Neurofeedback

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Sommerfrau
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Neurofeedback

Beitragvon Sommerfrau » 28. November 2014 16:10

Hallo,

hat schon jemand Erfahrungen mit Neurofeedback?

Viele Grüße
Chrissy803
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Re: Neurofeedback

Beitragvon Chrissy803 » 28. November 2014 16:17

Dank Neurofeedback braucht mein Kleiner keine Medis. Kann ich wärmstens empfehlen.
Grüße Chrissy
Sommerfrau
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Re: Neurofeedback

Beitragvon Sommerfrau » 28. November 2014 17:32

Wie lange hat die Therapie insgesamt gedauert? 

Habt ihr nach der Therapie oder schon während dessen mit den Medis aufgehört?

Was und wieviel Medis hat dein Sohn genommen?

Sorry für die vielen Fragen aber mich interessiert das Thema sehr. Ich habe 2 Adhs Söhne und es ist manchmal nicht auszuhalten.
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Sheherazade
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Re: Neurofeedback

Beitragvon Sheherazade » 28. November 2014 17:36

Benutze doch mal die Forensuche nach Neurofeedback, da gibt es schon einige Threads zu.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
Chrissy803
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Re: Neurofeedback

Beitragvon Chrissy803 » 29. November 2014 08:55

Ich habe bisher keine Medikamente gegeben. Wir machen zusätzlich TCM und ADHS- Coaching.
Wir machen seit ca. 2 Jahren Neurofeedback. Wir haben eine Praxis gefunden, die das auf Ergo- Rezept anbietet.

Unsere Therapeutin bespricht sich regelmäßig mit uns, welche Punkte sie anlegen soll.
Wir hatten erst oppositionelles Verhalten und haben jetzt auf seine Angstzustände geklebt.
Jetzt schläft er wieder in seinem Bett und ohne Licht, das war 3 Jahre lang undenkbar.
Wir sind jedes Mal überrascht, wie gut es hilft.

Unsere Therapeutin hat gesagt, dass viele Kinder nach 20 bis 30 Stunden weniger Medikamente brauchen. Eine Neurofeedbackstunde dauert ca. 30 Minuten. (Jedenfalls bei unserem Sohn)
Grüße Chrissy
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Re: Neurofeedback

Beitragvon Sommerfrau » 29. November 2014 15:09

Hallo Chrissy,

vielen Dank für deine Antwort.
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Re: Neurofeedback

Beitragvon No User » 29. November 2014 17:57

Bei meinen Kindern kam das NF im Rahmen von Reha-Aufenthalten zum Einsatz. Damals lief noch diese Studie mit NF für ADHS-Kinder und die Klinik nahm irgendwie daran teil bzw. meine Kinder wurden dort in die Studie aufgenommen. Die NF-Sitzungen gab es aber eben nur dort, während der 6 bzw. 8 Wochen Aufenthalt zur Reha. Junior war zweimal zur Reha, seine Schwester einmal.

Ich müsste lügen, würde ich behaupten, ich wüsste noch genau, wie viele Stunden sie beim NF zugebracht haben. Ich würde mal sagen, nach absolvierter Diagnostik den größeren Teil des Aufenthaltes mehrmals wöchentlich, genauer erinnere ich das nicht mehr. Und es gab vorher die üblichen Tests der ADHS-Diagnostik inklusive Intelligenz- und Konzentrationstests und am Ende der Aufenthalte auch. Dort festgestellte Fortschritte wurden auch im Entlassbericht festgehalten.

Natürlich fand während der Reha ein ganzes Bündel an Therapiemaßnahmen statt: Darunter Ergotherapie, Verhaltenstherapie, Psychomotorik,... und am Ende der ersten Reha auch der Einstieg in die Medikation. Insgesamt haben besonders Juniors beide Reha-Aufenthalte in jeweils einen deutlichen Schritt weiter gebracht. Natürlich ist es da schwer, wenn nicht gar unsinnig, zu trennen zu versuchen, welcher Therapiebaustein davon was bewirkt hat, etwa in Bezug auf das Neurofeedback.

Woran soll ich festmachen, wie lange das angehalten hat? Insgesamt hat sich die Situation ja dramatisch verbessert: Vor der (1.) Reha galt er als "unbeschulbar" und ich musste ihn selbst zuhause unterrichten, nach der Reha fing er mit zwei Schulstunden täglich wieder mit dem Schulbesuch an, was Schritt für Schritt mehr wurde und besser funktionierte, sodass im Laufe der Jahre aus dem Außenseiter, der schon ein Jahr vor der Schule keinen Kindergarten mehr besuchen durfte, ein relativ normaler Gymnasiast und Pubertist wurde. Natürlich war dazu noch einiges mehr nötig an Therapie und Unterstützung, übrigens auch mehr als nur Medikamente.

Die Wirkungsweise von seriös gemachtem Neurofeedback ist durchaus plausibel. Dass das aber auch in der Praxis funktioniert, konnten wir an anderer Stelle deutlicher sehen: Unsere Große war als Betreuerin mit auf so einem ADHS-Feriencamp und dort wurde auch NF gemacht. Auf diese Weise konnte sie die Wirkung an sehr vielen Kindern mit ADHS sehen und war beeindruckt. Absolutes Minimum war in Einzelfällen, dass das Kind nach der Sitzung genau so drauf war wie davor, was auch schon erstaunt, wenn die gleichen Kinder nach einer Stunde normalem Computerspiel sonst völlig ungenießbar sind. Die meisten waren aber nach dem NF deutlich ausgeglichener. Das galt auch bei besonders heftigen Fällen und hielt dann auch noch für den nächsten Tag an, sodass die betroffenen Kinder in Aktivitäten zu integrieren waren, die vorher unmöglich zu bewältigen waren.

Soviel ich auch an dem Beitrag von SternTV auszusetzen habe, finde ich gerade dort nicht, dass ADS'ler ohne H außen vor gelassen wurden wären, Pierre war doch ganz eindeutig und ausdrücklich genau so ein Kandidat ohne H. Einer mit H, einer ohne, noch paritätischer geht es wohl kaum.

Ich halte NF durchaus für wichtig. Mich regt nur auf, was daraus gemacht wird. Würde man anständig damit umgehen, hätte es schon längst eine Kassenzulassung ohne verlogenen Umweg über VT- oder Ergo-Rezepte. Ich weiß auch nicht, was ich damit anfangen soll, wenn jemand hier im Forum sowas schreibt:[quote="Chrissy803"]Dank Neurofeedback braucht mein Kleiner keine Medis. Kann ich wärmstens empfehlen.[/quote]Was soll denn das "Brauchen" oder "Nicht Brauchen" von Medikamenten für eine Größe sein bei der Einschätzung der Wirksamkeit einer Therapie? Wenn ich das so interpretieren darf, dass es dem Kind damit besser geht, dass es weniger Schwierigkeiten im Sozialleben und beim Lernen hat, dann ist das eine Erfolgsmeldung, aber Nichtmedikation bekommt man in jedem Zustand hin, das setzt noch nicht einmal Leben voraus. Wobei "keine Medikamente" auch schon wieder relativ zu sein scheint: Schließlich sind eigentlich auch die Mittelchen der TC-Medizin Medikamente, wenn auch andere. Aber sorry, das war ein anderer Fred.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 29. November 2014 18:05, insgesamt 1-mal geändert.
Chrissy803
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Re: Neurofeedback

Beitragvon Chrissy803 » 30. November 2014 09:47

Durch Neurofeedback brauchen einige Kinder, die in dieser Ergo- Praxis behandelt werden weniger Medikamente.
Die Erfolge, die in den letzten 2 Jahren bei meinem Sohn erreicht wurden sind enorm.
Nach jeder Therapiestunde können wir eine deutliche Verbesserung sehen.
Sowohl in der Konzentration, sowie auch in seiner Impulskontrolle.
Wir sind von dieser Therapie sehr überzeugt.
Regelmäßig wird besprochen, welche aktuellen Schwierigkeiten vorhanden sind und dementsprechend werden die Punkte gesetzt.
Wir haben bei unserem Kind eine andauernde Verbesserung.
Grüße Chrissy
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Re: Neurofeedback

Beitragvon No User » 30. November 2014 11:37

Ja, das klingt doch verdammt gut und entspricht auch dem, was ich an Hoffnungen in NF setze. Dass erfolgreiche Therapie den Bedarf an anderen Therapieoptionen reduziert, ist logisch. Das dürfte wohl immer so sein. Das eigentliche Therapieziel und der spannende Effekt ist aber zunächst einmal die verbesserte Impulskontrolle und Konzentration.

Weil da draußen aber noch ein paar mehr Kinder mit dringendem Therapiebedarf rumlaufen, hätte ich doch lieber eine flächendeckende Versorgung und ein Angebot auch für Kinder, deren Eltern sich das nicht als Selbstzahler leisten können. Doch für eine Kassenzulassung braucht es saubere Zulassungsstudien, keine Verkaufsshows.

Als ich vor einigen Jahren noch aktiv medizinische Informatik mit Schwerpunkt med. Biosignalverarbeitung studierte, habe ich mich ernsthaft damit auseinandergesetzt, etwas auf dem NF-Sektor zu entwickeln, was auch in Heimanwendung seriös funktionieren könnte. Biomedizinisch ist unschwer nachzuvollziehen, was beim NF passiert, die Technik dazu ist auch kein Hexenwerk. Aber die rechtlichen, unter anderem patentrechtlichen und damit auch finanziellen Hürden waren mir viel zu hoch. Also musste ich mich damit begnügen, zuzuschauen, wie jene das NF weiterentwickeln, die die nötigen Mittel dazu haben.

Manches davon, etwa die zunehmend individualisierte Gestaltung der NF-Sitzungen in Bezug auf den Stand der persönlichen Probleme, begeistert mich, anderes nervt mich tierisch an. Allein schon in dem Beitrag, der ja eigentlich durchaus seriöses NF präsentierte, keines der vielen Trittbrettfahrerprodukte, sieht man, wie bei der Signalerfassung die Präzision wegrationalisiert wurde:

Statt sich dem bescheidenen Aufwand zu stellen, das EEG im klassischen 10-20-System abzuleiten, hat man die Ableitung der bioelektrischen Summenpotentiale auf eine einzige Elektrode reduziert. Der Rest klebt einfachheitshalber im haarfreien Gesicht und dient lediglich dazu, Augenbewegungen herauszufiltern. Dummerweise haben aber die verschieden Wellenformen gerade bei AS(H)S eine typische Verteilung über die verschiedenen Hirnregionen, auf die man mit dieser stark vereinfachten Messung verzichtet, egal was man dann anschließend an dem Signal noch herumrechnet.

Mit etwas aufwändigerer Messung wäre wohl auch mehr möglich, als nur einen Storch nach oben und unten zu bewegen. Sicherlich muss so ein Training anstrengend sein (das gilt wohl für die meisten Trainings, die etwas erreichen sollen), aber es müsste nicht zwingend todsterbenslangweilig sein. So gut NF schon ist, könnte man es dennoch mit etwas gutem Willen auch weiter verbessern. Dazu müsste man auch etwas kritisch auf seinen Verbesserungsbedarf schauen, statt immer nur eine andere Therapieform zu kritisieren, die mit ihm erstmal wenig zu tun hat, und dann "Hurra, wir haben DIE Alternative zur Medikation gefunden!" zu brüllen.

Wir selbst würden an sich auch gern (wieder) NF machen, aber abgesehen vom überschaubaren Angebot und den Kosten sind für uns die ach so geringen Nebenwirkungen ein gar nicht so geringes Problem. Denn wir schlagen uns (alle drei Betroffenen) schon mehr als genug mit Kopfschmerzen herum. Nach jeder Neurofeedbacksitzung haben wir dann zuverlässig auch solche. Ja, diese gehen wie die Erschöpfung nach der Sitzung auch wieder weg, aber bevor jetzt jemand sagt, wir sollen uns nicht so anstellen: Das Problem macht die Motivation, viel Geld oder Kampf für solche Therapie zu investieren, ordentlich zunichte.

Ich grüble etwas, warum das so ist. Ganz so ein Weichei, das vor jedem Schmerz zurückschreckt, bin ich nämlich auch nicht. Nach einer Bergtour tun mir etwa auch alle Knochen weh, aber ich bin glücklich. Dann wird mich das auch nicht davon abhalten, bei nächster Gelegenheit die nächste Tour zu starten. Vielleicht fehlt mir am NF das Glücksmoment: Ja, ich funktioniere dann besser (wie auch mit Medikament), aber dieses Bild einer gemalten Sonne (oder ähnliches) schafft doch etwas wenig an "Belohnung" für die Dopaminrezeptoren. 

LG
Steffchen

PS: Übrigens sorry für das Durcheinander, weil ich oben in einem Zug Fragen aus einen anderen Thread zu beantworten versuchte und zugleich auf diesen hier einging. Naja, jedenfalls ist das NF an sich kein solcher Aufreger im negativen Sinne wie der SternTV-Beitrag darüber, um den es dort ging: http://www.adhs-anderswelt.de/http://lo ... ic.php?t=2
Zuletzt geändert von No User am 30. November 2014 12:06, insgesamt 1-mal geändert.

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