hab ich's oder hab ich's nicht?

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Lillyfee
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hab ich's oder hab ich's nicht?

Beitragvon Lillyfee » 15. November 2008 23:44

Nach meine 1-Stunden-Diagnose im August war ich jetzt bei einem anderen Arzt, sehr sehr sympathisch, hat sich viel Zeit genommen... und der kam jetzt (nach einem langen Gespräch) zu der Annahme/Feststellung, daß ich kein ADS habe, sondern nur einen "etwas verkorksten familiären Hintergrund". Mein Lebenslauf war ihm glaube ich etwas zu glatt. Ich hab ne abgeschlossene Berufausbildung, danach 1 Jahr erfolgreich gearbeitet, dann ein Studium (ganz andere Richtung) unter Regelstudienzeit durchgezogen und mit 1,1 abgeschlossen. Zudem war ich nie irgendwie auffällig, kriminell, hatte keine Schulprobleme im Sinne von Streß mit Lehrern etc, habe nie nennenswert Drogen konsumiert, ich rauche und trinke nicht...
Mittlerweile arbeite ich wieder in meinem alten Beruf (einfach weil das besser mit einem Kind vereinbar ist), bin ab sofort allein erziehend und kann mich und meine Tochter von dem Geld, das ich verdiene, nicht alleine durchbringen. Da sie nur von halb 9 bis halb 4 im Kindergarten ist, muß ich alle meine Termine in diesen Zeitraum quetschen und bin auch sonst sehr fit im Organisieren. Aber ist das nicht jede Mutter, die zwischen Arbeit, Haushalt, Arztterminen, Kindergarten, Spielgruppen etc pendelt?
Und trotzdem: sobald ich nach Hause komme, habe ich das Gefühl, 50 kg schwerer zu werden. Ich krieg es nur unter größten Anstrengungen hin, den Haushalt zu machen, meine Post öffne ich grundsätzlich nicht, bei der Dokumentation (in meinem Job unabdinglich) bin ich sehr nachlässig und kann mich dann 2 Tage später natürlich an nichts mehr erinnern... ich habe ein tierisches Chaos auf und um meinem Schreibtisch, überall Stapel mit "Das-mache-ich-wenn-ich-mal-Zeit-hab"-Papieren, in denen ich nicht wieder finde. Wenn ich lese, weiß ich nach 3 Seiten nicht mehr, worum es geht, weil ich abschweife; meine Konzentrationsfähigkeit ist ganz schrecklich...
Meine Beziehung ist gescheitert an meiner schrecklichen Launenhaftigkeit, die nicht vorher zu sagen ist.....
Ich könnte noch zig Dinge aufzählen...
Gibt's hier noch jemanden, der nach außen eigentlich ganz normal wirkt und einen unauffälligen Lebenslauf hat?
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justme13
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Re: hab ich's oder hab ich's nicht?

Beitragvon justme13 » 16. November 2008 12:13

Hallo Lilly,

ja - gibt es.
Realschule ohne Probleme (dank Frontalunterricht und Struktur), Abschluss mit 1,3, Ausbildung verkürzt auf 2 Jahre aufgrund sehr guter Leistungen, 3 Jahre Berufstätigkeit, dann 3 Kinder bekommen und alles in diesem Zusammenhang gemanagt. Mein Arzt meinte, ich hätte sehr gut kompensiert.
Hatte feste Tage fürs Wäsche waschen (und in der Nacht waren die Klamotten alle im Schrank... das war fast zwanghaft), feste Tage fürs Einkaufen und so weiter.
Nur... die Schränke durfte man unter keinen Umständen aufmachen, ich saß oft auf dem Sofa und wusste nicht wo anfangen, traute mich nicht Dinge zu machen die Spaß machten bevor ich irgendwas "sinnvolles" erledigt hatte und demzufolge passierte gar nichts. Alles kostete ungleich mehr Anstrengung als bei Normalos.
Allerdings äußerst impulsiv. Fraß vieles in mich hinein und explodierte dann. Andererseit konnten mich Kleinigkeiten komplett aus der Bahn werfen.

Konnte mir selber beim Hochklettern auf die Palme zusehen und absolut nichts dagegen machen, obwohl ich wusste, dass es sowieso nichts bringt außer Nachteile.

Mein Selbstwertgefühl ist quasi nicht vorhanden...

Mir fällt bestimmt noch mehr ein...
LG
Tina
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Re: hab ich's oder hab ich's nicht?

Beitragvon Lillyfee » 16. November 2008 15:51

Liebe Tina, danke für Deine Antwort!
Und wie hast Du dann Deine Diagnose bekommen? Oder hast Du auch keine? Was für eine Art THerapie machst Du? (Wenn Du eine machst?) Nimmst Du irgendwelche Medis?
Ich sitze hier gerade zwischen ungefähr 40 Haufen: Rechnungen unbezahlt, Rechnungen bezahlt aber nicht abgeheftet, Kontoauszüge von 2 Konten, nicht abgeheftet... 1000 Broschüren, die mir irgendjemand zugeschickt hat, ganz viel beruflichem Material...... und so weiter und ich bin VÖLLIG überfordert. ich weiß zwar, daß man Sachen sortiert in Ordner abheften kann, aber ich kann mir kein System ausdenken. Es ist das blanke Chaos. In 1-2 Stunden kommt mein Ex mit meiner Tochter aus dem WE und bis dahin muß hier ein wenig Ordnung sein. Und ich habe keine Lust alle Sachen einfach wieder unsortiert in die große Umzugskiste zu schmeißen, aus der ich sie gerade mühevoll einzeln raussortiert habe. ABER WO TUE ICH DIE SACHEN NUN HIN????  Ich wette, sie landen wieder in der Kiste und dann habe ich wochenlang keine Zeit, das anzugehen... und muß mit dem ganzen Scheiß umziehen und dann wird es noch schlimmer...  :fr:
Genau so geht es mir, wenn ich z.B. Klamotten einkaufen soll: ich bin völlig überfordert, schon in EINEM Laden. Und wenn's dann wie in einer normalen Stadt üblich in der Fußgängerzone 10-30 Läden gibt, dann gehe ich meistens nach 3 Stunden völlig frustriert wieder nach Hause und hab wieder nix zum Anziehen..

Ich hätte soooooo gerne einmal in diesem Leben einen klaren Kopf. Selbstbewußtsein (ich bin meiner selbst bewußt, aber mehr als Beobachterin, nicht im Sinne von selbstbestimmt..), wissen, was ich wann sagen soll, abrufbares Wissen und nicht immer diesen Nebel im Kopf... sich total blöd fühlen, obwohl ich's nicht sein kann...
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justme13
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Re: hab ich's oder hab ich's nicht?

Beitragvon justme13 » 16. November 2008 16:19

Huhu Lilly,

an die Diagnose bin ich dank meines Sohnes gekommen. Er hatte sie zuerst, ich saß in einem Vortrag über ADS und fühlte mich ertappt... kam mir alles soooo bekannt vor.
Worauf ich dann zu meinem Neurologen bin und der mir dann die Diagnose gestellt hat (wenn du ADS-Kinder hast, fällt es denen leichter eine Diagnose zu stellen).
Ich nehme Medikinet retard 10 mg 3 mal täglich. Es geht mir besser dadurch, die Impulsivität habe ich einigermaßen im Griff und der Antrieb Dinge anzugehen ist auch etwas besser.
Kommt aber auf die Tagesform an, ob Vollmond ist oder die weiblichen Hormone verrückt spielen.

Allerdings mache ich trotzdem noch um jedes Telefon einen Bogen so gut es geht...

Beim Klamottenkaufen geht es mir genauso. Wenn das Warenangebot beschränkt wäre, keine dämliche Geräuschkulisse (Durchsagen, Rolltreppen, Kunden etc.) wäre... dann ginge es vermutlich.

Das mit dem Selbstbewusstsein stimmt auch. Man beobachtet sich ständig selbst, will keine Fehler machen... man ist vermutlich mit sich selber viel zu kritisch...
LG
Tina
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Re: hab ich's oder hab ich's nicht?

Beitragvon Prinzessin » 25. März 2009 22:12

Hallo,

Bin neu hier und frage mich ob ich AD(H)S habe. War noch bei keinem Arzt. Mein Freund hat ADHS und ich beobachte an mir auch verschiedene Symptome die darauf hindeuten. Da es mir sehr schlecht damit geht, wollte ich nun hier noch eine Meinung einholen.

Als Kind war ich schon sehr lebhaft, bin immer auf Tische geklettert und wieder runter, wieder rauf. In der Grundschule hatte ich keine Probleme. Danach war ich allerdings auf drei Schulen und musste immer ieder Wechseln, weil ich nicht gemocht wurde von meinen Mitschülern und gemobbt wurde. Probleme hatte ich nur in Mathe. Gelernt habe ich selten, da ich ein gutes Kurzzeitgedächtnis habe und mir oft vorher nur kurz die Aufzeichnungen in den Heften angesehen habe.
Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler waren jedoch häufig. Und oft haben Lehrer gesagt, das ich verborgenes Potemnzial hätte und das nutzen soll.

Seit ich 12 bin bin ich quasi manisch-depressiv, habe Probleme mit meinem Selbstwertgefühl und bin aggressiv, habe Wutanfälle. Auch bin ich innerlich unruhig und mir fehlt die Fähigkeit zu entspannen. Habe es mit autogenem Training versucht, ohne Erfolg.
Seit ich 14 oder 15 bin habe ich immer das Gefühl "raus" zu müssen, ich sterbe wenn ich nicht ständig etwas unternehme. Mir fällt die Decke auf den Kopf und ich werde traurig und vergrabe mich depressiv im Bett.
Reden tue ich wie ein Wasserfall und oft denke ich Sachen und andere Leute können mir nicht folgen, wenn ich spreche, da das für sie zu große Gedankensprünge sind.
Ich leide momentan sehr daran, dass ich mich selbst so wenig leiden kann, auch ist der Druck im Studium etwas womit ich nicht umgehen kann. Ich verweigere mich dem Stoff und bin sogar fast trotzig. Habe auch schon oft Studiengang und Abschlussziel gewechselt. Die Texte zu lesen fällt mir schwer, oft ist es bei der dritten Seite vorbei und ich kann mich nicht konzentrieren. Wenn ich lernen soll mache ich tausend Dinge nebenher.
Meine Mutter sagt ich war als Kind sehr lebhaft aber ich habe bestimmt kein AD(h)S. Aber die Probleme mit Stimmungsschwankungen, geringem Selbstwertgefühl und diedser Drang ständig etwas unternehmen zu müssen sowie dieses nicht entspannen können machen mich fertig und sind seit Jahren da. WAs ich auch ft haben sind Ängste, ich habe zum Beispiel Angst in dunklen Gegenden rumzulaufen, manchmal auch Angst in engen Räumen.
Ichgebe mir selbst oft an vielen Dingen die Schuld und fühle mich ungeliebt. Ungeduldig bin ich und hibbelig. Wobei ich nicht weiß ob es als Kind schon so schlimm war wie es heute ist. Zudem bin ich auf dem Weg zur Kaufsucht. Wenn ich traurig bin kaufe ich.
Da ich angst habe in der Uni zu versagen und gerne Lernen möchte und einen Abschliss erwerben mag, suche ich jetzt etwas was mir helfen könnte.

Hat jemand eine Idee ob es ADHS sein könnte ? Kann es etwas anderes sein ? Was kann ich machen ?
Ich denke auch, dass es doch aufgefallen sein müsste wenn ich ADHS hätte ?
Zuletzt geändert von Prinzessin am 25. März 2009 22:34, insgesamt 1-mal geändert.
misguidedghost
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Re: hab ich's oder hab ich's nicht?

Beitragvon misguidedghost » 9. April 2016 20:25

Hallo ihr Lieben,

ich habe mich in letzter Zeit verstärkt mit ADHS auseinandergesetzt, weil mein Freund (seit 4,5 Jahren zusammen) seit seiner Kindheit ADHS hat und ich fand, es wird allerhöchste Eisenbahn, mich mal damit auseinanderzusetzen. Dabei habe ich - ähnlich wie ihr - ziemlich viele Symptome (speziell in Bezug auf Frauen) gefunden, die auch auf mich zutreffen. Selbstwertgefühl ist non-existent, auf meine Stimmung kann ich mich selbst nicht einmal verlassen, massive Schwierigkeiten, mich zu motivieren, chaotisch, sehr sehr impulsiv...die Liste wird noch länger :D Überhaupt bin ich sehr emotionsgesteuert, oft ohne es selbst zu wollen und kontrollieren zu können.

Bei mir wurde vor vier Jahren schon eine zwangsneurotische Entwicklung mit depressiven Phasen festgestellt, im letzten Jahr habe ich wieder massiv mit Ängsten zu kämpfen - laut einigen Ratgebern kann auch letzteres ein Anzeichen für ADHS sein.

Wie ihr bin ich aber schon lange aus den Kinderschuhen rausgewachsen, ohne, dass sich in meinem Lebenslauf massive Unregelmäßigkeiten feststellen lassen.

Es kann natürlich gut sein, dass es das typische Auto-Kauf-Phänomen ist: Sucht man sich einen Wagen aus, sieht man ihn plötzlich überall. Darum mische ich mich hier mal unauffällig ein und bin sehr sehr gespannt auf eure Erfahrungsberichte :)
Falschparker
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Re: hab ich's oder hab ich's nicht?

Beitragvon Falschparker » 10. April 2016 00:09

Liebe Misguidedghost,

bitte, bitte lass deinen Beitrag abtrennen vom Team (die sind nett ;) ). Sonst passiert es noch anderen Leuten wie mir, dass sie zwei Beiträge komplett lesen, bevor sie merken dass sie 2009 (!) geschrieben wurden. :oops:

Herzlich willkommen bei uns! :)

Wenn du keine Spur ADHS hättest, hättest du es mit deinem Freund auch nicht 4,5 Jahre ausgehalten. Ob du aber ADHS mit "Krankheitswert" hast und ob die beschriebenen Symptome daher kommen, ist schwer über das Forum abzuschätzen.

Mit dem Thema auseinandersetzen ist erstmal sehr gut, du wirst nach und nach merken ob es dein Ding ist oder eher das "ich-auch"-Phänomen.

Wie wird denn die ADHS deines Freundes behandelt und wie geht er damit um?

Viele Grüße
Falschparker

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