Störung der Informationsverarbeitung?

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OskarHH
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Störung der Informationsverarbeitung?

Beitrag von OskarHH » 9. Juli 2018 20:39

Als "Störung der Informationsverarbeitung im Gehirn" wird ADHS oft beschrieben.
Das hört sich dann plötzlich nicht mehr so sehr nach schlimmem Schicksal oder Charaktereigenschaft sondern eher nach
Je länger ich mich damit befasse und je länger ich versuche in mich hinein zu spüren wenn ich zum Beispiel gerade besonders unkonzentriert bin umso eher spüre ich genau das. Was lange einfach ein Teil von mir war fühlt sich nun an wie eine Art Klotz der auf mir lastet aber eigentlich aber nicht zu mir gehört. Als wäre ich gar nicht unkonzentriert und launisch sondern es gäbe etwas was mich unkonzentriert und launisch macht.
Irgendwie scheine ich intuitiv zu wissen wie es "richtig" ist es aber nicht umsetzen zu können

Für mich schließt sich dann die Frage an ob das Hirn die korrekte Verarbeitung der Informationen nicht lernen kann
Bzw ob man diese korrekte Verarbeitung nicht trainieren kann
Nach allem was man so hört scheint das Hirn ja enorm lernfähig zu sein, selbst bis ins hohe Alter. Also warum nicht?

Was haltet ihr davon?
Kennt ihr dieses Gefühl auch?

Irgendwie will mir dieser Ansatz/Gedanke oder wie man es auch nennen mag nicht aus dem Kopf.
Stefan SRO
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Re: Störung der Informationsverarbeitung?

Beitrag von Stefan SRO » 10. Juli 2018 07:59

Hallo Oskar,

da liegst Du m.E. gar nicht so falsch. Ich bin ein sehr gutes Beispiel für Karriere mit ADHS. Quasi "aus versehen" weil ich die Diagnose erst vor 5 Wochen bekam.

Pro: Ich habe auf mich gehört und mit viel Energie viel geschafft und geschaffen.
Kontra: Ich habe mich "aufgezehrt" und mein Umfeld belastet.

Ich habe so lange Gas geben, bis mich 2014 ein Burny auf die Bretter warf. Ich hatte mich im doppelten Sinne bezwungen und nun die Folgen.

Heute weiß ich, das man manches "austricksen" kann aber viel liegt so animalisch tief im Hirn dass man nicht heran kommt.
Die Emotionen kann ich bis heute nicht "besiegen" und das ist ein Punkt, der mir Behandlungswürdig erscheint. (vor allem Im Umgang mir den eigenen Kindern und der Familie)

Ich denke, um seine "Schwächen" und Stärken wissen und mit Hilfe eines Therapeuten ein paar (hoffentlich wenige) Strategien entwickeln, damit um zu gehen.

Wenn Du das Thema weiter ausbauen willst, gern.

VG
Stefan
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Re: Störung der Informationsverarbeitung?

Beitrag von OskarHH » 10. Juli 2018 11:14

Ich weiß nicht, mir geht es gar nicht so sehr um Karriere oder nicht Karriere oder derartiges.
Es geht mir ehr darum was tief im Hirn liegt und wo man nicht ran kommt wie du es gesagt hast.
Ich habe aber schon das Gefühl das ich in gewisser Weise da ran komme nämlich indem ich einfach durch viel achtsames Verhalten und Therapie gelernt habe sozusagen mein ADHS beim arbeiten zu spüren.
Ich merke sozusagen wenn in meinem Kopf gerade etwas nicht funktioniert, und ich spüre auch wie es funktionieren müsste habe also ein Gefühl dafür wie es richtig sein könnte
Ich habe das Gefühl das ich da eben mehr tun kann als nur mit ADHS umzugehen nämlich die Fehlfunktion selbst zu bearbeiten
Deswegen interessiert mich die Funktionsweise von ADHS so, denn wenn man weis was falsch läuft kann man es denke ich auch bearbeiten
ULBRE
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Re: Störung der Informationsverarbeitung?

Beitrag von ULBRE » 10. Juli 2018 11:43

Hallo Oskar,

nach meinem Verständnis ist bei AD(H)S die Informationsverarbeitung genau in der Weise gestört wie es bei akutem schweren Stress der Fall ist. Die Symptome sind deshalb identisch.
Ich beschreibe AD(H)S deshalb als Störung der Stresssysteme, die zu leicht anspringen oder nicht ehr abschalten.
AD(H)S ist Stress ohne Stressor.

Deshalb ist AD(H)S auch so schwer zu diagnostizieren - insbesondere bei Kindern, bei denen man keine lange Lebensgeschichte hat um zurückzugehen, in der Annahme, dass kein lebenslanger Stressor bestand.

Hilft Dir das ?

Viele Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
OskarHH
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Re: Störung der Informationsverarbeitung?

Beitrag von OskarHH » 10. Juli 2018 14:59

ULBRE hat geschrieben:Hallo Oskar,

nach meinem Verständnis ist bei AD(H)S die Informationsverarbeitung genau in der Weise gestört wie es bei akutem schweren Stress der Fall ist. Die Symptome sind deshalb identisch.
Ich beschreibe AD(H)S deshalb als Störung der Stresssysteme, die zu leicht anspringen oder nicht ehr abschalten.
AD(H)S ist Stress ohne Stressor.

Deshalb ist AD(H)S auch so schwer zu diagnostizieren - insbesondere bei Kindern, bei denen man keine lange Lebensgeschichte hat um zurückzugehen, in der Annahme, dass kein lebenslanger Stressor bestand.

Hilft Dir das ?

Viele Grüsse

UlBre

Hmm...
Ja eigentlich ist es nicht das was ich meine. Mir geht es eher darum sich vorstellen zu können wie etwas "normal" wäre ohne es je erlebt zu haben und darum zu spüren wie Informationen falsch verarbeitet werden. So in der selben Weise wie man spürt wie der Magen arbeitet wenn man etwas falsches gegessen hat. Seit dem habe ich das Gefühl das meine Symptome (ganz ohne Bearbeitung) ein kleines bisschen besser geworden sind.
Aber es ist ein interessanter Punkt was du ansprichst. Und damit hilft es mir schon, wenn auch nicht in der Weise die ich mir erhofft habe

Du meinst du beschreibst ADHS als Störung der Stresssysteme. Arbeitest du irgendwie mit ADHS oder schreibst darüber oder beschreibst du ADHS nur für dich selbst so?
ULBRE
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Re: Störung der Informationsverarbeitung?

Beitrag von ULBRE » 11. Juli 2018 00:09

Hallo Oskar,

ich forsche seit ein paar Jahren so vor mich hin.
Was ich so gesammelt habe - aus vielen Gesprächen, sehr vielen Primärquellen und mit Unterstützung einiger Fachleute, findest Du unter http://www.adxs.org.

Viele Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
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