Kind in die Psychiatrie bringen

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ilka_Mama
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Kind in die Psychiatrie bringen

Beitragvon ilka_Mama » 8. Januar 2018 20:27

Hallo ihr lieben.

Hat jemand von euch schon mal sein Kind einweisen lassen?
Ich bin echt am Ende.

Mein Sohn ist fast 12 Jahre alt und raubt mir mehr und mehr die Nerven. Aufgrund seiner ADHS ist er schon länger in psychotherapeutischer Behandlung. Zudem bekommt er Medikamente.

Er hat kein Bock mehr auf die Therapie und Medis sind ja auch total blöd.

die Therapeutin bemüht sich einen Platz bei einem männlichen Kollegen zu finden. Vielleicht hilft ein Wechsel ihm mehr.

Der Psychiater dosierte die Medis neu. Der Sohn hat immer noch null Bock.

Das ist ja vielleicht noch Pubertät.

Schlimm ist nur, dass er mehr und mehr aggressiv wird. Sowohl hier Zuhause, als auch auswärts.

Vor den Ferien kam es dann zum Extremausfall. Er prügelte sich in der Schule mit einem Mitschüler und schmiss vermutlich einen Stuhl auf ihn. Ob das stimmt oder nicht, weiß leider niemand. Mein Sohn sagt der Stuhl sei com Tisch gefallen, weil er blöd hochgestellt wurde und er ihn nur ausersehen runter geworfen hat. Der andere Jugend behauptet nun es sei absichtlich gewesen. die Lehrkraft hat das mit dem Stuhl nicht mitbekommen...

Wir waren beim Psychiater, der die Psychiatrie und möglicherweise ein weiteres Medikament gegen die extremen Wutausbrüche vorschlug. Hat zufällig jemand Erfahrung mit dem Medikament risperidon?

Nun waren wir heute zum Vorgespräch in der KJP.

Meinen Sohn dort hinzugekommen war schon ein Kampf.

"Du liebst mich nicht mehr/ willst mich abschieben / mich bestrafen/..." kam sowohl vorher als auch hinterher.

Ich liebe meinen Sohn aber langsam kann ich nicht mehr. Mal fliegt ein Mathebuch durch die Luft, dann werden Arbeitsblätter zerissen oder Teller auf den Boden geschleudert. Wie auch immer.
Im nächsten Moment sitzt er seelenruhig mit seinem Bruder zusammen und spielt vollkommen liebevoll mit ihm

Ich bin mit meiner Kraft am Ende. Ich weiß auch, dass mein Sohn unbedingt Hilfe braucht. Eigentlich ist er echt ein lieber Kerl. Nur leider sieht er selbst gar nicht, wie dringend er Hilfe braucht.

er wird auch zu 100% in die Psychiatrie gehen.

Doch es zerreißt mein Herz. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was ich hier genau erwarten soll.
Das musste nur einmal raus.
ADHDgoesto11
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Re: Kind in die Psychiatrie bringen

Beitragvon ADHDgoesto11 » 8. Januar 2018 22:52

ilka_Mama hat geschrieben:Hat zufällig jemand Erfahrung mit dem Medikament risperidon?


Wir ... aber keine gute. Sohnemann reagiert auf einen Versuch damit mit motorischer Verschlechterung und richtig deftiger Verhaltensverschlechterung. In der kurzen Zeit, in der wir das Medikament ausprobiert haben, ist er jeden Tag in der Schule ausgetickt (das war vorher nicht der Fall, da tickte er nur nach dem Ende der MPH-Wirkung am Nachmittag aus).

Tochter *2007 ... ADHS
Sohn *2005 ADHS+Autismus
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Sonnenblume123
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Re: Kind in die Psychiatrie bringen

Beitragvon Sonnenblume123 » 9. Januar 2018 09:26

Hallo!

Ich habe mit einer Unterbringung in der Psychiatrie gute Erfahrungen gemacht. Nachdem mein Sohn in der Grundschulzeit so extreme Verhaltensmuster zeigte, war die einzige und schnell verfügbare Möglichkeit, die wir hatten, eine teilstationäre Unterbringung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Er war nicht mehr beschulbar und auch zuhause nicht mehr tragbar. Einen ambulanten Therapieplatz haben wir hier nicht bekommen.

Er wurde morgens vom Taxi abgeholt und am Nachmittag habe ich die Abholung nach meinem Feierabend übernommen. Er war dort 3,5 Monate, was eigentlich schon recht lang war. Dort fand eine Beobachtung unter verschiedenen Bedingungen wie Gruppe, Einzel, Spiel, Sport, Schule usw. statt, neben Tests und Untersuchungen. Gegen Ende der Zeit wurde ADHS diagnostiziert und nach längeren Überlegungen meinerseits wurde er auf Medikinet eingestellt. Während der Zeit fanden regelmäßig Gespräche mit den Ärzten und Therapeuten statt, aber auch Gruppen mit anderen Eltern.

Rückblickend war die Zeit für uns wirklich ein Segen. Wir konnten das Feuer aus der Situation nehmen und zur Ruhe kommen. Ich wusste, er ist dort gut untergebracht und musste mich nicht darauf einstellen, ihn mehrfach die Woche abholen zu müssen. ( Was alleinerziehend und berufstätig auch grenzwertig war.. )
Die Einstellung mit Medikinet war jedoch nicht zielführend. Erst nach einem Facharztwechsel Jahre später fanden wir eine wirklich gute Betreuung und eine exakte Medi-Einstellung. Aber ein erster Schritt war die Unterbringung in der Psychiatrie auf jeden Fall. Man lernt Menschen kennen, die ähnliche Probleme haben, kann sich austauschen und auch mein Sohn fühlte sich als "einer von vielen", nicht als "ach-der-schon-wieder". Jeder hatte dort sein Päckchen zu tragen, das eine größer, das eine kleiner.
Mein Sohn war damals natürlich jünger und noch nicht pubertätsbedingt desinteressiert. Heute könnte ich ihn wahrscheinlich nicht mehr dazu bewegen. Er ist jetzt 14.
Aber es ist ein Versuch. Und wenn er vollstationär nicht will, ist vielleicht teilstationär in Absprache mit den Ärzten eine Alternative.

Mein Sohn lehnt heute eine Ergotherapie ab, so dass wir diese einstampfen mussten. Auch weitere Therapieversuche verweigert er leider komplett, wobei diese dringend angeraten wären. Die Medikation verträgt er sehr gut, so dass hier seine Akzeptanz glücklicherweise sehr groß ist. Der Erfolg ist sichtbar.

Während der Therapie wurden schulische Themen teilweise aufgefangen, aber selbstverständlich nicht im vollen Umfang. In erster Linie geht es um Therapie, nicht um Beschulung. Er musste keine Klasse wiederholen, hat den Stoff relativ schnell aufgeholt. Das kann natürlich bei älteren Kindern schwieriger sein.
Die Fahrten mit dem Taxi morgens hat die Kasse übernommen, die Kosten für die Abholung habe ich ebenfalls fast vollständig erstattet bekommen.

Wenn Du Fragen hast, frag ruhig. :D
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EmmaGSLehrerin
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Re: Kind in die Psychiatrie bringen

Beitragvon EmmaGSLehrerin » 9. Januar 2018 19:51

Ich kann deine Gefühle sehr gut verstehen und stelle es mir sehr schwierig vor, eine solche Entscheidung zu treffen.

Ich kann dir nicht von eigenen Erfahrungen als Mutter berichten. Aber wir haben an unserer Schule relativ viele Pflege- und Heimkinder und es kommt durchaus vor, dass ein Kind - vorübergehend oder auf längere Zeit - in einer Psychiatrie untergebracht werden muss.

Auch Pflegeeltern und Heimleitung tun sich mit einer solchen Entscheidung nie leicht. Und gerade für Pflegekinder ist es IMMER eine heikle Entscheidung, als zu sagen: "Wir können dir HIER nicht mehr helfen, du musst uns für eine Weile verlassen." Was das für ein Kind bedeutet, das schon seine Ursprungsfamilie verlassen musste, ist denke ich klar.

Trotzdem kann es für das Kind die bessere Entscheidung sein, statt einen Zustand aufrecht zu erhalten, der für niemanden mehr tragbar ist. Und ich erlebe immer wieder Fälle, in denen die Unterbringung dem Kind hilft, wieder zu sich zu finden.

Ich wünsche euch, dass ihr gute Erfahrugen macht, zur Ruhe kommt und wieder neu aufeinander zugehen könnt.

LG Emma :trost:
ilka_Mama
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Re: Kind in die Psychiatrie bringen

Beitragvon ilka_Mama » 9. Januar 2018 22:15

Danke für eure Rückmeldung

Es zerreißt mir wirklich das Herz , auch wenn es hart klingt, aber Zuhause funktioniert es momentan gar nicht mehr. Ich kann ihn hier nicht mehr halten.

Dann kommen von ihm Vorwürfen würde ihn bestrafen wollen oder auch heute noch der Spruch:" wenn du mich da hinbringst, ziehe ich halt zu meinem Papa!"

Das tut einfach nur weh.
Falschparker
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Re: Kind in die Psychiatrie bringen

Beitragvon Falschparker » 10. Januar 2018 00:20

Der Psychiater dosierte die Medis neu. Der Sohn hat immer noch null Bock.

Das ist ja vielleicht noch Pubertät.

(...)

Wir waren beim Psychiater, der die Psychiatrie und möglicherweise ein weiteres Medikament gegen die extremen Wutausbrüche vorschlug. Hat zufällig jemand Erfahrung mit dem Medikament risperidon?


Hallo,

wir haben sowohl mit dem einen (Kinder- und Jugendpsychiatrie) als auch mit dem anderen (Risperidon) Erfahrung.

Psychiatrien sind sehr unterschiedlich. Die in unserer Gegend waren nicht hilfreich insofern, dass sie sich grundsätzlich auf Konflikte im Eltern-Kind-Verhältnis stürzen und diese unbedingt als Ursache der Probleme ansehen.

Medikamentös sollte erst einmal die Dosis und der Einnahmeintervall (des Methylphenidat) optimiert sein. Die Dosis kann sich in dem Alter stark ändern. Und was den Einnahmeintervall betrifft, oft gibt es leider Wirkungslücken, weil die nächste Dosis nicht rechtzeitig genommen wird. Die Herstellerangaben stimmen leider nicht immer, und dann hilft mehr nehmen eben nicht, wenn früher nachnehmen das Richtige wäre.

Auch ein Umstieg auf Amfetamin (Elvanse usw.) kann Entlastung bringen, eventuell ergänzt mit Intuniv oder wie dieses neue Medikament heißt. Allerdings muss Amfetamin noch genauer dosiert werden als Methylphenidat.

Risperidon war bei unserem Jungen eine Zeitlang eine gute Ergänzung (kein Ersatz!) speziell gegen die Aggressivität. Aber das sage ich mit Zurückhaltung- unser Sohn hat nicht nur ADHS, sondern auch eine schwere geistige Behinderung bspw. ohne Sprachverständnis. Da waren andere nichtmedikamentöse Interventionen noch limitierter als bei "Nur"-ADHS-Jugendlichen. Wie auch immer, für ungefähr dreieinhalb Jahre brachte Risperidon in geringer Dosierung- erst ein Viertel, dann ein halbes und schließlich ein ganzes mg täglich- sehr viel bei ihm. Leider war danach keine Wirkung mehr zu spüren.

Du kannst Näheres- wenn du viel Zeit hast- in meinem Thread von 2008 mit dem Titel "Wieder in der Psychiatrie" nachlesen.
viewtopic.php?f=8&t=29328&p=377588&hilit=wieder+in+der+psychiatrie#p377588
Leider gibt es kein Happy End bisher (unser Sohn ist jetzt 22, er ist seit er 14 ist in verschiedenen Heimen, zzt. 250 km weg, und wir haben 2012 noch ein zweites Kind bekommen). Aber das soll dich nicht entmutigen, die Behinderung unseres Sohnes ist sehr speziell, das trifft ja so nicht auf deinen zu.

Viele Grüße
Falschparker
ilka_Mama
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Re: Kind in die Psychiatrie bringen

Beitragvon ilka_Mama » 10. Januar 2018 00:45

Hallo Falschparker

Danke für deine Antwort.

Dass die Medikamente neu und anders dosiert werden soööten, hat unser Psychiater auch schon erklärt. Das haben wir sogesehen schon durch.

Er schlug zu Letzt auch vor auf Elvanse umzustellen. Allerdings würde er auch die Umstellung gerne in der Psychiatrie durchführen eine gute Dosierung zu finden. Das kann ich auch gut nachvollziehenden halben Tag ist der Sohn in der Schule und ich erlebe ihn kau.mir Lehrer geben auch keine konkrete Rückmeldung und mein Sohn selbst findet alles nur blöd.

Im Moment fehlt einfach komplett der Zugang zu ihm. Von allen Seiten.
Ich hoffe einfach nur dass sich da etwas ändert und dass meinem Sohn geholfen wird. Vielleicht sieht er nach der Behandlung wenigstens, dass sie notwendig war.

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