Empathie

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
treppchen
Forummitglied
Beiträge: 3
Registriert: 19. November 2010 14:27

Empathie

Beitrag von treppchen » 28. März 2011 13:35

Ich kann mittlerweile von mir ohne zögern behaupten, dass ich hochsensitiv bin. Das betrifft all meine Sinneswahrnehmungen, mit einzelnen Extremen. Nur bei der Wahrnehmung von Gefühlen habe ich große Fragezeichen.
Meine eigenen Gefühle nehme ich relativ gut war und negative Gefühle sogar sehr intensiv. Gefühle von anderen kann ich jedoch kaum nachempfinden(also mit meinen eigenen Gefühlen; Logik mal ausgeschlossen). Nun meine Frage: Kann man hochsensitiv sein mit mangelnder Empathiefähigkeit? Ich lese immer nur, dass man als hochsensibler/hochsensitiver Mensch eine hohe Empathiefähigkeit hat.
Zuletzt geändert von treppchen am 28. März 2011 13:36, insgesamt 1-mal geändert.
Frosch
Foruminventar
Beiträge: 2073
Registriert: 6. April 2008 17:23

Re: Empathie

Beitrag von Frosch » 28. März 2011 15:03

Ich kann mir vorstellen, das man die Empathiefähigkeit etwas "nach hinten schiebt", damit man mehr bei sich bleiben kann.

Wenn man sehr sensibel ist, neigt man mehr nach den Gefühlen der anderen zu handeln die man wahrnimmt, als nach den eigenen Gefühlen.
Die vielleicht, ganz andere sind, und handelt so gegen sich selber.

Da wäre das reduzieren der Empathiefähigkeit eine Schutzfunktion.
Benutzeravatar
papillonindigo
Foruminventar
Beiträge: 5445
Registriert: 10. Juli 2007 10:16
Wohnort: Bern-Schweiz
Alter: 47

Re: Empathie

Beitrag von papillonindigo » 17. April 2011 11:40

Hallo trepchen,

Ich kann mich auch vorstellen dass du andere nicht nachempfinden kann, als selbstschutz. Sehr sensibel zu sein und alles so intensiv wahrnehmen kann sehr anstregend sein und je nach dem was du erlebst hast, kann sein dass du zu überleben dich schliessen musste.

lg
:vier: So geht es mir beim Rebound oder nach einem langen Stadtbummel
Benutzeravatar
Donovan
Foruminventar
Beiträge: 742
Registriert: 6. Januar 2011 03:22
Wohnort: Monster, Niederlande
Alter: 53

Re: Empathie

Beitrag von Donovan » 17. April 2011 21:49

Ich denke es gibt Unterschiede zwischen Hochsensibel und Hochsensitiv.

Sensitivität hat mit den Sinnen zu tun wie schmecken, sehen, hören, fühlen, riechen usw.

Sensibilität hat mit der Verarbeitung von Gefühlen zu tun und welche Details man dort bemerkt/berücksichtigt.

Du schreibst, Du bist Hochsensitiv. Es kann denke ich gut sein, dass Du Hochsensitiv bist (oft Reizfilterproblem genannt) aber nicht hochsensibel.

Viele Aspies sind Hochsensitiv aber nicht hochsensibel zum Beispiel.
Gruss, Donovan.

Ironie & rhetorische Fragen verstehe ich oft buchstäblich. Bitte um Verständnis, Verzeihung und falls möglich Vermeidung.

"Falls Du verpasst hast es zu Vermeiden: Mag es, Beende es oder Verändere es - Motzen ist nicht sinnvoll."
Frosch
Foruminventar
Beiträge: 2073
Registriert: 6. April 2008 17:23

Re: Empathie

Beitrag von Frosch » 18. April 2011 12:41

Die Unterschiede gibt es sicherlich, aber ich denke nicht, das dass eine das andere ausschließen muss.

Zitat: Donovan
Sensitivität hat mit den Sinnen zu tun wie schmecken, sehen, hören, fühlen, riechen usw.

Sensibilität hat mit der Verarbeitung von Gefühlen zu tun und welche Details man dort bemerkt/berücksichtigt.


Schau mal...

Zitat: Frosch
Ich kann mir vorstellen, das man die Empathiefähigkeit etwas "nach hinten schiebt", damit man mehr bei sich bleiben kann.

Wenn man sehr sensibel ist, neigt man mehr nach den Gefühlen der anderen zu handeln die man wahrnimmt, als nach den eigenen Gefühlen.
Die vielleicht, ganz andere sind, und handelt so gegen sich selber.

Da wäre das reduzieren der Empathiefähigkeit eine Schutzfunktion.


Wenn jemand Hochsensitiv ist, dann würde er auch nicht essen, was er nicht mag, weil es absolut nicht schmeckt - sehr feiner Geschmackssinn.

Oder auch extreme Gerüche nach Möglichkeit meiden - (wenn es machbar ist)

Oder auch eine laute Kulisse meiden, oder nicht lange darin "ausharren" wollen, weil es zu laut ist.

Ebenso beim fühlen, je nach dem wie man berührt wird sind Gefühle schmerzhaft. Also wählt man die Art der Berührung die einem gut tut und nicht schmerzt.
Man lässt sich nur von jemandem berühren bei dem man weiß das man sich sicher fühlt keine schmerzhaften Berührungen zu "erleiden"
Oder lernt mit dem Partner eine "Art" der Berührung zu finden die nicht schmerzen kann.

Ebenso ist es aber mit der Ein - fühlung das ist auch eine sensitive Wahrnehmung und man versucht auch in dem Fall eine "Schutzfunktion" zu "entwickeln" um nicht zu viel des anderen wahrzunehmen.


... das meinte ich (she. Zitat oben)
Benutzeravatar
Donovan
Foruminventar
Beiträge: 742
Registriert: 6. Januar 2011 03:22
Wohnort: Monster, Niederlande
Alter: 53

Re: Empathie

Beitrag von Donovan » 18. April 2011 14:03

Ja genau. Das wäre wahrscheinlich denke ich.

Hatte Dich denke ich falsch verstanden. Ich dachte, Du verwendetest die Begriffe durch einander.

Aber so stimmt's.
Gruss, Donovan.

Ironie & rhetorische Fragen verstehe ich oft buchstäblich. Bitte um Verständnis, Verzeihung und falls möglich Vermeidung.

"Falls Du verpasst hast es zu Vermeiden: Mag es, Beende es oder Verändere es - Motzen ist nicht sinnvoll."
Frosch
Foruminventar
Beiträge: 2073
Registriert: 6. April 2008 17:23

Re: Empathie

Beitrag von Frosch » 18. April 2011 14:26

Das kann sein, ich habe manchmal ein Problem damit mich verständlich auszudrücken :icon_rolleyes: :upsi:

Aber dann sind wir uns ja jetzt einig :ja: :zwink: Und meinen das gleiche. .
Benutzeravatar
Donovan
Foruminventar
Beiträge: 742
Registriert: 6. Januar 2011 03:22
Wohnort: Monster, Niederlande
Alter: 53

Re: Empathie

Beitrag von Donovan » 18. April 2011 16:56

:pils:
Gruss, Donovan.

Ironie & rhetorische Fragen verstehe ich oft buchstäblich. Bitte um Verständnis, Verzeihung und falls möglich Vermeidung.

"Falls Du verpasst hast es zu Vermeiden: Mag es, Beende es oder Verändere es - Motzen ist nicht sinnvoll."
Frosch
Foruminventar
Beiträge: 2073
Registriert: 6. April 2008 17:23

Re: Empathie

Beitrag von Frosch » 18. April 2011 17:13

:breitgrinse1: :grübel: hätte ja jetzt gerne mit nem Smiley geantwortet -  :höch: aber "irgendwie" find ich keinen passenden.

:10: hätte ich da überhaupt drauf "wechseln" müssen, sollen... :schäm:

naja - ist auf jeden Fall angekommen :ja: :zwink:
boralmar
Pagemaster
Beiträge: 226
Registriert: 15. Januar 2009 13:35

Re: Empathie

Beitrag von boralmar » 26. April 2011 14:35

Kann man hochsensitiv sein mit mangelnder Empathiefähigkeit?
Schätze schon, und du scheinst das ja aus Erfahrung zu wissen, also ruhig mal drauf vertrauen ;-)

So weit ich weiss, sind unterschiedliche Bereiche des Gehirns betroffen, in dieser Sache. Interessant find ich hier die Geschichte mit den Spiegelneuronen.

Demnach ist der Schluss, der eigentlich jedem logisch erscheinen mag, dass es mein Gegenüber schmerzt, wenn ich ihm ein Messer in den Bauch ramme, davon abhängig, wie sehr ich dazu fähig bin, mich im Gegenüber zu spiegeln, also selbst gefühlten Schmerz auf den andern zu übertragen. Oder eben, wie gut ausgebildet meine Spiegelneuronen sind.

Heisst also, dass wir uns in unserem Gegenüber stets spiegeln - wahrhaftig nachvollziehen können wir nur Gefühle, die wir selbst auch in dieser Form kennen. Eine der Erkenntnisse aus der Serienmörderforschung ;-)

Scheint also, dass eine ausgeprägte Gefühlswelt zwar noch kein Garant für Empathie, aber sicher Vorbedingung ist.
Welcome to Postpanoptia
Frosch
Foruminventar
Beiträge: 2073
Registriert: 6. April 2008 17:23

Re: Empathie

Beitrag von Frosch » 27. April 2011 13:47

Zitat: Boralmar
So weit ich weiss, sind unterschiedliche Bereiche des Gehirns betroffen, in dieser Sache. Interessant find ich hier die Geschichte mit den Spiegelneuronen.


Es sind 2 unterschiedliche Bereiche des Gehirns die betroffen.

Soweit ich weiß das limbische System und der Temporallapen, aber beide werden vom präfrontalen Cortex gesteuert.
Stimmt die Geschichte mit den Spiegelneuronen ist interessant. :ja:

Zitat: Boralmar
Demnach ist der Schluss, der eigentlich jedem logisch erscheinen mag, dass es mein Gegenüber schmerzt, wenn ich ihm ein Messer in den Bauch ramme, davon abhängig, wie sehr ich dazu fähig bin, mich im Gegenüber zu spiegeln, also selbst gefühlten Schmerz auf den andern zu übertragen. Oder eben, wie gut ausgebildet meine Spiegelneuronen sind.


Ähm? Ist das nicht eher umgekehrt?
In wie weit bin z.b. ich fähig den Schmerz dessen Person nachzuempfinden die das Messer in den Bauch gerammt bekommt.
Letztlich kann ich mir ohne! den eigenen empfundenen Schmerz in gleicher Situation nur eine Vorstellung davon machen wie sehr es schmerzt.

Richtig nachempfinden kann ich es nicht wenn ich diese eigene Erfahrung nicht habe, ich kann mich "nur" einfühlen.

Zitat: Boralmar
Heisst also, dass wir uns in unserem Gegenüber stets spiegeln - wahrhaftig nachvollziehen können wir nur Gefühle, die wir selbst auch in dieser Form kennen. Eine der Erkenntnisse aus der Serienmörderforschung ;-)


Das kommt meiner vorherigen Aussage wieder gleich.  :zwink:
Benutzeravatar
gel.ice
Foruminventar
Beiträge: 2123
Registriert: 6. Juni 2008 12:52
Wohnort: ostalbkreis

Re: Empathie

Beitrag von gel.ice » 27. April 2011 14:26

ich glaube nicht, dass wir nur gefühle wahrhaftig nachvollziehen können, die wir selbst in dieser form auch kennen - zumindest glaube ich nicht das niemand das kann.
z.b. kann ich wahrhaftig gut nachvollziehen was eine mutter für einen schmerz fühlen muss wenn sie ihr kind verliert - obwohl ich noch kein kind verloren habe und auch keinen anderen mir sehr wichtigen menschen.
ich kann mir das so gut vorstellen, dass ich nur lange genug drüber nachdenken brauche wie das wäre, um so traurig zu werden dass ich weine und tiefen schmerz in mir spüre.

wenn andere leiden, dann fühle ich mit - selbst wenn ich keine persönliche beziehung zu den leidenden habe und slbst gar nicht betroffen bin. mir gehen schlimme geschehnisse immer furchtbar nahe, weil ich eben fühle wie es den betroffenen gehen muss bzw. wie es mir an deren stelle gehen würde. das ist manchmal echt schlimm. zum glück hab ich mittlerweile gelernt mich zu distanzieren, dann schalte ich um auf "mangelnde empathiefähigkeit" als schutzfunktion, so wie ihr das am anfang des threads beschrieben/erklärt habt.

meistens kann ich anderen auf anhieb ins gesicht sagen wie es in ihnen aussieht - bin schon oft ins fettnäpchen getreten weil das nicht jder hören mag. hab aber auch schon oft erstaunte blicke geerntet und es entwickeln sich so immer gespräche. viele labern mich voll und laden ihren scheiß bei mir ab...

ich bin mir sicher dass es möglich ist empathie abzuschalten.
wie sonst können extreme situationen psychisch ausgehalten werden? und wie sonst geht es dass z.b. ein treusorgender vater heimlich die kinder anderer leute missbraucht?

ich kann mir aber auch gut vorstellen dass man hochsensitiv sein kann und trotzdem mangelnd empathiefähig ist.
treppchen, du kannst wenigstens deine eigenen gefühle wahrnehmen - ich nehme immer nur die der anderen wahr und übertrage sie auf mich, aber meine eigenen, die muss ich tief in mir drin suchen, denn die kommen nie von allein an die oberfläche und eigentlich fällt es mir immer sehr schwer zu sagen wie es mir geht. dafür muss ich lange überlegen. oft bin ich schlecht gelaunt und weiß gar nicht warum und komme dann auch erst tage später nach "innerlicher recherche" drauf...
nur wer erwachsen wird und ein kind bleibt, ist ein mensch.
(erich kästner)
Frosch
Foruminventar
Beiträge: 2073
Registriert: 6. April 2008 17:23

Re: Empathie

Beitrag von Frosch » 29. April 2011 16:19

@ gel.ice

Zitat: gel.ice
ich glaube nicht, dass wir nur gefühle wahrhaftig nachvollziehen können, die wir selbst in dieser form auch kennen - zumindest glaube ich nicht das niemand das kann.
z.b. kann ich wahrhaftig gut nachvollziehen was eine mutter für einen schmerz fühlen muss wenn sie ihr kind verliert - obwohl ich noch kein kind verloren habe und auch keinen anderen mir sehr wichtigen menschen.
ich kann mir das so gut vorstellen, dass ich nur lange genug drüber nachdenken brauche wie das wäre, um so traurig zu werden dass ich weine und tiefen schmerz in mir spüre.


Da werden sich die "Geister streiten"  :zwink:

Hast Du Kinder? Dann kannst Du Dir sicherlich vorstellen wie es wäre, wenn eines davon nicht mehr da wäre, denn dann hast Du sicherlich auch schon erlebt wie es ist, wenn eines von ihnen das erste mal über nacht nicht daheim ist.
Auch das ist eine Trennungssituation wie wenn man ein Kind verliert, Du kannst diese Situation dann sicherlich "gedanklich weiter ausführen" und Dir vorstellen das Dein Kind gar nicht mehr zurück nach Hause kommt.

Du wirst Dich auch sicher daran erinnern wie es war, als Deine Mama das erste mal länger weggefahren ist. Und Du Dich dann gefühlt hast.

Das sind "Erlebnisse" die Dein Unterbewusstsein gespeichert hat, und auf die Du in diesen vergleichbaren Situationen abrufen kannst, oder abrufst.

Aber genau! das Gefühl wie es ist wenn eine Mutter Ihr Kind verliert kannst Du dennoch nicht, da Du selber keines verloren hast. (Zum Glück! :ja: :zwink:)
Du bist letztlich nur sehr nahe daran, an diesem Gefühl und kannst es in etwa nachvollziehen.

Zitat: gel-ice
wenn andere leiden, dann fühle ich mit - selbst wenn ich keine persönliche beziehung zu den leidenden habe und slbst gar nicht betroffen bin. mir gehen schlimme geschehnisse immer furchtbar nahe, weil ich eben fühle wie es den betroffenen gehen muss bzw. wie es mir an deren stelle gehen würde. das ist manchmal echt schlimm. zum glück hab ich mittlerweile gelernt mich zu distanzieren, dann schalte ich um auf "mangelnde empathiefähigkeit" als schutzfunktion, so wie ihr das am anfang des threads beschrieben/erklärt habt.


Ich denke, dazu muss man auch keine Beziehung zu den leidenenden haben, sondern "nur" die Fähigkeit sich in diese Situation denken zu können.
Mit Ihnen diese Situation erleben zu können, quasi "im gleichem Film" zu sein.

Wenn es zu schmerzhaft wird, distanziert man sich aus eigener Schutzfunktion - denn wer hat schon gerne Schmerzen? Zumal wenn sie unerträglich sind.
Normalerweise schaltet der Körper bei zu viel körperlichem sowohl auch seelischem Schmerz ab.
Bei zu starken körperlichen Schmerzen verliert der Mensch das Bewusstsein, bzw. fällt in ein Koma.
Die Seele hat "nur" die Möglichkeit nicht mehr zu empfinden.

ZItat: gel-ice
meistens kann ich anderen auf anhieb ins gesicht sagen wie es in ihnen aussieht - bin schon oft ins fettnäpchen getreten weil das nicht jder hören mag. hab aber auch schon oft erstaunte blicke geerntet und es entwickeln sich so immer gespräche. viele labern mich voll und laden ihren scheiß bei mir ab...


:ja: entweder das, oder sie meiden Dich, weil sie für Dich zu "durchsichtig" sind. Oder sie verleugnen Ihre Gefühle und Antworten nicht.

Zitat: gel-ice
ich bin mir sicher dass es möglich ist empathie abzuschalten.
wie sonst können extreme situationen psychisch ausgehalten werden? und wie sonst geht es dass z.b. ein treusorgender vater heimlich die kinder anderer leute missbraucht?


Was den treusorgenden Vater betrifft, sollte man denke ich differenzieren, denn das sind Handlungen die meist oder bestimmt mit einer Persönlickeitsstörung zusammen hängen.
In dem Fall ist es in dem Fall solch einer Straftat nicht DIE Persönlickeit die "eigentlich" in diesem Menschen ist.
Es hat einen krankheitswert.
Diese Persönlichkeitsstörungen die es in dem Fall häufig (oder immer? - kenne keine genaue Statistik, also kann ich das nicht auf alle beziehen)  betrifft, haben zusammen mit anderen Merkmalen auch das "mangelnde oder kein Empathie empfinden"
Und auch diese Persönlichkeitsstörungen sind entstanden durch ein Leid das diese Menschen erfahren haben, bei denen sie ihre Emotionen schützen mussten. Dies also in dem Fall immer noch tun.

Zitat: gel-ice
ich kann mir aber auch gut vorstellen dass man hochsensitiv sein kann und trotzdem mangelnd empathiefähig ist.
che" drauf..


Das würde ich anders bezeichnen. Wenn man hochsensitiv ist, ist die "Schmerzgrenze" der Gefühle die man ertragen kann, weitaus geringer als bei einem Menschen der nicht hochsensitiv ist.
Sie ist also auch schneller erreicht und der Hochsensitive Mensch, schaltet schneller in den "Schutzmodus".
Für Menschen die nicht Hochsensitiv sind, sieht es dann sicherlich so aus, als hätten sie keine oder mangelnde Empathie.

Zitat: gel-ice
treppchen, du kannst wenigstens deine eigenen gefühle wahrnehmen - ich nehme immer nur die der anderen wahr und übertrage sie auf mich, aber meine eigenen, die muss ich tief in mir drin suchen, denn die kommen nie von allein an die oberfläche und eigentlich fällt es mir immer sehr schwer zu sagen wie es mir geht. dafür muss ich lange überlegen. oft bin ich schlecht gelaunt und weiß gar nicht warum und komme dann auch erst tage später nach "innerlicher recherche" drauf...


Vielleicht ist das bei Dir so, weil Du schon sooo viele Gefühle der anderen Wahrnimmst, und Du Deine eigenen nicht auch noch "ertragen" könntest.

Innerliche Recherche kann man nr betreiben wenn man alleine ist, und nicht viel um einen herum ist, und man sich natürlich auch die Zeit nehmen kann, sich mit sich und seinen Gefühlen zu befassen.
Hat man die nicht, verliert man den Bezug zu sich, weil alles was von außen kommt zu viel Raum ein nimmt.
Benutzeravatar
gel.ice
Foruminventar
Beiträge: 2123
Registriert: 6. Juni 2008 12:52
Wohnort: ostalbkreis

Re: Empathie

Beitrag von gel.ice » 29. April 2011 23:59

danke frosch, dass du meinen beitrag so mühevoll beantwortet hast!

ja ich habe kinder und ich habe oft angst um sie. früher habe ich oft schlimme szenarien im kopf gehabt was ihnen passieren könnte, wenn sie zur schule gelaufen sind usw... dabei musste ich manchmal heulen. ich war nie depressiv, es war allein die vorstellung. das hab ich aber jetzt im griff. manchmal kommen bilder, aber ich schieb sie dann einfach weg. ich weiß dass sie wieder kommen und ich weiß, dass wenn ihnen tatsächlich was zustoßen würde, ich das nicht verändern könnte und angst davor es auch nicht verhindert oder irgendwas besser macht.
ich weiß auch, dass überängstliche mütter ihre kinder in der entwicklung behindern - das tue ich nicht. sie dürfen ganz normale kinder sein mit verschrammten knien, blauen flecken, auf dem fahrrad, im wald, dreckig und barfuß etc... ;)

ich habe eben eine sehr stark ausgeprägte vorstellungskraft und ich kann mich willentlich sehr in (irreale) situationen reinsteigern fast so als wär ich mittendrin - wie wenn man nach einem sehr realistischen traum aufwacht und sich kneifen muss, weil man gar nicht fassen kann dass es nur ein traum war. zum glück mach ich das nicht unbewusst bzw. kann ich das abstellen.

ich denke einfach es kann ein sehr schmaler grad  sein zwischen wahrhaftem nachvollziehen von gefühlen und nachempfinden weil man das gleiche schon erlebt hat.

der "treusorgende vater" der andere kinder missbraucht hat wahrscheinlich eine persönlichkeitsstörung, dennoch weiß er in den meisten fällen was er getan hat und eben auch dass das falsch ist und anderen schmerzen zufügt. daher denk ich schon, dass er empathie abschalten kann. genau derselbe mensch empfindet vielleicht sehr viel mitgefühl wenn sein eigener sohn vom fahrrad fällt oder ne schlechte note bekommt.
natürlich ist das krank.

du hast sicher recht, dass hochsensitive menschen auch ne niedrigere reizschwelle haben und schneller in den "schutzmodus" schalten. ich weiß nicht ob das immer so ist oder ob es auch welche gibt, die tatsächlich weniger empathisch sein können. ob man das so genau voneinander trennen kann?

mag sein, dass das bei mir so ist, dass ich manchmal vor lauter gefühlen von anderen meine eigenen nicht mehr ertragen kann - gut möglich! es ist aber auch so, dass ich eine wahrnehmungsstörung habe, die eben auch beinhaltet, dass ich mich selbst nicht richtig wahrnehmen kann. das ist ja bei vielen ADSlern so.
daher brauche ich vielleicht auch mehr ruhe und zeit für mich als manche anderen.
die nehme ich mir aber inzwischen auch. früher hatte ich wirklich keinen bezug zu mir. das hat sich geändert seit ich mich intensiv mit mir selbst und der ADS-thematik auseinander gesetzt habe.
wenn ich die außenwelt so gar nicht abschütteln kann, dann mach ich yoga, autogenes training oder progressive muskelentspannung - je nach dem was grad besser passt. damit kann ich dann sehr gut in mich kehren und mir über gefühle klar werden.
ich finde es nur manchmal schlecht, dass ich meine gefühle fast nie auf anhieb wahrnehme so wie andere, die in einer bestimmten situation sofort sagen können wie sie sich damit fühlen und somit auch reagieren können. ich muss immer erst in mir graben und dann ist reagieren oft zu spät.

lg
nur wer erwachsen wird und ein kind bleibt, ist ein mensch.
(erich kästner)
Frosch
Foruminventar
Beiträge: 2073
Registriert: 6. April 2008 17:23

Re: Empathie

Beitrag von Frosch » 30. April 2011 12:46

Hallo gel.ice,

Zitat: gel-ice
danke frosch, dass du meinen beitrag so mühevoll beantwortet hast!


Gerne, es ist auch ein interessantes Thema.  :ja:

Zitat: gel-ice
ich weiß dass sie wieder kommen und ich weiß, dass wenn ihnen tatsächlich was zustoßen würde, ich das nicht verändern könnte und angst davor es auch nicht verhindert oder irgendwas besser macht.


So wie Dir ging es mir auch Anfangs.
Bis sich bestätigt hat, das sie immer heile (oder auch ab und an mit Schrammen, oder Beulen :zwink:) nach Hause kommen.
Wichtig ist, sie sind pünktlich oder melden eine Verspätung an. Dann ist alles gut, und meine "Vorstellungskraft" lässt sich dann zügeln.

Zitat: Gel-ice
ich weiß auch, dass überängstliche mütter ihre kinder in der entwicklung behindern - das tue ich nicht. sie dürfen ganz normale kinder sein mit verschrammten knien, blauen flecken, auf dem fahrrad, im wald, dreckig und barfuß etc... ;)


Genau so sehe ich es auch.

Zitat: gel-ice
ich habe eben eine sehr stark ausgeprägte vorstellungskraft und ich kann mich willentlich sehr in (irreale) situationen reinsteigern fast so als wär ich mittendrin - wie wenn man nach einem sehr realistischen traum aufwacht und sich kneifen muss, weil man gar nicht fassen kann dass es nur ein traum war. zum glück mach ich das nicht unbewusst bzw. kann ich das abstellen.


:icon_rolleyes: :ja: da kann ich mich Dir anschließen. Allerdings brauche ich in Situationen in denen ich oder meine direkten Familienangehörigen betroffen sind, in für mich ängstlichen Situationen optimale Bedingungen dafür das ich die Vorstellungskraft dann auch abstellen kann.

Ich habe eine sehr gut ausgeprägte Intuition, die mich zwar vor vielem bewahrt aber auch gerade weil sie das tut, auch sehr dazu Beitragen kann, das sich diese Vorstellungskraft dann noch verstärkt und sich Ängste ins unglaublliche steigern können.
Das wird dann für mich schnell zu einer Situation die ich nicht mehr ertragen kann.
Besonders, wenn es meine direkten Familienangehörigen betrifft, betrifft es mich selber, bin ich da sehr viel mutiger, weil ich mich einschätzen kann, und weiß das ich bisher immer sehr viel Glück hatte gut für mich handeln zu können.  :froi1: (Auch wenn es manchmal sehr knapp war  :schäm:)

Zitat: gel-ice
ich denke einfach es kann ein sehr schmaler grad  sein zwischen wahrhaftem nachvollziehen von gefühlen und nachempfinden weil man das gleiche schon erlebt hat.


Das kann es in der Tat.

Zitat: gel-ice
der "treusorgende vater" der andere kinder missbraucht hat wahrscheinlich eine persönlichkeitsstörung, dennoch weiß er in den meisten fällen was er getan hat und eben auch dass das falsch ist und anderen schmerzen zufügt. daher denk ich schon, dass er empathie abschalten kann. genau derselbe mensch empfindet vielleicht sehr viel mitgefühl wenn sein eigener sohn vom fahrrad fällt oder ne schlechte note bekommt.
natürlich ist das krank.


Das weiß der treusorgende Vater mit der wahrscheinlichen Persönlichkeitsstörung sicherlich, aber erst nachdem er gehandelt hat (denn es ist ja krankhaftes Verhalten). Er wird die Empathie in dem Moment abschalten in dem er handelt und nach diesem momentan vorangigen Gefühl handeln das er gerade empfindet.
Allerdings weiß er sicherlich das sein handeln falsch ist, denn sonst würde er nicht für sein eigenes Kind anders ( meist sehr wohlwollend und liebend)  handeln und empfinden.
Er lenkt in dem Moment die Gefühle auf ein anderes Kind um sich abzureagieren, oder vielmehr um es zu bestrafen, da es meist so ist, das er in diesem Kind sich sieht (in seiner eigenen Kindheit)
Er lebt seinen Selbsthass aus.

Allerdings kann es auch so sein, das er den Hass den er an dem Kind auslebt auf eine ganz andere Person gerichtet ist, die unmittelbar mit diesem Kind das er quält in Verbindung steht.
In dem Fall ist das Kind dann nur die wehrlosere Person zu der er besseren Zugang hat.

Zitat. gel-ice
du hast sicher recht, dass hochsensitive menschen auch ne niedrigere reizschwelle haben und schneller in den "schutzmodus" schalten. ich weiß nicht ob das immer so ist oder ob es auch welche gibt, die tatsächlich weniger empathisch sein können. ob man das so genau voneinander trennen kann?


Ob man das so voneindander trennen kann? Sicher nicht, denn letztlich werden beide betreffenden Hirnregionen von ein und der selben Stelle gesteuert.
Von daher denke ich, das es nicht möglich ist das zu trennen, und es sich um einen "Schutzmodus"  handelt.
Allerdings könnte es sein, das es eine genetische Ursache geben könnte! die diese gemeinsame Steuerung der beiden betreffenden Hirnregionen nicht zulässt.
Eventuell auch eine Kombination von Genetik und anderen "Hirnchemischen" Prozessen.
Diese wäre allerdings dann eher selten gesäht, und hängt sicher auch mit dem Lebensverlauf der Person in Verbindung und auch mit den sozialen Lebensumständen.
Es muss nicht immer so sein.
Es könnte aber auch andere Faktoren geben, wie zum Beispiel sehr ausgeprägte negativ emotionen die dafür hinderlich sind.
z.B. wenn der Lebensweg der betreffenden Person seeehr negativ war.
Wobei es dann schon so sein muss, das absolut kein Wille der Situationsänderung vorhanden sein könnte! Oder möglich ist.

ZItat: gel-ice
mag sein, dass das bei mir so ist, dass ich manchmal vor lauter gefühlen von anderen meine eigenen nicht mehr ertragen kann - gut möglich! es ist aber auch so, dass ich eine wahrnehmungsstörung habe, die eben auch beinhaltet, dass ich mich selbst nicht richtig wahrnehmen kann. das ist ja bei vielen ADSlern so.


Das stimmt, aber ich denke, das diese Wahrnehmungsstörung es noch schwieriger macht, auf die eigene Person zu zu greifen und beides zusammen dann noch komplizierter ist.

Zitat: gel-ice
daher brauche ich vielleicht auch mehr ruhe und zeit für mich als manche anderen.die nehme ich mir aber inzwischen auch. früher hatte ich wirklich keinen bezug zu mir. das hat sich geändert seit ich mich intensiv mit mir selbst und der ADS-thematik auseinander gesetzt habe.


Das kann ich gut nachvollziehen, es geht mir auch so.

Zitat: gel-ice
wenn ich die außenwelt so gar nicht abschütteln kann, dann mach ich yoga, autogenes training oder progressive muskelentspannung - je nach dem was grad besser passt. damit kann ich dann sehr gut in mich kehren und mir über gefühle klar werden.


Ähnliche Wege habe ich mir auch gesucht. Aber wenn es zu extrem ist, brauche ich meine Ruhe oder jemanden er einfach schweigend da ist. Schon alleine weil ich dann ZU Reizüberflutet bin.

Zitat: gel-ice
ich finde es nur manchmal schlecht, dass ich meine gefühle fast nie auf anhieb wahrnehme so wie andere, die in einer bestimmten situation sofort sagen können wie sie sich damit fühlen und somit auch reagieren können. ich muss immer erst in mir graben und dann ist reagieren oft zu spät.


:ja: :baw:
Benutzeravatar
gel.ice
Foruminventar
Beiträge: 2123
Registriert: 6. Juni 2008 12:52
Wohnort: ostalbkreis

Re: Empathie

Beitrag von gel.ice » 30. April 2011 13:33

:zwink: auch wenn ich es ja eigentlich niemandem wünsche die selben schwierigkeiten zu haben wie ich, so bin ich doch froh nicht alleine damit zu sein. es tut gut dafür verständnis zu bekommen!
danke frosch!  :breitgrinse1:
nur wer erwachsen wird und ein kind bleibt, ist ein mensch.
(erich kästner)
Frosch
Foruminventar
Beiträge: 2073
Registriert: 6. April 2008 17:23

Re: Empathie

Beitrag von Frosch » 30. April 2011 17:36

Zitat: gel-ice
  auch wenn ich es ja eigentlich niemandem wünsche die selben schwierigkeiten zu haben wie ich, so bin ich doch froh nicht alleine damit zu sein. es tut gut dafür verständnis zu bekommen!
danke frosch!  :breitgrinse1:


Geht mir auch so.  :ja: Von daher...den Dank zurück. :zwink:
treppchen
Forummitglied
Beiträge: 3
Registriert: 19. November 2010 14:27

Re: Empathie

Beitrag von treppchen » 6. Juni 2011 10:13

Toll, was meine Frage für eine Flut von Gedanken ausgelöst hat.

Gefühle, die man am eigenen Leib erfahren hat, kann man bei anderen am ehesten nachvollziehen. Das sehe ich auch so. 
   Ich rege mich selten über Ereignisse auf, bei denen anderen schon die Hutschnur platzt. Wie soll ich da deren Gefühlsregungen nachvollziehen können?
In einem Film über "Tod und Verderben" habe ich mit angesehen wie eine Mutter ihr verzweifelnd schreiendes Kind retten will.
Diese Szene war grausam(Tod/Erfahrung) und ich kriege sie nicht mehr aus dem Kopf. Und es war nur ein Film!

Was geht in einem kleinen Kind vor, dass auf die Welt kommt, und alles überfordert es? Die Dinge laufen lassen und schreien oder sich ihnen entziehen.
Mein Herz liegt bei denen, die sich zurückziehen. Die werden am wenigsten beachtet.

Hallo Frosch. Danke für deine promte Antwort. Sie ist für mich persönlich eine Kernaussage. So hatte ich das bisher nicht gesehen.
Zuletzt geändert von treppchen am 6. Juni 2011 10:23, insgesamt 1-mal geändert.
Frosch
Foruminventar
Beiträge: 2073
Registriert: 6. April 2008 17:23

Re: Empathie

Beitrag von Frosch » 6. Juni 2011 14:24

@ treppchen,

Zitat: treppchen
  Ich rege mich selten über Ereignisse auf, bei denen anderen schon die Hutschnur platzt. Wie soll ich da deren Gefühlsregungen nachvollziehen können?


Nachvollziehen kann man sie sicher schon, es kommt darauf an, wie schlimm diese Ereignisse in Deiner "Wertung" sind.
Wenn es zum Beispiel etwas ist, das sicher schlimm war, aber Du dennoch schon viel schlimmeres erlebt hast, als dieses Ereignis, dann kann es nicht so eine hohe "Bewertung" bei Dir haben - verstehst Du?

(als Beispiel, wenn Du Ereignisse und entsprechende Empfindungen auf zwei verschiedene aber gleich lange Zahlenstrahle (?) (nennt man das so  :fr:) machst.

Auf den einen ordnest Du das Ereignis ein, auf das andere das Schmerzempfinden, wenn es bei Dir so ca. in der Mitte ist - dieses Ereignis - und einem anderen schon die Hutschnur platzt (da wird es sich am Ende dieser Skala befinden) dann kannst Du es auch nicht als so schlimm sehen, wie dieser andere Mensch, weil es bei Dir noch lange nicht an der Grenze des Schmerzes den  Du kennst angelangt ist. )

Ist es aber ein Ereignis bei dem Du das Gefühl sehr genau kennst, und es auch nachvollziehen kannst, das ganze auch noch bildlich in Dir nach verfolgen kannst, mit einer Situation die Du selber erlebt hast - dann lebst Du das erzählte richtig mit - und leidest genau diesen Schmerz - den Du letztlich selber erlebt hast.

Ganz sicher nicht immer schön, besonders wenn es in sämtliche Gefühlsrichtungen dieser Situation geht.

Zitat: treppchen
Was geht in einem kleinen Kind vor, dass auf die Welt kommt, und alles überfordert es? Die Dinge laufen lassen und schreien oder sich ihnen entziehen.
Mein Herz liegt bei denen, die sich zurückziehen. Die werden am wenigsten beachtet.


Meins auch - es sind die die am meisten leiden. Denn sie sind gar nicht in der Lage lauthals zu schreien, weil der Schmerz ihnen die Luft zum atmen nimmt - demnach auch die Luft zum schreien.

Zitat: treppchen
Hallo Frosch. Danke für deine promte Antwort. Sie ist für mich persönlich eine Kernaussage. So hatte ich das bisher nicht gesehen.


Gerne - schön, wenn es Dich weitergebracht hat.  :ja:
cajo81
Spezial User
Beiträge: 406
Registriert: 2. April 2011 17:59

Re: Empathie

Beitrag von cajo81 » 26. August 2011 11:14

[quote="treppchen"]
Ich kann mittlerweile von mir ohne zögern behaupten, dass ich hochsensitiv bin. Das betrifft all meine Sinneswahrnehmungen, mit einzelnen Extremen. Nur bei der Wahrnehmung von Gefühlen habe ich große Fragezeichen.
Meine eigenen Gefühle nehme ich relativ gut war und negative Gefühle sogar sehr intensiv. Gefühle von anderen kann ich jedoch kaum nachempfinden(also mit meinen eigenen Gefühlen; Logik mal ausgeschlossen). Nun meine Frage: Kann man hochsensitiv sein mit mangelnder Empathiefähigkeit? Ich lese immer nur, dass man als hochsensibler/hochsensitiver Mensch eine hohe Empathiefähigkeit hat.
[/quote]

Also ich würde von meinen Erfahrungen ausgehend behaupten dass es eine Gewohnheitssache ist.

Ich habe z.B. aufgrund meiner Erziehung gelernt immer sehr selbstkritisch mit mir umzugehen. Als Einzelkind in einem 15-Einwohner-Weiler wohnend habe wurde ich zusätzlich quasi automatisch zum Einzelgänger; musste mich selber beschäftigen.
Dadurch kreist halt nun alles immer ziemlich viel nur um mich. Meine durch ADHS eingeschränkten ´Wahrnehmung geht halt voll dafür drauf und damit bleibt kaum Konzentration für die anderen übrig. Deren Leben geht mir, wenn ich mich nicht explizit darauf konzentriere, voll am A... vorbei.

Interessant in diesem Zusammenhang ist dass mir vor ca. 10 Jahren bei einer Bankbewerbung vorgeworfen wurde - nach ausführlichen Tests - dass ich nicht teamfähig sei. Danach trat ich während meines Studiums in eine Studentenverbindung ein wo ich peu a peu lernen musste auch andere wahrzunehmen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dies hat mir sehr viel geholfen und, komischerweise, sagen mir heute immer wieder viele dass ich sehr sozial und teamorientiert sei.  :108: Ich fühle mich heute, im Vergleich zu früher, auch selber oft besser wenn ich mit einem mir vertrautem team Dinge erledige.

Aus diesen Erfahrungen heraus glaube ich eben dass die eigenen Lebensumstände und -erfahrungen einem selber "beibringen" auf was man als ADHSler seine eingeschränkte Wahrnehmung lenkt.
ADHSler welche z.B. in Familien mit vielen sozialen Kontakten aufwachsen werden selber sozial sehr aktiv. Mein bester ADHS Freund, Sohn einer Workaholicfamilie, ist nun selbst ein Workaholic und denkt an nichts anderes als an die Arbeit ! Dies alles sind meiner Meinung nach keine Zufälle sondern eben die Kombination aus der ADHS-Problematik und gemachten Erfahrungen.  :ja:

Wenn du also keine Empathiefähig gegenüber anderen hegen kannst dann liegt es vielleicht einfach daran dass du schlicht (noch) nicht gelernt hast deine eingeschränkte Aufmerksamkeit eben darauf zu konzentrieren. Du bist in solchen Momenten vielleicht viel zu sehr mit anderen gedanken beschäftigt; kannst diese nicht abschalten und dich auf Mitmenschen konzentriern.
Mir selber hat neben der Studentenverbindung geholfen in Selbsthilfegruppen aktiv zu werden. Da habe ich sehr stark gelernt auch über NEGATIVE Dinge und meine Gedanken offen mit anderen zu sprechen. Wenn diese dann erst einmal raus sind ist mein Kopf freier und ich kann auch viel viel besser Empathie empfinden; bis alte Gedanken mich wieder einholen.  :icon_rolleyes:
Zuletzt geändert von cajo81 am 26. August 2011 11:21, insgesamt 1-mal geändert.
Antworten

Zurück zu „HSP Hochsensible Persönlichkeit*“