Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

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wallflower
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Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon wallflower » 7. November 2014 12:56

Hallo,
Ich werde bald 17 und habe die Diagnose ADHS. Ich werde mit Medikamenten behandelt. Jetzt soll ich eine Gruppentherapie machen. Was wird da so gemacht? Ich habe über haupt keine Vorstellungen von einer Therapie, ich denke so viel kann man doch gar nicht mehr ändern, oder?
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Re: Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon No User » 8. November 2014 11:54

Deine Frage ist schwer zu beantworten, weil es sehr viele verschiedene Möglichkeiten gibt, eine Gruppentherapie zu gestalten. Das hängt von den Therapeuten ab, aber auch von den Problemen der Patienten in der Gruppe.

Warum denkst du, man könne nicht mehr viel ändern? Das kriegen sogar richtig Alte noch hin, und so jung mit knapp 17 ist man in jeder Beziehung noch viel beweglicher, offener, flexibler, lernfähiger,...

Lass dich doch einfach mal überraschen, wie das anläuft! Oder überlege selbst schon mal vorab, was du in Bezug auf deine ADHS gerne ändern würdest! Wahrscheinlich hast du bei den Therapiezielen ein Wörtchen mitzureden.

Psychotherapie, insbesondere Verhaltenstherapie, gilt als durchaus wirksam bei ADHS. Ganz besonders neben einer Medikation. Soweit es um Sozialverhalten geht, ist dabei eine Gruppe näher am praktischen Leben als eine Einzeltherapie. Außerdem lernt man so Mitmenschen in ähnlicher Lage kennen.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 8. November 2014 11:55, insgesamt 1-mal geändert.
wallflower
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Re: Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon wallflower » 11. November 2014 15:17

Hallo,

ich melde mich mal zurück. Ich habe wegen der Schule/Hobbys/Freunden nicht die Zeit noch lange am Rechner zu schreiben und vom Handy schreibe ich ungerne längere Beiträge.

Mein Problem ist, dass ich ehrlich gesagt nicht weiß, was ich konkret ändern möchte. Also ich bin sozial eigentlich sehr umgänglich (manchmal etwas schüchtern, aber das legt sich, wenn ich die Menschen gut kenne). Ich werde auch nicht mehr ausfallend oder so. Als kleines Kind war ich ziemlich impulsiv und hyperaktiver, als jetzt. Was die reine Konzentration betrifft: die Medikamente helfen sehr gut. Ich glaube ich nehme jetzt schon ca 9 Monate Medikinet. Ich merke zwar  keinen so direkten Unterschied, aber ich habe neulich aus versehen eine Matheklausur ohne Medikamente geschrieben und habe "nur" eine zwei plus bekommen. Also das ärgerlich waren einfach sämtliche Schusselfehler. also mal ein Komma vergessen oder ein Vorzeichen, ein x oder sonst was. Da merkte ich ganz deutlich einen Unterschied.

Ich habe wie gesagt keine Ahnung, was genau ich ändern will. Vielleicht sollte ich an meiner Motivation arbeiten. Ich bin in vielerlei hinsicht total faul.. Also für die Schule mache ich kaum etwas und bekomme dennoch (sehr) gute Noten. Im Haushalt bin ich aber sehr faul, aber ich weiß nicht, ob es meine Einstellung oder eher das AD(H)S ist. Eine Sache, die mir ein kleines bisschen am Herzen liegt ist das Thema Lernen, ich habe für die Schule noch nie gelernt und bald steht das Abitur vor der Tür und ich weiß  nicht, wie ich das meisten soll ohne zu lernen.

Gibt es hier niemanden, der mir schildern kann, wie so eine Therapie abläuft? Ich habe wirklich tierische Angst davor und das erste Treffen mit dem Therapeuten ist auch noch an einem Klausurtag. Ich habe grade riesige Angst davor, dass ich mir auch dann noch Sorgen mache, wenn ich eigentlich eine Klausur schreiben sollte...

Hier machen doch bestimmt Kinder eine Therapie, vielleicht auch Jugendliche Kinder oder Erwachsene, könnt ihr nicht mal ein bisschen davon berichten?

LG Wallflower
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Re: Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon No User » 11. November 2014 17:02

Ich hoffe natürlich auch, dass sich für dich noch mehr Leute melden, vielleicht auch so etwa in deinem Alter, die Erfahrungen aus einer Gruppentherapie beisteuern können. Aber wer auch immer das kann, kann nur seine Erfahrungen aus seiner Gruppentherapie beschreiben, keiner kann deine Gruppentherapie vorhersagen.

Ich kann dir auch nicht vorschreiben, was du konkret ändern wollen sollst. Dass es bei dir keinen Änderungsbedarf gibt, glaube ich dir aber einfach nicht. Da glaube ich eher, du machst dir etwas vor. Nicht nur, dass du selbst bemerkst, das Lernen noch nicht gelernt zu haben. Gerade deine "wirklich tierische Angst" vor dem bisschen Verhaltenstherapie ist alles andere als normal. Irgendwas kann da mit dir nicht stimmen.

Ich meine, du wirst ja dort nicht am offenen Herzen operiert, dir werden auch keine Weisheitszähne herausoperiert und es findet auch keine Darmspiegelung statt. Da sitzt du nur mit ein paar Leuten zusammen und ihr redet. Normalerweise solltest du solche Situationen schon im Alltag meistern können. Woher also diese Angst?

Indem du deinen psychotherapeutischen Behandlungsbedarf anzweifelst, stellst du auch den Sinn deiner Medikation infrage. Also statt einer Zwei plus eine Eins zu bekommen, ist keine medizinische Indikation.

Die Regelungen der Leitlinien zur ADHS-Therapie mittels multimodalen Behandlungskonzepten, die neben einer Medikation weitere Therapiebestandteile vorsehen, tun das nicht aus purer Schikane. Es hat sich tatsächlich bewährt, die medikamentös verbesserten Möglichkeiten auch zu nutzen, um langfristig nachhaltigere Strategien verhaltenstherapeutisch zu erarbeiten, gerade in den Bereichen Lernen, Motivation, Selbstbewusstsein und soziale Kommunikation. Medikamente allen ist ein bisschen wenig.

In einer Klausur sollte man so relativ nebensächliches wie den Therapietermin hinterher ausblenden können. Oder die Aufregung in Adrenalin und damit Leistungsfähigkeit verwandeln. Danach kann man mit einem entspannten "Ich hab's hinter mir."-Gefühl der Erleichterung noch zur Therapie schlurfen. Notfalls dort sagen: "Sorry, wenn ich heute nicht viel betragen kann, ich hatt einen anstrengenden Tag und gerade eine Klausur hinter mir."

Nur wenn es andersrum wäre, also Therapietermin am gleichen Tag noch VOR der Klausur, dann würde ich absagen. Unmittelbar vor einer Klausur könnte ich in so einer Therapie sowieso höchstens körperlich anwesend sein, aber nicht geistig.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 11. November 2014 17:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon wallflower » 11. November 2014 18:38

Nicht nur, dass du selbst bemerkst, das Lernen noch nicht gelernt zu haben.


das kapiere ich grade nicht wirklich. Was ist so ungewöhnlich daran, wenn ich merke, dass es mit dem Lernen nicht so gut funktioniert?
Wenn ich vor einer Klausur lernen möchte fange ich oft hochmotiviert an. Sobald ich aber meine Unterlagen raus geholt habe, frage ich mich, was ich damit eigentlich anfangen soll. Ich lese also Mitschriften durch und gehe manchmal Aufgaben noch mal durch. Nach 5 Minuten lege ich meine Unterlagen wieder weg und beschäftige mich anders, weil ich nicht mehr weiß, was ich noch machen soll...

Gerade deine "wirklich tierische Angst" vor dem bisschen Verhaltenstherapie ist alles andere als normal. Irgendwas kann da mit dir nicht stimmen.


ich weiß auch nicht, wieso ich so Panik davor habe. Ich habe ja noch nie eine Therapie in diese Richtung gemacht. Wenn ich operiert werden würde, würde ich mehr oder weniger wissen, was auf mich zu kommt. Ich kenne mich bzw. den anatomischen Aufbau  meines Körpers. Wenn ich aber irgendeine Therapie machen soll und meine "Psyche" geöffnet wird, weiß ich nicht, was kommt.  Freudianer gehen immer hin davon aus, dass mehr als ein drittel der Psyche unbewusst ist. D.h. weder ich, noch jemand anderes, weiß was vielleicht passieren kann.
Ich habe wirklich etwas Angst, dass man mir viel schlimmeres als AD(H)S vererbt hat. Irgendwie habe ich psychisch nicht die besten genetischen Voraussetzungen. 
Und ein ganz normaler Punkt für mich: ich habe noch nie eine Therapie gemacht, ich kenne den Therapeuten nicht, eigentlich kenne ich niemanden dort. Das ist eine komplett neue Situation und alleine das sorgt bei für schon für etwas Panik.

Dass es bei dir keinen Änderungsbedarf gibt, glaube ich dir aber einfach nicht. Da glaube ich eher, du machst dir etwas vor.


das sehe ich nicht ganz so. Hättest du mich mal vor ca 9 Monaten gefragt, was ich gerne ändern würde hätte ich dir sagen können, dass ich mich gerne viel besser organisieren können möchte. Ich hatte vor der Medikamention enorme Probleme Ordnung in schulischen Situationen zu halten. D.h. ich habe nie Hefte geführt, habe Arbeitsblätter verlegt, habe keine Hausaufgaben mitgeschrieben usw. usf. Jetzt habe ich eine ehr ordentlich geführte Mappe, schreibe regelmässißg Tafelbilder mit. Führe einen Kalender, in den ich alle Termine und co. eintrage. Dadurch bin ich auch nicht mehr so vergesslich, wie früher.

Medikamente allen ist ein bisschen wenig.


lässt sich das so für jeden Menschen in jedem Alter sagen? Ich finde das schwierig.Ich glaube in meinem ersten Beitrag habe ich schon von meinen Zweifeln, dass eine Therapie etwas bringt berichtet. Ich glaube ich habe in den 17 Jahren, die ich nun schon lebe sehr viele Strategien entwickelt, die mir helfen mit dem AD(H)S zu leben. Ich habe vor allem keine Probleme mit der sozialen Kommunikation, und Selbstbewusst bin ich auch. Zum Thema lernen habe ich ja schon was geschrieben...

In einer Klausur sollte man so relativ nebensächliches wie den Therapietermin hinterher ausblenden können. Oder die Aufregung in Adrenalin und damit Leistungsfähigkeit verwandeln. Danach kann man mit einem entspannten "Ich hab's hinter mir."-Gefühl der Erleichterung noch zur Therapie schlurfen. Notfalls dort sagen: "Sorry, wenn ich heute nicht viel betragen kann, ich hatt einen anstrengenden Tag und gerade eine Klausur hinter mir."

Nur wenn es andersrum wäre, also Therapietermin am gleichen Tag noch VOR der Klausur, dann würde ich absagen. Unmittelbar vor einer Klausur könnte ich in so einer Therapie sowieso höchstens körperlich anwesend sein, aber nicht geistig.


es handelt sich bei dem Termin auch nicht, um eine Therapiesitzung, sondern um einen Termin alleine mit dem Therapeuten. Also das ist der aller erste Termin. Zur Zeit geisten tausend fragen in meinem Kopf herum, die sich darum drehen, wie dieser Termin ablaufen wird, was ich tun muss, was man mir für Fragen stellt usw.
wenn sich das nicht bald legt bzzw. wenn der Gedanke auch während der Klausur auftaucht, drehe ich wirklich durch, weil er mich nicht los lässt.
graffiti
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Re: Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon graffiti » 11. November 2014 20:50

das tagelange / wochenlange ununterbrochene durchnudeln einer frage, von der man vorher weiß, daß sie nicht zu beantworten ist (wie wird der termin ablaufen?) in einem maß, das das restliche leben beeinträchtigt, ist u.a. ein zeichen für ads-verhalten.
da hast du z.b. ein verhaltensmuster verfestigt / da reichen z.b. medikamente nicht.

aus meiner sicht / erfahrung wäre möglich:
schreib dir die punkte / fragen auf, die dir wichtig sind ... und dann schmeiß das thema aus dem hirn.
es wird so sein, wie es sein wird.
du kannst es dir nur anschauen, da du eben vorher nicht wissen kannst, wie es sein wird.

ebenso hilft es dir nicht weiter, wenn du angst davor hast, angst zu haben.
(das zu wissen und es trotzdem immer weiter durchzunudeln ist u.a. ein zeichen für ads-verhalten, für das du - noch - keine alternative hast)

aus meiner sicht / erfahrung wäre möglich:
die situation "klausur" kannst du dir vorstellen.
du kannst dir auch vorstellen, wie du da reingehst und dich voll auf die klausur konzentrierst ... und weißt, daß das ok ist, weil du dir ja deine wichtigsten anliegen aufgeschrieben hast und die nicht über der klausur vergessen kannst.
wenn du in die klausur gehst, weißt du, wie du (aufmerksamkeitstechnisch) anfangen mußt und kannst nicht in hektik geraten.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
wallflower
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Re: Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon wallflower » 11. November 2014 21:07

Gaffiti, danke für die Antwort,

ich denke die Sache mit dem Aufschreiben ist eine gute Idee, aber ich weiß nicht, ob es mir besonders viel bringen wird, wenn ich aufschreibe: was kommt auf mich zu?
Das ist die Frage, die mich am meisten beschäftigt. genauso kann ich mir die Frage aufschreiben, wie die anderen Jugendlchen so sind, aber ich denke, da wird mir der Therapeut bei dem ersten Termin keine ausführliche Antwort geben können. Wenn er nicht sogar lügt und sagt: sie sind alle ganz nett..
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Re: Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon No User » 12. November 2014 00:55

Du fragst, was daran ungewöhnlich sei, wenn du bemerkst, dass es mit dem Lernen nicht so gut funktioniert. Es ist allerdings völlig unerheblich, wie gewöhnlich oder ungewöhnlich das sei, wichtig ist nur:  Wenn du in Fragen des Lernens ein Problem siehst, denn wäre genau das zumindest ein Beispiel für offensichtlich vorhandenen Änderungsbedarf. Denn mit dem Lernen wird es mit dem Abi nicht vorbei sein, im Gegenteil: I.d.R. geht es danach erst richtig los. Wenn du das nicht irgendwann auf die Reihe kriegst, kann dir das nicht weniger als dein ganzes Leben versauen.

Du wirst dich daran gewöhnen müssen, ständig in das kalte Wasser komplett neuer Situationen mit komplett neuen, unbekannten Mitmenschen geworfen zu werden. Heute ist es die Norm, von Projekt zu Projekt in Projektteams zu arbeiten, also mit wechselnden Chefs, Kollegen und Mitarbeitern wechselnde Aufgaben zu bearbeiten. Dabei sind diese Mitmenschen weit weniger psychologisch geschult und daher auch weniger vorsichtig und rücksichtsvoll, was deine psychische Befindlichkeit betrifft. Ein Psychologe sollte dagegen wissen, was er tut und Erfahrungen haben, wie Patienten auf bestimmte Situationen reagieren.

Ja, das Medikament allein (bei AD(H)S) ein bisschen wenig ist, gilt für jedes Alter. Wobei man eine Verhaltenstherapie, die man einmal erfolgreich durchgeführt hat, nun auch nicht ewig fortsetzen muss, vielleicht auch nicht so lange, wie möglicherweise die Medikation notwendig ist. Es widerspricht aber de facto den Leitlinien, eine AD(H)S ausschließlich medikamentös zu behandeln, ohne je andere Therapiebausteine eingesetzt zu haben. Es es durchaus nicht selten, dass dieser Fehler gemacht wird - immerhin ist reine Medikation auch viel billiger als der ganze Therapieaufwand - aber ist ist auch nicht soooo selten, dass schlampige AD(H)S-Behandlung auf die Dauer zu keinem befriedigenden Ergebnis kommt.

Ich hatte auch eine Menge Strategien, die mir auch ganz ohne Medikamente zu einem Einser Abi verhalfen und auch noch einige Zeit darüber hinaus. Diese speziellen Strategien taugen aber nicht unbedingt für alle Lebensumstände. Nur merkt man das mitunter zu spät. In Berufstätigkeit, Studium und Verantwortung für die eigene kleine Familie war bei mir so einiges anders als in der vergleichsweise behüteten Schulsituation. Als dann meine Kompensationsstrategien versagen, brach ich durch diese Dekompensation regelrecht zusammen, Depression inklusive. Man kann aber unschwer nachlesen, dass dies kein Einzelfall ist.

Ich kapiere gerade nicht wirklich, wie man gleichzeitig selbstbewusst und guter sozialer Kommunikation befähigt sein und dann doch derartige Panik davor schieben kann, in einer komplett neuen Situation auf unbekannte Therapeuten und Mitpatienten zu stoßen. Ich bleibe dabei, dass daran irgendetwas nicht stimmen kann.

Wenn du nur Medikamente brauchst, um deine Noten von 2+ auf 1 zu pimpen, dann sprechen wir nicht von Therapie, sondern von Doping.

graffitis Anregung mit dem Aufschreiben kann ich nur unterschreiben, etwas besseres gibt es da nicht. Keine Ahnung, warum du da schon wieder Bedenken trägst, ob es dir besonders viel bringen wird. Das wirst du nur rauskriegen, indem es ausprobierst. Was kann schon passieren? Schlimmstenfalls bringt es nichts. So what? Schaden wirds wohl kaum. Und deinen Aufwand hattest du schon sehr bequem auf eine einzige kurze Frage zusammengedampft. Ich sage es mal ganz grob: Wenn du immer so herumeierst, verschwendest du nur unsere Zeit.

LG
Steffchen
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Re: Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon wallflower » 12. November 2014 16:42

Du fragst, was daran ungewöhnlich sei, wenn du bemerkst, dass es mit dem Lernen nicht so gut funktioniert. Es ist allerdings völlig unerheblich, wie gewöhnlich oder ungewöhnlich das sei, wichtig ist nur:  Wenn du in Fragen des Lernens ein Problem siehst, denn wäre genau das zumindest ein Beispiel für offensichtlich vorhandenen Änderungsbedarf. Denn mit dem Lernen wird es mit dem Abi nicht vorbei sein, im Gegenteil: I.d.R. geht es danach erst richtig los. Wenn du das nicht irgendwann auf die Reihe kriegst, kann dir das nicht weniger als dein ganzes Leben versauen.


das reine Lernen werde ich hoffentlich, wenn es irgendwann wirklich notwendig sein wird noch lernen. Also, wenn ich in einer AD(H)S-Gruppentherapie lerne, wie ich lernen kann, dann wäre ich denke ich ziemlich zu frieden. Ich würde aber so von mir aus nicht auf die Idee kommen eine Therapie zu machen, um das Lernen zu lernen...

Du wirst dich daran gewöhnen müssen, ständig in das kalte Wasser komplett neuer Situationen mit komplett neuen, unbekannten Mitmenschen geworfen zu werden. Heute ist es die Norm, von Projekt zu Projekt in Projektteams zu arbeiten, also mit wechselnden Chefs, Kollegen und Mitarbeitern wechselnde Aufgaben zu bearbeiten. Dabei sind diese Mitmenschen weit weniger psychologisch geschult und daher auch weniger vorsichtig und rücksichtsvoll, was deine psychische Befindlichkeit betrifft. Ein Psychologe sollte dagegen wissen, was er tut und Erfahrungen haben, wie Patienten auf bestimmte Situationen reagieren.


wenn ich nur wegen der Abeit oder sonst was versetzt werde, wüsste ich, was ich zu tun habe. Ich habe ja einen klaren Arbeitsauftrag, den es zu erfüllen gilt. Da kann ich auch arbeiten und mich mehr oder weniger bei meinen Mitmenschen unbeliebt machen oder ein Idiot sein oder ich kann einfach ich sein. Da sind mir die Möglichkeiten je nach Menschen gegeben. In einer Therapie sollte ich offen und ehrlich sein. Wenn ich die anderen Menschen nur nicht leiden kann, ich kein Vertrauen zu ihnen aufbauen kann, würde ich nichts erzählen. Das wäre in der Therapie sehr kontraproduktiv. Bei der Arbeit interessiert es vermutlich niemanden, ob ich ihnen mein Leben anvertraue oder nicht...


Ich hatte auch eine Menge Strategien, die mir auch ganz ohne Medikamente zu einem Einser Abi verhalfen und auch noch einige Zeit darüber hinaus. Diese speziellen Strategien taugen aber nicht unbedingt für alle Lebensumstände. Nur merkt man das mitunter zu spät. In Berufstätigkeit, Studium und Verantwortung für die eigene kleine Familie war bei mir so einiges anders als in der vergleichsweise behüteten Schulsituation. Als dann meine Kompensationsstrategien versagen, brach ich durch diese Dekompensation regelrecht zusammen, Depression inklusive. Man kann aber unschwer nachlesen, dass dies kein Einzelfall ist


wie ich später mal handeln werde oder wie sich  mein Leben entwickeln wird steht noch in den Sternen. Es kann sehr gut sein, dass ich später Probleme bekomme, die mi einer früheren Therapie verhindert werden könnten, vielleicht habe ich auch jetzt schon Probleme, weil ich erst später eine Diagnose bekommen habe, wer weiß?

Ja, das Medikament allein (bei AD(H)S) ein bisschen wenig ist, gilt für jedes Alter. Wobei man eine Verhaltenstherapie, die man einmal erfolgreich durchgeführt hat, nun auch nicht ewig fortsetzen muss, vielleicht auch nicht so lange, wie möglicherweise die Medikation notwendig ist. Es widerspricht aber de facto den Leitlinien, eine AD(H)S ausschließlich medikamentös zu behandeln, ohne je andere Therapiebausteine eingesetzt zu haben. Es es durchaus nicht selten, dass dieser Fehler gemacht wird - immerhin ist reine Medikation auch viel billiger als der ganze Therapieaufwand - aber ist ist auch nicht soooo selten, dass schlampige AD(H)S-Behandlung auf die Dauer zu keinem befriedigenden Ergebnis kommt.


ich habe schon mal eine Therapie gemacht, wenn es sich wirklich nur um eine Therapie handelt. Mit 11 Jahren ein Jahr lang eine Reittherapie. Das hat nur irgendwie nichts verändert... Vor dem ersten Mal hatte ich auch sehr große Angst.. Da war es so schlimm, dass ich mich übergeben habe und Kopfschmerzen hatte und ich den ersten Termin am liebsten absagen wollte...

Ich kapiere gerade nicht wirklich, wie man gleichzeitig selbstbewusst und guter sozialer Kommunikation befähigt sein und dann doch derartige Panik davor schieben kann, in einer komplett neuen Situation auf unbekannte Therapeuten und Mitpatienten zu stoßen. Ich bleibe dabei, dass daran irgendetwas nicht stimmen kann.


Ich kapiere es ehrlich gesagt auch nicht. Also ich bin auch nicht in jeder Hinsicht super selbstbewusst (das wäre aber auch unmenschlich) und ich komme auch sicherlich nicht mit jeder Art von Menschen klar. Ich bin jemand, der wenig Konflikte mit Menschen hat und für eine begrenzte Zeit it Menschen gut klar kommen kann, auch wenn ich sie nicht gut leiden kann. Das verstehe ich unter sozialer Kommunikation... Es gibt auch Menschen mit denen ich einfach nicht rede, in der Schule sitzt eine Schülerin in vielen Fächern neben mir, mit der rede ich auch kaum. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern, weil wir nichts zu reden haben und weil meine Freunde auch da sind. Vielleicht mag man das auch als unfähig bezeichnen. Aber da stellt sich mir die Frage, ob ich daran etwas ändern möchte. Die Antwort ist: eigentlich nicht. Ich sehe es als nicht notwendig an mit jedemMenschen in meinem Umfeld zu reden...

und was meinst du mit, dem nicht stimmen? Meinst du das ich lüge oder Tatsache verschweige oder, dass ich salopp gesagt, spinnne?

Wenn du nur Medikamente brauchst, um deine Noten von 2+ auf 1 zu pimpen, dann sprechen wir nicht von Therapie, sondern von Doping.


es ist ja nicht nur das. Ich kann mich auch in der Schule viel besser organisieren (Heftführung und co.), wobei ich eben nicht sagen kann, dass es 100%ig an den Tabletten liegt.
Außerdem hätte ich vielleicht erwähnen sollen, dass ich vor der medikamntösen Therapie in Mathe zwischen 3-4 stand und dann mit Medikamenten und einer neuen Lehrerin besser geworden bin...

Ich habe viel zu dem Thema gelesen und habe dadurch erfahren, dass die meisten Menschen wirklich einen deutlichen Unterschied spüren, wenn sie die Tabletten nehmen bzw nicht nehmen und das bleibt bei mir völlig aus. Auch wird beschrieben, dass sich bei Kindern oft das Schriftbid ändert. Das ist bei mir immer noch sehr unschön...
Meine Lehrer/Familie/Freunde haben mich auch noch nie darauf angesprochen, dass ich mich irgendwie verändert habe...

graffitis Anregung mit dem Aufschreiben kann ich nur unterschreiben, etwas besseres gibt es da nicht. Keine Ahnung, warum du da schon wieder Bedenken trägst, ob es dir besonders viel bringen wird. Das wirst du nur rauskriegen, indem es ausprobierst. Was kann schon passieren? Schlimmstenfalls bringt es nichts. So what? Schaden wirds wohl kaum. Und deinen Aufwand hattest du schon sehr bequem auf eine einzige kurze Frage zusammengedampft. Ich sage es mal ganz grob: Wenn du immer so herumeierst, verschwendest du nur unsere Zeit.


ich habe die Frage jetzt auf geschrieben, aber mache mir, wie ich es erwartet habe immer noch Sorgen. Ich denke eben, dass ich mir keine Sorgen mache, weil ich etwas vergesen könnte, sondern weil es sich einfach um eine Therapie handelt und ich wissen möchte, wie die Leute dort so ticken und wie der Therapeut so tickt...

Noch kurz ein Punkt zur sozialen Kommunikation: ich komme auch mit Menschen, die mir im Verhalten sehr ähnlich sind nicht gut klar. Aber auch damit habe ich so kein Problem, wenn mich ein Mensch mit seiner Art zu sehr nervt, gehe ich ihm einfach für eine Weile aus dem Weg, bevor es nachher einen Streit oder so gibt. Das ist auch eine Lösung, die keine Behandlung bedarf. Auch wenn man das als "vor Problemen flüchten" definieren könnte. Ich merke einfach, wann es mir reicht und wann ich kurz davor bin aus der Haut zu fahren und dann halte ich einfach meine Klappe...
Weil
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Re: Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon Weil » 12. November 2014 18:44

Ich weiß nicht recht, auf was das alles raus soll.

Erst rennst du zu drei verschiedenen Ärzten zur Diagnostik und erhältst eine A(H)S-Dignose, die bestätigt, was auch in deiner Kindheit schon im Raum stand.
Du erzählst einerseits, du warst als Kind ziemlich impulsiv und hyperaktiv, wurdest auf AD(H)S getestet und machtest eine Reittherapie, andererseits, dass du in der Grundschule nie Probleme hattest, erst in der Vorpupertät.

Jetzt nimmst du Medikamente, erfährst in verschiedenen Bereichen deines Lebens Verbesserungen, die du aber nicht als solche wahrnimmst. Du sprichst von Konzentrationssteigerung, verbesserst deine Noten erheblich, du kannst dich besser organisieren, negierst gleichzeitig aber vehement eine spürbare Wirkung.

Dann bezweifelst du die Diagnose und drehst dich Kreis und schiebst alles, was hier angesprochen wird, weit von dir.

Ich weiß nicht, ob eine Gruppentherapie für dich sinnvoll ist, das kann aber gut sein. Wie diese abläuft ist nicht vorhersagbar, denn das liegt am Therapeuten, an der Gruppenzusammensetzung und an den Therapiezielen.

Du stellst im Moment alles in Frage, mir scheint, du verteidigst dich gegen jede Beeinflussung, hast Angst vor Veränderungen deines Selbstbildes und stehst dir selber im Weg.
Niemand stellt in der Therapie mit dir etwas an, was du nicht willst. Aber es wird dir auch niemand helfen können, wenn du nicht selber Therapieziele formulierst.
Das war , glaube ich, mit einer Liste gemeint und ist Ziel dieses anstehenden Vorgesprächs, dass du dir selber darüber klar wirst, was du an dir verbessern möchtest.

Wenn du nun sagst: "ist doch alles paletti, muss sich gar nichts ändern, da fällt mir nichts ein", dann würde ich sagen, wäre es gut, an deiner Selbstbeobachtung zu arbeiten. Wenn du dich erkennst, erkennst du auch deine Möglichkeiten und bist in der Lage, das Beste aus dem zu machen, was dir gegeben ist.

Es ist eine Chance für dich, zu verlieren hast du eh nichts.
graffiti
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Re: Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon graffiti » 12. November 2014 20:44

Du stellst im Moment alles in Frage, mir scheint, du verteidigst dich gegen jede Beeinflussung, hast Angst vor Veränderungen deines Selbstbildes und stehst dir selber im Weg.
Niemand stellt in der Therapie mit dir etwas an, was du nicht willst. Aber es wird dir auch niemand helfen können, wenn du nicht selber Therapieziele formulierst.
Das war , glaube ich, mit einer Liste gemeint und ist Ziel dieses anstehenden Vorgesprächs, dass du dir selber darüber klar wirst, was du an dir verbessern möchtest.

Wenn du nun sagst: "ist doch alles paletti, muss sich gar nichts ändern, da fällt mir nichts ein", dann würde ich sagen, wäre es gut, an deiner Selbstbeobachtung zu arbeiten. Wenn du dich erkennst, erkennst du auch deine Möglichkeiten und bist in der Lage, das Beste aus dem zu machen, was dir gegeben ist.

Es ist eine Chance für dich, zu verlieren hast du eh nichts.


das unterschreibe ich - mit einem zusatz:
m.e. solltest du nicht nur aufschreiben, was du verbessern willst (also deine therapieziele), sondern auch, welche bedenken du bzgl. dieser therapie hast.
daraus sollte sich dann eigentlich ein fruchtbares vorgespräch mit dem therapeuten ergeben.

noch was zu therapie und lebensalter ganz allgemein:
ich habe meine diagnose mit 45 bekommen, eine adhs-spezifische therapie habe ich (mit medikamenten) mit 48 - fast 49 - gemacht.
auch wenn sich mit zunehmendem lebensalter natürlich verhaltensmuster verfestigen, kann man sich immer noch ändern - man ist nicht mit abgeschlossenem körperwachstum unveränderbar einbetoniert  :zwink:
und mit 17 ist man sowieso immer noch in der pubertären gehirn-neuverkabelung und müßte von einer passenden therapie besser profitieren können als jeder andere.

ich wünsch dir viel erfolg ... und je unvoreingenommener du an das ding rangehst, umso mehr erfolgschancen hast du.
EDIT: je mehr du diese therapie zerdenkst und zerredest, bevor du überhaupt weißt, ob sie dir was bringen kann und v.a. was sie dir bringen kann, umso weniger chancen gibst du einem erfolg.
Zuletzt geändert von graffiti am 12. November 2014 20:47, insgesamt 1-mal geändert.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
ripley
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Re: Jugend Gruppentherapie, was wird gemacht?

Beitragvon ripley » 13. November 2014 08:26

[quote=&quot;graffiti&quot;]
das unterschreibe ich - mit einem zusatz:
m.e. solltest du nicht nur aufschreiben, was du verbessern willst (also deine therapieziele), sondern auch, welche bedenken du bzgl. dieser therapie hast.
daraus sollte sich dann eigentlich ein fruchtbares vorgespräch mit dem therapeuten ergeben.[/quote]

Ein Vorschlag, den ich in genau dieser Form auch machen möchte.

Ich glaube, Du hast mehr oder minder nebulöse Befürchtungen, die Du wirklich am besten erst mal für DICH in Worte fassen solltest. Und dann guckst Du Dir im ZWEITEN Schritt an, welche dieser Befürchtungen zutreffen könnten - und welche nicht.

So ein bisschen wirken Deine Sorgen wie (ich überspitze bewusst): "Man wird unter Folter oder zumindest Folterandrohung gezwungen, sein Innerstes preiszugeben und anschließend wird man in seiner Persönlichkeit komplett umgekrempelt - ob man das nun will oder nicht".

Lebtest Du in Nordkorea oder würdest Du Dich irgendeiner obskuren Sekte anschließen, wäre das vielleicht sogar eine realistische Befürchtung. Aber hier in D und für Therapeuten, die eine Kassenzulassung haben, kann Dir versichern, dass dergleichen NICHT zutrifft.

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