Partner mit ADHS, ich als absolutes Sensibelchen

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HSP_Christina
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Partner mit ADHS, ich als absolutes Sensibelchen

Beitragvon HSP_Christina » 13. Juli 2015 18:16

Hallo ihr Lieben,

habe mich heute dazu entschlossen mich im Forum anzumelden - wusste jetzt nur nicht genau in welches Forum mein Anliegen am besten passt...

Ich habe vor ca. einem Monat einen Mann kennengelernt und er hat mir am Anfang gesagt, dass er ADHS hat. Bisher hatte ich mit diesem Persönlichkeitsprofil noch keinerlei Kontakt und bin derzeit etwas "verunsichert". Ich mag ihn sehr und möchte mich einfach auf ihn einstellen und hoffe einfach, dass es zwischen uns klappt...

Nun zu mir: Ich bin ein absolutes Sensibelchen, ob Emotionen, Geräusche, Veränderungen etc. Und gerade die letzten Tage machen mir die Emotionen sehr zu schaffen, da ich durch sein Verhalten (sehr sprunghaft, kann nicht wirklich zu hören, meldet sich sporadisch [also er meldet sich und wir sehen uns auch regelmäßig, ich weiß aber dieses Persönlichkeitsmerkmal noch nicht einzuschätzen] usw.) mich zum Teil hmm ja "zurückgesetzt" fühle. Ich kann das irgendwie gar nicht richtig beschreiben und weiß auch grade gar nicht, ob es so eine gute Idee ist hier zu posten und ob das überhaupt Sinn macht. Bin gerade etwas verzweifelt, ich glaube das merkt man auch.

Er weiß (noch) nicht, dass ich so bin, da ich das nicht wirklich an die große Glocke hänge - selbst meine engsten Freunde wissen davon nichts. Es ist eben auch schwer zu verstehen... Nur hoffe ich, wenn ich das Thema bei ihm anspreche, dass er eventuell etwas mehr Rücksicht nimmt oder man vielleicht auch einfach besser versteht warum man in manchen Situationen so und so reagiert...

Vielleicht mag mir einfach jemand Mut machen...?

Liebe Grüße,
Christina
Falschparker
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Re: Partner mit ADHS, ich als absolutes Sensibelchen

Beitragvon Falschparker » 13. Juli 2015 19:21

Mut machen? Tut mir leid.  :upsi:

Du musst überhaupt nicht hochsensibel sein, um vom Verhalten eines ADHS-lers verletzt zu sein. Dieses Zurückgesetzt-Fühlen erleben "ganz normale" Partner von ADHS-lern auch.

Etwas helfen könnte dir, dich über ADHS zu belesen und dir klar zu machen, dass diese verletzenden Verhaltensweisen eben nicht geschehen, um dich absichtlich zu verletzen. Selbst wenn es so aussieht. ADHS-ler kriegen so etwas (meistens) gar nicht so mit.

Nur tut es eben trotzdem weh.

Was tut er denn gegen seine ADHS? Ist er in Behandlung? Medikamentös, nichtmedikamentös? Geht er zu einer Selbsthilfegruppe? Hat er ein Problembewusstsein dafür, wie sich seine ADHS für dich auswirkt?
<><
HSP_Christina
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Re: Partner mit ADHS, ich als absolutes Sensibelchen

Beitragvon HSP_Christina » 13. Juli 2015 21:06

Danke für deine Antwort. Ich denke nur, dass es umso anstrengender ist, wenn man hochsensibel ist. Man legt schon viel auf die Goldwaage und zum Teil weiß ich einfach nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich möchte mich auch nicht immer weiter zurück ziehen, das mache ich sonst immer.

Ich hab vorhin aber auch mit ihm drüber gesprochen, das erste Mal überhaupt das ich mit irgendjemandem drüber geredet habe. Er meinte das wir in den Situationen, in denen irgendwas ist, unbedingt reden müssen. Heißt, wenn ich mich irgendwo reinsteiger, als auch wenn er abgelenkt ist, als Beispiel jetzt. Tat gut mal Klartext zu reden. Ich habe mich nur ziemlich unwohl gefühlt, als ich das Thema angesprochen habe.

Er selbst war als Kind in Therapie, derzeit weder Medikamente noch sonst was. Er ist sich dessen aber bewusst und versucht sich zu kontrollieren.

Danke auf jeden Fall dafür das ich mich etwas ausheulen darf.

Liebe Grüße
Christina
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miho
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Re: Partner mit ADHS, ich als absolutes Sensibelchen

Beitragvon miho » 14. Juli 2015 10:15

Hallo Christina :)

Ausheulen? Ich finde, meine Meinung, dass das ein sehr negativ besetzter Begriff ist.

... außerdem wird dein Thread hier, Problemdarstellung und Fragestellung heftig unterminiert wenn man das als Ausheulen bezeichnet.

Ich, meinerseits ADHS-ler mit schlimmen Erfahrungen von jüngster Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter, bin mir so sehr auch bewusst darüber welche Ressourcen, ich als... , Mensch-mit-ADHS auch habe.

So instabil ich auch in der Welt unterwegs bin habe ich in der Vergangenheit hohe Tragfähigkeit und Stabilität, Feingefühl und Handlungsfähigkeit bewiesen wenn meine Familie, Freunde, Partnerinnen selbst in Schieflage waren, so wie du mit deiner Besonderheit.

Ich möchte dir den Tipp geben: Bleibe auch mit dir ganz persönlich im Kontakt und erkenne dich in deinem besonderen Handlungs.- und Verhaltensstil, was du ja auch tust! Ich glaube zumindest gut nachvollziehen zu können wovon du redest.

Ich gehe also davon aus das du schon sehr selbstreflektiert bist und willens das auch auszubauen. Es könnte sein, meine Erfahrung, das ein Partner mit ADHS sehr sensibel darauf reagiert und dich dabei sehr unterstützt, autogen; unbewusst; nachhaltig, also zum Stabilisator und Anker auch für dich wird.

Und nun kommen 2 eng mit einander verwobene Punkte die man sich immer mal wieder in Beziehungen vor Augen führen muss und auch Bezug bilden zum eben von mir geschriebenen! ...

Schaffe möglichst hochdifferenziert, intelligent und mit Feingefühl die Trennung zwischen: Er kümmert sich um dich und pflegt dein ganz eigenen Bedürfnisse und Wünsche aus deinem Charakter und Persönlichkeit heraus entwachsend und wann Beziehen sich deine Bedürfnisse auf ihn und die Beziehung ... auf die er, erinnere dich: autogen und UNTERBEWUSST; reagieren wird!

Also Variante 1: Du hast Bedürfnisse die auch ohne ihn da wären;
Varante 2: Du hast Bedürfnisse die durch deinen Partner erfüllt werden sollen und einen Mangel darstellen wenn er sie nicht erfüllen kann.

Für die erste Variante, wie schon oben beschrieben, sind ADHS-ler manchmal eine große Ressource und Segen. Sie reagieren intuitiv, mit Feingefühl, autogen-automatisch-unterbewusst.

Variante 2 würde einen Regelkreis bilden da er eventuell noch versuchen würde auf deine Bedürfnisse einzugehen allerdings durch das unterbewusste Handeln eigentlich Energie verschwendet der Situation gerecht zu werden und eben diese Handlungs- und Bewusstseinfenster, als auch die Energie, verschwendet. Denn er müsste sich ja eigentlich auf sich selber fokusieren, Aufmerksamkeit aus sich heraus aufbringen. Das tut er aber nicht. Er handelt intuitiv und auf dich und die Situation gerichtet.

Du verstehst den Regelkreis? Das gibt einen tierischen, sprunghaften, akuten und zunehmend affektiven Abwärtstrend in seiner emotionalen Stabilität. Diese "Ausraster", dieses "Ausbrechen", dieses, eventuell, sich "aus der Beziehung zurückziehen" wird häufiger werden, schneller geschehen, und bis zu einem bestimmten Grad, auch heftiger werden.

Ich hoffe es wird klar was ich sagen will. Wenn du dir was von ihm wünscht musst du Geduld und Ausdauer haben! Du musst niedrigschwellig an die Sache gehen und deine Emotionen nicht in die Waagschale hauen.

Ok ... mit all diesem Geschreibsel hier ist nun seinem Mißgeschickt noch garnicht beigekommen. :)

Wenn er bereit wäre/ist auch seiner Besonderheit gerecht zu werden und an sich zu arbeiten, folgende Tipps:

Verabschiede dich von dem Gedanken des Großen und Ganzen. Er ist Meister darin im Großen-und-Ganzen zu denken und ist seid Lebzeiten daran gescheitert. Wenn du nun also auch im Großen und Ganzen an die Sache gehst lässt du dich ersten auf ein kognitiven Kampf ein den er niemals Willens ist zu verlieren und er wird auch kein Verständnis dafür aufbringen das du diesen Schritt wagst. Er wird eventuell erkennen was du dir damit antust, wird sich abgrenzen, wird seine Ressourcen schonen weil er genau weiß was es mit dir anrichten wird und das er, da er selber die Lösung nicht finden kann, dir bei diesem Survivalurlaub durch deine Menschlichkeit kein Mitreisender sein will/kann.

Genug von dem abstraktem Geschwalle :D

Das Große-und-Ganze von dem ich rede ist eure Beziehung!

Mach niemals die Beziehung und andere Großsysteme, wie sein Lebensverlauf, Charakter, Beziehungsmuster, Elternhaus, Bildung, Arbeitsituation oder sonst eine GROßE Sache zum Thema und Aufhänger um mit ihm in eurer Beziehung voran zu kommen.

Ein Beispiel:
Wenn du mehr sprechen möchtest, zum Beispiel, mit ihm, mehr Erhört werden ... dann fordere und fördere ihn. Rede mit ihm über das Reden, dann rede mit ihm, spiegele ihm wie positiv es für dich ist. Er wird es erkennen. ABER sei nicht verbissen. Lege nicht du die Intensität eures Kontaktes fest, d sondern erspüre seine Ressourcen, Fähigkeiten und nutze sie :) Lege nur deine eigene Intensität eines Kontaktes mit ihm fest. Zelibriere ihn positiv und habe vertrauen ... er hat keine Filter um sich davor zu wehren, es fliesst in ihn ein und sei dir Gewiss das irgendwann sein Hyperfocus anspringt ;)

Nutz das niemals aus oder mach es zu einem technischen Prozess. Trete nur mit ihm in Kontakt wenn du eigene Emotionen zu verschenken hast und nicht um seine zu Triggern... Erwischt er dich dabei ... glaub mir ... ist alles verloren ... er hat in seinem Unterbewusstsein, in meinem Fall zumindest, ein sehr gutes Bild davon wie Nahe er im Vergleich zu anderen Menschen seinen Ureignen kindlichen unverstümmelten Emotionen, Energien und Wirkungsspektren anderen Menschen gegenüber noch ist. Er(ich) ist sich auch bewusst das diese verhallen werden wenn sie ins leere fliessen das sie nur durch Manipulation getriggert werden. Er hat nichts zu verschenken! ;)

Es wird immer den Eindruck machen als wenn er wieder und wieder 10 Schritte zurück geht und 9 nach vorne. Wenn dir dann der Kragen platzt und du ungeduldig wirst, halte kurz inne und betrachte mal ganz realistisch was ihr schon an Weg miteinander geschafft habt, im Vergleich zu anderen Beziehungskulturen. Lass dich allerdings nicht davon mitreissen und versuche das dann verbissen voran zu treiben. Immer schön chillig bleiben :)

Warum ich eingangs schrieb: Ich habe schon einige schlimme Erfahrung in meinem Leben gemacht ...
Binde nicht sein Bezihungsgeschickt dir gegenüber, bzw. sein Missgeschickt an seine Vergangenheit.

Ein Beispiel:

Er ist emotional für dich gerade nicht erreichbar. Nahe liegend ist ja dann zum Beispiel, für manche Hobbypsychologinnen, sein Urvertrauen muss wohl geschädigt sein und das Problem ist wohl in dem versagen des Bezugsnetzwerkes seiner Kindheit begründet...

Ich rate dir dringenst nicht seine Therapeutin zu spielen, ihn in die Auseinandersetzung mit sich zu zwingen oder ähnliches. Glaub mir, wenn du den Hein der Ruhe in eurer Beziehung einmal ankratzt könnte er zerstört werden. Solltest du dir trotzdem professionelle Hilfe Wünschen für euch, was immer eigentlich heißt: das du sie dir für dich wünscht, dann lebe es ihm vor.

Also: Sollte es so schlimm um ihn stehen das du dir wünscht das er Therapie macht, also eine pure Fremdmotivation durch dich stattfindet, mache du den ersten Schritt. Spiegle ihm das Positive deines Hilfenetzwerks/externem Hilfesystems, aber ehrlich und wahrhaftig und keine Konserven wie oben angesprochen, glaub mir er wird erkennen wenn du ihn verarscht.
Das sind meine Erfahrungen: Die Zeit ist immer dein Freund wenn du ehrlich und wahrhaftig was für ihn empfindest. Er wird früher oder später mit Volldampf reagieren.

Sei dir allerdings auch immer den äußeren Einflüssen bewusst. Wenn es z.B. arbeitstechnisch bei ihm gerade schlecht läuft wird all das was ich eben geschrieben haben, für eure Beziehung, fasst nicht anwendbar sein. Ich wäre auf jeden Fall sehr viel schlechter erreichbar.

Hab Geduld. :)

Ich würde dir übrigens empfehlen kein Etikett an dich heran zu hängen.
Sag nicht zu ihm: Ich bin eine HSP - Sag ihm: ich bin sehr sehr sehr sehr sehr sensibel :D
Das reicht! ich würde dir großen Respekt zollen wenn du dich nicht etikettierst sondern zu deinem Selbst stehst :)

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