An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

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papillonindigo
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von papillonindigo » 3. Juni 2008 20:01

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Hallo jens,

"Ich möchte für mich allein sein!" OK kann ich mal akzeptieren, wenn ich weiß, dass das auch mal wieder aufhört. Der Spruch: "Bezieh das bitte nicht auf dich! Nimm es nicht persönlich! Ich bin halt so!" bringt mich nicht weiter und zeigt mir, dass bei ihr nicht ansatzweise die Einsicht gegeben ist, dass man sich vielleicht mit dem Syndrom selbst auseinandersetzen muss.


Für mich ist die reaktion von deine freundin noch keine beweis dass sie nicht an sich arbeitet... Sie ist zwar (in moment so), und kann dich wahrscheinlich es alles nicht besser erklären. Ist so bei ADS dass man auch so oft versucht etwas zu erklären und dann auf unverständniss gestossen dass man einmal vielleicht aufgiebt.

Ich kenne auch diese bedürfniss nach rückzug und muss sagen dass es schwierig es zu erklären warum. Erstauntlichweise brauche ich mehr solche momente, weil ich an mich arbeite...

Sonst wie witch dir sagt, kannst du immer noch deine freundin erklären wie du dich dabei fühlst.

lg
:vier: So geht es mir beim Rebound oder nach einem langen Stadtbummel
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feierflo
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von feierflo » 3. Juni 2008 20:47

@ visionblue

ihr seit seit 3 monaten zusammen und du liebst sie
das freut mich sehr das zu hören denn nur so habt ihr eine chance
einen menschen generell kennenzulernen und zu verstehen dauert lange
aber mit einem AD(H)Sler zusammenzuwachsen dauert länger

frag mal meinen mann wie der am anfang unter mir gelitten hat
ich bin launisch ... impulsiv ... aufbrausend  ... kaotisch
aber ich kann auch genau das gegenteil sein
und glaub mir sie arbeitet an sich und das merkt man schon daran das sie dir sagt das du es nicht persöhnlich nehmen sollst
und das darfst du auch nicht persöhnlich nehmen ... AUF KEINEN FALL
denn es liegt ganz sicher nicht an dir
sie schützt sich und dich vor schlimmerem
und ihr müsst immer wieder miteinander reden
und tue ihr und auch dir einen gefallen und lasse sie in diesen momenten gehen und in ruhe
frage ne weile später nach ob alles ok ist und sag ihr das du sie lieb hast
auch wenn es dir erstmals schweer fallen wird aber schlucke deinen ärger runter
sonst geht sie ganz an die decke ;-)
später wirst du mit ihr reden können und sie wird in der lage sein dich zu verstehen (hoffentlich  :icon_wink:)

wenn du mir ne pm schickst gebe ich dir gerne die telefonnr / msn addy von meinem mann und mir
ich denke wir können euch ne menge helfen was das zusammenwachsen anbelangt
denn wir hatten viele kämpfe um zusammenzuwachsen
den grössten teil haben wir überstanden
ich kann ihn besser einschätzen und er mich
aber das dauert und verlangt von beiden seiten enorm viel verständnis
nur AD(H)Sler haben das verständnis in extrem situationen nicht und können es nur schweer erlernen
ich hoffe das wir euch helfen können
wenn du intresse daran hast
rechts in der ecke steht ein sack mit buchstaben
bitte die die zu viel sind reinschmeissen und wenn einer fehlt raussuchen
dann sind meine texte besser zu lesen ;-)
andrea.e
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von andrea.e » 6. Juni 2008 09:40

Hallo!
Für mich ist das Thema ADS zwar noch absolutes Neuland, aber ich würde trotzdem gerne was dazu sagen:
Vor kurzem habe ich jemanden kennengelernt von dem ich anfänglich total begeistert war. Er war cool, spontan, lustig, kreativ und auch Unterhaltungen mit ihm waren schön, weil er über viele Themen was wußte.
Nach einiger Zeit viel mir auf, dass er sich grundsätzlich verspätete. Er war nur dann tatsächlich cool und locker wenn er was getrunken hatte. Und die unterhaltsamen Gespräche wurden anstrengend weil er nie bei einem Thema blieb. Mein Bekannter schwankte außerdem schrecklich zwischen "ich könnte Bäume ausreißen" und "ich will nur meine Ruhe und schlafen". Das fand ich ganz schön anstrengend.
Vor ein paar Wochen bekam er dann diagnostiziert, dass er ADHS hat. Und nachdem ich viel darüber gelesen habe kann ich es jetzt nachvollziehen.
Kurz: Ich glaube eine Beziehung oder auch wie in meinem Fall eine normale Freundschaft mit einem typischen ADS-ler kann anstrengend sein und kostet oft viel Kraft weil man immer wieder Verständnis aufbringen muß. Aber das ist in jeder anderen Beziehung auch so, oder?
Jetzt würde ich gerne noch was fragen - Für meinen Bekannten ist das Thema mit der Diagnose erledigt. Ich bin aber überzeugt davon, dass er etwas tun muß. Vorallem weil er zuviel raucht und trinkt (er behauptet, dass ihn das beruhigt). Muß die Erkenntnis sich Hilfe zu suchen von alleine kommen oder kann ich ihm helfen?
Andrea
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Findus
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von Findus » 6. Juni 2008 10:11

Hallo Andrea!

tja, du kannst ihm Hilfe und Unterstützung anbieten, ansonsten muss er in der Tat selber bereit und willig sein sich professionelle Hilfe zu suchen.

In wenigen Bereichen kannst Du ihn unterstützen, wie z.B. die Terminplanung verbessern durch dezentes Erinnern...

Einige ADSler haben durch Ihren Partner jemanden gefunden, der ihre Defizite auffängt und sie gewissermaßen coacht. Das kann aber auch nach hinten losgehen.

Er hat also aus DEINER Sicht Probleme mit Alkohol und Zigaretten (oder sind's Drogen?) - dann könntest Du Dich z.B. nach Selbsthilfegruppen für Partner von Alkoholabhängigen umsehen um für Dich das zu bewältigen. Damit er etwas tut muss es aber SEIN Problem werden - ohne Leidensdruck ist meist auch keine Veränderungsbereitschaft da.

LG Findus
andrea.e
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von andrea.e » 6. Juni 2008 14:16

Lieber Findus,

vielen Dank für deine schnelle Antwort. Auch wenn sie etwas entmutigend ist. Denn mein Bekannter sieht das Problem ja gar nicht wirklich. Ihm geht es gut wenn er einen Joint geraucht hat oder am Wochenende exzessiv trinkt und raucht. Wozu also Medikamente?!
Werde mich zurückhalten und ihn nicht wie geplant mit seiner "Krankheit" konfrontieren. Vielleicht würd ich ihm damit auch gar keinen Gefallen tun. Und ich bin mir auch gar nicht mehr sicher, ob das Suchtproblem nicht das größere Problem darstellt.
Lg
Andrea
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MrsKleeblatt
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von MrsKleeblatt » 12. Juni 2008 09:04

Ist ihm denn schon mal die Erläuchtung gekommen, dass er zwecks Beruhigung auch schlicht und einfach die gängigen Medies nehmen könnte? Dann könnte er vielleicht lieber darauf zurückgreifen und auf die vielleicht doch selbst für ihn manchmal lästigen Nebenwirkungen des Rauchens und Trinkens verzichten???

Oder wäre ihm diese Alternative zu langweilig und gesund?

LG,
Katrin
:willi: 6 (08)
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wupilein
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von wupilein » 12. Juni 2008 23:02

hi zusammen
ich weiss das ist die abteilung lebenspartner VON ADHSLERN.
dennoch wollt ich nach lesen von unendlich vielen beiträgen, meinen kommentar auch kurz los werden... :icon_mrgreen:
ich habe seit kurzem adhs diagnosdiziert bekommen ...ich habe 3 kinder, davon haben2 adhs und legasthenie und einer "nur "legasthenie..
ich kämpfe für meine kids seit sie im kindergarten waren, weil erst da auffiehl das sie probleme hatten... und das ist schon sehr lange her...doch leider wurde erst jetzt bei meinem jüngsten (15) bekannt, dass er adhs hat.auf mich hörte man all die jahre nicht, sondern gab immer mir,nie meinem mann die schuld und nur weil ich anders war ( ich wollt das sies einfacher haben im leben  als ich)

es ist sehr schwer als mutter mitzukriegen das ihre kinder immer am kämpfen sind damit sie nicht untergehen , seis schulisch oder weil ander kinder sie mobben, weil sie etwas anders sind ....

ich habe hier viel gelesen oder auch bei mitmenschen bemerkt das NICHT adhsler viel kraft brauchen mit uns, dass viele mit den adhs spezifischen sympthomen nicht umgehen können , oder mühe haben uns zu verstehen..
wie sollen sie auch , wenn wir schon oft nicht wissen was unser problem ist?

es ist sicherlich und  verständlicherweise sehr oft sehr schwer damit umgehen zu können,oft kann mans überhaupt nicht ..
wir sind chaotisch ,wir sind viel von selbstzweifeln , depressionen und stimmungsschwankungen betroffen und wir haben unsere mega macken.......
doch ich wollt euch nur sagen, es ist auch für adhsbetroffene nicht immer einfach damit umzugehen  ...es braucht  auch bei uns viel kraft um teils nicht daran zu verzweifeln, nicht dem gerecht zu werden was ander von uns erwarten...

doch eigentlich  ist selten etwas eine entschuldigung für probleme, die viele paare oder wir mitmenschen (alle gemeint)haben....

das ist auch immer meine predigt an meine kids :00000285:,wenn sie teils meinen ihr adhs als entschuldigung vorbringen zu können, wenn sie etwas nicht gleich hinkriegen...
bei mir kriegen sie jederzeit hilfe und meinen ganzen mutterinstinkt als kampfwaffe :icon_wink: wenn sie wirklich in not sind oder etwas mal nicht so gut läuft, aber ich akzeptier es nicht als ausrede...


ich weiss das ich mich teils auch gehen lasse weil ich ein tief habe und das ich dann nicht weiss wie ich wieder hoch komme...
ich fühle mich auch oft allein und versteh nicht wieso ausgerechnet mir wieder irgend ein vorkommnis passieren muss...teils ist es wie verhext...
ich hab das glück einen mann zu haben ,der viel verständnis für meine etwas exotischen eigenheiten hat ...
wie oben erwähnt wissen wir erst seit kurzem das auch ich adhs habe...
durch das lesen hier im forum erzähl ich ihm immer wieder etwas über beiträge die ich besonders interessant finde ...wir disskutieren auch oft über adhs oder wie (seit ich,aus interesse für meinem mann in diesem forumsthema gelandet bin ) :icon_wink:...es ist mit MIR zusammen zu sein :00000285:
naja es gibt zeiten da bin ich sicher ne mega zicke  :00000285: stimmungsschwankungen hab ich zur genüge,...doch er kann mich genauso auf die palme bringen :icon_wink:, weil er zum beispiel eher der ruhige  oder teils der gleichgültige Typ ist. ich muss ihn oft treiben weil ICH bei uns vieles machen muss...also ihr seht, es gibts auch andersrum  :icon_wink: ....also gleichstand :00000285: dafür ist er beruflich eine wirkliche nummer 1 :icon_wink:
ich bin immer oder meist die , die zieht und organisiert(etwas organisationstalent hab ich glücklicherweise von meinem vater geerbt)mein mann ist auch so lieb und fair, dass er bei komplimenten über unsere kids sagt .... das hat meine frau hingekriegt....

was ich eigentlich die ganze zeit sagen will ...ich sehe das so....selbst wenn man ein handycap hat , es ist oder soll  keine entschuldigung sein , nicht sein bestes zu geben ....
mein mann meinte auf die problematik zu diesem thema hier , wegen sich fast auf geben, weil der ander (adhsler)egoistisch ist , usw....
nicht adhs ist das eigentliche problem, oder nicht nur ... es ist grösseren teils eine charakter sache , und das hat nichts mit krankheiten oder problemen zu tun.

wie oft sieht man in den nachrichten das irgendwelche massenmörder weniger bestraft werden,  weil sie angeblich probleme  in der kindheit oder im leben hatten? :aufsmaul_2:(missbraucht ,verprügelt ,usw.)
ich hatte auch ne sehr schlechte kindheit und wurde von allen mitmenschen um mich,schon auf dem strich oder als alk oder drögeler geshen...... :108:
doch ich habe durch meinen kampfgeist und sicherlich durch meinen charakterzüge (die ich auch erst im erwachsenenalter wirklich als etwas positives zu sehen begann)gelernt, dass man nie aufgeben soll.....(also nicht das ihr denkt ich habe teils  nicht auch andere ansichten :icon_wink: )

ich bin auch froh nun zu wissen das ich adhs habe und so immer neue erklärungen bekomme über ,meine "eigenheiten" doch ich bin ein kämpfer geworden und versuche mein bestes ...
ich bin froh das ich hier die gelegenheit bekommen hab viel über adhs zu lesen und verstehen zu lernen.
den ehrlich erst seit ich weiss was für ein problem ich hab , kann ich noch mehr dazulernen , weil ich mehr versteh und sehe das nicht alles meine schuld ist....es wird nicht helfen , dass andere weniger probleme haben mit meiner art klar zu kommen.
doch die leute die mich kennen wissen meine stärken und meine person zu schätzen...und mit denen dies interessiert rede ich gerne über meine empfindungen seit ich die diagnose adhs erhalten habe.gerade eben meinte mein mann..es ist schön wenns mir hilft ,doch es werde wenig helfen das andere mich nun anders sehen.....
ich meinte nur es muss ja auch an erster stelle mir ganz viele fragen beantworten die ICH habe...ich hoffe das durch mein verständnis für meine person ich sicherlich anders auf mitmenschen wirke ,was schon einen einriss in einen teufelskreis bedeutet

ich hoffe das solche menschen die sich hinter etwas verkriechen oder es als entschuldigung sehen mehr an sich glauben und kämpfen...ich brauch auch oft einen grossen kick,seis durch freunde,kinder oder durch meinen mann ,um teils nicht in einem loch zu versinken, doch der grösste antreiber für mich werde ich glaub immer selber sein.

an alle ADHSLER... ich habe als erstes in diesem forum ein zitat gelesen von jemand der sagte, wir sind was besonderes und wir können viel erreichen, wir sollen uns als etwas  sehr positives sehen  und stolz auf uns sein ...
das ist so  :smt023: .......wir schaffen viel ..sehr viel................ :smt023: doch wir müssen halt etwas mehr kämpfen als andere Leute ...auch wenn eine tür sich schliesst und man nicht geilch wieder eine tür sieht... wie heisst es doch so schön ?wo eine türe zu geht ....geht eine andere auf..
wir schaffen das :smt023: 

nun aber noch etwas an NICHT adhsler  :icon_wink: denkt bitte daran, dass ihr sicherlich ebenso irgendwelche schwächen und fehler habt ,die euch vielleicht auch nicht wirklich bewusst sind.... :icon_wink: auch für uns adhsler nicht immer einfach damit um zu gehen ...

aber schlussendlich braucht es immer 2 ,damit ein gespann funktionieren kann oder ? \:D/ :smt023:

ach ja noch kurz erwähnt ich rede hier so altklug oder aus erfahrung, :icon_wink:wir sind 20 jahre verheiratet \:D/ und haben sehr oft kämpfen müssen ...doch jeder musste sich halt zusammenreissen .....

hiermit ein danke schön an meinen geduldigen und ebenso verständnisvollen mann und meine ebensolle kiddis :inlove:

eine gute stütze ,kann viel gewicht ertragen  :smt023: gell schatz

noch eins zum schluss wir haben herausgefunden , das es viel einfacher geht wenn man sein leben mit sehr viel hummor begleitet ...bei mir sehr oft sarkstische ,doch immer noch besser als deppressiv in ein loch zu fallen...mein humor war immer mein bester und treuster begleiter in meinem ganzen leben ...
in diesm sinne gute nacht :winken:
Zuletzt geändert von wupilein am 13. Juni 2008 08:57, insgesamt 1-mal geändert.
andrea.e
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von andrea.e » 13. Juni 2008 12:06

Hallo Katrin,

bei meinem Bekannten wurde ADHS erst vor ein paar Wochen diagnostiziert. Und die ganzen Jahre über (er ist schon knapp 40) wußte er ja nicht dass er Medikamente nehmen könnte. Er wußte nur, dass er im "Normalzustand", also ohne Alkohol etc. sehr schwankt zwischen überaktiv oder sich hängen lassen. Tja und ich fürchte, dass er sich an all die anderen "Dinge" jetzt schon sehr (zu sehr) gewöhnt hat.
Klar macht er es sich jetzt etwas einfach. Deshalb möchte ich ihn ja auch so vorsichtig wie möglich auf Alternativen hinweisen. Aber ohne ihn vor den Kopf zu stoßen. Denn auch wenn seine Art oft total anstrengend ist, mag ich ihn so wie er ist. Ich möchte ihn nicht verändern. Ich möchte nur, dass es für ihn selber einfacher wird.
Lg
Andrea
dragonsangel
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von dragonsangel » 5. Juni 2011 10:43

Hallo Ihr lieben bin neu hier und wende mich an Euch weil ich nicht mehr weiter weiss. Bin Seelisch momentan sehr down.

Bei meinem Mann besteht Verdacht auf ADHS. Erkannt hat es eine Bekannte die 2 Kinder hat, die einmal ADS und ein mal ADHS habe. Auf Ihren Ratschlag  hat sich mein Mann einen Fragebogen schicken lassen und hat jetzt irgend wann im Juni einen Termin.
Mein Mann weisst auch ziemlich genau die Symtome auf, die Ihr beschreibt. Unser Alltag geht manch mal aber sehr selten gut. Da passt dann alles. Man kann überhaupt kein normales Gespräch mit Ihm führen, da er immer gleich alles auf sich bezieht. Er ist dann immer an allem Schuld und will dann auch nicht mehr zu hören.
Ich liebe meinen Mann und den Vater unster tollen Kinder. Er kann nicht mit mir überseine  Probleme reden sagt er bei anderen. Und das macht mich halt traurig.  Ich verstehe es nicht, weil ich doch seine Frau bin, die doch auch für Ihn das sein möchte. Wenn ich Ihn dann frage warum er mich dann geheiratet hat, bekomme ich keine Antwort und er wird sauer. Ich möchte ihn doch nur verstehen.
Mich macht es sehr traurig und auch wütend, dass er dann zu dieser Bekannten geht. Mirt Ihr beredet er alles. Und mit mir nicht. Ich kann auch mit Ihr reden und sie gibt mir Ratschläge wie ich mich verhalten soll.
Momentan leben wir , mein Mann, meine Kinder und ich  wie in einer WG.
Hoffe wen die Diagnose bestägtigt  ist dass es dann besser wird.
Er sitzt auch immer vor seinem Pc, damit habe ich mich arangiert. Ich lass Ihm soviel Zeit wie er haben möchte für sich.
Ich bin momentan sehr seelisch am Ende und er kann mit meinen Reaktionen nicht umgehen. Es ist alles neu für mich und ich muss erst mal lernen mit dieser Sache umzugehen. Er kann jetzt ganz normal sein mir umgehen und in einer viertel stunde ist es dann auch schon wider vorbei. Oder wenn ich mit Ihm reden möchte das ich auch manch mal fehler gemacht habe dasss sie mir leid tun. Er will es nicht hören.
Ich mache mir dann immer Vorwürfe und denke dann dass ich Schuld bin oder irgend etwas falsch gemacht habe.
Warum redet er nich mit mir. Es ist falsch von mir, wen ich weiss das er bei der Bekannten unten ist dann zu schreiben, viel Spass und Eifersüchtig zu sein, obwohl ich weiss das es gar keinen Grund dafür gibt. Das kotzt Ihn an, das hat er mir gestern gesagt. Das mache ich doch auch nicht extra. Er fühlt sich von mir kontrolliert vor. Ich mach mir doch nur Sorgen um Ihn . Als ich ihm gesagt habe das ich hinter ihm stehe, egal was bei der Diagnose raus kommt. Kam nur von IHm das braucht keiner. Wie soll ich damit umghen?  Ich habe Angst durch mein Verhalten alles kaputt zu machen oder schon getan zu haben. Und das er nur noch da ist wegen den Kinder. Was kann ich denn noch machen?
Ich habe Ihm gerstern an  den Kopf geworfen  dass ich von seinem Termin weiss den er in 14 Tagen hat. Seit dem war funkstille. Ich habe einen Brief gefunden, wo drinn stand dass er sich Testen lässt und von der Bekannten weiss ich dass er diesen Monat diesen Termin hat. Von Ihm habe ich es nicht gesagt bekommen.
Heute morgen redet er normal mit mir , aber eine gewisse spannung ist da. Und ich muss arg aufpassen was ich sage. Er ist in seinem Zimmer und schaut Fern und spielt PC und ich lasse ihn in ruhe.
Ich sitze hier, kann seit Wochen nichts oder kaum noch etwas essen und gerate leicht aus der Fassung und könnte momentan nur noch weinen. Werde auch leicht meinen Kinder 4 und 3 Jahren ungerrecht . Ich bin einfach nur verwzweifelt und möchte meinen Mann  nicht verlieren.

Sorry das es so lang geworden ist. Aber vielleicht kann mir einer von Euch noch Tipps geben.

Danke Euche verzweifelte Sandra
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papillonindigo
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von papillonindigo » 5. Juni 2011 13:17

Hallo Sandra,

Ich hatte eine lange beitrag geschrieben und ist mit timeout verschwunden...

Also, mal eine abkürzung: in deine ehe scheint vieles nicht mehr gut zu sein, und dabei ist nicht nur ADS im spiel. Es scheint bei euch auch die kommunikation schiefgelaufen zu sein.

Dass dein mann sich testen lässt finde ich super und hoffe, es hilft euch beiden. Ich denke, wenn du dich über ADS schlau machst um dein mann zu verstehen und die kommunikation mit ihm zu verbessern ist auch gut. Es gibt auch bücher über ADS und partnerschaft mit gut tips wie mit eine ADSler als partner umzugehen.

Mit kritik und ADS ist eine heikele thema: zuerst weiss er sicher dass er viel mist baut, aber es noch zu hören ist schlimm. Damit kann man lernen zu umgehen und ihm die sache so zu sagen dass es für beiden stimmt. Et was als klare bitte sagen oder humort kommt besser an als vorwürfen und kritik.

Das er mit andere redet über seinen problemen und nicht mit dich, machen viele andere männer. Um so mehr wenn es in die beziehung viel konflikten hat. Aber du kannst auch über dich reden, dein alltag, was du erlebt und was du dich wünschst.

Ist er für ein paartherapie offen? Besser ist jemand der sich mit ADS auch auskennt.

Noch etwas wegen kommunikation und ADS von jemand der selber betroffen ist: Etwas durch die blumen gehen oder zu allgemein kommt nicht an. Es muss klar, kurz und nett sein (humor kommt immer gut an). Also nicht "ich möchte mehr hilfe im haushalt", aber "könntest du jetzt abwaschen?" Dazu kannst du auch noch sagen "ich finde dich sehr sexy wenn du abwäschst"

Wir sind sehr vergesslich. Es passiert mich oft dass ich schon etwas nach 5 minuten vergesse obwohl ich die feste absicht hatte es zu machen. Du kannst dich vorstellen wie es für andere menschen sein kann.  :breitgrinse1: Also, entweder schreibe mich auf, oder man muss mich wieder daran errinern.

Wegen sich kontrollieren fühlen: es passiert in viel ehen dass der mann sich kontrolliert fühlt weil frauen schnell neigen ihm zu bemüttern (fast alle) und wenn ADS in spiel ist, noch mehr.
Ich kenne es gut, dass ich dank alle mist die ich baue oft von andere "kontrolliert" werde. Hilfe brauche ich schon, aber besser wenn ich mitbestimmen kann und es auf nette weise erlebe. Dabei muss ich noch mich als erwachsene behandelt fühlen und nicht als dumme mädchen. Es kommt auch nicht gut an wenn jemand mich seine art aufzwingen will statt mich lassen etwas auf mein weg zu machen. Natürlich muss der ergebnis stimmen.

lg
Vielleicht kannst du mal mit humor dein mann nebenbei sagen dass wenn er selber sein leben im hand gibt dass du ihm weniger bemuttern werde...
:vier: So geht es mir beim Rebound oder nach einem langen Stadtbummel
Lilyana
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von Lilyana » 6. Juni 2011 14:39

Als absoluter Foren-Neuling möchte ich kurz meine Erfahrungen mit meinem Partner (ADHS) niederschreiben. Im Prinzip sind es Kleinigkeiten, so wie ich sie auch von befreundeten Paaren kenne, allerdings manchmal etwas "mehr".

Oberstes Streitthema hier bei uns ist die Ordnung bzw die Unordnung.
Anfangs gibt er sich verdammt viel Mühe, alles soweit es in seinen Möglichkeiten liegt, eine Grundordnung zu halten. Wenn ich ein Thema direkt anspreche, ist er auch sofort gewillt mit anzupacken. Verliert dann aber schnell die Lust. Ich habe Verständnis dafür, dass es nicht immer so geht, wie ich mir das wünschen würde. Im Prinzip stört es nicht. Dann mach ich es halt selbst. Erst wenn ich nicht so kann (weil Projekte anstehen, Überstunden, Krankheit oder Termindruck) komm ich nicht hinterher auch seine "Aufgaben" mit zu übernehmen. Es wird kritisch. Ich bin genervt, weil die Wohnung buchstäblich ins Chaos stürzt und ich kaum hinterher komme. Mein Tag hat manchmal auch nur 24 Stunden  :zwink:.
Er würde mir gern helfen, das merkt man, aber ihm fehlt der Antrieb. Bevor er sich dann wirklich aufraffen kann, ist es meistens 10 nach 12 und die Lage ernsthaft angespannt. Durch meine Genervtheit, die sich nicht immer verbergen lässt, fühlt er sich schlecht und zieht sich zurück. Ein Teufelskreis.
Das ist der Punkt, wo wir uns buchstäblich im Kreis drehen.
Wenn er sich dann wirklich aufrafft, schlägt der pure Perfektionismus durch. Quasi das komplett andere Extrem vom absoluten Chaos. Im Prinzip genauso anstrengend. Ich lasse ihn gewähren. Kritik wäre hier mehr als Fehl am Platz ihn dann zu bremsen. Ich lobe ihn dann dafür, dass er sich abmüht und es so gut wie nur irgend möglich machen will (auch wenn ich beim Zusehen manchmal irre werden könnte ^^). Ich freue mich ja schließlich auch darüber, dass er hilft.
Auch wenn es zwischen den beiden Extremen nicht viel Spielraum zu geben scheint, ist es etwas, was ich noch verschmerzen kann. Auch wenn die Chaos-Tage manchmal die letzte Energie von mir raubt.
Schwierig empfinde ich den Spagat zwischen Unterstützung und Bemuttern. Bemuttern ist genau das, was ihn ankotzt (verständlich). Die Grenze zu ziehen ist nicht wirklich leicht. Ich will ihm ja auch nicht seine Selbstständigkeit nehmen. Ich bin mittlerweile sehr froh, dass er seine Finanzen und Termine ohne mich managed und es da keinerlei Probleme gibt. Da kann ich mich zu 100% darauf verlassen. Unwichtige Termine werden zwar gerne mal verdrängt, aber wenigstens vergisst er sie nicht zur Gänze.
Ist er aufgeregt, habe ich teils Mühe den Erzählungen zu Folgen. Ein Sprung von Hölzchen auf Stöckchen und manchmal etwas wirr. Manchmal entstehen "Gedankenpausen", quasi ein Bruch mitten im Satz. Ich muss mir dann extrem auf die Zunge beissen nicht einfach dazwischen zu platzen und zu warten (ich bin sehr ungeduldig muss ich an dieser Stelle gestehen). Teils auch gespickt mit einer großen Portion Sarkasmus und Ironie. In Streitgesprächen oder Diskussionen nicht wirklich passend, aber seine Art mit Problemen oder Kritik umzugehen. Einige aus meinem Freundeskreis haben ein Problem damit, ich weniger. Ich weiß ja, was er meint und wie er es meint. Manchmal ein Kampf, da ich ihn definitiv bis aufs Blut verteidige wenn es sein muss. Er merkt das natürlich und das nagt an seinem Selbstbewusstsein. Teilweise hart, wenn er einen schrägen Seitenblick kassiert und sich direkt beginnt zu fragen, ob er etwas Falsches gesagt hat.
In seinem Freundeskreis ist er sehr beliebt und geschätzt, sieht das aber meistens nicht. Er überlegt ständig: Was denken die von mir? Meinen die das Ernst? Warum gucken die jetzt? Meistens kommt es auf, wenn es vorher irgendwo Streit gab und er sich direkt verwantowrtlich fühlt, es aber gar nicht ist. Schlechte Erfahrungen wie es wohl die Meisten hier im Forum hatten (von dem, was ich bisher gelesen habe). Wie kann ich ihn bestärken, dass er gut ist, so wie er ist? Freundlich, höflich und nicht aufdringlich? Vor allem ohne zu "bemuttern"?

Im normalen Alltag ohne Stress oder Probleme, läuft eigentlich alles normal. Ich empfinde es als normal so wie es ist. Das Schwierigste für mich sind die Extreme zwischen Chaos und Ordnung und dem mangelnden Selbstwertgefühl, was ich schwer nachvollziehen kann. Launen hat er keine. Er hat eine verdammt gute Kontrolle über sich und ich habe über die Jahre ein Gespür dafür entwickelt, wann es Zeit ist an einer Stelle abzubrechen und keinen Kampf auszutragen, sondern es erstmal Ruhen zu lassen bis sich die Gemüter wieder abgekühlt haben, egal ob er im Unrecht ist oder umgekehrt.
Er mag nur ungern über das Problem ADHS sprechen. Er ist da sehr empfindlich, da er sich als Mensch zweiter Klasse fühlt und auch wohl Früher oft auch so behandelt wurde.
Bisher gab es keine Probleme mit Süchten (Alkohol, Drogen etc). Er macht einen großen Bogen drum. Gut, sein Laster wäre der Kaffee. Ohne Kaffee läuft nix.

Egal, wieviel ich jetzt auch Gejammert habe: ich würde ihn nicht missen wollen. Für mich ist er gut so, wie er ist. Die Macken, die mit dem ADHS daher kommen, sind "verschmerzbar" und im tolerierbaren Bereich. Ich bin auch nicht perfekt und trage auch so meine Macken mit mir rum die nicht minder nervig sein können  :breitgrinse1:
Ich bin halt froh, ertsmal meinen Hintern hochbekommen zu haben und mich endlich zu informieren, was es wirklich bedeutet ADHS zu haben. Damit ich ihm auch endlich den nötigen Verständnis entgegenbringen kann.

LG, Lily
~°°~ Fliegen ist gar nicht so schwierig, wie man denkt: Man muss sich nur auf den Boden schmeissen und vergessen aufzuschlagen. ~°°~
Frosch
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von Frosch » 6. Juni 2011 18:41

Hallo

ich habe nur kurz in den Thread geschaut, bin aber selber ADHSler.

Wichtig wäre vor allem:

Zitat: Lliyana
Im normalen Alltag ohne Stress oder Probleme, läuft eigentlich alles normal.


Es ist egal ob mit oder ohne Partner oberste Priorität Stress zu meiden - gar nicht erst aufkommen lassen, nach Möglichkeit - obwohl sich das sicherlich nicht immer vermeiden lässt - aber so gut es geht.

Zitat: Liliyana
Er mag nur ungern über das Problem ADHS sprechen. Er ist da sehr empfindlich, da er sich als Mensch zweiter Klasse fühlt und auch wohl Früher oft auch so behandelt wurde.


Behandelst Du ihn denn "ganz normal"? Oder kritisierst Du ihn, oder fehlt es an Verständnis?

Er wird sicherlich nie zu der Leistung fähig sein, zu der Du fähig bist, verlang es nicht von ihm. Und er wird sicherlich jede Menge Unterstützung benötigen.
Was ihn aber sicher nicht zu einem Menschen 2. Klasse macht, und das sollte man auch keinen Menschen spüren lassen.

Zitat: Lliyana
Ich bin halt froh, ertsmal meinen Hintern hochbekommen zu haben und mich endlich zu informieren, was es wirklich bedeutet ADHS zu haben. Damit ich ihm auch endlich den nötigen Verständnis entgegenbringen kann.


Das ist suoer  :smt023: und ich denke, das sollte jeder tun, der mit einem Menschen der ADHS "verpartnert" ist, oder im engeren Familienkreis hat.

Ich denke, wenn er merkt das Du genügend Verständnis und entgegekommen ihm gegenüber zeigst, dann wird er auch sicher mit Dir über die Dinge reden die ihm Schwierigkeiten bereiten.

Ich für meinen Teil würde auch nicht reden, wenn ich mich unverstanden unter Druck gesetzt und zweitklassig fühlen würde.

LG
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von graffiti » 6. Juni 2011 20:29

@liliyana:  :ups:
ich habe deinen beitrag (die sequenz über ordnung - oder auch nicht) eben meinen mann lesen lassen, weil ich mich so ertappt fühlte.
ergebnis:
bedächtiges rechner-wegschieben ... den gesichtsausdruck bewußt auf neutral schalten ... sagen: so hätte ich es nicht ausgedrückt ... gesichtsausdruck beginnt, abzuhauen ... aber grade mit dem perfektionismus ... wenn du dann die schränke ... GNNNAAAAAAAAAAAGHHHHHHHHHHH !!! auch wenn ich dir sage: ... gesichtsausdruck fährt volle kraft voraus ... schränke muß man nur alle paar jahre mit politur behandeln ------------ wrrrrrrggghhhhhhhhh, da könnte ich manchmal ...
*räusper* der gute hörte sich richtig bedauernswert an  :ichboss:

ohne es ins lächerliche zu ziehen:
mir ist gerade aufgegangen, warum mein mann oft so wirkt, als wüßte er meinen einsatz überhaupt nicht zu schätzen ... es verändert für mich einiges, das mal von außen zu sehen.

wahrscheinlich habe ich es in der ein oder anderen formulierung schon öfter hier im "partnerforum" gelesen, habe es aber erst in dieser formulierung kapiert.

und: mein mann hat zum ersten mal rüberbringen können, was genau an meinem stop'n'go-verhältnis zur ordnung ihn so fürchterlich unduldsam macht - wo ich bisher immer sämtliche stacheln aufgestellt habe + nicht verhandlungsbereit war.
danke.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
Lilyana
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von Lilyana » 6. Juni 2011 23:17

Ich bin ehrlich: ich habe lange lange überlegt, wie ich es am Besten formuliere damit es nicht beleidigend oder diskriminierend wirkt. Denn das sollte es wirklich nicht sein  :ja:
Habe selbst einige Jahre gebraucht, um zu verstehen warum es von einen Moment auf den anderen von Chaos in Perfektionismus umschlägt und vor allem zu sagen: ok, er hilft mir und das ist das was zählt  :smt023:  Über das "Wie" könnte man sich auch mit anderen Menschen bis zum Sankt-Nimmerleinstag streiten wenn man wollte.

@Frosch:
Ja, ich behandle ihn ganz normal, so wie ich auch jeden anderen Menschen behandle. Ich kritisier ihn nicht, halte keine Vorwurfstiraden oder kommentiere seine Arbeit in irgendeiner Form negativ. Leider kann man das teils von der Umwelt um einen herum nicht immer behaupten.
Klar, es hat ja auch kein Schild um den Hals hängen "Ich hab' ADHS". Nur die engsten Freunde wissen das auch und behandeln ihn genauso wie sie mich behandeln. Nur seine Familie ist manchmal echt ein Problem. Schwierig das Ganze jetzt einigermaßen Wert-neutral zu verfassen: man traut ihm nichts wirklich zu. Macht er es gut (seine Arbeit), gibt es selten Lob. Eher die Richtung: Hättest du auch besser machen können. Mach es so-und-so.
Das zieht ihn natürlich runter und er verfällt schnell in den Zustand: ich kann gar nichts.
Meine Eltern sind teils auch nicht besser. Das gab zwischen ihnen und mir auch schon heftigste Diskussionen dass stumpfsinnige Kommentare hier völlig fehl am Platz sind.
Partys von Freunden (wo natürlich auch uns fremde Leute sind) mag er ungern besuchen, weil er sehr kritisch ist und sich ständig fragt, wie er auf andere Menschen wirkt. Ein Blick kann manchmal schon ausreichen und das aufgebaute Selbstwertgefühl (egal wie klein es auch war) ist dahin und die Prozedur beginnt von vorn. Es kommt zwar nicht oft vor, aber es kommt und wenn dann mit voller Härte.
Da kann ein normaler Einkauf eine Qual werden. "Warum hat der/die mich jetzt so angeschaut?" - "Lachen die jetzt über mich?" - "Nein, nicht das kaufen! Man könnte denken, dass ..." - "Guck mich nicht so schief an! Die denken sonst noch, dass ..." Bis ich geschnallt habe worum es geht, ist die Stimmung natürlich dahin, da ich erst realisieren muss wo er gerade mit seinen Gedanken ist und ich ihn sozusagen "abholen" muss um hinterher zukommen.
Ich mache ihm keine Vorwürfe wenn es zu solchen Situationen kommt. Ich verkneife mir jegliche Kritik in der Öffentlichkeit Sprechen tun wir dann Zuhause darüber und ich kann dann auch eher in Ruhe nachvollziehen, was da in dem Moment los war. Manchmal schwer, da ich die Situationen anders wahrnehme oder erst gar nicht mitbekommen habe weil ich in meinem Einkaufszettel vertieft war.

Durch meine absolute Unwissenheit (und auch Uneinsichtigkeit) kam es bereits einmal zum Beziehungs-Aus. Ich wollte nicht einsehen dass nicht alles so geht, wie es "normal" ist (wo wir bei der zentralen Frage sind: was ist normal?). In der Trennungszeit musste ich mir selbst auch erstmal klar werden, warum sich manche Teufelskreise entwickelt hatten und das war die Zeit wo ich mich wirklich ernsthaft mit ADHS auseinander gesetzt habe. Da wurde mir auch schmerzlich bewusst, was ich zum Beziehungsdilemma beigetragen habe. Es war auch die Zeit wo wir erstmalig auch über dieses Thema richtig gesprochen haben. Wir haben uns klare "Regeln" gesetzt: was ist erlaubt, was nicht. Wo zieht jeder für sich die Grenze, wo ist Spielraum. Das klappt jetzt ganz gut und ich bin zufrieden und ich hoffe er ist es auch so wie es ist.
Wenn er eine Auszeit braucht, bekommt er sie. Ohne Diskussion und wenn das bedeutet dass sich eine Unternehmung um eine Stunde verschiebt. Dann ist es halt so.

Schreibt sich zwar ganz schön, ist aber manchmal schwierig umzusetzen. Ich habe manchmal auch meine Genervt-Tage. Da nervt mich sowieso alles an und ihn da nicht zum Sündenbock zu machen ist verdammt hart. Vielleicht auch ein Grund warum es mich hierher verschlagen hat: wenn ich lese dass es mehr Menschen gibt mit ähnlichen Problemen dann schaut die ganze Situation auch nicht mehr so wild aus wie sie anfangs schien.
~°°~ Fliegen ist gar nicht so schwierig, wie man denkt: Man muss sich nur auf den Boden schmeissen und vergessen aufzuschlagen. ~°°~
Frosch
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von Frosch » 7. Juni 2011 10:33

Hallo Lilyana,

Zitat: Lilyana
Ich bin ehrlich: ich habe lange lange überlegt, wie ich es am Besten formuliere damit es nicht beleidigend oder diskriminierend wirkt. Denn das sollte es wirklich nicht sein  :ja:


Keine Angst - ich empfinde es nicht so - allerdings weiß ich nicht wie der "Rest" es sieht.  :zwink:

Alles weitere beantworte ich aus meiner Sicht - also wie ich es als Betroffener denken bzw. sehen würde, wenn ich gemeint wäre - denn es trifft sicherlich auch auf mich zu.

Es soll genauso weniger diskrieminierend oder angreifend wirken, und ich hoffe es kommt auch nicht so "rüber" - ich habe (auch ADHS bedingt :abc: - Schwierigkeiten mich passend auszudrücken - ich hoffe Du siehst es "nicht so eng" solltest Du es dennoch so empfinden :fr: :ja:)

Zitat: Liliyana,
Habe selbst einige Jahre gebraucht, um zu verstehen warum es von einen Moment auf den anderen von Chaos in Perfektionismus umschlägt und vor allem zu sagen: ok, er hilft mir und das ist das was zählt  :smt023:  Über das "Wie" könnte man sich auch mit anderen Menschen bis zum Sankt-Nimmerleinstag streiten wenn man wollte.


Ich denke, das kann man schwer mit anderen Menschen diskutieren, die diese Schwierigkeiten in solchen Beziehungen nicht kennen.
Das ist sicherlich ziemlich individuell, denn es sind ja nicht nur die Unterschiede ADHS und kein ! ADHS sondern auch unterschiedliche Charaktere.
Was sicherlich hilfreich ist, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Denn es wird auch nicht einfach sein, mit diesen Schwierigkeiten alleine zu sein.
Aber das machst Du ja jetzt. - Schön!

Schön finde ich auch, das Du siehst - das er hilft - und das dieser Wille zählt, und nicht wie groß diese Hilfe für Dich ist.
Für Dich wird es sicher (...ganz oft  :schäm:) so aussehen, als wenn er sich kaum Mühe gibt. Aber das ist sicher nicht der Fall - er wird sich so viel Mühe geben, wie er kann.
Nur kann leider keiner sehen, wie viel Kraft es manchmal kostet, dem Partner zu helfen. Besonders, wenn man mit sich selbst schon genug zu kämpfen hat, und am liebsten noch nach Unterstützung "schreien" würde.
So ein Tag, kann manchmal sehr anstrengend sein - auch wenn es den Anschein hat, das man kaum etwas getan hat. :baw:

Zitat: Liliyana
Ja, ich behandle ihn ganz normal, so wie ich auch jeden anderen Menschen behandle. Ich kritisier ihn nicht, halte keine Vorwurfstiraden oder kommentiere seine Arbeit in irgendeiner Form negativ. Leider kann man das teils von der Umwelt um einen herum nicht immer behaupten.


Nein, das kann man leider nicht, und das ist denke ich, ein sehr großer Punkt.
Die Umwelt um Euch herum, muss Euch egal sein - Ihr müsst klar kommen. Alles was von außen kommt, bringt letztlich nur zusätzliche Schwierigkeiten, die sich dann wiederum auf Euch übertragen und Stress bedeuten. Der wiederum nicht gut ist.

ZItat: Liliyana
Klar, es hat ja auch kein Schild um den Hals hängen "Ich hab' ADHS". Nur die engsten Freunde wissen das auch und behandeln ihn genauso wie sie mich behandeln. Nur seine Familie ist manchmal echt ein Problem. Schwierig das Ganze jetzt einigermaßen Wert-neutral zu verfassen: man traut ihm nichts wirklich zu. Macht er es gut (seine Arbeit), gibt es selten Lob. Eher die Richtung: Hättest du auch besser machen können. Mach es so-und-so.
Das zieht ihn natürlich runter und er verfällt schnell in den Zustand: ich kann gar nichts.Meine Eltern sind teils auch nicht besser. Das gab zwischen ihnen und mir auch schon heftigste Diskussionen dass stumpfsinnige Kommentare hier völlig fehl am Platz sind.


Verständlich - nur leider kannst Du seine und auch Deine Familie nicht ändern, und stetig in solche Auseinandersetzungen zu gehen - sind nicht gut.
Sie werden sich weder für ihn, noch für Dich ändern.

Das einzige was hilft ist sich von der/den Familien zurück zu ziehen und ihnen nicht so viel Raum zu geben.
Ihr habt Freunde - die Euch beide gut annehmen, und das ist wichtiger als die ablehnende Familie.

Letztlich sind diese Auseinandersetzungen auch nicht gerade zuträglich für Eure Beziehung.
Wenn ständig das Selbstwertgefühl wieder niedergemacht wird, wenn man Kontakt zur Familie hat, und es ständig neu aufgebaut werden muss - wird es allgemein betrachtet nicht besser.

Zum Beispiel auch bei den nachfolgenden Punkten.

Zitat: Liliyana
Partys von Freunden (wo natürlich auch uns fremde Leute sind) mag er ungern besuchen, weil er sehr kritisch ist und sich ständig fragt, wie er auf andere Menschen wirkt. Ein Blick kann manchmal schon ausreichen und das aufgebaute Selbstwertgefühl (egal wie klein es auch war) ist dahin und die Prozedur beginnt von vorn. Es kommt zwar nicht oft vor, aber es kommt und wenn dann mit voller Härte.


Wird auch sicher immer wieder vor kommen. Aber ist nicht ein großer Punkt der, das sein Selbstwertgefühl nie auf "einer Ebene" bleiben kann?
Bei Dir und bei Euren Freunden, hat er kein Problem so sein zu dürfen wie er ist - er muss nicht jedesmal mit einem Keulen Schlaf aufs Selbstbewusstsein rechnen, das ihn wieder sehr klein werden lässt.

Selbst wenn Partys bei Freunden sind - könnte es schon viel einfacher werden - sollten Fremde Personen da sein, die er nicht kennt - die volle "Rückendeckung" zu haben.
Mit dem Gefühl im Hinterkopf, das es viele Leute auf der Party gibt, die zu ihm stehen und ihn notfalls ein wenig aufpäppeln, sollte eine blöde Situation kommen - wird es viel einfacher sein.

Es heißt ja nicht, das Du immer diejenige sein muss, die neben ihm steht und dafür sorgt, das er nicht "zerfällt". Wenn genügend Freunde dabei sind - sollten doch auch genügend "Stützen" vorhanden sein.

So das Du Dich auf diesen Partys auch "frei bewegen" kannst.

Danach könnt Ihr daheim immer noch darüber reden, wie diese Situation empfunden wurde.

Da kann ein normaler Einkauf eine Qual werden. "Warum hat der/die mich jetzt so angeschaut?" - "Lachen die jetzt über mich?" - "Nein, nicht das kaufen! Man könnte denken, dass ..." - "Guck mich nicht so schief an! Die denken sonst noch, dass ..." Bis ich geschnallt habe worum es geht, ist die Stimmung natürlich dahin, da ich erst realisieren muss wo er gerade mit seinen Gedanken ist und ich ihn sozusagen "abholen" muss um hinterher zukommen.


Vielleicht, kannst Du ihn ja beim einkaufen ein wenig ablenken? So wie es ausschaut bekommst Du doch sehr gut mit, was ihm Probleme bereitet. Und wenn es ersichtlich ist, das er darüber grübelt, warum wer wie schaut, kannst Du doch Dein Statement dazu abgeben, was DU meinst, wie derjenige schaut.

Zum Beispiel: "Hast Du gesehen wie der schaut - der schaut vielleicht so, weil..." Das könnte auf jeden Fall dazu beitragen SEINE Gedanken, die eventuell Ängste auslösen könnten kann natürlich auch sehr oft andere Gefühle auslösen :zwink:)zu unterbrechen, und sich klar zu machen das es nicht so schlimm ist wie derjenige schaut, sondern einen ganz einfachen Grund haben könnte.

Oder bei eventuellen Gedanken von, es könnte ja jemand denken...? Na, und, ist doch egal was der denkt. Hat nicht zu interessieren.

Gut ist auch einen Einkauf etwas lustiger zu gestalten, so das perse keine schlechte Stimmung dabei ist, man kann auch durchaus beim Einkaufen Spaß haben.  :ja:
Halt einfach beim einkaufen "spielen" so wie Du es mit einem Kleinkind machen würdest, damit es nicht langweilig wird - halt nur für einen Erwachsenen - klar, oder?  :breitgrinse1:

ZItat: Liliyana
Ich mache ihm keine Vorwürfe wenn es zu solchen Situationen kommt. Ich verkneife mir jegliche Kritik in der Öffentlichkeit Sprechen tun wir dann Zuhause darüber und ich kann dann auch eher in Ruhe nachvollziehen, was da in dem Moment los war. Manchmal schwer, da ich die Situationen anders wahrnehme oder erst gar nicht mitbekommen habe weil ich in meinem Einkaufszettel vertieft war.


Kritik in der Öffentlichkeit wäre auch gar nicht gut  :up_to_something: Schön, das Du es nicht machst, und Dir jegliche Kommentare verkneifst.
Ich kann mir vorstellen, das Du es anders wahrnimmst wie er oder gar nicht mitbekommst.
Warum schaut Ihr denn nicht zusammen auf den Einkaufszettel? Wäre doch auch eine Gelegenheit, der Ablenkung von anderen Wahrnehmungen während des einkaufens.

ZItat: Liliyana
Durch meine absolute Unwissenheit (und auch Uneinsichtigkeit) kam es bereits einmal zum Beziehungs-Aus. Ich wollte nicht einsehen dass nicht alles so geht, wie es "normal" ist (wo wir bei der zentralen Frage sind: was ist normal?). In der Trennungszeit musste ich mir selbst auch erstmal klar werden, warum sich manche Teufelskreise entwickelt hatten und das war die Zeit wo ich mich wirklich ernsthaft mit ADHS auseinander gesetzt habe. Da wurde mir auch schmerzlich bewusst, was ich zum Beziehungsdilemma beigetragen habe. Es war auch die Zeit wo wir erstmalig auch über dieses Thema richtig gesprochen haben. .


Vielleicht, musste es auch erst mal soweit kommen, damit Du Dich informierst, und auch Dir klar wird, das nicht alles von ihm ausgeht.
Und auch, das die Einsicht, das er nicht dafür kann, wie er ist auf kam.
Schön, das Ihr darüber reden konntet. Und es auch hoffentlich immer noch könnt.

Zitat: Lilyana
Wir haben uns klare "Regeln" gesetzt: was ist erlaubt, was nicht. Wo zieht jeder für sich die Grenze, wo ist Spielraum. Das klappt jetzt ganz gut und ich bin zufrieden und ich hoffe er ist es auch so wie es ist.
Wenn er eine Auszeit braucht, bekommt er sie. Ohne Diskussion und wenn das bedeutet dass sich eine Unternehmung um eine Stunde verschiebt. Dann ist es halt so.


:smt023:

Zitat: Liliyana
Schreibt sich zwar ganz schön, ist aber manchmal schwierig umzusetzen. Ich habe manchmal auch meine Genervt-Tage. Da nervt mich sowieso alles an und ihn da nicht zum Sündenbock zu machen ist verdammt hart. Vielleicht auch ein Grund warum es mich hierher verschlagen hat: wenn ich lese dass es mehr Menschen gibt mit ähnlichen Problemen dann schaut die ganze Situation auch nicht mehr so wild aus wie sie anfangs schien.


Das stimmt. Bevor Du ihn zum Sündenbock machst, obwohl ersichtlich ist, das er sich nun mal nicht mehr Mühe geben kann als er tut.
Ist es sicherlich besser, hier Ratschläge zu suchen und zu "reden". Ansonsten gibt es auch sicherlich an solchen Tagen eine andere "Möglichkeit" sich abzureagieren - z.b. Sport.

Wichtig wäre dabei aber dann auch mitzuteilen - das Du keinen guten Tag hast, und Deine Genervtheit nichts  mit ihm zu tun hat.
Es ist ein furchtbares Gefühl nicht zu wissen, warum der Partner so genervt ist, ohne einen Grund dafür zu wissen.
Für mich gesprochen kann ich zwar immer erahnen, was mit meinem Partner los ist - oder ich weiß es! Aber dennoch ist es etwas anderes, die ausgesprochene Variante des Partners zu hören - freiwillig - ohne ständig nachfragen zu müssen.
Sobald ich mich gezwungen fühle nach zu fragen, und dann eine Antwort in die Richtung "ach nichts" kommt - fühle ich mich schuldig und mache mir die tollsten Gedanken, warum er denn nun so schlechte laune hat.

Es reicht doch schon einfach nur zu sagen: "Ist nicht mein Tag, ich bin ziemlich genervt, weil...und ich möche jetzt erst mal eine Auszeit haben - die steht auch Partnern zu - es ist kein! ADHS Privileg.
Außerdem ist es dann auch mal ein schönes Gefühl dem Partner zu hören zu können - und etwas von dem zurück geben zu können, von dem man so viel bekommt.

Sehe es mal so - Dein Partner hat nur ADHS, ist nicht "minderbemittelt" nur ANDERS. Und kann nicht alles so fix und gut wie Du, und braucht deshalb mehr Unterstützung. Was nicht ausschließt eine ganz "normale" Partnerschaft zu führen.

(Was auch immer "normal" ist - für Euch ist das normal, was und wie Ihr zusammen leben könnt! )

LG
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von Lilyana » 7. Juni 2011 12:10

Danke Frosch für Deine Antwort. Nein, ich sehe es nicht zu eng  :zwink:  Wäre ja blöd wenn ich mich hier anmelde für Rat und Unterstützung und würde dann direkt alles krumm nehmen.

Die Idee mit dem Einkauf gestalten finde ich richtig gut!  :smt023:  Muss ich mir beim nächsten mal etwas Passendes überlegen wie sich das am Besten umsetzen lässt.

Mit dem Selbstwertgefühl ist es so eine Sache. Im Moment hat er eine Phase da strotzt er nur so vor Energie ohne "einzubrechen" und es wäre echt schön, wenn es noch eine zeitlang so bleibt und das trotz der letzten Prüfung am Donnerstag für den Techniker. Worüber ich auch sehr dankbar bin muss ich gestehen.

So, seine Prüfung ist gleich vorbei und ich habe versprochen Essen zu machen  :breitgrinse1:

LG, Lily
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von Frosch » 7. Juni 2011 12:50

Hallo Liliyana,

Zitat: Liliyana
Danke Frosch für Deine Antwort. Nein, ich sehe es nicht zu eng    Wäre ja blöd wenn ich mich hier anmelde für Rat und Unterstützung und würde dann direkt alles krumm nehmen.


Ist was wahres drann.  :zwink: Mir war es halt lieber vorher lieber darauf aufmerksam zu machen, BEVOR es in den eventuellen "falschen Hals" gerät. (passiert halt noch zu oft  :icon_rolleyes:)

ZItatL Liliyana
Die Idee mit dem Einkauf gestalten finde ich richtig gut!  :smt023:  Muss ich mir beim nächsten mal etwas Passendes überlegen wie sich das am Besten umsetzen lässt.


Das freut mich - Du wirst sehen, das klappt bestimmt besser. Dir wird sicherlich etwas einfallen, das sich problemlos umsetzten lässt.
Würde mich freuen, wenn Du berichten würdest - wie es war.  :ja:

Zitat: Liliyana
Mit dem Selbstwertgefühl ist es so eine Sache. Im Moment hat er eine Phase da strotzt er nur so vor Energie ohne "einzubrechen" und es wäre echt schön, wenn es noch eine zeitlang so bleibt und das trotz der letzten Prüfung am Donnerstag für den Techniker. Worüber ich auch sehr dankbar bin muss ich gestehen



Das ist schön - hast Du denn eine Ahnung, woran es liegen könnte, das er so eine gute Phase hat?
Ist manchmal nicht schlecht zu wissen - denn dann kann man versuchen die Dinge zu meiden oder auch merklich zu reduzieren, die so negativ auf den Selbtwert einwirken.
Oder auch zu versuchen einen anderen Umgang damit zu finden.

Vielleicht, hat die Prüfung auch ein wenig damit zu tun, vielleicht hat er schon so eine Ahnung wie sie für ihn ausfallen wird.  Ich hoffe natürlich das es noch etwas anhält.

ZItat: Liliyana
So, seine Prüfung ist gleich vorbei und ich habe versprochen Essen zu machen  :breitgrinse1:


Dann lass Dich mal nicht aufhalten.  :breitgrinse1:

LG
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von Lilyana » 7. Juni 2011 14:05

Das ist schön - hast Du denn eine Ahnung, woran es liegen könnte, das er so eine gute Phase hat?
Ist manchmal nicht schlecht zu wissen - denn dann kann man versuchen die Dinge zu meiden oder auch merklich zu reduzieren, die so negativ auf den Selbtwert einwirken.
Oder auch zu versuchen einen anderen Umgang damit zu finden.

Vielleicht, hat die Prüfung auch ein wenig damit zu tun, vielleicht hat er schon so eine Ahnung wie sie für ihn ausfallen wird.  Ich hoffe natürlich das es noch etwas anhält.


Vermutlich liegt es daran, dass der Techniker jetzt in die Endphase kommt. Am Donnerstag ist die letzte Prüfung und dann ist es vorbei. Die zwei Jahre waren wirklich anstrengend gewesen und ich denke die Last fällt so langsam ab, die Zielgerade kommt in Sicht  :ja:
Morgens wieder in die Schule, konzentrieren den ganzen Vormittag über, Lernen usw. Das hat sehr an den Nerven gezerrt und hat ihn an manchen Tagen echt an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht.
Ich hatte in der Zeit meinen Job verloren, das Finanzielle wurde plötzlich ein Problem. Zwei Todesfälle kamen dazwischen (u.A. sein Großvater, für ihn sein absolutes Vorbild gewesen erkrankte schwer und verstarb ein halbes Jahr später).
Durch meinen Jobverlust fiel ich zusätzlich noch in ein Loch ... um ehrlich zu sein bin ich haarscharf an einer Depression vorbei geschliddert. Machte das Zusammenleben nicht wirklich einfacher und das war der Punkt der Trennung. Zu viele Faktoren die aufeinander prallten. Wir mussten uns Beide erstmal wieder ordnen. In der Zeit bin ich in Therapie gegangen um bei mir erstmal wieder aufzuräumen und als ich wieder wieder klar denken konnte und mich wieder im Griff hatte, bin ich wie schon geschrieben auf die ADHS-Problematik überhaubt bewusst aufmerksam geworden.
Durch den Abstand den wir hatten, konnten wir neu anfangen. (Ich wiederhole mich merke ich gerade  :ichboss: )

Ich denke deshalb ist es im Moment gerade "ruhig" und läuft ohne größere Zwischenfälle. Ich bin quasi wieder ich, lasse mich selbst gerade zur BTA ausbilden und bin nächstes Jahr um diese Zeit fertig. Zusatzqualis können ja nie schaden und ich wollte schon immer ins Labor, was bisher kaum in meinem Arbeitsbereich lag  :8:
Er hat einen Job sicher, finanziell läuft es wieder gut. Die Wohnung ist zwar nicht penibelst aufgeräumt, aber hier sieht es nicht mehr aus "wie Sau" und man muss nicht Schiss haben, dass spontan-Besuch kommt.
Wir planen im Moment einen Umzug für nächstes Jahr, ich konnte ihm über meine Mutter ein kleines Stückchen Garten organisieren wo er sich ein Gemüsebeet anlegen kann. Darauf freut er sich tierisch  :breitgrinse1:  Da kann er mal so richtig Dampf ablassen (Umgraben ^^).

Und nachdem er eben das Forum offen gesehen hat, dass ich mich hier angemeldet habe für mehr Infos usw, haben wir lange über ADHS gesprochen und wie er sich fühlt usw. Das tat auch mir richtig gut und er spielt mit dem Gedanken sich auch anzumelden. Es kann nicht schaden wenn er auch Kontakt zu Gleichgesinnten findet, die ihn an vielen Stellen besser verstehen können als ich es kann  :ja:

LG, Lily
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von papillonindigo » 7. Juni 2011 16:47

Hallo lilyana,

Zuerst finde ich toll wie du mit dein partner umgeht  :smt023: es ist sicher nicht einfach, aber du machst es richtig.

Ich bin selber von ADS betroffen, diagnose seit fast 4 jahren

Wegen selbstwertgefühl: dort finde ich dass du auch richtig machst. ADSler haben oft (du weiss ja) so viel erlebt dass sie sich auch oft als unfähig sehen. Dabei mit diagnose, verständnis von ADS und kompensationstrategie kann es mit die jahren sich viel ändern. Es hilft zu wissen dass man nicht viel anders kann und dass man trotz allem sene bestens immer gegeben hat. Es hilft zu wissen dass sein eigene hirn mal so ist. Wenn ADS behandelt wird, kommen dann erfolgerlebnissen die sehr gut tuen.

Alles dass hat mich geholfen. Humor tut es auch gut, wie kontakt mit andere ADSler (wir können so gut gemeinsam lachen über unsere macken). Mich hilft es auch die macken von nicht ADSler auch zu sehen und auch meine stärken.

So eine idee, wenn er sich gedanken macht wieso andere leute ihm kommisch anschauen oder komsich sind mit ihm: Zeigt ihm dass sie eben auf ein art "kommisch" sind, oder macht ein witz darüber. Mich hilft abstand zu haben und weniger persönlich zu nehmen, wenn ich sehe wie andere ihre macken habe.

lg
:vier: So geht es mir beim Rebound oder nach einem langen Stadtbummel
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von Frosch » 8. Juni 2011 12:41

Hallo Liliyana,

Zitat: Liliyana
Vermutlich liegt es daran, dass der Techniker jetzt in die Endphase kommt. Am Donnerstag ist die letzte Prüfung und dann ist es vorbei. Die zwei Jahre waren wirklich anstrengend gewesen und ich denke die Last fällt so langsam ab, die Zielgerade kommt in Sicht  :ja:


Das wäre ein sichtlicher Grund.  :ja: Ich kann mir vorstellen, das die "letzten Hürden" zwar besonders schwer sind, aber auch schon viel Last von den Schultern nehmen.

ZItat: Liliyana,
Morgens wieder in die Schule, konzentrieren den ganzen Vormittag über, Lernen usw. Das hat sehr an den Nerven gezerrt und hat ihn an manchen Tagen echt an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht.
Ich hatte in der Zeit meinen Job verloren, das Finanzielle wurde plötzlich ein Problem. Zwei Todesfälle kamen dazwischen (u.A. sein Großvater, für ihn sein absolutes Vorbild gewesen erkrankte schwer und verstarb ein halbes Jahr später).
Durch meinen Jobverlust fiel ich zusätzlich noch in ein Loch ... um ehrlich zu sein bin ich haarscharf an einer Depression vorbei geschliddert. Machte das Zusammenleben nicht wirklich einfacher und das war der Punkt der Trennung. Zu viele Faktoren die aufeinander prallten. Wir mussten uns Beide erstmal wieder ordnen. In der Zeit bin ich in Therapie gegangen um bei mir erstmal wieder aufzuräumen und als ich wieder wieder klar denken konnte und mich wieder im Griff hatte, bin ich wie schon geschrieben auf die ADHS-Problematik überhaubt bewusst aufmerksam geworden.


Das ist auch ziemlich viel - für jeden von Euch - gewesen. Ist dann schwer noch zueinander zu finden, wenn jeder so mit seinem "Krams" beschäftigt ist.
Hatte damals eine vergleichbare Situation daheim - nur das ich auf dem ganzen "Krams" der uns BEIDE betraf alleine sitzen geblieben bin. (das war nicht gerade wenig :baw:)
Ich musste alles regeln, und mein Ex, hat sich um seinen Spaß gekümmert.  :baw:

Ich bin dadurch ziemlich krank geworden, habe eine Therapie gemacht, und für ihn ging sein Leben "ganz normal" weiter.
Es hat lange gedauert, bis er überhaupt zu einem Paargespräch bereit war. Hat aber alles nichts gebracht, er wollte sein Leben nicht ändern - mich hat es weiter gequält - und zum Schluss hat er sich dann entschieden sich lieber eine eigene Wohnung zu suchen - er ist ausgezogen.

Meine ADHS Problematik, ist auch damals bei der Therapie bewusst geworden, auch im Zuge dessen, die meiner beiden Kinder.

Zitat: Liliyana
Durch den Abstand den wir hatten, konnten wir neu anfangen. (Ich wiederhole mich merke ich gerade  :ichboss: )

Schön, das Ihr das schaffen konntet. Ich bin heute froh, das er sich damals so entschieden hat. Mir hat es weiteres Leid erspart, und ich durfte mich darauf konzentrieren für mich und meine Kinder eine "bessere" Zukunft zu bekommen.
Auch wenn, die ganze Zeit bis heute ganz sicher nicht einfach war - es gab sehr viele Tiefen und ein ständiges wieder aufrappeln meinerseits in dieser Zeit.
Aber wir haben es bis heute geschafft... :froi1:

ZItat: Liliyana
Ich denke deshalb ist es im Moment gerade "ruhig" und läuft ohne größere Zwischenfälle. Ich bin quasi wieder ich, lasse mich selbst gerade zur BTA ausbilden und bin nächstes Jahr um diese Zeit fertig. Zusatzqualis können ja nie schaden und ich wollte schon immer ins Labor, was bisher kaum in meinem Arbeitsbereich lag  :8:
Er hat einen Job sicher, finanziell läuft es wieder gut. Die Wohnung ist zwar nicht penibelst aufgeräumt, aber hier sieht es nicht mehr aus "wie Sau" und man muss nicht Schiss haben, dass spontan-Besuch kommt.
Wir planen im Moment einen Umzug für nächstes Jahr, ich konnte ihm über meine Mutter ein kleines Stückchen Garten organisieren wo er sich ein Gemüsebeet anlegen kann. Darauf freut er sich tierisch  :breitgrinse1:  Da kann er mal so richtig Dampf ablassen (Umgraben ^^).


Das ist schön, scheint doch wieder richtig gut zu laufen.

Ich habe versucht auch eine Schulung zu machen, um beruflich Fuß fassen zu können. Aber das ist leider durch meine ADHS Symptomatik nicht gelungen.
Wie es jetzt weiter geht, steht "noch in den Sternen".

Zitat: Liliyana
Und nachdem er eben das Forum offen gesehen hat, dass ich mich hier angemeldet habe für mehr Infos usw, haben wir lange über ADHS gesprochen und wie er sich fühlt usw. Das tat auch mir richtig gut und er spielt mit dem Gedanken sich auch anzumelden. Es kann nicht schaden wenn er auch Kontakt zu Gleichgesinnten findet, die ihn an vielen Stellen besser verstehen können als ich es kann  :ja:


Ich habe mich damals, nach dem ich vom ADHS wusste auch gleich im Forum umgeschaut, um zu verstehen, Hilfe zu suchen, und mich nicht so alleine mit der Problematik zu fühlen.

Er fand das die erste Zeit noch ok, danach habe ich ihm zu viel vor dem Rechner gehangen - er konnte nicht nachvollziehen wie ich mich fühle.
Interessiert hat er sich selber für die Problematik nicht - obwohl wir alle 3 Betroffen waren, ich und meine Kinder.
In etwa zur gleichen Zeit, bekam er auch eine Info von seiner 1. Frau, das sein Sohn eventuell auch ADHS hat.
Aber auch für diesen hat es ihn nicht interessiert, obwohl DAS sein leibliches Kind war.
Reden konnte man mit ihm nur begrenzt - ganz am Anfang, aber er hat die Problematik gänzlich abgelehnt.
wollte letztlich nichts davon wissen.

Ihm waren halt andere Dinge wichtig - was solls ist ja schon ne Weile her, und seine Entscheidung damals, war für uns die beste - hätte er sich anders entschieden, dann wären wir gesundheitllich nicht auf dem Stand den wir heute haben - und das ist das was zählt - uns geht es besser wie vorher.

LG


Lilyana
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Alter: 36

Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitrag von Lilyana » 8. Juni 2011 13:55

Oh wow, Frosch. Da hast Du aber schon eine ganze Menge mitgemacht.
Ich wünsche Dir echt, dass es weiter bergauf geht, auch beruflich.  :ja:

Angemeldet hat er sich inzwischen und wartet auf seine Freischaltung. Morgen ist der letzte Prüfungstag. Ihm geht ganz schön die Muffe, das merkt man auch wenn er es noch so gut zu verbergen sucht. Würde mir aber auch, ist ja nicht so dass ich vor Prüfungen keinen Respekt habe  :ichboss:


@papillonindigo
Danke für Deine Rückmeldung. Mal schauen ob ich es schaffe in Zukunft in solchen Situationen (Leute schauen "komisch") etwas spontaner darauf zu reagieren und nicht nach Schema F wie bisher.
~°°~ Fliegen ist gar nicht so schwierig, wie man denkt: Man muss sich nur auf den Boden schmeissen und vergessen aufzuschlagen. ~°°~
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