ADHS - keine Lust auf Sport

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hyperactive_man
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ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon hyperactive_man » 29. März 2016 18:06

Hallo,

ich habe mich eben schon vorgestellt, aber da vielleicht nicht jeder dort mitliest hier zusammengefasst die Situation:
Mein Sohn ist 10 Jahre alt, dass er ADHS hat mir schon sehr früh aufgefallen, die "Probleme" begannen erst so im Schulalter sichtbar zu werden, wie das meistens so ist. Mit Konzentration- und Schulleistungsproblemen haben wir Gott sei Dank (noch?) nicht zu kämpfen. Bei ihm ist das ganze eher auf der sozialen Ebene eine Herausforderung.
Folgendes haben wir schon hinter "Uns": Ergotherapie, Gruppentherapie C73 (oder so ähnlich, läuft über das SPZ Ludwigsburg, eine Heilpädagogin),
pädagogische Theatergruppe, Schwimmen. ca. 8 Monate einen Versuch mit Ritalin zuerst 10 mg - dann 20 mg, mit dem Ergebnis, dass sich im Sozialen Bereich die Probleme nicht verändert haben, er aber zum Zombi wurde und wir deshalb das Medikament absetzten. Ein Versuch war es wert, aber für ihn war es schlicht keine Hilfe.
Außerdem spielt er leidenschaftlich gern Schlagzeug, was - wie ich finde -für seine Rechts-links-Koordination sehr hilfreich war und ist. Außerdem ist das eine super Konzentrationsübung. Neben Schlagzeugspielen geht er zum Robinsonspielplatz, zu den Pfadfindern und (noch bis zum Mai) ins pädagogische Theater. Außerdem nimmt er jetzt wieder dieses Esprico. Ich setze hier einfach auf den Placebeffekt und denke mir, dass es zumindest mal nicht schaden kann. Ernährungstechnisch sind wir bestens aufgestellt und Medien sind stark begrenzt und auch an ein Belohnungssystem gekoppelt. Insgesamt ist er das krasse Gegenteil eines Stubenhockers.

So nun zum "Problem": Er ist ein Hungerhaken, hat kaum Unterhautfettgewebe, Knickfuß, X-Bein, Skoliose, Haltungsschwäche und ich bin der Meinung er müsste sich einfach mehr bewegen.
Nun sind die gängigen Sportangebote in dieser Altersklasse immer mit Leistungsdruck verbunden. Ich finde, die Kinder sind sowieso ständig Leistungsdruck ausgesetzt und Sport soll Spaß machen. Ich gehe joggen, schwimmen und klettern. Eigentlich ideal für ihn mitzugehen, aber er hat so überhaupt keine Ausdauer und gibt einfach viel zu schnell auf. Und Sport mit Mama ist wohl auch einfach maximal doof.
Eine Zeitlang war er beim Schwimmen, aber da wollte er auch nicht mehr hin. Trotz Punkteprogramm (was sonst immer sehr gut funktioniert!!!) ließ er sich nicht mehr darauf ein. Nach dem Bronzeabzeichen hatte er keine Lust mehr. Abgesehen davon war das nur einmal pro Woche und das war wenig hilfreich.
Theoretisch hat er Narrenfreiheit. Ich würden ihm alles ermöglichen (außer Reiten, das ist definitiv zu teuer). Ideal wäre natürlich Gymnastik, Klettern oder Schwimmen oder "Kampfsport" um seinen Haltungsschäden entgegenzuwirken. Aber wie stelle ich das an? Wie kann ich ihn für Sport interesssieren, wenn er immer gleich aufgibt sobald es mal anstrengend wird?
Ich könnte mir vorstellen, dass er sich vielleicht auf ein Fitnesstudio einlässt. Aber geht das schon für 10-jährige?

Bin auf eure Tipps und Erfahrungen gespannt.
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon Menolly » 29. März 2016 18:37

Hey,
also, ich dachte tatsächlich gleich an Reiten, was viele "Baustellen" abdecken könnte, aber das ist dir ja zu Teuer.
Wobei, was kostet es denn bei euch? Ich rede jetzt nicht von Therapeutischem Reiten, das ist tatsächlich ganz schön happig, aber eine ganz normale Reitstunde kostet hier so um die 12 euro.

Vielleicht sind das alles Sportarten, die ihn zu Stressig sind. Zu viel Leistungsdruck? Nicht genug Ruhephasen?
Also das sind so Dinge die mich zumindest davon abhalten das zu machen. :oops:

Gut, man sollte meinen Sohn und mich nicht als Standard nehmen, aber gerade die Arbeit mit den Ponys gibt uns viel Ruhe wieder.
Besonders wenn man sich auch Zeit nehmen darf!
Einmal muss man sich auf das Tier einlassen, und somit auch Soziale regeln können gelernt werden, und zum anderen ist Reiten doch recht anspruchsvoll, gerade was Rückenhaltung und Gleichgewicht anbelangt.

Also nicht falsch verstehen, ich will dich nicht dazu überreden. :D
Ich denke nur, das man nicht grundsätzlich etwas ausschließen sollte, was vielleicht genau das richtige sein könnte. ;)

Liebe Grüße
Menolly
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon ripley » 29. März 2016 19:04

Exkurs Reiten:
Beim Thema Reiten denkt jeder gleich an Reitunterricht in der Abteilung oder gar EInzelunterricht (letzterer an der Longe ist auch gar nicht verkehrt). Aber sinnvoller und vor allem zunächst weit weniger kostenintensiv ist es, das Kind erst mal zum Voltigieren zu schicken: EIne Gruppe von Kindern (->Soziales), die abwechselnd oder auch mal zu mehreren an und auf einem im Kreis galoppierenden Pferd herum turnt (-> Kraft, Gleichgewicht, Geschmeidgkeit, Koordination ...) Frag doch mal Tante Google mit den Stichworten Voltigieren, Kosten, [Deine Stadt]
Okay, dies aber nur, weil ich selbst seit Kindheit reite und da einfach mal ein Vorurteil ... bisl begradigen wollte.

Womit wir hier bzw. Junior (ADHS, HB, zeitweise ECHT schwierig) gut gefahren sind, ist tatsächlich Kampfsport. Bei uns Karate, aber das ist jetzt nicht zwingend. Wenn Du ein gutes Dojo (eine gute Schule) findest, dann wird dort neben dem Sportlichen (das übrigens die gleichen Dinge wie das Voltigieren fördert, nur am Boden und mit nochmal deutlich mehr Betonung auf Stabilität/Core) auch das Psychosoziale und das Gefühl für Disziplin wunderbar gefördert. Junior hat das über etwa 5 Jahre (von 12 bis 17 meine ich) betrieben, immerhin bis zum 4. Kyu (zweiter Blaugurt). Rückblickend war das Dojo, in dem wir (beide) damals trainiert haben, nicht so wirklich ideal, später sind wir dann gewechselt. Von daher ... wirklich gut gucken!

Insgesamt aber scheint Dein Sohn für einen 10jährigen schon ein ziemlich heftiges Programm zu haben. Und auch wenn DU (ich übrigens auch) sehr viel Sport machst, heißt das ja nicht automatisch, dass Dein Sohn diesbezüglich ähnliche Bedürfnisse hat. Da musst Du dann eben bisl kreativ werden. Und/oder verhandeln, wo man ggf. an anderer Stelle bisl was weglassen kann/sollte. Das mit der Haltungsproblematik sollte ja schon irgendwie angegangen werden. Und, ja, Karate stellt auch einen untergewichtigen Schluffi ganz anders hin. Hab ich hier ja hautnah beobachten können. ;)

Noch eine Frage: An wievielen Nachmittagen in der Woche kann er einfach so herumdödeln und -trödeln? Machen, worauf er Lust hat und wenn's nur im Zimmer fläzen ist? Ist auch nicht ganz unwichtig, oder?
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon hyperactive_man » 29. März 2016 20:14

Hallo

und danke für die Antworten.

Also zum Reiten: Nahegelegt wurde uns eine Reittherapie (ca. 45 EURO pro Stunde) und den Spaß dann min. 4x monatlich. Das macht er zur Zeit auf der Kur mit großer Begeisterung. Das geht einfach gar nicht.
Ich bin selbst 15 Jahre lang regelmäßig geritten und weiß natürlich, dass es günstigere Alternativen gibt. Ich frage mich, wie sehr der Reitlehrer bei einer recht großen Gruppe noch auf die Haltung des Einzelnen achten kann. So muss ich hier mit ca. 15-17 EUR / Stunde rechnen, was mich zwar nicht vor Freude tanzen lässt aber hungern müssten wir deswegen nicht.

Also was hier so nach straffen Programm klingt, ist es eigentlich nicht, denn es macht ihm alles sehr viel Spaß und er hat genügend Freizeit.

Mo hat er nichts
Di 1 Stunde Theater (aber das ist nur temporär, direkt im Anschluss an die Schule), also Freizeit ab 14:00 Uhr
Mi 30 min Schlagzeug (19:00 Uhr)
Do nachmittagsunterricht, dafür keine Hausi und daher ab 15:30 Uhr Freizeit
Fr 18-20 Uhr Pfadfinder und das ist toll, denn da kann er einfach mal er selbst sein, ohne dass ihn einer für sein Temperament blöd anschaut

Auf den Robinsonspielplatz geht er nach Lust und Laue aber sehr gern. Dort werden Bretterhäuser gebaut und Tiere gepflegt. Das Wort "Stress" oder "Zeitdruck" gibt es bei uns nicht. Ja, als wir damals immer noch nach Ludwigsburg zur Gruppentherapie mussten, war ich selbst schon immer etwas unter Zeitdruck, weil die Uhrzeit katastrophal war. Das Ganze hat ihm aber sehr geholfen. Er ist gut in der Lage sich selbst zu reflektieren, eine Fähigkeit die ich bei vielen Erwachsenen vermisse. Er weiß selbst oder merkt, wenn er über die Strenge schlägt und der Clown mit ihm durchgeht, er sagt selbst, er kann es einfach nicht zurückhalten. Wir arbeiten mit versteckten Zeichen, auch die Lehrerin macht da ganz gut mit. Ich denke das wird mit zunehmender Reife auch etwas entspannter (dafür kommen dann andere Sachen :lol: )

Ich finde nicht, dass er überfordert ist. Anders wäre es, wenn ich ihn zum Extra-Englisch und Ballet und Leistungsturnen schicken würde (was er eh nie mit sich machen lassen würde :mrgreen: )
Er hat viele Freunde und genügend Zeit, sich mit ihnen zu treffen oder auch einfach mal vertieft an seinem Legoroboter rumzubasteln oder auf dem Sofa zu chillen. In der Schule ist er total unterfordert, so dass ihn die Hausaufgaben nicht wirklich aufhalten. Er kommt um 13:30 Uhr nach HAuse und macht ohne Aufforderung selbstständig die Hausis. wenn ich um 14 Uhr aus der Arbeit komme, ist er meist schon fertig.

Mir ist schon klar, dass nicht jeder so gern und viel Sport macht wie ich. Ich habe es nur erwähnt um zu verdeutlichen, dass es ihm an Möglichkeiten nicht mangelt (zum Thema Vorbildfunktion und so).

Kampfsport wäre ideal und vor der Tür (also nicht wieder mit Fahrerei verbunden). Ich glaube eben auch, dass ein Coretraining das ist was er braucht. Ich will ihn wirklich nur davor bewahren, als Erwachsener darunter zu leiden, dass seine Tiefenmuskulatur so verkümmert ist. (Rückenschmerzen, Kopfschmerzen usw.) Außerdem wäre es für sein Selbstwert- und Körpergefühl gut. Aber er ist da so voreingenommen. Denkt, dass man sich da verdreschen muss, der alte Pazifist. Egal was ich ihm sage, er will nicht mal Schnuppern. Es ist wirklich zum verweifeln.

Ja, bevor es gar nichts ist, werde ich wohl das Geld fürs Reiten auch noch irgendwie aufbringen, aber ich glaube einfach nicht, dass 4x 45 min im Monat etwas an seiner Körperhaltung ändern. Insgesamt sehe ich natürlich noch die vielen anderen Vorteile, die der Umgang mit solch herrlichen Tieren mit sich bringen.

Ripley, wie habt ihr das mit dem Kampfsport hinbekommen? Hatte er selbst Bock darauf?
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon Menolly » 29. März 2016 20:32

Also, ich würde ja bei der Krankenkasse mal nach fragen, was sie bereit wäre dazu zu Zahlen. ;)
Es scheint ihm ja zu gefallen.

Kampfsport ist sicher nicht schlecht, aber bei Skoliose würde ich das wirklich erst mal mit dem Arzt besprechen, ob das jetzt Sinnvoll ist.
Meine Nichte hat das auch und das extrem. Sie darf nicht wirklich viel machen, und schon gar kein Kampfsport und der Gleichen. Das Reiten auch nur geführt und ruhig.
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon ripley » 29. März 2016 21:07

hyperactive_man hat geschrieben:Ripley, wie habt ihr das mit dem Kampfsport hinbekommen? Hatte er selbst Bock darauf?


Ja.
Er sah sich seinerzeit umzingelt von Feinden. Was zu Teilen auch stimmte (Mobbing), aber natürlich mit Fausteinsatz (seine A-priori-Wahl) nicht besser wurde. ER dachte, via Karate-Training würde er lernen, sich besser, härter, finaler zu wehren.
Was er de facto lernte, war, ... auch mal ganz einfach die Klappe zu halten und zu machen, was verlangt wurde. Was wiederum seine Frustrationstoleranz forderte und förderte. ;-)
Und da ich ihn dafür, dass ich ihn nach den Schnupperstunden anmeldete, verpflichtet hatte, dann auch für die Vertragsdauer (zwei Jahre) dranzubleiben, kam er zunächst aus der Nummer nimmer raus (ich kann da recht kompromisslos sein). Bis das Training zwei mal die Woche zur Gewohnheit wurde.

Hm, wenn Dein Sohn es so gar nicht mit kämpfen hat ...
Was ähnlich fantastisch für Haltung und Körperspannung und UND extrem fordernd für so ziemlich jeden einzelnen Muskel ist ... Tanzen! Und zwar "richtiges" Tanzen - Ballett. Nee, ist nicht nur für Mädels, auch wenn die da klar überrepräsentiert sind.
Möglicherweise könntest Du ihn dafür ködern, indem ihr zusammen Billy Elliot auf DVD schaut. Hier der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Im7n8HGOQMs
Falls Du den Film nicht kennst: Es gibt ihn natürlich auch auf deutsch und es ist ein wirklich ganz wundervoller Film. Und durchaus für 10jährige geeignet, auch wenn denen der historische Hintergrund (Arbeitskampf im Thatcher-Zeitalter) nicht allzuviel sagen wird. Das macht aber nix für die Haupthandlung).

Vielleicht merkst Du es: Alles, was ich vorschlage, wird zwar schon mit anderen Kindern/Jugendlichen zusammen trainiert, aber eben nicht im Sinne einer "Mannschaft", in der Unterordnung und Kooperation noch viel mehr gefordert wäre. Letzteres hätte bzw. HAT der hiesige ADHSler schlicht nicht leisten können (wir habens eine Zeit mit Handball probiert).
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon lenilein » 29. März 2016 21:15

Wieso muss er denn noch unbedingt Sport treiben?

Spielplatz und Pfadfinder ist doch mit Sicherheit auch eine Menge Bewegung und wenn er dann in seiner Freizeit noch Fahrrad fährt oder sich anderweitig bewegt, ist das doch voll okay.
Nicht jedes Kind wurde als Sportler geboren.

Und wegen der Skoliose wäre vielleicht auch Krankengymnastik angemessen.
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon Eule » 29. März 2016 21:51

Zum einen: Arzt fragen nach empfehlenswerten Sportarten.

zum anderen: Soviel ich weiß sind vor allem Sportarten mit abrupten Bewegungen und Richtungswechseln oder mit kräftigem "Beschleunigen und Bremsen" problematisch.

Generell sind solche Sportarten wenn jemand insgesamt untrainiert ist zu vermeiden - einfach weil die unzureichnet trainierte Muskulatur in diesem Fall kaum in der Lage ist, die Bewegungsenergie im physikalischen Sinn auch wieder abzufangen/zu stoppen, bevor etwas überbeansprucht wird.

Damit ist man im wesentlichen bei "langsamen" und "gleichmäßigen" Ausdauersportarten. Schwimmen ganz vorne dran, die nächsten wären Joggen (Mist wenn die kondition nicht vorhanden ist, und zumindest auf harten untergründen gibt das auch ganz schön "Schläge" in die Wirbelsäule), Radfahren, Nordic Walking, Skilanglauf, wandern.

Bei einem guten Teil dieser Sportarten habe ich als Kind gesagt "Oh wie gruselig langweilig." Grund: Der Bewegungsablauf ist monoton, und die Variationen recht gering. Ich glaube das geht vielen Kindern so, besonders wenn sie Sport im Sinn von Wettkampf gegen andere, gegen die Zeit etc ziemlich doof finden, weil sie öfter verlieren als sie es ertragen können.

Was für mich ging: Wandern. Ich war damit aufgewachsen, dass wir viel zu Fuß unterwegs waren, und als ich ab der 5.Klasse Klassenlehrer hatte, die gerne wanderten, und tatsächlich die offiziellen Wandertage auch zum Wandern nutzten, sowie zusätzlich etwa alle 3 bis 4 Wochen an einem schulfreien Samstag auf freiwilliger Basis Wanderungen anboten, auf denen behutsam in knapp 2 Jahren von etwa 6 bis 8km Touren mit moderaten Steigungen bis zu Touren mit zwischen 18 und 25km Länge und auch einigem an Höhenmetern quer durchs Mittelgebirge gesteigert wurde. Es funktionierte, weil es in einer angenehmen Gruppe stattfand, weil viel zum ansehen da war, fast permanent jemand etwas entdeckte oder zeigte - mal waren es Pflanzen, Bäume etc, mal der Hinweis zu welchem Ort der Kirchturm da hinten gehörte oder es fanden sich Vogelfedern, oder sonst etwas das ich spannend fand, einsammelte und irgendeinen der Erwachsenen (teilweise wanderten auch Eltern mit) darüber "löcherte".

Wenn dein Sohn ähnlich tickt wie ich (und die Begeisterung für die Pfadis bringt mich durchaus auf diese Idee), klappt vielleicht auch bei ihm ein eigentlich langweiliger Ausdauersport wie Wandern, wenn er mit Naturerlebnis oder anderem "Beiwerk" gekoppelt ist. So liefe der Konditionsaufbau eher unbemerkt nebenher, und "schwächeln" wird nicht durch "ich will denundden besiegen" sondern durch "ich will daundda hin, dasunddas sehen" überwunden - mit solch einem Ziel vor Augen hat man eine "Gewinngarantie", ganz anders als bei diesen "ich will vor meinem Kumpel am Ziel sein" - Dingern, die er wahrscheinlich wegen seiner schlechten Kondition gar nicht erst versucht, weil er immer befürchten muss der "Loser" zu sein.

Wie bewegungsintensiv die Pfaditreffen sind kann ich nicht beurteilen - das ist wohl auch sehr von der jeweiligen Gruppe abhängig. Aber evtl solltest du für dich gedanklich auch diese Zeit als "moderaten Sport" verbuchen.

Auch Radfahren (aber eher nicht Rennrad mit Bezug zu Zeiten oder Geschwindigkeiten und Entfernungen als Leistungsmaßstab) als Möglichkeit von A nach B zu kommen könnte eine Idee sein. Vielleicht kannst du ihn ja zu sowas gewinnen, wenn du es mit Geocaching koppelst. ich habe Freunde die mit 3 Kids zwischen 5 und 12 tatsächlich regelmäßig mal mit Rad, mal zu Fuß Halbtages- bis Tagestouren zum Geocachen machen, und schon mal scherzhaft gesagt haben "das ist die moderne Version des 70er Jahre Familien-Sonntagsspaziergangs, je nach Wunsch auch recht sportlich". Um auszuprobieren ob das was ist, reicht erst mal ein Smartphone mit GPS-Empfänger, und je nach Tourdauer eine Powerbank zum Nachladen - GPS-Betrieb ist ein Akkukiller. Wenn man sich damit anfreunden kann und das weiter betreiben möchte, ist ein geeignetes GPS-Gerät schon sinnvoll - die sind robuster als die meisten Smartphones und die Akkus halten länger, und bei größeren (Rad-)Wandertouren zwischen mehreren Geocaches gelingt damit auch die Tourvorbereitung mit PC sowie Papierkarte zum Abgleich oft besser.

Was vom Bewegungsablauf günstig und vor allem konditionsmäßig als Einstieg eine machbare Sache wäre sind die langsameren asiatischen Sportarten wie Yoga oder Tai Chi. Aber es wird wahrscheinlich schwierig bis unmöglich zum einen ein Angebot für Kinder zu finden, und zum anderen auch noch ihn dafür zu gewinnen - das Risiko dass er falls du überhaupt ein passendes Angebot findest sagt "Das ist doch für Mädchen, will ich nicht!" halte ich für ziemlich hoch.
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon hyperactive_man » 30. März 2016 15:42

Hallo und danke für eure vielen Antworten

Also nochmal, da hier - fürchte ich- echt ein falscher Eindruck entsteht. Ich möchte nicht, dass er Sport macht, weil seine Bilanz ein Bewegungsdefizit aufweist. Mir ist es schnuppe ob er sportlich ist oder nicht. Ich möchte nur nicht, dass er als Erwachsener größere Probleme hat, weil sein Körper im Kindesalter einfach zu sehr geschont wurde um es mal vorsichtig auszudrücken.

Die Skoliose scheint evtl. auch ein bissle Veranlagung zu sein. Scheinbar hatte es meine Mutter und meine Uroma auch. Bei meiner Mutter "verwuchs" es sich wohl, als sie beim DLRG mit dem Schwimmen anfing.

Ich selbst war als Kind auch ein echter Sportmuffel und habe erst spät (nach der Geburt des 1. Kindes) dessen Vorzüge zu schätzen gelernt.
Nur bei ihm ist es echt extrem. Er hat schon so einen seltsamen Schwung-Gang wie eine Marionette der Augsburger Puppenkiste. Wie so ein Gummimann. Die Füße schlürfen am Boden, die Arme baumeln rechts und links, die Schultern hängen nach vorn... Wenn er rennt sieht das aus, als wären seine Gliedmaßen Fremdkörper.

Arzt (Ärzte) haben wir gefragt und die sagen immer, ausnahmslos das selbe: Klettern, Schwimmen, Kampfsport, Sportarten ohne Leistungsdruck, keine Ausdauersportarten. Nur WIE ich ihn dazu motivieren könnte, das sagen sie einem natürlich nicht.

Ich fasse mal zusammen:
Pfadfinder: Bewegung eher eingeschränkt, ja sie wandern, aber das sind eher zu vernachlässigende Strecken und eher selten, dem Geruch nach verbringen die Kundis ihre wohl am liebsten am Lagerfeuer :roll:

Robinsonspielplatz: eher so Tüftelarbeit, kaum Bewegung

yoga ect.: keine chance. Wir versuchen das seit über einem Jahr, weil ich ihm damit helfen möchte besser einzuschlafen. Ich mache Progressive Muskelentspannung und Yoga so ein bissle gemischt mit ihm, aber da bleibe ich einfach mal dran

Radfahren: da gibt er sehr schnell auf, weil er keine Kondition hat. Dummerweise ist sogar die Schule direkt vor der Türe, so dass er keine 2min braucht und auch das kein Anreiz wäre, So im Sommer mal ins Freibad ect. das klappt recht gut, aber wehe ich kündige eine Radtour am Wochenende an. Da hat er dann plötzlich was für die Schule zu lernen :?

Krankengymastik: Hab ich auch schon überlegt, ist sicher auch sinnvoll, aber ich bezweifle, dass er die Übungen daheim konsequent mit mir weitermachen würde, was ja nötig wäre

Reiten: -> Krankenkasse habe ich schon gefragt, die würden anteilig die Kosten für die ReitTHERAPIE übernehmen, aber nur 200 € im Jahr und das reicht mir vorne und hinten nicht. Einen normalen Reitkurs übernehmen die nicht, weil die Lehrer müssten dazu irgendwie besonders ausgebildet sein und der Kurs müsse eine Einheit sein, also z.b. 10 Stunden mit fester Gebühr. Aber da bleibe ich mal dran, ergänzend zu etwas anderem kann es wirklich nicht schaden und vielleicht kann ich ihn ködern mit "wenn du zum Judo oder sowas gehst, dann klappt das mit dem Reiten". Ist aber eigentlich nicht so meine bevorzugte Strategie. Es darf halt nicht als Erpressung rüberkommen, das geht gar nicht.
Judo ist auch immer abends und Reiten wäre - da hab ich mich schon schlau gemacht - pratischerweise Samstag vormittag. Somit geht nicht so viel Spielzeit flöten. Bei der Reittherapie auf der Kur war er wohl gestern ganz akrobatisch und angetan. Er lief an der Lounge und musste stehen, liegen, traben. Aber da hat er die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Lehrerin, die ihn genau im Auge behält und an seine Haltung erinnert.

Joggen: Ich laufe selbst und ich finde nicht, dass es hilft die Tiefenmuskulatur aufzubauen. Es ist wichtig, eine gute Tiefenmuskulatur zu HABEN wenn man läuft, aber man baut sie dadurch nicht zwangsweise auf. Man hält sie dadurch, wenn sie da ist. Dazu mache ich gezieltes Coretraining. Bzw. Rumpftraining ect. Bei meinem Sohn sähe ich da eher die Gefahr dass er noch mehr abnimmt, wenn das überhaupt noch geht. Davon abgesehen würde ich ihn nicht dazu bewegen mit mir zu laufen.

Nordic Walking: Haben wir auch schon versucht. Aber da ist es wie mit dem Joggen: von einem 10jährigen zu erwarten, dass er seinen Körper gezielt anspannt und dabei dann bewusst läuft ist vielleicht zu viel erwartet. Das wäre sicher ein guter Sport für ihn, wenn er an Übergewicht leiden würde.

Wandern: Ja, macht er gern, machen wir auch alle gern und regelmäßig, erst vergangenes Wochenende 12 km. Ich wüsste nicht, wie er dabei die Tiefenmuskulatur trainiert. Mir geht es wirklich primär um seine Haltung. Es mangelt ihm keineswegs an Bewegung. Aber die Muster sind einfach komplett falsch abgespeichert im Hirn. Er braucht einen Sport bei dem er sich seines Körpers bewusst wahrnimmt. Wenn das einmal sitzt, davon bin ich überzeugt, muss man das nicht mehr so fokussieren.

Schwimmen: eigentlich geht bei mir jetzt die Laufsaison wieder so richtig los, aber ich habe entschieden, ihn einmal die Woche abends mitzunehmen, wenn er Lust hat. Dann kann er planschen, springen, toben und ein paar Bahnen mit mir machen, ganz zwanglos,

Kampfsport: Das wäre eigentlich so meine Präferenz. Fürs Klettern ist er einfach noch zu schwach. Ich glaube wirklich, dass es ihm gefallen würde, wenn er sich erst einmal darauf einließe.


Ansich bewegt er sich gern. Wenn es nicht anstrengend ist. Mir ist aber folgendes aufgefallen (ich war völlig von den Socken). Am Wochenende besuchte ich die Männer auf der Kur. Dort war so ein Spielplatz mit einer defekten Seilbahn. Es hing noch ein Reifen in ca. 2 m Höhe, aber das Gummiding und der Sitz, der üblicherweise daran baumelt fehlten schon. Er nahm sich eine herumliegende Plastiktonne (ca. 50 cm Durchmesser), stellte sich darauf und griff mit der Hand nach dem Reifen. Dabei war sein Körper sehr gestreckt. Er versuchte sich dann so entlang der Bahn fortzubewegen.
Das ist echt anstrengend und erfordert wirklich ein hohe Konzentration und Körperbewusstsein. Es war das erste mal überhaupt, dass
1.) er freiweillig eine anstrengende Bewegung ausübte
2.) verbissen über einen längeren Zeitraum dranblieb, obwohl er immer wieder "abstürzte"

Das ist vielleicht für viele unverständlich, aber das war für mich so eine Art Meilenstein. Jetzt kann ich natürlich hier keine Seilbahn hinstellen : :mrgreen: , aber ich weiß jetzt, dass er durchaus in der Lage ist, sich anzustrengen, wenn ihm etwas Spaß macht. Ich muss jetzt "nur" noch das passende finden.

sorry für die Romanlänge :oops:
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon Menolly » 30. März 2016 15:58

Ach, ich denke so schlimm ist es ja nicht, wenn etwas falsch verstanden wird. Hast es ja jetzt klar gestellt. ;)

Fürs Klettern ist er einfach noch zu schwach.

Und wenn du es ihn einfach mal probieren lässt?
Die Kraft baut sich ja nur durch üben und machen auf. Er muss ja nicht gleich bis ganz nach oben, aber wenn er sich so langsam dran macht, und er Spaß dabei hat, warum nicht?


Mit dem Reiten muss ich noch kurz was schreiben ( so allgemein )
Wir machen hier ja Reittherapie mit Autisten.
Gleichzeitig geben wir aber auch normalen Reitunterricht. Die Gruppen sind kein, und wir haben da extra einige Kinder dabei, die sich eine Therapiestunde einfach nicht leisten können.
Also Arbeiten wir mit ihnen so wie in einer Therapiestunde. ;)

Vielleicht gibt es ja so etwas bei euch in der Nähe.
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon hyperactive_man » 30. März 2016 16:21

Menolly hat geschrieben:Die Kraft baut sich ja nur durch üben und machen auf. Er muss ja nicht gleich bis ganz nach oben, aber wenn er sich so langsam dran macht, und er Spaß dabei hat, warum nicht?


Also wir gehen recht regelmäßig zum Klettern und Bouldern. Es ist ja nicht so, dass wir es nicht schon versucht hätten. Er ist dann so auf 2m. Oh wird jetzt knifflig, oh Arm wird schon ganz schwach, ach einfach mal ins Seil hängen und Terror machen, bis wir ihn ablassen :roll:
Seit er 6 oder 7 ist nehmen wir ihn immer mit und bieten es ihm immer wieder an, aber das scheint so gar nicht sein Ding zu sein.


Also zum Reiten: Ich werde das wohl versuchen, denn ich sehe das noch so als letzten Rettungsast. Und mir ist wichtig, dass er etwas macht, das ihm Freude bereitet. Ich bin ein echter Pferdenarr, gewesen. Jetzt fehlt mir echt die Zeit. Und mir hat es als Kind sehr geholfen. Ich habe es nie testen lassen, aber ich beschäftige mich schon lange intensiv mit ADHS und ich glaube, dass ich es auch habe. Eher so die typische Mädchenvariante: verträumt ect. (mein jüngerer Bruder wurde, als es vor ca. 20 bei ihm diagnostiziert wurde medikamentös behandelt, damals noch völlig ohne Begleittherapie, weshalb sein Lebenslauf eher so durchwachsen ist. So langsam, jetzt mit fast 30 kriegt er sein Leben einigermaßen selbstständig in den Griff, aber andere Baustelle).
Ich komme mit meiner Verpeiltheit recht gut klar. Bin der Meinung, dass man seine Schwächen kennen muss, um das Leben bestreiten zu können. Man darf aber nie die Stärken aus den Augen lassen, sonst wird es schnell düster um einen herum.

Also ich war damals reiten und irgendwas hat das bei mir bewirkt. Ich hatte eine Zone in die ich mich hinfliehen konnte. Etwas worin ich endlich gut war, Pferde verspotten einen nicht, ich konnte hilfreich sein (Stallputzen) und ich finde es gibt doch kein schöneres Gefühl, als sich nützlich zu fühlen, oder?
Deshalb bin ich vollends überzeugt von den vielfältigen Vorzügen des Reitens. Der positive Nebeneffekt ist, dass man völlig spielerisch seinen eigenen Körper ganz anders wahrnimmt. "Wie? Rechte Wade anspannen? Hä?" :lol:

Ich werde mich da auf jeden Fall dahingerklemmen, darin hast du mich eben nochmal bestärkt. Wichtig ist wohl, dass wir einen Verein finden, der da das nötige Verständnis aufbringt und nicht vorhat aus unserem Sohn einen Springreiterprofi zu machen.
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon ripley » 30. März 2016 16:31

Ich hab so ein bisle das Gefühl, dass auf "seinem" Sport möglichst NICHT "Papa" oder "Mama" draufstehen sollte. Sprich, je mehr IHR ELTERN ihn zu etwas überreden oder, noch "schlimmer", dabei anleiten wollt, desto unsympathischer wird das dann für ihn.
Was für einen "echten Jungen" in der Vor- oder Frühpubertät eigentlich nur völlig normal und zu erwarten ist.

Wie gesagt, ist ein Gefühl von mir.
Falls zutreffend ... guck, wie ihr das löst. Ggf. ist da ganz einfach Kreativität gefragt.
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon Eule » 30. März 2016 16:35

Das was er spannend findet hat ja eine gewisse Gemeinsamkeit mit Klettern.

Es gibt auch Therapeutisches Klettern. Ob bei euch weiß ich nicht - aber es wäre etwas das als Physiotherapie vom Arzt verschrieben werden könnte. Und wenn er damit angelockt werden kann, und von da aus auch konditionsmäßig so weit kommt dass er den Übergang in eine altersmäßig passende Klettergruppe hinkriegt.... (Habt ihr eine Halle, wo du kletterst, haben die ein Kursangebot auch für Kids?)

Warum eigentlich KEINE Ausdauersportarten? Gerade schwimmen gilt als Ausdauersportart, wenn man nicht gerade Kurzstrecke auf Zeit schwimmt.

Was mir gerade bei der Radtour-Geschichte einfällt: Kann es sein dass du bei vergangenen Aktionen dieser Art Touren geplant hast die für ihn schon 3 Nummern zu groß waren? Der Bewegungsablauf beim Radfahren ist ein völlig anderer als beim Laufen, und er fordert auch andere Muskeln als das Laufen. 12km wandern können bedeutet nicht dass man dann ebensogut 20km radfahren kann. Je nach Topografie können 10 schon reichlich sein.

Und eintönig eine halbe Stunde am Stück Pedale rundtreten ist auch langweiliger als eine Herausforderung fürs Gleichgewicht wie diese Seilbahngeschichte auf dem Spielplatz.

Was ein Training aller Muskelgruppen das gleichzeitig die Haltung korrigiert angeht: Ich habe als Kind viele Jahre im Turnverein geturnt. Das nötige Aufwärmen zur Verhinderung von Verletzungen wegen kalter Muskulatur habe ich grad noch so eingesehen. Aktionen wie Zirkeltraining auf Zeit oder auch die Simpelvariante 10mal diese, 5mal jene Übung etc, zusammen vielleicht 15 Minuten, und nicht übertrieben schnell so dass der gesamte Körper durchbewegt wird, besonders auch die Muskeln die man im Alltag eher nicht benutzt habe ich damals gehasst, und finde ich auch heute noch extrem schwer durchhaltbar. Obwohl ich weiß dass ich das brauche, mindestens alle 2 Tage, wenn ich keine massiven Probleme mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen haben will aufgrund meiner Fibromyalgie.

Will sagen: Alles was nach mechanischem Pflichtprogramm ähnlich wie Krankengymnastik aussieht ist nur schwer dauerhaft umsetzbar weil der Spaßfaktor zu kurz kommt. Selbst für mich als "vernünftige" Erwachsene mit Ü40, die eigentlich immer eher der sportlich aktive Typ war, auch wenns immer mal wieder an der Ausdauer klemmte, die dann durch Willenskraft ersetzt wurde.

In einem gewissen rahmen habe ich mir da mit dem Geocaching etwas gesucht das mir hilft regelmäßig kleine zügige Spaziergänge oder Radtouren zu machen, die durch die eingebauten "Bonbons am Wegesrand" eben nicht spießig-öde-eintönig sind, weil sie mit dem Such- und Rätselspiel und dem GPS-Gerät gekoppelt sind. Und die Freunde die das mit den Kids machen sehen dass es nicht nur bei ihnen, sondern auch bei den Kids dieser "SpielSPaßSpannungSchokolade-Faktor" ist, der so ödes Zeug wie zügig gehen (und gewisse Gehgeschwindigkeiten sind auch nur möglich wenn man eine gewisse Körperspannung aufbaut und hält) oder radfahren eben etwas "auflockert". weil man bei einem Multi zum Beispiel Rechenaufgaben, Zählaufgaben oder Rätsel lösen muss um die nächsten Koordinaten zu finden. Und die Bewegungsetappen dazwischen liegen zwischen weniger als 100m bis hin zu 2 oder 3 km. Ist aber jeweils aus der Cachebeschreibung ersichtlich.
hyperactive_man
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon hyperactive_man » 31. März 2016 15:43

Hi,

nachdem ich jetzt darüber geschlafen habe, komme ich (zunächst) zu foldendem Plan.

Ich werde ihn nirgends anmelden. Er soll zum Reitunterricht gehen, irgendwie bringe ich das auf.
Den Rest mache ich einfach aus einem gesunden Mix.
Dazu habe ich mir überlegt: Motorikspielplatz 1-2x mtl (ist etwas weit), schwimmen gehe ich 1x die Woche, wenn er Bock hat soller mit, wenn nicht, dann nicht
er bekommt (wunschgemäß) neue Inliner und ich werde häufiger mit ihm zusammen fahren
Und ich werde ihn bitten 1x täglich 10 Min ein kleines Workout mit mir zu machen. Z.b. mit dem Gymastikball oder den Terrabändern, Seilhüpfen, dem Flexistab. -> diese 10 min fließen in das Belohnungssystem ein und es gibt eine kleine Süßigkeit als Belohnung.

Dann hoffe ich, in dem ich einfach viele verschiedene Sachen mache ihn erst mal grundsätzlich etwas zu stärken. Vielleicht ergibt sich dann in der Pubertät (dem Geruch nach kann es nicht mehr lange dauern :lol: ) doch noch das Interesse für die eine oder andere Sache.

Geocaching steht übrigens schon ewig auf meiner Todoliste. Wir haben das einmal am Geburtstag gemacht und das machte sooo viel Spaß! Das ist auf jeden Fall eine super Idee!!!!
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Alina Licht
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Re: ADHS - keine Lust auf Sport

Beitragvon Alina Licht » 20. Juni 2016 23:33

Hallo!
Du hast ja schon einen Plan gemacht, aber als Kind mit der Kombi ADHS und Skoliose wollte ich trotzdem einfach noch mal meinen Senf dazu geben.

1. Ich weiß nicht, wie stark die Skoliose bei deinem Sohn ist, aber sollte sie im zweistelligen Gradbereich sein, dann wäre eine Krankengymnastik durchaus sinnvoll, gerade wenn er ansonsten auch nicht so eine stabile Haltung hat.
Ich gehe seit bestimmt drei Jahren zwei mal die Woche zur Krankengymnastik und das ist auch gut so. Ja, die Übungen sind nicht besonders spannend und je nach Physiotherapeut (die haben zwischendrin mal gewechselt) ist es unheimlich schwierig dranzubleiben. Aber wenn man da nen guten Thera erwischt, der viel mit Kindern arbeitet und weiß wie man die auch mal mit neuen Übungen motiviert und zwischendurch auch nett mit einem plaudert, dann ist es durchaus aushaltbar.
Dein Sohn ist ja noch relativ jung, so dass eine Krankengymnastik auch noch so einiges bewirken kann. Ansonsten wird es (gerade bei wenig Stabilation durch die Muskulatur) durch das Wachstum eher schlechter als besser, wobei man das Wachstum andersherum auch nutzen kann, damit sich überhaupt noch was verbessern kann. Wenn man erstmal ausgewachsen ist, wird das eher nichts mehr mit der Korrektur und Stabilisation.
Letztes Jahr war ich sogar in Reha wegen der Skoliose und das hat wirklich viel gebracht. Die Klinik hatte auch hauptsächlich minderjährige Patienten.


2. Es wurden ja jetzt schon viele Sportarten vorgeschlagen und diskutiert und ich kann mich da bei den meisten Sachen nur anschließen.
Eine Sache ist mir aber auch noch eingefallen: Wenn er Schwimmen eigentlich mag, ihm das aber zu langweilig ist, könnte er Tauchen ausprobieren. Regelmäßiges Schwimmtraining gehört da auch dazu, aber durch die Ausrüstung (Tauchermaske, Schnorchel, Flossen) und andere Trainingsaspekte ist es doch irgendwie abwechslungsreicher.
Dazu kommt (wenn er etwas länger dabei und etwas älter ist) dann die Möglichkeit im See oder Meer zu tauchen, was ja auch wieder irgendwie wie Wandern ist, bloß unter Wasser. :D
Klar, mit Skoliose ist ein schweres Tauchgerät bei Tauchausflügen nicht so super, aber wenn man nette Tauchlehrer hat, helfen die einem auch mal beim Tragen oder Leihen einem einen Bollerwagen. Und die Ausrüstung ist zwar teuer, aber das allermeiste kann man sich meistens beim Verein leihen. (Ich tauchen seit über zweieinhalb Jahren und habe immer noch nichts außer Schnorchelausrüstung und einem gebrauchten Neoprenanzug für 20 € ;) )

Hoffe ich konnte noch die eine oder andere gute Idee beisteuern.
LG Alina

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