Leistungsverweigerung in der Schule

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Enia05
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Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Enia05 » 24. März 2018 11:23

Hallo,

hat hier jemand Erfahrungen mit Leistungsverweigerung in der Schule?

Unser Sohn ist 14 und besucht die 8. Klasse. Die Diagnose ADS wurde vor 3 Jahren gestellt. Seitdem ging es leistungsmäßig in der Schule nur noch bergab. Der Wechsel vom Gymnasium auf eine Gesamtschule hat die Situation nicht verbessert, eher im Gegenteil. Die Noten gingen noch mehr in den Keller. Der KJP meint, er könne einen guten Realschulabschluss schaffen. Zur Zeit wird er wohl nicht mal die 8. Klasse schaffen.

Er geht in die Schule eigentlich nur, um Freunde zu treffen. Mag seine Klasse und auch den großteil seiner Lehrer. Er beteiligt sich im Unterricht nur, wenn ihn das Thema interessiert - was leider selten vorkommt. Mitschriften werden selten bis gar nicht angefertigt. Damit ist zu Hause auch kein nacharbeiten, lernen oder üben möglich.

Er bekommt Förderstunden. Erfolg gleich Null. Ein Integrationshelfer ist beantragt und genehmigt (Genehmigung brauchte ein ganzes Schulhalbjahr! :x ), allerdings noch nicht da. Aus Kapazitätsgründen können sie ihm zur Zeit niemanden zur Verfügung stellen. Das ist für uns sehr frustrierend.

Die Lehrer gehen immer wieder auf ihn zu. Fragen, was er braucht oder was sie machen können, damit er mitmacht. Er hat darauf keine Antworten.... Selbst sagt er, dass er die 8. Klasse schaffen will, setzt aber nichts um.

Wir sind langsam am Ende unserer Kräfte und Ideen. Lehrer, KJP, Schulpsychologe etc... haben auch alle keine wirklichen Ideen mehr.

Gibt es hier Betroffene, die in der Schule auch solche Probleme hatten? Hat sich das gegeben? Was hättet Ihr Euch von Euren Eltern oder Lehrern gewünscht? Unser Sohn will gar keine Hilfe mehr - ist therapiemüde...

Was machen andere betroffene Eltern in solch einer Situation?

LG
Enia05
Gutemiene
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Gutemiene » 24. März 2018 17:55

Hei, sei gegrüßt,

das ist ja die volle Kanne an Schulproblemen - obwohl es sich zumindest so anhört, als ob die Lehrerinnen grundsätzlich gewogen seien :)

Ich kann deine geschilderte Situation nachvollziehen. Es ist wirklich sehr schwierig. Was mir allerdings fehlt, ist ein Standpunkt des Jungen, um den es doch geht.
Was sagt er denn zu seiner Situation?
Hat er Pläne für seine Zukunft oder ist ihm alles egal (was ja auch eine versteckte Depression hinweisen könnte) ?

Selbst wenn er die nächste Klassenstufe erreichen möchte, weiß er vielleicht einfach nicht, WIE er das anstellen soll.

Weshalb habt ihr die Schule gewechselt, war er überfordert oder fehlte nur eine leitende Hand (= Schulbegleitung) ?

Es gibt inzwischen in einigen Städten Anlaufstellen für schulverweigerndes Verhalten.
Zumindest Schulspychologen oder Schulsozialarbeiter sollten sich damit auskennen.


Eine Schulbegleitung zum jetzigen Zeitpunkt könnte vielleicht akut helfen, aber das Kernproblem scheint mir tief zu sitzen....

Kopf hoch!
Man kann nicht verlieren: entweder man "gewinnt" oder man lernt dazu.
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Falschparker
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Falschparker » 24. März 2018 21:18

Das ist alles ziemlich dramatisch, aber von der Richtung her typisch für die Kombination unbehandelte ADHS plus Pubertät.
Er beteiligt sich im Unterricht nur, wenn ihn das Thema interessiert - was leider selten vorkommt. Mitschriften werden selten bis gar nicht angefertigt. Damit ist zu Hause auch kein nacharbeiten, lernen oder üben möglich.

(...)

Fragen, was er braucht oder was sie machen können, damit er mitmacht. Er hat darauf keine Antworten.... Selbst sagt er, dass er die 8. Klasse schaffen will, setzt aber nichts um.
Auch wenn es von außen absurd aussieht, ist es bei ADHS wirklich so: Er will nicht so sein, er will es schaffen, er kriegt es aber nicht hin, die notwendigen Schritte zu tun.

Ich staune sehr, dass ein Integrationshelfer genehmigt wurde. Könnte etwas bringen, aber wird sehr mühsam. Auch dieser muss sich in die ADHS-Problematik hineindenken, um nicht ungeduldig zu werden und ihm dann vorzuwerfen, er könne wohl, aber wolle nur nicht.

Viele Grüße und alles Gute
Falschparker
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Enia05 » 25. März 2018 18:26

Ich denke, Ihr habt das gut getroffen - grundsätzlich möchte er es schon schaffen und gute Leistungen haben, weiß aber nicht wie. Er sieht die Anforderungen als riesigen Berg vor sich, so dass er gar nicht weiß, wo und wie er anfangen soll.

Die Schule haben wir gewechselt, weil die Anforderungen zu hoch waren. Ich denke, dass hat auch der Intelligenztest gezeigt. Aber grundsätzlich hätte er dort in der Schule auch keine Unterstützung bekommen. Ich habe viel mit den Lehrern gesprochen und nach Hilfen gesucht, wurde alles abgeblockt. Schlussendlich hatte ich den Eindruck, dass sie nur darauf gewartet haben, dass sich das Problem von selbst löst. Zusätzlich kam noch massiver Druck von anderen Eltern, weil er auch im Verhalten angeeckt ist.

Mit einer KJP haben wir auch schlechte Erfahrungen gemacht. Sie hat immer auf ihn eingeredet, dass er doch alt genug sei zu verstehen, dass er sich anstrengen und lernen muss. Also immer nach dem Motto, er sei ja nur faul und müsse doch nur wollen. Daraufhin haben wir den KJP gewechselt. Medikamente nimmt er keine. Die bisherigen Versuche mussten wir aufgrund der Nebenwirkungen abbrechen.

Er hat eine niedrige Frustrationstoleranz. Selbst wenn er es motiviert probiert z.B. nach den Ferien, reicht ein Lehrerkommentar und der ganze Tag ist gelaufen und spätestens nach einer oder zwei Wochen ist alles beim alten.

Wie schon geschrieben, an sich sagt er, dass er die 8. schaffen will. Aber wenn man ihm dann die Möglichkeiten aufzeigt, passiert nichts. Es gab ja schon Lehrer, die ihm angeboten haben, dass er das Tafelbild auch gern abfotografieren kann mit dem Handy. Oder er darf Klassenarbeiten zu Hause bearbeiten...

Auf die Frage, warum er nicht mitmacht erhält man nur die Info "Keine Lust" oder "Schaffe ich eh nicht. Aus mir wird sowieso nichts. Ich ende eh unter der Brücke." Manchmal kommt auch, dass er den Schulstoff für sinnlos hält. Also oft die Frage "Wozu brauche ich das später mal." Wenn man mit ihm über Berufe spricht, interessiert er sich für die Arbeit mit Kindern und/oder Natur. Es ist also nicht so, dass er da gar keine Vorstellungen hat. Allerdings schaffe ich es dann nicht, dass bei ihm die Einsicht kommt, dass man sich für dieses Ziel anstrengen muss.

Ich würde gern mit ihm üben oder beim Lernen helfen. Wenn man Zettel mitgeschickt werden, setze ich mich mit hin und habe dann immer den Eindruck, dass er die Sachen schnell kapiert - aber eben die Aufmerksamkeit halt auch schnell weg ist. Zu Hause kann ich das dann gut steuern, durch kurze Pausen.

Ist echt schwierig. Tut mir so leid für ihn, denn er ist ein sensibler und hilfsbereiter Junge, der das Herz am rechten Fleck hat.

LG
Enia
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Gutemiene » 25. März 2018 19:18

Oh je, da blutet einer als Mutter das Herz....es ist schwer, das auszuhalten.
Glaub mir, ich kenne das.

Erstens braucht dein Sohn eine Aufwertung seines Selbstwertgefühls. Irgend etwas, wo er Erfolg haben kann und Anerkennung findet?

Zweitens benötuigt er Hilfe, um sich besser und länger konzentrieren zu können.

Üblicherweise versucht man es mit Medikamenten, mit mehr oder weniger Erfolg.

Sollte es gar nicht klappen, bitte auch noch mal an die Schilddrüse denken bzw. die Werte bestimmen lassen, weil oft in der Pubertät unter Stress eine geringfügige Unterfunktion auftreten kann, die sich aber schon deutlich auswirken kann. Die Schilddrüse ist ein stress-sensibles Organ.

Drittens kannst du dir ja überlegen, on eine freiwillige Wiederholung eines Schuljahrs nicht durch den Zeitaufschub eine Besserung bringen kann: Zeit, um einen geeigneten Schulbegleiter/in zu finden, evtl. auch Neurofeedback oder andere gute Therapiemethoden einzusetzen.

Wenn dein Sohn (noch) will, aber nicht weiß wie, braucht er alles an Unterstützung, damit er sieht, dass es auch für ihn möglich ist, ein Ziel zu erreichen.

Ich möchte keine Werbung machen, habe aber gute Erfahrungen bei einer P.T.E. gemacht und gebe diesen Tipp gerne weiter. Obwohl die guten Erfahrungen wohl wie meistens an den Einzelpersonen hängen, die dort arbeiten.
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von BAE2705 » 26. März 2018 09:13

Hallo Enia,

gibt es denn irgendein Fach wo das "Desinteresse" (Versagensangst? Abwehrhaltung?) geringer ist. Er hat definitiv - wie Gutemiene sagt - ein erhebliches Problem mit dem Selbstbewusstsein und hat sich aufgegeben. Da die Lehrer ja zum Glück (noch) zugänglich scheinen, vielleicht parallel zu einer beginnenden Medikamenteneinstellung, ein bis zwei besonders Bemühte bitten, deinen Sohn dranzunehmen und für jede halbwegs vernünftige Antwort zu loben. Lob ist aus meiner Erfahrung der einzige Weg zur Leistungsbereitschaft und irgendwann auch zum Erfolg!

Wir haben bei unserem Junior (jetzt 13 auch Klasse 8) über Jahre hinweg dasselbe Problem gehabt. Auch unter Medikamenten musste er erst lernen sich selbst etwas zuzutrauen (und es gab genügend Rückschläge). Solange wie der Weg nach unten dauert, dauerte es auch wieder sich freizuschwimmen!

Versucht das mit der Medikation anzugehen. Das kostet Zeit und Kraft, aber wenn Du dieses Schuljahr ohnehin "abgeschrieben" hast, dann könnt ihr es umso besser austesten. Bei meinem Junior hat es geholfen als er mal gar nicht "hochkam" Frühstück ans Bett zu bringen (hab' ich drei Wochen lang gemacht). Klingt doof, aber es gilt, dass alles was hilft richtig ist.

LG BAE
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Hanghuhn
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Hanghuhn » 26. März 2018 23:39

Ich kenne das - zumindest ähnlich.

Warum war dein Sohn am Gymnasium? Weil er die Anforderungen erfüllt hat, oder? Ein Overachiever scheint er ja nicht gerade zu sein. Weiß der Junge um das Ergebnis seines Intelligenztestes?

Ein Inteligenztest ist zwar ganz gut, um die Diskrepanz zwischen intellektuellen Möglichkeiten und tatsächlich erbrachter Leistung bei hoher Konzentrationsanforderung aufzuzeigen, zeigt aber so gut wie gar nichts auf, wenn der Intelligenztest nicht die intellektuellen Möglichkeiten aufzeigt, was leider bei ADSlern ab und zu der Fall ist.

Ich sehe das Problem darin, dass du - beeinflusst durch die Ergebnisse des Intelligenztests - nicht an ihn glaubst. Ich habe so etwas Ähnliches bei meinem Kind erlebt. Es ist in der 6. Klasse Gymnasium "sitzen geblieben", weil es in den unteren Klassen das Lernen nicht gelernt hatte. Lehrer sind dann schnell dabei, die Realschule als Ausweg anzusehen und den Eltern anzubieten, was ich abgelehnt habe, weil ich der Meinung war, dass mein Kind an der richtigen Schule war (eigentlich eher nur die richtige Schulform, die Schule war wirklich grässlich). Es hat eine Weile (2-3 Jahre)gebraucht, bis es psychisch wieder "auf Vordermann" war.

Aus heutiger Sicht war es aber richtig, an seine Fähigkeiten zu glauben (sagt auch mein Kind). Dein Kind hatte einen Durchhänger, und du hast die Anforderungen 'runtergeschraubt. Aber an einer anderen Schulform steigen eher die Anforderungen an Konzetration, Organisiertheit etc., vor allem im Verhältnis zu den intellektuellen Anforderungen. Du hast ihm also keinen Gefallen getan, indem du ihn vom Gymnasium genommen hast.

Mal was anderes: Kriegt dein Sohn Medikamente oder eine Therapie? Alles, was du schreibst, sieht nach total unbehandelt aus.
LG Hanghuhn
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Hanghuhn
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Hanghuhn » 26. März 2018 23:55

P. S.: Ich habe gesehen, dass er wg. der Nebenwirkungen keine Medikamente nimmt. Ich kenne mich da nicht allzu gut aus. Es gibt Nebenwirkungen, die man einfach nicht akzeptieren kann. Es gibt aber auch Nebenwirkungen, die nach einiger Zeit verschwinden, oder die man durch ein gewisses Verhalten einschränken kann. Z. B. sollten Retard-Präparate nicht auf nüchternen Magen genommen werden. Kopfschmerzen vergehen manchmal nach zwei Wochen. Da aber nicht ein Mensch wie der andere ist, muss man das halt ausprobieren. Unterschiedliche Medikamente werden, obwohl oft der gleiche Wirkstoff drin ist, von unterschiedlichen Leuten unterschiedlich vertragen.

Schau mal hier!

Ihr solltet weiter probieren. Er ist in einem schwierigen Alter. Da sind gerade solche Sachen schwer durchzusetzen. Wahrscheinlich lässt er sich nur überzeugen, wenn er tatsächlich eine positive Änderung an sich feststellt. Dazu muss er aber erst mal bereitwillig ausprobieren. Viel Glück dabei!
LG Hanghuhn
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von BAE2705 » 27. März 2018 09:49

Ach ja - zu dem was Hanghuhn geschrieben hat wegen des Intelligenztestes. Durch den ganzen Stress und Trubel in der Schule hatte unser Junior auch ein sher durchschnittliches Ergebnis im Intelligenztest. Gut zwei Jahre später gehört er in der Mehrzahl der Fächer zum oberen Drittel und in 2-3 Fächern ist er Klassenbester... Wenn die Betroffenen schon gestresst in den Test gehen, kommt im Allgemeinen nichts gescheites raus. Es könnte tatsächlich sein, dass er das "Herunterstufen" in die Realschule als sein Versagen interpretiert und die Abwärtsspirale dreht und dreht sich...

LG BAE
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von ULBRE » 27. März 2018 11:07

Hallo,

nicht medikamentiertes AD(H)S kann das IQ-Testergebnis um 10 bis 15 Punkte drücken.
Ich habe mich schon oft geärgert, dass die ganzen Untersuchungen zur Frage IQ und AD(H)S dieses Thema schon im Untersuchungssetting nicht mal thematisieren - da kann dann ja nur Murks bei rauskommen. AD(H)S beeinträchtigt das Arbeitsgedächtnis. IQ-Tests messen meist auch dieses.

Medikamente und Nebenwirkungen - es gibt derart viele Medis, dass es sicher auch welche gibt, die keine oder nur geringe Nebenwirkungen haben. Schon der Wechsel von einem MPH-Produkt zu einem anderen kann Wirkung und Nebenwirkungen auf den Kopf stellen.
Unabhängig davon gibt es soundsoviele weitere Wirkstoffe, die helfen können - Amphetaminmedikamente, Atomoxetin, Guanfacin, alte trizyklische Antidepressiva, pipapo. Unter http://www.adxs.org findest Du eine hübsche Sammlung, was es alles so gibt.
Und dass die Nebenwirkungen bei den meisten Medis nach einer bis 4 Wochen verschwinden oder zumindest erheblich nachlassen sollte man auch wissen und so lange einfach mal die Zähne zusammenbeissen, wenn es nicht gerade gefährlich ist, sondern nur unangenehm.

Hand aufs Herz - sind es wirklich die Nebenwirkungen oder wollt ihr keine Medis ?
Ist legitim, dann muss man sich aber auch eingestehen, was man damit in Kauf nimmt.

Ich selbst würde gegenüber meinem Kind nicht verantworten können oder wollen, dass es sein Potential nicht ausreizen kann. 15 IQ-Pukte sind ein Hammerunterschied. Über das erhöhte Suchtrisiko bei unbehandelter AD(H)S und all die anderen negativen Folgen für die weiteren Lebensjahrzehnte gibt es massig Untersuchungen - kann ich gerne nennen, falls das interessiert.


Viele Grüsse und viel Erfolg

UlBre
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Ariane » 27. März 2018 13:53

Hallo Enia

und erst ein Mal ein herzliches Willkommen hier.

Wir haben zwei ADHSler-Jungen im Alter von fast 13 und 16 Jahren, allerdings beide medikamentiert,
ohne würde es gar nicht funktionieren.

Aus den Zeilen lese ich heraus, dass er entweder in eine Depression reinrutscht oder schon ist - hier würde ich schnellstens
einen Termin bei einem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten versuchen zu erhalten. Das muss behandelt werden, bevor
es noch schlimmer wird. Hier werden dann auch die Ursachen usw. versucht, heraus zu finden.

Zu den Medis ist schon einiges geschrieben worden. Beim Großen hatte bei uns gleich alles geklappt, er hat sein Medi schon seit
dem 7. Lebensjahr ohne große Nebenwirkungen. Inzwischen wird er dieses Jahr seine MSA (=Realschulabschluss) machen und
anschließend weiter in die 11. gehen. Der Lütte ist hier schon wesentlich anstrengender - hier haben wir schon einiges an Medis
durch:

Medikinet retard hatte er zu schnell verstoffwechselt
Strattera - hier wurde er total aggressiv
Elvira und Equasym brachten es auch nicht
Methyl-schießmichtot-Präparat von Hexal (sorry, ich weiss das Wort nicht mehr) brachte auch nicht die erwünschte Wirkung
und
nun hat er Elvanse, womit er gut klar kommt und vor allem: es hält lange genug vor.

Nun hat er auch das Glück, seit der 3. Klasse/2. Halbjahr (auch 1 Jahr nach Antragstellung) eine Schulbegleitung zu haben und die
auch mit auf die weiterführende Schule gegangen ist. Auch unsere Schule macht und tut, hat einen Förderplan zu ADHS Sozial-Emotional erstellt, der leider nun von einem Förderplan Autismus-Asperger abgelöst wird - auch auf der sozial-emotionalen Ebene.

Bleib am Ball - ich weiss, wie anstrengend das ganze Thema ist. Beantrag auch eine Familienhilfe - Dein Sohn ist schon 14 Jahre, die FH wird sich also hauptsächlich um Deinen Sohn kümmern - bei uns war es so, dass die FH hauptsächlich viele Gespräche mit uns geführt hatte und feststellen musste, dass wir schon alles gemacht hatten, was sie bzw. er vorschlug. Es waren tolle und nette Gespräche, ich vermisse sie auch, weil er uns auch aus 3 sehr brenzligen Situationen heraus führen konnte.

Ich drücke Dir die Daumen, dass ihr schnellmöglichst Hilfe erhaltet und drücke Euch dafür ganz doll die Daumen.
Vielleicht magst Du ja mal rückmelden, wie weit ihr gekommen seid.
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Ariane » 27. März 2018 14:08

P. S. Nicht nur die Schilddrüse kann für Depressionsphasen verantwortlich sein,
sondern auch ein ausgewachsener Vit D-Mangel, an denen fast alle ADHSler usw. leiden.
Leider wirste hier jedoch den Bluttest wohl selbst bezahlen müssen,
es sei denn, der behandelnde Arzt hat auch den Verdacht - dann kann es auch auf Krankenkassen-Kosten
gemacht werden.
Liebe Grüße
Ariane
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Sonnenblume123 » 28. März 2018 11:50

Herzlich willkommen hier!
:lol:

Mein Sohn ist wird 15 und besucht die 8. Klasse einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe.

In der 6. Klasse war er nicht mehr beschulbar. Es war einfach der blanke Horror.
Was uns geholfen hat, kann ich als "Gesamtpaket" nennen. Es ist wie eine Torte, bei der viele Stücke die Gesamtheit ausmachen..
- Klassenwechsel
- somit komplett neue Mitschüler
- auch komplett neue Lehrer ( auch Lehrer, die ihn "aus alten Zeiten" nicht kannten )
- Therapeutenwechsel
- neue Testung
- neue Medikation mit regelmäßiger Rücksprache
- Ablehnung von Therapien meinerseits, die zu nichts führten
- Schulbegleitung ( für die ich monatelang und schlußendlich bis zum Kultusministerium gekämpft habe )
- neues häusliches Umfeld
- von ihm selbst gewünschtes und sehr zeitintensives Betreiben seines Hobbys ( was zu Erfolgserlebnissen außerhalb der Schule führte )
- ...

Das alles führte dazu, dass er sich um 180° drehte. Für mich war die Leistung in der Schule zweitrangig. Er selber sollte mit sich zufrieden sein und sich selbst beweisen können, dass es anders geht. Der Rest - nämlich die inzwischen sehr guten Schulnoten - kamen dann von alleine. Ob dies so bleibt, weiß man nicht. Er hat hier wirklich zwei Sekunden vor 12 noch den Absprung geschafft.
Ich denke, dass er auch schulisch nicht am Leistungsende angekommen ist. Das ist auch nicht sein Ziel. Aber wichtig ist, dass er glücklich ist, dass er weiß was er kann und sich richtig einschätzt.

Aber wie gesagt, es war das Gesamtpaket aus vielen Mosaiksteinen. Eine Schulbegleitung hätte zum Beispiel nichts ausrichten können, wenn er in seiner alten Klasse geblieben wäre.. Eine neue Medikation hätte auch beim alten Therapeuten keinen Erfolg gehabt, weil die Rücksprache und Beratung fehlte.

;)
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Enia05 » 2. April 2018 13:58

Hallo Sonnenblume 123,

War dein Sohn mit dem Schulwechsel einverstanden? Wir waren auch schon am überlegen, ob ein nochmaliger Schulwechsel hilfreich sein könnte, den seine Klasse wird so laut und chaotisch bleiben und eher runterziehen als motivieren - er will absolut nicht. Nicht mal andere Schulen ansehen oder Probewoche absolvieren...

LG Enia
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Re: Leistungsverweigerung in der Schule

Beitrag von Enia05 » 2. April 2018 14:10

Ariane hat geschrieben:P. S. Nicht nur die Schilddrüse kann für Depressionsphasen verantwortlich sein,
sondern auch ein ausgewachsener Vit D-Mangel, an denen fast alle ADHSler usw. leiden.
Leider wirste hier jedoch den Bluttest wohl selbst bezahlen müssen,
es sei denn, der behandelnde Arzt hat auch den Verdacht - dann kann es auch auf Krankenkassen-Kosten
gemacht werden.
Hi Ariane,

Wir hatten ihn im Schlaflabor, haben Schilddrüsenwerte und Vitamin D prüfen lassen sowie Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Im Schlaflabor war alles okay, Schilddrüse auch i.O., Vitamin D etwas niedrig und nimmt er regelmäßig. Hab mit ihm Homöopathie versucht und einige Zeit völlig auf Weizen und Milchprodukte verzichtet. Da hat sich nichts. Von der Psychotherapie, Ergotherapie und Lerntherapie haben wir auch nicht viel gemerkt. Im Moment versucht er Ritalin .

Antidepressiva will er nicht noch mal nehmen. Er fühlt sich damit nicht, wie er selbst und kann kaum schlafen. Er macht zu Hause und wenn er sich mit Freunden trifft momentan auch keinen niedergeschlagenen Eindruck.

LG
Enia
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