Videoaufzeichnungen

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Fabi06
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Videoaufzeichnungen

Beitrag von Fabi06 » 30. Oktober 2012 08:07

Hallo,

während der Ergo meines Sohnes sind Videoaufzeichnungen gemacht worden. Kann mir jemand von euch sagen, ob die Praxis mir die Aufzeichnungen aushändigen muss oder ob sie das verweigern kann/darf?

L.G.
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Re: Videoaufzeichnungen

Beitrag von No User » 30. Oktober 2012 22:06

Interessante Frage, zu der es einige rechtliche Regelungen gibt, die ich mangels juristischem Sachverstand aber nicht sicher interpretieren kann und deren Anwendbarkeit auf diesen Fall mir unklar bleibt.

Du musst aber sicher hier zwischen Einsichtnahme und Herausgabe unterscheiden, bei letzterem bin ich mir ziemlich sicher: Die Herausgabe kann nicht generell verpflichtend sein, denn das würde mit anderen Rechten und Pflichten kollidieren.

Ich gehe mal davon aus, dass für Ergotherapeuten, die Patienten mit psychischen Störungen behandeln ähnliche Regelungen gelten wie für Psychotherapeuten, außerdem sowieso Dokumentations-, Schweige- und Datenschutzpflichten wie für alle Therapeuten.

Als Patient bzw. gesetzlicher Vertreter des Patienten hast du ein Recht auf Einsicht in die Dokumentation der Therapie (wozu die Videoaufzeichnungen gehören), allerdings im Beisein des Therapeuten und ggf. auf deine Kosten.

Keine Einsicht bekommst du in Unterlagen, die subjektive Eindrücke und Wahrnehmungen von Therapeuten enthalten. Im Fall von Videoaufzeichnungen dürfte das Recht auf Einsichtnahme schon da enden, wo ein Therapeut in den Aufzeichnungen zu sehen oder zu hören ist. Erst recht Dritte wie Mitpatienten.

Es können auch "inhaltliche Gründe" das Recht auf Einsichtnahme aushebeln. Gerade im Umfeld psychischer Störungen bzw. psychosozialer Problematik. Dass z.B. die Einsichtnahme den Therapieerfolg beeinträchtigen könnte oder dass für es für das gefilmte Kind ein Vertrauensbruch durch den Therapeuten sein könnten, wenn entgegen Absprache Dritte (hier: die Eltern) Einblick in die Aufzeichnungen bekommen.

Mit einer Aushändigung der Aufzeichnungen hätte die Praxis die verpflichtende Einhaltung des Datenschutzes nicht mehr in der Hand.

Aber wozu möchtest du die Aushändigung der Aufzeichnungen erzwingen? Hast du schon mal einfach gefragt, ob du sie sehen kannst?

LG
Steffchen
Fabi06
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Re: Videoaufzeichnungen

Beitrag von Fabi06 » 31. Oktober 2012 08:40

Hallo Steffchen,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort.  :ja1:

Wir haben die Ergo nach dem Intra Act Plus Konzept gemacht. Ich war bei allen Sitzungen dabei und bei den Aufzeichnungen handelt es sich um Aufzeichnungen von meinem Sohn und mir.
In diesen Aufzeichnungen, kann man z.B. die Einstellung auf die Medikamente und die Unterschiede mit, oder ohne Medis gut erkennen.
Nun ist die Ergo erst mal zu Ende und ich hätte die Aufzeichnungen nun gerne für uns privat um sie später mal meinem Sohn zeigen zu können z.B. falls später mal die Frage von ihm kommt warum wir so früh mit Medis angefangen sind.
Ich fände es sehr schade, wenn diese Aufzeichnungen in irgendeinem Archiv verschwinden und wir keinen Zugriff darauf hätten.
Die Therapeutin habe ich schon gefragt und sie will es mit ihrem Chef besprechen. Nun wollte ich einfach mal wissen, wie so die "offizielle" rechtliche Seite ist.  Aber wie du schon geschrieben hast "Interessante Frage, zu der es einige rechtliche Regelungen gibt, die ich mangels juristischem Sachverstand aber nicht sicher interpretieren kann und deren Anwendbarkeit auf diesen Fall mir unklar bleibt."
Ich werde mal schauen, wie wir uns einigen und ob die Therapeutin mir noch genaueres zur rechtlichen Seite sagen kann. Wenn ich noch genaueres erfahre, werde ich es euch berichten.

L.G.
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Re: Videoaufzeichnungen

Beitrag von No User » 31. Oktober 2012 16:30

Da du in die Therapie einbezogen warst und soweit die Aufzeichnungen nur dich und deinen Sohn zeigen, solltest du sie immerhin sehen dürfen, wenn auch evtl. auf deine Kosten, soweit das nicht kulanter Weise unbürokratisch geregelt wird.

Herausgeben dürften sie -wenn überhaupt- höchstens eine -wiederum auf deine Kosten angefertigte- Kopie der Aufzeichnungen, denn sie sind verpflichtet, die Aufzeichnungen 10 Jahre lang aufzubewahren und erst dann zu vernichten.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich selbst dann, wenn sie dir die Aufzeichnungen gern herausgeben wöllten, erst mal genau informieren müssen, ob sie das auch dürfen.

Zur Verdeutlichung mal folgendes Gedankenspiel:

Ein inzwischen volljähriger junger Mann, beruflich erfolgreich und gesellschaftlich angesehen, jedoch mit seinen Eltern zerstritten, ist überhaupt nicht damit einverstanden, dass die Eltern Videos aus den schlimmsten Tagen seiner Kindheit inklusive Verhaltensauffälligkeiten im Kreise der Verwandtschaft herumzeigt, die sich darüber amüsiert, sodass diverse Sprüche diesbezüglich über ihn kursieren. Er selbst kann sich die Videos nicht mehr ansehen, denn die Dokumentation der Praxis wurde vorschriftsgemäß nach 10 Jahren gelöscht.

Gegen seine Eltern möchte er trotz Streit nicht rechtlich vorgehen, bzw. befürchtet er, sie könnten aus Trotz das Video dann erst recht (z.B. online) veröffentlichen. Also verklagt er die Praxis, die zwar eine Einverständniserklärung für die Anfertigung dieser Aufzeichnungen (von den Eltern) vorliegen hatte, aus seiner Sicht aber kein Recht hatte, das Video herauszugeben.

Das mag jetzt absurd klingen, aber es erstaunt auch immer wieder, zu welchen Absurditäten manche Eltern fähig sind.

LG
Steffchen
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