie hat mir halt nix gesagt und ich mußte erstmal davon ausgehen, dass sie mich belügt und mein Vertrauen mißbraucht. Daher hab ich mißtrauen aufgebaut. Woher soll ich denn sowas wissen? Wenn sie der meinung ist, das bringt was mit ihrem ex, na dann ok. ich fands zwar nicht ok aber der Hintergedanke an dieser ganzen Geschichte ist doch ein ganz anderer, als ich erwartet hätte.

Der 3. Account letztendlich hat einen ähnlichen Grund und den akzeptier ich auch.

Wie ich drauf gekommen bin? Ich hab gestöbert und beim 2. Account hab ich das ja schon in diesem Beitrag geschrieben, wie ich drauf gekommen bin
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Re: Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

Beitragvon klaresicht » 28. November 2008 17:51

Hallo Reko76,

sorry, ich wollte Dir nicht zu nahe treten. Muss dazu sagen, dass ich mich auch überhaupt nicht auskenne in diesem Bereich. Habe noch nie gechattet, kenne das nur von meiner Tochter. Ist mir zu schnell, ich kann dann nicht folgen und mir persönlich fehlt dann auch mein "Gegenüber". Darum konnte ich nicht beurteilen, ob man zufällig oder nur geziehlt über etwas "fällt".

Also, ich finde deine Idee, um auf den eigentlichen Inhalt deines Beitrags zurück zu kommen, toll. Aber bitte keine "Gebrauchsanweisung" davon machen :icon_wink:

Wenn es mir wieder besser geht und ich meine Gedanken und Gefühle sortiert habe, werde ich bestimmt eine schöne "Ich liebe einen ADS`ler aber habe es versaut Geschichte" dazu beitragen können.  :zwei:

Lieben Gruß
klaresicht
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Re: Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

Beitragvon Reko76 » 28. November 2008 18:22

Huhu klaresicht,

Du bist mir nicht zu nahe getreten. Ich will mich nur nicht ins falsche Licht stellen. Im übrigen wird da nicht viel gechattet. Man schreibt sich im grunde genommen überwiegend Nachrichten. Ich bin eigentlich nicht der Typ für sowas und schon gar nicht mag ich es, wenn meine Freundin in solchen Flirtcommunitys ihren Spaß hat.  Aus Spaß kann auch ganz schnell ernst werden. das beste Beispiel sind ja wir beide und es war der absolute Zufall, dass sie mich dort gefunden hat. Ich hab mal aus reiner Neugier einen Account erstellt, war aber selten bis gar nicht auf dieser Seite. Ich hab nur irgendwann mal eine Mail bekommen, dass mich jemand angeschrieben hat und das war sie und so sind wir uns näher gekommen. Wir haben uns echt tolle Zeilen geschrieben. Das war wirklich unglaublich.

Aber mal zum eigentlichen Thema.

Ich freue mich, dass natürlich Erfahrene wie Du was dazu schreiben. Vielleicht ist es auch totaler Quatsch, solch eine Seite zu erstellen. Eine Gebrauchsanweisung soll es auch nicht werden. Das wäre einfach irgendwie zu respektlos und vermutlich auch der falsche Weg. Vielmehr soll das eine Sammlung aus Erfahrungen werden. ich kopiere hier auch keine Beiträge oder veröffentliche irgendwelche Namen. Die Erfahrungen sollen mal andere Helfen, die ähnliches erlebt haben und ggf. so eine Lösung für gewisse Probleme finden können. Da heisst es dann einfach diese Erfahrungen selber mal auszuprobieren. Ich machs ja auch und ich bin sehr gespannt, obs funktioniert und wir uns glücklich und zufrieden durch die Welt schlagen können.
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Re: Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

Beitragvon joo » 13. März 2009 10:53

gab's denn nun schon irgendwelche konkreten tipps?

hallo!

ich geh mal davon aus, dass mein mann ads hat...und schreib einfach mal in diesem bloq weiter...

dann kann ich sagen:

das leben ist teilweise extrem furchtbar, als ob man ein erwachsenes kind und keinen partner hat.
alle paar wochen fühl ich mich ausgepowert und überlastet, weil ich versuche alles unter einen hut zu bekommen.
oft muss man sich total falsch verstandene vorwürfe machen lassen und hat nicht mal die chance sie aufzuklären, denn nach 2 tagen ist nicht der groschen gefallen, sondern es ist, als hätt man nie darüber gesprochen.
ein lahmes pferd ist in manchen situationen in mach3 geschwindigkeit unterwegs

die haupteigenschaften, die man mitbringen muss?
gelassenheit und verständnis, verständnis und gelassenheit
oder
ein dickes fell und ein extrem gutes selbstbewußtsein

aber nach jedem tief gibt es immer ein wirklich lustiges hoch, eine belohnung mit spaß und verbundenheit - aber das nächste tief ist auf keinen fall sehr weit weg :-(
es sei denn, man ist gelassen und hat ein dickes fell ;-)

ich wiederhole mich!

ein langer atem ist auch von vorteil ;-)

aber ich glaube, wenn es irgendwann vorbei ist, dann ist einfach schluss -
denn dann hat man schon so lange versucht gelassen und verständnisvoll zu sein, dass man anfangen muss für sich selber zu sorgen.

aber vielleicht bist du ja schon selber darauf gekommen ;-)

und um meinen mann man zu zitieren:
es wird nie langweilig  :ja:
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Re: Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

Beitragvon Schocker » 14. März 2009 15:13

Hi,

also ich hab kein Partner, somit auch niemanden mit ADS. Ich selbst habe aber ADS. Und ich denke: ein großes Problem, das zwischen zwei Menschen (mit und/ oder ohne) ADS schief laufen kann, ist die Kommunikation. Und ich hab mir gedacht: häufig spielt auch bei so ziemlich jeder Tätigkeit Kommunikation eine Rolle. Wenn ich ein Regal aufräume, muss mein "Ich" mit dem Regal "kommunizieren". Das heißt, ich sehe, das unaufgeräumte Regal, und die Information (Unordnung) kommt bei mir an. Jedes Mal, wenn ich etwas im Regal "ordne", kommt die Information "ordentlicher" hinzu - so sollte es zumindest sein. Daneben kommen noch soviele andere Informationen, aber das wäre jetzt zu unübersichtlich, wenn ich das nennen würde.

Als ADSler, OHNE Medikament, lief das bei mir folgendermaßen ab, wenn ich raufräumte: Ich sehe das unordentliche Regal (sofern ich es überhaupt sehe! Meist waren es angekündigte Besuche, weswegen ich Ordnung schaffte). Ich sehe aber neben der Unordnung oder nehme nebenbei noch meine "Unmotiviertheit" wahr. Bitte nicht falsch verstehen: jeder Mensch macht unliebsame DInge weniger gern. Der Punkt ist nur, dass ADSler - so sehe ich das zumindest - sich jedoch an dieser Stelle an "unwichtigem" aufhalten. Es ist ihnen nur schwer möglich, eine Sache zu tun, eine andere Sache - die dazu gehören würde - dazwischen zu stellen - die ursprüngliche Arbeit dann aber trotzdem fortzuführen.

Angenommen: ich ordne mein Regal: ich sehe meine Ordner. In den Ordnern sind Papiere, wild verstreut, ohne jeden Zusammenhang, ohne innere Ordnung. Ich sehe außerdem, dass das Regal voller Schmutzflecken - von Staub will ich gar nicht erst reden - ist. Das sind alles "Ordnungen" innerhalb des Aufräumprozesses, die gemacht gehören. Die Ordner grade hinstellen. Den Inhalt der Ordner nach "Sinn" ordnen. Das Regal selbst säubern.
Bildlich gesprochen:
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
-"Regal säubern........."  (1. Ordnung)                                                                                                                                                                                             
-                                                                                                                                                                                                                                             
-                                                                                                                                                                                                                                             
-                                "Ordnerinhalt nach Sinn ordnen (also Papiere, Unterlagen etc...)..." (2. Ordnung)                                                                                   
-                                                                                                                                                                                                                                             
-                                                                                                                                                                                                                                             
-                                                                                                                                        "Ordner gerade in das Regal stellen..........." (3.Ordnung)               
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Diese drei "in Anführungsstrichle" gesetzten Aufgaben stellen also "Ordnungen" dar. Mit MPH (also methylphenidat) ist es mir weitestgehend möglich, sowohl das Regal zu säubern (1. Ordnung), als auch die Unterlagen, Papiere nach Sinn zu Ordnen (2. Ordnung), als auch die Ordner gerade ins Regal zu stellen(3.Ordnung). Weil ich größtenteils nur diese 3 Ordnungen als "Information" (Kommunikation) wahrnehme.

Ein ADSler ohne Medikation - so war das zumindest bei mir - stößt dabei auf ein Problem: sobald er die wild verstreuten Ordner sieht, ist da die Information "Unlust!", dann ist da die Information: "Ich kriege Besuch", dann ist da der Wunsch nach "Spaß" (Beispiel Fernsehen), und irgendwann ist da die Information "Ordner grade ins Regal stellen." Möglicherweise taucht die Information "Regal nicht sauber" noch auf. Da beim ADSler aber soviele weitere Informationen hinzukommen, die ihn "ablenken", und das kann eine wahre Unzahl an Informationen sein, werden die EIGENTLICH wichtigen Informationen 1. Ordnung, 2.Ordnung, 3. Ordnung so nicht mehr wahrgenommen.

Wenn ich zum Beispiel mit dem Regal säubern angefangen hätte - gut, vielleicht hätte es noch geklappt, je nachdem, wie viele Schmutzflecke da wären - , wäre ich nur noch wenig motiviert gewesen, die Ordner grade, säuberlich einzuordnen, da noch die "Müdigkeit" als quälende Information hinzukommt. Es heißt ja, das Dopamin (für Erfolgsempfinden zuständig) im Gehirn würde bei ADSlern zu schnell abgebaut, daher ist das Durchhaltevermögen eher verringert. Und  bei der ganzen Vielzahl von Informationen und der geringen Motivationsfähigkeit, ensteht Unlust. Aus der Unlust - so meine Erfahrung - entsteht über kurz oder lang eine Verhaltensweise, die das Gefühl vermittelt, ich kann es nicht. Daraus kann natürlich eine Sichtweise werden, die nur schwer zu brechen ist. Und die führt zu Problemen untereinander.

Wir haben halt einfach gelernt, in "Zusammenhängen" zu denken, zu handeln, zu lesen. Wir lesen nicht jeden Buchstaben, denken über den Buchstaben nach, machen daraus bewusst Worte, aus Worten Sätzen, aus Sätzen Texte und aus Texten Bücher. Sondern wir lesen aus "Zusammenhängen", und ein Zusammenhang ist ein Buch.

Das Problem, das ich als ADSler am meisten spüre, ist, dass ich oft nicht von der "oberflächlichen" Ordnung (dem großen Zusammenhang) zur elementareren Ordnung wechseln kann, ohne den größeren Zusammenhang weiterhin im Auge zu behalten.

Und jede Tätigkeit beinhaltet Ordnungen, auch wenn wir uns darüber nicht bewusst sind. Habe ich nen schweren Text, liegt das daran, dass der "große Zusammenhang" eines Textes aus "Inhalten" besteht, die mir nicht bekannt sind. Als nicht ADSler muss man von der "größeren Ordnung" (dem großen Zusammenhang) auf eine niedere Ordnung gehen (ein Wort im Duden nachschlagen), das Wort vielleicht markieren und das gelernte auf den großen Zusammenhang übertragen.

Geht es ums Aufräumen, muss man von der großen Ordnung (alles weitestgehend grade aufzustellen) manchmal auf ne niedere Ordnung gehen (den Boden saugen).

Das fällt mir - und ich denke - ADSlern eben schwer. Und will man als ADSler aufräumen, und hinterher sieht alles zwar so aus, als wären die DInge irgendwo an einem wild zersreuten Platz, sodass wenigstens der Boden frei ist, dann geht der ADSler davon aus, es wäre aufgeräumt. Dabei ists eigentlich nur "umgeräumt". Wirklich aufgeräumt aber ists noch nicht. Weil der ADSler eben nur eine Ordnung angeht: die, die DInge umzuräumen. Nicht noch, den Inhalt der Dinge (was ne kleinere Ordnung wäre) zu ordnen, und die Stelle zu säubern, auf die die Sachen geräumt werden (und dann auch noch nach Sinn).

Kommt der Vorwurf: "Du räumst nie auf", dann reagiert der ADSler meist mit genau dieser typischen: "kindischen" Verhaltensweise. Weil er eben nur das "Aufräumen" sieht, aber nicht die niedrigere Ordnung, dass damit noch viele andere Sachen dazu gehören, als nur die Gegenstände an den richtigen Platz zu räumen, welcher zwar nicht ordentlich aussieht, aber wenigstens der "richtige" Platz ist.

Ich hörmal auf, weil weiß ned, ob das verstanden wurde gg
Zuletzt geändert von Schocker am 14. März 2009 15:15, insgesamt 1-mal geändert.
Respekt für niemanden! Ich erwarte, dass die Leute das respektieren!
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Träumchen
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Re: Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

Beitragvon Träumchen » 7. Februar 2016 16:39

Hallo Reko,

ich finde deine Idee toll. Ich (22) bin seit 4 1/2 Jahren mit meinem Freund (23) zusammen, die Diagnose ADHS wurde nach 1 oder 2 Jahren Beziehung gestellt, der Verdacht bestand aber schon seit seiner Kindheit.

Tatsächlich gibt es viele Situationen, in denen es zu Problemen kam oder kommt. Manches haben wir gelöst, anderes nicht, manchmal fallen wir auch in alte Verhaltensmuster zurück. Ich denke, letztlich geht es darum individuelle Lösungen und Verhaltensmuster zu finden, mit denen beide Partner umgehen können. Oft stelle ich aber fest, dass es mir an neuen Ideen fehlt, mit einer altbekannten Problematik umzugehen und deswegen fände ich es klasse eine Anlaufstelle zu haben, um neue Ideen zu sammeln. Ich denke dafür ist deine Website ein großartige Idee. :top:

Ich beschreibe dir mal ein paar "Klassiker" und vertraue darauf, dass du mich nicht ungefragt zitierst o.ä. - gerne kannst du dies aber als eine Art FAQ umschreiben.

1. Küche/Geschirr aufräumen
Zunächst mal möchte er es auf einen anderen Zeitpunkt verschieben. Ich habe aber bemerkt, dass dieser Zeitpunkt nie kommt, weil es immer etwas gibt, das dann doch Vorrang genießt. Am Anfang habe ich das dann irgendwann genervt übernommen -  wie du dir vorstellen kannst hat das aber nur zu Problemen geführt. Heute motiviere ich ihn, es gleich zu tun und sich zwischendurch auch nicht mit der Zeitung oder so zu beschäftigen, sondern erst mal aufzuräumen.
Ihm hilft es dann, wenn ich ihn um etwas gezielt bitte, also z.B. Räumst du bitte die Spülmaschine ein und wischt danach den Herd sauber? Ich räume in der Zwischenzeit den Tisch ab und verstaue die Essensreste im Kühlschrank. Dasselbe gilt für alle Aufräumarbeiten und so Dinge wie Müll rausbringen.

2. In den Tag starten
Für mich beginnt der Wochentag mit dem Klingeln meines Weckers. Danach stehe ich idR sofort auf. Am Wochenende schlafe ich am liebsten ohne Wecker aus, stehe dann aber ebenfalls auf, sobald ich aufgewacht bin. Für ihn beginnt jeder Tag mit einem Wecker - er kann sonst nicht entspannt einschlafen, weil er Angst hat zu viel vom Tag zu verpassen. Dann klingelt der Wecker aber nicht ein oder zwei mal, sondern fünf bis zehn mal. Danach bleibt er noch eine halbe Stunde bis Stunde im Bett liegen, ehe er aufsteht und sich in Richtung Bad bewegt.
Zwischenzeitlich habe ich Hunger. Früher habe ich dann den Tisch gedeckt und war sauer, dass wenn er mal früher soweit war nicht ebenfalls den Tisch gedeckt hat, sondern lieber die Zeitung gelesen hat oder mit dem Handy gespielt hat.
Um dieses Problem zu umgehen decke ich nur noch dann den Tisch, wenn ich ihm eine Freude machen will. Ansonsten bleibe ich ein bisschen länger liegen oder nehme mir mehr Zeit im Bad, erledige sowieso anfallende Aufgaben oder so. Wenn er dann auch soweit ist, decken wir den Tisch gemeinsam.

Was auf keinen Fall ginge, wäre dass er früher aufsteht. Das Snoozen haben wir zwar verringert, er braucht aber einfach trotzdem eine halbe Stunde bis eine Stunde eher er in den Tag starten kann - das musste ich akzeptieren und wir haben einen Weg gefunden damit umzugehen.  :breitgrinse1:

3. Probleme
Für ihn gibt immer ein großes Problem - wirklich immer. Irgendetwas ist immer da, dass ihn beschäftigt und über das er sich den Kopf macht. Diese Dinge muss er dann alle mit mir ausdiskutieren - und dann bespricht er alles nochmal mit Eltern/Freunden/... so, als ob wir es nie besprochen hätten.
Dabei tut er sich erstens schwer, wichtige von unwichtigeren Problemen zu unterscheiden - jedes neue Problem ist gleich dramatisch. Zweitens heißt dramatisch wirklich dramatisch: das Problem wird so lange weiter gespannt, bis die schlechtestmögliche Situation am Ende herauskommt. Drittens gehen dabei meine Probleme gänzlich unter, ebenso wie die Tatsache, dass auch ich einen Alltag habe. Das passiert natürlich alles nicht aus böser Absicht, dennoch fällt es mir schwer damit umzugehen.

Wir haben damit begonnen die Probleme zu gewichten und Prioritäten für das Abarbeiten/Lösen zu setzen. So geht nichts verloren, aber man kann sich um das wichtigste zuerst kümmern und den Rest erst mal beiseite lassen. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut - es ist eben ein Prozess.
Manchmal will er mir diese Probleme nur erzählen, ohne eine Lösung zu wollen. Das sagt er mir im Voraus, sodass ich entsprechend reagieren kann. Sonst bin ich sauer, weil er meine Ratschläge nicht annimmt und er ist sauer, weil er gar keine haben wollte.
Zudem erzähle ich ihm von meinem Tag, meinen Problemen und Sorgen. Erinnere ihn, dass ich auch einen Alltag habe. Er hat mich gebeten, ihn einfach zu bitten sich um ein Problem von mir zu kümmern oder mir zuzuhören wenn irgendwas ist. Und das funktioniert ganz gut.  :ja1:

Ich hoffe das hilft weiter.Ich bin schon sehr auf neue Beiträge zu diesem Thema und neue Ideen gespannt! Ich hoffe den ein oder anderen neuen Ansatz zu entdecken -  das Internet ist dazu bisher leider noch keine so große Hilfe...

Liebste Grüße,
Träumchen
Mila1978
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Beiträge: 1
Registriert: 17. März 2016 20:45

Re: Erfahrungsaustausch für nicht AD(H)S´ler in einer Beziehung

Beitragvon Mila1978 » 17. März 2016 20:51

Hallo Träumchen das war ein super Bericht genau so ist es bei mir (uns) auch.

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