Partner mit Erwachsenen-Diagnose

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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 7. Februar 2018 10:51

Meine Thesen sind alles Versuche mir das irgendwie zu erklären. Das alle als Wiederaufnahmehemmer funktionierenden probierten Medikamente keine Wirkung zeigten muss sich auch irgendwie begründen lassen. Beim Einnehmen war ich außer der mittaglichen MPH Dosis anwesend, auch bei den anderen Medikamenten.

Eine Aufnahmestörung wird es nicht sein, auch andere Mittel wie Ginko oder Johanniskraut (erst in zeitlich langem Abstand nach Absetzen eines Medikaments und unter ärztlicher Rücksprache) haben gewirkt. Deutlich besser als die Wiederaufnahmehemmer. Johanniskruat hatte aber z.B. nur seine Ausgeglichenheit erhöht aber den Aufmerksamkeits-Defizit nichts gebracht. Daher war das auch keine dauerhafte alleinige Lösung.

Ich habe mir schon in Eigenrecherche alles in Frage kommende rausgeschrieben. Mit Zulassungen für Deutschland für die Behandlung für Erwachsene und mit jeweiliger Wirkung.
Da wir vom letzen Psychiater mit der Antwort abgespeist wurden, es gäbe zu Medikinet Adult keine alternativen Medikamente, und ich es jetzt besser weiß, werde ich mich von den nächsten Psychiatern sicher nicht mehr so veräppeln lassen.

Strattera wirkt auch als Wiederaufnahmehemmer, wie auch Bupropion, Strattera zwar als NARI und Bupropion als BDRI, aber wenn ich richtig recherchiert habe wäre Bupropion vergleichbar mit der Wirkung von Medikinet Adult (Noradrenallin und Dopamin). Elvanse oder etwas anderes aus der Amphetamin-Gruppe wäre aufgrund der Wirk-Art sinnvoll, Buspiron (eigentlich ein Angstlöser) soll ebenfalls sehr wirksam bei AD(H)S (zu 70-90%) sein.

Möglichkeiten zur weiteren/genaueren Diagnostik und auch alternative Ursachen/Komorbiditäten (wie z.B. SCT, KIDD und ähnliches was er ggf. auch zusätzlich haben könnte und symptomatisch passt) habe ich auch alles ausführlich notiert.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 7. Februar 2018 12:49

Also zu den Wiederaufnahmehemmern...ich meine, da gibt es soooo viele, die alle an unterschiedlichen Rezeptoren andocken und als Agonisten, Antagonisten oder beides wirken. Gerade bei Antidepressiva gibt es unzählige Wirkstoffe, die als SSRI an ganz unterschiedlichen Orten wirken. Manche sind anregend, andere sedierend...Und bei jedem Mensch ist es unterschiedlich, ob und wie das eine oder das andere wirkt. Das AD das ich nehme hat bei mir ausser Mundtrockenheit keine Nebenwirkungen. Eine Kollegin hat damit zugenommen, obwohl dieses AD dafür bekannt ist, dass man eben nicht zunimmt. Bei meinem Ex hat eine Dosis von 50mg unretardiert bereits gereicht, damit er durchschlafen konnte. Ich brauche 150mg retardiert. Ein anderer Kollege gar 200mg. Bei SSRI‘s, die im Hirn wirken sollten, ist zudem umstritten, ob diese die Hirnblutschranke überwinden können. Meins wirkt hauptsächlich im Darm.
Und für die Antidepressive Wirkung braucht es ein Paar Wochen, damit diese spürbar wird.

Daher wäre ich vorsichtig, solche Thesen aufzustellen. Er hat ja sicher nicht alles durch, was auf dem Markt ist.

Johanniskraut ist bekannt dafür, dass es mit anderen Medikamenten kontraindiziert. Sprich, es kann die Wirkung mindern oder gar unwirksam machen. Sollte er in der gleichen Zeit Johanniskraut genommen haben, in der er den Versuch mit Medikinet machte, könnte auch das ein Grund für den Fehlversuch sein.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Maya18Max » 7. Februar 2018 13:35

Zum Thema Johanneskraut etc. Möchte ich auf diesen Beitrag aufmerksam machen: viewtopic.php?f=39&t=51769&p=627322&hilit=paradoxe+wirkung#p627322

Was die Antidepressiva angeht wäre ich auch sehr vorsichtig. Namhafte Experten raten auch davon ab.

Ich sehe es ähnlich wie Falschparker mit den Medikamenten und der Fachperson für ADHS. Schaut nach dem richtigen Medikament evtl auch nach Elvanse. Das soll (habe ich gehört, aber noch nix offizielles gefunden ) im Laufe des Jahres auch für Erwachsene "offiziell" freigegeben werden.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 13. Februar 2018 15:24

Beim Informieren über das Thema Helfersyndrom ist mir ein wichtiger Satz begegnet.

"Der Betroffene ist auf das Helfen angewiesen, um sein intrapsychisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und gerät dabei in eine abhängige Position oder schafft wechselseitige Abhängigkeiten, indem er die Hilfeempfänger unselbständig erhält und Schuldgefühle erzeugt."

Seine Mutter hat mit ihrem Helfersyndrom meinen Mann unselbstständig gehalten. Das ist aber nichts, was durch ADS Medikamente geändert wird. Ich bezweifle auch dass das im Rahmen von normalem "selbstständig werden" (wie es normal ist wenn man auszieht) zu lernen ist. Er kennt es von klein auf nicht anders, das ist sein Weltbild was für ihn normal ist und ich denke es ist extrem schwer, das komplett umzulernen.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 2. März 2018 08:51

Die letzen Wochen habe ich verschiedenes ausprobiert.

Ich bin mit gutem Beispiel voran gegangen, um unabhängig davon was er im Haushalt nicht macht/sieht eine Art Grundstruktur vorzugeben. Dabei habe ich auch die Dinge erledigt, die ich von ihm hätte erwarten können (sein Frühstücksgeschirr weg räumen, etc.) weil ich mir dachte, vielleicht hilft es ihm wenn man es ihm vormacht/vorlebt.
Leider hat es nichts gebracht, es führte nur dazu das die Dinge, die ich dadurch mehr erledigte nicht Mal beachtet wurden. Er hat ADS ok, aber es hat bei mir dennoch das Gefühl hinterlassen das es selbstverständlich sei das ich das erledige.

Dann habe ich es mit einer To-Do Liste versucht, aber die moderne Version davon. Es gibt eine Handy App die sich mit allen verbundenen Geräten (Computer, anderen Handys) synchronisiert. Wenn ich ihm etwas auf die Liste schreibe, bekommt er am Handy und am Computer eine Benachrichtigung darüber. Man kann ein Datum dazu schreiben, es gibt eine Erinnerungsfunktion und einzelne Einträge kann man einer Person direkt zuteilen.
Er bekommt die Einträge zwar mit, aber das Problem ist das er sich eher zu Aufgaben motivieren kann die in seinem Interesse sind. Wc putzen ist doof und langweilig, somit bleibt der Eintrag einfach unerledigt auf der Liste stehen.
Wir nutzen die Liste auch anders herum, er kann sich auch selbst Aufgaben aufschreiben, er kann mir Aufgaben zuteilen und er bekommt durch die Synchronisation auch mit, wenn ich Aufgaben von meiner Liste erledige.

Auch versucht habe ich, ihm die Situation aus meiner Sicht zu beschreiben. Ohne Vorwürfe, ohne Erwartungen, ohne Kritik, nur wie ich mich fühle, wie es mir geht, was ich brauche oder für mich wichtig ist und was mir helfen würde. Ganz neutral, objektiv und sachlich.
Er hat sich dann bemüht nach Lösungen zu suchen...Lösungen für mich was ich an mir ändern könnte, damit ich die Probleme nicht mehr habe.
Mein Eindruck war, das er sich selbst und sein Verhalten anders wahrzunehmen scheint als es ist. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es auch mit "es sich nicht eingestehen wollen/können" zu tun hat.

Er hat ein sehr großes Problem damit, jegliche Kritik, auch konstruktive, anzunehmen oder überhaupt damit umzugehen. Sofort kommen nur Ausreden oder Rechtfertigungen als Reaktion oder er versucht stattdessen, Fehler bei der kritisierenden Person zu finden. Was aber letztlich nichts an seinen gemachten Fehlern ändert. Vermutlich wird er erst Mal den Umgang mit Kritik lernen müssen, bevor er anfangen kann an seinen ADS Problemen zu arbeiten.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 2. März 2018 09:15

(Sorry ich kann den vorherigen Beitrag nicht mehr ändern)

Letztlich habe ich noch einen Kompromiss versucht, wenn ich z.B. alle Dinge im Haushalt übernehme, das er beispielsweise dann das getrocknete Geschirr (Sache von 1-2 Minuten) weg räumt. Dann habe ich zumindest das Gefühl, das ich nicht wie Aschenputtel oder seine Putzfrau bin.
Gestern habe ich es ihm gesagt, das es mich enttäuscht hat das er es am Tag davor nicht gemacht hat. Er hatte es eingesehen...Heute steht das gewaschene Geschirr von gestern wieder unberührt da. Es verärgert mich dann, das er stattdessen an den Computer sitzt und spielt.

Seine dreckigen Schuhe hat er auch wieder auf der Treppe abgestellt, obwohl 2 Stufen weiter die Unterlage dafür ist. Ich bin aber diejenige, die den Flur fegt. Auch jemand mit ADS müsste es doch schaffen seine Schuhe 2 Stufen weiter auf die Unterlage zu stellen. Ich habe ihm die Schuhe dann in den Schuhschrank im Keller gestellt, mit der Idee das er dann darauf achtet sie auf die Unterlage zu stellen, um den weiten Weg in den Keller zu vermeiden.
Es hat überhaupt nicht funktioniert, weil er nur motzend darauf reagierte. Er suchte Ausreden warum seine Schuhe auf der Treppe standen, und Fehler die er mir vorhalten konnte. Ich würde mein Auto dafür verwetten, das seine Schuhe spätestens morgen wieder auf der Treppe stehen anstatt auf der Unterlage.

Was soll ich machen wenn alle meine Bemühungen, Versuche, Kompromisse, etc. keinen Erfolg haben?

Es gab am Dienstag eine Situation, in der er plötzlich um 180 Grad verändert war. Nachmittags war er im Schwimmbad, also körperliche Betätigung. Um 19 Uhr kam er nach Hause und erledigte in 30 Minuten mehr Aufgaben als davor die letzten Wochen. Aufgaben die er Wochen lang vor sich her schob erledigte er plötzlich eine nach der anderen, das ich kaum hinterher kam.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Agatha » 2. März 2018 14:45

Signiert hat geschrieben:Was soll ich machen wenn alle meine Bemühungen, Versuche, Kompromisse, etc. keinen Erfolg haben?

Ich sehe nur drei Varianten:
- Er geht zur Verhaltenstherapie
- Du akzeptierst es so wie es ist
- Du verlässt ihn

Deine Bemühungen werden nichts ändern. Er braucht Methoden, die für Menschen wie ihn hilfreich sind und zu seinem Gehirn passen. Mit Vorwürfe, Bestrafungen und Vereinbarungen wirst du nichts erreichen. Es gibt 30 Jahren Forschung über verzweifelte Eltern um es zu beweisen. Er muss zur Verhaltenstherapie. Bei jemanden, der sich mit ADHS auskennt.

Und dann ist er mit Versuche, Bemühungen, usw. dran, bis es besser funktioniert. Du kannst ihn höchstens helfen und unterstützen, wenn er fragt.

Signiert hat geschrieben:Es gab am Dienstag eine Situation, in der er plötzlich um 180 Grad verändert war. Nachmittags war er im Schwimmbad, also körperliche Betätigung. Um 19 Uhr kam er nach Hause und erledigte in 30 Minuten mehr Aufgaben als davor die letzten Wochen. Aufgaben die er Wochen lang vor sich her schob erledigte er plötzlich eine nach der anderen, das ich kaum hinterher kam.

Sport ist eine sehr effiziente (wenn auch kurzfristige) Art und Weise Symptome zu kontrollieren. Es führt zu mehr Dopamin, Norepinephrin und Serotonin. Für die meisten Leute nicht ganz so effizient wie Medis, aber definitiv hilfreich.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Maya18Max » 4. März 2018 15:46

mhm, ich sehe deinen Leidensdruck und finde toll, was für Möglichkeiten du alles ausprobiert hast.

Grundsätzlich ist es ja so, dass AD(H)Sler die 8-16 Fache Zeit brauchen um Dinge zu automatisieren. Sprich, wenn du einmal etwas vorlebst, dann bringt das überhaupt nix. Auch nicht für eine Woche oder so. Dazu kommt, dass AD(H)Sler selbstbestimmt sein wollen/müssen. Es muss ihr innerstes bedürfnis (Leidensdruck) sein, etwas zu ändern. Solange sie den Zusammenhang und den Sinn dahinter nicht sehen, wird es schwer. Wir können es ihnen nicht aufdrücken.

Signiert hat geschrieben:Was aber letztlich nichts an seinen gemachten Fehlern ändert. Vermutlich wird er erst Mal den Umgang mit Kritik lernen müssen, bevor er anfangen kann an seinen ADS Problemen zu arbeiten.

Das ist ein Problem! Kritik erfahren AD(H)Sler schon ihr Leben lang. Sie blenden es aus, versuchen es irgendwie zu verdrängen oder rasten aus bzw. geben es in einer Form zurück. Hinzu kommt die verschobene Selbstwahrnehmung. Sie erleben es womöglich sogar anders, wie "Normalos".

Mit Kritik kommt man leider nicht sehr weit bei AD(H)Slern, da das ihr sowieso schon kaputtes Selbstwertgefühl weiter mindert. Neben der Akzeptanz und einer Aufklärung über ADHS inkl. i.d.R. einer Medikamentösen Therapie (sonst kann man es nicht umsetzen, Theorie klappt, aber der Rest...) und einer wohlwollenden Begleitung und mit Sicht auf die positiv gelaufenen Dinge (auch Kleinigkeiten UND Anstrengungsbereitschaft loben!!!), sowie der Sicherheit, dass die Person einen trotz der "Fehler" liebt/annimmt, kann/wird es Fortschritte geben.

Auch wenn es nicht von AD(H)S handelt. Das Buch von Gary Chapman "Die 5 Sprachen der Liebe" gibt hilfreiche Tipps im Umgang mit dem Partner.

Mir hat dieses Buch sehr geholfen. Damals wusste ich von ADHS noch nichts. Zusätzlich ist es wichtig zu wissen, dass man Dinge nicht persönlich nehmen sollte und Dinge nicht hinterfragen. Seit dem ich gewisse Dinge akzeptiere, weil ich auch weiß, dass es "nicht absichtlich" passiert, ist das Zusammenleben um einiges harmonischer.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon ULBRE » 4. März 2018 16:37

Signiert hat geschrieben:Als ich meine Sachen nicht weg räumte sah er das und schaffte es auch überraschend gut das aufzuräumen. Das lässt das bei mir die Frage aufkommen, warum er das bei seinen Sachen nicht schafft.


Hallo,

das Phänomen wird von Katrin Passig und Sascha Lobo in deren Buch über Prokrastination (bei AD(H)S) "Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin" als ziemlich typisch dargestellt.
Ein herrliches Buch, unterhaltsam und intelligent geschrieben und ausserdem durchaus hilfreich zum Thema.

Es ist also keine spezifische Bosheit, sondern eher eine auf den ersten Blick recht wunderliche aber typische AD(H)S-Folge.

Passig und Lobo schlagen halb augenzwinkernd halb ernsthaft vor, dass sich AD(H)S-Betroffene ihre Prokrastinationsthemen gegenseitig erledigen könnten: "Mach Du meine Post, die ich nicht gebacken kriege, dafür räum ich bei Dir auf..."

Ich glaube, dass das was mit einer veränderten Art der Motivation zu tun hat. AD(H)S hat Verlagerung der Motivation hin zu intrinsischer Motivation (die bis zum Hyperfokus führen kann) und weg von extrinsischer Motivation (was die Taskwechselprobleme verursacht).
Aktivierung folgt bei AD(H)S einem Muster von akutem überlebensbedrohlichem Stress (obwohl gar kein solcher Stressor besteht). Was nicht jetzt sofort wichtig ist, kann warten. Wer gerade ums Überleben kämpft tut ja durchaus gut daran, das Nüssesammeln für den Winter auf später zu verschieben, weil Überleben erst mal wichtiger ist - insofern ist das ist eine recht gesunde Stressreaktion, die bei AD(H)S unter dem Begriff Delay Accounting bekannt ist. Dinge, die eine sofortige Belohnung versprechen, sind genau so interessant und aktivierend wie für Nichtbetroffenen, doch je weiter die Belohnung weg ist, desto uninteressanter werden sie und desto weniger motivieren sie zur Handlung.
Bis hierher bin ich mir der Zusammenhänge sicher.

Dass man für andere leichter etwas tun kann als für sich selbst könnte mit dem Mass an Interesse für den anderen zu tun haben.
Aber dieser Erklärungssatz befriedigt mich noch nicht so ganz.

Hat jemand ein besseres Bild ?

Viele Grüsse

UlBre
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Selma08 » 4. März 2018 19:17

Hallo Ihr Lieben, ich bin neu hier und freue mich mit euch auszutauschen und möchte mich jetzt schon für Schreibfehler entschuldigen. Deutsch ist meine 3 Fremdsprache und damit nicht Perfekt...bin Selma, 45 Jahre alt und Alleinerziehende Mutter von 2 wunderbare Wesen 17 und 16 Jahre jung. Diagnose ADS ist erst gekommen als es bei meinem Sohn dignostiziert wurde. Ich wusste immer das ich anders war/bin und das Chaos im Kopf habe ich ganz früh mit systematische Organisation bekämpft. mein Kinder waren die Herausforderung, dass ich mich emotional unter Kontrolle zu halten, und sie von "mir" zu beschützen. wenn einer Tipps braucht da bin ich Profi :lol:
Um zu dein Problem zurück zukommen, die Alltag Situationen wie du sie beschreibst sind wirklich harmlos, und könnten mit ein wenig Ruhe und Geduld behoben werden. Immer vor der Augen haben, dein Partner ist nicht durch ADS/ADHS zu definieren, klar ist er betroffen, aber er hat auch ein Charakter und tolle Eigenschaften die durch den Schleier ADS bedeckt sind und damit leider die meisten Probleme zurück zu führen sind. ADSler hassen Ratschläge und Vorwürfe, und dann recht. ich habe eine 20 Jahre Ehe hinter mir und mein Ex Mann war extrem was Alltag Ordnung und Sauberkeit angeht und er hat kein ADS sondern ich. Einfach mit Ruhe und beziehe ihm liebevoll an den Aufgaben mit ohne negativ aufzufallen. Nie ihm auf der Anklagebank drücken und mit dem Zeigefinger auf ihm zeigen. Er macht dicht und mit der Zeit stumpft er ab, und kann dir seine Gefühle nicht mehr zeigen , da ist vertrauen was verloren geht. Er erkennt seine Defizite und leidet drunter da muss ihn keiner darauf hinweisen. ADSler stehen mit ihren Problem allein, Medikamente und Therapien oder Ärzte sind nur eine kleine Hilfe, das meiste muss aus der Umfeld kommen. Also die Partner sind hier gefragt, alte Muster an Verhalten durchzubrechen, also Werkzeuge und Mechanismen entwickeln um Lösungen zu Finden. und nie vergessen, der ADSler leidet am meisten, immer ihm umsorgen mit Mitgefühl und nicht mit Zorn oder Mitleid. Hilfe schaffen anstatt das Leben zu vergiften mit Alltag Dinger "Klo, Küche, Haushalt..." nimmt vieles mit Humor und lasst Eure ADSler den Raum sich Positiv zu entwickeln, nicht mit Ratschläge und To do Listen sondern mitwirken und denkt dran warum ihr zusammen seid. In Guten wie in Schlechten Zeiten . Liebe und Respekt zeigt sich am meisten wenn es kriselt, ADSler sind sehr sensible Wesen, und nicht Kompliziert wie oft leider beschrieben wird, das Gegenteil würde ich jetzt behaupten. Wer Liebt steht über Tollpatschigkeiten und Schwächen und lobt die Stärken und das Selbstbewusstsein. ADSler haben Probleme sich im Alltag zu orientieren und sich zu finden, da soll vielleicht der Partner das Positive reflektieren und die Ängste wegnehmen durch Lob und Motivation. Erwachsene ADSler kann man nicht heilen, neue Wege schaffen, Ansichten ändern . ich weiß aus Erfahrung, dass Sport und Bewegung kann vieles gerade biegen. Das bringt Struktur und Ordnung, und vielleicht mehr als 1 mal die Woche. Ausgepowert kann ein ADSler besser schlafen und auch durchschlafen, Partys im Großen Stil meiden da ist zu viel Reizüberflutung . Freundeskreis beschaulich halten, ADS nie als Öffentliches Thema machen. Probleme nie Abends ansprechen, wenig Zeug in der Wohnung halten, damit sich der Chaos welches Innen befindet, sich nicht nach Außen überträgt. Von Alkohol oder Drogen ihm fernhalten, zu mindest versuchen.Das Leben einfach ein Sinn geben, da wird er die sehr dankbar sein und du wirst ihm ganz anders erleben, diese Tipps können auch nicht ADSler davon profitieren und eine Lebensqualität erlangen ...wünsche euch alles Gute.. Selma
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 6. März 2018 20:58

Agatha hat geschrieben:Sport ist eine sehr effiziente (wenn auch kurzfristige) Art und Weise Symptome zu kontrollieren.

Ja das stimmt, es hatte nicht lange gehalten. Aber ich empfand es als, wenn auch kurzzeitigen, Lichtblick wie es mit ihm/uns sein würde/könnte, mit richtiger Hilfe für seine Probleme und Symptome.

Maya18Max hat geschrieben:Neben der Akzeptanz und einer Aufklärung über ADHS inkl. i.d.R. einer Medikamentösen Therapie

Ich habe auch den Eindruck, das er ein Medikament braucht als Unterstützung, um überhaupt, unabhängig davon was er versucht oder wie er sich versucht zu bemühen, selbst etwas ändern zu KÖNNEN.
An den Tagen nach dem Sport schien ihm einiges überhaupt erst möglich zu sein umzusetzen zu können. Ohne die nötige Dosis an Dopamin & Co. (Ob durch Sport, ein Medikament, etc.) sehe ich bei ihm nicht die Möglichkeit das überhaupt zu können, egal wie sehr er es will, oder versucht.

Auch denke ich, das ohne diese Unterstützung (Medikament, Sport) als Grundlage ein weiterer Therapieversuch auch wieder genau so scheitern würde. Bei einer Therapie, auch wenn der Therapeut sich mit ADS auskennt, wird mein Mann auch den Antrieb und die grundlegende Fähigkeit brauchen, um die Tipps der Therapie überhaupt umsetzen und anwenden zu können.

Selma08 hat geschrieben:Er erkennt seine Defizite und leidet drunter da muss ihn keiner darauf hinweisen. und nie vergessen, der ADSler leidet am meisten, immer ihm umsorgen mit Mitgefühl und nicht mit Zorn oder Mitleid. Hilfe schaffen anstatt das Leben zu vergiften mit Alltag Dinger "Klo, Küche, Haushalt..." nimmt vieles mit Humor und lasst Eure ADSler den Raum sich Positiv zu entwickeln, nicht mit Ratschläge und To do Listen sondern mitwirken und denkt dran warum ihr zusammen seid.

Da würde ich sagen, jain. So wie es einerseits sicher berechtigt ist, in gewisser Weise die Probleme des ADS im Alltag zu berücksichtigen, so würde ich gleichermaßen auch sagen, er hat auch "nur" ADS.
Ich denke jemand mit ADS kann ebenso gewisse Aufgaben im Alltag erledigen, vielleicht braucht man als Partner einen anderen Weg damit er die Aufgaben erledigt bekommt. Aber komplett die Person nur in Mitleid einpacken finde ich auch nicht richtig. Der Person dabei zu helfen sich zu entwickeln und im Alltag zurecht zu kommen halte ich sogar für sinnvoller, anstatt der Person (generell gesprochen) kompletten rahmenlosen Freiraum zu lassen. Ein gewisser Rahmen aus Struktur und festen Regeln soll meines Wissens für Betroffene mit ADS für den Alltag auch nicht allzu verkehrt sein.

Momentan hat zumindest die regelmäßige körperliche Betätigung sehr angenehme und positive Auswirkungen auf sein ADS im Alltag. Dadurch komme ich auch und die Situation zu Hause gut zur Ruhe. Noch ist er bisher dran geblieben, ich hoffe das er es zumindest bis zu den Psychiater Terminen im April beibehält.
Es ist für uns beide eine angenehme Veränderung momentan, ihm selbst geht es auch dadurch besser, das er Erfolgserlebnisse hat (in dem er es schafft, Dinge erledigen zu können anstatt immer zwangsläufig zu scheitern).
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 11. April 2018 14:13

Leider verliefen die Psychiater Termine nicht so erfolgreich.
Die eine Psychiaterin hatte total die Hosen voll, was das Verschreiben von Amphetamin angeht. Andere vorgeschlagene Alternativen lehnte sie alle ab, weil diese nicht für die Behandlung von ADS zugelassen wären.

Was aber Unsinn ist, es muss nicht zwingend ein für ADS zugelassenes Medikament sein, wenn ihm beispielsweise Bupropion (zur Behandlung von Depressionen, kann aber auch zur Behandlung von ADHS eingesetzt werden) helfen könnte. Selbst manche Hausärzte verschreiben Antidepressiva ohne eindeutig vorliegender Depression.

Ein anderer Psychiater war zumindest nicht abgeneigt gegenüber Amphetamin, meinte aber mein Mann soll das erst mit einer ADS-Ambulanz abklären. Und wenn die das OK geben für Amphetamin, würde er es dann verschreiben.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon ULBRE » 11. April 2018 15:04

Hallo Signiert,

wenn die Psychiaterin Schiss hat, muss man sie damit lassen. Wenigstens erzählt sie nicht was falsches, sondern nur, dass sie sich nicht traut.
Einfach markieren und aus der Liste der geeigneten AD(H)S-Behandler löschen.

Elvanse erst nach sorgfältiger Diagnose zu geben halte ich für absolut vertretbar und spricht für mich für die erforderliche Sorgfalt.
Ganz besonders wenn es sich um einen ganz neuen Patienten handelt.

Bis dahin könntet Ihr mit NIkotinpflastern experimentieren. Sind rezeptfrei aber halt auch sauteuer.
Link über die Hintergründe dazu stelle ich gerne ein, falls das jemanden interessiert.

Ein Hausarzt könnte auch alte trizyklische Antidepressive in Minimaldosen verschreiben - Imipramin, Nortrilen (leider nur noch als Hollendreimport, der schlechter wirken soll als frühere deutsche Ware), Desipramin oder Trimipramin (letzteres vor allem Abends zum schlafen 5 - 10 Tropfen, tagsüber eher nur 1 bis 2). Nutzt aber auch nix, wenn der Dich keine Erfahrung damit hat, wie man das für AD(H)S dosiert (nämlich viiieeeeeel geringer als als AD).

Wie immer gilt: was der Doc sagt zählt, ich hab nur meine Meinung.


Danebn gibt es aber auch noch die nichtmedikamentösen Methoden, die ohnehin dazu gehören sollten: Ausdauersport (auspowern), Achtsamkeitstraining und langfristig achtsamkeitsbaiserte Verhaltenstherapie oder Neurofeedback.

Alles Gute und viel Erfolg

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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 13. April 2018 11:52

Er hat die Diagnose in einer ADS Ambulanz bekommen, bzw. in 2 verschiedenen ADS Ambulanzen, eine davon war das ZI in Mannheim. Der Psychiater will aber nicht selbst entscheiden ob er meinem Mann Amphetamin verschreibt, sondern er will dass die Ambulanz es entscheidet. Dann kann mein Mann sich das Rezept aber auch bei der Ambulanz ausstellen lassen.

Ich bin andererseits auch dankbar, wenn ein Arzt uns andernfalls auch von Medikamenten abrät. Es geht uns schließlich nicht darum, das verschrieben zu bekommen was wir wollen (oder von dem wir meinen das es richtig wäre) sondern einen Arzt zu finden, der aufmerksam ist und selbst mitdenkt. Ein Arzt der leichtfertig alles verschreibt was der Patient haben möchte, kann genau so in die falsche Richtung gehen.

Aber was sind letztlich "erst" 3 durchprobierte Psychiater, immerhin ist jetzt Mal Bewegung in die Sache gekommen. Und wer weiß, vielleicht bekommt er letztlich in der Ambulanz das Ok für Amphetamin.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Murmel » 14. April 2018 10:41

Schön zu lesen, dass sich jetzt etwas bei deinem Mann getan hat.
Ich selbst wurde damals auch in einer Ambulanz diagnostiziert und dort auch medikamentös eingestellt. Mein Rezept hole ich mir
auch immer dort ab.
Dein Mann sollte auch über eine Psychotherapie nachdenken. Am besten wäre da eine Verhaltenstherapie.
Drücke euch weiterhin die Daumen.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon ULBRE » 15. April 2018 15:32

Murmel hat geschrieben:Am besten wäre da eine Verhaltenstherapie.


Wollja.
Wobei achtsamkeitsbasierte Verhaltenstherapie bei AD(H)S kognitiver Verhaltenstherapie deutlich überlegen ist.

Bei der Gelegenheit - ich hab von einer schönen Untersuchung gehört (sie aber noch nicht gefunden), dass man schon in der ersten Stunde messen kann, ob die Therapie nach 3 Jahren erfolgreich sein wird, und zwar unabhängig von der Therapieform.
Patienten und Therapeuten wurden in der ersten Therapiestunde gefilmt.
Wenn eine positive, annehmende Stimmung zwischen T und P herrschte, war die Therapie nach 3 Jahren häufig erfolgreich. Wenn eine kühle, distanzierte Stimmung herrschte, eher nicht.
Wohlgemerkt: auf die Art der Therapie kam es dabei weniger an.

Warum trotzdem achtsamkeitsbasierte VT ?
Erstens gibt es neben dem P-T-Verhältnis auch noch Wirksamkeitsfaktoren von Therapieformen, und achtsamkeitsbasierte Therapieformen haben bei AD(H)S erheblich bessere Wirkamkeitsergebnisse als kognitive VT.
Zweitens kann man vieles von dem, was man in einer kognitiven VT über den Umgang mit AD(H)S lernen kann, sich mit Fleiss auch selbst anlesen (z.B. mehrere Bücher zum Thema lesen, in Foren unterwegs sein) und in Selbsthilfegruppen mitbekommen. Worauf muss ich achten, welche Tricks gibt es, was ist normal, was nicht. Achtsamkeit kann man dagegen schlechter lernen und besser üben...

Dabei gibts ausserdem noch unterschiedliche Einsatzzwecke von Achtsamkeitstherapie oder Achtsamkeitstraining je nach Subtyp:
Bei ADHS ist Achtsamkeit geradezu zwingend um überhaupt erst mal Therapiefähigekeit zu erreichen. ADHS (mit Hyperaktivität) hat einen dauerhaft erhöhtes Stresslevel, das nie runterschaltet. Es ist so erhöht, dass Achtsamkeit (MBCT, MBSR, Meditation, Yoga ...) geradezu aversiv ist - und was geradezu in die Erholungsunfähigkeit führt (oder diese aufrecht erhält, denn sie ist dann recht zuverlässig das Ergebnis) und man sich da erst mal reinzwingen muss, bis man den Stresslevel so weit runtergekriegt hat, dass man Entspannung innerlich überhaupt erst einmal annehmen und zulassen kann.
Bei ADS schaltet das Stressystem dagegen durchaus auch wieder ab, schlägt aber beim nächsten Stressor wieder voll zu und schaltet das Hirn auf langsam.
Bei ADS ist Achtsamkeit vor allem als Stressprophylaxe erforderlich, bei ADHS zum Stressabbau.


Gedankenspiel am Rande:
Wenn das mit dem Patienten-Therapeuten-Verhältnis stimmt, wäre es schlau, Schulen so zu organisieren, dass sich Schüler ihre Lehrer aussuchen könnten, denn dann wäre das Schüler-Lehrer-Verhältnis der wichtigere Faktor als die Unterrichtsform (frontal, koedukativ, wissensstufenbasiert oder wie das alles heisst). Dass es also verschiedene Mathe-/Deutsch-/Englisch-/Wasauchimmerlehrer gäbe, die je Klassenstufe immer gleichzeitig unterrichten so dass die Schüler der Klassenstufe alle gleichzeitig Mathe haben, aber eben bei dem Lehrer, mit dem sie am Besten können. Kennt man ja auch, dass Kinder in einem Fach nix auf die Reihe kriegen und nach einem Lehrerwechsel auf einmal schwuppdiwupp durchstarten...
Würde auch dazu führen, dass Lehrer sich mehr Gedanken darüber machen, wie sie mit ihren Schülern umgehen...
Ist jemand Lehrer und kann was dazu sagen ?

Viele Grüsse

Ulbre
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