Vergesslichkeit

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Alice83
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Vergesslichkeit

Beitrag von Alice83 » 25. Juli 2018 11:38

Hallo alle zusammen,
hab mich gerade frisch angemeldet, da ich nicht weiter weiß.
Ich versuche mich kurz zu fassen. Habe unter anderem ADHS ( Mischtyp) und meine Große Tochter(14) ADHS und meine kleine Tochter(8) ADS im Verdacht.
Die Konstellation ist echt anstrengend...
Meine große Tochter nimmt Vergesslichkeit als Dauerausrede. Besonders gerne bei Dingen wozu sie eh keiner Lust hat. Zähne putzen, Wäsche wegräumen und und und.
Ständig gibt es Streit. Sie vergisst so viel, das wir als Eltern gar nicht zu unserem Leben kämen, wenn wir neben ihr stünden um sicher zu stellen das sie dieses oder jenes macht. Vorschläge wie „ mach dir Notizen, stell dir ein Wecker, erledige es gleich „ laufen ins Leere. Sie resigniert. Und keiner von uns erträgt den Streit & Stress der daraus entsteht.
Was können wir noch tun, dass sie lernt das manche Dinge eben ihre Verantwortung ist. Sie glaubt, allen ernstes mit 18 Jahren kann sie das alles. Aber Selbstständigkeit ist doch ein Lernprozess, denn sie nicht beginnt!
Und wir „ leiden“ auch unter ihrer „ Vergesslichkeit „.
Mittlerweile ist es mir egal, wenn sie vergisst ihr Fahrrad anzuschließen. Ist nicht meins was geklaut wird. Diese Gleichgültigkeit bitte nicht falsch verstehen. Sie ist entstanden, da ich/wir keine Kraft mehr haben alles und jedem hinterher zu rennen.
Ich glaube ja, es ist nur noch eine Standat Ausrede:
„ Oh, hab’s vergessen.“
Ich weiß um die erhöhte Vergesslichkeit bei AD(H)S, aber so ist es nicht mehr zum aushalten.
Was tut ihr? Was würdet ihr tun?
Zur Info: Medikamente will sie nicht mehr. Ist für uns auch okay, Vergesslichkeit ist auch mit ein Problem.
Therapie will sie auch nicht mehr. Ist vielleicht auch Pupertäts bedingt.
Wenn wir konsequent sind, und als „ Bestrafung „ dieses oder jenes nicht darf, rastet sie aus. Schreit, Weint, tobt und zerlegt manchmal ihr Zimmer...
Sie will nichts ändern, bleibt lieber in „ ihrer Opferrolle“ und erwartet das Dinge die auch uns betreffen hinnehmen sollen.
Kann mir einer helfen?
Lg
zoraya
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von zoraya » 25. Juli 2018 12:02

Hi,
versuch mal ein Tokensystem.
Z.b. gibt es das Smileybord, google mal. Da kannst du dir das kaufen oder auch die Smilies und die Dinge selber ausdrucken.
Für das Fahhrad abschliessen usw, das sollte ritualisiert werden. Sonst würd ich es auch vergessen.
Ich finde das Wichtigste ist, dass du sie akzeptierst und auf Augenhöhe mit ihr sprichst und versuchst Lösungen zu finden. (Abgeleitet aus meiner Erfahrung als Jugendliche mit ADS.)
Strafen im Jugenalter sind glaub eh ziemlich schwierig. Sie gefährden auch den Zusammenhalt und die Bindung.

Wenn sies vergisst, nützt es ihr ja nichts, wenn du ihr sagst, sie soll es nicht vergessen. Auch Strafen nützen nichts, wenn sies ja nicht absichtlich macht.
Was nützt sind eben ritualisiertes Verhalten, Tagesstruktur, Coping Strategien. Wenn Sie hald nicht zum Therapeut möchte, so musst du ihr die Strategien hald beibringen. Falls du nicht genügend darüber weisst und im Netz zuwenig findest, könntest du ein Coaching machen bei einem Therapeut, wo du die Strategien kennenlernst.

So mache ich es bei meinem Sohn ja auch, weil er ja noch zu klein ist als Kleinkind um selber eine Therapie zu machen. Da bin ich hald dafür verantwortlich ihm Strategien zu lernen.

Mit ner Jugendlichen kannst du ja auch schon gut sprechen. Wenn sie merkt, dass du ihr echt helfen willst und sie auf Augenhöhe annimmst, kann sie die Hilfestellungen eher annehmen.

Also bei mir wars so, dass ich mit 14 schon das Bedürfnis hatte, das man mit mir auf Augenhöhe spricht, so wie mit einer Erwachsenen.

Ich möchte mich noch eingehender mit Pupertät befassen, ich habe aber schon viel gelernt, da ich selber fremdplatziert war und jeweils auch Kontakt hatte mit Kindern und Jugendlichen in Erziehungsheimen. Diese sagten mir alle, dass ihnen jemand fehlt, der sich einfühlt.
Das bestrafen, die Kämpfe machen Jugendliche nur härter und die Fronten verhärten sich.
Grundlage für Kontakt auf Augenhöhe und Kooperation ist das angenommen und wahrfühlen und die Bindung.

Ist jetzt n bisschen abgeschweift, denke ist ja schon ein Unterschied zu "haltlosen Jugendlichen" und Jugendlichen, die ne Familie hinter sich haben.
Die Familie sollte ein sicherer Hafen sein.

Achja nochwas:
Freiraum und Möglichkeit sich zu entwickeln zur Selbstverantwortung geben.


Lg Zoraya

Edit: hab gelesen, dass du ja auch ADHS hast, dann solltest du ja die Sachen kennen. Nimmst di denn Medis und hast gute Strategien?
So gelesen tönts dann eher nach "Erwachsenwerden".
Also ich würd ihr den Freiraum geben, wenn das bei euch nicht so gut geht, kommt vlt. ein Time Out für 2-3 Monate aufm Bauernhof in Frage, wo sie Abstand gewinnen und runterkommen und zu sich kommen kann. Aber das würd ich echt nur machen, sofern sie das auch möchte.
Aber ist jetzt alles n bisschen aus der Ferne. Vlt. Könntest du noch n bisschen präzisieren.
Lg Zoraya
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von zoraya » 25. Juli 2018 12:18

Sorry, aber darf ich fragen, was ihr gemacht hattet, als ihr Velo geklaut wurde?
Hattet ihr ein neues gekauft?
Da würd ich mich über die Aussage: Sie kanns dann, wenn sie 18 ist nicht wundern.
Sie denkt dann einfach, dass ihr ja alles gradebiegt, bis sie 18 ist.
Also Stichwort: Verantwortung.
Find ich gut, dass du ihr die Verantwortung über s Velo überlässt. Da ist es eben Stichwort: Vertrauen wichtig, dass sie sich an euch wenden kann um Hilfe zu kriegen es nicht zu verlieren oder n neues zu besorgen, dass sie sich aber selber verdienen muss. Sie kann zB. gegen Entgelt aufm Bauernhof arbeiten oder beim Velomech arbeiten für n gebrauchtes Velo als Gegenleistung.

Weil die Gefahr ist sonst, dass sie in die Kriminalität abrutscht und eins klaut, wenn sie eins braucht, ode auch das Geld dafür klaut.

Lg Zoraya
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von Alice83 » 25. Juli 2018 12:36

Hab das mit dem zitierten noch nicht verstanden...
Also, nein ich nehme keine Medikamente, habe Medikinet adult mal versucht, aber Vertrag es nicht. Ich mache lieber Verhaltenstherapie, ist anstrengend, aber ich fahre gut damit. Hab ja noch mehr Diagnosen.

Velo? Meinst du Fahrrad?
Es ist ihr noch nicht geklaut worden. Wir haben immer wieder dran erinnert, schliße es an. Bring es in den Fahrrad Keller... wenn es unabgeschlossen geklaut wird, zahlt die Versicherung nicht, haben Sie losgeschickt wenn sie es wieder mal vergessen hat, und so weiter.
Ich habe ihr die negativen Folgen erklärt und gesagt, wird es geklaut deshalb kaufen wir kein neues. Wir haben nicht so super viel Geld, das weiß sie. Ihr Fahrrad ist jetzt ein Jahr alt, war sehr teuer, alle haben zusammen gelegt zum Geburtstag, da es unbedingt dieses eine sein sollte.weiß sie alles.
Sie kann sich bei Opa ein paar Euro beim Rasenmähen verdienen und bekommt Taschengeld... selbst kann sie sich so ein Fahrrad lange ersparen.
Ich habe ihr gesagt, entweder kauft sie sich dann ein billiges oder geht zu Fuß.
Ich kaufe ihr nur ein neues wenn sie unschuldig ist, wenn es doch geklaut wird.
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von zoraya » 25. Juli 2018 12:41

Achja Velo isr Schweizerdeutsch.
Aber was stört dich genau?
Dass du sie erinnern musst, das Fahrrad abzuschliessen?
Habs noch nicht ganz verstanden, sorry. Weil das war ja dein Beispiel oben. Jetzt tönt es ja so, als wärs gar nicht so n Thema.
Naja son teures Fahrrad zu kaufen, keine Ahnung würd ich hald vlt. nicht machen.
Also du hast jetzt Angst, dass es geklaut wird und für dich wärs n No-Go weils für dich auch so wervoll ist?
Lg Zoraya
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von Alice83 » 25. Juli 2018 13:00

Abstand. Auch schon versucht, 3 Wochen bei meinen Elter oder 1 Jahr bei ihrem leiblichen Vater. Der lebt im selben Stadtteil. Bauernhof oder so ist schwierig, wegen der Schule. Die Interaktion mit ihr ist ja auch Thema in meiner Therapie.
Um beim Fahrrad zu bleiben, wir hatten das teure Fahrrad nur ermöglicht, weil wir die Hoffnung hatten, das sie motiviert ist, besser darauf aufzupassen, da sie es sich soooo gewünscht hat. Aber jetzt will sie schon wieder ein neues :? . Das selbe Spiel mit ihrem Handy und so weiter. Ich hege ja auch den Verdacht es ist ne Taktik um etwas neues zu bekommen, aber nö, den Zahn habe ich ihr gezogen. Oft genug mussten wir ihren Kram ersetzten. Jetzt gibt es entweder kein Ersatz mehr oder nur billige Varianten. Statt Smartphone, gäbe es ein Tastenhandy für 30€.
Dennoch brüllt sie die ganze Wohnung zusammen wie ungerecht wir sind. Meine armen Nachbarn.
Wenn sie aber in 8 Wochen etwas tolles vor hat, braucht sie keinen Kalender um es nicht zu vergessen.
Will sie etwas haben, und ich sage vorher erledigst du das und das, weil sie es die ganze Zeit „ Vergisst „ läuft es plötzlich wie geschmiert. Natürlich vergisst jeder mal was. Aber ich glaube sie nutzt es nur noch als Ausrede. Beweisen kann ich es aber nicht.

Es stört mich, das sie keine Verantwortung für Ihre Sachen übernimmt. Für ihr Handeln. Das ein zusammen leben wegen Ihrer Vergesslichkeit fast unmöglich ist. Es ist kein Verlass. Und in einer Familie lebt man nun mal zusammen. Beim Fahrrad z B ist der Streit vorprogrammiert, wenn es doch geklaut wird. Der Streit ist nicht still und leise. Es kracht! Wir alle leiden darunter. Und wenn sie rasend vor Wut, weil ich nicht mal eben los gehe ein neues kaufe, zerlegt sie auch gerne mal ihr Zimmer. Knallt mit Türen, sie hat dabei auch schon ihre kleine Schwester verletzt. Oder sich selbst.
Ich verstehe nicht, das sie keine eigenmotivation entwickelt, Strategien zu entwickeln um Herr ihrer Vergesslichkeit zu werden. Mit ADHS braucht man Strategien mehr als manch anderer.
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von zoraya » 25. Juli 2018 13:14

Hi, also wegen dem Fahrrad gibts hald zwei Möglichkeiten.
Entweder ist es dir so wichtig, dass es nicht verloren geht, dann darf sie es nicht mehr benutzen (mit Erklärung), bis sie einsieht, dass es sinvoll ist es abzuschliessen (kommt auch nur durch Erklärung)

Oder dann muss sie die Erfahrung machen, dass es vlt mal wegkommt. Und dann seid ihr traurig und wütend etc. aber es ist ihr Fahrrad und sie muss die Konsequenzen selber tragen und auch nicht zusätzlich Bestraft werden, denn es war ja ihrs, nicht eures, verstehst du?

So kommts mir eher so vor, als wäre es euer aller Fahhrad, verstehst du das?

Wenn Sie es tatsächlich in den Velokeller bringt oder abschliesst, dann positiv bestärken, loben, etwas schönes passiert.
So wird das Verhalten öfters gezeigt werden, das ist viel nachhaltiger wie bestrafen, wenn sies nicht tut.

Damit sies überhaupt tun kann, muss sie sich hald ne Erinnerung ins Natel machen, aufn Arm schreiben, Fahrrad abschliessen, notiz aufs Fahrrad etc.
Kannst du ihr ja vorschlagen, wenn sie sagt, sie hats vergessen. Dafür muss sie es aber auch wollen.
Ist auch besser dann nicht wütend zu werden, weil du möchtest ja Kooperation und nicht Streit. Mal Streit ist ja ok, aber nicht immer, das bringt ja dann nicht weiter.

Zu den anderen Dingen kann ich nichts wirkliches sagen, weil es nicht so konkret ist. Mir fällt aber auf, dass du alles oder ihr Verhalten sehr negativ siehst, ist mein Eindruck.
Dad würde ich ändern, oder hald durchblicken lassen, dass du sie trotzallem liebst.
Wie schon geschrieben, bin ich hald der Ansicht, dass Beziehung oder Liebe quasi das oberste Gebot für Kooperation ist.
Tönt vlt n bisschen schnulzig, aber ist ja bei anderen Beziehungen auch nicht anders.
Lg Zoraya
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von Alice83 » 25. Juli 2018 14:12

Puh, ich glaube das dreht sich hier im Kreis.
Es geht nicht primär um das olle Fahrrad.
Es geht darum, dass sie entweder extrem vergesslich ist oder es als Ausrede nutzt. Heute zum Beispiel, lagen ihre frisch gewaschen Klamotten vor ihrem Bett auf dem Boden. Ein Riesen Stapel, da hat sie ihn selbst hingeworfen, ich hatte es ihr auf ihr Bett gelegt. Sie sagt sie hat vergessen, das die sauberen Sachen sollen nicht auf den Boden. Dann haben wir sie 2 mal daran erinnert, die Sachen bitte wegzuräumen. Beim dritten Mal, fand ich es nicht mehr lustig. Ihre Antwort: ich habe es vergessen, das ich es wegräumen soll.
Was soll ich sagen?! Sie musste darüber steigen um in ihr Bett zu kommen! Wie zum kreutzgeier kann man so vergesslich sein? Aber die ADHS typische Vergesslichkeit als Ausrede zu nehmen ist genau so ein schlechtes Zeichen. Dieses Phänomen lässt sich fast überall anwenden. Sie vergisst ihren Schlüppi zu wechseln oder geht duschen und vergisst das Haare waschen und und und. Manche Dinge nerven mich zwar, aber ist nicht mein Bier. Andere Dinge beeinflussen uns ja auch. Wenn sie z B noch mal duschen muss und ihre Schwester sollte aus zeitlichen Gründen danach duschen. Oder oder.
Wie kann ich verständlich machen, das sie eben auch an ihrer Vergesslichkeit arbeiten muss. Sie leidet ja auch, wenn Oma, Opa , Freunde genervt sind. Zb hat sich ein Buch über Omas Büchereikarte ausgeliehen und bringt es nicht zurück. Trotz Erinnerungen und das Angebot das Oma es zurück bringt. Sie müsste nach der Schule bei Oma vorbei. Ist auf dem Schulweg. Oma ist sauer, das die Mahngebühr zahlen muss. Wieder einmal. Jetzt leiht Oma nix mehr für sie aus. Wir auf unserer Karte aus dem selben Grund auch nicht mehr.
Sie ist dann sauer. Weil wie soll sie sich nun Bücher ausleihen. Das sie es jederzeit könnte, wenn sie nicht ständig alles vergessen würde, ist für sie kein Grund etwas zu ändern.
So etwas meine ich mit Verantwortung übernehmen.
Falschparker
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von Falschparker » 25. Juli 2018 18:18

Alice83 hat geschrieben:Sie musste darüber steigen um in ihr Bett zu kommen! Wie zum kreutzgeier kann man so vergesslich sein?
(...)
Wie kann ich verständlich machen, das sie eben auch an ihrer Vergesslichkeit arbeiten muss.
Hm, naja.

An der Vergesslichkeit arbeiten, wie geht das? Das klingt mir gefährlich nach "Zusammenreißen". Das klingt nach dem Vorwurf, du könntest, wenn du willst.

Nein, wir ADHS-ler sind so vergesslich und verpeilt, so dass es für Außenstehende eben nicht nachvollziehbar ist. Man kann über Kleidung steigen müssen und sie trotzdem in demselben Moment vergessen. Über Ähnliches diskutiere ich immer wieder mit meiner Frau. Du hast das doch gesehen, sagt sie. Nein, habe ich nicht. Oder jedenfalls nicht einen Zusammenhang hergestellt in dem Moment.

Aber wichtig finde ich deinen Ansatz, sie dazu zu erziehen, Verantwortung zu übernehmen. Okay, sie vergisst Bücher abzugeben oder Kleidung zur Wäsche zu räumen. Es ist Vergesslichkeit. Aber dann bittet man um Entschuldigung. Nicht, ich hab ADHS, ich kann nichts dafür, sondern, ja ich hab das verursacht, es tut mir sehr leid.

Und man ersetzt die Gebühr selbstverständlich aus dem eigenen Taschengeld. Warum übrigens hat sie denn keine eigene Bibliothekskarte??

Dass sie das Angebot der Oma nicht annimmt, kann ich sogar verstehen. Nein, ich mache das schon, ich bin schon groß. Doof nur wenn es trotzdem immer wieder schief geht.

Wenn sie die Erfahrung macht, ihr passiert das gehäuft und es bringt sie in Schwierigkeiten (und es wird nicht ausgebügelt von Anderen, jedenfalls nicht immer), wird sie vielleicht auch über eine Wiederaufnahme der Medikation nachdenken. Warum hat sie denn damit aufgehört? Piero Rossi schrieb mal, Pubertierende brechen häufig die Einnahme ab, weil sie die Erfahrung machen, dass es nicht wirkt, weil die Dosis nicht (mehr) stimmt. (Sh. http://adhs.ch/wp-content/uploads/2016/09/5603.pdf Seite 81 unten)

Bei manchen Betroffenen steigt die Dosis, die für eine gute Wirkung gebraucht wird, mit 12 oder 13 sprunghaft an. War bei meinem großen Sohn auch so.

P.S.: Welche weibliche Jugendliche vergisst sich die Haare zu waschen und es ist ihr nicht anschließend tödlich peinlich? Kann ich mir nicht vorstellen, dass ihr das egal ist?
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von Falschparker » 25. Juli 2018 19:25

Ach noch was, die ADHS bzw. Medikamente nehmen oder nicht nehmen verändert auch die Wahrnehmung. Ich habe, bevor ich Medis nahm, geglaubt dass alle ungerecht zu mir sind. Dass ich recht habe usw. D. h. wenn eure Tochter Türen knallt und emotional wird, dann ist das kein Schauspielen, sie glaubt das in dem Moment auch was sie sagt, auch wenn es objektiv absurd ist.

Wichtig ist, selbst dabei unbedingt zu vermeiden, emotional zu werden. Euren Standpunkt klar zu sagen und dabei zu bleiben, aber ohne scharfen Ton, Vorwürfe usw. "Kaputte Schallplatte" nennt Cordula Neuhaus das. Denn Emotionalisierung durch die Eltern potenziert die Auseinandersetzung noch, sie würde sich gleich abgelehnt fühlen. Reicht ja wenn eine(r) hochemotional agiert.
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von Alice83 » 25. Juli 2018 19:34

Ich weiß das es bei ADHS so viel vergessen wird. Hab ich ja auch. Aber dann erledige ich eben Dinge gleich, oder schreibe es mir auf oder bitte z.B meinen Mann mich noch mal daran zu erinnern. Bevor ich los gehe aus der Wohnung sage ich mir: Handy? Schlüssel? Und kontrolliere dabei meine Handtasche.
Das sind doch Strategien die man sich aneignet, um klar zu kommen. Das nicht immer alles vergessen wird. Auf der Arbeit bin ich auch immer mit Notiz Buch rumgerannt oder habe ganz bestimmte Abläufe für mich gefunden.
Ist es anstrengend? Ja, klar! Wird ja aber mit der Zeit fast normal, es eben so und so zu machen.
Aber die Folgen aus der Vergesslichkeit sind ja auch nicht immer toll.
Jeder entwickelt doch Strategien. Ich kann mir Termine besser merken, wenn ich sie einmal im Kalender eingetragen und gelesen habe. Dann hab ich es vor meinem geistigen Auge.
Mein Tochter will aber gar nicht erst versuchen, ihre Strategien zu finden. Aber wie soll sie so zurecht kommen? Vielleicht nicht jetzt sofort, aber irgendwann einmal??
Sie hatte ja eine. X ig mal verloren, und da sie halt so unzuverlässig ist, hat mein Mann nun eine. Da haben wir besser ein Auge drauf. Natürlich musste sie „ Entschädigung „ leisten. Das juckt sie überhaupt nicht. Theoretisch hat sie ein Jahr kein Taschengeld gehabt, überspitzt gesagt. Manchmal durfte sie es auch abarbeiten.
Ich weiß doch das es mit zusammen reißen nicht getan ist. Und das es oft so anstrengend ist, weil man immer so konzentriert sein muss. Aber jegliche Vorschläge sind Ihr Wurst... zB Notizen machen.
DAS ist es was ich ihr übel nehme. Und auf eine Entschuldigung kann ich lange warten. Sie ist ja gleich sauer, wenn ( um bei der Bücherei zu bleiben) sie es bezahlen soll. Dann kommt der Mega Streit...
Wenn eine kommt dann meist Tage zeitversetzt.
Sie kann oder will nicht verstehen, das wir ja indirekt oft mitbetroffen sind.
Haare waschen vergessen, ihr peinlich?! Vorher fällt Ostern und Weihnachten auf einen Tag. Zumindest tut sie so.Und wir leben es ihr nicht so vor, es ist bei uns nicht wie bei den Flotters.
Es ist einfach so viel was durch das Vergessen schief läuft, ja und manchmal übersehe ich vielleicht ihre kleinen Erfolge, aber so kann es auch nicht bleiben.
Medikamente wollte sie nicht mehr, fühlte sich so anders dadurch. Aber es hatte unter Medikamente auch keinen großen Einfluss auf ihre Vergesslichkeit.
Man merkt zwar den Unterschied aber es ist echt okay. Die Pubertät tut ihr da Augenscheinlich echt gut. Sie ist immer noch lebhaft, aber sie macht viel Sport, das tut ihr sehr gut. Die Lehrer akzeptieren ihre Entscheidung und tolerieren ihren Bewegungsdrang. Zb mit den Händen, sie darf im Unterricht einen fidget spinner nutzen. So lange kein Hilferuf von den Lehrern kommt, darf sie selbst entscheiden. Die Option zb für Abitur Prüfung wieder welche nehmen ist ja auch noch da. Sie hatte nach langem ausprobieren Elvanse. Medikinet & co wären für sie nicht so gut. Aufdosieren ist auch kaum eine Option, sie ist sehr klein und zierlich, geht ja auch nach Körpergewicht. Und ihr Doc sagt, wir sind nicht in Amerika, er will die Kids nicht komplett ruhig stellen. Lebendigkeit ist ein Teil von ihr, irgendwie. Das finde ich einen guten Umgang vom Doc. Man hört ja manchmal fiese Geschichten. Aber klar, die Medikamente waren lange Zeit ein wichtiger Begleiter. Und vielleicht mal wieder.
Wie versucht ihr denn oder eure Kids die Vergesslichkeit zu kompensieren? Ich kann meiner Tochter ja nur meine Erfahrung und Tipps geben.
Falschparker
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von Falschparker » 25. Juli 2018 20:59

Ja, du hast völlig recht, dass diese Sturheit sehr ärgerlich ist. Und sorry, ich glaube natürlich nicht dass du nicht weißt dass so viel bei ADHS vergessen wird.

Du hast Strategien. Du bist aber nicht mehr in der Pubertät. Da hört man auf die Hinweise der Eltern nicht, weil sie von den Eltern kommen.

Aber mach dir mal keine Sorgen, sobald sie für sich selbst zuständig ist, wird sie Strategien entwickeln. Es bleibt ihr ja gar nichts Anderes übrig. Zumal dann niemand da sein wird, dem sie die Schuld geben kann. ;)

Zu den Medikamenten: Vielleicht sollte euer Arzt eine Fortbildung besuchen. Es geht nicht nach Gewicht. Komplett ruhig stellen? Ich finde Vieles was in Amerika läuft ja auch verrückt, denke aber da hat euer Arzt ein Vorurteil. Wenn man ruhig gestellt (nicht wach und ruhig, das ist ein Unterschied!) ist, ist die Dosis zu hoch, aber in Amerika und überall anders gilt das natürlich auch. Lebendigkeit ist ein Teil von ihr, okay, aber wenn es Nervosität ist, dann ist die Lebendigkeit nicht gut. Ich kenne das noch gut von meiner Kindheit. Ich war oft sehr albern und aufgezogen, habe mich aber dabei nicht wohl gefühlt und es war mir oft hinterher sehr sehr peinlich. :oops:

Natürlich darf man nicht zuviel geben, aber zuwenig auch nicht. Und es geht auch nicht um die Schule, sondern um die Aufmerksamkeit und Wahrnehmung insgesamt. Vielleicht würde sie nicht so viel weniger vergessen, aber sie wäre ganz sicher einsichtiger! Dafür muss das Medikament natürlich auch zu Hause, also nachmittags und am Wochenende noch wirken.

Vielleicht nahm sie zu wenig, vielleicht auch zu viel (wenn sie sich "anders" fühlte). Bei Amfetamin (Elvanse) ist die Dosierung noch kniffliger als bei Methylphenidat leider.

Das Wert legen auf gepflegtes Aussehen kann von einem auf den anderen Tag kommen, wie du sicher weißt. :lol:
Bommerlunder
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von Bommerlunder » 29. Oktober 2018 06:50

Du schreibst 1:1 von meinem Sohn :shock:
Stefan SRO
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Re: Vergesslichkeit

Beitrag von Stefan SRO » 29. Oktober 2018 17:44

Die Zeilen über die Medikamente machen auch mich nachdenklich.

"Ruhig stellen" klingt sehr nach dem "Ritalinmärchen". Die Wirkung der verschiedenen Wirkstoffe ist völlig verschieden und bei jedem AD(H)S-Typ etwas anders.
Mit Elvanse hat sie m.E. eigentlich ein bei den meisten sehr gut verträgliches Medikament, was sie als Erwachsenen nicht mehr auf Rezept bekommt. Dann wird sie es sich vermutlich wünschen, muss es aber als Kassenpatient selbst zahlen.(wenn nicht von 17 bis 18 durchgehend verschrieben)

Ich kann aus eigenem Erleben sagen, das ich mit Medikinet (MPH) totalen Schiffbruch erlitten habe, aber mit Ritalin (ebenfalls MPH) bedeutend ausgeglichener geworden bin. Ich habe nun die nötige Geduld mir Termine ins Outlook oder Mobifon zu daddeln, damit ich nix vergesse.

Ich habe mich früher eher verzettelt und über alles Mögliche aufgeregt. Das ist nun besser geworden. Nur die Konzentration ist noch schlecht.

Falls sie also daran denkt, für die Prüfung die Medikamente wieder anzusetzen, sollte sie das rechtzeitig tun. Es braucht einige Zeit, bis sich der Körper darauf eingestellt hat und sollte die Pubertät die Hormone etwas durcheinander gewirbelt haben, könnte es sein, dass das Medikament nicht mehr wirkt wie früher.

@ Alice83; Ich hoffe sie fängt sich wieder und muß nicht später bereuen.
"Mein Hirn kann nicht still sitzen..."
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Was heute noch logisch und klar erscheint, ist morgen schon undurchsichtig rätselhaft.
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-Mal Einstein und mal taube Nuß.-
-Was man nicht all´s ertragen muß.-
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