Bin am Verzweifeln

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Verzweifelte
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Bin am Verzweifeln

Beitragvon Verzweifelte » 24. Juni 2008 14:52

Hallo zusammen,

endlich habe ich mich überwunden, an einem Forum teilzunehmen und um Hilfe zu bitten, da ich wirklich nicht mehr weiter weiß.    :umpf:

Bei meinem Mann wurde vor ca. 2 Jahren ADHS diagnostiziert, was ich zu diesem Zeitpunkt trotz lesen vieler Fachliteratur als Blödsinn der Psychologen abgetan habe und auch heute teilweise so denke. Diese ganzen Aussetzer, Agressivität, Vergesslichkeit etc. kann auch bei einem Nicht-ADHS'ler auftreten, aber nach einem "erwachsenen" Gespräch ist man bei einem Nicht-ADHS'ler guter Dinge, dass dieser seine Fehler einsieht und diese ändert bzw. nicht wieder macht.
Sei :umpf:t bei meinem Mann diese Diagnose ausgesprochen wurde, ruht er sich immer wieder darauf aus in dem er meint, er hätte ja ADHS und er könne nicht anderst.
Meines erachtens ist es auch teilweise sehr fahrlässig von bestimmten Therapeuten diese Diagnose zu geben, da eben Menschen sich dann auch auf dieser ausruhen können und ja nichts zu ändern brauchen, sie sind ja "krank".

Ich wäre um jedes Kommentar, egal ob positiv oder negativ dankbar, denn ich bin am Verweifeln, d.h. ich weiß nicht mehr was ich glauben soll, was nicht. Ich weiß nicht mehr was ich machen soll etc. Ich denke sogar schon über eine Scheidung nach.

Für's Erste lasse ich das mal so stehen und freue mich über eure Beiträge!   

Gruß  :heul2:
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Re: Bin am Verzweifeln

Beitragvon puppi » 24. Juni 2008 15:02

Bin auch mit einem ADHS´ler verheiratet  und habe zwei süße, total hyperaktive Kinder mit ihm.

Grundsätzlich ist die Erkrankung nicht als Entschuldigung zu nutzen. Niemand sollte sich mit seinen Macken zufrieden geben. Und wir NICHT-ADHS´ler haben auch genug davon...
Aber es gibt auch die andere Seite: Du hast ihn ja schon so kennengelernt und warum erwartest Du jetzt, dass er sich ändert? Was stört Dich denn konkret und wie wahrscheinlich ist es, dass er, selbst wenn er es wollte, daran etwas ändern kann?

Eine Eheberatung hat übrigens noch niemandem geschadet, ob mit oder ohne ADHS - das kann ich aus eigener Erfahrung berichten :icon_wink:.
Denn wie gesagt, auch wir "NORMALOS" sind oftmals ganz abartig unnormal....
Du verstehst, was ich meine...
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Re: Bin am Verzweifeln

Beitragvon Verzweifelte » 24. Juni 2008 15:22

Hallo Puppi,

danke erst einmal für Deinen Beitrag auf den ich auch gleich zurückgreifen möchte.

Zu dem Punkt ich hätte Ihn so kennengelernt, muss ich sagen, nein das war nicht so. Er war ein liebevoller, stilvoller, intelligenter Mann, mit dem man Pferde stehlen konnte.
Doch irgendwann kamen die Marotten, die auch wir "Normalos" auch haben, wenn einige Jahre ins Land gezogen sind. Er wurde immer agressiver wenn Ihm was nicht paßte und wenn ich als Frau nicht gerannt bin wie ein kleiner Hund.
Da ich mir aber von Natur aus nicht meinen Mund verbieten lasse, ist er auch schon handgreiflich geworden.
Dann gab' es für mich nur noch zwei Alternativen: Trennung oder Ihm eine zweite Chance geben. Ich habe Ihm die zweite Chance gegeben. mit der Bedingung zu einem Therapeuten wegen seinen Agressionen zu gehen. Das war dann der Zeitpunkt als ADHS diag dostiziert wurde.
Zu und nun stehe ich da!!!! Er kann ja nicht anderst!!!  :müde:

Vielleicht verstehst Du auch was ich meine!!!
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Re: Bin am Verzweifeln

Beitragvon puppi » 24. Juni 2008 15:33

So stellt sich das natürlich anders dar...  :eusa_doh:
Mein Mann hatte auch eine Phase, in der es ihm schlechter ging und er hochgradig aggressiv war.
Meine Gegenaggression hat er jedoch nicht verstanden... Er hat es erst geschnallt, als ich völlig fertig war und ihm sagte, wie es mir geht und welche Konsequenzen sein Tun langfristig haben wird.
Du solltest Deine zweite Chance wohl an gewisse, ganz konkrete Bedingungen knüpfen...

Geht er denn noch zu seinem Therapeuten? Nimmt er irgendwelche Medis?
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Re: Bin am Verzweifeln

Beitragvon Verzweifelte » 24. Juni 2008 16:03

Ich denke daher wie schon gesagt, dass es eher die Faulheit oder die Bequemlichkeit ist, die diese ADHS'ler ausmacht. Ich meine damit, dass das vielleicht Menschen sind, wo das Problem woanderst zu suchen ist. Vielleicht in der Sozialisation! Ich habe nämlich leider vergebens einen empirisch belegten Beweis gesucht, dass diese Krankheit auch wirklich existiert. Es sind nur wage zusammenhängende Punkte die einem zum ADHS'ler machen und wenn man genauer hinsieht, kann man bei jedem von uns diese Diagnose stellen und einem ein Stigma aufdrücken.

Das mit den Gegenagressionen kenne ich allzu gut. Dieses Unverständnis für andere Mitmenschen, aber die dauernde Forderung Ihr armes Leben zu verstehen und Sie zu unterstützen. Die Konsequenzen habe ich auch angesprochen, dann geht das Ganze mit Regeln und Versprechen von seiner Seite gut, bis er wieder keine Geduld hat und den einfacheren Weg wählt.

Die zweite Chance wurde an konkrete Bedingungen geknüpft und diese hat er bzw. bricht er permanent.

Er ging zu einem Therapeuten und will nun seit der letzten Eskalation (mit Zerstörungswut etc.) nun wieder einen aufsuchen.
Mal sehen was dieser Therapeut dann zu der Medikation meint. Der letzte empfahl, die Medikamente dann zu nehmen wenn er "merkt" dass es wieder losgeht. Oh meine Güte wie lustig der sich das vorstellt. Wenn es losgeht, macht er doch aus seiner Sicht alles richtig, er ist dann auch nicht krank, ich sei es dann und er bräuchte keine Medikament etc. Ab und an nimmt er Sie an hellen Tagen dann doch, aber diese sind zu selten....


:denknach:
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Re: Bin am Verzweifeln

Beitragvon puppi » 24. Juni 2008 16:22

Du hast mich, glaube ich, in einigen Punkten missverstanden... :fr:

Mein Mann entschuldigt seine Schwierigkeiten keineswegs mit seiner Erkrankung und er leidet selbst sehr unter seinen Aggressionen.
Er wurde noch nie handgreiflich gegen mich oder die Kinder und er ist einer der liebevollsten Väter der ganzen Welt. :inlove:

Mit "Gegenagression" meinte ich, dass ich halt auch mal zurückblöke - wer tut das nicht? Das führt allerdings nur zu noch mehr Agression und nicht zur Einsicht...

Wenn Du Deinem Mann schon mehrfach Konsequenzen aufgezeigt hast, dann solltest Du es halt auch mal tun... So schwer es auch ist.

Die Krankheit ist im Übrigen international anerkannt und klassifiziert.
Ich versuch mal einen Link zu setzen...
http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlgm2008/fr-icd.htm

Im Erwachsenenalter gibt es das Syndrom dann leider immer noch...

Sind wir nicht alle ein bißchen blu.... ???(Keine Schleichwerbung! :icon_wink:)
Zuletzt geändert von puppi am 24. Juni 2008 16:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bin am Verzweifeln

Beitragvon ich » 24. Juni 2008 16:49

weisst du, ich finde - egal ob ad(h)s oder nicht - es gibt eigentlich keinen grund sich auf seinen macken auszuruhen ... und krankheit als entschuldigung vorschieben ... grumpf

ich selbst habe verdacht auf ads und klar kämpfe ich mit den widrigkeiten, die leider bei ad(h)s meist ausgeprägter sind, wie bei normalos ... vergessen oder verschusseln ... klar, das tut jeder mal ... aber dauernd? es gehört zum krankheitsbild ... punkt ...

aber trotzdem kann man was dagegen tun. nur wird es mit einer aussprache und "ich will es ändern" nicht gut sein. man muss (auch zusammen mit dem partner) strategien entwickeln, die den "macken" entgegen wirken. dummerweise geht das nicht von heute auf morgen ... aber langsam und schleichend zeigt sich (zumindest bei mir) doch eine besserung.

nur sollte man nie vergessen, dass das wirklich harte arbeit bedeutet ... das kostet eine menge energie, kraft, nerven und auch mut ... es nach jedem rückschlag wieder zu versuchen ... aufzustehen und weiter zu machen ... und manchmal ist der weg verdammt hart ...

ich lerne auch langsam, was prioritäten sind, dass man sachen beendet, wenn man sie schon anfängt und viele andere solcher kleinigkeiten ... zwinker

allerdings bin ich nicht unbedingt aggressiv ... ich hab zwar auch mal einen schlechten tag, brause manchmal schnell auf ... aber das bewegt sich - gott sei dank - durchaus in einem normalen rahmen ...
:willi: 19
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Re: Bin am Verzweifeln

Beitragvon Findus » 24. Juni 2008 18:18

Liebe Verzweifelte,

Du machst es Dir mit dieser Aussage ziemlich einfach.

[quote="Verzweifelte"]
Ich denke daher wie schon gesagt, dass es eher die Faulheit oder die Bequemlichkeit ist, die diese ADHS'ler ausmacht.
[/quote]

Ich finde, dass Du damit unterstellst, AD(H)S gibt es nicht und wenn sie nur wollten, dann könnten sie.

Das ist der populärste Irrglaube, dem leider zu viele unterliegen.

Das Problem ist beispielsweise: Ist ein ADSler in Wut KANN er sich nicht selbst beherrschen, KANN seine Emotionen nicht kontrollieren bzw. braucht erheblich länger um wieder runter zu kommen.

MPH nach Bedarf zu nehmen, halte ich für unsinnig. Denn Stresssituationen sind nur bedingt planbar. Manche belastende Situation ist vorhersehbar z.B. Vorbereitung von großen Familienfesten, andere sind einfach unvorhersehbar schließlich planst weder Du noch Dein Partner einen Streit um Klodeckel, Abwasch oder offene Haustür.

Daher ist es sinnvoll MPH regelmäßig zu nehmen. Davon ab sollte es eingeschlichen werden bis die individuell passende Dosis feststeht. Begleitend zur Medikation ist eine Therapie sinnvoll, in diesem Rahmen kommt erst die Sozialisation ins Spiel. AD(H)S verursacht weitere Probleme, die sich aus der Sozialisation ergeben, aber die Sozialisation ist NICHT die Ursache des AD(H)S.

Durch ein unbehandeltes AD(H)S entstehen während der Sozialisation problematische feste Verhaltensmuster, die aber ohne eine medikamentöse sowie therapeutische Behandlung wahrscheinlich nicht verändert werden können.

Das Problem ist einfach, das AD(H)S für Dich nicht nachvollziehbar ist, Du hast eine ganz andere Wahrnehmung. Vergleichbar wäre es z.B. mit den Veränderungen des Alltagserleben durch Altern. Dafür gibt es inzwischen Anzüge um das zu simulieren, die bisherigen "jungen" Benutzer waren stets erstaunt wie groß doch der tatsächliche Unterschied ist.

Ähnlich ist es mit AD(H)S, es beeinflusst im Prinzip das ganze Leben.

LG Findus
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Re: Bin am Verzweifeln

Beitragvon puppi » 24. Juni 2008 18:31

Hallo, da bin ich wieder :winken:,

mein Link hat nicht ganz so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe.
Auf der Seite, die erscheint, wenn man ihn anklickt, muss man dann den Diagnoseschlüssel F.90 suchen
--> Hyperkinetsiche Störung mit Beginn im Kindes- und Jugendalter

Ein absolut anerkanntes Krankheitsbild - trotzdem kein Grund sich auszuruhen :icon_wink:
Zuletzt geändert von puppi am 24. Juni 2008 18:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bin am Verzweifeln

Beitragvon Verzweifelte » 30. Juni 2008 11:38

Viiielen Dank,

werde mir diesen Link zu Gemüte  :leseopa: ziehen um die Krankheit, oder was auch immer das ADHS wirklich ist, besser zu verstehen.

Lieber Gruß  :urlaub:

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