Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

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Lumina

Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon Lumina » 23. August 2008 06:40

Hallo zusammen,

ich frage mich gerade, ob ich jetzt ein kontroverses Thema anspreche, aber ich versuche es dennoch mal. In "ADS  und Vererbung" ging es ja um ein ähnliches Thema, jedoch nicht wirklich um die Konsequenzen.

Wie man heute weiss, spielt bei der Entstehung von AD(H)S auch Vererbung eine Rolle. Die Möglichkeit, dass das Kind AD(H)S hat, ist also durchaus da, wenn Vater oder Mutter betroffen sind.

Nun mal gesetzt den Fall, man hat einen Partner, den man liebt, aber dessen AD(H)S einem selbst auch das Leben schwer macht: Überlegt man vorher mehr, ehe man sich für ein Kind mit dem Partner entscheidet? Spielt(e) AD(H)S eine Rolle bei eurem Kinderwunsch oder war/ist es egal? Wie viele von euch haben ein Kind bekommen, das ebenfalls AD(H)S hat, bei wie vielen geschah das nicht?

Mich würde interessieren, was ihr dazu denkt
Lumina
Zuletzt geändert von Lumina am 23. August 2008 07:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon mesme » 23. August 2008 12:49

HI Lumina,

oh Mann, da sprichst Du echt nen wunden Punkt an. Also,mein Mann hat ADS, ich nicht. In der Euphorie der Diagnosezeit haben wir Nachwuchs angesetzt (also, ist eher auf meinem Mist gewachsen, die Idee). Ich hab die ganze Zeit ziemlich gebibbert, dass die Kleine kein ADS hat, und bislang (jetzt ist sie ein Jahr) sieht es nciht so aus. ISt zwar aktiv, kann sich aber auch schon mal ne halbe Stunde selbst beschäftigen).

In der Zwischenzeit ist es mit meinem Mann nicht besser geworden, trotz Diagnose kamen wir nicht so richtig voran mit unseren Problemen, und da er eben bei der Kleinen auch wieder die allfälligen Routinen vernachlässigt und wieder mal viel an mir kleben bleibt, werde ich mich von ihm trennen.

Allerdings hab ich schon ein bisschen Bammel, dass Vaterlosigkeit bei ihr eine Störung hervorrufen könnte. In bestimmten Psychologiezweigen wird Vaterlosigkeit als Mitursache für ADS angesehen!!  Aber wie auch immer, ich denke, es wär schon schöner für sie, wenns eine Vaterfigur gäbe. Nun soll es leider nicht sein, ich werde sehen, was passiert.


Daher mein Rat an Dich: Erst wenn Du denkst, Du kannst mit diesem Mann zusammen ein Kind großziehen, das ev. sogar ADS hat, würd ich es riskieren. Klar, Kinder kriegt man immer irgendwie groß, aber Eltern von ADS-Kindern lassen sich auch ganz gerne scheiden...

Also, wirklich nur wagen, wenn ihr eure PRobleme im Griff habt oder in den Griff kriegen könnt. Sonst ist der Ärger, egal ob das Kind ADS hat oder nicht, einfach vorprogrammiert.

Hört sich vielleicht blöd an, aber für mich wär im Nachhinein eine Trennung von meinem Mann und wegen der Altersfrage eine Spermaspende die bessere Alternative gewesen.

Grüße

mesme
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon papillonindigo » 23. August 2008 16:17

Hallo Lumina,

Ich habe keine kindern und es hat auch zum teil mit ADS zu tun. Nicht dass ich meine ergut nicht weitergeben möchte (es ist mich egal), aber weil ich sonst mit mein leben genug schwierigkeiten habe...

Und sonst bin ich auch mit mein mann der keine will.

lg
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon CLAUDIA » 23. August 2008 16:29

Äh, hallo? Es gibt sooo viele Krankheiten, die vererbbar sind, und trotzdem gehen wir nicht - bevor wir Nachwuchs wollen - zum Arzt und lassen uns auf alles mögliche testen oder machen vorher einen "Elternführerschein", weil wir befürchten, dass wir irgendwas falsch machen könnten (was dann aus einem Menschen auch einen "kranken" Menschen machen kann).

Was macht die Frau, in deren Familie schon sehr häufig Brustkrebs vorgekommen ist? Sie kriegt trotzdem Kinder und geht häufig zu den Vorsorgen und bittet auch ihre Tochter (so sie denn eine bekommt), regelmäßig hinzugehen. Nur mal so als Beispiel.

Die Garantie, ein "normales" Kind ohne Krankheiten zu bekommen, gibt einem keiner und selbst wenn ich ein solches Kind bekomme, kann im Leben soviel passieren...

Als unsere Kinder geboren wurden, wussten wir noch nichts von unserem ADS, jetzt wissen wir's und denken trotzdem nicht daran, wegen der Vererbung auf weitere Kinder zu verzichten. Keine Ahnung, ob unsere Tochter ADS hat, aber wir haben einen Vorteil: wir wissen, wo wir suchen müssen, wenn's akut werden würde :icon_wink:.

Liebe Grüße,
Dia (mit Kind, Kinderwunsch (irgendwann...), ADS und Partner mit ADS)
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon maed-doc » 23. August 2008 23:59

@C l a u d i a  :smt023:

alles andere artet in darwinsche theorien aus

davon ab sehe ich es als adhs-vater mit entsetzen, wenn man einen adhs-vater so beschissen er sich auch anstellt, durch eine spermaspende ersetzt.

ich persönlich denke das jeder adhs-mann, nicht unbedingt das darstellt, was sich in der gesellschaft als der typische vater bezeichnen lassen würde und sicher sind einige exemplare nicht für ein familieres miteinander geeignet, aber man sollte ihm weiterhin eine chance lassen vater zu sein.

wenn er nicht im stande ist diese rolle wie ein "normaler" vater zu übernehmen, stellt doch allein der fakt das ein vater existent ist und auch greifbar, schon einen deutlichen unterschied zu einer blanken alleinerziehung durch die mutter da.

diese sicht baut auf 2 erfahrungen auf, einmal die als sohn einer allein erziehenden mama und einmal die eines vaters, der eher als guter kumpel durchgeht. ;)


mit besten grüßen
martin
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon mesme » 24. August 2008 09:52

Hi Martin,

mir ist schon klar, dass mein posting asl extrem gesehen werden kann. Es ist bloss so, dass auch der Kindsvater in diesem Zusammenhang mit mir lieber kein Vater geworden wäre. Und da ich ein gewisses Alter erreicht hab, hätte ich bestimmt auch nicht so schnell wieder jemanden kennengelernt, mit dems geklappt hätte. Leider ist die Situation recht verfahren.
Fragt sich, ob ich dann besser auch keine Mama geworden wär. :icon_redface:

Aber mein statement lautet eigentlich so: Es ist nicht so sehr die Frage, was mit dem Kind ist, sondern die Frage, ob einen der Vater dabei unterstützen kann und wird, das Kind zu erziehen. Und ob man im Zweifelsfall allein klarkommt.

Insofern gebe ich auch Claudia recht - es kann sooo viel mit einem Kind passieren, ererbt, unter der Geburt, durch Unfälle... Alles läßt sich nicht ausschließen. Und man kann ADS behandeln! Aber es ist auch klar, dass wenn das ADS stark ausgeprägt ist, man sich sehr viel ums Kind kümmern muss und z. B. als Verdiener ausfällt.
Und dass einen ein ADS-Vater eben auch u.U. nicht adäquat unterstützt - was schon dann sehr belastend sein kann, wenn das Kind völlig normal ist.

mesme
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon CLAUDIA » 24. August 2008 10:24

[quote="mesme"]
Insofern gebe ich auch Claudia recht - es kann sooo viel mit einem Kind passieren, ererbt, unter der Geburt, durch Unfälle... Alles läßt sich nicht ausschließen. Und man kann ADS behandeln! Aber es ist auch klar, dass wenn das ADS stark ausgeprägt ist, man sich sehr viel ums Kind kümmern muss und z. B. als Verdiener ausfällt.
Und dass einen ein ADS-Vater eben auch u.U. nicht adäquat unterstützt - was schon dann sehr belastend sein kann, wenn das Kind völlig normal ist.[/quote]

Klar ist das dann nicht schön, aber es passiert auch (nur mal so als Beispiel), dass zwei "normale" Menschen Eltern eines "normalen" Kindes werden und kurz darauf verliert der Hauptverdiener seine Stelle, fällt das Kind in den Teich und ist für den Rest seines Lebens schwerbehindert, der Mann/die Frau verlässt die Familie - und dann? Dann müssen die drei auch irgendwie zurechtkommen. Dabei sah anfangs doch alles soooooooo gut aus.

Eine Garantie für ein sorgenfreies Leben gibt einem eben keiner.

Für mich gibt es schon Gründe, auf ein Kind zu verzichten, die sogar mit ADS zusammenhängen können. Aber für mich sind es da eher die Lebensumstände und der "Zustand" der Eltern (wenn ich z.B. ohne Kinder schon nicht mit meinem Leben zurechtkomme, was ja auch an ADS liegen kann), nicht die Angst, dass mein Kind ADS haben könnte, weil das vererbbar ist.

Liebe Grüße,
Dia
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon mesme » 24. August 2008 11:17

ich zitiere mich selbst:

Aber mein statement lautet eigentlich so: Es ist nicht so sehr die Frage, was mit dem Kind ist, sondern die Frage, ob einen der Vater dabei unterstützen kann und wird, das Kind zu erziehen. Und ob man im Zweifelsfall allein klarkommt.

Insofern finde ich, Claudia, wir widersprechen uns hier nicht so sehr.

Aber ich halte es auf jeden Fall für schlau, sich Gedanken zu machen, denn ADS ist in hohem Grad vererbbar und die Trennungsquoten zwischen Partnern mit ADS anscheinend riesig. Das find ich schon bedenkenswerter als irgendeinen ev. eintretenden Schicksalsschlag.
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon papillonindigo » 24. August 2008 11:22

Für mich gibt es schon Gründe, auf ein Kind zu verzichten, die sogar mit ADS zusammenhängen können. Aber für mich sind es da eher die Lebensumstände und der "Zustand" der Eltern (wenn ich z.B. ohne Kinder schon nicht mit meinem Leben zurechtkomme, was ja auch an ADS liegen kann), nicht die Angst, dass mein Kind ADS haben könnte, weil das vererbbar ist.
.

Das finde ich auch! Und auch ohne ADS, auf kindern verzichten wegen Lebenumstände oder weil man mit ein leben ohne kindern schon mühe hat, finde ich auch ok. Sogar auch vernünftig.

lg
:vier: So geht es mir beim Rebound oder nach einem langen Stadtbummel
CLAUDIA

Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon CLAUDIA » 24. August 2008 12:01

@mesme
Ich finde auch nicht, dass wir uns großartig widersprechen. Ich habe nur in den letzten Jahren gelernt, dass es viele Dinge gibt, die mir einfach "passiert" sind und die ich nicht verhindern konnte, mit denen ich aber lernen kann zu leben (und mittlerweile sogar sehr gut). Bisher ist nichts passiert, was ich nicht bewältigen konnte (und das waren keine Kleinigkeiten), deshalb denke ich wohl auch nicht drüber nach, ob ich auf weitere Kinder besser verzichten sollte, weil sie ADS haben könnten.
Andere entscheiden das für sich anders - auch OK, das muss jeder selbst wissen (wo kämen wir denn da hin, wenn jemand anders sich in meine/Deine/andererleuts Lebensplanung einmischen würde?!).

Liebe Grüße,
Dia
Lumina

Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon Lumina » 24. August 2008 12:05

[quote="C l a u d i a"]
Äh, hallo? Es gibt sooo viele Krankheiten, die vererbbar sind, und trotzdem gehen wir nicht - bevor wir Nachwuchs wollen - zum Arzt und lassen uns auf alles mögliche testen oder machen vorher einen "Elternführerschein", weil wir befürchten, dass wir irgendwas falsch machen könnten (was dann aus einem Menschen auch einen "kranken" Menschen machen kann).
[/quote]

Genau diese Reaktion hatte ich erwartet, deshalb schrieb ich auch am Anfang meines Postings, dass das sicherlich ein kontroverses Thema ist  :-)

Mutig finde ich den Beitrag von Mesme. Respekt dafür, dass du so offen und ehrlich über deine Situation geschrieben hast  :smt023:

Ich sage nicht, dass die eine oder andere Entscheidung richtig oder falsch ist, mich interessiert nur, wie ihr mit der Thematik umgeht. Es scheint hierbei auch durchaus einen Unterschied zu machen, ob man selbst von ADS betroffen ist oder nicht. Wo ich Mesme absolut verstehen kann, ist die Angst, das Kind am Ende ganz alleine aufzuziehen, weil der Partner sich nicht im gleichen Maße mitkümmert/kümmern kann (jetzt abgesehen von der Trennung wie in deinem Fall, Mesme). Wenn ich mir vorstelle, mein Mann müsste sich um unser Kind kümmern, wird mir leicht schwindelig. Wahrscheinlich würde er es verlegen und wir müssten so lange suchen, bis es sich irgendwann durch Schreien selbst bemerkbar macht  :icon_wink:

Wir wollen beide keine Kinder und ja, ein Grund ist auch das ADS meines Mannes. Von meiner Seite aus, weil ich nicht noch neben dem Haushalt, dem Alltag und meinem Beruf ein Kind (hauptverantwortlich) aufziehen kann und möchte, von seiner Seite aus, weil er mit sich selbst schon genug zu tun hat und wirklich Angst hätte, dem Kind nicht gerecht werden zu können. Vielleicht ändert sich diese Einstellung noch mal irgendwann, derzeit jedoch nicht.

Letztendlich ist es die persönliche Entscheidung eines jeden Einzelnen, sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden (so wie du, Dia, das ja auch gerade geschrieben hast). Egal, ob AD(H)S dabei eine Rolle spielt oder nicht. Daher finde ich Papillonindigos letzten Kommentar sehr passend:

"Und auch ohne ADS, auf kindern verzichten wegen Lebenumstände oder weil man mit ein leben ohne kindern schon mühe hat, finde ich auch ok. Sogar auch vernünftig."

Lumina
CLAUDIA

Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon CLAUDIA » 24. August 2008 12:35

[quote="Lumina"]
Wir wollen beide keine Kinder und ja, ein Grund ist auch das ADS meines Mannes. Von meiner Seite aus, weil ich nicht noch neben dem Haushalt, dem Alltag und meinem Beruf ein Kind (hauptverantwortlich) aufziehen kann und möchte, von seiner Seite aus, weil er mit sich selbst schon genug zu tun hat und wirklich Angst hätte, dem Kind nicht gerecht werden zu können. Vielleicht ändert sich diese Einstellung noch mal irgendwann, derzeit jedoch nicht.[/quote]

Da geht es doch aber dann eher um die Lebensumstände und den "Zustand" der Eltern, nicht um die Angst, das ADS zu vererben, oder?

Über die Idee, auf Kinder zu verzichten, weil man ihnen ADS vererben könnte, war ich wirklich sehr erstaunt, darauf wäre ich nicht gekommen. Aber wenn es um Lebensumstände usw. geht (s.o.), kann ich das völlig nachvollziehen.

Ich habe mir gerade nochmal Deinen Ursprungsbeitrag angeguckt: zuerst schreibst Du von der Vererbung, später aber doch eher davon, dass das eigene ADS einem das Leben schwermacht und ob man sich aus dem Grund vielleicht eher gegen Kinder entscheidet. Meiner Meinung nach zwei verschiedene Paar Schuhe; ich bin über das erste gestolpert :icon_wink:.

Liebe Grüße,
Dia
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon sNAKOR » 24. August 2008 14:54

ich bin seit ein paar tagen diagnostizierter adhs`ler


wie ich über kinderwunsch denke?
ja ich möchte kinder haben, erstens ist es nicht sicher das sie es ererben,
andererseits würde es mir auffallen wenn es so wäre und kann frühzeitig etwas dafür tun, das es dem kind gut geht.

ich sehe adhs mittlerweile nicht mehr als schwäche an, sondern als gabe, die es nur gilt gezielt einsetzen zu können.

wichtig ist für mich allerdings, das ich für kinder da sein kann und mich nicht noch um mich selbst kümmern muss.
ich möchte meinen kindern soviel wie möglich mitgeben können so dass es ihnen gut gehen wird,
was ich aber nicht kann wenn ich noch genügend eigene baustellen habe.
Zuletzt geändert von sNAKOR am 24. August 2008 14:55, insgesamt 1-mal geändert.
Lumina

Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon Lumina » 24. August 2008 19:25

[quote="C l a u d i a"]
Ich habe mir gerade nochmal Deinen Ursprungsbeitrag angeguckt: zuerst schreibst Du von der Vererbung, später aber doch eher davon, dass das eigene ADS einem das Leben schwermacht und ob man sich aus dem Grund vielleicht eher gegen Kinder entscheidet. Meiner Meinung nach zwei verschiedene Paar Schuhe; ich bin über das erste gestolpert :icon_wink:.
[/quote]

Hallo Dia,

mir ging es hierum: "und mal gesetzt den Fall, man hat einen Partner, den man liebt, aber dessen AD(H)S einem selbst auch das Leben schwer macht:..."

Wenn ich z. B. darunter leide, dass ich für die Organisation unseres gemeinsamen Lebens komplett verantwortlich bin (oder mich verantwortlich fühle, weil ich merke, dass sonst vieles brach liegt), finde ich dann auch die Kraft, mich noch um ein Kind zu kümmern? Das war der Grundgedanke hinter meiner Fragestellung. Von daher kann ich Mesme auch so gut verstehen.

Und ich finde sNAKORs Aussage auch ganz toll:
[quote="sNAKOR"]"wichtig ist für mich allerdings, das ich für kinder da sein kann und mich nicht noch um mich selbst kümmern muss. ich möchte meinen kindern soviel wie möglich mitgeben können so dass es ihnen gut gehen wird, was ich aber nicht kann wenn ich noch genügend eigene baustellen habe." [/quote]

Darum geht es mir auch als Nicht-ADSler. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, mit meinem Mann Kinder zu haben. Einfach aus dem Gefühl heraus, dass ich den Alltag wahrscheinlich zum größten Teil alleine stemmen müsste. Und das würde zwangsläufig zu Problem in unserer Ehe und dann wahrscheinlich auch zu Problemen mit dem Kind führen. Ich denke, dass Gefühl einen verlässlichen Partner an seiner Seite zu haben, wenn es ans Kinderkriegen geht, ist sehr wichtig. Und dieses Gefühl habe ich bei meinem Mann derzeit nicht. Wohl gemerkt: Dies ist keine Pauschalaussage in Sachen "AD(H)Sler können keine guten Partner sein", ich spreche nur aus meiner Situation heraus. Also bitte nicht falsch verstehen.

Dia, macht das meine Gedanken klarer?

Lumina
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon CLAUDIA » 24. August 2008 20:50

Das macht es nicht nur klarer, Lumina, sondern da bin ich auch mit Dir einer Meinung. Von daher war es vielleicht gut, dass mein Mann und ich von unserem ADS erst nach Geburt unserer Kinder erfahren haben.

Liebe Grüße,
Dia
Zuletzt geändert von CLAUDIA am 24. August 2008 20:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon maed-doc » 25. August 2008 04:35

hmm... es ist schlussendlich allein euere entscheidung die dort getroffen wird und klar niemand anderem steht dort ein mitspracherecht zu.


eine sache die mir dabei allerdings durch den kopf geht und die ich bei müttern und vätern immer wieder mitbekomme ist, das niemand von ihnen als papa oder mama auf die welt gekommen ist und sie sich definitiv in ihre rollen einlernen, das mag für einen adhs-betroffenen, deutlich schwerer sein, gerade auch wenn er/sie noch auf eigenen baustellen zu arbeiten hat, aber auch wir sind in der lage, gesetzte prioritäten(vor der geburt und vor der planung) einzuhalten.

ich weiß nicht ob es für ein kind leichter ist groß zu werden oder ob es ihm besser geht, wenn er/sie kein chaotisches vorbild hat, würde allerdings behaupten, das für das kind lediglich die liebe beider elternteile wichtig ist, egal wie choatisch dies manchmal auch aussehen mag.
mit dem wissen über adhs und dem herz am rechten fleck, stellt es für mich keinen grund dar, kein kind zu bekommen.
es ergeben sich durchaus auch vorteile durch adhs, angefangen beim humor bis hin zum bereits ertragen leid eines adhslers, was ihn in vielen erziehungsfragen durchaus zu einem wertvollen elternteil macht, gerade dann wenn auch das kind von adhs betroffen ist, wissen diese meist ziemlich genau, wie eine "ausgefallene" situation am ehesten zu händeln ist.


ein anderer punkt der hier ebenfalls angerissen wurde ist der aufwand der unterhaltung, hierbei auch der finanzielle aufwand.

es ist unter umständen schwer eine partnerschafft mit einem adhs-betroffenen zu führen, aber auch wir sind nicht unnütz oder nicht in der lage zu unterstützen und das auch mit nachwuchs im haus.
ich denke man sollte hier eben wie oben erwähnt beim gedanken an nachwuchs, überlegen wie stabil die beziehung ist, wie gut beide partner mit dem thema adhs im altag umgehen können, wenn sich ein paar schon hierbei schwer tut, stellt es für mich durchaus einen punkt dar, der überdacht werden sollte, grundsätzlich ist aber auch das kein grund einen kinderwunsch zu verwerfen.
es muss halt lediglich im vorfeld eine klare regelung geschaffen werden, was im fall der fälle dann, wie zu händeln ist.
es wurde sich auf eine trennung der eltern bezogen und dazu hab ich eine ziemlich klare meinung.
eine trennung zwischen den eltern, hat nichts mit einer trennung eines elternteils, vom kind zu tun und mit einer entsprechenden regelung und dem verhalten von erwachsenen in der krise, sollten auch hierbei keine fragen bezüglich der kindererziehung oder der zuständigkeiten aufkommen.

bleibt die finazielle absicherung, dazu fällt mir lediglich eine frage ein.
dürfen menschen die monat für monat den finaziellen ruin im auge haben, keine kinder bekommen? (darwin?)

meine antwort hierauf, ergibt sich bereits aus der fragestellung und ich denke das jeder mensch einen lebenstraum hat, seine vorstellung vom leben und wenn dieser kinder beinhaltet, dann gibt es für mich keine ersichtlichen grund warum dieser traum nicht gelebt werden sollte. es gibt hürden und auch hindernisse, aber diese als ausrede zu nehmen, wäre in meinen augen falsch.


mit besten grüßen
martin

PS: rein subjektive sicht ;)
Zuletzt geändert von maed-doc am 25. August 2008 04:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon Antofe » 25. August 2008 15:08

Hallo,

ohne alle Antworten gelesen zu haben .....

Also, Partner hat AD(H)S. Diagnose wurde über die große Tochter aus seiner 1. Ehe diagnostiziert. In der Zeit war die Mittlere 2 Jahre und ich mit der Kleinen schwanger.

Insofern spielte es bei der Kinder"Planung" keine Rolle, aber wir leben damit. Die Große wird leider nicht behandelt, weil es die Mutter nicht zulässt. Wenn sie bei uns ist, wird es stressig, aber es geht. Die Kleinen wissen ein Stück, dass Papa manchmal merkwürdig ist.

LG Christine
AD(H)S ler muss man versuchen zu verstehen, ihnen nicht alles durchgehen lassen und sie trotzdem lieben
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon papillonindigo » 25. August 2008 16:39

Hallo Lumina,

Sich auch mit der vererbung zu befassen finde ich auch zum teil berechtigt wenn man in der richtung denkt: "fühle ich mich bewachsen ein kind grosszuziehen, auch wenn er ADS hat (Was einige schwierigkeiten mehr mitbringt)?"

Sonst muss ich für mich sagen dass wenn ich bereit wäre kindern zu haben (aber es ist nicht der fall) wird dann keine grosse rolle spielen ob ADS oder nicht (bei kind): Ich habe ehe oft eine ganz gute draht und viel verständnis für andere ADSler was eine gute basis ist.

Ich habe es auch am arbeit gemarkt (mit kindern) dass ich mit ADS-kindern nicht schlechter klar komme als mit "normalos". Sie sind zwar oft anstregender (ADSler), aber ich verstehe dafür besser wie sie ticken und kann beinahe in ihre gedanken lesen und viieel (fast zuviel) geduld haben.

lg
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon Bibiane » 25. August 2008 21:31

@ mad-doc
stimme dir voll zu! Geld sollte nicht  darüber entscheiden, ob ein Paar Kinder haben kann oder nicht.  Solange es in der Lage ist sie hinreichend zu erziehen und im Alltag zu versorgen, sollte man auch von der Gesellschaft eine gewisse finanzielle Solidarität verlangen können. Schließlich sind wir ein reiches Land und geben für eine Menge sinnlosere Projekte Geld aus.

In den guten alten Zeiten vor der Anti-Baby-Pille wurde zumindest jedem Verheirateten das Recht zugestanden, pleite zu sein und Kinder zu haben. Bei uns gings zu Hause ziemlich knapp zu und obwohl ich immer weniger Zeugs hatte, als die anderen in der Klasse, habe ich das nicht als besonders belastend empfunden und bin auch nicht gemobbt worden. Mit meiner Mutter habe ich schon mal darüber gesprochen, ich glaube für sie war es schlimmer als für uns Kinder!

Heute ist schon die Stimmung in der Gesellschaft eine andere und auch die Anspruchshaltung an materielle Dinge. So verlangte einmal eine Lehrerin von mir, alle Schnellhefter, Stifte und Umschläge neu zu kaufen, owohl sie nur benutzt, aber nicht kaputt waren! Die dürften nicht "gebraucht" aussehen am Schuljahresanfang! So was war während meiner Schulzeit kein Thema! Mein Hinweis auf Müllvermeidung ist auch nicht gut angekommen. Schließlich ist ihr Unterricht so wichtig...da braucht man bestes Material! Da ist es schon, das Grundproblem "Nur das Beste" ! Wer sich davon freimachen kann, der lebt schon viel entspannter!

@ alle
da tauchte die Frage auf wie jemand konkret mit Kinderwunsch umgegangen ist. Ich wußte damals nichts über ADS, aber schon, dass mein Mann anders als der Durchschnitt war. Ich wußte auch, dass ich wohl mein Leben lang für ihn aufräumen und die Post etc. bearbeiten muss! (Bingo!!!)

Ich hab' ihm  aber zugetraut, mich und Kinder zumindest finanziell zu versorgen und auch lieb zu haben. Als mir daran leichte Zweifel kamen, hab' ich schnell meinen Lebensentwurf geändert und geschaut, dass ich im Beruf bleibe.

Bisher klappt das noch mit dem Versorgen und auch mit dem lieb haben, Gott sei Dank! Viele andere Erwartungen an unser Leben mit den Kindern haben sich aber nicht erfüllt, weil die Kinder ganz anders sind als "die Norm".

Wir wußten, das in beiden Familien Legasthenie vorkam und zumindest ich hab so halb damit gerechnet, dass das bei unseren Kindern auch ein Risiko sein könnte. Ehrlich gesagt war mir das damals egal, weil ich unbedingt Kinder wollte und große Stücke in meine erzieherischen Fähigkeiten setzte :icon_redface: Legasthenie haben sie übrigens beide nicht!

Ich hätte auch gerne noch ein drittes Kind gehabt. Das hatten wir geplant, wenn mein Sohn etwas weniger anstrengend sein würde.
Wurde er ja nun leider nie und wird es wahrscheinlich in diesem Leben auch nicht mehr werden. So haben wir den Zeitpunkt dafür schlicht verpasst.

In letzter Zeit habe ich sehr mit meinem Schicksal gehadert, weil meine Kinder selbst mit ihrer Situation sehr unzufrieden und unglücklich sind. Gerne hätte ich ihnen eine weniger belastete Kindheit ermöglicht.
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Re: Diagnose AD(H)S - Umgang mit dem Kinderwunsch

Beitragvon Bleu-de-Q » 25. August 2008 23:16

Für mich wieder so ein Punkt der Verdrängung.
Der Gedanke an Kinder macht mich traurig. Ich hätte gerne einen kleinen Sohn gehabt.
Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich keine Kraft habe. Das macht mir Angst...
Ich will keinem Kind eine überforderte Mutter zumuten. Eine, die genervt ist, weil sie zuwenig Schlaf hatte.
Eine Mutter, die zu nichts zu gebrauchen ist. Die zuviel Zeit für sich beansprucht, zuviel Ruhe braucht.
Ich kann nicht mal Verantwortung für mich selbst tragen - wie soll ein zweiter Mensch in meinem Leben Platz haben, der auf mich angewiesen ist?
Guten Tag! Mein Name ist Fingerspitze und ich bin auf der Suche nach dem passenden Gefühl...

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