ADHS und Träume

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Donovan
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ADHS und Träume

Beitragvon Donovan » 31. März 2011 14:28

Ich hatte kürzlich einen Traum als ich mal wieder ziemlich unter Leistungs-Stress stand. Da dachte ich: Das ist doch typisch einen ADHS Traum.

Habt Ihr auch solche Träume, worin das ADHS sinnbildlich dargestellt wird?

Der Traum:

Mir wurde ein neues Auto vorgestellt. Es hatte einzigartige Staumöglichkeiten im Kofferraum. Dort befanden sich allerlei Koffer die wie ein 3D Puzzle auf einander gestapelt waren. Auch waren die Formen so, dass jede Quadrat-Centimeter vom Kofferraum ausgenutzt wurde.

Zuerst war ich begeistert, doch dann fragte ich mich: Aber wenn ich doch nur ein Paar Sachen im Supermarkt hole, ist das dann nicht ein Bisschen umständlich?


Deutung: Organizationstätigkeiten werden gefragt, die man nicht im Griff hat und unsinnig alles organisiert, was einem dann auch wieder zum Verhängnis wird wenn es um Flexibilität geht.

Danach saß ich plötzlich im Auto, hinten als Passagier. Wir standen auf der Autobahn aber vor einer Brücke die auf war. Alle mussten warten. Ich wollte selber fahren. Als ich mich nach vorne gerobbt hatte und im Fahrersitz saß, fiel mir auf, dass der Sitz VIEL zu weit nach hinten war. Das war mir im Vorne hinein noch gar nicht aufgefallen. Ich bewegte den Sitz nach vorne und dabei entdeckte ich, dass so eine Art Teppich am Boden lag, der jetzt ganz grosse Falten machte. Meine Füsse verfingen sich in den Falten dieses Teppichs und ich konnte die Pedalen nicht erreichen.

Deutung: Wenig vorausschauend. Probleme werden erst gesehen, wenn man sie hat. Selbstüberschätzung. Abgelenkt werden von Dinge wodurch mal die Kontrolle über andere nicht erreicht.

Als ich dann irgendwie durch die Falten des Teppichs hindurch die Pedalen erreicht hatte, wolle ich fahren, weil ich hörte, dass die Autos um mich herum den Motor gestartet hatten. Aber ich konnte nichts sehen. Die Frontscheibe war von einer Art schwarzem Rollo-Vorhang abgedeckt. Ich versuchte daran zu ziehen, aber irgend wie war der Anfang und das Ende mit einander verbunden - das Rollo drehte nur so aber blieb da. Die Autos fingen an zu hupen und ich fing an zu fahren mit den kleinen bisschen was ich links und rechts vom Rollo sehen konnte. Ich dachte: Ist das wohl sicher so? Hupen die weil ich fahren soll oder weil ich fahre und es ist noch nicht so weit? Werde ich auf meinen Vorgänger auffahren? Oder vielleicht sogar in das Wasser hinein, weil die Brück noch offen war? Ich wusste es nicht und wusste auch nicht was ich machen soll.

Deutung: Klare Überforderung. Sachen machen, obwohl man sich bewusst ist, dass es schief laufen könnte, aber von anderen dazu genötigt werden. Dinge machen wollen, aber nicht ganz können. Keine Möglichkeit sehen auszusteigen, weil das nicht verstanden wird. Anforderungen nicht gerecht werden.

Danach war ich plötzlich im Büro mit Kollegen um mich herum. Ich fragte jemand den ich vertraute, ob sie irgendwie nachschauen könnte, wie ich dieses blöde Rollo runterkriegen kann. Da muss es doch etwas einfaches geben, das mir einfach nicht einfällt.

Deutung: Das Gefühl haben externe Hilfe zu brauchen, zB von der Partnerin oder einem Coach. Alleine nicht fertig werden mit etwas, was für andere vielleicht ganz einfach ist.

Dann war der Traum vorbei.
Gruss, Donovan.

Ironie & rhetorische Fragen verstehe ich oft buchstäblich. Bitte um Verständnis, Verzeihung und falls möglich Vermeidung.

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Re: ADHS und Träume

Beitragvon Frosch » 1. April 2011 15:03

Hallo Donovan,

habe mir mal ein paar Gedanken zu Deinem Traum gemacht. Und habe ihn etwas anders gedeutet wie Du.
Vielleicht, ist eine andere Meinung ein Anstoß Dir noch mal Gedanken darüber zu machen?

Zitat: Donovan
Mir wurde ein neues Auto vorgestellt. Es hatte einzigartige Staumöglichkeiten im Kofferraum. Dort befanden sich allerlei Koffer die wie ein 3D Puzzle auf einander gestapelt waren. Auch waren die Formen so, dass jede Quadrat-Centimeter vom Kofferraum ausgenutzt wurde.


Zitat Donovan
Deutung: Organizationstätigkeiten werden gefragt, die man nicht im Griff hat und unsinnig alles organisiert, was einem dann auch wieder zum Verhängnis wird wenn es um Flexibilität geht.


Meine Deutung wäre:

Wenn der Kofferaum in Deinem Traum, voll "ausgelastet" war (kannst nur Du beuteilen  :zwink:) dann würde das eher von einer sehr guten Organisation zeugen.

Zitat: Donovan
Danach saß ich plötzlich im Auto, hinten als Passagier. Wir standen auf der Autobahn aber vor einer Brücke die auf war. Alle mussten warten. Ich wollte selber fahren. Als ich mich nach vorne gerobbt hatte und im Fahrersitz saß, fiel mir auf, dass der Sitz VIEL zu weit nach hinten war. Das war mir im Vorne hinein noch gar nicht aufgefallen. Ich bewegte den Sitz nach vorne und dabei entdeckte ich, dass so eine Art Teppich am Boden lag, der jetzt ganz grosse Falten machte. Meine Füsse verfingen sich in den Falten dieses Teppichs und ich konnte die Pedalen nicht erreichen.


Zitat: Donovan
Deutung: Wenig vorausschauend. Probleme werden erst gesehen, wenn man sie hat. Selbstüberschätzung. Abgelenkt werden von Dinge wodurch mal die Kontrolle über andere nicht erreicht.


Meine Deutung:

wenig vertrauen zu anderen, aus Angst die Kontrolle zu verlieren. Versagensängste.

Zitat: Donovan:
Danach war ich plötzlich im Büro mit Kollegen um mich herum. Ich fragte jemand den ich vertraute, ob sie irgendwie nachschauen könnte, wie ich dieses blöde Rollo runterkriegen kann. Da muss es doch etwas einfaches geben, das mir einfach nicht einfällt.


Zitat: Donovan
Deutung: Das Gefühl haben externe Hilfe zu brauchen, zB von der Partnerin oder einem Coach. Alleine nicht fertig werden mit etwas, was für andere vielleicht ganz einfach ist.


Das sehe ich auch so wie Du.  :zwink:
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Re: ADHS und Träume

Beitragvon Donovan » 1. April 2011 22:27

Danke. Träume sind immer schöne Spiegel der Seele.  :smt023:
Gruss, Donovan.

Ironie & rhetorische Fragen verstehe ich oft buchstäblich. Bitte um Verständnis, Verzeihung und falls möglich Vermeidung.

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Re: ADHS und Träume

Beitragvon Frosch » 3. April 2011 08:34

Gerne  :ja:

Stimmt, ich mag es Träume zu deuten, wenn ich die Möglichkeit habe, mich an sie zu erinnern.  :zwink:
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Re: ADHS und Träume

Beitragvon Nando » 8. September 2013 00:23

Hallo,
ich persönlich stehe der Traumdeutung sehr kritisch gegenüber.
Ich meine, das in Träume viel reininterpretiert wird, was garnicht stimmt. Viele verschiedene Personen würden ein und den selben Traum unterschiedlich deuten. Auch Fachleute, denke ich.
Für mich ist Traumdeutung wie Hellseherei, genauso ungenau und reine Spekulation. Aber das ist wie gesagt nur meine ganz persönliche Meinung dazu. Viele andere Leute sehen das ganz anders und vertrauen der Wissenschaft zu diesem Thema.
Gruß Nando
Geb. 1974, m., AD(H)S-Diagnose seit 05.08.2013
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- HSP (hochsensibel)
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Re: ADHS und Träume

Beitragvon Angie » 8. September 2013 01:37

Na dann deutet mir mal das da ( Träume ich öfters) : ich will irgendwo hin und irgendwas hindert mich daran, immer pünktlich zum Ziel zu kommen. Immer werde ich abgelenkt. Oder ich nehme grosse Umwege, weil irgendetwas den Weg hindert.

Ist das jetzt auch typisch ADHS?  :breitgrinse1:  Unpünktlichkeit und Ablenkung?  :breitgrinse1: Durch Umwege doch ans Ziel kommen? Langsam aber irgendwann?  :grübel:
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Re: ADHS und Träume

Beitragvon Eule » 8. September 2013 11:02

Dieses pauschale Träume deuten wie Dasunddas Symbol steht *immer* für dasunddas halte ich für groben Unfug.

Wenn ich mal Angies Umwege nehme:

Hier gibt es eine ganze Liste von Deutungsmöglichkeiten: http://www.traumdeuter.ch/texte/6619.htm

WENN man überhaupt mit irgendwelchen Traumdeutungs-Katalogen arbeiten will, ist der sicher einer der umfangreichsten, weil er eben mehrere mögliche Deutungen/Erklärungen liefert, und nicht einfach behauptet daß es eine einzige wahre Deutung geben müsse.Was davon die zutreffendere/sinnvollere für das eigene erleben ist, und was man daraus macht, muß man selber entscheiden.

entweder man betrachtet es als "Tagesrest", also als wiederholtes erleben des noch unverarbeiteten Tagesgeschehens, In diesem fall ist möglicherweise mindestens der Anfang der Geschichte sinngemäß ähnlich wie das tagsüber erlebte, also sowas ähnliches wie ein Film, den man zum zweiten Mal ansieht.

Weil man als Träumender eben der Filmemacher ist, geht man an dem Punkt, an dem man merkt daß das ganze eine unerwünschte Richtung nimmt hin, schnipselt das Original raus, und dreht dann eben einen neuen Teil, der eine andere Richtung nimmt.

Damit wird vor allem die Frage, ob man eine andere Lösung für etwas gefunden hat, das tagsüber eben frustrierend, ärgerlich, nervig schiefgelaufen ist spannend. Wie sieht die Lösung aus? Kann man die beim nächsten ähnlichen Erlebnis im Alltag vielleicht verwenden? Hat hier das Hirn, befreit von den Grenzen des Alltags und der Selbstzensur vielleicht tatsächlich eine Idee geliefert, die ein Ausprobieren wert wäre?

Vielleicht ist es auch im Traum "schiefgegangen", genau wie es in dem zugrundeliegenden "Original" war, aber man ist damit souveräner umgegangen, hat den Fehler/Umweg gegenüber denen die er betraf/beeinträchtigte besser kommuniziert, und durfte erstaunt feststellen, daß die gar nicht so böse / empört waren, wie man im Original befürchtet hat, und daher aus Angst vor Ablehnung oder anderen Negativkonsequenzen der Betroffenen nicht gewagt hat, den "Fehler/Umweg" mitzuteilen und um Hilfe oder Verständnis zu bitten. Wenn man dann im Traum "erlebt", daß man in so einer Situation durch gute Kommunikation tatsächlich Hilfe oder Verständnis bekommen kann, macht das vielleicht Mut, das beim nächsten ähnlichen Ding in der Realität zu versuchen.

In jedem Fall ist das wiederholte Träumen von Umwegen aller Art ein Zeichen dafür, daß einen die eigenen Um-Irr-Abwege ziemlich beschäftigen, daß man sich darüber ärgert, daß man unzufrieden damit ist so viele Umwege zu machen.

Ob man sich dafür entscheidet, das so zu verstehen, daß man an seinem Verhalten bevor man den Umweg macht etwas ändern muß und dafür die Lösung aus dem traum ausprobiert, so daß man zukünftig den Umweg eben nicht mehr macht, oder ob man den Umweg ruhig in Kauf nehmen möchte, aber entweder ihn gegenüber dem umfeld anders kommunizieren möchte, oder ob man frei nach dem Motto "Viele Wege führen nach Rom", und ich habe es ja auch auf dem Umweg geschafft dahin zu kommen wo ich hin wollte, also brauch ich mich gar nicht so sehr über mich und den Umweg aufzuregen (vielleicht war der im Traum ja sogar wunderschön und man hat etwas gesehen/erlebt das man bei direktem Weg verpaßt hätte) - wichtig ist doch das Ergebnis, nämlich das Erreichen des gewünschten Ziels.

was ich bei der Traumdeuterei problematisch finde sind Interpretationen der Art wie sie in dem Link unter "Allgemein" stehen. Das ist mir zu pauschalisierend. Ich glaube daß träume etwas sehr konkretes und individuelles sind - daher würde ich sie immer ganz nah und aus meinem eigenen Erleben heraus interpretieren. Dabei spielt auch die Frage danach, wie man sich im Traum gefühlt hat eine wichtige Rolle. War es ok den Umweg zu machen? Fand man ihn schrecklich, nervig, frustrierend?

Ich gehe auch davon aus, daß letztlich niemand die träume eines anderen Menschen interpretieren kann. Er kann vielleicht Denkanstöße liefern. Aber zu behaupten, daß man WEISS was der Traum eines anderen Menschen bedeutet ist Anmaßung und Quacksalberei.
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Re: ADHS und Träume

Beitragvon lenilein » 8. September 2013 13:22

Ich habe mal einer sehr verhassten Lehrerin im Traum gesagt, dass sie vald sterben wird  :schäm:
was das wohl zu bedeuten hatte?  :nene:
bin ich außergewöhnlich, bin ich anders, bin ich besonders, nein ich bin einfach ich jeder, der das nicht so sieht, der ist es nicht!
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Re: ADHS und Träume

Beitragvon Weil » 8. September 2013 13:54

Nix.
Oft wirft man ja im Traum die verschiedensten Sachen in einen Topf, Erlebnisse, Gedankensplitter, nebenbei Gehörtes, Vergangenes, Gelesenes, Befürchtetes, usw. Dann kommen noch wahllos verschiedene Emotionen hoch, die wiederum andere Quellen haben. Dann wird alles zu einer Geschichte gemixt, in die man nichts reinlegen sollte, was nicht drin ist.

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