Nährstofftherapie

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Eva
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Nährstofftherapie

Beitragvon Eva » 25. September 2006 22:50

Relativ neu ist ein Behandlungsansatz mittels Nährstofftherapie. Dabei werden neben den Medikamenten Omega-3-Fettsäure, Magnesium, Zink und Vitamin E als Lebensmittel- oder Nahrungsergänzungspräparate gegeben.

Ebenfalls wird empfohlen, den Konsum von Lebensmitteln mit hoher glykämischer Last zu vermeiden und möglichst proteinhaltige und kohlenhydratreiche Nahrung zu verzehren. Ob es sich dabei um einen wissenschaftlichen Ansatz oder um eine diätetische Mode handelt, sei dahingestellt. Ältere, mittlerweile verworfene Ansätze führten ADS auf einen Phosphatüberschuss in der Nahrung zurück, was jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.


Behandlung Erwachsener mit Nikotinpflastern

In neuerer Zeit wurde eine Studie darüber erstellt, ADS-betroffene Erwachsene mit Nikotinpflastern zu behandeln. Hierbei trat eine deutliche Besserung der Symptomatik auf. Dies könnte erklären, warum viele ADS-Betroffene so früh mit dem Rauchen beginnen.


Alternative Behandlungen


Neurofeedback-Training

Neurofeedback ist eine Spezialform eines Biofeedback-Trainings, bei der eine trainierende Person computerunterstützt optische oder akustische Rückmeldung über Veränderungen der EEG-Signale ihres Gehirns erhält. Die Theorie des Neurofeedback-Trainings zur Aufmerksamkeitsdefizitstörung geht davon aus, dass eine von ADS/ADHS betroffene Persone eine vom Optimum abweichende Frequenzverteilung ihrer EEG-Wellen (z. B. zu viel high-Beta = Überaktivierung bzw. zu viel low-Theta = zu wenig Aufmerksamkeit) hat, die mittels operanter Konditionierung in eine gewünschte Richtung trainiert werden kann und somit eine Befindlichkeitsverbesserung bewirkt.

Insbesondere seit der Verfügbarkeit von zur realtime-Frequenzanalyse genügend leistungsfähigen Personalcomputern - beginnend ab den 1990er Jahren - hat das Neurofeedbacktraining eine weitere Verbreitung ausgehend von Forschen und Geräteentwicklern in den USA gefunden. Weitergehende Forschungen, Studien zur Klärung noch ungelöster Fragen und Erfahrungsaustauch auf Fachtagungen auf den Gebieten des Neurofeedbacks werden angestrebt.

Bislang liegen vereinzelt Wirksamkeitsstudien [1] und -vergleiche zu herkömmlichen Behandlungsmethoden bei der Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizitstörungen vor.


Oligo-Antigene Diät

Die Oligo-Antigene Diät ist ursprünglich ein Verfahren zur Behandlung von Neurodermitis und wirkt in 10-20% der Fälle auch bei ADS-Betroffenen. Hierbei wird dem Patienten vier Wochen lang eine Diät aus allergisch unbedenklichen Nahrungsmitteln verabreicht.

Kommt es zu einer Besserung der Symptome, so werden nach und nach im Viertagesrhythmus weitere Nahrungsmittel zugesetzt und geprüft, ob sich die Symptomatik wieder verschlechtert, danach wird dieses Nahrungsmittel vollkommen ausgesetzt. Nach einiger Zeit soll sich so zeigen, welche Nahrungsmittel beim Patienten unbedenklich sind.


Homöopathische Behandlung

Eine homöopathische Behandlung von Kindern mit ADHS zeigt sich in aktuellen Studien als der Gabe von Placebos nicht[2] oder nur sehr gering[3] überlegen. Sie ist daher ungeeignet, eine konventionelle Therapie zu ersetzen und lediglich als eine mögliche Ergänzung zu betrachten.


Wirkungslose und umstrittene Ansätze

Andere Ansätze können aufgrund der Ergebnisse von Untersuchungen und Doppelblind-Studien als wirkungslos gegenüber ADS angesehen werden. Auch sind sie häufig gesundheitlich bedenklich.

Die Behandlung mit so genannten AFA-Algen ist gefährlich, da Blaualgen im allgemeinen Toxine beinhalten, die sowohl die Leber als auch das Nervensystem nachhaltig schädigen können. Das kanadische Gesundheitsministerium hat sich nach entsprechenden Untersuchungen veranlasst gesehen, eine entsprechende Meldung herauszugeben und vor der Einnahme zu warnen.

Seit den 90ern gibt es den NLP-Ansatz (D. Blackerby). Die Grundannahme für die Anwendung von NLP-Wissen besteht darin, dass die Symptome durch die "innere Wahrnehmung" des Einzelnen verursacht werden. Mit NLP-Wissen soll die Struktur der inneren Wahrnehmung erforscht und auch gezielt beeinflusst werden. NLP heilt nicht, sondern soll nur helfen, mit der Besonderheit besser klar zu kommen, sie zu verstehen und Fehlreaktionen zu vermeiden.


Non-Responder

Ein Non-Responder ist ein Mensch, der auf ein bestimmtes Medikament keine oder nicht die erwartete Wirkung zeigt. Dies gibt es auch bei ADS in bis zu 30% der Fälle.

Krause et al. fasst den Stand der Forschung zusammen, dass zur Entstehung der striatofrontalen Dysfunktion, und damit ADS, eine Schwelle von verschiedenen defekten Genen überschritten werden muss. Einige dieser Gene sind ebenfalls für andere Erbkrankheiten wie das Fragile X-Syndrom, das Restless-Legs-Syndrom oder das Tourette-Syndrom verantwortlich, sodass hier häufig ein Zusammenhang besteht. Klinische Studien ergaben auch teils verschiedene Gendefekte bei den einzelnen Typen der Aufmerksamkeitsdefizitstörung. Krause et al. schließen daraus, dass sich verschiedene Symptome verschiedenen Defekten zuordnen lassen.

Dies erklärt auch die Raten an Non-Respondern bei Methylphenidat (greift in den Dopamin-Haushalt ein) und Atomoxetin (greift in Noradrenalin ein). Wenn bei einem spezifischen ADS-Patienten der Dopamin-Haushalt nicht gestört ist, weil die Schwelle durch andere Gene überschritten wurde, zeigt er keine ADS-typische Wirkung auf Methylphenidat; entsprechendes gilt für Atomoxetin. In allen Fällen wurde aber eine signifikante Störung des Serotonin-Haushalts festgestellt, was zu einer Neigung zu Ängsten und Depressionen führt.

Krause et al. schließen mit einem Ausblick, dass eine sichere Medikation und Behandlung erst dann möglich sein wird, wenn man alle an der Störung beteiligten Gene identifizieren und deuten kann.  ( Wikipedia )
Konfus

Re: Nährstofftherapie

Beitragvon Konfus » 12. Oktober 2013 18:02

Gestern wurde meinem Sohn Blut abgenommen, um einen Neuro-Check in einem Speziallabor zu machen. Im Fokus stehen alle Aminosäuren und Mikronährstoffe, die mit dem Nerven/Gehirnstoffwechsel in Zusammenhang stehen, teilweise grundlegens für den Dopaminstoffweechsel sind. Wenn daran ein Mangel vorliegt, KANN der Dopamin-Stoffwechsel gar nicht funktionieren. Ich finde das klingt sehr schlüssig.
Es gibt (so scheint es) beachtliche Erfolge dieses Labors.
In ca. 14 Tagen haben wir das Ergebnis und die Empfehlung, ca. drei Wochen später werden wir wohl erste Aussagen über Erfolge treffen können.
Ich hab mich noch gar nicht vorgestellt, das werde ich aber zu anderer Zeit an anderer Stelle tun.
Also, falls Interesse besteht, vermelde ich gerne, wie sich diese Art der Therapie auf unseren Sohn auswirkt.
Das Verfahren ist nicht billig, kostet  etwas mehr als 500€, die die gesetzlichen Kassen nicht übernehmen.
Elchi
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Re: Nährstofftherapie

Beitragvon Elchi » 12. Oktober 2013 20:15

Zum Thema Phosphatunverträglichkeit:

Meine Mutter hat vor ca 30 Jahren diese Diät bei meinem Bruder durchgeführt (noch bevor sie etwas von Ritalin gehört hat). Grundsätzlich hat das funktioniert, jedenfalls war er sehr viel weniger aggressiv und ruhiger (wie das mit der Konzentration war, kann ich nicht beurteilen, ich war damals auch noch Kind).

Das dicke ABER ist, dass es fast nicht durchführbar war. Es waren unglaublich viele Lebensmittel nicht erlaubt. Das mag bei einem Kleinkind funktionieren, aber bei einem pubertierenden Teenager ist es schwer, alles zu verbieten. Dazu kommt, dass auf Dauer auch Mangelerscheinungen auftreten können, wenn mann nicht sehr genau aufpasst.

Und jeder Diätfehler hatte Auswirkungen über bis zu 2 Wochen.

Trotzdem habe ich das bei meinem Sohn mal probiert, als er etwa 2 Jahre alt war. Auch ich habe damals festgestellt, dass er sich sehr viel besser alleine beschäftigen konnnte und auch viel besser geschlafen hat. Länger durchgeführt haben wir es aber nicht, aus oben genannten Gründen (auch weil die liebe Schwiegermutter es boykottiert hat, denn "man kann so ein kleines Kind ja nicht hungern lassen". Für sie war Diät=Hungern).

LG
Elchi
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Re: Nährstofftherapie

Beitragvon No User » 12. Oktober 2013 22:29

@Konfus: Ein gar nicht funktionierender Dopamin-Stoffwechsel wäre nicht mit dem Leben vereinbar.

Nicht alles, was dem Laien sehr schlüssig klingt, bewährt sich auch in der Realität. Werbung muss natürlich schlüssig klingen.

Schlüssig wäre, dass ein nachweislich erfolgreiches Verfahren sich am Markt durchsetzen würde, oder welche Verschwörungstheorie erklärt, das dies noch immer ein Geheimtipp ist?

Das Labor berichtet also von beachtlichen Erfolgen. Kommt mir auch aus der Werbung bekannt vor.

Ich bin mir sicher, der aufwändig bezahlte Bluttest wird einen Mangel finden, sonst könnte man ja im weiteren Verlauf gar nichts mehr verkaufen.

Gut, ihr probiert mal wieder was neues. Wie hat sich denn der letzte Versuch mit der Kinesiologie bewährt?
ADHDgoesto11
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Re: Nährstofftherapie

Beitragvon ADHDgoesto11 » 14. Oktober 2013 09:14

[quote="Konfus"]
Gestern wurde meinem Sohn Blut abgenommen, um einen Neuro-Check in einem Speziallabor zu machen. Im Fokus stehen alle Aminosäuren und Mikronährstoffe, die mit dem Nerven/Gehirnstoffwechsel in Zusammenhang stehen, teilweise grundlegens für den Dopaminstoffweechsel sind. Wenn daran ein Mangel vorliegt, KANN der Dopamin-Stoffwechsel gar nicht funktionieren. Ich finde das klingt sehr schlüssig.
[/quote]

Es klingt schlüssig. Das ist das Problem.

Wenn man sich aber selbst informiert, dann erkennt man die Probleme mit dem Ansatz. Das Labor untersucht nur irgendwelche Werte im Blut und vergleicht diese mit "Durchschnitts-" oder Standardwerten.

Das bedeutet, dass man, wenn man eine Standardperson (mit Standardstoffwechsel) vor sich hat, eventuell Mangel oder Überschuss bestimmter Stoffe im Blut finden kann.

Hinter den beiden kursiven Stellen verbergen sich Schwachstellen solcher Tests.

Was passiert, wenn der Untersuchte keinen Standardstoffwechsel hat und er für eine optimale Funktionsfähigkeit seines Körpers mehr oder auch weniger einer bestimmten Substanz im Blut haben muss? Solche Krankheiten gibt es, und ja, auch für bestimmte Stoffe in beide Richtungen. Als dramatisches Beispiel mal diese beiden Krankheiten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ahornsirupkrankheit
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/5 ... -ausloesen

Bei beiden geht es um die selbe Stoffgruppe - verzweigtkettige Aminosäuren (BCAA). Eine Patientengruppe muss peinlichst genau drauf achten, davon nur sehr wenig aufzunehmen, die andere Patientengruppe dagegen kann von einer zusätzlichen Aufnahme profitieren. Bei "Gesunden" dagegen wird ein weiter Bereich der Aufnahmemenge ohne größere Probleme toleriert.

Außerdem findet eine Blutuntersuchung nur Probleme "im Blut". Wenn das Problem im Zellstoffwechsel liegt (die Zelle kann bestimmte Stoffe nicht im notwendigen Umfang selbst auf- oder abbauen, z.B.) findet man das Problem im Blut möglicherweise gar nicht, oder nur über Umwege.

Noch dazu gibt es eine beinahe unüberblickbare Menge von Substanzen, deren Spiegel man auf Mangel und Überschuss prüfen könnte. Von einem ganzen Zoo von Vitaminen über diverse Mineralstoff/Spurenelemente, Aminosäuren, Fettsäuren, Stoffwechselzwischenprodukte, -endprodukte und -abbauprodukte, u.s.w. ...

Tochter *2007 ... ADHS
Sohn *2005 ADHS+Autismus

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