3 jähriger

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3 jähriger

Beitrag von zoraya » 29. Juni 2018 18:50

Hi, ich suche Erziehungstipps für meinen 3 Jährigen Sohn mit ADHS.
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melinamaus
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Re: 3 jähriger

Beitrag von melinamaus » 29. Juni 2018 20:08

Konsequenz, konsequent und nochmehr konsequent.

Klar, kurze Ansagen - 3 Wortsätze reichen aus. Immer nur eine Anweisung.

und das allerwichtigste - LOBEN LOBEN LOBEN - egal für was.
Toll, dass du deine Socken angzogen hast,
Toll, dass du deine Schuhe aufgeräumt hast usw.

auch negative Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeit ist das, was sie dringend brauchen. Darum viel positives verstärken und nach Möglichkeit negatives in klare Worte fassen. Nicht du nervst mich - sondern, den Grund genau benennen und eine Lösung suchen.
Gemeinsam Zimmer aufräumen. Klare Anweisungen - du räumst deine Legosteine in die Kiste und ich räume inzwischen das Malzeug weg.

immer wieder in den Arm nehmen und sagen, wie lieb du ihn hast. Das ist ganz wichtig.

einen ADHSler zu erziehen kostet viel Kraft, aber je Konsequenter man ist, desto leichter wird es.
zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 29. Juni 2018 20:19

Cool danke
Das stützt sich auf die Behavoristische Lerntheorie mit der positiven Bestärkung. Find ich toll. Was du geschrieben hast, deckt sich mit meinem intuitiven Gefühl.

Wieso brauchen sie denn soviel Aufmerksamkeit?

Mein Freund leidet darunter, dass mein Sohn permanent aufmerksamkeit braucht. Wir haben dann fast keine zeit für uns.

Was meinst du genau mit Konsequenz?
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melinamaus
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Re: 3 jähriger

Beitrag von melinamaus » 29. Juni 2018 20:30

das nennt sich ja - Aufmerksamkeit - Defizit - Syndrom

Also haben wir ein Defizit damit, die Aufmerksamkeit wahr zu nehmen. Darum eben so viel Aufmerksamkeit.
Ich habe meine Tochter dann oft an die Hände genommen und sie immer direkt angeschaut, wenn ich mit ihr gesprochen habe. Auch habe ich sie oft gefragt, ob sie das verstanden hat, was ich von ihr will und mir Anweisungen nochmal wiedergeben lassen.

Oft bleiben die Anweisungen nur halb im Kopf und man macht Fehler - das demotiviert.

Die Partner kommen damit oft nicht klar, aber das müssen sie genauso lernen und akzeptieren, sonst ist es der Falsche.

Mit Konsequenz meine ich, dass du Strafen, die du verhängst auch durchhällst, dass du klare Strafen für EIN Fehlverhalten gibst und nicht nachgibst. Aber sie müssen im Rahmen und überschaubar bleiben.
Du hilfst mir jetzt beim Aufräumen, die Lego kommen alle in die große Kiste - räume jetzt das Lego in die Kiste - tust du es nicht, räume ich es in die Kiste und die Kiste kommt auf den Schrank und morgen bekommst du es nicht. Egal, wie sehr er tobt und zetert, die Kiste bleibt morgen auf dem SChrank und am nächsten Tag wieder auf den Boden und am Abend sagt du dann, räume dein Lego in die Kiste. Wenn er wieder zickt, das gleiche Spiel. Er will testen, wie weit er gehen kann - dann kannst du auch sagen, ok - es hat heute wieder nicht geklappt, jetzt bleibt sie 2 Tage oben. Und nicht nachgeben - dann hast du verloren.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von Falschparker » 29. Juni 2018 20:48

Ich glaube, Erziehung ist überschätzt. :lol:

Sorry für den provokativen Satz. Aber um gesagt zu bekommen, dass du konsequent sein sollst, musst du kein ADHS-Forum aufsuchen.

Nur wie man alle guten Tipps umsetzen soll, Tipps die bei Nicht-ADHS-lern prima funktionieren (jedenfalls vermute ich das, ich hatte noch kein Kind ohne ADHS), und das als selbst ADHS-Betroffener, das sagen einem die Tippgeber nicht.

Und dann lösen die schönen Tipps vor allem eines aus: Ein schlechtes Gewissen. Ich kann nicht alles umsetzen, also bin ich schuld, dass es schief läuft.

Bei ADHS finde ich erst einmal wichtig, die ADHS zu verstehen. Also nicht Was sagt mir mein Kind mit dem Verhalten, das ist die falsche Frage bei einem Kind was seine Impulse nicht kontrollieren kann, sondern Wie tickt mein Kind. Und eben nicht zu denken, der/die will mich ärgern, auch wenn es so aussieht.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von ULBRE » 29. Juni 2018 23:56

Hallo,

ich komm dann mal wieder mit Statistikwissen um die Ecke...
Bei Kindern bis 6 Jahren mit AD(H)S ist eine Behandlung des Kindes herzlich nutzlos. Wirklich wirkungsvoll ist dagegen ein Elterntraining.
Das dockt zum einen da an, dass AD(H)S hochgradig vererblich ist und dass mindesten ein Elternteil sehr häufig auch betroffen ist. Und ein unbehandeltes / unreflektiertes AD(H)S-Verhalten eines Elternteils ist für Kinder nun mal Gift, weil es das glatte Gegenteil einer sicheren Bindung ist.

Erziehungstipp ?

Wärme und Konsequenz und Wärme.
Soll heissen: Egal was passiert, das Kind als Wesen ist ok. Wenn es etwas tut, was nicht ok ist, ist das Verhalten nicht ok, aber der Mensch deshalb immer noch ok. Das verbindet die Vermittlung von Werten (richtig/falsch) einerseits mit der Vermittlung von Wertschätzung (Du bist ok).
Fehlt eines der beiden, kann es nicht hinhauen.

Falls man nur eines von beidem hinbekäme: Wärme ist unverzichtbar. Werte lassen sich noch lernen, das Selbstverständnis, dass man sicher angenommen wird und dazugehört, dass man ok ist, ist im Leben nie mehr aufholbar.
Das ist nur eine Verdeutlichung - klar ist beiden wichtig.

Alles Gute

UlBre
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Re: 3 jähriger

Beitrag von ULBRE » 30. Juni 2018 00:09

Sorry, ich war zu spät dran mit dem verbessern, hier nochmal in ganzer Schönheit:

Hallo,

ich komm dann mal wieder mit Statistikwissen um die Ecke...
Bei Kindern bis 6 Jahren mit AD(H)S ist eine Behandlung des Kindes herzlich nutzlos. Wirklich wirkungsvoll ist dagegen ein Elterntraining.
Das dockt zum einen da an, dass AD(H)S hochgradig vererblich ist und dass mindesten ein Elternteil sehr häufig auch betroffen ist. Und ein unbehandeltes / unreflektiertes AD(H)S-Verhalten eines Elternteils ist für Kinder nun mal Gift, weil es das glatte Gegenteil einer sicheren Bindung ist.

Erziehungstipp ?

Wärme und Konsequenz und Wärme.
Soll heissen: Egal was passiert, das Kind als Wesen ist ok. Wenn es etwas tut, was nicht ok ist, ist das Verhalten nicht ok, aber der Mensch deshalb immer noch ok. Das verbindet die Vermittlung von Werten (richtig/falsch) einerseits mit der Vermittlung von Wertschätzung (Du bist ok).
Fehlt eines der beiden, kann es nicht hinhauen.

Falls man nur eines von beidem hinbekäme: Wärme ist unverzichtbar. Wissen lässt sich leicht noch ein Leben lang lernen, Werte lassen sich noch mühsam ein Leben lang lernen, das Selbstverständnis, dass man sicher angenommen wird und dazugehört, dass man ok ist, ist im Leben nie mehr aufholbar. Wärme gibt einem Menschen die Sicherheit, wert zu sein, sicher zu sein. Das ist etwas, was man fühlt und das muss man in den allerersten Jahren sicher fühlen. Alles kognitives Wissen kann man noch sein ganzes Leben lang nachholen diese emotionale Sicherheit nie mehr.
Das ist nur eine Verdeutlichung - klar ist beides wichtig.
Wärme und Werte und Wärme.

Welche Werte gelten sollen (liberale, spiessige, konservative, ökodingsige, esoterische, ganzandere) ist dabei recht wurscht.
Beispiel: Man geht mit Freunden essen. Wie bezahlt wird - jeder den gleichen Teil egal wer heute wieviel hatte, jeder seins, mal der eine, mal der andere - welcher Wert auch immer gelten soll, ist eher wurscht. Aber dass Werte einen Wert haben merkt man, wenn jemand sich mal das eine und mal das andere rauspickt weil es ihm nutzt - das geht gar nicht. Werte müssen vor allem konsequent sein, auch wenn sie mal gegen einen selbst sprechen. Nur dann sind es Werte, alles andere ist Bullshit.
Werte geben eine Sicherheit und Sicherheit ist beruhigend., Man muss nicht denken sondern hat einen Kanon an den man sich halten kann. Das entspannt (sofern die Werte nicht irrational oder grob unpassend sind).

Falls Du das wissenschaftlich untermauert haben willst:
AD(H)S entsteht meistens durch genetische Disposition plus frühkindlichen Stress. Ohne frühkindlichen Stress entwickeln sich die Genanlagen nicht so, dass das angelegte AD(H)s sich auch ausbildet. Im Gegenteil: die im AD(H)S-Pool eine gewaltige Rolle spielenden Chance-Risiko-Gene bewirken bei entsprechender Förderung der Kinder, dass sie sich sogar besser entwickeln als der Durchschnitt.
Ausführlich:
https://www.adxs.org/adhs-neurologische-ursache/
dort Kapitel 2.3

Viele Grüsse

UlBre
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 30. Juni 2018 06:12

Hallo
Also Konsequenz: Ich sehe das von der lerntheoretischen Sicht aus, dass Strafen immer Nebenwirkungen haben und dass bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Strafe tatsächlich unerwünschtes Verhalten reduziert. Deshalb setze ich bewusst fast keine Strafen ein.
Ich hatte in den letzten zwei, drei Monaten vermehrt bewusst Strafe eingesetzt.
Das hat sich sofort in unserer Beziehung Mutter-Kind bemerkbar gemacht im negativen Sinne. Auch habe ich gemerkt, dass das Verhalten intensiviert wurde, bzw. es traten noch häufiger unerwünschte Verhaltensweisen auf.

Deshalb möchte ich nicht mehr bewusst Strafen. Trotzdem sind Strafen natürlich dabei, wenn man von der Definition Strafe= etwas unangenehmes hinzufügen oder etwas angenehmes entfernen ausgeht.


melinamaus: Aufmerksamkeit in ADHS bedeutet aus meines sicht wohl eher, dass es ein Defizit gib, die Aufmerksamkeit auf etwas zu richten und dabei zu bleiben. So ist es bei mir mit ADS und bei meinen Kollegen mit ADHS. Weil einem tausend Sachen durch den Kopf schwirren.

Warum aber ADHSler soviel Aufmerksamkeit brauchen ist mir noch nicht klar.

UlBRe
Ich habs nicht ganz kapiert, was du mir sagen wolltest.

wegen der sicheren Bindung: Ich bin bis anhin davon ausgegangen, dass wir eine sichere Bindung haben. Ich habe selbst ADS aber das weiss ich erst seit einigen Wochen.
Also es könnte ja sein, dass ich, weil ich ADS habe mich zu wenig auf seine Spiele konzentrieren kann und ev. wirke ich manchmal so, als würde ich nicht zuhören. Sodass er dann dauernd im Gefühl ist, ich beschäftige mich zu wenig mit ihm. Dabei beschäftige ich mich eigentlich fast permanet mit ihm, ausser wenn ich Haushalt machen muss.
Was er braucht, ist die alleinige Aufmerksamkeit. Wenn ich z.B. morgens mit ihm 1 Stunde lang gespielt hatte, dann hatte sich jeweils auch Verhalten gebessert.
Das hatte ich aber nicht weitergemacht, da ich mich nicht konzentrieren kann so lange und ich auch lieber frei den Tag plane.
Ich hatte dann dafür öfters mal 5 min alleinige Aufmerkeit eingeschoben.


Lg Zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 30. Juni 2018 18:31

Hi
Ihr könnte gerne nochmals was dazu schreiben. Am Dienstag habe ich den termin beim Psychologen, der auf ADHS spezialisiert ist und bei dem ich auch Eltern Coaching in Anspruch nehme. Trotzdem möchte ich gerne eure Meinung hören.

Mein Freund ist der Ansicht, dass sich das Verhalten in den letzten 2 Monaten intensiviert hat, da ich erst jetzt angefangen habe Grenzen zu setzten. (Im Gegensatz dazu meine Meinung, dass sich das unerwünschte Verhalten intensiviert hat, weil unsere Bindung durch die Strafen schlechter wurde.)
Er sagt, er akzeptiere kein Nein. Da sind wir uns einig.
Er meinte, er kenne andere Beispiele von anderen Kindern, die dann das Nein auch erst mit spät lernen mussten und das sei extrem schwierig. Er sieht das nicht so wie ich, dass das einfach am ADHS liegt.

Ich sehe halt, dass Sohn schon als Baby starke Wutanfälle hatte, auch mit wenigen Wochen Alter schon.

Mein Freund meint, dass das Kind jetzt "teubelt" (Schweizerdeutsch?), weil er weiss dass teubeln zum Ziel führt.
Konkret war es so, dass Sohn vor 3 Tagen abends 2 Stunden geschrien hat und Sachen rumgeschmissen, weil ich ihm Nein zu einem Kauf von Schockoladen Hasen gesagt hatte.

Andere Leute, also z.B. die Nachbarn sind schockiert über den starken Wutausbruch und das starke Gebrülle. Sie kennen das von Ihren Kindern nicht so.
Es gibt keine möglichkeit ihn zu beruhigen.
Ich habe versucht ihm Alternativen zu bieten, seine Wut rauszulassen. Ich habe probiert ihn aufs Kissen hauen zu lassen, was er nicht angenommen hat. Was er angenommen hat, war dass er mich "ziehen" konnte am Arm. So kann er sich selber spüren und seine Wut rauslassen ohne mich zu hauen. Es gibt ja alternativ auch das "Schieben" der Bezugsperson, aber das hat er auch nicht angenommen.

Ich denke jetzt aber im Nachhinein auch, dass ich solches Alternativverhalten in ruhigen Momenten aufbauen und positiv bestärken sollte, um sie in Krisensituationen anwenden zu können. Das werd ich gleich nächste Woche machen.

Mein Freund leidet stark unter der Situation und um überhaupt Zeit zusammen verbringen zu können, haben wir jetzt ausgemacht, dass wir Zeit ohne meinen Sohn verbringen.
Er ist nicht der leibliche Vater, aber ich kenne ihn seit meiner Schwangerschaft und er war von anfang an dabei. Für mich kommt es auch nicht infrage die Partnerschaft aufzugeben. (das wurde ja in einem vorigen Posting von jemanden angesprochen.) Ich denke nicht, dass es mit einem anderen Partner einfacher werden würde...

Lg Zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von laetitia » 30. Juni 2018 22:53

ULBRE hat geschrieben: Falls Du das wissenschaftlich untermauert haben willst:
AD(H)S entsteht meistens durch genetische Disposition plus frühkindlichen Stress. Ohne frühkindlichen Stress entwickeln sich die Genanlagen nicht so, dass das angelegte AD(H)s sich auch ausbildet. Im Gegenteil: die im AD(H)S-Pool eine gewaltige Rolle spielenden Chance-Risiko-Gene bewirken bei entsprechender Förderung der Kinder, dass sie sich sogar besser entwickeln als der Durchschnitt.
Tut mir leid, aber das ist reine Spekulation von ULBRE und keine allgemein anerkannte wissenschaftliche Meinung.

Warum das Thema Bindung auftaucht ist mir gerade nicht ganz klar, aber ob zum Kind eine sichere Bindung besteht, kann man anhand des Fremde-Situations-Test herausfinden. Dabei spielt man mit dem Kind in einem Raum, eine andere Person, die dem Kind fremd ist kommt herein, setzt sich zum Kind und spielt mit ihm. Die Mutter verlässt den Raum. Das Kind sollte jetzt aufhören mit spielen, sich nach der Mutter umsehen und anfangen zu weinen. Kommt die Mutter zurück, sollte das Kind zur Mutter gehen und sich von ihr trösten lassen. Das wäre das Szenario für eine sichere Bindung. Dazu gibt es auch zahlreiche Videos auf Youtube. Bis zu welchem Alter dieser Test gemacht werden kann, weiss ich nicht so genau, aber drei Jahre ist vielleicht schon zu alt.

Auf jeden Fall hat eine sichere Bindung weniger damit zu tun, dass man dem Kind viel Aufmerksamkeit und Zeit schenkt, sondern dass man die Bedürfnisse des Kindes erkennt und darauf reagiert. Also zum Beispiel wenn es Durst hat, bekommt es zu trinken, wenn es nähe braucht, soll es in den Arm genommen werden, wenn die Windeln voll sind, soll es gewickelt und nicht in den Schlaf gewogen werden...

Grenzen setzen und konsequent sein sind für eine sichere Bindung wichtig, sofern sie die Bedürfnisse und den Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigen. Der sogenannt autoritative (nicht zu verwechseln mit dem autoritären) Erziehungsstil ist erwiesenermassen der Beste für eine optimale Entwicklung des Kindes. Das bedeutet, dem Alter angemessene Strenge, bei gleichzeitig emotionaler Wärme.

So sagen es die Studien und die daraus abgeleiteten Theorien in den Lehrbüchern...

Aber wie Falschparker es erwähnt, kommt ADHS hinzu, ergeben sich nochmals ganz neue Herausforderungen. Und da denke ich, können dir die Leute die ADHS-Kinder haben am Besten weiterhelfen.
Ich selber habe weder noch...also kein Kind, daher auch kein ADHS-Kind :lol: .
Das hier ist einfach ein wenig aktuelles Wissen aus meinem Studium. Mehr nicht.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von Caesi » 1. Juli 2018 04:17

Grenzen setzen und eine stabile Struktur sind für alle Kinder unglaublich wichtig, für Kinder mit ADHS noch mehr.

Was ich bei meinen Söhnen bemerke ist das sie mehr Hilfe benötigen bei der Struktur. Ich muss sie ihnen immer wieder vorbeten, aber sie brauchen sie, da sie sich sonst verlieren in dem was ihnen durch den Kopf spukt.

Grenzen setzen und diese durchsetzen hat auch nichts mit Strafen zu tun. Ein Nein ist ein Nein und bleibt ein Nein! Eltern haben auch die Aufgabe den verständlichen Frust von einem Nein mal auszuhalten. Die Bindung leidet nicht weil das Kind die Mama als doof bezeichnet. Ein Kind das weint muss getröstet werden, aber was bei meinen Kindern am besten hilft, wenn sie zornen oder sich hineinsteigern in den Frust ist ein wechseln des Settings. Ein anderer Raum, raus gehen...irgendwas das den Teufelskreis durchbricht. Und unerwünschtem Verhalten wird so wenig wie möglich Aufmerksamkeit geschenkt. Das heißt nicht die kalte Schulter zeigen, sondern schlichtweg starke nerven behalten, potentielle Verletzungsquellen beseitigen und ruhe bewahren.

Wenn ich merke ich kann die Ruhe nicht bewahren verlasse ich selbst den Raum für einen Moment zum durchatmen und neu starten. (Sofern das Möglich ist in dem Augenblick)

Und das allerwichtigste und schwerste ist wohl "Geduld!", Änderungen brauchen ihre Zeit bis sie sich soweit integriert haben das sie auch als wohltuende Struktur empfunden werden. Wenn etwas nicht gleich so 100% klappt oder man einen Schritt vor und Zwei Schritte zurück hat, muss man dennoch am Ball bleiben. Das fällt nicht immer einfach.

Was Ulbre ansprach mit der Bildung, ich denke das ist das Problem das Eltern die selbst erkrankt sind die Struktur selbst nur schwer halten können und das belastet die Kinder in dem Moment auch und vor allem das Vertrauen des Kindes in die Eltern, das sie für sie einstehen können und der sichere Anker sind. DAS BEDEUTET ABER NICHT das es für Eltern mit ADHS unmöglich ist, oder es bei allen so ist. Es kommt sehr darauf an wie sie ihren Alltag strukturiert bekommen usw.

Dieser Bindungstest den Laetitia ansprach ist für Kleinkinder im Vorkindergartenalter. Also so ca. 1-2 Jahre. Im Alter von 3 werden die meisten Kinder schon selbstständiger. Meine Kinder hatten eine gute Bindung zu mir, was man daran erkennt, das ich sie gut trösten kann. Meine nähe ist beruhigend, ohne das sie zu sehr klammern, sondern sie erkunden altersgerecht ihre Umgebung und lösen sich Altersgerecht. Zum Thema Bindung gibt es aber auch einige sehr gute Bücher. Allerdings kann die Bindung prima sein und trotzdem geht die Familie im Chaos unter, aber Bindung entsteht dadurch das die Eltern den Kindern die passenden Wurzeln bieten können, auf die sie sich verlassen können, damit sie ohne Angst lernen können zu fliegen und die Welt erkunden.
"Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" (Immanuel Kant)
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Re: 3 jähriger

Beitrag von ULBRE » 1. Juli 2018 12:15

laetitia hat geschrieben:
ULBRE hat geschrieben: Falls Du das wissenschaftlich untermauert haben willst:
AD(H)S entsteht meistens durch genetische Disposition plus frühkindlichen Stress. Ohne frühkindlichen Stress entwickeln sich die Genanlagen nicht so, dass das angelegte AD(H)s sich auch ausbildet. Im Gegenteil: die im AD(H)S-Pool eine gewaltige Rolle spielenden Chance-Risiko-Gene bewirken bei entsprechender Förderung der Kinder, dass sie sich sogar besser entwickeln als der Durchschnitt.
Tut mir leid, aber das ist reine Spekulation von ULBRE und keine allgemein anerkannte wissenschaftliche Meinung.
Meine Auffassung gibt das Ergebnis sehr vieler wissenschaftlicher Studien wieder, nachzulesen unter dem angegebenen Link (mit alleine auf dieser Seite 179 Quellenangaben).
Darf man gerne auch anders sehen, es aber als reine Spekulation zu bezeichnen ist die persönliche Meinung von laetitia ;-)

laetitia hat geschrieben:
ULBRE hat geschrieben: Grenzen setzen und konsequent sein sind für eine sichere Bindung wichtig, sofern sie die Bedürfnisse und den Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigen. Der sogenannt autoritative (nicht zu verwechseln mit dem autoritären) Erziehungsstil ist erwiesenermassen der Beste für eine optimale Entwicklung des Kindes. Das bedeutet, dem Alter angemessene Strenge, bei gleichzeitig emotionaler Wärme.
So sagen es die Studien und die daraus abgeleiteten Theorien in den Lehrbüchern...
Very right.

Grüsse

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Re: 3 jähriger

Beitrag von laetitia » 1. Juli 2018 13:06

ULBRE

Solange du keine wissenschaftliche Arbeit in einem Peer-Reviewed Journal publiziert hast und deine Schlüsse lediglich aus dem Lesen von Studien ziehst, sind deine Überzeugungen lediglich spekulativer Natur. Das ist keine persönliche Meinung von mir, sondern eine Tatsache im Sinne des wissenschaftlichen Konsenses.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von Hanghuhn » 1. Juli 2018 17:52

Da sehr viel von sehr verschiedenen Leuten zu AD(H)S geschrieben wurde und wird, zweifle ich mal ganz stark an, dass derjenige, der meinte, dass AD(H)S mit optimaler Bindung im Elternhaus bei entsprechender Disposition nicht zum Ausbruch komme, nicht so die Ahnung hat.

Eltern von betroffenen Kindern können ein Liedchen davon singen, wie sehr sich gewisse Auffälligkeiten schon im Babyalter zeigten. Ich pfeife ganz laut mit.

Dass AD(H)S im Klein- und Kleinstkindalter nicht nachweisbar ist, heißt ja nicht, dass es das bei diesen Kindern nicht gibt.

Und da ist es wieder: dieses Märchen, die Eltern hätten Schuld an allem, zwar abgeschwächt, weil ja eine gewisse Disposition bei den Kindern vorausgesetzt wird, aber trotzdem eine Schuldzuweisung!

Es gibt AD(H)Sler, die, erst als sie auf eigenen Beinen stehen mussten, erkannten, dass bisher nicht sie selbst, sondern ihre Eltern (in einem Fall war es sogar die Sekretärin, die das Leben des AD(H)Slers durch ihre Kündigung gehörig durcheinanderbrachte) ihr Leben strukturiert hatten. Aber die Störung war immer vorhanden.
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Re: 3 jähriger

Beitrag von Hanghuhn » 1. Juli 2018 18:10

Ich muss noch etwas Senf dazugeben.

Kinder sind auch im zarten Alter von 3 Jahren nicht blöd. Wer immer gelobt wird, misst dem Lob bald keine Bedeutung mehr bei. Er wird ja immer gelobt. Natürlich ist Lob sehr wichtig, und man sollte mit Lob auch nicht sparen. Aber IMMER loben bringt nichts. Das haben selbst die ganz Kleinen ziemlich schnell 'raus.

Und bei AD(H)S fehlt dann was? Richtig: die Motivation, und infolge dessen geht die Anstrengungsbereitschaft flöten. Naja, nicht ganz: glücklicherweise wollen die lieben Kleinen ja selbst etwas schaffen. Dafür sind sie in diesem Alter noch selbst sehr bereit sich anzustrengen.

Auch das mit den Kosequenzen stimmt nicht 100%ig. Bei Androhung von irgend etwas mag das stimmen. Wenn du das, was gefordert ist, nicht machst, passiert etwas, das in ziemlich nahen Zusammenhang mit dem nicht Erledigten steht. Dabei darf man ein Kind nicht überfordern. Ein dreihähriger kann sein Zimmer noch nicht allein aufräumen.

Aber wenn ein Kind um etwas bittet, was man eigentlich nicht bereit ist zu geben, darf man auch mal inkonsequent sein, damit das Kind auch mal seinen Willen kriegt. Sonst gibt es auf und bittet nie um etwas. Das kann nicht gut sein.
LG Hanghuhn
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Re: 3 jähriger

Beitrag von Falschparker » 1. Juli 2018 21:27

Ohne frühkindlichen Stress entwickeln sich die Genanlagen nicht so, dass das angelegte AD(H)s sich auch ausbildet.
Sorry, aber das darf hier nun wirklich nicht unwidersprochen bleiben! Welchen frühkindlichen Stress, der über die Normalität hinausgeht, sollen denn meine Söhne oder ich selbst erlebt haben? So ein Stuss.

Klar habe ich meine Kindheit als stressig in Erinnerung, aber das lag doch vor allen Dingen an meiner ADHS selbst.

Ansonsten wäre ein möglicher Stressfaktor, dass meine Eltern beide berufstätig und stark eingespannt waren, allerdings war die Situation schon ein ganzes Stück entspannter als bei meinem älteren Bruder, der aber die schwächere (und bis heute undiagnostizierte) ADHS geerbt hat.

Bei unseren Söhnen wäre der Stressfaktor, dass wir uns während der Kleinkindzeit extra viel Zeit für sie genommen haben? Beim ersten war ich arbeitslos, beim zweiten habe ich 6 Monate Elternzeit genommen. Und meine eigene ADHS wurde sogar schon behandelt, als mein Kleiner geboren wurde.

Klar gibt es unvermeidlich immer wieder Überforderungen und Stress im Zusammenleben mit einem Kleinkind. Gerade wenn es ein anspruchsvolles Kind ist, bei dem sich später herausstellt, dass es ADHS hat. Dass besonderer Stress auslösender Faktor für eine ADHS sein soll, ist allerdings kalter Kaffee.

Sicher könnte man viel zusätzlich falsch machen, und wenn ein ADHS-Kind in einer instabilen Familie mit Sucht- und Gewalterfahrung aufwächst, ergibt sich ein unschönes Gesamtpaket, das dieses Kind und später Jugendlicher und Erwachsener zu tragen hat.

Und ich weiß ja nicht, welche Untersuchungen du gelesen hast, aber immerhin schon vor 10 Jahren zitierte Martin Winkler eine Studie, dass ADHS-Behandlung durchaus auch vor dem 6. Geburtstag etwas bringen kann.
https://web4health.info/de/answers/adhd-toddler-mph.htm
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Re: 3 jähriger

Beitrag von ULBRE » 2. Juli 2018 22:46

Hallo miteinander,

wie schön, wir sind uns mal nicht einig.
Müssen wir auch nicht, lasst uns das nur bitte in der Sache erörtern.

AD(H)S gibt es auch ohne frühkindlichen Stress. Die spontaneous hypertensive Rat (SHR) ist das Tiermodell dafür: sie hat ADHS und mit 15 Monaten Bluthochdruck. Und doch ist sie ein Beleg für den Einfluss der HPA-Achse auf AD(H)S: diese ist bei diesen Tieren schon aufgrund derer Genetik gestört. Eine Behandlung mit Dexamethason oder Cortisol behebt beid en Tieren das ADHS und den Bluthochdruck.
Nach der Fachliteratur der Stressmedizin sind (neben reiner Genanlage) bestehende Gendispositionen und frühkindliche Stresserfahrungen der zweite wichtige Entstehungspfad.

Auf die Gene haben wir halt weniger Einfluss.
Zur Frage des Einflusses der Erziehung / Bindung auf diese Entwicklung habe ich zwei Argumente:

Erstens:

Das Bindungsverhalten der Eltern (vor allem der Mutter) hat einen größeren Einfluss auf das Entstehen psychischer Störungen als das Bestehen einer genetischen Disposition. Tierversuche belegen, dass die positive Wirkung eines sicheren Bindungs- und Sozialverhaltens der aufziehenden Leihmutter die negativen Einflüsse der seitens der leiblichen Mutter vererbten Gene deutlich überwiegt:

Ratten, die von bindungsschwachen Müttern abstammten, und bindungsstarken Müttern zur Aufzucht anvertraut wurden, hatten kaum Tendenzen zu desorganisiertem Bindungsverhalten oder AD(H)S; umgekehrt hatten Ratten, die leiblich von bindungsstarken Müttern abstammten, und von bindungsschwachen Müttern aufgezogen wurden, erhebliche Tendenzen zu desorganisiertem Bindungsverhalten oder AD(H)S.

Quelle: Brisch (2004): Der Einfluss von traumatischen Erfahrungen auf die Neurobiologie und die Entstehung von Bindungsstörungen. Psychotraumatologie und Medizinische Psychologie 2, 29-44, Link auf Beitrag gleichen Namens auf Webseite Brisch, mit anderer Seitennummerierung, Link-Seite 26

Frühkindlicher Stress verändert bei Mäusen das Stressbewältigungsverhalten bei erwachsenen Tieren und bei erwachsenen männlichen Nachkommen. Die Verhaltensänderungen werden von einer erhöhten Glucocorticoidrezeptor (GR) -Expression und verringerter DNA-Methylierung des GR-Promotors im Hippocampus begleitet. DNA-Methylierung ist auch in Spermien von exponierten Männchen im Erwachsenenalter vermindert. Wachsen Tiere mit genetischer Belastung ohne frühkindlichen Stress in einer sicheren Umgebung mit vielen sozialen Kontaktmöglichkeiten (enriched environement) auf, werden keine Verhaltensveränderungen beobachtet. Zugleich werden die genannten Veränderungen in der GR-Genexpression und der DNA-Methylierung im Hippocampus der männlichen Nachkommen umgekehrt.

Quelle: Gapp, Bohacek, Grossmann, Brunner, Manuella, Nanni, Mansuy (2016): Potential of Environmental Enrichment to Prevent Transgenerational Effects of Paternal Trauma

Ebenso wird von Affen berichtet, dass alle Affenkinder, die leiblich von aggressiven Müttern abstammten und von fürsorglichen Müttern aufgezogen wurden, ihren Kindern wiederum eine fürsorgliche Bindung geben konnten, während 50 bis 60 % der leiblichen Kinder von fürsorglichen Müttern, die von gewalttätigen Müttern aufgezogen waren, diese Gewalttätigkeit auch gegenüber ihre eigenen Kinder zeigten.

Quelle: Müller, Candrian, Kropotov (2011): ADHS – Neurodiagnostik in der Praxis, Springer, Seite 235, mit weiteren Nachweisen

Und zweitens die Geschichte mit den Chance-Risiko-Genen (die mE stark mit Hochsensibilität verknüpft sind), die meines Erachtens das selbe Modell wiederspiegelt:

Etliche Untersuchungen belegen, dass der Einfluss des Bindungsstils nicht bei allen Kindern gleichermaßen besteht, sondern in wesentlich stärkerem Maße bei Kindern, die mit bestimmten genetischen Dispositionen („Risiko-/Chance-Genen“) ausgestattet sind. Bei diesen hat der Bindungsstil besonders gravierende Auswirkungen, allerdings im negativen wie auch im positiven.(121)(122)(123),

Als spezifische Chance-Risiko-Gene sind bislang nur wenige Gene beschrieben worden.

DRD4-7R – ADHS-Risiko-Chance-Gen

DRD4-7R ist erst rund 50.000 Jahr alt und hat sich seither weit schneller verbreitet, als eine zufällige Genweitergabe erwarten ließe. Dies deutet darauf hin, dass DRD4-7R ein extrem erfolgreiches Gen ist.

Diesseits wird in DRD4-7R dasjenige Gen vermutet, das Hochsensibilität vermittelt, wobei diesseits davon ausgegangen wird, dass die durch DRD4-7R vermittelte Hochsensibilität keine Folge ist, die erst durch eine hinzutretende frühkindliche Stresserfahrung entstehen würde. Diesseits wird vielmehr in der durch DRD4-7R vermittelten Hochsensibilität eben derjenigen „Hebel“ gesehen, der die Betroffenen für externe Einflüsse besonders empfänglich macht und damit eine besonders positive und besonders negative Entwicklung (Chance-Risiko) ermöglicht.

Bei Kindern mit der (auch für AD(H)S einschlägigen) Genvariante DRD4-7R hat der Erziehungs- und Bindungsstil gravierenden Einfluss. Ein schlechtes Bindungsverhalten löst sechs mal häufiger hohe Aggressivität aus (Risiko: plus 600 %). Zugleich bewirkt ein guter Bindungsstil, selbst wenn dieser nachträglich antrainiert wurde, eine überdurchschnittliche Einfühlsamkeit (und Nicht-Aggressivität), also über das Mass der Kinder ohne die DRD4-7R Risiko-Genform.(124)(125)(126)
Positiver, feinfühliger Umgang führt bei zwei- bis dreiährigen DRD4-7R-Trägern zu weniger externalisierendem Verhalten, während negativer, kontrollierender Stil zu ausgeprägt externalisierendem verhalten führt(127)

Bei Kindern ohne diese Genvariante ergaben sich dagegen kaum Unterschiede durch Änderungen des Bindungsstils.(128)(129)(130)
Dies spricht für die bereits an anderer Stelle vermerkte Verknüpfung der DRD4-7R Genform mit Hochsensibilität.

Umgekehrt profitierten auch nur Kinder mit DRD4-7R von einer therapeutischen Förderung der mütterlichen Sensibilität im Kindesumgang, was auf eine Reversibilität epigenetischer Prozesse schliessen lassen soll.(131)

Die Verhaltensänderungen werden dabei über die HPA-Achse (Stressregulationsachse) vermittelt.(132)

Bei Kindern mit AD(H)S und der AD(H)S-Risiko-Gen-Disposition DRD-4-7R bewirkte eine Schulung der Eltern im Umgang mit ihren Kindern eine Besserung von 27 % auf einer Symptom-Skala, während Kinder mit AD(H)S ohne diese Gendisposition von der selben Schulung ihrer Eltern eine Besserung von nur 12 % erzielten.(133)
Ebenso wurde beobachtet, dass Kinder mit einer DRD-4-7R-Disposition eine besonders umgängliche Art entwickelten (im Vergleich zu Nicht-AD(H)S-Kindern), wenn ihre Eltern sie mit einem besonders feinfühligen Erziehungsstil beglückt hatten. (134)
Weitere Studien zu DRD4-7R und sichere Bindung
In einer anderen Studie waren Kinder mit dem DRD4-7R-Gen, die eine sichere elterliche Bindung erhalten hatten, diejenigen, die am meisten spendeten, während diejenigen mit dem DRD4-7R-Gen, die mit einer unsicheren Bindung aufgewachsen waren, am wenigsten spendeten.(135).
Betroffene mit dem DRD4-7R-Gen, die eine sichere elterliche Bindung erhalten hatten, hatten eine geringere Verzögerungsaversion als die Kontrollgruppe ohne diese Genvariante. Sie nahmen eine deutlich höhere Verzögerung auf sich, um am Ende eine höhere Belohnung zu erhalten, während diejenigen mit DRD4-7R, die mit einer unsicheren Bindung aufgewachsen waren, eine deutlich höhere Verzögerungsaversion als die Kontrollgruppe aufwiesen.(136)

Bindungsstörungen von Kindern in den ersten Lebensjahren führen zu der auch für AD(H)S typischen Veränderung des DRD4-Gens.(137)

5-HTTLPR short – Depressions-Risiko-Chance-Gen-Polymorphismus

Menschen mit der (kurzen) Risiko-Variante des Serotonin-Transporter-Gens SLC6A4, dem Polymorphismus 5-HTTLPR short(138), haben eine höheres Depressionsrisiko. Das erhöhte Depressionsrisko besteht aber nur, wenn ein 5-HTTLPR-short-Träger in der Vergangenheit belastenden Erlebnissen ausgesetzt war. Betroffene ohne solche belastenden Erlebnisse werden dagegen seltener depressiv als Träger der langen Nicht-Risiko-Variante.(139)
Etwa 20 % aller Westeuropäer haben den Gen-Polymorphismus 5-HTTLPR in der short Variante.(140)
Die Anzahl der S-Allele (beim Gen 5-HTTLPR) korreliert mit positiven emotionalen Eigenschaften.(141)
Bei gesunden siebenjährigen Kindern hängt ein ausgeprägt externalisierendes der internalisierendes Verhalten mit dem kumulativen Vorhandensein beider Genvarianten (DRD4-7R und 5-HTTLPR short) zusammen.(142)
Weitere Untersuchungen bestätigen, dass diejenigen Gene, die eine besondere Verletzlichkeit für frühe Stresserfahrungen bewirken, zugleich Chance-Gene bei besonderer Förderung in dieser Zeit sind.(143)(144)

COMT – Risiko-Chance-Gen

Der COMT-Val-158-Val-Polymorphismus bewirkt einen 4 mal schnelleren Dopaminabbau als die COMT-Met-158-Met-Variante. COMT ist für 60 % des Dopaminabbaus im PFC, aber nur für 15 % des DA-Abbaus im Striatum zuständig.

COMT-Met-158-Met-Träger sind gegenüber COMT-Val-158-Val-Trägern

- geistig leistungsfähiger (effizienter, nicht intelligenter)
- stressempfindlicher (hoher Dopaminspiegel (nur) im PFC bereits im Ruhezustand, erheblicher Dopaminanstieg (nur) im PFC schon bei leichtem Stress)
- ängstlicher und
- schmerzempfindlicher.(145)(146)(147)

Die Verbindung von geistiger Leistungsfähigkeit und hoher Sensibilität über den COMT-Met-158-Met-Polymorphismus könnte die Korrelation zwischen Hochbegabung und Hochsensibilität erklären, der diesseits in einem anderen Projekt nachgegangen wird.(148)(149)(150)
Eine Untersuchung berichtet eine Korrelation des COMT Val158Met mit AD(H)S.(151)

MAOA – Aggressivitäts-Risiko-Chance-Gen

Jungen mit einer Variante des MAO-A-Gens, die ein Risiko für aggressives Verhalten setzt, haben größere Verhaltensprobleme nur, wenn sie Misshandlungen erlitten haben. Ohne Misshandlungen waren sie weniger aggressiv als Jungen mit der Nicht-Risiko-Variante des MAO-A.(152)
Der gleiche Zusammenhang wird für Aggressionen mit einer Variante des Gens MAO-A und Stress in der Kindheit beschrieben.(153)

CHRM2 – Risiko-Chance-Gen für sozial unerwünschtes Verhalten

Jugendliche mit Risiko-Varianten von CHRM2 (Risiko-Gen für sozial unerwünschtes Verhalten wie Aggressivität, Regelverletzungen oder Alkoholismus) hatten bei elterlicher Vernachlässigung mehr Verhaltensprobleme als die Kontrollgruppe. Bei stark fürsorglichen Eltern hatten sie deutlich weniger Verhaltensprobleme als Jugendliche ohne diese Genvariante.(154)

Hochsensibilität durch Chance-Risiko-Gene DRD4-7R / 5-HTTLPR
Der Gen-Polymorphismus 5-HTTLPR short bewirkt eine signifikante Veränderung evozierter Potentiale. Die LA der N1/P2-Komponente ist steiler als bei Menschen mit dem homozygoten l/l Genotyp. Bei steigender Intensität (Lautstärke) eines akustischen Stimulus nimmt die Amplitude bei 5-HTTLPR short schneller zu als beim l/l-Genotyp. (Abnahme über Elektrode Cz = Kopfscheitelpunkt).(155)
Das wird diesseits so verstanden, dass Menschen mit 5-HTTLPR short empfindsamer auf akustische Reize reagieren.
Details zu Serotonintransportern:(156)
Durch 5-HTTLPR verursachte hohe (5HTTLPR long/long) und niedrige (5HTTLPR short/short) Serotoninaktivität indiziert AD(H)S-Symptome bei hinzutretendem psychosozialem Stress, nicht aber mittlere (5HTTLPR long/short) Serotoninaktivität.(157)

Stressempfindlichkeit als Risiko bei Risiko-/Chance-Genen

Eine Studie an Vorschulkindern ergab bei manchen eine besonders intensive Stressreaktion (Herzfrequenz und Cortisolspiegel). Diese intensiver reagierenden Kinder waren bei Problemen im Elternhaus (Geldprobleme, Eheprobleme, strenge Erziehung, Depression der Bezugsperson) aggressiver als die anderen. Ohne diese Probleme verhielten sich die stressempfindlichen Kinder dagegen sozialer als die stressrobusten Kinder, schlugen seltener über die Stränge und engagierten sich mehr in der Schule.(158) (159)(160)
Kinder, die mit 6 Monaten ein „schwieriges“ Temperament haben, haben bei schlechter Betreuung durch die Bezugspersonen im Alter von 10 Jahren mehr Verhaltensauffälligkeiten als Kinder mit damals „einfachem“ Temperament. Bei guter und liebevoller Betreuung bilden sie bessere soziale Fähigkeiten aus und haben weniger Probleme als die „einfachen“ Kinder.
Gleiches gilt für Denkfähigkeit und schulische Leistungen.
Die unterschiedliche Empfänglichkeit für externe Einflüsse bleibt bei den Betroffenen mindestens bis in die frühe Pubertät, wahrscheinlich aber lebenslang erhalten.(161)
Es gibt etliche weitere Untersuchungen zu diesem Thema.(162)(163) (164)(165).

Aus unserer Sicht ist damit die Frage, ob Disziplin und Härte oder Einfühlung und Wärme das Rennen macht, um Kinder stark zu machen, beantwortet. Jedenfalls sensible Kinder macht eine harte, strenge Erziehung kaputt. Klare Regeln, die nicht nur manchmal gelten, sind allerdings für alle Kinder hilfreich.

Es wird vermutet, dass 15 bis 20 % aller Menschen mit den beschriebenen Risiko-/Chance-Genen ausgestattet sind.(166)
Die Fülle der Ergebnisse deutet darauf hin, dass bestimmte Genvarianten die „Empfindsamkeit“ oder die „Intensität“ von Menschen erhöhen, wobei sich diese als Risiko wie als Chance gleichermaßen auswirken. Nur dass die Betroffenen als Kinder mangels Einfluss auf das Bindungsverhalten der Eltern hilflos ausgeliefert sind, ob sich ihre genetische Disposition als Chance oder als Risiko verwirklichen wird.

Die Ergebnisse können so interpretiert werden, dass eine höhere Sensibilität eine höhere Verletzlichkeit einerseits und ein größeres Entwicklungspotential andererseits birgt. Dies deckt sich mit unserem Verständnis über den Zusammenhang von Hochbegabung und Hochsensibilität. ⇒ Hochbegabung und AD(H)S

Die oben genannte Prävalenz von Risiko-/Chance-Genen bei Menschen von 15 bis 20% deckt sich (zufällig ?) mit den Prävalenzzahlen, die für Hochsensibilität angenommen werden: 15 bis 20%(167) oder 15 bis 25%(168).

121. ↩ unter anderem: Obradović, Bush, Stamperdahl, Adler, Boyce (2010): Biological Sensitivity to Context: The Interactive Effects of Stress Reactivity and Family Adversity on Socio-Emotional Behavior and School Readiness; Child Dev. Author manuscript; available in PMC 2011 Jan 1; Published in final edited form as: Child Dev. 2010 Jan-Feb; 81(1): 270–289; doi: 10.1111/j.1467-8624.2009.01394.x; PMCID: PMC2846098; NIHMSID: NIHMS157386
122. ↩ Belsky, Beaver (2011), Cumulative-genetic plasticity, parenting and adolescent self-regulation. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 52: 619–626. doi:10.1111/j.1469-7610.2010.02327.x
123. ↩ Diamond (2014): Biologische und soziale Einflüsse auf kognitive Kontrollprozesse, die vom präfrontalen Kortex abhängen; In: Kubesch (Herausgeberin): Exekutive Funktionen und Selbstregulation – Neurowissenschaftliche Grundlagen und Transfer in die pädagogische Praxis; Huber, Seite 30
124, 128. ↩ Bakermans-Kranenburg, van IJzendoorn (2006): Gene-environment interaction of the dopamine D4 receptor (DRD4) and observed maternal insensitivity predicting externalizing behavior in preschoolers; Developmental Psychobiology, Volume 48, Issue 5, pages 406–409, July 2006, DOI: 10.1002/dev.20152
125, 129. ↩ Bakermans-Kranenburg, van IJzendoorn, Caspers, Philibert (2011): DRD4 genotype moderates the impact of parental problems on unresolved loss or trauma; Attachment & Human Development Volume 13, Issue 3, 2011; n = 124
126, 130, 139, 152, 154. ↩ Glomp (2011): GLÜCKSFALL PROBLEMKIND, Bild der Wissenschaft, 11/2011, Seite 84 – Kultur & Gesellschaft
127. ↩ Vuksanovic (2013): Die Aktivität der Hpothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bei Aufmerksamkeits-Defizit und Hyperaktivitäts-Störung, Dissertation, Seite 12, unter Verweis auf Propper et al 2007
131. ↩ Vuksanovic (2013): Die Aktivität der Hpothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bei Aufmerksamkeits-Defizit und Hyperaktivitäts-Störung, Dissertation, Seite 12, unter Verweis auf Bakermans-Kranenburg et al, 2008a
132. ↩ Vuksanovic (2013): Die Aktivität der Hpothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bei Aufmerksamkeits-Defizit und Hyperaktivitäts-Störung, Dissertation, Seite 12, unter Verweis auf Bakermans-Kranenburg et al, 2008b
133, 134. ↩ Berndt (2013): Resilienz, Seite 142
135. ↩ Bakermans-Kranenburg, van Ijzendoorn (2011): Differential susceptibility to rearing environment depending on dopamine-related genes: New evidence and a meta-analysis; Development and Psychopathology, Volume 23, Issue 1; February 2011, pp. 39-52; DOI: http://dx.doi.org/10.1017/S0954579410000635
136. ↩ Sweitzer, Halder, Flory, Craig, Gianaros, Ferrell, Manuck (2012): Polymorphic variation in the dopamine D4 receptor predicts delay discounting as a function of childhood socioeconomic status: evidence for differential susceptibility; Soc Cogn Affect Neurosci (2013) 8(5): 499-508.doi: 10.1093/scan/nss020
138. ↩ Becker (2007): Zusammenhang zwischen der Lautstärkeabhängigkeit akustisch evozierter Potentiale und dem 5-HTTLPR, Dissertation, Seite 10
140. ↩ Szczesny-Friedmann (2012): Taube oder Falke: Warum wir sind, wie wir sind – und was wir daran ändern können, Rowohlt
141. ↩ Wielpuetz, Kuepper, Grant, Munk, Hennig (2013): Acute responsivity of the serotonergic system to S-citalopram and positive emotionality—the moderating role of the 5-HTTLPR; Front Hum Neurosci. 2013; 7: 486; Published online 2013 Aug 23. Prepublished online 2013 Jun 18. doi: 10.3389/fnhum.2013.00486; PMCID: PMC3750213
142. ↩ Vuksanovic (2013): Die Aktivität der Hpothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bei Aufmerksamkeits-Defizit und Hyperaktivitäts-Störung, Dissertation, Seite 11, unter Verweis auf Schmidt et al 2007
143. ↩ Heim, Binder (2012): Current research trends in early life stress and depression: review of human studies on sensitive periods, gene-environment interactions, and epigenetics. Exp Neurol; 2012; 233: 102–11.
144. ↩ zu 5-HTTPR: Vuksanovic (2013): Die Aktivität der Hpothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bei Aufmerksamkeits-Defizit und Hyperaktivitäts-Störung, Dissertation, Seite 12
145. ↩ Diamond (2014): Biologische und soziale Einflüsse auf kognitive Kontrollprozesse, die vom präfrontalen Kortex abhängen; In: Kubesch (Herausgeberin): Exekutive Funktionen und Selbstregulation – Neurowissenschaftliche Grundlagen und Transfer in die pädagogische Praxis; Huber, Seite 28
146. ↩ Diatchenko, Slade, Nackley, Bhalang, Sigurdsson, Belfer, Goldman, Xu, Shabalina, Shagin, Max, Makarov, Maixner (2005): Genetic basis for individual variations in pain perception and the development of a chronic pain condition; Hum Mol Genet. 2005 Jan 1;14(1):135-43. Epub 2004 Nov 10.
147. ↩ Zubieta, Heitzeg, Smith, Bueller, Ke, Xu, Koeppe, Stohler, Goldman (2003): COMT val158met Genotype Affects µ-Opioid Neurotransmitter Responses to a Pain Stressor; Science 21 Feb 2003:Vol. 299, Issue 5610, pp. 1240-1243; DOI: 10.1126/science.1078546
148. ↩ Diamond (2014): Biologische und soziale Einflüsse auf kognitive Kontrollprozesse, die vom präfrontalen Kortex abhängen; In: Kubesch (Herausgeberin): Exekutive Funktionen und Selbstregulation – Neurowissenschaftliche Grundlagen und Transfer in die pädagogische Praxis; Huber, Seite 29
149. ↩ Boyce (2007/2013): A Biology of Misfortune: Stress Reactivity, Social Context, and the Ontogeny of Psychopathology in Early Life, IN: Ann S. Masten (Editor): Multilevel Dynamics in Developmental Psychopathology: Pathways to the Future: The Minnesota Symposia on Child Psychology, Volume 34; Minnesota Symposia on Child Psychology Series.
150. ↩ Boyce, Ellis (2005): An evolutionary–developmental theory of the origins and functions of stress reactivity; Biological sensitivity to context:
https://doi.org/10.1017/S0954579405050145 Published online: 12 May 2005
151. ↩ Taylor (2018): Association between COMT Val158Met and psychiatric disorders: A comprehensive meta-analysis.Am J Med Genet B Neuropsychiatr Genet. 2018 Mar;177(2):199-210. doi: 10.1002/ajmg.b.32556. Epub 2017 Jun 13.
153, 176. ↩ Berndt (2013): Resilienz
155. ↩ Becker (2007): Zusammenhang zwischen der Lautstärkeabhängigkeit akustisch evozierter Potentiale und dem 5-HTTLPR, Dissertation, Seite 44
156. ↩ http://user.medunigraz.at/helmut.hingho ... .2.htm#kat
157. ↩ Nikolas, Friderici, Waldman, Jernigan, Nigg (2010): Gene × environment interactions for ADHD: synergistic effect of 5HTTLPR genotype and youth appraisals of inter-parental conflict; Behavioral and Brain Functions20106:23; DOI: 10.1186/1744-9081-6-23
158. ↩ Obradović, Bush, Stamperdahl, Adler, Boyce (2010): Biological Sensitivity to Context: The Interactive Effects of Stress Reactivity and Family Adversity on Socio-Emotional Behavior and School Readiness; Child Dev. 2010 Jan-Feb; 81(1): 270–289. doi: 10.1111/j.1467-8624.2009.01394.x, n = 334, zitiert auch in Glomp (2011): GLÜCKSFALL PROBLEMKIND, Bild der Wissenschaft, 11/2011, Seite 84 – Kultur & Gesellschaft
159, 164. ↩ Bush, Obradović, Adler, Boyce (2011): Kindergarten stressors and cumulative adrenocortical activation: the „first straws“ of allostatic load?; Dev Psychopathol. 2011 Nov;23(4):1089-106. doi: 10.1017/S0954579411000514.
160. ↩ Berndt (2013): Resilienz, Seite 140
161. ↩ Langzeitstudie des amerikanischen National Institute of Child Health and Human Development in Bethesda, Maryland, Start 1991, n > 1000, zitiert nach Glomp (2011): GLÜCKSFALL PROBLEMKIND, Bild der Wissenschaft, 11/2011, Seite 84 – Kultur & Gesellschaft
162. ↩ Obradović, Bush, Boyce (2011): The interactive effect of marital conflict and stress reactivity on externalizing and internalizing symptoms: the role of laboratory stressors. Dev Psychopathol. 2011 Feb;23(1):101-14. doi: 10.1017/S0954579410000672.
165. ↩ Boyce, Bick, Zhu, Stamoulis, Fox, Zeanah, Nelson (2015): Effect of Early Institutionalization and Foster Care on Long-term White Matter Development: A Randomized Clinical Trial; JAMA. 2015;313(15):1564-1565. doi:10.1001/jama.2015.34. n = 64
166. ↩ Glomp (2011): GLÜCKSFALL PROBLEMKIND, Bild der Wissenschaft, 11/2011, Seite 84 – Kultur & Gesellschaft mit Verweis auf Tom Boyce und Bruce Ellis, University of Arizona
167. ↩ Tews (2010): Hochsensibilität – Der schmale Grat zwischen Krankheit und Fähigkeit, Bachelorthese
168. ↩ Trappmann-Korr (2008/2010), Das Phänomen Hochsensivität und der Zusammenhang mit AD(H)S, Bachelorarbeit, Seite 10

Wer auf die Quellen in Linkform zugreifen möchte, findet sie hier:
https://www.adxs.org/adhs-neurologische-ursache/

Viele Grüsse

UlBre
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Re: 3 jähriger

Beitrag von laetitia » 3. Juli 2018 00:29

ULBRE

1. Dir ist aber klar, dass Studien mit Ratten nicht unbedingt auf den Menschen übertragen werden können? Ausserdem ziehst du Schlüsse aus Studien und setzt diese in Zusammenhänge. Sollte an deinen Behauptungen was dran sein, dann denke ich, wäre das in der wissenschaftlichen Community längst Thema. Falls du wirklich denkst, dass genau du die bahnbrechende Erkenntnis gewonnen hast, auf die bisher keinder gekommen ist, dann bitte schick deine Metaanalyse einem Journal mit Peer Review. Sollte deine Arbeit publiziert werden, nachdem sie von Fachleuten auf Herz und Nieren geprüft wurde, kannst du wiederkommen und deine Behauptungen als wissenschaftlich vertreten.

2. Was genau sollen deine Behauptungen einer Mutter mit dreijährigem ADHS-ler, die hier um Rat fragt, helfen? Da ist praktische Lebenserfahrung gefragt, von Menschen, die das aus eigener Erfahrung kennen. Genau das, wozu ein Forum existiert.
zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 3. Juli 2018 07:40

Hi leute
Ich muss später mal noch alles genau durchlesen, was ihr geschrieben hattet.
Ich hatte gerstern Abend mit dem interaktiven ADHS Elterntrainer begonnen, auf adhs.aok.de gibts das gratis. Guckt doch selber mal rein! Ich finds cool, das Programm find ich anfangs ein Bisschen unübersichtlich, man muss einfach immer unten rechts auf "ok" drücken, dann gehts weiter zur nächsten Aufgabe.
Mal gucken, ob es was bringt. Hab jetzt 3 Regeln aufgestellt. Die soll ich mit meinem Sohn besprechen und ihn dann freundlich daran erinnern, wenn er sie vergisst. Es gibt auch Regeln für Wutanfälle, da hatte ich im Vornherein echt nicht daran gedacht. Da hab ich natürlich gleich aufgeschrieben nichts herwumwerfen. Die Alternativverhalten hatte ich ja schon beschrieben, die werden im Programm auch beschrieben, also da hatte ich wohl richtig gehandelt. Positiv Bestärkt hatte ich auch schon länger, das steht auch im Programm.

Heute hab ich den Termin beim Psychologen, er ist auf ADHS spezialisiert und ich nehm Elterntraining bei ihm in Anspruch.

Was mir auch noch geholfen hat war die Seite ADXS.org Da gibts Fachinfos, ich hatte da beispielsweise gelesen, dass bei einer Belohnung bei ADHS'lern die Freude schneller runtergeht als bei normalen Menschen, je länger sie darauf warten müssen. Und auch bei Strafen, dass die nur sehr zeitnah was nützen (wie zeitnah stand nicht).
Aber ich bin ja selbst ADS'lerin also mach ichs dann einfach so, wie es für mich auch gestimmt hätte.

Liebe Grüsse
Zoraya
zoraya
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Re: 3 jähriger

Beitrag von zoraya » 3. Juli 2018 11:38

Hi
der Psychologe hat mir jetzt noch das Triple P empfohlen. Man kann den Kurs auf Youtube schauen. Ich hab jetzt das erste Kapitel geschaut und folgende Aufgabe vor mir:
Buch führen über ein oder zwei unerwünschte Verhalten in einer Tabelle: Wann trat das Problem auf
Was passierte kurz davor, was hat das Problem ausgelöst.
Was ist danach passiert?

Man kann auch das unerwünschte Verhalten einfach zählen und dann eine visuelle Kurve kreiren.

Ich hab ja jetzt schon einiges vor. Auch beim Psychologen war es so, dass er mir nicht mehr viel neue Inputs geben konnte, weil ich ja schon mir jetzt viel Wissen angesammelt und Pläne gemacht habe.
Er konnte mir übrigens bestätigen, dass bei einer impulsiven Handlung bei ADHS'lern es viel schwieriger ist den Präfrontalen Cortex zu benutzen und die impulsive Handlung nicht auszuführen. Ich versteh es zwar noch nicht 100% weil normale Meschen sind ja auch manchmal impulsiv.

ich werd natürlich weiter berichten, wie es bei uns hoffentlich Fortschritte gibt. Was er mir auch noch als Tipp geben konnte, war "vorinformieren", was ich ja eigentlich auch schon kannte.
Also man informiert das Kind vor, dass wir in 15 min das Haus verlassen. Man kann dann aber noch sagen: " Wenn wir das Haus verlassen, dann müssen wir uns vorher anziehen. " Das hatte ich bisher noch nicht, ich hatte immer nur den ersten Teil gesagt. Für mich war ja klar, dass wir uns anziehen müssen. :roll:

Danke für eure Inputs. Vielleicht hilft es ja auch noch jemand anderem, wenn ich unsere Fortschritte hier aufschreibe und was mir geholfen hat.
LG Zoraya
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