Unterschied ADHS und Störungen im Sozialverhalten

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wuseline
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Unterschied ADHS und Störungen im Sozialverhalten

Beitrag von wuseline » 5. November 2010 17:05

Hallo,

mein Sohn 11 Jahre ist im moment zur Diagnostik in einer KJP. Ich habe stark ADHS vermutet, die Diagnose von der Klinik ist aber eine Störung im Sozialverhalten. Ich bin jetzt schon googeln gegangen und mir ist noch nicht ganz klar geworden wo da jetzt der Unterschied ist, weil in jeder definition kommt auch immer Adhs drin vor. Vielleicht hat ja jemand ne Idee um mir das verständlicher zu machen oder kann mir ne gute Seite nennen, wo ich den Unterschied verständlich erklärt bekomme.

Danke euch schon mal

Gruss wuseline
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Angie
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Re: Unterschied ADHS und Störungen im Sozialverhalten

Beitrag von Angie » 5. November 2010 17:12

F91 Störung des Sozialverhaltens

    * F91.0 Auf den familiären Rahmen beschränkte Störung des Sozialverhaltens
    * F91.1 Störung des Sozialverhaltens bei fehlenden sozialen Bindungen
    * F91.2 Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bindungen
    * F91.3 Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten
    * F91.8 Sonstige Störungen des Sozialverhaltens
    * F91.9 Störung des Sozialverhaltens, nicht näher bezeichnet
(Von diesem Störungsbild ausgenommen ist: F90.1 Hyperkinetische Störung  mit Störung des Sozialverhaltens. Diese Störung wird unter dem Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperakitvitätssyndrom ADHS verortet.)

Ebenfalls als eigene Gruppe von Störungen gelten:

    * F92 Kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen
          o F92.0 Störung des Sozialverhaltens mit depressiver Störung
          o F92.8 Sonstige kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen
          o F92.9 Kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen, nicht näher bezeichnet

Im DSM-IV TR, dem Manual psychischer Störungen der Amerikanischen Psychiatervereinigung APA (American Psychiatric Association), werden „Verhaltensstörungen“ bei Kindern und Jugendlichen weiter aufgefasst als im Manual der WHO. So werden als Leitsymptome auch relativ leichte Verletzungen sozialer Normen zugelassen.


http://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%B6ru ... verhaltens

Meine Kinder hatten auch diese Diagnose, stellte sich ja später fest , ist Asperger Autismus.
Autismus ist auch unter : Störung des Sozialverhaltens

http://www.onlineberatung-therapie.de/i ... alten.html

Unter anderen auch: F84 tiefgreifende Entwicklungsstörung
http://www.dimdi.de/static/de/klassi/di ... fr-icd.htm
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
Falschparker
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Re: Unterschied ADHS und Störungen im Sozialverhalten

Beitrag von Falschparker » 5. November 2010 17:42

Hallo Wuseline,

wie schon Angie schrieb: eine Störung des Sozialverhaltens schließt ADHS keineswegs aus.

Aber so wie du in deinem anderen Thread die Klinik beschreibst, wird dort alles getan, die Diagnose ADHS zu vermeiden und euch den schwarzen Peter zuzuschieben. Wer ADHS nicht diagnostizieren will, der tut es auch nicht.  :icon_redface:

Ich gehe davon aus, dass Vieles, was ich vorgestern Rickchen geschrieben habe, auch für euch gilt.
http://www.adhs-anderswelt.de/http://lo ... #msg455294

Viele Grüße
Falschparker
<><
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Krätzchen
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Re: Unterschied ADHS und Störungen im Sozialverhalten

Beitrag von Krätzchen » 21. Juli 2011 20:33

Hallo,

das ist interessant - ich habe zusätzlich zu meiner ADHS Diagnose auch noch einen "Zuschlag" in Form von "Antisoziale Persönlichkeitsstörung im Kindesalter" bekommen, wobei aber auch schon einschränkend dazu gesagt wurde, dass diese Diagnose (also die P-Störung) falsch positiv ausgefallen sein kann, da der Test sehr sensitiv war.

Aus meiner Erfahrung (ich studiere Psychologie) kann ich sagen, dass bei einer Diagnostik, die isoliert durchgeführt wird, eigentlich nur auf die Symptome geschaut wird, aber nicht auf die Ursache. Beispielsweise wird "Respektlosigkeit ggü Autoritäten" oder "Schulschwänzen" als Kriterium für gestörtes Sozialverhalten gesehen - dabei bleibt aber völlig unberücksichtigt, ob man zB dem Unterricht fernbleibt, weil man aufsässig ist und provozieren will, weil man Schulangst hat, weil man über- oder unterfordert ist oder weil man Probleme mit der Impulskontrolle hat. Genauso kann ein "Meinung sagen, weil man ungerechtigkeit empfindet" schnell als "hört nicht" interpretiert werden, dabei ist meiner Meinung nach bei ADHSlern gerade der Beweggrund ausschlaggebend - nicht das "Ergebnis".

Häufiges Lügen kann zB auch Zeichen von Hilflosigkeit sein, nicht unbedingt nur von "Abgebrühtheit" oder eben einer wirklich destruktiven Veranlagung.

Auch wird nicht unbedingt danach geschaut, was "neben" den Kriterien noch zur Persönlichkeit des Kindes zählt - ist es sonst lieb, hat es Freunde, einen guten Gerechtigkeitssinn? Ich zwar zB Klassensprecherin, habe mich sehr viel engagiert..aber mich trotzdem mit anderen Kindern geprügelt - nicht, weil ich sie verletzen oder ihnen weh tun wollte, sondern weil es mir in dem Moment irgendwie als gute Idee erschien (ich war Wrestlingfan und bin davon ausgegangen, dass andere auch Spaß haben, sich zu balgen, ich hatte zu viel Energie). Weggelaufen bin ich auch oft von zu Hause (abends aber immer wieder heim :zwink: ), aber weil es mir dort zu viel wurde, zu eng war und es Stress gab - nicht, weil ich mich auflehnen wollte. All sowas wird nicht erfasst - es wird nur gesehen "Kind schwänzt", "Kind haut ab" - daher am besten zu jemandem gehen, der über die Testbatterie hinaus Infos einzuholen bereit ist. Das scheint mir tendenziell eher in kleineren Kliniken/Ambulanzen oder bei Einzeltherapeuten der Fall zu sein, weniger in großen (Uni)Kliniken.

Ich denke, gerade ADHS kann da oft als so etwas fehldiagnostiziert werden..

Viele Grüße!
Zuletzt geändert von Krätzchen am 21. Juli 2011 20:35, insgesamt 1-mal geändert.
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