Bin gerade wieder völlig verzweifelt

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Luzia13
Forummitglied
Beiträge: 1
Registriert: 12. November 2018 12:32

Bin gerade wieder völlig verzweifelt

Beitrag von Luzia13 » 12. November 2018 14:42

Ich bin neu hier und hoffe, auf ein bisschen Feedback, Ratschläge, Ideen oder einfach Austausch. Ich war früher schon mal in einem andren Forum aktiv, das nun aber nicht mehr existiert. Gerade bricht mal wieder alles über mir zusammen, daher mache ich mal wieder einen Versuch mit einem Forum. ;)

Ich bin seit fast dreißig Jahren mit meinem Mann zusammen, wir haben Kinder, die aber schon erwachsen sind. Wir haben ein schlimmes Jahr hinter uns, hauptsächlich weil eine berufliche Sache meines Mannes gründlich schief ging und wir auch noch einen Trauerfall in der Familie hatten. Das Ganze hat ihn so an den Rand gebracht, dass er nun wieder richtige "Ausraster" hat mit Rumschreien (auch draußen im Hof, wo es die ganze Nachbarschaft hören kann) und fliegenden Türen und Gegenständen. Gegen Personen richtet sich das nie, zumindest nicht direkt. Aber indirekt ist es für mich natürlich sehr belastend, wenn er so die Beherrschung verliert.

Therapien gab es schon mehrere, auch Rehas, aber leider endete das Ganze eigentlich immer damit, dass die Therapeuten mehr oder weniger offen aufgegeben haben. Versuche mit Medikamenten gab es auch, mit verschiedenen, aber mit kaum einer Verbesserung. Auch Schmerzmittel wirken bei ihm teilweise nicht, womöglich liegt es irgendwie an seinem Stoffwechsel. Derzeit also keine Medis und ich denke, er wird sich auch nicht nochmal auf einen Versuch einlassen. Er ist sehr offen für Naturheilkunde, Homöopathie usw. Vielleicht hat ja jemand einen Tipp in der Richtung.

Mit den ganzen Chaos, das er verbreitet, kann ich umgehen. Wenn ich von der Arbeit komme und die Wohnung sieht aus, als hätte ein Tornado gewütet, geschenkt. Bringt mich schon lange nicht mehr aus der Ruhe. Auch bestimmte organisatorische Sachen übernehme ich alleine ohne dass da noch groß drüber geredet wird. Das ist alles nicht mein Problem. Aber momentan habe ich das Gefühl, auf einem Pulverfass zu sitzen und habe enorme Probleme mich davon abzugrenzen.

Wir hatten gestern wieder eine Situation, die mich so gestresst hat dass die dringend nötige Erholung des Sonntags vollkommen ausgefallen ist und ich nun quasi arbeitsunfähig an meinem Arbeitsplatz sitze und auf den Feierabend warte. Den Rest der Arbeitswoche noch vor der Brust und was mich zuhause erwartet weiß ich auch noch nicht.

Er hat vor längerer Zeit in seiner Familie eine Aufgabe übernommen, die recht umfangreich ist. Das alles hat unglaublich viele Nerven gekostet, weil es seiner Familie schon grundsätzlich schwierig ist und eine Stress-Situation dort eigentlich schon zwangsläufig zu Streit führt. Die Aufgabe ist weitgehend abgeschlossen, aber ein paar Sachen sind halt noch zu tun. Beim letzten Mal, als wir dort waren, sind wir dann wieder mal im Streit heimgefahren, beide Seiten hatten verkündet, "hier mache ich nie mehr was" bzw. von der anderen Seite "du brauchst hier auch gar nichts mehr zu machen". Nun will er das aber unbedingt fertig machen, okay, kann ich teilweise verstehen. Ich hatte aber gestern darauf bestanden, dass wir vorher hinfahren und eindeutig besprechen, dass der Rest von ihm auch wirklich noch gemacht wird. Er wäre sonst einfach hingefahren, als wäre nichts gewesen, hätte aber meiner Meinung nach riskiert, dass die ihn das nicht machen lassen und die Verwandte, der das Haus gehört, ihn rauswirft. Dann wäre es erst recht eskaliert.

Mein Bestehen darauf hat uns dann schon den ersten Stress des Tages beschert. Wie häufig provoziert er auf klare Ansagen erstmal einen Streit über meinen "richtigen Ton". War ihm von mir nicht freundlich genug formuliert. Wir haben es dann trotzdem so gemacht wie ich es vorgeschlagen haben und sind hingefahren. Allerdings hat er das Ganze dann doch gesprengt, in dem er mit den Leuten eine Riesen-Diskussion angefangen hat und tausend Uralt-Kamellen auf den Tisch gepackt hat. Also war der Erfolg meiner Mission gleich Null. Ich hätte mich besser herausgehalten und ihn einfach machen lassen sollen. Wäre auf das selbe hinausgelaufen, nämlich Stress.

Also ging der Tag zu Ende und es ging uns beiden schlecht. Also wieder Teufelskreis von vorne, wenn es so stressig ist sind die Symptome noch ausgeprägter. Er hat mich heute Vormittag zweimal im Büro angerufen, weil er etwas gesucht hat. Beide male völlig entnervt, kurz angebunden, hat ohne Gruß nach meiner Antwort aufgelegt. Was mich heute Abend zuhause erwartet, keine Ahnung. Kann sein, dass sich die Lage im Laufe des Tages entspannt hat, kann aber auch sein dass er noch weiter mit irgendwem Streit hat. Ich habe ihn nicht mehr zurück gerufen, ich kann hier von meinem Arbeitsplatz aus schlecht länger telefonieren, deshalb habe ich es gar nicht erst versucht. Sitze hier aber mit mulmigem Gefühl im Bauch und muss noch über zwei Stunden arbeiten.

Außenstehende würden mir wahrscheinlich raten, mich mehr abzugrenzen. Aber das gelingt mir sehr schlecht. Es ist wirklich schwierig. Bei einigen Sachen kann ich mich raushalten, nur zuhören, so gut es gehen keine Position beziehen. Das funktioniert halbwegs bei allem, was mich nicht direkt betrifft. Aber bei Sachen, bei denen ich mitten drin stecke, geht das halt nicht. So wie mit dieser Sache mit seiner Familie. Mir war eigentlich klar, wie das enden wird. Hätte ich darauf bestanden, dass er die Aufgabe gar nicht macht, hätte es todsicher Stress zwischen uns gegeben. Nun habe ich nichts dazu gesagt, ihn machen lassen und es hat nun doch viel Stress in unsere Beziehung getragen.

Vielleicht wird das alles mal entspannter, wenn wir nicht mehr arbeiten müssen und ein Stress-Faktor wegfällt. Aber nach jetziger Lage sind das noch ca. zwanzig Jahre hin. Jetzt ist das alles ein halber Roman geworden und trotzdem nur ein Bruchteil unserer Geschichte. Danke fürs Lesen.
Falschparker
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Re: Bin gerade wieder völlig verzweifelt

Beitrag von Falschparker » 12. November 2018 22:49

Nein, kein Problem, schreib gerne weiter. Mir fehlt leider gerade die Zeit für eine ausführlichere Antwort, ich will dir erst mal (als ebenfalls lange verheirater ADHS-Mann) stellvertretend danke sagen, dass du deinen Mann so lange schon geduldig aushältst! :wedeln:
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