Habt ihr ein paar Ratschläge für mich?

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Omnia
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Habt ihr ein paar Ratschläge für mich?

Beitrag von Omnia » 19. Juni 2008 13:41

Hey,

ich habe ein kleines bis mittelgrosses Anliegen.. Es geht nicht um mich, sondern um eine Freundin von mir die ADHS hat.. Sie ist 19, wohnt in ihrer eigenen Wohnung, ich habe seit ungefähr 2 Monaten wieder intensiven Kontakt mit ihr..

Das "Problem" besteht darin das ich als ihre Freundin mittlerweile eher das Gefühl bekomme ihre Mutter zu sein.. Ich selbst bin 21, habe die Weisheit also noch nicht mit Löffeln gefressen.. Aber wie kann ich mit ihr umgehen? Manchmal habe ich das Gefühl sie erzählt Dinge, schmückt sie aus und ich weiß ganz genau "Das kann nicht wahr sein"... Sie fordert so viel, ich bin natürlich bereit ihr Aufmerksamkeit und Rückendeckung zu geben, aber im Moment wird es einfach zu viel..
Es fängt bei Kleinigkeiten an.. Ihr Chaos überträgt sich unweigerlich auf mich. Mittlerweile habe ich das Gefühl ich bin ihr Terminkalender, wenn ich ihr morgens nicht sagen würde "Du, hast du schon alles für diesen oder jenen Termin dabei?" würde sie total verplant sein und die wichtigen Dinge vergessen...
Ich traue mich kaum ihr mal zu sagen "Du ich habe heute keine Zeit" oder "Ich brauch mal einen Tag für mich", weil ich dann Angst haben muss das sie sich wieder in Streitigkeiten verwickelt, oder mich abends in einem totalen emotionalen Tief anruft und Hilfe fordert...
Wie kann ich damit umgehen? Soll ich ihr diesen Platz und die Aufmerksamkeit einräumen? Oder soll ich mich distanzieren und sie ihrer nicht vorhandenen Selbstständigkeit überlassen?
Ich habe kaum Erfahrung mit ADHS, habe mich natürlich schon informiert weil ich einfach richtig mit ihr umgehen will...
Aber wenn es so weiter geht kann ich diese Freundschaft nicht mehr tragen... Es muss doch ein gesundes Mittelmaß geben?
Wäre über Ratschläge und Erfahrungen dankbar
lg
Nicole/Rene
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Re: Habt ihr ein paar Ratschläge für mich?

Beitrag von Nicole/Rene » 19. Juni 2008 14:23

Hallo Omnia,

erst mal herzlich wilkommen in der anderswelt.

zu deiner Freundin, hat sie eine Diagnose? Wenn ja, was macht sie damit, Therapieen? Coaching? Medis?

Natürlich ist es nicht Sinn das du ihre Mutter bist, ich denke aber mal, wenn du mit ihr sprichst, wird sie das verstehen. Ich kann mir gut vorstellen, das ihr nicht mal bewusst ist wie sehr sie dich beansprucht und dase s dir einfach zuviel wird.

Wenn sie eine Diagnose hat, dann ist es wirkolich sinnvoll eventuell mal über eine therapie nach zu denken und ein coaching.

lg nicole
8x :willi:
Omnia
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Re: Habt ihr ein paar Ratschläge für mich?

Beitrag von Omnia » 19. Juni 2008 14:52

ja sie macht bzw hat eine therapie gemacht.. bis vor kurzem lebte sie noch in einer jugend-wg, die von sozial pädagonen betreut wurde, dort wurde auch darauf geachte das sie ihre medis nimmt...
aber nun... seit sie in der eigenen wohnung wohnt will sie weder therapie noch medikamente.. das letzte mal war sie vor gut einem halben jahr in stationärer behandlung... es vergeht kein tag an dem mal kein drama ist.. und ich komm gar nicht mehr hinterher mit dem "helfen", wobei ich immer noch nicht sicher bin ob das überhaupt der richtige weg ist den ich da mit ihr einschlage....
ich
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Re: Habt ihr ein paar Ratschläge für mich?

Beitrag von ich » 19. Juni 2008 15:13

erst einmal ein herzlich willkommen!

warum sollte sie doch auch was an ihrem leben ändern, wenn es durch dich doch "so bequem" geworden ist? - sei nicht böse über meine worte, aber ich weiss, wovon ich rede. hilfe für eine weile, wenn gar nichts mehr geht, ist gut! aber hilfe zur selbsthilfe und nicht alles ab- bzw. übernehmen ... damit erreichst du leider meist nur das gegenteil.

einen lieben gruss!
:willi: 19
nixe
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Re: Habt ihr ein paar Ratschläge für mich?

Beitrag von nixe » 19. Juni 2008 16:11

Omnia,

Du siehst das schon ganz richtig: Du bist nicht ihre Mutter. Es ist lieb, dass Du für sie da sein möchtest, aber auch genau so nutzlos. Um die Freundschaft aufrecht zu erhalten, verhalte Dich wie eine Freundin. D.h. hechel nicht nur ihren Ansprüchen hinterher und lass´Dir alles aufbürden, sondern schau´auch auf Deine eigenen Bedürfnisse.

Es ist vollkommen in Ordnung, Grenzen zu ziehen. Das ist für das Fortbestehen Eurer Freundschaft einfach auch nötig. Sie muss akzeptieren und respektieren, dass Du nicht 24/7 auf Dauerabruf stehst. Kann sie damit nicht umgehen, dann geht es leider auch nicht um eine Freundschaft. Als Krücke für ihre Defizite solltest Du in Deinem eigenen aber auch in ihrem Interesse nicht herhalten.

Ihr ist die Diagnose bekannt und auch, welche Mittel und Wege ihr zur Verbesserung ihres Alltags zur Verfügung stehen. Will sie die nicht nutzen, z.B. keine Therapie machen, kein MPH nehmen, dann ist das ihre eigene Entscheidung als erwachsener Mensch. Die Konsequenzen muss sie dann allerdings auch verantworten. Der Punkt ist, sie muss ihren Weg selbst gehen. Möglicherweise muss sie auch noch mal voll gegen die Wand fahren. Aber die Verantwortung für ihr Leben kannst weder Du ihr abnehmen, noch sie Dir zuschieben.

Ich persönlich würde an Deiner Stelle mit ihr darüber sprechen. Darüber, wo es für Dich zu weit geht und zu viel wird und was Deine Sicht der Dinge ist. Wichtig ist, diese Ansage freundlich aber deutlich zu machen und Dich nicht dazu einwickeln lassen, sie ständig zu wiederholen. Ausnahmezustände sind keine Ausnahmen, wenn sie täglich vorkommen. Vielleicht ist es auch keine schlechte Idee, ihr einen Brief zu schreiben, den Du ihr bei dem Gespräch geben kannst.

Liebe Grüße, nixe
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)
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