Tremor und motorische Ungeschicklichkeit

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laetitia
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Tremor und motorische Ungeschicklichkeit

Beitragvon laetitia » 10. April 2015 21:13

Hi Leute

Hm...ich habe noch immer viele Fragen und versuche, zu entscheiden, wie ich weiter gehen will.

Also vor einem Jahr hatte mich ein Bekannter auf meinen Tremor aufmerksam gemacht. Der war mir bis anhin nicht aufgefallen und ich dachte immer, dass das normal sei, dass man die Hand nicht ganz still halten kann. Aber seitdem kommt mir das immer mal wieder in den Sinn und fällt es mir auch immer wieder auf. Dazu kommt, dass ich des öfteren Stolpere oder auch mal in Ecken renne und im Allgemeinen eher etwas tollpatschig durch die Welt gehe. Feine Arbeiten können mich zum Wahnsinn treiben, zum Beispiel einen Faden in eine Nadel einfädeln. Einen schönen Lid-Strich hinzubekommen ist mir noch nie gelungen und daher mache ich mein Makepup mit Pinseln und so, dass genaue Linien nicht so eine Rolle spielen. Das Gleichgewicht zu halten ist auch nicht unbedingt meine Stärke.

Vor einem halben Jahr besuchte ich wegen dem Stolpern meinen Hausarzt, der sich aber als Sportarzt spezialisiert hat. Er meinte, ich sollte eine Kräftigungstherapie machen. Das hat mich nicht so ganz überzeugt, auch wenn ich davon ausgehe, dass es sicher nicht falsch ist, etwas Muskeln um die Gelenke anzulegen.

Vor einer Woche sah ich meinen leiblichen Onkel, den ich seit ca. 15 Jahren nicht mehr sah und mir ist aufgefallen, dass er den Tremor auch hat und zwar sehr ausgeprägt. Muss also in der Familie liegen. Er hatte auch mühe in der Schule und arbeitet seit jeher als Pflegeassistent im selben Spital wo er gelernt hatte. Ich habe aber den Eindruck, dass er eigentlich viel mehr drauf gehabt hätte. Aber das ist seine Sache. Er ist auch sehr einsam, hatte einmal eine Freundin und dann nie wieder.

Nun bin ich mir am überlegen, ob ich das mit dem Tremor und dem Stolpern, Gleichgewicht und so mal neurologisch abklären lassen soll...oder ob ich einfach am hypochondern bin und das eh einfach Symptome von ADS sind.

Überhaupt, hat jemand hier sein ADS auch auf neurologischem Weg abklären lassen, sprich, EEG und solches Zeugs gemacht?

Ich habe vor einer Weile auf Youtube ein paar Videos von Dr. Daniel G. Amen gesehen und mir seine website angeschaut und fand es sehr interessant, dass er sich bei der Diagnose nicht bloss auf Fragebogen verlässt, sondern auch Hirnstrommessungen und sogenannte SPECT-Scans macht, anhand derer und der Fragen und auch medizinischen Untersuchung er dann entscheidet, welche Therapie sein Patient bekommt und welche Medikamente. Leider habe ich bis jetzt in der Schweiz noch nichts vergleichbares gefunden, sonst würde ich mich gleich dort anmelden.

Ich habe jetzt mal die Adresse von der Neurologin einer Arbeitskollegin bekommen, die eine leichte Epilepsie und mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit ADHS hat. Heisst, ihre Neurologin will sie immer wieder testen, aber meine Kollegin findet das überflüssig, da sie wegen der Epilepsie schon genügend Medis nimmt und ihr Leben soweit eingerichtet hat, dass sie es ohne MPH schafft.

Ich weiss, ich weiss, sind ein bisschen dumm diese Ängste, aber sie sind halt da und ich muss mich sehr überwinden, dort anzurufen. Hat vielleicht auch mit der Anti-Arzt-Haltung die ich von meinen Eltern in meiner Kindheit mitbekommen habe zu tun...so vonwegen, man rennt nicht wegen jedem Bibabo zum Arzt und jedes mal wenn ich zum Arzt ging, fanden sie, ich würde simulieren. Und oft wenn ich krank war, bing ich erst zum Arzt, als die Grippe oder was auch immer schon wieder am abheilen war und ich dann nicht so richtig wusste, was ich dort überhaupt tat...

Tja, jedenfalls würde ich mich über den Erfahrungsaustausch sehr freuen.

Danke schon mal fürs lesen.
Elchi
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Re: Tremor und motorische Ungeschicklichkeit

Beitragvon Elchi » 10. April 2015 21:51

Hallo Laetitia,

ist bei Deiner Diagnose denn die Schilddrüse ordentlich untersucht worden?
Meine Tochter hat diese Schusseligkeit und den Tremor, wenn die sie bei ihrer Schilddrüsenunterfunktion zu wenig Medikamente nimmt (obwohl gerade der Tremor eigentlich ein Überfunktionszeichen ist).

LG
Elchi
Zuletzt geändert von Elchi am 10. April 2015 21:51, insgesamt 1-mal geändert.
laetitia
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Re: Tremor und motorische Ungeschicklichkeit

Beitragvon laetitia » 10. April 2015 22:25

Hi Elchi

Danke für den Tipp.

Also ich war mal vor Jahren bei meinem Hausarzt, weil ich mir überlegte, Antidepressiva zu nehmen. Der hat dann ganze Ampullen mit Blut ins Labor geschickt, unter anderem auch wegen der Schilddrüse. Die Laborwerte waren aber alle normal. Ist allerdings wirklich schon lange her, wenn ich zurück denke, müssen das gerade etwa zehn Jahre sein. Die Ungeschicklichkeit habe ich allerdings schon länger. Bewusst erinnern kann ich mich an meine Lehrzeit, wo ich des öfteren in eine gut sichtbare, vorstehende Ecke geprallt bin. Ich hatte immer irgendwo mindestens einen blauen Fleck.

Ich wurde als Kind in die Rhythmik geschickt. Warum weiss ich nicht mehr so genau, aber ich denke, es hatte wohl auch damit zu tun. Woran ich mich noch erinnern kann ist, dass ich das grässlich langweilig fand  :breitgrinse1:

Woran ich mich auch erinnere ist, dass ich in der 7. bis 9. Klasse sehr schlecht war im Turnunterricht. Turnen war bis dahin eines der Fächer, die ich lieber mochte. Aber da es mir in der Oberstufe nicht gelang, an das Niveau der anderen zu kommen, auch wenn ich mir noch so viel Mühe gab, wurde es zu dem Fach, das ich am meisten hasste. Weil meine Mitschüler und meine Lehrerin glaubten, ich würde mich nicht anstrengen.
Zuletzt geändert von laetitia am 10. April 2015 22:27, insgesamt 1-mal geändert.
Elchi
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Re: Tremor und motorische Ungeschicklichkeit

Beitragvon Elchi » 10. April 2015 22:36

Ich will Dir hier keine Schilddrüsengeschichte andichten.
Aber dass die Blutwerte alle in Ordnung waren, heißt leider nichts. Jedes Labor hat seine eigenen Referenzwerte (für viele Werte legen die Labore die sogar selber fest). Wenn die gemessenen Werte dann gerade noch so innerhalb dieser Grenzen liegen, ist das für die Ärzte normal und damit muss man nichts unternehmen.

Ich habe das bei meiner Tochter auch mal mit einem Wert beobachtet (welcher weiß ich jetzt nicht mehr). Bei einem Labor war sie mit ihrem Wert exakt auf der Untergrenze, also in Ordnung. Kurze Zeit später wurde der gleiche Wet in einem anderen Labor untersucht, hatte einen etwas geringeren Wert, aber die Referenzwerte lagen so viel niedriger, dass sie diesesmal genau in der Mitte lag. Mit dem gleichen Wert beim ersten Labor hätte sie einen Mangel gehabt, der dann, weil ja unter der Norm, auch vom Arzt wahrgenommen wworden wäre (ich glaube, es war ein Eisenwert).

Wenn man also den Verdacht hat, dass man irgendwo ein Problem hat, das man mit Blutwerten erkennen kann, sollte man sich die Werte geben lassen (man hat ein Recht auf eine Kopie der Laborwerte) und sich dann selber schlau machen.

LG
Elchi
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Re: Tremor und motorische Ungeschicklichkeit

Beitragvon laetitia » 10. April 2015 22:44

Danke Elchi

Hm, heisst das, ich sollte den Hausarzt bitten, nochmal eine gründliche Untersuchung vorzunehmen, oder würde das dann der Neurologe machen?

Ich finde meinen Hausarzt eigentlich eh nicht so toll, aber der kennt mich schon lange und einen neuen zu finden ist immer so eine Sache. Letztes Jahr versuchte ich einen Termin in einem Ärztezentrum zu bekommen, wegen einer Hefe-Infektion, von der ich nicht sicher war, ob die schon abgeheilt war, da noch immer gelb auf der Zunge. Die meinten dann, sie würden keine neuen Patienten aufnehmen, ich könnte aber für in drei Monaten einen Termin haben. Dann bin ich doch wieder zum Hausarzt, der ja eigentlich kein Hausarzt mehr ist...
Elchi
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Re: Tremor und motorische Ungeschicklichkeit

Beitragvon Elchi » 10. April 2015 23:12

Ja, theoretisch sollte sowas der Hausarzt machen. Aber die sind mit ihrem Budget ja leider immer sehr knauserig. Einfach nur mal so, ohne einen konkreten Verdacht , wird er nicht viel machen.

Und wenn Du jetzt z.B. die Schilddrüsenwerte haben willst, wird er nur einen Wert machen, den TSH. So lange der in der Norm ist (da geht es wieder los mit den Normwerten, manche sind der Meinung, über 2,5 ist nicht in Ordnung, aber in den Laboren gibt es häufig Normwerte bis 4,5 oder sogar noch darüber), wird er nicht weiter suchen.

Dabei sagt der TSH nichts über die Hormonversorgung im Körper aus, sondern nur, ob die Hirnanhangdrüse meint, es sei genug Hormon vorhanden. Wenn da irgendwas in der Steuerung nicht stimmt, kann man in einer dicken Unterfunktion sein, ohne dass der Arzt das wahrnimmt, weil ja der TSH normal ist. Feststellen könnte man das mit den freien Werten, aber die werden nur gemacht, wenn der TSH auffällig ist  :icon_eek:

Versuchen kannst du es ja mal. Es gibt auch Ärzte, die sich etwas besser auskennen und tatsächlich auch die anderen Werte bestimmen lassen. Das kann man nicht vorhersehen. (Manchmal hilft es, zu wissen, welche Symptome nach Lehrbuch mit einer Schilddrüsenfehlfunktion einher gehen und die man abklopfen möchte, da man in der Familie Schilddrüsenkranke hat  :811: )

LG
Elchi
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Re: Tremor und motorische Ungeschicklichkeit

Beitragvon laetitia » 10. April 2015 23:34

Hm. Vielen Dank. Dann werde ich dem etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und mir überlegen, wo ich erst mal anklopfe. Am liebsten hätte ich, einen Allgemeinarzt, der mit Spezialisten in einer Gemeinschaftspraxis tätig ist...ist wohl aber etwas viel gewünscht...
Die Neurologin meiner Kollegin ist auch Psychiaterin. Vielleicht doch eine gute Adresse. Die sollten ja auch erstmal alles untersuchen, um Körperliche Ursachen aller Art auszuschliessen. Jedenfalls dachte ich das bis jetzt immer.

Das einzige was ich über meine leibliche Familie weiss ist, dass meine Tante Schizophrenie hat und Medis nimmt, um die Stimmen nicht mehr zu hören. Und von der Vaterseite, dass die mit Drogen und Alkohol zu tun hatten und viele früh starben, durch Krankheiten (AIDS, Krebs, Tumore) oder Autounfälle...aber schon klar, ich kann das mir der Schilddrüse auch einfach erfinden  :breitgrinse1: .

Was mir noch in den Sinn gekommen ist, ist, dass es mir schwer fällt, mich zu entspannen. Das heisst, ich bin immer etwas angespannt und beim Schlafen presse ich manchmal die Kiefer so stark gegeneinander, dass es morgens schmerzt. Und meine Arme sind fast immer in verkrampfter Haltung.
Zuletzt geändert von laetitia am 10. April 2015 23:36, insgesamt 1-mal geändert.
Elchi
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Re: Tremor und motorische Ungeschicklichkeit

Beitragvon Elchi » 10. April 2015 23:52

Nimmst Du eigentlich Medis gegen Dein AD(H)S? 
AD(H)S hat ja auch "Nebenwirkungen", die durch Medis weniger werden, bzw. verschwinden. Die Schusseligkeit ist auch typisch für AD(H)S. Auf die Idee mit der Schilddrüse war ich hauptsächlich wegen dem Tremor gekommen.

Vielleicht kannst Du einige Deiner Probleme auch mit den AD(H)S-Medis beheben?

Es gibt ja auch Vermutungen, dass Schizophrenie aus der gleichen Veranlagung entspringt, wie AD(H)S. Und viele Verwandte, die durch Unfälle sterben, das klingt auch nach einer Häufung von ADHS in der Familie.
laetitia
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Re: Tremor und motorische Ungeschicklichkeit

Beitragvon laetitia » 11. April 2015 00:28

Noch nicht. Ich war ja im Januar im Psychiatriezentrum und habe da die Diagnose bekommen. Aber es waren bloss zwei Gespräche und Fragebogen, die dazu geführt haben. Nun bin ich bei einer anderen Psychologin, die ehemals in diesem Zentrum gearbeitet hatte und eine Gruppe plant, was mich interessierte. Diese will aber erst noch eine sogenannte Differentialdiagnostik machen und so sind wir wieder bei Fragebögen angelangt. Und Zielen, die ich formulieren sollte. Habe ich gemacht und jetzt soll ich zwischen 1 bis 100 bewerten, wo ich in diesen Punkten stehe.

Sie wollte noch den Bericht der Diagnose und ich hoffe, dass sie den mittlerweile bekommen hat. Sonst könne sie mir keine Medis verschreiben. Ich weiss noch nicht so genau, wo ich stehe bei ihr, wie sehr sie das ADS sieht oder nicht.

Die von dem neurologischen Zentrum machen auch ADS Diagnosen. Vielleicht sollte ich dort eine Zweitmeinung holen. Mir kommt es ein bisschen vor, dass ich bei der Psychologin, bei der ich momentan bin, nicht ganz am richtigen Ort bin. Gleichzeitig war ich auch erst drei mal dort, kann also noch nicht soooo viel sagen.

Auf jeden Fall möchte ich es mit MPH probieren und sehen, welche Wirkung es auf mich hat. Wenn ich jeweils so durch den Wind bin oder wenn ich mich innerlich blockiert fühle, hilft oft eine Tasse Kaffee. Aber dann schlafe ich Abends meistens schlecht und fühle mich unwohl.

Ich denke auch, dass das in meiner Familie ist. Meine leibliche Mutter war mit 17 schwanger und ich denke, sie hat auch ADS. Meine zehn Jahre jüngere Halbschwester hat ganz sicher ADS, sie bezieht auch Invalidenrente und hat nie eine Ausbildung abgeschlossen. Ausserdem hat sie eine schwere Diskalkulie. Meine zwanzig Jahre jüngere Schwester hat es wohl auch. Sie ist noch immer sehr verträumt und meiner Meinung nach noch nicht auf dem Stand einer 18-Jährigen. Ihr Vater hat mir am Montag sogar gesagt, dass sie mal Ritalin nahm, jedoch nur für kurze Zeit. Warum sie es absetzte wusste er nicht, da meine Schwester bei der Mutter wohnte. Sie hätte aber kein ADS...wäre einfach verträumt und denke an alles mögliche (eeehm...ich dachte, das wäre genau das was auf ADS schliessen lässt?) und das wäre einfach ihre Persönlichkeit.

Wie auch immer. Die Information dass ADS möglicherweise der gleichen Veranlagung entspringt wie Schizophrenie ist interessant. Danke für den Hinweis.
Zuletzt geändert von laetitia am 11. April 2015 00:31, insgesamt 1-mal geändert.

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