An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

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KPMB
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon KPMB » 29. Juni 2007 15:24

Hey,

ich muss jetzt einfach mal meine Situation schildern - vielleicht kennt der eine oder andere das.

Und hey Joyce, ich kann dich gut verstehen.

Meine Partnerin ist ADHS'lerin, ich liebe und bewundere sie wirklich - so wie sie ist, denn sie ist ein wunderbarer Mensch. Aber die Stimmungsschwankungen sind mir ein Rätsel und werden es wohl auch bleiben.

Hier mal ein Beispiel:
Neulich hatten wir viel Spaß am Telefon und stellten dabei fest, dass sie von ihrem Sohn angeschwindelt wurde.
Das hat sie gleich geärgert obwohl es absolut nichts wichtiges war und sie musste das auch sofort klären. Ich konnte
darüber lachen, da meine Partnerin immer der Meinung war, dass es ihrem Sohn nicht gelingen würde sie zu beschwindeln.
Das hat gereicht um sie auf 200 zu bringen. Es hagelte Vorwürfe, z.B. dass wir gänzlich verschiedene Ansichten
bei Erziehungsfragen hätten. Ihr Sohn war nicht dabei und ich hatte es ja auch nicht gut gefunden, sonst könnte
ich den Einwand ja noch verstehen. Jedenfalls wurde das Telefongespräch schnell beendet und die Kommunikation
auf das nötigste beschränkt. Drei Tage lang!!!
Oder wenn ich Brötchen vom Bäcker hole und es das eine Bestimmte nicht mehr gibt, gar nicht dran zu denken, da
ziehen dann schon wieder die Gewitterwolken auf. Wenn ich später aus der Arbeit komme, was ich ihr natürlich früh
genug mitgeteilt habe - Gewitterwolken. Irgendwie habe ich für alles die Schuld, egal was passiert ich muss den
Kopf dafür hinhalten. Wenn ich jedoch extrem Vorsichtig bin mit dem was ich sage und tue, wird das schon wieder
als "nicht männlich" ausgelegt - na dann doch lieber wieder den Kopf für alles hinhalten - oder auch wieder falsch?
Wer weiß.

Das kann ich einfach nicht verstehen. Es muss doch möglich sein, in einem vernünftigen Zeitraum soweit runterzukommen,
dass man normal miteinander umgehen kann - auch mit ADHS. Wir haben wunderschöne Tage aber auch hundsmiserable in
unserer Beziehung. Aber es geht einfach an die Substanz. Es ist nicht der kleine Ausraster der mich belastet, nein
vielmehr das "in der Luft hängen". Ich kann einfach nicht differenzieren was dem ADHS zuzuschreiben ist und was nicht.
Vielleicht ein Tipp an die ADHS'ler: Ihr habt es sicher nicht leicht - aber ihr könnt den "normalos" das Leben ganz schön zur
Hölle machen.

Und nochmal ein Dank an Joyce.
Der Satz "Aber einen Vorteil habe ich... ich kann mich von ihm trennen, er sich von sich nicht."
hat mir wieder etwas Kraft gegeben.

Gruß KPMB
Marianne
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon Marianne » 29. Juni 2007 18:14

[quote="joyce"]
Leute... habe ich die Nase voll

Ich darf mich eben vorstellen? ...Ich bin das arroganteste, eingebildeteste und egoistischste Wesen auf dem Planeten,
( laut Aussage meines ADSler Partners)

Es reicht eben nicht wenn man seinem Partner mit Liebe und Verständnis entgegen kommt, seine Unordnung beseitigt, ihn versorgt, ihm geduldig zuhört ( obwohl, ich verstehe ja doch immer alles falsch), rücksicht auf ihn nimmt, weil, er hat ja ADS, muß wohl was ganz besonderes sein.

Ich könnte ein Buch schreiben über seelische Verletzungen die ich erfahren durfte.
Ist schon interessant was ADSler hier über die sogenannten " normalos" schreiben. Ich sehe mich inzwischen nicht mehr als "normal", dafür hat mein Partner schon gesorgt, vieleicht kann mir ja mal jemand von ihnen sagen wo ICH Hilfe finden kann.
Falls jetzt jemand auf die Idee kommt das ich wütend bin,......... JA, stimmt.

Es geht in meinem Kopf nicht rein, das ich wie ich mich auch drehe und wende alles verkehrt mache.
Er braucht so viel Aufmerksamkeit, alles muß sich um ihn drehen, jeder muß rücksicht nehmen, wann fängt ER mal an rücksicht zu nehmen? Wenn sich nicht alles um ihn dreht, dann folgt ein Wutanfall.
Ich nehme mich selbst schon bald garnicht mehr wahr, habe selbst angst mit ihm über Banalitäten zu sprechen, je nach Laune kann der Schuß nach hinten losgehen und die nächsten 4 bis 5 Tage bin ich an allem Elend dieser Welt schuld.
Angeblich tue ich nichts für ihn,....aber er trägt mich auf Händen ( warum merke ich davon nichts?)
Aber einen Vorteil habe ich... ich kann mich von ihm trennen, er sich von sich nicht.
in diesem Sinne

joyce
[/quote]

@ all,

merkwürdig, immer wieder finde ich threads, die ich zum Zeitpunkt des Entstehens nicht gesehen habe (nun bin ich auch nicht permanent im Forum und bitte von daher um Entschuldigung), sondern erst beim aktuellen "Wiederbeleben" so wie heute.

Hier wäre meine Frage an Joyce, sofern sie noch im Forum weilt:

Warum nutzt Du Deinen Vorteil nicht? Ich erlebe die Beschreibung allerdings eher als Abrechnung nicht als Reflektion! Eine solche würde ich mir wünschen an dieser Stelle.

LG Andreanne
Welche Fragen können beantwortet werden? Alle, die Du stellst!
Nepo
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon Nepo » 30. Juni 2007 08:31

Hi Savitri,

man verbiegt keinen Menschen, indem man zu sich selbst steht. Das Schieben des Rollstuhls Deines Partners
wird Dich und ihn nicht weiterbringen. Es geht nicht darum, dass Du, wie bei deinem Spülbeispiel, einen riesigen Rabatz machst weil ein Teil nicht richtig gespült ist. Hier kann man ganz normal akzeptieren dass jemand etwas vielleicht nicht ganz so gut kann.

Die Dinge die Dich sehr belasten kannst Du aber nicht restlos auf ADS schieben. Auch ein Mensch mit ADS hat Verantwortung und interessanter Weise funktioniert ja auch die Reglementierung für Verhalten im Straßenverkehr. Denn jeder Betroffene der einen Führerschein besitzt, muss sich an Regeln halten, da er sonst sich und andere gefährdet.

Man kann also nicht mal eben pauschalisieren, dass ein Betroffner nichts für sich selbst kann, da man dann jeden Menschen mit ADS entmündigen müsste.  Wenn Du zu Dir selbst stehst, kann Dein Partner erst die Wichtigkeit Deiner Person lernen. Deine Angst dass er sich etwas antut, empfinde ich als sehr hemmend für eine Entwicklung einer echten Beziehung. Diese Angst kann nämlich sehr schnell nach hinten losgehen, da Dein Handeln und auch das Aussprechen von Kritik immer von Selbstzweifeln, ob man wirklich das Richtige tut,  arg eingeschränkt wird.

Ich gebe Dir mal einen ganz persönlichen Tipp, da ich ja scheinbar sowieso hier kontraproduktiv für die rote Line des Forums bin. Achte auf Dich selbst, denn eine Chance für Eure Liebe, könnt ihr nur beide geben und die Bereitschaft kann nicht nur von einem erfolgen.
Lass Dich nicht wie ein Esel vor den Karren des Selbstmitleids Deines Partners spannen. Als Maximum kannst Du eine Hand des Mitgefühls und der Kompromisse ausstrecken, aber übernimm keine Verantwortung für das Leben eines anderen, denn diese Last des Überlebens eines Menschen, kann man auf Dauer nicht tragen, da sie Dich zur Marionette des Partners macht. Es ist besser am heutigen Tag etwas verändern zu wollen, der anderen Seite bewusst zu machen wie wichtig einem etwas ist, anstatt zu warten und daran zu zerbrechen das es nicht klappte. Klare Worte helfen mehr als die Selbstlügen, damit man nicht in der überfordernden Position kommt. Nutze heute die Kraft die in Dir ist und nicht erst später wenn sie, wie Du geschrieben hast, so weit sinkt das sie nur noch ein Selbsterhaltungstrieb ist.

Überleg einfach wie Du einen Menschen ohne ADS sehen würdest, nimm dazu die Problematik von ADS und suche eine Lösung die spezifiziert auf Euch beide ist. Wenn er Depressionen und mangelndes Selbstbewusstsein hat, muss er sich eben Fachleute holen die ihm helfen.
Du kannst ihm das leider nicht geben, da Du mit Deinem Maßstab was helfen könnte ihn nicht erreichst. Wenn Du diese Grenze einmal erkennst, weißt Du dass Du nicht ein Arzt der Seele sein kannst und damit kannst Du seine psychischen Probleme abgeben, an ihn und Leute die sich damit auskennen. Du bist dann die Stütze für seinen Weg den er geht und das hilft ihm viel mehr, als wenn Du durch permanentes Ertragen selbst vor die Hunde gehst.

Lieben Gruß
Nepo
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon mesme » 30. Juni 2007 09:05

Hi Savitri,

ich schließe mich Nepos Meinung an - auch wenn Du jetzt noch sagst, Du kannst alles mögliche auf Dich nehmen, um Deinem Partnern nicht noch mehr das Selbstwertgefühl zu nehmen -- das kanns auf Dauer nicht sein. Du schaffst das vielleicht eine Zeit lang, aber irgendwann geht das nicht mehr, man kann nicht für zwei leben, organisieren, Geld verdienen UND beim andern noch das Selbstwertgefühl hochhalten.

Er ist kein Kind, er hat Verantwortung für sich, und die liegt momentan wirklich darin, zum Arzt zu gehen. Auch das kein leichter Weg, aber ohne Antidepressiva und Medis kommt er aus seinem Loch nicht raus, so drastisch, wie Du es schilderst.

Es gibt ADS scheinbar in stark unterschiedlichen Ausprägungen und einige ADSler sind massiv in ihrer Lebensführung gestört, andere sind halt ein bisschen schräger als der Durchschnitt, kommen aber insgesamt gut klar. Bei einigen wirkt Ritalin, bei manchen nicht, aber auch Antidepressiva können helfen.

Es gibt zwei Punkte, dich ich öfter mal gehört habe, wann man eine psychotherapeutische /psychiatrische Behandlung beginnen muss (sollte): wenn man nicht arbeits- und/ oder liebesfähig ist. Beides scheint auf ihn zuzutreffen

Klar, er hat jetzt eine Beziehung, aber die erhältst Du aufrecht, wie ich das sehe.

Ich in meiner Beziehung mit einem semichaotischen ADSler finde: Ich kann alles akzeptieren, wenn ich sehe, dass er es wenigstens ehrlich versucht. Versucht, meinen Standpunkt zu verstehen, versucht, seine Situation zu verbessern, versucht, sein Chaos in den Griff zu kriegen. Und ganz klar: Wenn es nicht Punkte gäbe, in denen ich auch von ihm profitieren kann, wäre das ganze schon vor Jahren auseinander gegangen.

Alles andere ist nicht akzeptabel, und wie gesagt, schon gar nicht auf Dauer.

Hier gibt es irgendwo einen Beitrag zu den Vorteilen von ADS, lest euch das mal gemeinsam durch und schaut, ob er sich darin wiederfindet, vielleicht kann das eine Basis bilden.

Alles Gute

mesme
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon Nepo » 30. Juni 2007 15:58

Hi Mesme,

Du hast da was auf den Punkt gebracht, das ich absolut super finde.  :smt023:
Der Versuch des Partners macht ihn wertvoller und wenn man weiß welche Mühe dahinter steckt, weiß man auch wie sehr man geliebt wird. Natürlich müssen die Versuche auf Dauer fruchtbar sein, aber da kann man nur sagen, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, ich glaube die meisten vergessen wirklich das sie Dinge ganz besonders gut können, aber eben an ihren Fehlern arbeiten müssen, genauso wie es die Normals tun/müssten.


Lieben Gruß
Nepo
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon cocomaus » 30. Juni 2007 16:33

Kukuk..
ich versuch mal auf die ursprüngiche Frage zu antworten....

Mein Mannhat ADHS, zwei meiner Kinder auch... ich habe beim Kennenlernen vor fast 20 Jahren nichts davon gewußt, er auch nicht. Für mich war seine Vergesslichkeit eben eine seiner Eigenarten... seine Schusseligkeit und Unordnung ebenso... auch viele andere Symptome hab ich eben so angenommen. Erst als unser Sohn diagnostiziert wurde, war uns eigentlich klar, was los ist... aber ich nehme meinen Mann so wie er ist. Wir beide arbeiten ganz klar an Verhaltensweisen und Alltagsproblemen, aber das würden wir auch ohne ADHS.... sicherlich gibt es mit ADHS einige Probleme, die sichohne vielleicht nicht stellen würden... aber... ich liebe meinen "Alten", so wie er eben ist.... ich habe ihn so kennen gelernt und wir haben gemeinsam sehr viel erreicht. Sicher braucht er in Verhaltensänderungen Hilfe und Unterstützung, aber das braucht auch jeder andere, sich zu verändern ist eben nicht so einfach.
Vieles bleibt an mir hängen, organisiation, Lehrerkontakte, Elternkontakte usw.... eben alles was an Eltern hängt, wenn sie ADHS Kinder haben, aber ich denke, wir ergnzen uns gut. Viele Dinge, die er nicht so gut kann habe ich übernommen.... dafür kann er halte auch ganz viel, was ich nicht gut kann oder ungerne mache. Er  kocht, bastelt, baut, repariert und ist sehr kreativ und findet immer ne Lösung bei kaputten Dingen... ich kümmermich eben um die Ordnung, den Haushalt, in dem er mich aber auch sehr unterstützt, ich rede mit Eltern, Lehrern und Erziehern, besuche Elternabende, weil er sich das nicht merken kann und so zu Hause nicht viel ankommt... dafür fährt er mit den Kindern zum Arzt und Sport oder sonst was....
Aber eigentlich ist das doch in nicht ads-Partnerschaften nicht anders? Wir geben beide viel, ich habe manchmal schon das Gefühl, ich hab zuviel um die Ohren.... aber ich werde geliebt, umsorgt und oft verwöhnt... ADSler sind es wert geiebt zu werden, sie sind es wert gebraucht und annerkannt zu werden und ich finde, sie sind oftmals besser als "Normalos"... sorry, aber sie haben meist mehr drauf als soviele Menschen, die vielleicht beruflich weit kommen... aber sonst "A***** " sind...
Ich bin glücklich mit meinem ADSler und werde ihn nimmer hergeben.....
Alles was im Leben geschieht, ist in drei Worte zu fassen:
Es geht weiter!!!
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon jdee » 20. September 2007 18:03

Hi Cocomaus

Du sprichst mir aus dem herzen mit deinem ganzen beitrag!
Und besonders damit:

[quote="cocomaus"]
Wir geben beide viel, ich habe manchmal schon das Gefühl, ich hab zuviel um die Ohren.... aber ich werde geliebt, umsorgt und oft verwöhnt... ADSler sind es wert geiebt zu werden, sie sind es wert gebraucht und annerkannt zu werden und ich finde, sie sind oftmals besser als "Normalos"... sorry, aber sie haben meist mehr drauf als soviele Menschen, die vielleicht beruflich weit kommen... aber sonst "A***** " sind...
Ich bin glücklich mit meinem ADSler und werde ihn nimmer hergeben.....
[/quote]

Da mein partner und ich keine kinder haben - aber hoffen, dass es mal möglich sein wird - weckt dein beitrag viel hoffnung in mir. Ich liebe ihn sehr und fühle mich geliebt, hab aber immer wieder angst, mit kindern würden wir uns überfordern. Doch arbeiten wir erstmal konsequent weiter in die richtung.
Danke, du hast mir mut gemacht.

Grüsse

jdee
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon ADnoHaSi » 10. November 2007 23:50

Das Thema belastet mich auch sehr!

Ich bin ADS'ler und weis davon erst seit etwa 3 Monaten ... ich bin fast 40 und habe damit den größten Teil meines Lebens an mir selber nur Gezweifelt. ABER ich habe auch deshalb keine "Ausrede" für meine Unzuverlässigkeit und meine Macken gehabt und habe immer mit sehr viel Einsatz daran gearbeitet meine Fehler zu korrigieren. Nun WEIL ich ADS'ler bin ist mir das nicht wirklich gelungen, aber auch jetzt stehe ich dazu das es MEINE FEHLER sind! Schön das ich weis das ich nicht komplett IRRE bin, aber ich finde es auch nicht richtig meinen Partner nun damit zu konfrontieren das ich ja nix dafür kann und er DESHALB für meine Fehler eben mit einstehen muss.

Ich habe eine Krankheit oder eben ein Problem ... und ich muss mich drum kümmern das ich damit klar komme. Das ist nicht leicht und hat auch mich jede Menge gekostet... ich hab mein Potential nicht ausnutzen können und leide selber sehr darunter das ich regelmäßig Geburtstage vergesse, Termine - auch mit meiner Frau - und das ich ungefähr die Hälfte des Tages damit verbringe die Fehler auszubügeln die ich vorher durch "extrem Zerstreutheit" erzeugt habe ... oder eben Dinge auszubügeln die ich durch "auf die Lange Bank schieben" verursacht habe.

Das ich ADS habe ist doof! Dafür kann meine Frau aber nichts. Ich bin zwar darauf angewiesen das Sie mir dies und das nachsieht, aber wie käme ich dazu mich hinzustellen und zu sagen das ich eben nichts dazu kann und sie deshalb alle meine Macken eben hinnehmen soll?!?! DAS hat mit ADS nichts zu tun! Das ist ganz normaler Egoismus und überdies eine Zumutung!

Jeder der ADS hat braucht HILFE, aber das bedeutet nicht das er ungeniert Verantwortungslos sein darf...

finde ich jedenfalls!
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MrsKleeblatt
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon MrsKleeblatt » 11. November 2007 01:12

ich würde mir als ADSlerin ja einen Partner wünschen, der auf der einen Seite schon akzeptiert, dass ich ADS-bedingte Defizite habe, aber mich auf der anderen Seite auch dabei unterstützt, daran zu arbeiten.

Einen Tagesplan machen und einhalten ... dass ist eine echt schwierige Sache für mich, schon allein weil ich nicht planen kann, was alles schief gehen wird an einem Tag. Manchmal gehen nur Kleinigkeiten schief und manchmal Dinge, die richtig Zeit und Geld kosten. Heute bin ich z.B. mit einem Bus gefahren, der nicht dort hinfuhr, wo ich dachte, dass er hinfahren würde. Die Linie ist früher mal dahin gefahren, aber jetzt schon lange nicht mehr... Und das weiss ich auch, da es die selbe Linie ist, mit der ich tagtäglich zur Arbeit hin und zurück fahre. Extra-Zeit: 2 Stunden. Extra-Kosten, für das Carsharing-Auto, dass ich danach lieber genommen habe: vielleicht 15 Euro. Die Zeit hatte ich verplant, für die Hausordnung, die ich dann jetzt z.T. nachts gemacht habe und z.T. morgen (Sonntag!) fertig machen muss!

Jemand, der schlimm genug unter ADS leidet, für den sind Wochenpläne und ToDo-Listen kein hilfreiches Werkzeug (erstmal), sondern nur etwas, woran der Misserfolg noch schriftlich besser fixiert werden kann! Deswegen wird ja so oft gesagt, dass ein mindestens mittelgradiges ADS erst behandelbar ist, wenn zusätzlich wirksame Medikamente genommen werden!

Hilfreicher ist da schon ein Plan für ... vielleicht die nächsten 2 Stunden. Das finde ich einen überschaubareren Zeitraum. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein ADS-erfahrener Coach gleich am Anfang Tages- und Wochenpläne verlangt.

Ich denke bei ADS hängt viel daran, ob der Tag gelingt, ob ich jetzt gerade aufmerksam sein kann. Und ob ich überhaupt merke, ob ich jetzt gerade aufmerksam oder unaufmerksam bin. Deswegen: Ein guter Coach bekommt mich dazu, aufmerksamer zu sein (d.h. meine Aufmerksamkeit meiner Priorität zu schenken!) oder mir eine Pause zu gönnen, für die nächsten paar Minuten oder Stunden und nicht gleich für den ganzen Tag / die ganze Woche / das ganze Jahr!

Z.B. hier im Forum: die seit neustem täglich verschickten Putzmails: Sie fordern auf, jeden Tag maximal 1 Stunde zu putzen und sie sind dermassen genau, dass sie z.T. fast minütlich vorgeben was zu tun ist. Das hilft glaube ich wirklich gegen Ablenkung: Wenn man ganz genau weiss, was gerade jetzt im Moment zu tun ist.

Aufmerksamkeit ist für jemanden mit ADS eine schwierige Aufgabe und es ist schwer planbar, wann man aufmerksam sein kann und wann nicht. Meistens merkt man es erst hinterher. Wie soll man da einen ganzen Wochenplan aufstellen  :fr:
Bzw. was für einen Sinn soll dieser Plan erfüllen?

Zur Lösung: Ich überlege mir wenigstens am Anfang der Woche, was ich am Ende der Woche auf jeden Fall geschafft haben muss und was ich gerne noch zusätzlich schaffen würde. Das wichtigste versuche ich dann zuerst. Aber manchmal brauche ich immernoch 5 Anläufe, ehe eine Sache klappt.

LG,
Katrin
:willi: 6 (08)
Mone
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon Mone » 11. November 2007 14:45

Liebe Mesme, nachdem ich diesen Beitrag von Dir gelesen habe, könnte ich echt heulen

HI,

ich bezieh mich gerade hauptsächlich auf das Posting von Birk...

Fiel mir so ein, weil ich gerade Zoff mit meinem Ehemann habe... Auch bei ihm ist es so: Man kracht sich, (vielleicht hat ER ja auch mal Scheiße gebaut?), und auf einmal bin ich Schuld. Obwohl es eigentlich so angefangen hat, dass ich ihm einen Vorwurf gemacht habe oder sauer auf ihn war.

Und wenn ich will, dass wieder alles halbwegs ins Lot kommt, darf ich mich noch entschuldigen. Zumindest ist das so mein Eindruck.

Ich finde, es ist so eine komische Mischung bei ihm aus übersensibel sein, viel auf sich beziehen (aber leider nicht das richtige...) und Schuld gerne auf andere abwälzen.

Es gibt zwar schon Momente, wo er durchblicken läßt, dass ihm schon klar ist, dass er Mist macht, aber in den Situationen selber ist er die Unschuld in Person und läßt gar nichts an sich ran. Klar, wer kommt schon gut mit Kritik klar, aber im Brustton der Überzeugung mir vorwerfen, ich habe was weggeschmissen, (wohlgemerkt, eigentlich ja wissend, dass er selber der Schussligere in der Beziehugn ist), wo sich dann rausstellt, dass er selbst es war und sich dann nicht entschuldigen und hinterher nicht mal dran erinnern können, was er da erzählt hat...


Na, das ist schon die Härte.

Bäh. Was macht man da? Ausser versuchen, nicht auszurasten (was mir nur teilweise gelingt) und seine gespielte Coolheit zu übersehen, weiss ich da echt nicht weiter. Immerhin bin ich ganz froh, inzwischen zu wissen, dass es ja wohl nicht nur an mir, sondern auch an seinem ADS liegt.

mesme, die grad echt...  und gleichzeitig kotzen könnte



Genau dasselbe passiert ständig bei uns und ich fühle mich so ungerecht behandelt. Ich könnte auch oftmals kotzen, alles auskotzen was man in sich reinfrisst, weil man so ohnmächtig davor steht und sich soooo ungerecht behandelt fühlt. Ich weiss einfach nicht mehr was ich machen soll.......

Gruss Mone
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nordische Prinzessin
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon nordische Prinzessin » 5. Dezember 2007 23:53

Hallo!!!
Die vielen Beiträge hier sind sehr interessant. Es ist auch so ermutigend zu sehen, wie sehr doch die meisten ihren ADS-Partner lieben und unterstützen!!!
Mein Mann und ich sind 16 Jahre verheiratet. Wir sind beide froh, dass er seit 4 jahren die Diagnose ADHS hat, so hatte das "Kind" nun endlich nen Namen. Die Einsicht, ein Medikament zu nehmen, kam aber erst, nachdem unsere Ehe fast zerbrochen war. Ich habe ihn schon immer geliebt und liebe ihn immer mehr, aber ich war auch schon an dem Punkt, wo ich überlegen musste, was liebe ich noch an ihm?! Seit er die Medis nimmt, nimmt er mich auch als Person erst mal richtig wahr. Seit dem können wir uns sehr ausführlich schildern, was wir aneinander lieben, und auch was nicht so toll ist. Vorher war ein Gespräch darüber fast nicht möglich!!! Seine Wutausbrüche sind Vergangenheit und ich habe keine Angst mehr vor ihm. Er erklärt mir jetzt immer, was er fühlt, so dass ich ihn besser verstehen kann. Wie in jeder anderen Bezirhung auch, bedeutet es natürlich immer wieder neu die Brücken zu bauen. Ich bin so froh, dass ich keinen "Stino" geheiratet habe!!! Mit ihm kann ich mich so tiefsinnig unterhalten und habe sooo vieles von ihm dazugelernt, das möchte ich nie missen!!!
Wir müssen in unserer ADS-Familie irgenwie alle miteinander auskommen (4Kinder, davon 3mitADS/ADHS), das Leben ist nie langweilig, und ADS bereichert es auch! ich bin auch nicht so gesund, und so ummttern mich mein Mann und meine Kinder. Sie haben sehr viel Verständnis und Mitgefühl und Feingefühl für die Sorgen anderer!
Sicher herrscht bei uns auch oft das mittelschwere bis starke Chaos. Das zu ertragen, kann ich nur sagen: HUMOR, HUMOR und nochmal HUMOR :00000285:!!! Wir lassen uns auch nicht so viel von Terapeuten und Ärzten "einreden", jeder ADS-ler ist eizigartig, und vieles, was die uns weiss machen wollen, ist die blanke Theorie. Wir erleben die Praxis jeden Tag zu Hause! Darum bin ich auch froh, wenn ich von den echten Lebenserfahrungen anderer was für uns mit nehmenen kann. Die ADS-ler und die Nicht-ADS-ler sind alles nur Menschen!!! :icon_wink:
Lieben Gruss!
"Lass die Leute reden, sie reden über jeden!"

4Kinder15,13,9,7/davon3mitADS/ADHS  meinMann=ADHS/ich=bipolarII
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon Palme » 7. Dezember 2007 15:13

Hallo, :smt023:

ich lese mir gerade all die Antworten durch und muß feststellen das ich mir nie einen Kopf gemacht habe, das die Dinge die mich so zur Weisglut treiben bei meinem Mann mit ADS zutun haben obwohl ich weiß das er das hat, ich ignoriere vieles was mich aufregen würde und denke das jedes Paar die Probleme hat ob mit oder ohne..aber jetzt wo ich das alles lese muß ich ja mal sagen das mir bei meinem Mann am meisten die Stimmungsschwankungen und und das ständige unterstellen- die Dinge wären meine Schuld- zu schaffen machen,
da er aber so viele positive Eigenschaften hat habe ich halt nie sein Verhalten als "Krankhaft" abgetan sondern als "Charakterschwäche"er ist wie er ist manchmal könnt ich ihn zum Pfeffer jagen manchmal nur lachen und denken ja das ist mein Traumman aber das ist doch in jeder Beziehung so ?!
Danke fürs lesen
Palme :winken:
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon jdee » 7. Dezember 2007 15:47

Hallo Palme

Du hast ja einen lustigen nick!
Ich denk da automatisch an 'auf der Palme - wegen krise'.
Ist hoffentlich eher als schattenspender auf wunderschöner südseeinsel gedacht.

[quote="Palme"]
Hallo, :smt023:

ich lese mir gerade all die Antworten durch und muß feststellen das ich mir nie einen Kopf gemacht habe, das die Dinge die mich so zur Weisglut treiben bei meinem Mann mit ADS zutun haben obwohl ich weiß das er das hat, ich ignoriere vieles was mich aufregen würde und denke das jedes Paar die Probleme hat ob mit oder ohne..[/quote]

Bei meinem partner mit adhs und mir ist es so:
Dort, wo ich früher probleme hatte mit partner, hab ich keine probleme mit ihm;
dort wo ich mit ihm probleme hab, hatte ich vorher nie so krasse probleme mit andern.

Darum schreib ich hier, weil ich echt überfordert bin von seinem ding.

Also, in andern partnerschaften war ich auch überfordert  :00000285:
- aber anders!

Grüsse

jdee
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon Palme » 10. Dezember 2007 08:29

Hi jdee!! :winken: :00000285:

Ich habe meinen "alten"Spitznamen gewählt als Nick und ich bin eher ein ruhiges Wesen :-) also nix mit "Auf die Palme steigen";-) :00000285:

Ich glaube das alle Probleme haben, vielleicht hat man mit einem ADSler einwenig intensivere Ausmaße und es kommt immer auf jeden einzelnen an ob man daran zerbricht oder umgehen kann, wobwei dies keine Wertung sein soll, da auch jeder ADSler anders ist und da kann man "um zu überleben" halt auch eine Beziehung aufgeben müssen.
Jeder macht daraus das Beste für sich selbst und da sowieso kein aussenstehender verstehen kann wie so eine Beziehung funktioniert sind wir halt ALLE was besonderes, so sehe ich das;-)
Gruß Palme  :winken:
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon Kiki » 11. Dezember 2007 02:10

Hallo,

bin auch neu hier...
also mein Lebensgefährte(32) hat einen Sohn(9) aus erster Ehe.
Wir sind jetzt etwas über 4 Jahre zusammen und seit 3 Jahren mache ich mir Gedanken über seinen Sohn. Mal davon abgesehen, daß er psychisch stark belastet ist, da er unter der Trennung seiner Eltern und dem asozialen Lebensgefährten seiner Mutter leidet und außerdem zu allem Elend auch noch ständig von Mutter und Oma gegen uns aufgehetzt wird, fielen mir immer wieder Eigenschaften der ADHS bei ihm auf.
Anfang November waren wir dann mit ihm in der Kinderpsychiatrie zwecks Abklärung.....nach einem langen Kampf meines Lebensgefährten gegen Exfrau und -Schwiegermutter. Am 12. Dez. ist Abschlußgespräch und wir werden erfahren, wie es weitergehen soll oder besser gesagt, wie wir anfangen.
Nachdem ich also in den letzten Monaten im Internet die ADHS-Seiten gewälzt hatte, bekam ich die Bestätigung auf meine Vermutung, daß auch mein Lebensgefährte an AD(H)S leidet und sein Sohn es folglich von ihm "geerbt" hat.
Eigentlich ist es bisher nur eine Vermutung, denn seinen ersten Arzt-Termin hat er Anfang Januar. Aber für uns liegt es ganz klar auf der Hand, was da los ist und für ihn selber war es eine Erleichterung, als er im Internet sozusagen sein Tagebuch las, als er die Beschreibungen und Beispiele zu ADHS nachgelesen hatte. Er meinte, endlich Antworten auf viele selbstgestellte Fragen gefunden zu haben, da nicht nur ich, sondern auch er selbst zeitweise an seinem Verstand zweifelte.
Ich habe ihm dieses Forum empfohlen, da ich denke, daß es ihm genauso hilft, sich mit "Seinesgleichen" austauschen zu können, wie mir hoffentlich auch, denn mittlerweile bin ich an einem Tiefpunkt angekommen....ich bin am Ende!
Ich muß sagen, daß er ein total lieber, umgänglicher Kerl ist. Er wird mir gegenüber niemals laut oder unverschämt. Aber er ist sehr schnell beleidigt und reagiert dann im ersten Moment sehr trotzig. Das steigert dann meine Wut, wenn ich ihm zum zigtausendsten Mal das Einundselbe erzähle und dann feststelle, daß es ins eine Ohr rein und zum anderen wieder rausgeht....als wenn ich mit der Wand reden würde! Diese Probleme bzw. Diskussionen hat er übrigens ständig mit seinem Kind. Ich halte mich bei dem Kleinen immer zurück, da ich froh bin, daß er mich akzeptiert hat und wir nach 1 1/2 Jahren Ablehnung, die er gegen mich zeigte, nun seit gut zwei Jahren echt prima miteinander auskommen. Allerdings hab ich schon desöfteren nen dicken Hals und muß mich dann echt beherrschen.
Ich habe also auch gleich 2 ADHSler um mich und bin zur Zeit total überfordert.
Hinzu kommt noch, daß ich in einem psycho-sozialen Beruf arbeite, indem ich mich ständig für meine Leute aufopfere und jedem alles recht machen will...was natürlich bei den heutigen Zeitvorgaben nicht zu machen ist. Außerdem kann ich nach Feierabend nicht abschalten. Und wenn ich dann nach Hause komme, muß ich da auch noch funktionieren, da ich dann, wie einige andere das bereits beschrieben haben, ständig im Chaos meines Schatzies stehe(und auch ich kann nicht gut mit Unordnung leben), für ihn mitdenken und vieles allein regeln muß. Noch dazu kommt, daß wir aktiv im Tierschutz tätig sind, was ebenfalls einiges an unschönen, belastenden Dingen mit sich bringt, von denen ich ebenfalls nicht abschalten kann und die Versorgung unserer eigenen Tiere hängt überwiegend auch an mir, da mein Lebensgefährte damit halt auch überfordert wäre.
Das Ende vom Lied ist, daß ich seit einiger Zeit nicht arbeiten kann, nachdem "Burnout" bei mir diagnostiziert wurde.
Nachdem mir meine Ärztin vor einigen Tagen dringend geraten hat, mich mal um mich selbst zu kümmern und zu sehen, daß ich wieder auf die Beine komme und sie meinte, daß unsere Beziehung einer Mutter-Kind-Beziehung gleichkommt und ich schließlich  nicht für meinen Partner verantwortlich bin, sind wir heute zu seinen Eltern gefahren und haben um Hilfe gebeten. Wir haben die Karten auf den Tisch gelegt, auch seine Probleme mit Drogen(Cannabis) und Alkohol erörtert und ich bin mir sicher, daß es richtig war. Sie sind zwar noch etwas skeptisch und nehmen die Sache mit der ADHS nicht so ganz an, aber sie werden zu seinem ersten Termin, bei dem auch der Test stattfinden wird, mitgehen und bestimmt mit einer ganz anderen Einstellungen dazu wieder dort rausgehen. Ich kann nur jedem raten, die Eltern in dieses Thema mit einzubringen, denn auch für sie wird die Erkenntnis, daß das eigene Kind die Probleme nicht absichtlich herbeiführt, den Zustand etwas erträglicher machen.....und wir alle können jetzt auf Besserung hoffen!!!

Ich finde übrigens die Bemerkung, die sog. Normalos könnten sich zurücklehnen und bräuchten ja nix zu tun echt unpassend, denn das Leben mit einem ADHSler ist zeitweise ein echter K(r)ampf!

Liebe Grüße,
KIKI
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon nordische Prinzessin » 11. Dezember 2007 03:01

Hallo kiki!
Erst mal herzlich willkommen!
Das tut schon gut, sich mal alles von der Seele zu schreiben!
Kann ich nur bestätigen: mit einem ADHS-ler zusammen zu leben ist tatsächlich, wie du sagst oft der reinste "Krampf".
Sei froh, dass er noch so friedlich ist, mein Mann hat mir fast 14 Jahre das Leben zur Hölle gemacht!
Bis er endlich Medis bekommen hat, ohne würde (für uns und die Kinder) nicht mehr gehen. Siehst du ja, was ich weiter oben dazu geschrieben habe.
Ihr beide seid auf dem richtigen Weg! Es MUSS was getan werden, und es ist super, dass ihr seine Eltern mit einbezieht (meine Schwiegereltern haben bis heute leider nix verstanden)
Das du völlig überfordert bist, ist kein Wunder!!! Bei so vielen Verflichtungen! Du kannst kein "Übermensch" sein!
Als ich schon zusammengebrochen war, hab ich erst gemerkt, dass "ein lebender Hund besser ist als ein toter Löve"!
Versuche soviel wie nur möglich an Arbeit, die auch andre machen könnten, abzugeben. Deine Familie ist doch für dich das allerwichtigste,
und du brauchst jetzt die wenige Kraft, die du noch hast, für EUCH.
Aus deinem Schreiben sehe ich, wie mutig du bist!
Du, b.z.w. ihr schafft das, ihr habt schon  die 1. Schritte gemacht... es geht weiter, und helf ihm beim Fragebögenausfüllen!
Vielleicht konnte ich dir bissel Mut machen, ist ja bei uns auch gut gegangen. Es bleibt immer aufregend. Du wirst auch durch das Verstehen von ADS/ADHS immer besser auch das Positive sehen, drum mach dich weiter schlau, das Forum hier wird dir helfen!
Alles Gute auf EUREM Weg! :smt023:
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon Kiki » 11. Dezember 2007 19:13

Hallö und danke für die netten Worte!!!
:winken: 
Jaaaa, es hat tatsächlich gutgetan, sich mal ein Wenig Luft zu machen ;-)...und das Beste daran ist, daß ich hier von Menschen umgeben bin, die genau wissen, was ich meine und die nicht abfällig darüber denken oder das Ganze für Spinnerei halten.
Es tut mir leid, zu hören, daß Deine Schwiegereltern so reagiert haben, wobei wir beide gestern Abend auch ziemlich Schiß hatten, zu den Eltern meines Lebensgefährten zu gehen, da sie die ADHS bei unserem Kleinen schon nicht für voll nahmen. Aber ich glaub, jetzt hat's geklingelt. Haben sie denn bei Euren Kiddies nix bemerkt? Also bei uns war's so, daß die Eltern meinten, er habe halt viel Phantasie...oh je, wenn das schon alles wäre...
Bin mal gespannt, was morgen in der Kinderpsych abläuft und was die Therapeutin empfiehlt, wie's jetzt weitergehen soll...
Das Problem ist, daß die Ex meines Lebensgefährten sich wahrscheinlich an nix halten wird, da sie das alles für "Kappes" hält. Letzte Woche hat sie am Telefon rumgebrüllt, ihr Kind sei nicht krank....aber wir beide behämmert! Die weiß gar nicht, was sie dem Kleinen damit antut, aber sie konnte bei dem Erstgespräch und beim Ausfüllen des Fragebogens schon keine Aussagen machen. Ich denke, da der Kleine meistens bei Oma und Opa ist, mit denen sie gemeinsam in einem Haus leben, kennt sie selbst ihr eigenes Kind nicht und ich hab schon länger den Eindruck, daß sie damit total überfordert ist.....na ja, will jetzt mal nicht den Teufel an die Wand malen und warte erst mal bis morgen ab.

Liebe Grüße,
Kiki
P.S.: Du sagtest, ich sei mutig....also wenn ich an Deine Situation denke......da bin ich im Vergleich noch richtig gut dran.....also wohl eine von den Normalos, die die Füße hochlegen können  :00000285:
 
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon nordische Prinzessin » 11. Dezember 2007 23:55

Hallo Kiki!
Danke für die liebe Antwort!
Ich hab ne Freundin, deren Ex stellt sich genauso stur, wenn es um die Behandlung von ihrem Sohn geht. Das Schlimme ist, sie haben noch das gemeinsame Sorgerecht. Du siehst also, da gibts viele ähnliche Fälle, bezüglich Partner und Kinder mit ADS.
Vielleicht schilderst du mal die jetzige Situation mit eurem Kind in unter dem Board "Kinder und Jugendliche...", wirst dich da gut aufgehoben fühlen.
Ihr schafft das schon! Und nicht vergessen: "lebender Hund"  :icon_wink:
Alles Gute und alle Kraft für euch!
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon Kiki » 12. Dezember 2007 10:00

...jou...lebender Hund...passt ja bei mir, so als Hundemutter*grins!
Tja, das Problem ist, daß mein Lebensgefährte nur Umgangsrecht, also gar kein Sorgerecht hat.
Hinzu kommt, daß die blöde Kuh gestern Abend um 22:50 Uhr!!!!!! angerufen und Bescheid gegeben hat, sie hätte den Termin für heute abgesagt, da sie krank sei! Außerdem habe sie die Untersuchungen eh bloß machen lassen, damit mein Lebensgefährte seine Ruhe hat!!!
So! Das hab ich kommen sehen!
Mein Schatzi wird später noch mit der Psychologin telefonieren und sie auf diese Probleme ansprechen. Mal sehen...da muß doch irgendwas zu machen sein. Ich hatte ja schon was erwartet und mit meiner Therap. darüber gesprochen, die dann meinte, das würde wohl unter unterlassene Hilfeleistung fallen und man könne dagegen vor gehen, sodaß die Mutter die Therapie oder evtl. sogar Medi-Gabe zur Auflage gemacht bekommt.
Werde Deinen Rat annehmen und bei den Kiddies mal was reinschreiben. Vielleicht hat jemand Erfahrung mit solchen Situationen.
*grrrrhh! Bin ich sauer! :aufsmaul_2:
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Re: An alle Lebenspartner von ADS(H)lern!!!

Beitragvon Eva » 13. Dezember 2007 11:14

Hallo Ihr's. Wenn ich lese was in diesem Board so geschrieben wird, bekomme ich einen Kloß im Hals, der so dick ist wie ein Wackerstein.  :baw:

Ich bin eine ADSlerin und mein Mann ein "Normalo" der es mit mir aushalten muß.  :icon_redface: Betonung auf "aushalten", denn ganz offensichtlich sind wir ADSler einfach nur furchtbar, eine Belastung und oft wie ein zusätzliches "Kind" das man immer wieder an die Hand nehmen muß, damit es nicht zuviel Sch....e baut.

So oft wie Ihr Eure Partner nicht versteht, genauso oft verstehe ich meinen Normalo - Partner nicht.  :icon_rolleyes:

Ich habe vielleicht eine andere Gewichtung wenn es um Probleme oder Ärger geht. Bei meinem Mann hab ich dann oft das Gefühl Dinge ganz einfach zu laff zu betrachten, oder sie nicht ernst zu nehmen.

Wenn mich etwas berührt, oder verärgert .... dann berührt oder verärgert es mich sehr tief. Ich suche mir das nicht aus, es ist einfach so. Ich kann dann nicht einfach wieder in kürzester Zeit "runterschalten", dafür sitzt das vielleicht einfach zu tief. Nur weil er / Ihr das nicht nachempfinden könnt, sind wir "schlimm"?
Aber wer bewertet beurteilt was nun "richtig" oder "falsch" ist in der Form des Umganges mit diversen Problemen?

Lese ich hier wie zb. Reaktionen beurteilt werden, oder reflektiere ich die Reaktion / Bewertung meines Mannes was mich betrifft, komme ich mir vor wie ein Monster, die personifizierte Zumutung.

Wie soll man damit leben??  :icon_redface:

LG  Eva
Alles über Deichhöhe ist überflüssig! :winy:

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