Aktivität der Nervenzelle feststellbar?

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Aktivität der Nervenzelle feststellbar?

Beitragvon Signiert » 19. Januar 2018 11:20

Hallo zusammen.

Bei Recherchen über mögliche alternative Medikamente stand bei einer Beschreibung dabei, das es im Gegensatz zu Wiederaufnahmehemmen (wie MPH) den Transmitterspiegel unabhängig von der Aktivität der Nervenzelle erhöht.

Durch vorherige andere Medikamente scheint es das bei meinem Mann der Weg über Wiederaufnahmehemmer nicht funktioniert. Egal ob das jetzt das "Medikinet" war oder auch bei anderen Medikamenten die als Wiederaufnahmehammer (Serotonin, Noradrenallin, etc.) funktionierten, null Wirkung. Andere Medikamente (Beruhigungsmittel, egal ob chemisch oder Pflanzlich, Tebonin, Coffein) halfen eher.

Mein Gedanke ist das es unsinnig wäre, alternative Wiederaufnahmehemmer wahllos durchzuprobieren, wenn es eventuell an der Aktivität der Nervenzelle läge und er stattdessen ein wie oben beschriebenes Medikament bräuchte, das den Transmitterspiegel unabhängig von der Aktivität der Nervenzelle erhöht.
Er hatte beim letzen Psychiater schon ein EEG bekommen, das "Auffälligkeiten" zeigte. Bei Nachfrage hieß es aber nur, er könne nicht mehr dazu sagen weil er keinen Vergleich zu dem EEG hätte. (Also kein früheres EEG von meinem Mann).

Ist ein EEG ausreichend um die Aktivität der Nervenzellen festzustellen? Oder gäbe es noch andere Möglichkeiten?
laetitia
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Re: Aktivität der Nervenzelle feststellbar?

Beitragvon laetitia » 19. Januar 2018 12:09

Also, es gibt verschiedene Ursachen, bei unzureichender Dopaminvorhandensein im synaptischen Spalt.

1. Es wird zwar genügend Dopamin ausgeschüttet, bleibt aber nicht lange genug im synaptischen Spalt. Da hilft Mehtylphenidat, welches den Reuptake, also die Wiederaufnahme in die Präsynapse verzögert und das Dopamin dadurch länger an der Postsynapse wirken kann.

2. Es ist zwar genug Dopamin da, wird aber aus welchem Grund auch immer nicht in ausreichender Menge ausgeschttet. Da helfen Medikamente wie Elvanse, die gleichzeitig die Ausschüttung und fördern und den Reuptake verhindern.

3. Es wird allgemein zuwenig Dopamin produziert. Auch da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist, dass dopaminproduzierende Neurone absterben, wie das zum Beispiel bei Parkinson der Fall ist. Da kann die Einnahme von L-Dopa (Levadopa) helfen. L-Dopa ist das was der Körper herstellt um Dopamin daraus zu machen. Dopamin selbst kann man nicht ersetzen, weil es die Hirnblutschranke nicht überwinden kann. Es gibt noch andere Krankheitsbilder, die die Dopaminproduktion beeinträchtigen. Aber wenn das der Fall ist, muss das tatsächlich ein Neurologe ev. in Zusammenarbeit mit einem Neuropsychologen abklären. Ich weiss nicht wie das in Deutschland ist, aber in der Schweiz gibt es sogenannte Memory Kliniken, die sowas machen.

Ein EEG scheint mir nicht genug auszusagen. Das EEG kann tieferen Hirnstrukturen nicht erfassen. Da wäre ein fMRI und ev. auch ein PET (Positronen Emissions Tomografie) nötig. Das sind allerdings teure Verfahren, die wohl nur Anwendung finden, wenn die Symptomatik dies indiziert.

OK, mehr Zeit habe ich gerade nicht...muss nochmals ein paar Skripte durcharbeiten für die Neuro- und Biopsychologie Prüfung heute Nachmittag...
laetitia
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Re: Aktivität der Nervenzelle feststellbar?

Beitragvon laetitia » 19. Januar 2018 12:12

Ah genau...

Manche Neurotransmitter verschwinden nicht ausschliesslich durch Wiederaufnahme aus dem synaptischen Spalt, sondern werden von Gliazellen abgebaut. Sprich, wenn wiederaufnahmehemmende Medis keine Wirkung zeigen, kann es auch sein, dass die Transmitter durch die Gliazellen zu rasch abgebaut werden.

Ich denke, es bleibt deinem Mann erst mal nichts anders übrig, als verschiedene Medis zu testen und dann zu schauen, was wirkt und was nicht und dann je nachdem, weitere Abklärungen zu machen.
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Re: Aktivität der Nervenzelle feststellbar?

Beitragvon Signiert » 19. Januar 2018 14:17

Danke für deine ausführliche und sehr aufschlussreiche Antwort. :)

Es betrifft nicht nur Dopamin, er hat auch schon SSRI (Serotonin Wiederaufnahmehemmer) probiert und MPH hemmt die Wideraufnahme von Dopamin und Noradrenallin. Alles was als Wiederaufnahmehemmer wirkte zeigte bei ihm bisher keine Wirkung.

Ich weiß dass alles weitere ein Facharzt abklären muss, aber anscheinend muss man manche Ärzte überhaupt erst auf solche Ideen bringen. Zwar habe ich Verständnis für die Situation vieler Ärzte (überfüllte Praxen, zu Lasten der Qualität und Zeit pro Patient) aber manchmal wäre eben etwas mehr nötig als nach 5 Minuten das nächstbeste zu verschreiben was dem Arzt einfällt.

Um fMRI und/oder PET werde ich mich kümmern, danke für die Infos.
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Re: Aktivität der Nervenzelle feststellbar?

Beitragvon ADHDgoesto11 » 19. Januar 2018 18:52

Signiert hat geschrieben:Ist ein EEG ausreichend um die Aktivität der Nervenzellen festzustellen? Oder gäbe es noch andere Möglichkeiten?


Nein. EEG ist so, als ob man aus zweihundert Metern Entfernung einer Festhalle voller Leute zuhört. Man kann vielleicht unterscheiden, ob da gerade Musik läuft, ausgelassene Stimmung herrscht oder die Anwesenden einer Festrede lauschen, mehr aber nicht. Schon gar nicht herausfinden, was einzelne Leute sagen.


Zwei Wirkstoffe, die ihr noch ausprobieren könntet: Amphetamin (wirkt zwar u.A. auch als Dopaminwiederaufnahmehemmer, steigert aber auch die Ausschüttung) und, falls ihr einen Arzt für einen Offlabelversuch gewinnen könnt, Bupropion, welches zwar offiziell ein Antidepressivum ist, aber ein entfernter Verwandter des Amphetamin ist und auch stimulierende Wirkung hat.

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Re: Aktivität der Nervenzelle feststellbar?

Beitragvon Signiert » 20. Januar 2018 10:43

Danke für die Vorschläge.

Deine genannten Medikamente wurden mir auch von dem Arzt empfohlen der ihn damals in der ADHS Ambulanz diagnostizierte. (Mir war es lieber schon thematisch vorbereitet mit ihm zum nächsten Psychiater zu gehen).

Bupropion scheint als ebenfalls Dopamin+ Noradnrenallin Wiederaufnahmehemmer ähnlich zu sein wie MPH. Das Amphetamin kenne ich nur als Evanse oder Attenin, würde unabhängig der Aktivität der Nervenzellen den Spiegel erhöhen, hat aber das Problem der fehlenden Zulassung für Erwachsene in DE.

Mir fehlt auch das Verständnis dafür, wie dasselbe Medikament in DE keine Zulassung für ab 18 hat, aber bereits in anderen Ländern außerhalb von DE. Entweder pennt man hierzulande was die Zulassung betrifft oder man will es aus irgendwelchen Gründen nicht zulassen obwohl es einigen Erwachsenen mit ADHS helfen könnte die MPH nicht vertragen oder es aus anderen Gründen keine Option für sie ist.

Er hat in 3 Monaten Termine bei 2 Psychiatern, wenn die beide kaum Ahnung von ADS haben schlage ich ihm vor, in die Ambulanz nach Mannheim zu fahren. Die 100km sind ihm zwar zu weit um dort mehrmals hin zu fahren, aber aus meiner Sicht sinnvoll bis er zumindest ein ihm helfendes Medikament gefunden hat und passend eingestellt ist.
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Re: Aktivität der Nervenzelle feststellbar?

Beitragvon Falschparker » 21. Januar 2018 01:46

Hallo Signiert,

mir scheint eher, der bisherige Arzt war nicht geduldig genug, und er hat es auch nicht mit unretardiertem Methylphenidat versucht. Vielleicht war die Dosis schon von Vorneherein zu hoch? Wenn du beschreibst, die Impulsivität wurde stärker, dann lief doch schon etwas schief. Eigentlich sollte die Impulsivität mit einer gut eingestellten ADHS-Medikation abnehmen.

Übrigens, hat dein Mann neben dem Methylphenidat Kaffee/Tee getrunken? Das verträgt sich nicht unbedingt mit Methylphenidat.

r hat in 3 Monaten Termine bei 2 Psychiatern, wenn die beide kaum Ahnung von ADS haben


Wie jetzt? Ob der Psychiater Ahnung von ADS hat, muss man erkunden, bevor man einen Termin macht! Das betrifft nur einen sehr sehr kleinen Teil der Psychiater, wenn man jeden einzeln durch Termin(e) selbst besucht braucht man doch Jahrzehnte.

100 km sind übrigens keine Entfernung, mein Arzt ist 130 km weit weg, die KJP meines Sohnes auch über 100 km. Und beide sind es definitiv wert. Nicht die Fahrzeit ist verschwendete Zeit, sondern Gespräche mit den falschen Ärzten.

Viele Grüße und alles Gute
Falschparker
(der bei den genannten Ärzten nicht falsch und nicht richtig parkt, sondern natürlich mit dem Zug hinfährt)
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Re: Aktivität der Nervenzelle feststellbar?

Beitragvon Signiert » 22. Januar 2018 20:55

Weißt du...ich kann ihm auch nicht jeden Furz abnehmen. Ich habe ihm die Liste mit 21 Psychiatern in der Umgebung gemacht. Auch dazu geschrieben wer davon ADS Spezialist ist. Wenn er sich lieber die 2 erstbesten bei denen er einen Termin bekommt in kürzester Entfernung wählt, anstatt ADS Spezialisten zu bevorzugen und dafür eben ein paar KM weiter zu fahren; Ist das seine Entscheidung zu welchem Arzt er gehen will.

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