Schilddrüsenfehlfunktion versus ADHS??????

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Leo7
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Schilddrüsenfehlfunktion versus ADHS??????

Beitrag von Leo7 » 6. Januar 2012 19:35

Hallo!

Vielleicht weiß hier jemand Rat. Mein Sohn (7) sollte nächste Woche vom Kipsy auf Medikamente eingestellt werden aufgrund des stark ausgeprägten ADHS. Bei den Blutuntersuchungen entdeckte der Kinderarzt eine schwerwiegende Schilddrüsenunterfunktion.

Bei diesen Blutwerten soll er jetzt die nächsten Wochen auf Schilddrüsenhormone eingestellt werden. Erst wenn er richtig eingestellt ist, solle man weiter schauen, was er an ADHS-Medikamenten bekommen soll. Die Schilddrüsenunterfunkition kann laut Kinderarzt Aufmerksamkeitsstörungen machen, näheres konnte er mir aber nicht dazu sagen, er wußte wohl selbst nicht richtig wie er das Ganze einschätzen soll.

Weiß hier jemand Bescheid über mögliche Symptome bei Schilddrüsenunterfunktion? Mein Sohn zeigt doch eigentlich eher Anzeichen von Überfunktion (Unruhe, Gereiztheit, starkes Schwitzen, geringes Körpergewicht). Bei meinem Mann (Hashimoto) war dies genauso, verstehen tue ich das nicht, erst recht, mache ich mir Gedanken, ob die ADHS-Diagnose so stehen bleiben kann. Sollte die nochmal überdacht werden?

Kann mir jemand was dazu sagen?

LG Leo7
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Angie
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Re: Schilddrüsenfehlfunktion versus ADHS??????

Beitrag von Angie » 6. Januar 2012 19:42

:ja: War hier schon mal ein Thema, ich suche mal.

Erst müssen die Schilddrüsenhormone eingestellt werden, bevor ADHS medikamentös behandelt wird.
Ich selbst habe auch einen Schilddrüsenunterfunktion.

http://localhost/adhs_phpbb/viewtopic.php?t=0
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
maerenthaler
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Re: Schilddrüsenfehlfunktion versus ADHS??????

Beitrag von maerenthaler » 6. Januar 2012 19:45

Hi Leo7,

[quote="Leo7"]
mache ich mir Gedanken, ob die ADHS-Diagnose so stehen bleiben kann. Sollte die nochmal überdacht werden?  [/quote]

ich denke, ja, da soll man schon genau hinschauen.

Aber, wenn ich Dich recht verstehe...
[quote="Leo7"]
Erst wenn er richtig eingestellt ist, solle man weiter schauen, was er an ADHS-Medikamenten bekommen soll. Die Schilddrüsenunterfunkition kann laut Kinderarzt Aufmerksamkeitsstörungen machen, näheres konnte er mir aber nicht dazu sagen, er wußte wohl selbst nicht richtig wie er das Ganze einschätzen soll.  [/quote]
... dann ist der Kinderarzt auf jeden Fall kompetent genug, um,
durch diesen Umstand sensibilisiert,
genauer hinzuschauen.

Gegebenenfalls holst Du Dir auch noch bei einem anderen Arzt eine 2. Meinung.

LG
maerenthaler
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Angie
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Re: Schilddrüsenfehlfunktion versus ADHS??????

Beitrag von Angie » 6. Januar 2012 19:48

Hier hat Michael noch die Symptome beschrieben:

http://localhost/adhs_phpbb/viewtopic.php?t=1
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Bille
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Re: Schilddrüsenfehlfunktion versus ADHS??????

Beitrag von Bille » 7. Januar 2012 23:01

Hallo Leo,
ich (kein ADS) hab in der Schwangerschaft wohl eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt. Das hat jahrelang keiner bemerkt, weil man eben dachte, dass die Doppelbelastung Beruf und Kind eben so anstrengend sei, dass ich eben nicht mehr so belastbar war wie früher.

In den Jahren in denen ich in der Unterfunktion herumdümpelte lag ich jeden Abend um 20 Uhr totmüde auf dem Sofa und war zu nichts mehr in der Lage. An meinem Arbeitsplatz konnte ich mich kaum noch auf Gespräche konzentrieren, in Besprechungen bekam ich kaum was mit. Und ich hatte extreme Wortfindungsstörungen. Also meine Konzentration war schon massiv eingeschränkt.

Beim Großen wurde auch eine leichte SD-Unterfunktion festgestellt. Ich hatte mir erhofft, dass mit der Einstellung des Schilddrüsenhormons die Konzentrationsschwierigkeiten wegseien. Das war aber nicht so.
Man kann auch beides haben. Da könnt ihr jetzt nur abwarten.
Liebe Grüße
Sybille
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Re: Schilddrüsenfehlfunktion versus ADHS??????

Beitrag von Leo7 » 8. Januar 2012 09:32

Hallo!

Vielen Dank erst mal für die Antworten. Mein Sohn hat eine starke Schilddrüsenunterfunktion laut Kinderarzt. Wortfindungsstörungen hat er auch, was ja nicht unbedingt typisch für eine ADHS-Symptomatik ist.

Ich selbst hatte nach meiner 1. Schwangerschaft ebenfalls eine SD-Unterfunktion und weiß noch genau, wie sich das anfühlte (Depression bis hin zur Suizidgefährdung). Weiß jemand, inwiefern SD-Fehlfunktionen Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen machen können? In meinem Ratgeber für Wahrnehmungsstörungen stand, dass neben ADHS und Autismus (und auch noch weiteren Erkrankungen) auch Stoffwechselstörungen (und eine Unterfunktion ist doch eine Stoffwechselstörung) Wahrnehmungsstörungen machen können. Genaueres hierzu konnte mir leider der Kinderarzt nicht sagen.

Abwarten müssen wir auf jeden Fall, ich habe halt zusätzlich Angst, dass er die Unterfunktion schon sehr lange hat und deshalb seine Entwicklung gelitten hat (mein Sohn bekam jahrelang Frühförderung, weil er als entwicklungsverzögert galt).

LG Leo7
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Re: Schilddrüsenfehlfunktion versus ADHS??????

Beitrag von Angie » 8. Januar 2012 17:46

Naja, hatte ja auch die Symptome durch. Also direkt Wahrnehmungsstörung nicht oder unter was definiert man langsame Reflexe.
Und halt das Kribbeln in den  Fingern und das ständige Frieren.
Und ich hatte einen sehr langsamen Puls, um die 60.
Haarausfall, Verstopfung, komische talgige Haut und noch launischer, wie ich eigentlich schon war.

Und dementsprechend, ich kann bis heute, keine enganliegende Kleidung um meinen Hals vertragen, ist wie ein Erstickungsgefühl.

http://www.internisten-im-netz.de/de_sc ... me_18.html
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Hanghuhn
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Re: Schilddrüsenfehlfunktion versus ADHS??????

Beitrag von Hanghuhn » 1. April 2012 18:13

Hallo, zusammen,

mir erging es wie Bille. Nicht nur die anderen, auch ich selbst erkannte mich kaum wieder, ich war immer so kaputt. Da ich auch vor der Schwangerschaft eine leichte SD-Unterfunktion hatte, gab es auch schon vor der Schwangerschaft Situationen, in denen ich schon ziemlich kaputt war. Das hielt ich für normal. Aber es war kein Vergleich mit meinem Zustand nach der Schwangerschaft. Da meine Belastungen ja auch nicht gerade gering waren, schob ich meine ständige Gewichtszunahme auf den ausbleibenden Sport, meine Schlappheit auf die Belastungen, gepaart mit zu großem Körpergewicht.

Nun habe ich wg. eines kalten Knotens (der durch anhaltende Unterfunktion der SD gebildet wird, der eine zusätzliche Unterfunktion verursacht, weil das Knotengewebe so gut wie gar nicht mehr funktioniert) eine SD-OP hinter mir, ein Teil der SD-Hormone werden nun durch Tabletten ersetzt. Die Tabletten enthalten Jod, das den noch vorhandenen Teil der SD unterstützen soll. Damit hoffe ich, dass die Einflüsse auf mein Befinden, die mit der SD zusammnehängen, minimiert werden.

Als Faustregel kann man sagen, dass eine Unterfunktion eher träge und schlapp macht, und eine Überfunktion eher hippelig und aufgekratzt macht.

Ich denke, im Fall von Leo7 geht es nicht darum, die Auffälligkeiten im Verhalten des Sohnes evtl. auf eine SD-Fehlfunktion zu schieben. Es geht vielmehr darum, die SD-Funktion zu normalisieren und dann zu schauen, was an Auffälligkeiten "übrig" bleibt, also was von den Auffälligkeiten wirklich durch ADHS verursacht ist. Es kann durchaus zu der Erkenntnis führen, dass das ADHS noch viel stärker ausgeprägt ist als angenommen, weil die SD-Unterfunktion einiges verdeckt hat.

Ich denke, es macht einfach keinen Sinn, ein Kind mit Tabletten zu behandeln, ohne vorher AD(H)S-fremde Einflüsse auf das Verhalten des Kindes auszuschließen.
LG Hanghuhn
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Re: Schilddrüsenfehlfunktion versus ADHS??????

Beitrag von Leo7 » 23. April 2012 13:45

Hallo!

War ewig nicht mehr im Forum und habe deshalb die Nachricht von Hanghuhn erst heute gelesen. Gott sei Dank hat es sich nicht bestätigt, dass die ADHS wegen der Unterfunktion noch schlimmer ausfallen könnte.

Komischerweise ist genau das Gegenteil der Fall. Bereits nach mehreren Tagen der Hormoneinnahme konnte man eine deutliche Besserung der starken Unruhe und der Ablenkbarkeit feststellen. Die Stimmung war gut, die Aggression lies nach und nach einer Woche hatte er richtig gute Schulleistungen. Die Sprache wurde fließend, die Ausdruckweise differenzierter und der apatische Gesichtsausdruck verschwand völlig. Wir waren alle aus dem Häuschen und zweifelten die ADHS-Diagnose an. Leider hat unser Kinderarzt unseren Sohn dann zu schnell hochdosiert und nach ein paar Wochen war er komplett überdosiert mit Schilddrüsenhormonen. Und wenn wir bis dato dachten, schlimmer kommts nimmer, so wurden wir eines besseren belehrt. Unser Sohn lief förmlich Amok, war aggressiv wie noch nie, so unruhig, dass er keine Sekunde still sitzen konnte und war nicht mehr in der Lage 1 und 1 zusammenzurechnen. Uns blieb nur der Gang zu nächsten Uniklinik, dort stellte man die Überdosierung fest und wir mussten ihn sozusagen von den Hormonen runterfahren. Dies war wieder kein Zuckerschlecken und mit erheblichen Nebenwirkungen für Körper und Psyche verbunden.

Nun nimmt er seit 5 Wochen die "Babydosierung" und soll nach der nächsten Blutkontrolle wieder höher dosiert werden, um wieder an die Wirkung von vorher heranzukommen. Bin mal gespannt, ob uns dies gelingt. Die Konzentration ist seit der Überdosierung völlig im Eimer und die Leistungen in der Schule schlechter als vor dem Gang zum Psychiater. Wenn es bis zu den großen Sommerferien nicht gelingt die Konzentration zu steigern, wird uns der Versuch mit Methylphenidat nicht erspart bleiben, sonst sehe ich schwarz für die Schule.

Ansonsten ist unser Sohn wesentlich händelbarer. Man kann ihn erziehen und das war vorher einfach fast nicht möglich. Er kann seine Gefühle benennen und rastet lange nicht mehr so oft aus wie früher. Ob es aber die Schilddrüse allein war, die diese Symptomatik gemacht hat, kann man im Moment noch nicht wissen. Wir werden sehen..... Aber eines ist gewiss: Wenn man ein Kind mit einer kranken Schilddrüse hat, bekommt man von überall Verständnis, wenn man aber sagt, mein Kind hat ADHS, dann wird innerlich die Nase gerümpft und man erntet den ein oder anderen verständnislosen Blick. Ich finde das unmöglich!

LG Leo7
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Re: Schilddrüsenfehlfunktion versus ADHS??????

Beitrag von Bille » 23. April 2012 20:30

Hallo Leo,
ja , das mit dem Bedauern wegen der Schilddrüsenunterfunktion und dem Kopfschütteln wegen ADS, das kenne ich auch zur Genüge.
Irgendwann hab ich den Leuten dann nur noch von der SD-unterfunktion erzählt, dann bekam ich wenigstens Mitgefühl  :breitgrinse1:

Ist ja interessant, wie intensiv bei Euch das SD-Hormon wirkt. Bei uns hatte es (also zumindest bei meinem Sohn) nur minimale Auswirkungen. Wir konnten mit der MPH-Dosierung etwas runter gehen. Aber das war es dann auch.

Unser Arzt war mit dem Steigern sehr vorsichtig. Wir haben immer nur um 12, 5 mg nach jeweils 8 Wochen steigern dürfen.

'Alles Gute Euch weiterhin. Da macht ihr ja echt was mit  :Frag:
Liebe Grüße
Hexe
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