Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

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caithlin
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Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

Beitrag von caithlin » 2. Juli 2017 10:44

Hallo,

Unser Sohn ist 16 und hat kaum Freunde. Es sah besser aus als der Klassenverband in der 10. aufgelöst wurde und neue Leute dazu kamen, aber jetzt wird klar, dass er echt fast alleine dasteht. Er hat uns gesagt, dass er sehr darunter leidet nicht eingeladen zu werden, keine Parties oder Treffen mitzukriegen...er hängt immer zu Hause ab und versinkt dann (wenn wir ihn lassen, was wir nur eingeschränkt tun) in seine Medien. Reflektiert auch, dass das ist weil er ja niemand hat.

Er macht gerne Sport (2 Vereine, 3x die Woche), da werden auch Freizeiten angeboten wo er mit geht. Das geht dann so halbwegs, er wird 'toleriert' glaube ich. Und kommt zufrieden zurück.

Sein bester Freund seit er klein ist, geht so langsam seiner Wege, der andere Freund (eher typisch..) ist eher eine Zweckfreundschaft in der Schule. Er wird nicht gemobbt (war früher mal Thema) aber eher ignoriert.

Er ist eher anders, seit er klein ist: ein unabhängiger Geist. Hat seine Meinung und steht dazu, z.B. kein Alkohol, eher Punk und Metal als Mainstream Musik, Kleidung interessiert ihm kaum: dunkle Kleidung, aber Kurze Hosen oder Sandalen in der Schule und lange eher ungepflegte Haare, sich nicht waschen wollen, nur mit (unser) Zwang. Das hilft dann auch nicht mit. Könnte aber auch so was sein wie: ich stoße die Leute ab, damit ich es unter Kontrolle hab und es nicht so weh tut, wenn ich abgewiesen werde. Nur eine Hypothese..

Er leidet jetzt immer mehr darunter. Hatte jetzt eine Party organisiert und es kamen nur drei Leute: die beide Freunde und 1 Bruder des Freundes. Er ist so enttäuscht. Will aber ungern darüber reden.

Habt ihr noch Ideen?

caithlin
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Sheherazade
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Re: Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

Beitrag von Sheherazade » 2. Juli 2017 12:13

caithlin hat geschrieben:er hängt immer zu Hause ab
Bei 3 x in der Woche Sport in 2 Vereinen? Kann es sein, dass dein Sohn das Thema Freunde überbewertet? Oder versucht er Erwartungen zu erfüllen?
Sein bester Freund seit er klein ist, geht so langsam seiner Wege, der andere Freund (eher typisch..) ist eher eine Zweckfreundschaft in der Schule.
Freundschaften haben meistens bei gleichen bzw. ähnlichen Interessen Bestand.

Meine sozial sehr integrierte Tochter (jetzt 19) hat unterm Strich nur eine richtige langjährige Freundin (seit dem Kindergarten), aber auch die beiden sehen sich nicht mehr so häufig und feiern auch nicht mehr alles zu sammen - trotzdem ist die Freundschaft noch sehr intensiv. Dann gibt es da noch lockere Freundschaften von Arbeit und/oder Berufschule, auch hier wird sich nicht regelmäßig privat getroffen und gefeiert. Ansonsten kennt sie Hans und Franz im Ort und hat mit jedem auch immer was zu bequatschen.

Meine Söhne haben Freundschaften nicht so erleben können, aus unterschiedlichen Gründen.

Der Ältere hatte jetzt im letzten Schuljahr endlich Anschluß gefunden an ein paar Kids (Schule und Dorf), die auch gerne angeln und Mofa fahren bzw. dran basteln. Das hat ihm gut getan, auch ohne Einladungen zu irgendwelchen Feiern. Meines Erachtens hat ihm das sogar gereicht, mehr hätte es nicht sein dürfen. Er beginnt jetzt nach den Ferien seine Ausbildung und ist offen für die vielen neuen Kontakte, die sich daraus ergeben werden.

Der Jüngere ist zufrieden mit den losen freundschaftlichen Kontakten in der Schule (das ist erheblich mehr als er in der ganzen Kindergarten- und Grundschulzeit hatte), nur mit einem Jungen davon trifft er sich gaaanz gelegentlich auch mal privat. Mehr will er nicht, mehr würde ihn nur stressen - seine Aussage.

Für meine Kinder sind Freunde Menschen, mit denen sie gut klarkommen und mit denen sie ab und zu was unternehmen und sei es nur auf dem Pausenhof.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
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caithlin
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Re: Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

Beitrag von caithlin » 25. August 2017 11:37

Überbewertung..eher nicht.
Er leidet selbst und wir leiden mit. In den Ferien hat er sich jetzt 4-5 mal insgesamt mit seinem Freund getroffen. Einmal war noch ein Bekannter dabei. Sonst nichts. Ich finde das schon wenig und er sagt, er weiß nicht weiter, da niemand reagiert oder kann wenn er sich meldet/ er nicht angerufen wird etc.

Wir hoffen, dass er jetzt in eine SoKo -Gruppe für Jugendlichen mitmachen kann. Das hat letztes Jahr nicht geklappte, da er dort immer bis 17.30 ( :evil: ) Unterricht hatte.

Noch jemand Ideen?

LG, caithlin
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Sheherazade
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Re: Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

Beitrag von Sheherazade » 25. August 2017 12:16

caithlin hat geschrieben:Überbewertung..eher nicht.
OK, dann möchte er vielleicht deine Erwartungen erfüllen?
Ich finde das schon wenig
Findet er das auch zu wenig? Ich meine auch ausserhalb der Ferien, da ich davon ausgehe, dass in den Ferien wahrscheinlich in den Vereinsgruppen nichts lief und er in den Ferien mehr Zeit hatte als sonst.
Er leidet selbst
Worunter genau leidet er? Wie sind seine Erwartungen an Freundschaften?
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caithlin
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Re: Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

Beitrag von caithlin » 25. August 2017 18:34

"Worunter genau leidet er?"
Er weint, wenn wir mal darüber sprechen. Oder er erzählt, dass er es blöd findet , dass niemand sich verabreden möchte. Und dass er nicht weiß, was er falsch macht.

" Wie sind seine Erwartungen an Freundschaften?"
Bisher:
Treue ist ihm wichtig, eine eigene Meinung vertreten und sich nicht sofort beeinflussen lassen. Gleiche Humor oder ein gemeinsames Hobby.
Und immer schön: Lieber wenig Freunde als viele oberflächliche Kontakte. Aber (meint er auch)mehr als jetzt.

Kg,
Caithlin
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Sheherazade
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Re: Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

Beitrag von Sheherazade » 26. August 2017 09:59

Hm, schwierig. Er steht offenbar zwischen den Stühlen: Er möchte Freunde haben UND seine Individualität bewahren. Er merkt jetzt, dass beides zusammen nur schwer möglich ist, wenn man "anders" ist. Wobei ich denke, dass man sich in dem Alter immer anders als andere empfindet. Ging mir damals auch so.
caithlin hat geschrieben: Er ist eher anders, seit er klein ist: ein unabhängiger Geist. Hat seine Meinung und steht dazu, z.B. kein Alkohol, eher Punk und Metal als Mainstream Musik, Kleidung interessiert ihm kaum: dunkle Kleidung, aber Kurze Hosen oder Sandalen in der Schule und lange eher ungepflegte Haare, sich nicht waschen wollen, nur mit (unser) Zwang. Das hilft dann auch nicht mit. Könnte aber auch so was sein wie: ich stoße die Leute ab, damit ich es unter Kontrolle hab und es nicht so weh tut, wenn ich abgewiesen werde. Nur eine Hypothese..
An deiner Hypothese könnte was dran sein, habe ich bei allen meinen Kindern auch so erlebt in der Pubertät, bei den Mädchen genauso wie bei den Jungs. Und bei jedem Kind in unterschiedlicher Ausprägung. Es war für mich dennoch jedes Mal schwer bis unmöglich, meinem jeweiligen Kind in dieser Findungsphase beizustehen. Man kann eigentlich nur daneben stehen, zuhören, reden und auffangen.

Unser Großer (wird in ein paar Tagen 16) ist da jetzt noch mittendrin, merkwürdigerweise ist diese Phase bei seinem jüngeren Bruder schon abgeschlossen. Was dem Großen auch nicht hilft, im Gegenteil.

Diese Soko-Gruppe für Jugendliche, was macht die?
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
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Re: Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

Beitrag von caithlin » 27. August 2017 09:19

Die Gruppe soll as Jungs zwischen 15 und 19 bestehen und etwa 12x stattfinden. Sie machen gemeinsame Aktionen, Übungen, Gespräche. Mehr weiß ich noch nicht.

LG, Caithlin
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Re: Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

Beitrag von laetitia » 27. August 2017 11:37

Hi caithlin

Ich hab keine Kinder und bin eine Frau...aber das Thema geht mir nahe, weil ich war auch nie die mit den vielen Freunden. Das heisst, bis zur 3. Klasse gings eigentlich, aber als wir ins Nachbardorf zogen, da fand ich den Anschluss nicht mehr und ab der Oberstufe war dann nicht mehr viel mit Freunden. Wenn ich so zurück schaue, weiss ich, dass es schon Freundschaftsagebote gab und ich nicht so allein sein hätte müssen. Aber ich war zu der Zeit nicht in der Lage diese 1. wahrzunehmen und 2. anzunehmen, da mein Selbstwert und -bewusstsein sehr negativ behaftet waren. Für mich war bis dann bereits klar, jeder der mir begegnet, findet mich sowieso doof und wenn nicht, dann tut er das spätestens dann, wenn er mich besser kennt und weiss, wie ich wirklich bin.

Wenn ich heute meinem 15-Jährigen Ich begegnen könnte, würde ich ihm raten, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vielleicht wär das auch etwas für deinen Sohn (sofern er nicht schon in Beratung ist)? Der muss das natürlich auch wollen.

Was ich meinem 15-Jährigen Ich ausserdem noch sagen würde ist, dass Freundschaften in der Regel oberflächlich beginnen...und dass auch oberflächliche Beziehungen ihren Wert haben.

Wofür ich sehr dankbar gewesen wäre ist zu lernen, wo persönliche Grenzen liegen, wie man diese respektiert und wie man sich selbst abgrenzen kann. Wer das früh lernt, ist was Freundschaften angeht sicher im Vorteil...etwas, das mir heute noch eher schwer fällt und ich deshalb meist zu sehr zurückhaltend bin, wo ich in meiner Jugend mich immer wieder in ungesunde Abhängigkeitsbeziehungen begab (Freundschaftlich...nicht romantisch).
Gutemiene
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Re: Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

Beitrag von Gutemiene » 27. August 2017 16:11

Hei caithlin,

das mit deinem Sohn tut mir leid.

Bevor ich eigene Kinder hatte, habe ich immer nur von ständigen Kindergeburtstagseinladungen und Hin- und Herübernachtungen mit besten Freunden gehört. Oder was halt gerade so angesagt war.
Scheinbar hat sich das alles ganz einfach entwickelt.

Bei mir selbst in der Kinder- und Schulzeit war das nicht so einfach. Ich habe das darauf zurückgeführt, dass es manchmal eben schwierig ist, genau den(oder die-)jenigen zu finden, mit dem man gerne durch dick und dünn geht.
Später , d. h. ab 17. Lebensjahr, habe ich sofort 4-5 sehr gute Freundinnen gehabt, aber dazu war ein "Tapetenwechsel" nötig(Schulwechsel , um genau zu sein!).

Im Studium habe ich gelernt, wie man überhaupt "Leute" anspricht und dass es nicht immer sofort die lebenslange Freundschaft sein muss. Manchmal reicht auch eine Zweckgemeinschaft (gemeinsames Lernen, gemeinsames Hobby).

Meinen Kindern ist es trotz meiner Erfahrungen genauso gegangen wie deinem Sohn. Einladungen zum Geburtstag werden unverbindlich behandelt und von 7 Geladenen kommt einer (1)!!
Erst mit der zeit hat sich ein kleiner kreis von "Kumpels" entwickelt, die auch jetzt über den Schulabschluss hinaus noch zusammen etwas unternehmen.

Es braucht also bei denjenigen mit "tief greifenden Entwicklungsstörungen" richtigerweise auch länger, bis sich sozial tragfähige Strukturen entwickeln. Die "Reifung" benötigt mehr Zeit als bei anderen, wobei diese Vorgänge ganz unabhängig von der intellektuellen und körperlichen Entwicklung ablaufen. Das ist sicherlich auch ein Grund, weshalb alte Freunde im Verlauf der Pubertät "verloren gehen" können. Da entwickeln sich Charaktere eben im Zeitverlauf ganz unterschiedlich....so dass die bis dahin verbindenden Themen nicht mehr die Gleichen sind.

Ich empfehle also Geduld, aber ich weiß auch, dass einer Mutter das Herze blutet, wenn sie ihren Sprössling so scheinbar vereinsamt erlebt. Dranbleiben und weiter nach Draußen gehen! Nur da tobt das blühende Leben!!!
"Mach' GUTEMIENE zum Besenspiel" :lol:
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Re: Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

Beitrag von caithlin » 27. August 2017 18:33

Hallo,
Stimmt, Ich kenne es auch aus meiner Kindheit, wenn auch weniger extrem. Hatte immer 4-5 Freundinnen, das hat mir meist gereicht.
Und in der Schule eher die 2 Zweckfreundschaften. Witzig genug haben sich daraus tatsächlich später Freundschaften entwickelt, wenn wir uns auch nur 1x pro Jahr sehen, aber immerhin..

In meiner Studentenzeit wurde es viel besser. Neue Gruppe, neuer Anfang. Habe es meinem Sohn mal vorgeschlagen die Schule zu wechseln, das wollte er aber nicht. Deshalb auch die Sportgruppen, wo er aber auch nicht so ankam...
Ich hoffe sehr, nach dem Abi wird es besser.

Eine (andere) psych. Betreuung überlegen wir tatsächlich. Da wo er jetzt (1x pro 2-4 Wochen) ist, fühlt er sich nicht so verstanden. Ist auch mehr für uns Eltern.

LG, caithlin
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Re: Jugendliche ohne Freunde/Peergroup

Beitrag von Gutemiene » 28. August 2017 16:06

Dass ihr als Eltern psychologische Unterstützung habt, ist super, das tut gut, das ist ja oft auch nötig.

Aber dein Sohn benötigt eine andere Art von "Coaching" oder - wenn du so willst - Psychotherapie (ich sage lieber Unterstützung bei der Problembewältigung).

Die Einflussmöglichkeiten als Elternteil nehmen ja auch allmählich ab, was du sicher schon bemerkt hast.
Ich meine: bei der Erziehung!
Eure Aufgabe als Eltern sieht sicherlich ein wenig anders aus als noch vor 5 Jahren.

Ratschlag: Lasst euch beraten und dann würde ich eine Pause oder einen Wechsel versuchen. Und klar wollen die Kitze nicht die Schule wechseln....Neues wird gefürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Ging mir ähnlich.

Ich wünsch euch Gutes!
"Mach' GUTEMIENE zum Besenspiel" :lol:
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