Partner mit Erwachsenen-Diagnose

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Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 13. Januar 2018 11:30

Hallo miteinander.

Wie in der Vorstellung kurz erwähnt hat mein Mann seine Diagnose erst vor ca. 3 Jahren (mit 26) bekommen.
Seine Diagnose hat zwischen uns nichts negativ verändert, aber die hauptsächlich von mir erhoffte Hilfe und Unterstützung in der Situation mit ihm besser zurecht zu kommen, ist leider ausgeblieben.

Er hatte von einem Psychiater ein Medikament bekommen, ich glaube "Medikinet" hieß es. Bis zur Dosis von 80mg täglich auf 3 Einnahmen am Tag verteilt aber es machte ihn hauptsächlich aggressiv und impulsiv. Ein anderes ADS Medikament zu versuchen was seine Wirkung anders freisetzt lehnte der Psychiater ab. Dann hat er auch eine Verhaltenstherapie versucht, die nach 3 Monaten abgebrochen wurde weil er es für unnötig und unsinnig hielt.

Seitdem sind wir wieder auf uns alleine gestellt ohne ärztliche Hilfe aber es funktioniert nicht gut. Ich muss ihm vieles hinterher räumen, die Küche wird dreckig hinterlassen, das am Vortag frisch geputzte WC wird mit Spuren hinterlassen, die Versorgung der Tiere bleibt komplett an mir hängen, um ein paar Beispiele zu nennen.
Ich spreche ihn auch auf diese Dinge an, aber entweder hat er zu allem eine Ausrede parat, oder es kommen freche Antworten wie "mich stört es nicht" zum Beispiel die dreckige Toilette. Er hätte auch die schimmelnde Kühlbox so in den Schrank gestellt, es sind Situationen die gehen so einfach nicht.

Dann mache ich ihn auf diese Dinge aufmerksam, er reagiert auch mit Einsicht aber nach gefühlt 5 Sekunden ist es vergessen als ob ich nichts gesagt hätte. Natürlich verläuft es dann gerade so weiter wie vor meiner Ansprache. Stattdessen sind ihm dann aber Aktivitäten wie PC oder Fernseher, nach eigener Aussage aus Langeweile, wichtiger als sich beispielsweise um seine Tiere zu kümmern.

Auch wenn ich Verständnis für seine Probleme habe, kommt es mir so vor als ob er sich selbst gar nicht bemühen würde eine Besserung zu versuchen. Was wohl zum Teil auch an mir liegt, da ich mich letztlich doch um die Situationen kümmere und es für ihn keine Konsequenz hat wenn er sich nicht bemüht. Ich weiß aber nicht was ich noch machen könnte, einem erwachsenen Mann den PC und Fernseher zu verbieten würde ich seltsam finden.

Ich hätte auch prinzipiell nichts dagegen mich um den Haushalt und die Ordnung zu kümmern, wenn er nicht alles einfach so hinterlassen würde wie die Sau ihren Trog. Situativ weiß ich nicht, was ich trotz ADS von ihm erwarten/verlangen kann zu erledigen oder zu beachten und wo dann die Grenzen sind, was er einfach nicht ohne Unterstützung alleine hinbekommt. Wir haben auch schon einen Aufgabenplan gemeinsam erstellt mit dem wir beide einverstanden waren. Ein fester Stundenplan mit Wochentag, Aufgabe und wer was macht, sogar mit Uhrzeiten. Funktioniert hat es 1,5 Tage lang, den 3. Tag noch mit Erinnerung aber ab dann kam die Existenz des Aufgabenplans bei ihm schon gar nicht mehr vor.

Außerdem kann ich nicht einschätzen, welche Situationen ADS bedingt sind und er wirklich nichts dafür kann, oder in welchen Situationen er das ADS als Ausrede nutzt wenn er keine Lust hat etwas zu erledigen.

Vielleicht möchte mir jemand dazu mit persönlichen Erfahrungen weiter helfen.
Liebe Grüße, Johanna.
laetitia
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 13. Januar 2018 12:12

Hi Signiert

Willkommen im Forum.

Hm...also wenn ich dein Partner wäre, ich würde mir den Diagnosebericht geben lassen und mich auf die Suche nach einem anderen Psychiater machen. Möglichst einen, der sich mit AD(H)S auskennt. Es kann ja nicht sein, dass ein Arzt deinem Mann die Möglichkeit verweigert, das für ihn geeignete Medikament zu finden!

Ich persönlich vertrage Methylphenidat (Medikinet, Ritalin, Concerta, Focalin etc.) nicht. Und zwar so, dass ich das nie wieder nehmen will. Seit drei Wochen nehme ich jetzt Elvanse (Lisdexamphetamin). Das hatte Anfangs zwar die gleichen Nebenwirkungen, aber dennoch irgendwie anders. Und die haben sich wieder gelegt.

Wie sehr dein Mann sein ADS als Ausrede etc. benutzt, kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, welchen Unterschied Medis bei mir machen.
Es ist der zwischen: Ich stelle meine Tasse mal irgendwo in die Küche vs. ich verräume die Tasse im Geschirrspüler und wenn ich schon dabei bin, alles was da sonst boch rumsteht gleich mit. Das ist etwas, was andere ohne ADHS kaum verstehen. Mit Medi sehe ich etwas rumliegen und denke, das muss da auch nicht rumliegen. Warum heb ichs nicht gleich auf und vertäume es...und schwupp, weg ist es, schön an seinem Örtchen. Ohne Medi sehe ich es auch, bin dann blockiert, weiss nicht was damit machen und lasse es halt liegen. Warum kann ich niemandem wirklich sagen...weshalb ich mich dann über mich selber aufrege, was dann auf mein Selbstwertgefühl drückt...
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 13. Januar 2018 15:30

Danke latentia, auch für deine persönliche Erzählung wie es bei dir mit und ohne Medikation ist. Aber ich finde schon dass deine Erklärung dazu beiträgt, Menschen die ADS haben ein Bisschen besser verstehen zu können. Ich will ihm nichts unterstellen, und ich schätze das ich die Situationen aus nicht ADS-Sicht bewerte und nur das Endergebnis sehe aber ich nicht in ihn reingucken kann.

Vielleicht kann er auch selbst nicht beschreiben oder erklären, was seine Schwierigkeiten sind, findet nicht die richtigen Worte dafür oder versteht es eventuell selbst nicht? Er weiß auch gar nicht wie es wäre, wenn die ADS Probleme weniger wären.

Auch danke für die Info über das andere Medikament. Der Psychiater hatte es nicht direkt verweigert, aber Ausreden gebracht weshalb andere ADS Medikamente angeblich keine Option wären. Stattdessen wollte er die "Medikinet" Dosis immer weiter erhöhen, als er dann auf 80mg/Tag erhöhen sollte anstatt ein anderes Medikament zu versuchen sind wir dort nie wieder hin. Antidepressiva hatte er auch mehrere nacheinander ausprobieren sollen, es blieb ohne nennbare Wirkung. Vermutlich weil er keine Depression als Ursache seiner Beschwerden hat.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 13. Januar 2018 16:43

Hallo Signiert

Ja, ich finde, auch wenn ADS mit gewissen Schwierigkeiten kommt, gehört es auch zur persönlichen Reife, die eigenen Schwächen zu kennen, zu versuchen diese zu verstehen und einen Weg zu finden, mit ihnen angemessen umzugehen...vor Allem, wenn noch ein Partner da ist, der unter gewissem Verhalten leidet. Ich persönlich schäme mich zum Beispiel für die Unordnung bei mir zuhause. Ich nehme deshalb kaum Leute in meine Wohnung...ausser jene, die mich gut kennen und mich deswegen nicht verurteilen. Aber auch da ist immer so ein unangenehmes Gefühl da. Für mich ist das der Hauptgrund, warum ich überhaupt eine Abklärung wollte, auch warum ich nach den Schwierigkeiten mit den Medis nun doch nochmals einen Versuch wagte. Denn das möchte ich keinem potentiellen Lebenspartner zumuten. Ausserdem würde ich gerne ab und zu Freunde zu mir einladen.

Was ich aber immer schätze, gerade bei meinem Ex, mit dem ich gut befreundet bin, ist, dass er mich nicht kritisiert für den Dreck und so. Aber ich würde es voll verstehen, wenn er es tun würde, insbesondere wenn ich keinen Willen hätte, etwas an der Situation zu ändern. Da finde ich liegt der Unterschied. Sprich, es ist nie ok, seine Schwächen mit ADS zu entschuldigen und einfach so zu tun, als müsse der andere das halt so akzeptieren. Es ist ok Verständnis zu zeigen und auch Unterstützung anzubieten, aber auch nur dann, wenn der andere bereit ist, am Problem zu arbeiten.

Wenn die Bereitschaft deines Partners da ist, dass sich etwas ändert, dann gibt es schon Möglichkeiten. Zum Beispiel könnte man aus der Haushaltarbeit eine art Wettbewerb machen. Oder gemeinsam putzen...das ging bei mir immer. Wenn ich etwas gemeinsam tun konnte, machte es auch irgendwie spass. Das Gedankenkreisen konnte nicht so stark interferieren. Zeitdruck funktionierte auch. Zum Beispiel: In einer halben Stunde gehen wir weg, wenn bis dann xy nicht gemacht ist, kommst du nicht mit...

Aber ja, das sind so Sachen, die funktionieren manchmal und manchmal nicht und manchmal funktionieren sie Anfangs und dann nicht mehr.

Da würde ich so oder so empfehlen, einen neuen Psychiater zu finden und es nochmals mit Medikation zu versuchen. Leider gibt es viele Psychiater, die noch immer kein ausreichendes Wissen zu ADS haben. Als ich mit Ritalin anfing, da hatte ich einen Psychiater den ich aus jetziger Sicht völlig fahrlässig finde. Der hat mir ein Rezept gegeben und mich dann mit den Medis allein gelassen. Das ist bei der Ärztin die ich jetzt habe ganz anders. Die gab mir erst eine Wochenration mit um dann beim nächsten Termin zu sehen, wie es läuft. Dann nochmals eine Wochenration und wieder ein Kontrolltermin. Jetzt habe ich Medis für drei Monate, weil sie noch langen Urlaub hat und dann ihre eigene Praxis eröffnet, damit ich genügend habe bis zum nächsten Termin irgendwann im März.

Auch der Hausarzt sollte involviert sein, um ab und zu die Blutwerte zu kontrollieren. Denn die können sich mit den Medis verändern.

Vielleicht kannst du deinen Partner dazu bewegen, es nochmals in Angriff zu nehmen. Auf jeden Fall würde ich mit ihm darüber reden, wie es dir mit ihm geht und dass es für dich nicht tragbar ist. Dass ihr da eine gemeinsame Lösung finden müsst.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 13. Januar 2018 17:26

Er hat sich über die vielen Jahre notgedrungen seine eigenen Strategien angelernt mit seinen Problemen klar zu kommen. Größtenteils hat er dadurch leider gelernt, Schwierigkeiten zu ignorieren oder zu verdrängen wenn es ihm nicht möglich war etwas zu schaffen. Und er gibt auch sehr schnell auf wenn etwas schwierig wird, durch die leider häufige Erfahrung dass es sowieso nicht klappt.

Vermutlich wird ein geeigneter Psychiater auch ein paar Tips sowohl für meinen Partner wie auch für mich im Umgang mit ihm geben können. Damit man zumindest Ansatzpunkte hat was man versuchen kann. Bei ihm kommt zu dem ADS noch eine mathematische Hochbegabung dazu, was ihm zusätzlich Probleme macht und sich gegenseitig mit den ADS Problemen hochschaukelt.

Seine Diagnose wurde in Mannheim gstellt in einer speziellen Ambulanz wo die Ärzte auf AD(H)S spezialisiert sind. Ich werde mich dort über Adressen von geeigneten Psychiatern zur Weiterbehandlung erkundigen. Ich vermute das wohl der Verhaltenstherapeut bei dem er die 3 Monate war sich auch nicht mit ADS auskannte.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Hanghuhn » 13. Januar 2018 17:34

Hallo Signiert,

erstmal Bild im Forum!

Ich möchte mich dem von laetitia Geschriebenen anschließen.

Was den Arzt anbelangt, weiß ich allerdings nicht, wie die Möglichkeiten bei euch sind. Vielleicht lässt er sich ja überreden, wenn er weiß, wie das Medikament wirklich wirkt. Ich bitte zu bedenken, dass Du ja nicht weißt, was Dein Mann dort so erzählt. Wäre es nicht gut, wenn Du wenigstens ab und zu mal bei den Arztgesprächen dabei wärst? Ohne Zustimmung Deines Mannes wird das allerdings sowieso nicht gehen.

Ich sehe bei Deinem Mann ein Problem, das viele AD(H)Sler haben. Sie finden ihre Welt okay. Eine andere Sichtweise kommt ihnen gar nicht in den Sinn ("mich stört es nicht"). Und du kannst ja einen erwachsenen Mann nicht so behandeln wie ein kleines Kind, obwohl es manchmal erforderlich wäre.

Wenn er dir z. B. mal wieder eine verotzte Toilette hinterlassen hat, schimpf nicht darüber, wie die Toilette aussieht, sondern sag ihm, wie du dich dabei fühlst, dass du auf gewissen Hygienestandards bestehst, und dass dir sch...egal ist, ob ihn das stört oder nicht. Dich stört es. Du kommst dir wie eine billige Putze vor, wenn du seinen Dreck wegmachen musst, um die Hygienestandards aufrecht zu erhalten.

Natürlich hat er so seine Probleme damit, sein Leben normal zu leben. Natürlich kann man ab und zu (bei AD(H)Slern halt etwas häufiger) etwas vergessen. Aber wahrscheinlich hat ihm Mami schon früher alles hinterher geräumt. Sie fand es anscheinend normal, dass Jungs so sind, sonst hätte ihr schon selbst auffallen müssen, dass ihr Sohn ADS hat. Aber ich glaube, wenn jemand etwas fast immer "vergisst", ist auch der Wille nicht da, es wirklich richtig zu machen.

Signiert hat geschrieben:Dann hat er auch eine Verhaltenstherapie versucht, die nach 3 Monaten abgebrochen wurde weil er es für unnötig und unsinnig hielt.

Bei so viel "Einsicht" bleibt einem die Spucke weg. Es kann ja sein, dass die Therapie für sein Problem wirklich nicht so richtig geeignet war, aber nach meiner Erfahrung hilft eine Therapie auch dann, wenn sie nicht für das spezielle Problem gedacht ist. Bei seinen Problemen ist eine Therapie nicht "unsinnig". Dann muss er sich eben nach einer anderen geeigneteren Therapie umschauen. Aber da sind wir beim alten Problem. Er erkennt sein Problem erst gar nicht. Er hat ja schließlich ein Viertel Jahrhundert ohne Medikamente und sonstige Therapien überlebt.

Dass seine Ehe gerade wegen seiner Uneinsichtigkeit, falls er so weiter macht, droht, den Bach 'runterzugehen, ist ihm nicht bewusst.

Signiert hat geschrieben:Ich hätte auch prinzipiell nichts dagegen mich um den Haushalt und die Ordnung zu kümmern, wenn er nicht alles einfach so hinterlassen würde wie die Sau ihren Trog.

Ich verstehe dich. Dir wird wohl auch nichts anderes übrig bleiben. Ich verstehe, dass du zwar die üblichen Zimmerreinigungs- und -aufräumarbeiten bereitwillig übernehmen willst, ihm aber nicht "seinen Hintern hinterher räumen" möchtest. So wie Du ihn beschrieben hast, beleidigst du die Sau Bild. Und ehrlich: Eine schimmelnde Kühlbox in den Schrank stellen ist Bequemlichkeit, würde ich nur ungern auf ADS schieben. Die Bequemlichkeit hat evtl. etwas mit ADS zu tun, aber da muss man schon auch mal über seinen Schatten springen können: Dass man schimmlige Sachen nicht einfach so wegstellt, muss auch er wissen.

Gibt es etwas, was er tun kann, möglichst etwas Regelmäßiges, wobei er nicht so viel Dreck hinterlassen kann? Es kann ja nicht sein, dass er sich aus allem 'raushält, weil er der Arme mit ADS ist. Besteh drauf, dass er das auch tut! Je öfter und regelmäßiger er eine bestimmte Sache tun muss (wobei er anfangs ganz gewiss des öfteren erinnert werden muss), desto mehr wird es zur Routine und wird im Laufe der Zeit "automatisiert".

Wichtig ist aber vor allem seine Einsicht, dass sich etwas ändern muss.
Signiert hat geschrieben:Was wohl zum Teil auch an mir liegt, da ich mich letztlich doch um die Situationen kümmere und es für ihn keine Konsequenz hat wenn er sich nicht bemüht.

Da hast Du es nicht einfach. Du benutzt ja schließlich die verotzte Toilette mit. Mir hat mal jemand geraten, die Sachen einfach laufen zu lassen, z. B. einfach mal nicht die Toilette sauber zu machen. Jeder hätte schließlich seine Schmutzgrenzen, auch ein unverbesserlicher ADSler. Wichtig dabei ist, dass DU durchhältst. Es funktioniert, aber zehrt die eigenen Nerven. Solange ihr allein seid (ohne Kinder), ist das ganz gut machbar. Mit Kindern geht das nicht mehr.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Murmel » 13. Januar 2018 18:26

Hallo,

meine Vorschreiberinnen haben ja alles schon sehr gut beschrieben, so dass ich es nicht noch einmal wiederholen muss.

Wichtig finde ich auf jeden Fall, dass sich dein Mann einen Arzt sucht, der sich mit AD(H)S auskennt und dass dein
Mann auch entsprechend mit Medikamenten eingestellt wird.

Drücke dir die Daumen.

LG Murmel
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 14. Januar 2018 14:40

Hallo miteinander. Bei den Arztgesprächen war ich von Anfang an dabei. Mein Mann wollte das auch selbst denn er hatte Bedenken das er wichtiges was der Arzt sagt nicht mitbekommt, er es sich nicht merken kann oder das ihm für den Arzt wichtige Informationen nicht einfallen.

Ja ich bin mir oft nicht sicher wie ich mit ihm umgehen soll. Einerseits ist er eine mündige und selbstständige erwachsene Person und ich bin weder seine Mutter, noch seine Betreuerin oder sonstige Vorgesetzte die berechtigt wäre ihm vorzuschreiben was er zu tun oder zu lassen hätte. Andererseits erscheint mir genau das im Bezug auf unser zusammen Leben und seines ADS manchmal vielleicht doch nötig zu sein.

Manchmal habe ich auch den Eindruck, so wie ich mich als nicht betroffene schwer in ihn hinein versetzen kann, das er sich ebenso schwer darin hinein versetzen kann was Menschen mit normaler Aufmerksamkeit stört. Ich habe mir auch schon überlegt das es ihm unangenehm ist, das ihm diese Dinge selbst nicht auffallen und anstatt es sich einzugestehen z.B. das WC so hinterlassen zu haben, sucht er für sich selbst eine Ausrede um das negative Gefühl zu umgehen.

Bei seiner Therapie war ich natürlich nicht dabei, das kann ich nicht einschätzen ob mein Mann es wirklich für nicht nötig hielt oder ob ihn die Situation möglicher Weise überforderte. Ich weiß auch nicht was der Therapeut für Fragen stellte oder Themen ansprach.

Ich finde manchmal auch, das er sich so über die Jahre seine Strategien gebaut hat um irgendwie im Alltag zurecht zu kommen und das wird sich vermutlich mittlerweile ziemlich automatisiert haben. Vielleicht ist es auch Angst oder Überforderung, wenn er seine gewohnten Strategien verändern soll. Aus seiner Sicht scheint es so ausreichend zu sein wie es ist, dem gegenüber steht ein riesengroß wirkender Berg an Arbeit an sich selbst. Vielleicht ist aber auch sein Leidensdruck nicht so groß das es ihn dazu motiviert, was dann vermutlich mein Part wäre seine Probleme nicht immer aufzufangen.

Wenn es nötig ist das ich ihn auf die zu erledigenden Dinge aufmerksam mache, dann werde ich mich da entsprechend umstellen. Und wenn es nötig ist das ich daneben stehe bis er die Sache richtig erledigt hat, ist es so.

Wichtig finde ich auf jeden Fall, dass sich dein Mann einen Arzt sucht, der sich mit AD(H)S auskennt und dass dein
Mann auch entsprechend mit Medikamenten eingestellt wird.


Auch dafür bräuchte er Unterstützung, zumindest jemand der nebendran sitzt, im Auge behält was er macht und darauf achtet das er bei der Sache bleibt. Oft ist es bei ihm vermutlich keine Faulheit sondern das er selbst nicht weiß, wo er anfangen soll und ihm der rote Faden bei der Sache fehlt. Oder ihn tausend andere Sachen in dem Moment ablenken.

Vor gut 20 Minuten bat ich ihn den Müll raus zu bringen. Habe alles noch herum liegende zusammen gesammelt, ihm die Mülltüten neben die Tür gestellt und ihn gebeten es raus zu bringen. Er wollte noch ein Video am Handy fertig gucken, natürlich steht der Müll immer noch genau da, obwohl er zwischenzeitlich schon 3x daran vorbei gelaufen ist. Durch das fertig gucken des Videos blieb das mit dem Müll rausbringen wohl nicht in seiner Erinnerung, sofern er die Info überhaupt bewusst mitbekommen hat.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Hanghuhn » 14. Januar 2018 17:50

Signiert hat geschrieben:Vor gut 20 Minuten bat ich ihn den Müll raus zu bringen. Habe alles noch herum liegende zusammen gesammelt, ihm die Mülltüten neben die Tür gestellt und ihn gebeten es raus zu bringen. Er wollte noch ein Video am Handy fertig gucken, natürlich steht der Müll immer noch genau da, obwohl er zwischenzeitlich schon 3x daran vorbei gelaufen ist. Durch das fertig gucken des Videos blieb das mit dem Müll rausbringen wohl nicht in seiner Erinnerung, sofern er die Info überhaupt bewusst mitbekommen hat.

Aber genau da fängt seine Verantwortung an. Er ist nicht blöd, blind, taub, gehbehindert. Er hat ADS. Du hast den Mülleimer so hingestellt, dass er ihn beim Vorbeilaufen sieht. Dass er vergessen hat, dass er nach dem Video-Schauen den Mülleimer leeren soll, das ist für ADS ganz normal. Dass er 1x dran vorbeiläuft, weil ihm gerade etwas Anderes im Kopf 'rumschwirrt, naja, auch möglich. Dass er aber dreimal dran vorbeiläuft, ohne sich seiner Verantwortung zu erinnern, sehe ich so: Es interessiert ihn nicht sonderlich, dass die Dinge getan werden müssen. Vermutlich denkt er noch nicht einmal groß darüber nach, dass das dann ja an Dir hängen bleibt.

Du hast nicht geschrieben, wieso er erst so spät diagnostiziert wurde. Eine Vermutung hast Du doch bestimmt auch. Ich vermute (habe ich schon einmal geschrieben), dass er einfach total verwöhnt wurde und zu Hause nicht allzu viel Aufgaben übernehmen musste. Ich sehe das als sehr problematisch an.

Ich habe auch ADS. Bei meiem Mann vermute ich ADHS, aber nicht sehr stark ausgeprägt. Gemeinerweise werden immernoch die Frauen verantwortlich gemacht, wenn im Haushalt etwas nicht so richtig läuft. Das Verhalten Deines Mannes kann ich mir schlicht nicht leisten. Ich habe genug zu kämpfen, hätte jetzt z. B. gerade auch etwas anderes zu tun. Ich tue es - garantiert: es muss einfach getan werden. Deshalb denke ich auch dran, später.

Mich ärgert einfach der Umgang deines Mannes mit ADS. Er kann nichts für seine Verpeiltheiten. Aber er kann etwas dafür, dass er keine Verantwortung übernimmt.

Dazu gehört es, dass man sich selbst Strategien zurecht legt, die einem helfen, mit ADS zurecht zu kommen. Wenn ich eine Tätigkeit sehe, die getan werden muss, tue ich sie möglichst sofort. Ich versuche, mich aber vorher zu erinnern, was ich eigentlich tun wollte, sonst verzettele ich mich - klappt nicht immer, aber immer öfter und nie so ganz 100%ig.

Dass du bei den Arztgesprächen dabei bist, finde ich gut. Aber auch da sitzt du zwischen den Stühlen: Wenn du dich zu viel einmischst, könnte er sich bevormundet fühlen.

Ich finde es schön, dass du dich um Verständnis für deinen Mann bemühst. Vielleicht verstehst du ihn bald besser als er sich selbst. Schon bei Kindern (kannst du genug im Forum nachlesen, ist aber vor allem für Hyperaktive relevant) geht es darum, dass sie Verantwortung für ihn Tun (natürlich ihrem Alter entsprechend) übernehmen müssen. Das hat dein Mann wahrscheinlich weniger tun müssen, vielleicht weil es ihm an Gelegenheiten dafür mangelte.

Falls es ihm wirklich wichtig ist, dass auch du dich zu Hause wohl fühlst, macht er auch das WC sauber - nicht immer, aber immer öfter und nie so ganz 100%ig.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 14. Januar 2018 18:32

Zwar wohne ich mit meinem Mann schon 4 Jahre zusammen, aber wenn ich die Tätigkeiten seiner Mutter fortführe ändert sich für ihn natürlich nicht viel.
Wobei ich aus meiner Sicht sagen würde, das bemuttert worden zu sein kein ausreichender Grund ist um nach 4 Jahren immer noch recht unselbstständig zu sein. Wenn ich aber so meinen Vater betrachte der auf die 60 zugeht und bis heute nicht selbstständig geworden ist, weil seine Mutter im selben Haus untendrunter wohnt. :roll: Ich werde beobachten was sich ändert, wenn sich auch bei mir entsprechendes ändert.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Hanghuhn » 14. Januar 2018 21:06

Signiert hat geschrieben:Zwar wohne ich mit meinem Mann schon 4 Jahre zusammen, aber wenn ich die Tätigkeiten seiner Mutter fortführe ändert sich für ihn natürlich nicht viel.

Äh, ich habe nicht gemeint, dass du ihm heimtechnisch seine Mutter ersetzen sollst. Ich glaube, dass es gut ist, wenn man weiß, woher gewisse Verhaltensweisen kommen, auch für ihn. Wenn er sich bewusst wird, dass er es sich in seiner Kindheit bequem gemacht hat, das aber nicht in der Ehe so weiter gehen kann, hat auch er einen Erkenntnisgewinn.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 16. Januar 2018 09:05

Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich ihm unbewusst die früheren Aufgaben seiner Mutter übernehme. Oder ob das was ich mache einfach zu einer normalen Haushaltsführung gehört und er sich hingegen so verhält wie früher bei seiner Mutter zu Hause. Ich will ihm nichts negatives unterstellen, andererseits habe ich ihn um Rückmeldung gebeten und seine Antwort war nicht das es ihm schwer fällt, er blockiert ist oder ähnliches sondern das es ihn nicht stört. Sollte da eventuell eine andere Aussage dahinter stecken kann ich das nicht wissen.

Die letzten Jahre habe ich mir viel Mühe gegeben, ihm meine Eindrücke und Beobachtungen rückzumelden, extra schriftlich das er es sich noch Mal durchlesen kann wenn er was davon nicht mehr weiß. Es waren bestimmt 7 Briefe bisher, teils auch mit Vorschlägen für Veränderungen. Später noch 3 Schreiben mit sachlichen Infos mit Ursachen, Symptomen und Lösungsvorschläge von Fachpersonen.

Was er nicht wissen will, nicht wahrhaben will oder ihm unangenehm ist blendet er aus, das ist seine jahrelang gelernte Methode zurecht zu kommen. Wenn es nicht von ADS kommt, eventuell von etwas anderes zusätzlichem.

Ich werde jetzt erst Mal wenn es nicht anders geht, ihm Aufgabe für Aufgabe direkt und einzeln nacheinander mitteilen. Und wenn nötig dabei bleiben bis er es erledigt hat. Vielleicht hält er das WC zukünftig automatisch sauber, wenn er derjenige ist der es 2x pro Woche reinigen müssen wird, um mal bei diesem Beispiel zu bleiben.
Die Suche nach einem neuen Psychiater werde ich ihm auch nicht übernehmen. Ich werde ihm die Aufgabe geben, wenn es hilft auch eine To-Do Liste schreiben und dann eben dabei bleiben das er es erledigt. Wenn er es durch Ablenkung nicht schafft alleine bei der Sache zu bleiben werde ich ihm die Struktur vorgeben aber ihm die eigentlichen Aufgaben nicht mehr erledigen.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 16. Januar 2018 11:41

Hm...also das "mich störts nicht" ist ziemlich frech, finde ich. Wenn er alleine leben würde, wäre das was anderes. Aber wenn er mit anderen im gleichen Haushalt lebt, dann kann man nicht mehr nach der "mich störts nicht"-Maxime leben, weil es eben noch andere gibt und da muss man einen Konsens finden. Natürlich muss sich der nicht so ordentliche nicht ganz nach dem super ordentlichen Richten. Da müssen beide einander ein bisschen entgegen kommen. Aber einfach finden "mich störts nicht" und somit dem anderen die Arbeit überlassen ist ziemlich asi.

Briefe schreiben kann ja auch mal gut sein. Aber eigentlich finde ich es immer besser, wenn man die Dinge ausdiskutiert. Denn bei einem Brief gibt es einerseits schnell mal Missverständnisse und andererseits ist es für den anderen dann schwierig, etwas dazu zu sagen. Ich habe mit meinem Ex auch per E-Mail wichtige Sachen mitgeteilt. Aber das war nur, weil er sich physisch und emotional über Wochen von mir entfernt hatte und ich keine Ahnung hatte, wann wir uns das nächste Mal wieder sehen...und sich dann bei mir so viel anstaute, dass ich es irgendwie los werden musste...und ich nach drei Wochen, wenn wir uns dann mal kurz trafen, ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen konnte. Aber wenn ich jemanden häufig sehe, sollte das eigentlich auch im Gespräch klappen.

Vielleicht könnt ihr ja mal darüber reden, welche Arbeiten er macht und welche du und wie oft und dann einen Ämtliplan einführen, wo man dann mit Datum signiert, wann man besagtes Ämtli erledigt hat.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 16. Januar 2018 12:35

Neinein das waren keine einseitigen Briefe, wir haben dann auch im Anschluss darüber geredet. Wenn wir nur darüber geredet hatten ohne das er es in Textform hatte, hat er die Hälfte an Infos nicht mitbekommen oder konnte es sich nicht merken. Also bin ich irgendwann dazu über gegangen es ihm aufzuschreiben das er es als Stütze erneut nachlesen kann.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Murmel » 18. Januar 2018 10:42

Hallo,

hast du schon einmal daran gedacht, eine Plan zu machen, wo die Aufgaben für deinen Mann klar definiert sind, also
z.B. an welchen Tagen er den Müll rauszubringen hat usw.
Mach doch mal einen solchen Plan und hänge diesen an einem gut für deinen Mann sichtbaren Ort auf.
Selbst arbeite ich auch mit solchen Plänen, da es mir selbst oft schwerfällt die Wohnung aufzuräumen. Also
habe ich mir einen Plan gemacht, welches Zimmer und was für Tätigkeiten an welchem Tag zu machen sind.
Dies hilft mir schon einmal weiter, da es auch bei mir oft vorkommt, dass ich etwas anfange und mir hinstelle
und trotzdem den ganzen Tag daran vorbeilaufe.

LG Murmel
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 18. Januar 2018 13:20

Ja das hatte ich ein paar Beiträge weiter vorne schon erzählt. (Ich hatte die Stelle aber auch erst suchen müssen die Stelle ging vermutlich in dem langen Beitrag unter)

Wir haben auch schon einen Aufgabenplan gemeinsam erstellt mit dem wir beide einverstanden waren. Ein fester Stundenplan mit Wochentag, Aufgabe und wer was macht, sogar mit Uhrzeiten. Funktioniert hat es 1,5 Tage lang, den 3. Tag noch mit Erinnerung aber ab dann kam die Existenz des Aufgabenplans bei ihm schon gar nicht mehr vor.


Ich habe mit ihm darüber geredet, das ich es hilfreich finde wenn wir es noch Mal mit Medikation versuchen würden. Er fragte erst wozu, ich habe ihm dann von dem "Elvanse" Medikament und dessen beschriebener Wirkung erzählt. Er ist einverstanden es noch Mal mit Medikation zu versuchen.

Da ich weder vom ZI Mannheim noch von den angeschriebenen Adressen die beim ADHS Netzwerk für unser Bundesland aufgelistet waren bisher eine Antwort habe (Ich hatte gefragt ob man mir Psychiater nennen könnte die sich mit ADS auskennen und unsere Vorgeschichte kurz geschildert) habe ich selbst einige in der Umgebung herausgesucht und eine Liste erstellt, davon sind 5 Psychiater dabei die "AD(H)S bei Erwachsenen als Schwerpunkt auf ihrer Webseite angegeben hatten.

Mein Mann bekommt die Liste und soll sich dann selbst um einen Termin kümmern. Wenn nötig sitze ich nebendran und achte darauf das er bei der Sache bleibt und sich nicht nach den ersten 3 Anrufen von etwas ablenken lässt.

Ohne unterstützende Medikation, egal ob etwas spezielles für ADS oder etwas anderes das ihm hilft, werden wir nach meiner momentanen Einschätzung nicht weiter kommen. Da ist weder eine Therapie möglich noch komme ich mit meinen Bemühungen weit. Ihm fehlt einfach der eine Schritt um überhaupt selbst dazu fähig zu sein.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Murmel » 19. Januar 2018 14:02

Ach so, dann hatte ich es wohl überlesen. Bei solch langen Texten habe ich immer Probleme mit der Konzentration.

Ich denke, dein Mann sollte schon ein eigenständiges Leben führen mit allen Rechten und Pflichten und da zugehört
natürlich auch u.a. im Haushalt mitzuhelfen. Deine Mann kannte es ggf. von seiner Mutter etwas anders, wenn die
ständig hinter ihm hergeräumt hat. Vielleicht machst du es ihm in einem Gespräch noch einmal klar, dass du nicht
seine Putzfrau bist, die alles hinter ihm herräumt. Ich weiß nicht, ob ich mich so richtig ausgedrückt habe, aber ich
denke du verstehst auf was ich hinaus will.
Wenn ihr euch beide gegenseitig unterstützt ist das Leben um einiges leichter.

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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Hanghuhn » 19. Januar 2018 21:28

laetitia hat geschrieben:Hm...also das "mich störts nicht" ist ziemlich frech, finde ich.


Das finde ich auch.

Er wird ja wohl wissen, dass er dein Mann ist, nicht dein Sohn. Aber irgendwo im Oberstübchen ist das einfach noch nicht angekommen. Dieser Satz (s. o.)würde mich richtig wütend machen, macht mich sogar ein bisschen ärgerlich, weil er damit alle Bemühungen deinerseits, ihn irgendwie zu aktivieren, gleich im Keim erstickt.

Es ist eine Unerhörtheit, dem Menschen, den man angeblich liebt, sein eigenes Chaos wissentlich zuzumuten.

Ich habe selbst ADS und lebe ohne Medikamente. ich weiß also, wovon ich rede.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 20. Januar 2018 10:19

Ehrlich gesagt kommt er mir oft eher wie ein 15-jähriger vor, dessen Mutterrolle ich übernehmen "muss" weil er es von seiner Selbstständigkeit nicht hin bekommt. (Oder er gar nicht die Motivation hat mehr zu machen, weil es ja erledigt wird). Ich weiß nicht was bei ihm los ist, möglich das außer dem ADS noch andere psychische Ursachen vorliegen die mit rein spielen. Das soll das alles keinesfalls entschuldigen oder rechtfertigen.

Zumindest sind wir jetzt einen entschiedenen Schritt weiter, ich habe meine Aktivitäten eingestellt.
Gestern habe ich ihn auf seinen Medien Konsum angesprochen. Er sitzt bei der Arbeit 6 Stunden am PC, das erste was er zu Hause macht ist den PC an und an den meisten Tagen sitzt er noch bis 20 oder 22 Uhr am Pc. Für Facebook, guckt Youtube oder nach Themen googlen die ihn interessieren. (Private Interessen, nichts wegen seiner Probleme).
Während ich den Tag über damit verbracht habe die Wohnung ordentlich zu machen, später das Abendessen zu machen und mein Abend häufig damit endet das ich dann alleine TV gucke bis ich müde bin.

Ich habe ihm mitgeteilt das ich mich einsam fühle, und mir vorkomme wie Aschenputtel die nur für putzen und Kochen da ist. Und ihn gebeten, Abends Zeit mit mir zu verbringen und nicht mit seinem PC. (Manchmal denke ich er hätte seinen PC heiraten sollen). Die Zeit die er nicht am PC war, verbrachte er dann stattdessen am Smartphone. (Nein das ist leider kein Witz). Das Verhalten eines 15-jährigen Teenagers.

Heute früh habe ich ihn noch Mal darauf angesprochen (Sachlich, ohne Vorwürfe) es kam als Antwort "Zumindest schaffe ich es den PC aus zu machen wenn wir wo hin wollen" (Eine Anspielung weil ich mal die Zeit vergaß als ich etwas am PC machte.

Das überschritt meine Toleranz. Nicht kritikfähig zu sein ist das Eine, aber so unaufmerksam kann man doch selbst mit ADS nicht sein, das man es nicht kapiert wenn die Frau einem schon direkt mitteilt das sie unter der Situation leidet.
Ich habe ab heute meinen kompletten Betrieb eingestellt, kümmere mich um überhaupt nichts mehr außer um mich selbst und alles weitere geht mir am allerwertesten vorbei. Ob es das Geschirr ist, das Aufräumen, das sauber machen, den Einkauf organisieren, den Müll rausbringen, etc. Nichts mehr davon mache ich. Nicht in der Hoffnung das sich was ändert, sondern das er irgendwann keine Wahl hat außer sich selbst drum kümmern zu müssen.
Murmel
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Murmel » 20. Januar 2018 13:25

Vielleicht solltest du mit deinem Mann auch mal über eine Psychotherapie sprechen. Denke mal, das wäre wirklich angebracht,
nachdem was du hier so geschrieben hast.
Denn nach richtigem Eheleben hört sich das für mich nicht an, denn in einer solchen Gemeinschaft hat jeder Rechte und
Pflichten. Deinem Mann scheint es offensichtlich nur um Bequemlichkeit zu gehen. Ist er höchstwahrscheinlich schon
so von seiner Mutter gewohnt gewesen. Ich finde es gut, dass du schon einmal mit ihm gesprochen hast und ihm gesagt
hast, wie du dich fühlst.

Hoffe und wünsche dir, dass du bald eine Lösung finden wirst.

LG Murmel

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