Verhaltenstherapie, ich bin etwas verwirrt

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Beckchen
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Verhaltenstherapie, ich bin etwas verwirrt

Beitragvon Beckchen » 31. Oktober 2014 07:58

Guten Morgen zusammen,

Ich muss mal wieder was los werden.
Mein Sohn (9 Jahre alt) hatte letzte Woche seine erste Sitzung in der Verhaltenstherapie. Davor hatte er schon ein einzelnes Gespräch mit der Psychologin.
In seiner Gruppe sind noch drei ungefähr gleichaltrige Jungs.
Gestern bekam ich nun von der Psychologin eine Email ( sie konnte mich telefonisch nicht erreichen) in der sie schreibt, dass mein Sohn uneinsichtig gegenüber den Regeln und nicht Absprache fähig sei. Dieses Verhalten würde ein konstruktives, gemeinsames Arbeiten und eine freundliche Gruppenatmosphäre verhindern. Wir wurden dann gebeten unseren Sohn über die Ernsthaftigkeit des Trainings zu verdeutlichen. Außerdem sollten wir während der Therapiestunde immer abrufbereit sein, damit unser Sohn, wenn er gegen  eine Regel verstoßen hat  und nicht einsichtig ist, raus geschickt werden kann.

Irgendwie bin ich jetzt verwirrt. Ich dachte eigentlich, dass mein Sohn eine Verhaltenstherapie macht um Regeln und sich in einer Gruppe zu verhalten lernt? Wie stellt die Psychologin sich eine Gruppe von vier ADHS ler Jungs vor :grübel:
Natürlich sagen wir unserem Sohn jedes Mal, wenn er unter die Leute geht, er solle sich anständig Verhalten. Erst recht, wenn er zur Therapie geht, denn wir wissen was auf dem Spiel steht.
Eigentlich dachte ich, eine Therapie gibt Hilfe und ist nicht noch eine Gruppe in der es wieder Ärger gibt.
Heute hat er seine zweite Therapiestunde (1,5 Stunden lang) und ich hoffe, dass wir ein gutes Gespräch mit der Therapeutin haben.

Wie laufen Eure Therapiestunden in der Verhaltenstherapie ab?
Vielleicht tu ich auch wieder alles überbewerten.

Wünsche Euch ein  schönes Wochenende.

Liebe Grüße
Beckchen
Elchi
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Re: Verhaltenstherapie, ich bin etwas verwirrt

Beitragvon Elchi » 31. Oktober 2014 12:14

Hallo Beckchen,

bei meinem Sohn habe ich keine Erfahrung mit Verhaltenstherapie, aber ich kann Dich in Deiner Annahme nur unterstützen.
Schließlich soll er ja gerade dort lernen, sich an Regeln zu halten.

Wenn er damit keine Probleme hätte, bräuchte er die Therapie ja nicht.

Eigentlich würde ich sagen, eine Therapeutin, die mit einem zu therapierenden Kind nicht umgehen kann, weil es therapiebedürftig ist, ist nicht die richtige Therapeutin.
Da Ihr aber wahrscheinlich nicht so arg viel Auswahl habt, würde ich mir das noch ein Weilchen ansehen. Auf keinen Fall solltet Ihr Euch von der Therapeutin unter Druck setzten lassen, wie Ihr ihn zu instruieren habt. Ich meine, dass  das ihre Aufgabe ist (natürlich kann man zu ordentlichem Benehmen auffordern, damit ist Euer Part aber erledigt).

Falls es nicht besser wird, oder sie ihn wirklich abholen lässt, weil er genau das macht, weswegen er in Therapie ist, würde ich das Ganze abbrechen (und vielleicht der Krankenkasse melden, damit die Therapie dann auch nicht bezahlt wird).

LG
Elchi
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Re: Verhaltenstherapie, ich bin etwas verwirrt

Beitragvon No User » 31. Oktober 2014 12:41

Es ist immer leicht, zu fordern, dass so eine Verhaltenstherapie zu funktionieren habe, solange man die nicht selbst machen muss. Natürlich ist es Therapieziel, Sozialverhalten in der Gruppe zu trainieren, aber es kann auch keine Garantie geben, dass das in diesem Rahmen mit JEDEM Kind und JEDEM beliebig gestörten Verhalten funktionieren kann.

Bis jetzt scheint die Therapeutin noch nicht aufgegeben zu haben, sondern sucht eure Unterstützung als Eltern, damit das vielleicht doch noch etwas werden kann.

Klar, ihr könnt eurem Sohn viel erzählen, wie er sich zu benehmen habe. Falls das nicht gleich zum einen Ohr rein und zum anderen raus geht, ist ihm als ADHS'ler zumindest in der Gruppensituation nicht mehr präsent, was ihr ihm da mitgeben wolltet.

Wichtig ist aber, dass er spürt, dass ihr hinter dem steht, was die Therapeutin ihm abverlangt. Nicht dass er sich auf ein "DU hast mir gar nichts zu sagen!" zurückziehen kann. Sie braucht für ihre Arbeit mit ihm auch Konsequenzen, die sie auch durchsetzen kann. Das geht schlecht, wenn sie ihn bedingungslos die anderthalb Stunden zuendebetreuen soll.

Es muss auch eine Option geben, ihn bei Bedarf "rauszuschmeißen" und in seinem Zustand wäre das unbeaufsichtigt sicher keine gute Idee. Deswegen soll ein Elternteil ihn da auffangen können - aber dann bitte nicht bespaßen, er soll ja nicht noch dafür belohnt werden, sich daneben benommen zu haben.

Bei Bedarf kann verlangt werden, dass Elternteile während der Therapiesitzungen greifbar sind, hier zumindest mal abrufbar. Andere müssen generell mit anwesend sein, auch um in die Therapie ihrer Kinder mit einbezogen zu werden. Therapie ist keine Form von Betreuung, wo man seine elterliche Aussichtsplicht generell zeitweilig delegieren kann. Nur auf Absprache kann es, wenn alles gut läuft, sein, dass man den Eltern sagt, dass sie solange nicht gebraucht werden und erst am Ende der Therapiestunde zum Abholen wiederkommen sollen.

Eine Gruppe ist natürlich wieder eine Herausforderung für sein Verhalten - auch wenn es nur so ein winziges Grüppchen ist. Dafür sind die drei anderen aber sicher auch nicht ohne. Auf der anderen Seite kann man aber in Einzeltherapie nicht wirklich viel an Sozialverhalten lernen, wie man es in Schule und Gesellschaft braucht. Wenn es erst mal so weit kommt, dass er nur noch Einzeltherapie bekommen kann, dann wird es sehr mühsam.

Bei uns lief die Therapie im Laufe der Zeit unterschiedlich ab. Anfangs, als die Therapie in den Räumen der Gemeinschaftspraxis stattfand, blieb ich im Wartezimmer und mich nebenan zu wissen, hatte auf Junior schon eine beruhigende Wirkung. Wenn ich in der Zeit irgendetwas anderes in der Stadt zu erledigen hatte, konnte ich später einfach bescheid gegeben, andererseits wurden auch Termine vereinbart, wo wir als Eltern zu zweit mit in die Therapie einbezogen wurden.

Als die Gruppe ein eingespieltes Team war, fand die Gruppentherapie in einer Turnhalle statt, dort gab es nicht mal Räumlichkeiten, wo es sich angeboten hätte, vor Ort zu warten. Das war dann aber auch kein Problem mehr.

Du darfst nicht vergessen, dass ihr gerade erst am Anfang der Therapie seid. Sicherlich gibt es auch unterschiedlich begabte Therapeuten. Wenn du aber jetzt wechselst, bevor die VT überhaupt eine Chance hatte, kann dir niemand garantieren, dass die nächste besser sein wird. Schlimmstenfalls wird man dir irgendwann erzählen, dass dein Sohn nur stationär therapierbar sei.

Dass Therapie überhaupt funktionieren kann, ist auch Einstellungssache. Wenn du Glück hast, findest du professionelle Unterstützung für dein Engagement, deinem Kind zu helfen. Wenn du aber (ich spitze das jetzt absichtlich zu) meinst: "Hier habt ihr mein Kind, nun repariert es mal!", dann wird das garantiert scheitern. Die Höhe der Erwartungen und Ansprüche ändert nichts an der Realität der therapeutischen Möglichkeiten, sondern beeinflusst nur die Tiefe der vorhersehbaren Enttäuschung.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 31. Oktober 2014 12:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verhaltenstherapie, ich bin etwas verwirrt

Beitragvon Beckchen » 3. November 2014 13:04

Letzte Woche hatte unser Sohn wieder Verhaltenstherapie. Außer uns hat noch eine andere Mutter einen ähnlichen Brief wie wir erhalten und musste während der Therapie im Wartezimmer warten. Diesmal ist aber alles gut gegangen und nächstes mal müssen wir nicht im Wartezimmer warten.
Ich denke, die Gruppe muss erst mal zusammenfinden. Ist doch klar, wenn einer blödelt, dass die anderen da mit machen. Eigentlich ist unser Sohn immer zurückhaltend, wenn es eine neue Situation gibt.
Ich bin froh, dass unser Sohn zur VH gehen darf, aber ganz ehrlich, für eine " neue Baustelle" hätte ich keine Nerven bzw. Kraft mehr.
Nun hoffen wir, dass die VH bei unserem Sohn auch fruchtet.

Liebe Grüße
Beckchen

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