Ablauf Therapie

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art_vandelay
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Ablauf Therapie

Beitrag von art_vandelay » 12. Juni 2014 11:00

Guten Tag Freund_innen,

ich bin aktuell 26 Jahre alt und bekam schon vor fast genau 14 Jahren die Diagnose ADHS, worauf ich auch Ritalin verschrieben kam, dass mir zwar in der Schule geholfen hat, jedoch keine positiven Auswirkungen auf meinen Körper hatte, denn ich hatte unter anderem auch mit Kopfschmerzen und starken Stimmungsschwankungen zu kämpfen. Da zu dem Zeitpunkt auch meine schulischen Leistungen besser wurden, habe ich das Medikament nicht weiter eingenommen und dann wenige Jahre später das Abitur – trotz einer Ehrenrunde in der zwölften Klasse – bestanden. Nun studiere ich seit zwölf Semestern Diplom Soziologie und bisher habe ich sämtliche Klausuren und Hausarbeiten bestanden, auch wenn das insbesondere mit Hausarbeiten unter anderem damit verbunden war, dass ich manchmal fast zwei Tage am Stück nicht geschlafen habe, um die Arbeiten einigermaßen rechtzeitig zu schaffen, was mir darüber hinaus sämtliche Nerven gekostet hat. Jedoch schreibe ich momentan nun seit Januar an meiner Diplomarbeit (Abgabetermin ist am 03. Oktober 2014) und ich habe bisher lediglich 25 geschrieben, weshalb ich mich seit Wochen frage, wie ich das bewältigen kann. Da ich mich daheim aufgrund vielseitiger Ablenkungsquellen nicht konzentrieren kann, gehe ich seither jeden Morgen in die Universitätsbibliothek, wobei ich mich auch hier nicht vernünftig konzentrieren kann und immer andere Ablenkungsmöglichkeiten finde. Da meine Frustationsschwelle sehr gering ist, bin ich daraufhin natürlich sehr schnell frustiert und wütend auf mich, was auch schlechte Auswirkungen auf mein Privatleben und meine Beziehung hat, meine Freundin meint sogar, dass sie mich schon seit vielen Monaten nicht mehr glücklich gesehen hat.

Da jedoch die Angst vor dem Scheitern so akut wurde und ich so große Angst vor der nahen Zukunft verspüre, habe ich mich dazu entschlossen wieder eine_n Therapeut_in aufzusuchen, die/der mir bei meinen Problemen helfen kann. Die Suche nach einem Termin gestaltete sich jedoch viel schwieriger als gedacht, sodass mir einzig ein Therapeut nach dem geschätzten fünfzehnten Versuch einen Termin beschaffen konnte und dieser Termin findet nach einer Wartezeit von einem Monat morgen statt. Ich habe leider keine weiteren Unterlagen bezüglich meiner Krankheit bei meiner Mutter finden können und auch die damalige Ärztin ist in diesem Zeitraum in den Ruhestand gegangen, weshalb ich mich frage, wie eine solche Untersuchung ablaufen wird. Wird der Arzt mich erneut untersuchen oder reicht ihm meine Beschreibung der Situation, was ich allerdings nicht glaube? Wie lange dauert es ansonsten, bis er das Krankheitsbild feststellt?


Vielen Dank für eure Antworten und falls es das falsche Forum sein sollte, könnt ihr den Thread gerne verschieben!
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Lemming
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von Lemming » 12. Juni 2014 11:31

Moin

Genaue Aussagen über das was dich jetzt erwartet kann ich leider auch noch nicht machen, da ich selbst erst auf der Suche nach einem Arzt bin der bei mir abklärt ob es sich um AD(H)S handelt oder nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass es da von Arzt zu Arzt starke Unterschiede gibt.

Zu deinen geschilderten Problemen kann ich nur sagen, genau so geht es mir auch. Bei mir haben kurzfristig aber einige Sachen geholfen. Um mich kurzfristig stark zu konzentrieren, habe ich mir Vitamin B1 in der Apotheke besorgt. Da es ein Vitamin ist bekommt man es ohne weiteres und es ist auch nicht schädlich, da der Körper alles was er nicht verarbeiten kann einfach wieder ausscheidet. Zusätzlich dazu arbeite ich meist mir Musik. Ich bin Informatiker und habe teilweise recht Umfangreiche und auch fordernde Aufgaben. Die Musik die mir hilft, ist meist recht schnell und laut. Daher meist auch unter Kopfhörern. Mit diesen Mitteln schaffe ich in 3 Stunden die Arbeit von mehr als 2 Tagen. Leider hat man danach das Gefühl im Kopf komplett ausgebrannt zu sein.

Eine zweite Sache die mir früher ganz gut geholfen hat ist viel Bewegung. Ich bin einfach morgens vor der Arbeit ins Fitnessstudio gegangen. Da gibts ja zum Glück eins was die ganze Nacht auf hat. Dort etwa 2 Stunden ordentlich auspowern mit Kraft und Ausdauertraining und nach einer ausgiebigen Dusche danach fühlt man sich doch viel ruhiger und kann sich deutlich besser konzentrieren. Leider hält das auch immer nur einige Stunden und nicht den ganzen Tag an :(

Seit ich mit Rauchen aufgehört habe (ende Januar 14) helfen diese Methoden leider auch nur noch bedingt. Ich bin zunehmend schlecht gelaunt und bekomme auf Arbeit fast nichts mehr auf die reihe. In meinem Hobby kann ich mich aber dafür um so mehr konzentrieren.

Ich hoffe es sind Anregungen dabei, mit denen du deine Aufgaben besser schaffst und einen erfolgreichen Abschluss schaffst.
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art_vandelay
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von art_vandelay » 12. Juni 2014 11:47

Danke Lemming für deine Antwort! Das mit Vitamin B1 werde ich versuchen, sollte es sicherlich auch in jeder Drogerie geben, oder?

Wie lange bist du schon auf der Suche? Ich habe ungelogen in Mainz bestimmt zwanzig Therapeut_innen angerufen und einzig ein Therapeut gab mir einen Termin ohne mich mit Wartelisten zu vertrösten. Privat wäre das natürlich viel schneller gegangen, aber geschätzte Summen zwischen 300 und 500 Euro sind einfach zu hoch.
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Lemming
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von Lemming » 12. Juni 2014 12:16

Ich hab B1 bisher nur in der Apotheke bekommen. Kann aber sein, dass es das auch wo anders gibt. Übertreibe es damit aber nicht, sonst bringt das garnichts mehr. Habe ich anfangs merken müssen. Jeden Tag eine ist zuviel. Mach lieber ein oder 2 Tage Pause dazwischen.

Bisher habe ich noch keine Diagnose. Ich werde aber seit etwa 3 Jahren auf Depressionen behandelt und seit ende Jan wurde es immer schlimmer. Nachdem ich letzte Woche dann hier auf Arbeit keinen klaren gedanken mehr fassen konnte, habe ich einfach aufs grade wohl mal im netz gegoogelt und bin auf ADS gestossen, was erschreckenderweise mein Leben seit der Schulzeit recht gut wiedergibt. Das "H" kann ich bei mir warscheinlichgetrost herauslassen aber der Rest ist leider viel zu deutlich. Vor allem weil sich damit so extrem viel erklären würde :(

Ich habe hier in Berlin etwa 20 Adressen (viele auch hier aus dem Forum) die ich durchklingeln kann ... bei der ersten warte ich gerade auf eine Antwort. Danach geh ich ggf. die Liste weiter durch.

Wie wenige sich damit allerdings auskennen, habe ich bei meiner Psychologin gemerkt bei der ich wegen der depris bin. Sie wollte mir dann einreden, dass es einen "inneren Schweinehund" nicht gibt und das nur reine bequemlichkeit oder faulheit ist. Na schönen dank auch.

Ich würde auf keinen Fall anfangen Geld dafür auf den Tisch zu legen, ohne ganz genau zu wissen ob der jenige das Geld überhaupt wert ist. Viel zu oft wird aus der Unwissenheit der Menschen geld gescheffelt.

Ich drück dir die Daumen, dass du schnell jemanden findest der dir auch helfen kann.
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Falschparker
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von Falschparker » 12. Juni 2014 12:49

Hallo  art_vandelay,

es wird sicher eine neue Diagnostik gemacht. Dabei ist die ADHS in deiner Kindheit sicher ein wichtiges Indiz. Dass du keine Unterlagen mehr hast ist natürlich schade, aber warum sollte man dir die damalige Diagnose nicht glauben?

Zur Diagnostik gehört zwingend ein Fragebogen zur Symptomatik in deiner Kindheit, und vielleicht ist deine Mutter bereit den auszufüllen?

Ist natürlich deine Entscheidung. Ich war 37 und wollte meine damals 70-jährige Mutter nicht einbeziehen, konnte mich aber selbst ganz gut erinnern. Hast du noch Zeugnisse?

Was heißt "Therapeut"? Ist das ein Arzt, und hat der ADHS-Erfahrung?  

Du kannst Arztadressen am Besten über örtliche Selbsthilfegruppen bekommen, oder über ADHS-Deutschland oder dieses Forum. Versteif dich nicht auf Mainz, viele von uns müssen weiter fahren. Du musst ja zu dem Arzt der dich diagnostiziert dann nicht jahrelang ständig hin.
worauf ich auch Ritalin verschrieben kam, dass mir zwar in der Schule geholfen hat, jedoch keine positiven Auswirkungen auf meinen Körper hatte, denn ich hatte unter anderem auch mit Kopfschmerzen und starken Stimmungsschwankungen zu kämpfen. Da zu dem Zeitpunkt auch meine schulischen Leistungen besser wurden, habe ich das Medikament nicht weiter eingenommen und dann wenige Jahre später das Abitur – trotz einer Ehrenrunde in der zwölften Klasse – bestanden.
Sehr schade, dass es damals so gelaufen ist. Die Stimmungsschwankungen kann man durch Variation der Dosis und des Einnahmeintervalls in den Griff kriegen, und die Kopfschmerzen vergehen meist nach einigen Wochen. Voraussetzung ist aber, dass der Arzt/die Ärztin Erfahrung hat, daran scheitert oft ein Versuch mit Medikamenten.  :baw:
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Falschparker
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von Falschparker » 12. Juni 2014 12:54

[quote="Lemming"]
Ich würde auf keinen Fall anfangen Geld dafür auf den Tisch zu legen, ohne ganz genau zu wissen ob der jenige das Geld überhaupt wert ist. Viel zu oft wird aus der Unwissenheit der Menschen geld gescheffelt.
[/quote]

Das ist richtig, da sollte man sich genau vorher erkundigen. Einige ADHS-Spezialisten nehmen allerdings Geld für die Diagnose, weil die von Krankenkassen nur unzureichend bezahlt wird. Das ist dann, vorausgesetzt derjenige kennt sich wirklich aus, auch in Ordnung.

Ich habe damals (2003) 200 € bezahlt für einen 1,5-Stunden-Privattermin plus Auswertung der Fragebögen die ich noch mit nach Hause bekam; die anschließende Behandlung ging dann über Chipkarte.
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art_vandelay
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von art_vandelay » 12. Juni 2014 13:06

Danke für deine Auskunft Falschparker.

Ich weiß leider nicht, wann ich meine Mutter zum nächsten Mal sehe, bezüglich alter Zeugnisse und dem Fragebogen. Damals hatte ich ähnlich wie Lemming keine Symptome der Hyperaktivität gezeigt, war allerdings in der Schule oft unaufmerksam, mit meinen Gedanken stets woanders und – das gilt auch heute noch – sobald ein bestimmtes Thema etwas mehr Konzentration und Aufmerksamkeit erforderte, war es vorbei mit meiner Konzentration.

Ich habe auch in der lokalen Sprechstunde der Selbsthilfegruppe angerufen und diese gab mir ein paar Empfehlungen, jedoch hatte keiner dieser Ärzt_innen Zeit für weitere Patienten (eigentlich eine Unverschämtheit in diesem Gesundheitssystem, aber dies ist ein anderes Thema). Dann bekam ich in einer Gemeinschaftspraxis einen Termin bei einem Facharzt für Psychiatrie/Psychotherapie, die mir unter anderem auch die Vertreterin der Selbsthilfegruppe empfohlen hat.

Wie lange hat es bei dir gedauert, bis die Diagnose stand und das Krankheitsbild behandelt wurde?
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Lemming
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von Lemming » 12. Juni 2014 13:16

[quote="art_vandelay"]
... jedoch hatte keiner dieser Ärzt_innen Zeit für weitere Patienten (eigentlich eine Unverschämtheit in diesem Gesundheitssystem, aber dies ist ein anderes Thema).
[/quote]

Auskunft der Charité in Berlin zu diesem Thema

"Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter

Leider besteht aktuell aufgrund der sehr großen Nachfrage in den vergangenen Wochen seit Mitte März 2014 keine weitere Möglichkeit, eine ADHS-Diagnostik in unserem Zentrum durchzuführen."

http://psychiatrie.charite.de/module/ni ... enenalter/

Ich frag mich, wirds da nich langsam mal Zeit etwas am Gesundheitssystem zu ändern?
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von art_vandelay » 12. Juni 2014 13:43

Da die Charité noch einen öffentlichen Träger hat, wundert mich das schon. Sonst ist das ein typisches Problem bei Fachärzten jeglicher Art, deren Kapazitäten entweder überschritten sind oder die keine weiteren Kassenpatient_innen mehr behandeln möchten, da diese weniger Geld einbringen.


Back to Topic: Da ich beim ersten Termin vermutlich noch keine Medikamente verschrieben bekomme, gibt es verschreibungsfreie und legale Alternativen, die meine Konzentrationsfähigkeit steigern können?
Falschparker
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von Falschparker » 13. Juni 2014 13:55

[quote="art_vandelay"]
Wie lange hat es bei dir gedauert, bis die Diagnose stand und das Krankheitsbild behandelt wurde?
[/quote]

Hallo Art Vandelay,

ungefähr ein Vierteljahr, weil Weihnachten und Jahreswechsel dazwischen waren.

[quote="art_vandelay"]
Back to Topic: Da ich beim ersten Termin vermutlich noch keine Medikamente verschrieben bekomme, gibt es verschreibungsfreie und legale Alternativen, die meine Konzentrationsfähigkeit steigern können?[/quote]

Ausgeschlafen sein, Bewegung und frische Luft, Kaffee oder schwarzer Tee.

Insbesondere die Bewegung bringt was. Als ich noch in der Nachbarstadt gearbeitet habe, verlief der Arbeitstag deutlich besser, wenn ich den Weg (12 km) mit dem Fahrrad zurückgelegt habe.
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von art_vandelay » 30. Juni 2014 14:19

Hallo Forum,

zunächst einmal vielen Dank für ihre Hilfe und besonders für die vielen Tipps via privaten Mitteilungen.

Jedenfalls hatte ich vor gut zwei Wochen den ersten Termin bei einem Psychotherapeuten, der sich nur etwas mehr als zehn Minuten für mich Zeit nahm und mir eher allgemeine Fragen bezüglich meiner Person und meiner Konzentrationsfähigkeit stellte. Dann beendeten wir die Sitzung und er sagte mir, dass ich in zwei Wochen noch einmal mit meinen Schulzeugnissen kommen sollte. So war ich dann letzten Freitag ebenfalls in Behandlung, wir gingen meine Grundschulzeugnisse durch, er fragte einen Fragebogen ab, der mein Verhalten und schulische Leistungen im Alter von acht bis zehn Jahren betraf. und kam dann zehn Minuten später zu dem Schluss, dass man die Diagnose ADS stellen kann. Daraufhin verschrieb er mir nun Medikinet Adult 20mg, wovon ich nun jeden Tag zwei Kapseln nehmen soll.


Ich bin zwar froh, dass ich nun endlich die Diagnose habe und hoffe durch die Behandlung auf Besserung, aber ich hatte bei diesem Therapeuten eher das Gefühl, als wolle er mich nur schnell abhandeln und mir Medikamente verschreiben. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Personen einen Psychotherapeuten aufsuchen, deren psychische Probleme um einiges gravierender sind als meine und da vermisst man bei diesem Therapeuten jegliche Empathie, Interesse und Feingefühl; auch die User der Bewertungsplattform jameda.de teilen meinen Eindruck, wonach dieser Therapeut verhältnismäßig viele schlechte Bewertungen kassiert hat.
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von Falschparker » 30. Juni 2014 19:38

Hallo Art Vandeley,

mach dir da keine großen Gedanken, du musst den nicht heiraten, entscheidend ist das Ergebnis.

Zweimal zehn Minuten sind natürlich extrem entgegen der Richtlinie. Wobei es auf Quantität natürlich nicht ankommt, aber auch sehr erfahrene Ärzte brauchen dafür mindestens 1,5 Stunden.

Das muss dich nicht stören, denn speziell bei dir ist die Gefahr der Fehldiagnose nicht groß. Da du schon als Kind die Diagnose ADHS bekamst, was soll es denn jetzt Anderes sein?  :811:

Die Verordnung "zweimal täglich Medikinet Retard 20 mg" löst aber ziemliches Stirnrunzeln bei mir aus. Ist das die Dosis die er Jedem und Jeder verordnet, und wenn es nicht passt hat man Pech gehabt? Hat sein Schuhgeschäft auch nur eine Größe?  :kk:

Wie ich schon weiter oben schrieb, kann es sein dass schon damals der Versuch mit der Medikation nicht optimal verlief, weil der Arzt oder die Ärztin die Dosierung nicht sorgfältig genug abgestimmt haben.

Das sollte sich besser nicht wiederholen. Erste Möglichkeit: Du suchst dir einen anderen Arzt, der sich da mehr reinkniet und auch etwas davon versteht. Zweite Möglichkeit: Du eignest dir selbst Hintergrundwissen über die Dosisfindung an und benutzt diesen Arzt als Dienstleister, der im günstigsten Fall deinen Vorschlägen folgt.

Eine gute Einführung ist z. B. diese hier:
http://www.pppraxis.ch/pinnwand/Merkbla ... ndlung.doc

Wobei Markus Seitz sich hauptsächlich auf unretardierte Tabletten bezieht, das muss man übertragen- eine Medikinet Adult 20 entspricht 2x 10 mg unretardiertem MPH in dem halben Zeitabstand. Bei Medikinet Adult muss man auch unbedingt vorher gut essen. (Ritalin Adult ist nicht so vom Essen abhängig, aber das ist noch nicht erhältlich.)
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von art_vandelay » 30. Juni 2014 22:54

Hallo Falschparker,

der Therapeut fragte mich nach meiner Körpergröße und dem Gewicht und setzte anhand dessen die Dosis fest.
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von Falschparker » 30. Juni 2014 23:34

Wo ist die versteckte Kamera?  :icon_eek:
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von art_vandelay » 3. Juli 2014 21:33

[quote="Falschparker"]
Wo ist die versteckte Kamera?  :icon_eek:
[/quote]


Was ist denn sonst die übliche Vorgehensweise? Stellt sich bei der Einnahme eigentlich einen Gewohnheitseffekt ein oder reagiere ich auf die gleiche Dosis stets gleich?

Jedenfalls habe ich seit Dienstag jeden Tag das Medikament in der vorgegebenen Dosis eingenommen und muss sagen, dass die Wirkung beachtlich ist. Ich saß jeden Tag für mehrere Stunden in der Bibliothek und konnte mich mit kurzen Pausen vollkommen auf meine Arbeit konzentrieren, sowas ist mir vorher noch nie gelungen. Dazu sind meine Gedankengänge viel klarer und strukturierter, ich nehme äußerliche Ablenkungsreize zwar wahr, reagiere aber nicht mehr darauf. Die einzige spürbare Nebenwirkung ist, dass sich mein Bauch so anfühlt als hätte ich einen riesigen Stein gegessen.



Andere Frage nebenbei: Samstag bin ich auf eine Party eingeladen und würde dort vielleicht Alkohol trinken, doch natürlich würde ich klar darauf verzichten, wenn ich krasse Wirkungsüberschneidungen zu befürchten hätte. Wann wäre denn die Wirkung des MPH vollständig verflogen, ich kann es persönlich noch nicht definitiv wahrnehmen
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Re: Ablauf Therapie

Beitrag von Falschparker » 4. Juli 2014 12:09

art_vandelay hat geschrieben:
Was ist denn sonst die übliche Vorgehensweise? Stellt sich bei der Einnahme eigentlich einen Gewohnheitseffekt ein oder reagiere ich auf die gleiche Dosis stets gleich?

Jedenfalls habe ich seit Dienstag jeden Tag das Medikament in der vorgegebenen Dosis eingenommen und muss sagen, dass die Wirkung beachtlich ist.
Schön, aber eben glücklicher Zufall. Hätte auch sein können dass du viel weniger oder viel mehr brauchst.

Ja, es gibt einen einmaligen Gewohnheitseffekt. Innerhalb des ersten Vierteljahres muss man meist die Dosis ein wenig nach oben anpassen, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Dann ist es für viele Jahre voraussichtlich gleich. Bei Kindern und Jugendlichen wegen Wachstum und Pubertät natürlich nicht, aber bei uns Erwachsenen kann man davon ausgehen.
Samstag bin ich auf eine Party eingeladen und würde dort vielleicht Alkohol trinken
Nein, lass es lieber, gerade jetzt in der ersten Zeit. Mit etwas Erfahrung machen es manche Erwachsene, wenn sie abschätzen können wann ihre Wirkung vorbei ist. Ich selbst nehme seit 10 Jahren MPH und verzichte ganz auf Alkohol, ich persönlich finde schon die Wirkung weniger Schlucke sehr unangenehm und das auch spätabends. Ich hänge da allerdings auch nicht dran.

Alkoholfreies Bier trinke ich aber sehr gerne. Das hat zwar auch eine sehr geringe Menge Alkohol, die hier aber zu vernachlässigen ist (ich weiß dass für trockene Alkoholiker andere Regeln gelten, aber das bin ich ja nicht).
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