welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

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ich
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welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon ich » 27. Juni 2008 13:22

so weit mir bekannt, sind es ua.

- kiss-syndrom (orthopäde)
- schilddrüsenerkrankungen (blutbild)


was noch? und ich meine damit eher keine begleiterkrankungen, sondern die sachen, die auch beim ausschlussverfahren rausgefiltert werden ... nett wäre es auch, wenn ihr dazu schreiben könntet, wo bzw. wie diese rausgefunden werden ...

für eure mithilfe, wäre ich dankbar. vielleicht kann man diesen faden dann auch dazu nehmen, um bei sich selbst zu kontrollieren, ob wirklich auf alle möglichen anderen erkrankungen getestet wurde oder ob was übersehen wurde ...
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Hypie
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon Hypie » 13. Juli 2008 15:45

Bipolare-Störung (früher auch als manisch-depressive-Erkrankung bezeichnet)

Ich denke es kommt immer drauf an, an was für einen Psychiater/Psychtherapeuten Du gerätst, welche Ausbildung er hat (Tiefenpsychologisch oder Verhaltenstherapie)

Tiefenpsychologisch spezialisierte/ausgebildte Ärzte/Psychotherapeuten suchen die Ursachen halt in deiner Vergangenheit (bei mir bis hin zu dem Punkt das die Psychologin der Meinung war ist, ein sexueller Missbrauch in meinem Elternhaus (den ich definitiv ausschliesse) sei an meinen Problemen Schuld)

Die ganze Ausbildung setzt halt auf Theorien und Lebens- und Weltanschauungen von vor 100 Jahren auf, und dann kommt es drauf an, wie weit sich die Ärzte/Therapeuten auf was neues einlassen können.
Rubenslady

Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon Rubenslady » 13. Juli 2008 15:49

Ich, schau mal:


* Schlafapnoe Syndrom
* Zentral Taubheit
* Kiss bzw. Kid Syndrom
* Schilddrüsenfehlfunktion 
http://www.adhs-selbsthilfepool.de/selb ... &Itemid=43




    *        Depressive und bipolare Störungen
    *      Angststörungen
    *      Suchterkrankungen
    *      Störungen mit oppositionellem Trotzverhalten/Verhaltensstörungen bei  Kindern
    *      Lernstörungen insbesondere Schreib- und Leseschwäche
    *      Psychotische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen
    *      Zwangsstörungen
    *      Persönlichkeitsstörungen
    *      Tic-Störungen
    *      Hypo- und Hyperthyreoidismus
    *      Schlafstörungen(Schlaflabor Diagnostik)
    *      Erberkrankungen (Chromosomale Störungen wie z.B. Klinefelter-Syndrom )
    *      Hirnverletzungen / Traumata
http://www.adhs-selbsthilfepool.de/selb ... 6&Itemid=8




    *  Störungen des Sozialverhaltens
    * Angststörungen
    * Zwangsstörungen
    * Lernstörungen, Teilleistungsschwächen
    * Aggressives Verhalten
    * Depressionen
    * Sprachstörungen
    * Tic-Symptome ( Tourette - Syndrom )
    * Psychosen
    * SVV ( Selbstverletzendes Verhalten )
    * Bettnässen
    * Autismus
    * Hochbegabung
    * Milieubedingte Verhaltensauffälligkeiten
http://www.adhs-selbsthilfepool.de/selb ... 5&Itemid=7
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daSchäf
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon daSchäf » 13. Juli 2008 19:39

Somatoforme Dissoziation würde mir dazu noch einfallen:
www.med.uni-marburg.de/stpg/ukm/lb/psyc ... 006_07.pdf
So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab.
- Schopenhauer
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon ich » 17. Juli 2008 13:38

ihr seid super, danke!

und jetzt klau ich mal ... nicht böse sein, bitte!

"Differenzialdiagnostik (EKG, EEG, IQ- Test, u.a. und die andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie AD(H)S haben können z.B. Schilddrüsenfehlfunktionen, RLS, HB, etc. ausschliessen)

* Störungen des Sozialverhaltens
    * Angststörungen
    * Zwangsstörungen
    * Lernstörungen, Teilleistungsschwächen
    * Aggressives Verhalten
    * Depressionen
    * Sprachstörungen
    * Tic-Symptome ( Tourette - Syndrom )
    * Psychosen
    * SVV ( Selbstverletzendes Verhalten )
    * Bettnässen
    * Autismus
    * Hochbegabung
    * Milieubedingte Verhaltensauffälligkeiten
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon schlumpfensmama » 9. August 2008 19:57

Für mich ganz klar bei ADS (hypo):

- AVWS (auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung)


Die Fragebögen mit den Symptomen sind fast identisch zu den ADS-Fragebögen.  :icon_eek: :icon_eek:
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polarlicht
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon polarlicht » 14. August 2008 21:32

Ich bin mir nicht ganz sicher ob ich das Thema richtig verstehe. Geht es darum, welche Krankheiten ein ähnliches Erscheinungsbild haben wie AD(H)S und bei Diagnose dann AD(H)S ausschließen?

Soweit ich richtig gehe, bezieht sich eine solche Frage sinnvollerweise nur auf die Primärdiagnose. D.h. eine differentialdiagnostische Abgrenzung kann auch dann erforderlich sein, wenn neben ADS noch weitere erschwerende Erkrankungen angenommen werden. So kann zum Beispiel durchaus ein Schilddrüsenfehlfunktion auch diagnostiziert werden, wenn AD(H)S vorliegt. Das gleiche gilt für die Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung. Wichtig ist aber festzustellen, welche Symptome welche Ursachen haben. Zu klären, ob nicht bestimmte Symptome eine andere Ursache haben können, bedeutet nicht, dass nicht dennoch mehrere Ursachen am Werk sein können. Weiterhin spielt eine Rolle, auf welchen Kriterienkatalog man sich eigentlcih beruft (ICD-10, DSM IV,..)

Aber: Geht es um diese Frage?

LG
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon ich » 14. August 2008 22:05

ja, unabhängig davon, ob die krankheiten auch nebeneinander existieren können ...
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Chaoskind
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon Chaoskind » 7. September 2008 17:53

teilleistungschwächen treten doch oft im zusammenhang mit ADS auf oder bin ich da falsch informiert?

http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_ ... _1207.html.

Dies ist ein  Link zum thema Teilleistungsschwächen,
Teilleistungsschwächen beziehen sich doch eigentlich nur auf die schulischen Leistungen, Dyskalkulie, legasthenie etc.... sind Teilleistungsschwächen.Seit wann haben Legastheniker ADS ähnliche Symptome?
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon Chaoskind » 7. September 2008 18:22

Die Diagnose ´Wahrnehmungsstörung´ findet sich zunehmend auf Überweisungsscheinen oder Heilmittelverordnungen, sie wird auch als Perzeptions- oder sensorische Integrationsstörung bezeichnet. ... Es handelt ... sich um einen derzeit modernen Sammelbegriff für verschiedenartige Störungen im Säuglings-, mehr noch im Kleinkind- und Schulalter. Diese möglichen Funktionsstörungen (von Tastsinn, Gleichgewichtssinn oder Tiefensensibilität) können einzeln oder gemeinsam auftreten. ... Die Wahrnehmungsprobleme bestehen in einer Störung der Verarbeitung von Sinnesreizen. Dabei kann es sich um eine Störung in der Aufnahme, der Weiterleitung oder der Verknüpfung solcher Reize handeln. Das Problem kann im Gehirn oder im peripheren Nervensystem liegen. Die Sinneseindrücke können dabei zu stark auf das menschliche Gehirn einwirken oder auch zu wenig gefiltert sein, um sinnvoll verarbeitet zu werden." (Monika Aly 19991).

Unterhalb des Oberbegriffes der Wahrnehmungsstörungen gibt es weitere Begriffe und Termini, die jeweils einen Aspekt hervorheben oder zeitweilig besonders häufig verwendet wurden. Einige Kostproben:

    * ADS: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (int.: ADD, Attention Deficit Disorder), derzeit gebräuchlichste Bezeichnung in Angleichung an internationale Standards
          o mit Hyperaktivität (ADHS); "Zappelphilippe"
          o ohne Hyperaktivität; "Träumer".
      ADS ist laut Aust-Claus und Hammer2 "eine Störung mit neurobiologischen Besonderheiten in den Informations-Verarbeitungs-Prozessen unseres Gehirns. Diese Störung lässt sich beschreiben durch leichte Ablenkbarkeit, Unaufmerksamkeit, niedrige Toleranz für Frustrationen, Impulsivität, Aktivitätsüberschuss oder Verträumtsein. Motorische Unruhe kann, muss aber nicht gleichzeitig mit auftreten".
    * AD/HS: Aufmerksamkeitsdefizit-/mit Hyperaktivitätsstörung, meint das Gleiche.
    * HKS: Hyperkinetisches Syndrom, Betonung des Aspekts der Überaktivität, Übererregbarkeit und motorischen Unruhe.
    * SIS: sensorische Integrationsstörung, hebt die gestörte Verknüpfungsleistung von Sinnesreizen hervor.
    * MCD: Minimale cerebrale Dysfunktion, war früher die gebräuchlichste Bezeichnung für die Vielzahl der möglichen Störungen.
    * Teilleistungsstörungen: Keine Störung der Wahrnehmung sondern bestimmter (Schul-) Leistungen, z.B. Rechenstörung (Dyskalkulie), Lese/Rechtschreibstörung (Legasthenie). Tritt häufig in Zusammenhang mit Wahrnehmungsstörungen auf.


Begriffe ändern sich, je nachdem, wie man die Phänomene betrachtet und vor welchem theoretischen Hintergrund man sie versteht. Das Verständnis der Störungen und ihrer Ursachen entwickelt sich ständig weiter. Das Verhalten der betroffenen Kinder hat sich dagegen seit den Zeiten des "Zappelphilipps" und des "Hans-guck-in-die-Luft" nicht verändert. So darf man auf die nächste Generation von Bezeichnungen gespannt sein.

Eine aktuelle Definition liefert der Hamburger Arbeitskreis3 (a.a.O., S. 10): "Von einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADS) spricht man, wenn ein Kind länger als sechs Monate sowohl im Kindergarten, in der Schule (Gruppensituationen) als auch zu Hause durch ausgeprägt unaufmerksames und impulsives Verhalten aufgefallen ist. Kommen motorische Unruhe und übermäßiger Bewegungsdrang (Hyperaktivität) hinzu, dann spricht man von einer ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung). Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität sind die Leitsymptome der Erkrankung.

Typisch ist, dass die Verhaltensweisen weder dem Alter noch dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen und sich nicht von allein wieder bessern. Das auffallende Verhalten tritt also nicht phasenweise auf, sondern ist zeitlich stabil." So bündig diese Definition auch klingt, die Beurteilung, was "ausgeprägt" heißt und was "übermäßig" ist, lässt sich nicht so einfach festlegen.

Dies ist ein Ausschnitt aus einem Text zum Thema Wahrnehmungsstörungen,Teilleistungsschwächen,ADHS,
UteR
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon UteR » 13. September 2008 10:13

So ganz habe ich den Sinn der Frage auch nicht verstanden.

Da einige Komorbiditäten gehäuft auftreten, liegt doch der Gedanke nahe, dass es eine gemeinsame Ur-Ursache für die entsprechenden Erscheinungsbilder gibt.

Grüße
Ute
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Sandiris
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon Sandiris » 13. September 2008 10:36

Ich (ADHS) persönlich sehe die Schilddrüsenüberfunktion als ähnliches Erscheinungsbild sehr kritisch, obwohl sie immer wieder aufgeführt wird.
Im Alter von 24 bin ich an Morbus Basedow erkrankt und recht schnell wurde meine SD zum größten Teil operativ entfernt. Basedow zeichnet sich durch eine starke Überfunktion aus, aber die Symptome sind KÖRPERLICH (nämlich extrem hoher Puls, starker Gewichtsverlust, Zittern, Schweiß, heiße Haut, Dauerdurchfall) und führen NICHT zu den Schwierigkeiten, die mir meine ADHS bereitet/bereitet hat. Eine SD-Überfunktion zeichnet sich durch einen rasanten Stoffwechsel aus, man kann letztlich gar nicht so schnell essen, wie der Körper verbrennt.

Es gibt, so sehe ich das, einen massiven Unterschied: ADHS zeigt sich im Verhalten, im Empfinden usw., die SD zeigt sich durch körperliche Symptome, aber ganz sicher nicht durch Reizoffenheit usw.
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon Azrael77 » 17. Mai 2011 02:21

meines Wissens:

MCP (Minimale cerebrale Parese): Gehirnschaden z.B. wegen Sauerstoffschaden bei der Geburt, Hauptfolge: Störung der Grob- und Feinmotorik und Propriozeption, Nebenfolge laut Ergotherapeut: Konzentrationsschwäche, motorische Unruhe (Stuhlkippeln etc), Rededrang

Psychische "macken" bei Hocbegabten: Perfektionismus, Konzentrationsschwäche bei "unterforderden" Routinetätigkeiten, "Komplexitätsfalle", Tagträumen, rebellisches Verhalten (beschrieben bei Andrea Brackmann: hochbegabt und hochsensibel)
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon UteR » 17. Mai 2011 12:52

Auch nach fast 8 Jahren in dem Thema würde ich anders vorgehen. Nicht fragen, in welche Schublade ein Erscheinungsbild unbedingt gehört, nicht abgrenzen von anderen Schubladenetiketten. Sondern das Kind ganzheitlich betrachten. Dazu gehört neben der Körpermechanik (u.a. Baustelle KISS, frühkindliche Reflexe, ...) auch der Stoffwechsel (Hormone -> Schilddrüse, Mangelerscheinungen, Unverträglichkeiten, Vergiftungen: mütterliches Amalgam, ...) als auch die Psyche. Und bei letzterem nicht nur die des Kindes, sondern auch mit aller Schonungslosigkeit die der Eltern, da diese oft eigene Themen weitergeben (Stichwort u.a. Epigenetik). Und zwischen all dem gibt es auch noch Wechselwirkungen.
Mit einem Sammelsurium an Methoden habe ich mit diesem Hintergrund bei zwei Kindern gute Erfolge erzielen können.

Auch Hochbegabung war im Spiel. Nachdem eines der Kinder aber bei zeitnahen Tests mit unterschiedlichen Testverfahren  (sehr motiviert zu beiden Tests, gleiche Testperson, ähnliche Uhrzeit) einen Unterschied von 20 Punkten erreichte, kann ich über dieses Thema nur noch den Kopf schütteln. Ein Test, der sich nicht auf Wahrnehmung stützt (z.B. der Hawik) muss zwangsläufig andere Ergebnisse erzielen als der CFT20, bei dem Wahrnehmung eine große Rolle spielt.
Möchte ich die "Macken" meines Kindes also mit Hochbegabung erklären, mache ich den Hawik und schwenke die HB-Fahne. Möchte ich wissen, wie mein Kind ganz grob durch Schule und Leben kommt, nehme ich lieber einen anderen Test. Am status quo ändert kein Testergebnis irgendwas, selten lassen sich Verbesserungen ableiten, die über reine Verhaltensänderungen (für Kind und Umgebung) hinausgehen.
Außerdem ist meine Beobachtung, dass Wahrnehmung bei Psychologen etwas ganz anderes zu sein scheint, als bei Leuten aus dem Ergotherapie-Umfeld.

Die Schwierigkeit sehe ich im Finden eines kompetenten Regisseurs. Ich habe in diesen Bereich viel Arbeit stecken müssen, da für die meisten Fachleute die Welt hinter dem Horizont der eigenen Ausbildung zu Ende war. Also musste ich selbst ran. Natürlich waren einige Irrwege dabei, die ich unter "Erfahrung sammeln" verbuche. Letztendlich hat es sich aber für die Kinder, und auch für mich, gelohnt.

Ich wüsste nicht, was ich heute jemandem empfehlen würde, der bei Null beginnt, zumal ja auch das Budget (und die Einstellung zur Selbstfinanzierung) eine große Rolle spielen. Vermutlich wären Kinesiologie (3in1, Touch for Health, BrainGym, Psychokinesiologie, Health Kinesiologie) und Osteopathie dabei, wobei es jeweils sehr stark auf die Kompetenz des jeweiligen Therapeuten ankommt. Kenne ich auch aus eigener Erfahrung. Und ansonsten würde ich empfehlen, sich nach einem Arzt oder Heilpraktiker, der sich zusätzlich mit all diesem beschäftigt hat, zu suchen, und dessen weiteren Empfehlungen zu folgen, die immer auf das individuelle Kind ausgerichtet sein müssen. Jedes Kind ist anders.

ADHS-ähnliche Krankheiten oder Störungen sind nach meinem heutigen Stand einfach nur unterschiedliche Symptome und Auswirkungen für irgendwas, das ganz tief unten angeordnet ist. Daher sollte es Aufgabe sein, dies zu finden und sich nach oben durchzuarbeiten. Damit verschwinden auch die Symptome, die zur Eingruppierung in die eine oder andere Schublade führen. Glücklicherweise wird das Denken in dieser Richtung mehr, auch wenn es oftmals von finanzkräftiger Seite angefeindet wird.

Ich habe noch nirgends gelesen, wie man den Dopamin-Mangel am lebenden Hirn gezielt bestimmt, weiß aber dass ein Gehirn sich lebenslang verändern kann, z.B. durch gezielte Bewegungen verschiedenster Verfahren der Physiotherapie. Warum soll sich damit nicht auch der Hirnstoffwechsel verändern?

Ich weiß, das ist am Thema des Threads vorbei, es wollte aber trotzdem in die Tasten. Nein, ich will niemanden angreifen, sondern Denkanstöße geben. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, was er tut oder nicht tut, und muss dafür niemandem Rechenschaft ablegen.
In mir steckt immer noch die Erfahrung, dass ein Kind ein Etikett (hier ADHS) nie wieder los wird, auch wenn Jahre später "ADHS ausgeschlossen" auf einem Bericht steht.

Dabei muss doch Ziel sein, dem Kind ein unbeschwertes glückliches Leben zu ermöglichen, in dem es sich nicht ständig selbst im Weg steht. Das erreiche ich nur, wenn ich im Einzelfall schaue, wie ich vorgehen könnte. Ansonsten akzeptiere ich, dass die Wissenschaft mit ihrer Statistik nur auf Massen abzielt, nicht aber auf mein einzigartiges Kind. Und blockiere mich selbst.
Wer sagte mal: Alles was du denken kannst, kannst du auch tun? Guter Einstieg ist hier die Beschäftigung mit NLP-nahen Techniken, damit "Wo ein Wille ist, auch ein Weg ist."

Ziel muss doch immer sein, diesem Kind, oder einem Erwachsenen, ein glückliches Leben, frei von Einschränkungen, zu ermöglichen.

LG Ute
Agnes N.
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon Agnes N. » 17. Mai 2011 13:14

...ADHS-ähnliche Krankheiten oder Störungen sind nach meinem heutigen Stand einfach nur unterschiedliche Symptome und Auswirkungen für irgendwas, das ganz tief unten angeordnet ist.

Daher sollte es Aufgabe sein, dies zu finden und sich nach oben durchzuarbeiten. Damit verschwinden auch die Symptome, die zur Eingruppierung in die eine oder andere Schublade führen. Glücklicherweise wird das Denken in dieser Richtung mehr, auch wenn es oftmals von finanzkräftiger Seite angefeindet wird....


Das verstehe ich nicht.

Demnach würdest du empfehlen, keine leitliniengerechte Diagnostik und Therapie zu machen, weil das nicht den Kern der Sache trifft?  :fr:
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon UteR » 18. Mai 2011 08:11

Schade, meine erste Antwort ist irgendwo im Netz verschwunden. Deshalb hier die Kurzform.

Aber strenggenommen beantworte ich deine Frage mit ja, wenn man sich dabei sklavisch an ADHS orientiert.

Z.B. Mein Großer: KISS-Kind mit vermutlich abgedrückten Nerven, der Bewegungseinschränkungen, anderen Bewegungsmustern (die nie bei den Us aufgefallen waren).
Man hätte sicherlich ein Medikament geben können, auch Verhaltenstraining. Ich weiß nicht, was es bewirkt hätte. Gehe aber davon aus, dass das eher in Richtung Symptom unterdrücken, und damit leben lernen gegangen wäre. Eine dauerhafte Veränderung kann nicht eintreten, wenn die auslösenden Momente bestehen bleiben.
Durch Lösung der Halswirbelblockade und einem entsprechenden Bewegungsprogramm konnten wir eine Menge erreichen. Anschließend noch BrainGym zur weiteren Hirnhälften-Integration.
Parallel legten sich ganz von selbst die verschiedenen Wahrnehmungsstörungen, so dass er nun viel aufmerksamer ist (auditiv), auch mit Bällen umgehen kann (visuell), und das ganze Verhalten zeigt bessere propriozeptive und taktile Wahrnehmung ...
Ende der ersten Klasse stand er kurz vor dem Verweis an eine Schule für lernbehinderte Verhaltensauffällige. Nur der Lehrerin haben wir zu verdanken, dass er bleiben durfte. Heute, in der 7. Klasse, besucht er mit gutem Erfolg ein Gymnasium mit Begabtenförderung und fühlt sich wohl. Lehrerin "Ich wünschte, die wären alle so".
Erst gestern berichtete er von einem Gespräch mit jemandem, der ihn lange nicht gesehen hatte: "Mensch, du bist ja jetzt ganz anders als früher".

Genauso kann ich mir vorstellen, dass ein innerlich total angespanntes Kind (Impulsivität, Hyperaktivität) durch Touch for Health oder Osteopathie profitiert. Und das eben nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft.
Manchmal helfen auch Eingriffe wie Umschulungen, wenn dadurch ein günstigeres Umfeld geschaffen werden kann.

Im Grunde ist es egal, wo man beginnt. Es sind meist mehrere Kompenenten vorhanden. das macht die allumfassende Statistik ja auch so schwer, weshalb offiziell von Unheilbarkeit ausgegangen wird.
Leider gibt es keinen Schalter, den man einfach nur umlegen muss. Prozesse, die jahrelang schief liefen, brauche ihre Zeit für neue Bahnen.
Auch mein Zweiter, mit dem ich einiges ebenfalls gemacht habe, funktionierte ganz anders. Ihn habe ich gar nicht mehr diagnostizieren lassen, sondern habe auf die Erfahrungen mit dem Großen aufgebaut.

Nochmal: ich zweifele nicht an den Symptomen und den Schwierigkeiten! Nein, es war keine Fehldiagnose! Zum Zeitpunkt des Tests waren alle Symptome vorhanden. In der regulären Diagnostik werden aber zugrunde liegende Ursachen gar nicht untersucht. Falsche Lobby, wenig Zeit? Ich weiß es nicht.

Wichtigstes Ziel muss ja sein, dass die Kinder aus sich heraus ein glückliches zufriedenes Leben führen können. Sich nicht selbst durch irgendwelche Einschränkungen im Weg stehen. Nicht ständig im Vergleich mit den Mitschülern ihre Andersartigkeit vorgeführt bekommen, nicht von Medikamenten abhängig sind, ...

Alles aus dem ersten Entwurf bekomme ich nicht mehr zusammen. Hoffe, das reicht erst mal.

LG Ute
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon Agnes N. » 18. Mai 2011 08:30

Danke für deine ausführliche Antwort, Ute.
Ich finde es auch oft schwierig, die richtigen Entscheidungen zu treffen, und man merkt dir an, dass du dir viele Gedanken gemacht hast.

Befürchtest du denn, dass die ADHS-Medikamente abhängig machen?

....nicht von Medikamenten abhängig...
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon UteR » 18. Mai 2011 09:10

Zu körperlicher Abhängigkeit kann ich nichts sagen. In der Literatur steht Unterschiedliches. Keine Ahnung, wer da von wem abgeschrieben hat. Wir haben es nie ausprobiert, weil mein Bauchgefühl damals dagegen sprach und ich glücklicherweise recht zeitgleich das erste hilfreiche Stichwort erhielt, von dem aus ich mich weiter hangelte.

Gemeint war eine psychische Abhängigkeit in dem Sinn, dass man eine Pille braucht um zu funktionieren, wie die Umwelt es erwartet. Mit der Folgerung, dass man aus sich heraus nicht ausreichend ist.
Mein Sohn wusste sehr früh, dass er anders ist, selbst wenn er das damals nicht formulieren konnte. Heute fühlt er sich integriert.

Dem ersten KiuPsy bin ich aus der Praxis gelaufen, weil er damals meinte, die hysterische Mutter müsste nur den Fokus vom Kind nehmen, dann Ritalin, und dann würde alles von selbst. Er kannte damals nur den kurzen Ausschnitt der seit Jahren mit dem Kind überforderten Mutter, die nicht mehr weiter wusste, und dachte in keinster Weise systemisch.
Heute weiß ich, dass ich natürlich mit meiner Geschichte auch viel in das Kind projiziert hatte. Themen, die der Kopf zwar kannte, aber nicht wusste, wie prägend sie gewesen waren.
Seit ich mich selbst mit Kinesiologie (vor allem 3in1) beschäftige, hat sich vieles aufgelöst, ich komme zu mir selbst, und auch das strahlt natürlich auf die Kinder aus.
Damals hätte ich das nicht wahrhaben wollen, heute kenne ich auch die andere Seite.

Der Kleine geriet unverschuldet in der Sog einer dörflichen Umgebung, wurde schon mit drei ausgegrenzt und veränderte sich dadurch deutlich (im Sinne der self-fullfilling prophecies in Richtung ADHS). Wie soll so ein Kerlchen auch reagieren, wenn er sich allein gelassen und verraten fühlt? Ich war zu sehr mit dem Großen beschäftigt, um irgendwas tun zu können, zumal ich im Umfeld allein da stand. Nun ist er 10 und die Folgen des jahrelangen Mobbing sind manchmal noch erkennbar, obwohl ich ihn vor zwei Jahren umgeschult habe. Leider viel zu spät. Was passiert wäre, wenn das von Anfang an anders gelaufen wäre, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Die frühzeitige psychische Belastung hat mit Sicherheit zu Entwicklungsstörungen geführt, aber wir sind auf einem guten Weg. Auch bei ihm bin ich überzeugt, dass der herkömmliche Weg nicht der richtige gewesen wäre.

Im Kontakt mit anderen Familien suche ich immer noch nach einem Leitfaden, damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss.
Es scheint nur mit eigenem Engagement zu gehen. Irgendwo anfangen und es weiter laufen zu lassen. Mit der Bereitschaft Erfahrungen zu sammeln und auch selbst Geld in die Hand zu nehmen. Die eigene Verantwortung zu übernehmen, ... Und daran zu glauben, dass sich etwas verändern kann!

Das ist für mich das größte Hindernis an der heute einschlägigen Diagnose. Wenn man eh nichts verändern kann, sondern akzeptieren lernen soll, braucht man ja auch gar nicht erst anzufangen.

LG Ute
Agnes N.
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Re: welche krankheiten oder störungen sind ad(h)s-ähnlich?

Beitragvon Agnes N. » 20. Mai 2011 09:10

Vielen Dank für deinen offenen Bericht, Ute!

Dass der eigene Stress (auch ausgelöst durch den Kummer über das leidende Kind) sich in der Familie zusätzlich auswirkt und überträgt, das hast du gut beschrieben, und ich habe das auch so erlebt.

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