Empathie

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
cajo81
Spezial User
Beiträge: 406
Registriert: 2. April 2011 17:59

Re: Empathie

Beitrag von cajo81 » 26. August 2011 11:14

Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

[quote="treppchen"]
Ich kann mittlerweile von mir ohne zögern behaupten, dass ich hochsensitiv bin. Das betrifft all meine Sinneswahrnehmungen, mit einzelnen Extremen. Nur bei der Wahrnehmung von Gefühlen habe ich große Fragezeichen.
Meine eigenen Gefühle nehme ich relativ gut war und negative Gefühle sogar sehr intensiv. Gefühle von anderen kann ich jedoch kaum nachempfinden(also mit meinen eigenen Gefühlen; Logik mal ausgeschlossen). Nun meine Frage: Kann man hochsensitiv sein mit mangelnder Empathiefähigkeit? Ich lese immer nur, dass man als hochsensibler/hochsensitiver Mensch eine hohe Empathiefähigkeit hat.
[/quote]

Also ich würde von meinen Erfahrungen ausgehend behaupten dass es eine Gewohnheitssache ist.

Ich habe z.B. aufgrund meiner Erziehung gelernt immer sehr selbstkritisch mit mir umzugehen. Als Einzelkind in einem 15-Einwohner-Weiler wohnend habe wurde ich zusätzlich quasi automatisch zum Einzelgänger; musste mich selber beschäftigen.
Dadurch kreist halt nun alles immer ziemlich viel nur um mich. Meine durch ADHS eingeschränkten ´Wahrnehmung geht halt voll dafür drauf und damit bleibt kaum Konzentration für die anderen übrig. Deren Leben geht mir, wenn ich mich nicht explizit darauf konzentriere, voll am A... vorbei.

Interessant in diesem Zusammenhang ist dass mir vor ca. 10 Jahren bei einer Bankbewerbung vorgeworfen wurde - nach ausführlichen Tests - dass ich nicht teamfähig sei. Danach trat ich während meines Studiums in eine Studentenverbindung ein wo ich peu a peu lernen musste auch andere wahrzunehmen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dies hat mir sehr viel geholfen und, komischerweise, sagen mir heute immer wieder viele dass ich sehr sozial und teamorientiert sei.  :108: Ich fühle mich heute, im Vergleich zu früher, auch selber oft besser wenn ich mit einem mir vertrautem team Dinge erledige.

Aus diesen Erfahrungen heraus glaube ich eben dass die eigenen Lebensumstände und -erfahrungen einem selber "beibringen" auf was man als ADHSler seine eingeschränkte Wahrnehmung lenkt.
ADHSler welche z.B. in Familien mit vielen sozialen Kontakten aufwachsen werden selber sozial sehr aktiv. Mein bester ADHS Freund, Sohn einer Workaholicfamilie, ist nun selbst ein Workaholic und denkt an nichts anderes als an die Arbeit ! Dies alles sind meiner Meinung nach keine Zufälle sondern eben die Kombination aus der ADHS-Problematik und gemachten Erfahrungen.  :ja:

Wenn du also keine Empathiefähig gegenüber anderen hegen kannst dann liegt es vielleicht einfach daran dass du schlicht (noch) nicht gelernt hast deine eingeschränkte Aufmerksamkeit eben darauf zu konzentrieren. Du bist in solchen Momenten vielleicht viel zu sehr mit anderen gedanken beschäftigt; kannst diese nicht abschalten und dich auf Mitmenschen konzentriern.
Mir selber hat neben der Studentenverbindung geholfen in Selbsthilfegruppen aktiv zu werden. Da habe ich sehr stark gelernt auch über NEGATIVE Dinge und meine Gedanken offen mit anderen zu sprechen. Wenn diese dann erst einmal raus sind ist mein Kopf freier und ich kann auch viel viel besser Empathie empfinden; bis alte Gedanken mich wieder einholen.  :icon_rolleyes:
Zuletzt geändert von cajo81 am 26. August 2011 11:21, insgesamt 1-mal geändert.
loneranger

Re: Empathie

Beitrag von loneranger » 26. August 2011 17:11

http://de.wikipedia.org/wiki/Empathogen
http://de.wikipedia.org/wiki/MDMA
http://de.wikipedia.org/wiki/Amphetamin
http://de.wikipedia.org/wiki/Methylphenidat

Habt ihr je eines davon zu Therapie bekommen oder bekommt es immernoch kann es eure empathischen "Fähigkeiten" für immer verändern... Sowohl Negativ als auch Positiv(dauerhafte veränderung nach der Medikation sind nicht bestätigt aber das ist vieles nicht). Ich selbst hab schon oft genug mit :baw: oder mit :wu: und sonstige Emotionen mit anderen Menschen teilen dürfen und es war nicht immer Toll die Emotionen anderer zu Spüren! dennoch ist es eine Fähigkeit.
cajo81
Spezial User
Beiträge: 406
Registriert: 2. April 2011 17:59

Re: Empathie

Beitrag von cajo81 » 26. August 2011 18:34

[quote="loneranger"]
http://de.wikipedia.org/wiki/Empathogen
http://de.wikipedia.org/wiki/MDMA
http://de.wikipedia.org/wiki/Amphetamin
http://de.wikipedia.org/wiki/Methylphenidat

Habt ihr je eines davon zu Therapie bekommen oder bekommt es immernoch kann es eure empathischen "Fähigkeiten" für immer verändern... Sowohl Negativ als auch Positiv(dauerhafte veränderung nach der Medikation sind nicht bestätigt aber das ist vieles nicht). Ich selbst hab schon oft genug mit :baw: oder mit :wu: und sonstige Emotionen mit anderen Menschen teilen dürfen und es war nicht immer Toll die Emotionen anderer zu Spüren! dennoch ist es eine Fähigkeit.
[/quote]

Ich habe bisher MPH, Elontril und Moclobemid gegen ADHS bekommen.
Bei allen drei stieg nach Einnahme definitiv die Empathiefähigkeit bzw. die Reizflut ging zurück und damit wurde ich locker/entspannt im Kopf.

MPH hat bei mir aber nur in äußerst hohen Dosierungen gewirkt (10mg hielten etwa nur 45-75min); Elontril wirkte in Sachen gesteigerte Empathiefähigkeit komischerweise erst zwei Stunden nach Einnahme für knapp zwei Stunden.
Mit beiden Medis gingen aber meine Depressionen und Angststörungen definitiv kaum zurück; verschlimmerten sich sogar manchmal.  :baw: Deshalb brachte die gesteigerte Empathiefähigkeit da oft praktisch nicht wirklich viel  :icon_rolleyes:
Moclobemid habe ich schon vor ca. 3 Jahren gegen meine Depression genommen - da wußte ich von ADHS noch nichts - und es half mir enorm gut in allen Bereichen.
Jetzt nehme ich es nach der Pleite mit MPH und Elontril wieder. Es wirkt zwar komischerweise nicht mehr so stark wie damals aber immernoch weit besser als die anderen Medis.

Einzig blöd ist dass Moclobemid erst dann wirklich sehr gut wirkt wenn man aktiv etwas macht oder ein paar Stunden wach ist - wahrscheinlich muss erst einmal eine gewisse Menge Botenstoffe ausgeschüttet werden damit durch das Blocken ihres Abbaus die Wirkung eintritt.
Ich habe jedenfalls dann das Gefühl dass irgendwie mein Belohnungssystem deutlich besser funktioniert und ich mich selbst über kleine Dinge freuen kann. Das Grübeln darüber was andere denken oder fühlen könnten ist auch weg...sowie das Grübeln über mich selber.  :smt023: Damit werde ich dann überhaupt erst fähig andere "locker" wahrzunehmen.
Leider gehöre ich aber zu jenen welche sich in all den Jahren des Leidens immer mehr zurückgezogen haben und fast nur vor dem Rechner hocken. Diese Gewohnheiten zu durchbrechen fällt mir sehr schwer OBWOHL ich definitv wenn ich etwas aktiv unternehme oder mich sozial engagiere merke dass es mir dabei jetzt dank Medi richtig gut geht.  :upsi:

Bzgl. der langzeitwirkung wurde mir nur von Biologen und Medizinern gesagt dass durch den durch die Medis veränderten Botenstoffspiegel sich gewisse Zellen neu bilden können oder "repariert" werden. Dopamin und Noradrenalin sollen u.a. den Kopf entgiften, also Schadstoffe verdrängen. Wahrscheinlich deshalb helfen Medikamente bei manchen Kindern und Jugendlichen tatsächlich dass sich ADHS "auswächst". Umso älter du aber wirst desto langsamer verändert sich die Zellstruktur. Dennoch kenne ich in meiner ADHS-Selbsthilfegruppe den einen oder anderen Erwachsenen der nach jahrelanger Behandlung zumindest weniger von den Medikamenten braucht. Von heute auf morgen geht sowas aber definitiv nicht !
Zuletzt geändert von cajo81 am 26. August 2011 18:44, insgesamt 1-mal geändert.
Antworten

Zurück zu „HSP Hochsensible Persönlichkeit*“