Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

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nixe
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von nixe » 11. Februar 2009 18:22

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Ja,

Boralmar, höchst erstaunlich ist die Erkenntnis nicht, Andere weniger wahr zu nehmen, wenn man sich selbst mehr fokusiert.

Umgekehrt wird allerdings auch ein Schuh draus: wer ständig damit beschäftigt ist, sein Gegenüber emotional abzutasten, "erspürt" eben auch mehr, bzw. scheint mehr zu erspüren.

Ist sogar noch banaler. Ja. Allerdings ist es häufig so, dass man den Wald vor Bäumen nicht sieht, wenn man drinsteckt. Man fühlt sich einem Übermass an Emotionen "von außen" ausgeliefert und übersieht, dass man selbst die Möglichkeit hat, den Empfang herunterzuschrauben.
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von boralmar » 11. Februar 2009 18:32

ja das klingt schon viel besser - mich hat einfach diese absolute aussage gestört, man könne gefühle von anderen nicht spüren. kommt natürlich auch drauf an wie man dieses "spüren" dann auslegt. ich würde es eher interpretieren von äusseren signalen nennen. klingt aber auch schlüssig nixe, dein umkehrsatz.
Zuletzt geändert von boralmar am 11. Februar 2009 18:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Frosch
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von Frosch » 11. Februar 2009 19:53

Danke euch für die Erklärungen.
Ist plausibel, das blöde ist nur, das man das, oder die gegenüber ja sehen kann, und so schnell darin ist, und auf das, was man sieht, fixiert ist, das es schwierig ist wenn der Denkprozess einmal angefangen hat ihn wieder zu stoppen - umzukehren, in sich zu gehen, und erst mal in sich selbst zu suchen was da eigentlich los ist, un dman selber will - oder vielmehr fühlt, weil das ganz ja einem Automatismus gleicht, der so lange da ist, das erst mal neu konstruiert werden muß.
Und dann steht einem wieder das riesengroße Einfühlungsvermögen & das Helfersyndrom im Weg, die dann wieder an das Verantwortungsgefühl appledieren.
Brrrr. Auch wieder so ein Teufelskreis, den man unterbrechen muß!
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von nixe » 12. Februar 2009 15:23

Frosch,

Deine Überlegungen kenne ich von mir selbst. Es gab mal eine Zeit, da konnte ich noch nicht einmal an jemandem vorbeigehen, ohne zu "spüren", was mit dieser Person los ist. Ich behaupte, dass dieses "Erspüren" von dem grundsätzlichen Wunsch getragen ist, für den Anderen da zu sein, ihm zu helfen usw.

Was mir geholfen hat ? Der Gedanke, NICHT Jesus zu sein. Ich habe weder das Wissen, noch die Macht, noch die Kraft, noch die verdammte Aufgabe, jedem ungefragt zu "helfen", der mir begegnet. Wenn ich eine Verpflichtung meinem Mitmenschen gegenüber habe, dann die, ihn als erwachsenen Menschen zu respektieren. Das heißt, ich darf und muss zuerst einmal darauf vertrauen, dass er seine Wünsche und Bedürfnisse äußern kann und äußern wird. Helfen heisst, erwünschte und willkommene Unterstützung zu leisten. Nicht, vermeintliche Bedürfnisse von den Augen abzulesen.

Ganz banales Beispiel: gemeinsames Essen. Natürlich kann ich den Anderen die ganze Zeit beobachten. Dann kann ich ihm das Salz schon anreichen, wenn er nur mit suchendem Blick aufschaut. Da braucht er gar nichts zu sagen. Aber ich kann mich auch getrost auf meinen eigenen Teller konzentrieren und das gemeinsame Mahl genießen, mich dabei auch unterhalten usw. denn ich weiss, der Andere wird selbst nach dem Salz fragen, wenn er es möchte.

Wenn man die ganze Zeit auf der Lauer liegt, um die Emotionen des Anderen vorauseilend zu erspüren, läuft das zwangsläufig auf die Entmündigung des Gegenübers hinaus. Damit spricht man eben dem Anderen die Fähigkeit und Verantwortung ab, für sich selbst zu sprechen. Manchmal ist es so, dass die Kommunikation nicht funktioniert. Dann denkt man schnell, hey, der Andere KANN sich nicht mitteilen, das muss ich ihm abnehmen. Aber auch das stimmt so nicht. Denn es kann sein, dass derjenige gute Gründe hat. Vielleicht will er nicht, vielleicht will er jetzt gerade nicht, vielleicht möchte er gerade lieber seichte Ablenkung statt tiefgründiger Problemgespräche. Kann auch sein, dass es demjenigen wirklich schwer fällt, sich zu äußern. Aber auch dann entmündigt man durch das Abnehmen, denn man beraubt den Anderen einer gefahrlosen Situation, in der er ausprobieren könnte, sich doch zu äußern. Letztendlich kann man sich einbilden, genau zu "wissen", wie es in dem Anderen aussieht. Man kann da sogar recht genau liegen, durch ständiges "Üben" erreicht man eine sehr hohe Trefferquote. Dennoch hat niemand das Recht, aus diesem vermeintlichen Wissen heraus dem Anderen eigene Entscheidungen abzunehmen.

Wenn man sich also bewusst macht, wie herzlich wenig man mit diesem "Erspüren fremder Gefühle" eigentlich anfangen kann, außer sich einen Haufen völlig vermeidbarer Sorgen zu machen, kommt man überraschend schnell dahin, sich dieses ständige Lauern abzugewöhnen.

So sieht jedenfalls meine eigene Erfahrung damit aus.

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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von Frosch » 12. Februar 2009 16:58

Hallo Nixe,

da wirst Du recht haben.Wie Du beschrieben hast die Situation Essen/Salz man merkt etwas, der andere ist einfach nur zu langsam, und das ganze essen, wird durch so was rausgezögert, wo man doch selber schnellst möglich fertig werden will, weil ist zwar schön aber, das dauert :icon_rolleyes:, und da greift man dann schon mal vor, weil man einfach nicht begreift wie das gegenüber so lahm sein kann :fr: Und das dann in fast sämtlichen Lebenslagen, einfach zu ungeduldig zu warten, eh schon Helfersyndrom ohne Ende, oder zu großen Verantwortungsgefühl, je nachdem wer das ist. Und einfach schnell zur nächsten Aktion, weil, auch wenns Spaß macht, das ist in dem Moment egal, es treibt Dich weiter, und Du wirst nervös.
Und so ist das dann ständig,, irgendwann eignet man sich solche Beklopptheiten an, weil man denkt, das das Einfühlungsvermögen ja zu irgendwas zu gebrauchen sein müßte.

LG Frosch
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von lille-tim » 12. Februar 2009 18:37

ich glaube das ganze nennt sich empathie :fr:
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von boralmar » 13. Februar 2009 11:06

mh also bei mir hängts nicht mit einem helfersyndrom zusammen. ich scanne meine umgebung ab, weil ich alles und jeden erstmal als feind sehe.

das sind keine bewussten gedankengänge sondern es fühlt sich viel mehr so an als ob ich "emotionsbruchstücke" von anderen irgendwie ungewollt abfangen würde. wie ein hund der etwas wittert.

ich weiss nicht wie das bei euch ist, aber einfach so "abstellen" kann ich das nicht. es ist wie gesagt nichts was bewusst abläuft.

ich hoffe da auf medis die ich bald bekommen werde.. aber ich werd den gedanken irgendwie nicht los, dass mich die medis dann einfach nur auf ein dumpfes niveau herabsetzen. dass es dann zwar erträglicher wäre, ich mich aber auf eine gewisse art und weise selbst verleugnen würde.

naja, ich werds ja dann sehn.
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von wulihubi » 13. Februar 2009 11:19

boralmar,

einfach so abstellen is da sicherlich nicht, das ist klar.
Aber Du kannst es üben! Du bist sicher nicht zu alt dazu.

Sobald Du es auch nur halbherzig verändern willst, wird Dir Dein Unterbewusstsein ein Schnäppchen schlagen. Veränderung tritt immer erst dann ein, wenn Du Dich dem mit ganzer Entschiedenheit stellst, sie unbedingt erreichen willst!

Es bedeutet da immer, durch den Schmerz hindurchzugehen, ohne ihn abzulehnen! Und im selben Moment wird er anfangen zu verschwinden...

LG!
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von nixe » 13. Februar 2009 16:50

Boralmar,

stimmt, das abscannen aus Angst gibt es auch. Wenn man ständig befürchtet, nicht auf eine Situation angemessen reagieren zu können, versucht man sich "vorzubereiten". Wenn ich mich also zB frage, was könnte Person X denn nur von mir wollen ? Wie wird diese Person morgen zB bei dem Termin reagieren, wie wird mein Antrag bewertet werden, habe ich alles richtig gemacht, fehlt noch was, was ist, wenn noch zusätzliche Fragen kommen, welche Fragen, wie sollte ich auf diese Fragen antworten ?! Dann geht das Vorabgedankenkarussell schon los und man spielt automatisch 1000000 denkbare Variationen durch, überlegt sich den potentiellen Gesprächsablauf usw. In der Situation selbst ist man dann von vorneherein damit beschäftigt, den anderen "abzuscannen", in der Hoffnung, dem Gegenüber so "einen Schritt voraus" sein zu können.

Mit MPH habe ich diese Wahrnehmung nicht so. Ich fühle mich einfach wesentlich sicherer, mich angemessen verhalten zu können und gelassener, einfach im Moment des Geschehens zu reagieren - schlicht, ich fühle mich nicht mehr so "unter Generalverdacht". Ich kann mir zB VIEL besser selbst vertrauen, dass ich nicht die Angst haben muss, mein Mund öffnet sich plötzlich und ich höre mir selbst hilflos dabei zu, wie ich in einem hektischen Wortschwall mal eben viel mehr von mir preisgebe, als angemessen wäre. Oder Dinge zum Besten gebe, die mit dem Thema kaum mehr etwas zu tun haben.....

Liebe Grüße,

nixe
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von Frosch » 14. Februar 2009 07:06

Hallo Nixe,

da stimme ich Dir zu. Dadurch das ich so viel vom andern spüre versuchst Du sich so gut wie Möglich vorzubereiten, und es klappe mit MPH besser, wie Du erwähntest, das man gelassener in die Situation geht. Muß aber wie Werner sagte nun auch dadurch und sich der Situation stellen, damit man die Ängste verliert, und je öfters man positive Erfahrungen gemacht hat um so mehr verschwinden sie.
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von justme82hh » 24. Februar 2009 01:38

oh manoman... kann es kaum glauben mich über so etwas endlich mal unterhalten zu können...

hatte selber schon situationen dieser art und hab irgendwann angefangen bewusst abzustumpfen um das nicht mehr ertragen zu müssen - leider  :fr: kann man das "tor" nicht nur für bestimmte dinge schließen sondern wenn dann bleibt alles draussen... habe oft das gefühl das wenn ich "bei mir" bin ich einfach viel zu viel wahrnehme, spüre... ich rufe erstaunlich oft menschen mit denen ich nichts zu tun habe an obwohl es eig keinen konkreten grund ausser einem bauchgefühl gibt und höre dann entsprechendes...

freue mich wahnsinnig darauf ab nächster woche wieder mit einen psychotherapeuten ( der auch meine adhs diagnose zum teil machen wird)  über solche dinge sprechen zu können ohne die angst zu haben für bescheuert erklärt zu werden....

ich z.b. habe eine suchttherapie hinter mir, auch danach wieder kontakt mit drogen gehabt aber immer das gefühl: es geht nicht um die drogen, dahinter steht etwas anderes...für mich u.a. der gebrauch von substanzen um einfach nicht mehr so viel zu spüren, mitzubekommen, wahrzunehmen... aber nicht mich selber sondern das was von aussen auf mich einprasselt...  :icon_rolleyes:

nun ja weiß nicht ob mein eintrag hier sinn macht, auf konkrete beispiele möchte ich gerade verzichten da sie mich zu sehr aufwühlen würden  :icon_rolleyes:
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von violett » 24. Februar 2009 05:32

@nixe

nach lesen deiner antworten hier.. musste ich ganz schön schlucken..
du beschreibst genau das, was ich mir bei "fremden" erfolgreich abgewöhnt habe, was aber in meinem unmittelbaren umfeld (sprich: kind, freund) noch immer nicht funktioniert.. denn gewohnheitsmäßig (?) schlüpfe ich nach wie vor regelrecht in meine lieben hinein.. ertappe mich oft dabei, eine art "stimmungsbestätigung" zu erfragen oder ihnen meine vorahnungen überzustülpen.
es läuft alles irgendwie automatisiert ab.. manchmal merke ich selbst, dass es zu viel des guten ist.. meist zu spät.
abgrenzung funktioniert bei mir leider nur außerhalb der familie. ein gewisser drang (alle fäden in der hand haben zu müssen - bloß keine verantwortung abgeben) hält mich noch immer davon ab, diese ausgetretenen pfade zu verlassen..

danke für deine treffenden zeilen zum thema (was bei mir besonders zündete: "entmündigung anderer") darüber werde ich mir ernsthaft meine gedanken machen müssen..

liebe grüße
violett
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von Frosch » 24. Februar 2009 06:53

[quote="violett"]
@nixe

nach lesen deiner antworten hier.. musste ich ganz schön schlucken..
du beschreibst genau das, was ich mir bei "fremden" erfolgreich abgewöhnt habe, was aber in meinem unmittelbaren umfeld (sprich: kind, freund) noch immer nicht funktioniert.. denn gewohnheitsmäßig (?) schlüpfe ich nach wie vor regelrecht in meine lieben hinein.. ertappe mich oft dabei, eine art "stimmungsbestätigung" zu erfragen oder ihnen meine vorahnungen überzustülpen.
es läuft alles irgendwie automatisiert ab.. manchmal merke ich selbst, dass es zu viel des guten ist.. meist zu spät.
abgrenzung funktioniert bei mir leider nur außerhalb der familie. ein gewisser drang (alle fäden in der hand haben zu müssen - bloß keine verantwortung abgeben) hält mich noch immer davon ab, diese ausgetretenen pfade zu verlassen..

danke für deine treffenden zeilen zum thema (was bei mir besonders zündete: "entmündigung anderer") darüber werde ich mir ernsthaft meine gedanken machen müssen..

liebe grüße
violett
[/quote]

@ Violett,

kann da nur zustimmen, die Abdgrenzung nach außen klappt ganz gut, schätze weil man ja nicht indirekt betroffen ist.
Aber innerhalb der Familie geht es nicht, da sind die Antennen immer auf empfang, zum 1. weil ma sich ja lieb hat, und nur das beste möchte, uund zum anderen weil man indirekt ja immer gleich mitbetroffen ist wenn jemand was entscheidet, wo man merkt das es nicht gut ist. In dem Fall ist das "entmündigen" der anderen reiner "Selbstschutz". Und hat nichts mit Böswilligkeit zu tun. Man ist ja unter anderem darauf bedacht, wenn man selber sehr sensibele Gefühle hat, Situationen zu umgehen die Schmerz auslösen können, oder?

LG Frosch
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von Tanja171 » 24. Februar 2009 09:52

Hallo,

ich habe jetzt zwar nicht alle Antworten gelesen, möchte aber trotzdem auf den Eingangsbeitrag antworten.

Jemand der mir nahe steht, kann seine Gefühle nicht vor mir verbergen!
Das klingt zwar komisch, ist aber so!
Und dann verfalle ich auch gleich schon wieder in mein Helfersyndrom!
Dadurch habe ich mir selbst schon oft das Leben schwer gemacht.
Wenn es aber jemandem schlecht geht, dann kann ich nicht anders als helfen!

Beispiel:
Eine sehr gute Freundin hat wohl ein Alkoholproblem.
Leider aber ist sie (noch) nicht so weit, dieses selbst auch zu sehen.
An Weiberfastnacht nun waren wir, noch mit anderen Frauen, zusammen unterwegs, wo die besagte Freundin wieder einmal Alkoholmäßig ordentlich zuschlug.
Im Laufe des Abends wurde sie dann von einem Typen angegraben.
Dieser war schon sehr aufdringlich.
Sie machte zwar mit, ich aber spürte, daß sie das Ganze eigenlich nicht will!
Meine anderen Freundinnen meinten noch, ich solle sie doch lassen, sie mache ja schließlich mit.
Aufgrund ihres Alkoholspiegels aber konnte sie sich augenscheinlich nicht wehren.
Ich schnappte sie dann einfach und zog sie von dem Typen weg.
Dieser witterte natürlich in meiner Freundin leichte Beute und kam gleich hinterher.
Darauf wurde ich dann sehr deutlich, indem ich ihm sagte, er solle sich verpissen!
Ich, mit meinen 1,60m gegenüber eines Mannes mit mindestens 1,80m  :icon_mrgreen:!
Irgendwann dann merkte er, daß er an dem "Kampfzwerg"  :zwink: in meiner Person nicht vorbei kam und gab endlich auf!

Meine Freundin hat sich am nächsten Tag total bei mir bedankt, da sie tatsächlich völlig wehrlos gewesen war.
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von Frosch » 24. Februar 2009 15:45

Ich habe das immer für mich selber gemerkt, das ich diese (wie soll man es nennen (Fähigkeit?) habe, konnte aber nie begreifen, das es bei anderen Menschen nicht so ist, und habe sehr darunter gelitten (frei nach dem Motto - Mensch, die sehen doch daß es mir nicht gut geht, warum akzeptieren sie es nicht einfach, oder warum hilft mir keiner?)
Bis ich hier durch meine Diagnose, in dem Forum gelandet bin, und es weningstens einen Teil der Menschheit :zwink: gibt, dem es ähnlich geht.
Denn jemand der es aus eigener Erfahrung nicht kennt, begreift es einfach nicht.
Auch nicht wie sehr man unter einer solchen Fähigkeit leiden kann, ist ja nicht immer nur Vorteilhaft.

@ Tanja,

finde ich toll, das Du trotz der Ansichten deiner anderen Freundinnen, der Freundin in Not so geholfen hast, wer weiß was alles hätte passieren können, wenn Du nicht so auf Deine Meinung bestanden hättest, sie kann froh sein Dich zu haben, da zeigt sich doch, daß, das ganze auch für etwas "gut" ist. 
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von violett » 24. Februar 2009 16:25

[quote="Frosch"]
@ Violett,

kann da nur zustimmen, die Abdgrenzung nach außen klappt ganz gut, schätze weil man ja nicht indirekt betroffen ist.
Aber innerhalb der Familie geht es nicht, da sind die Antennen immer auf empfang, zum 1. weil ma sich ja lieb hat, und nur das beste möchte, uund zum anderen weil man indirekt ja immer gleich mitbetroffen ist wenn jemand was entscheidet, wo man merkt das es nicht gut ist. In dem Fall ist das "entmündigen" der anderen reiner "Selbstschutz". Und hat nichts mit Böswilligkeit zu tun. Man ist ja unter anderem darauf bedacht, wenn man selber sehr sensibele Gefühle hat, Situationen zu umgehen die Schmerz auslösen können, oder? [/quote]

ich sehe das etwas anders. man kann nicht jedes verhalten (speziell dieses/meines) mit liebe erklären/entschuldigen.
böswilligkeit ist es selbstverständlich auch nicht, sondern schlichtweg meine unart gewisse dinge/situationen nicht zu respektieren.
beispiel:
ich sehe und fühle, dass es meinem freund nicht gut geht. nix dramatisches, er hat starke kopfschmerzen, sagt es mir (aaah! bestätigung für mein gefühl!) und gut. seine unausgesprochene botschaft an mich: "quatsch mich heute nicht zu.. ich möchte nur etwas ruhe". was bei mir ankommt: "ihm geht es nicht gut, ich muss mich kümmern" und schon beginnt mein fragenmaraton "hast du tabletten genommen?".. "wie schlimm isses denn?".."willst du dich nicht besser hinlegen?".. "soll ich besser nach hause gehen?".. "sag doch was.. brauchst du was?"
ich steck dann förmlich in ihm drin und glaube zu wissen wie ER sich fühlt.. genau das ist falsch. siehe nixe's salzstreuerbeispiel. normales/richtiges/angemessenes verhalten wäre, die verantwortung bei ihm zu lassen und nur zu reagieren wenn nach hilfe gefragt wird.
genau deshalb fand ich den begriff "entmündigung" so treffend.. denn nichts anderes läuft in so situationen zwischen mir und meinem freund oftmals ab.
Zuletzt geändert von violett am 24. Februar 2009 16:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von Frosch » 24. Februar 2009 16:58

In den Bereichen wie "Salzstreuer und Kopfschmerzen" ist das auch nicht das Problem, bei sich zu bleiben (zumindestens zu versuchen, es sei denn es dauert wieder ellenlange :breitgrinse1:). Ich meine eher die Situationen bei denen wichtige Entscheidungen anliegen, bei denen Du weißt (rein von der Logik) das sie so wie Dein Freund z.B. sie treffen würde, auf Dauer nicht o.k sind. Ist zwar dann auch so eine Entmündigung in dem Sinne, aber wenn Dir das schon zig mal passiert ist, das Du es wußtest, er aber die Entscheidung getroffen hat, trotz Deiner vorher ausgestoßenen Warnung diesbezüglich, und Du die Sache dann wieder mit "ausbaden" mußt - wie siehst Du es dann?
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von nixe » 24. Februar 2009 18:05

Ich sehe es so: das mit "ausbaden" müssen durch klare Abgrenzung und ebensolche Ansage verhindern.

Ansonsten hat der Freund ganz offensichtlich noch etwas zu lernen, sonst würde er nicht denselben Fehler immer wieder machen. Vielleicht hat er in den Situationen vorher immer erfahren, dass ihm schon jemand anderer zur Seite springt und dabei hilft, die Konsequenzen zu bewältigen. Möglicherweise hilft es ihm am besten, wenn er die Konsequenzen seiner (falschen) Entscheidung mal ganz alleine tragen muss. Dann entscheidet er das nächstemal vielleicht doch einmal etwas "weiser".

Warnungen, Belehrungen, hinterher die Suppe gemeinsam auslöffeln - das kann auch eine Art kindlichen Trotz provozieren, immer wieder das Gegenteil des Geratenen zu tun.....
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von wulihubi » 24. Februar 2009 18:45

Hallo Frosch!

Ich meine eher die Situationen bei denen wichtige Entscheidungen anliegen, bei denen Du weißt (rein von der Logik) das sie so wie Dein Freund z.B. sie treffen würde, auf Dauer nicht o.k sind. Ist zwar dann auch so eine Entmündigung in dem Sinne, aber wenn Dir das schon zig mal passiert ist, das Du es wußtest, er aber die Entscheidung getroffen hat, trotz Deiner vorher ausgestoßenen Warnung diesbezüglich, und Du die Sache dann wieder mit "ausbaden" mußt - wie siehst Du es dann?


Mit ausbaden in wie fern?
Wenn Dein Freund gegen Deine Zustimmung eine Entscheidung trifft, so ist für Dich grundsätzlich gesehen nichts auszubaden. Allenfalls, wenn Du aus 'Gutmütigkeit' nachgegeben haben solltest, bist Du natürlich mit dabei!
Und selbige Gutmütigkeit wird Dir auch zum Verhängnis, wenn Du etwas mit auslöffelst, was nicht von Dir kommt.

In Beziehungen ist es natürlich sehr viel schwieriger, bei sich zu bleiben und Konsequenzen bei dem zu belassen, der sie auch zu verantworten hat, und dabei auch noch in der Liebe zu sein!

Aber es ist wirklich befreiend, das hinzubekommen...

LG!
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von violett » 24. Februar 2009 18:56

genau so sehe ich es auch. ich kann lediglich wege aufzeigen, aber nicht erwarten dass der betreffende diese geht.
von mir kommt dann auch kein "ah siehste.. hätteste mal" wenn's dann doch daneben geht. jeder mensch hat einen anderen wissens/erfahrungsstand.

mein freund hat übrigens (was das genannte beispiel betrifft) nichts zu lernen. ich bin diejenige die sich in so situationen nicht abgrenzen kann und nervt. er möchte/erwartet nichts und sagt dies auch ganz klar.
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Re: Könnt Ihr auch die Gefühle eures Gegenübers spüren?

Beitrag von Frosch » 26. Februar 2009 13:15

@ Wullihubi,

wenn es sich aber um Entscheidungen handelt, die letzlich die ganze Familie mit einbeziehen, ist das schon etwas schwieriger, habe in der Vergangenheit immer letzlich dem lieben Frieden wegen nachgegeben, vielleicht auch um das "schlimmste" abtzwenden, ist mir leider nicht gelungen, habe selber am meisten darunter gelitten, und bin daran  so zu sagen zerbrochen, leider bleib mir damals aufgrund einiger traumatischen Erinnerungen Gefühlsmäßig keine andere Wahl, hoffe das ich zukünftig, bei meinen Entscheidungen bleibe, den Märtyrerstatus bekommt man dadurch nämlich nicht.
Jetzt weiß ich , warum und weshalb,  es soweit gekommen ist, und hoffe es in Zukunft hin zu bekommen. Ist so ne Sache wenn man ein Leben lange keine Ahnung hat, da stauern sich die Dinge immer mehr an, bis es nicht mehr geht.
Ich hoffe ich bekomme meine Gutmütigkeit so gelenkt, das sie unter Eigenbedarf fällt :icon_rolleyes:

@ Violett,

da hast Du vollkommen recht, nur bisher wußte ich das ja nie, habe hoffentlich daraus gelernt :breitgrinse1:
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