Ganztagsschule?

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MissPineapple
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Ganztagsschule?

Beitragvon MissPineapple » 29. Januar 2017 20:43

Hallo Zusammen,

ich bin ganz neu hier und genauso neu ist die ADHS, die vor einigen Wochen bei meinem 10jährigen Sohn diagnostiziert wurde. Er wird am Dienstag aus einer kinderpsychiatrischen Klinik entlassen, in der er auf Medikinet eingestellt wurde. Seit einer Woche war er von dort aus als Gastschüler auf einem Gymnasium vor Ort (zum Ausprobieren). Nun soll er am Mittwoch zurück auf sein Heimatgymnasium- aber wir überlegen, ihn auf der Gastschule anzumelden. Sie wäre für ihn genauso erreichbar wie die andere Schule, allerdings handelt sich um eine Ganztagsschule und die Schule, die er bisher besucht hat, nicht. Er fühlt sich dort sehr wohl und sagt, dass er gut klar kommt. Bisher war das Problem das er ein massiver Störenfried war - durch Therapie und Medikament hat es sich, so hoffen wir, gebessert. Die Fronten in der alten Schule sind auch etwas verhärtet, es wird nicht zu vermeiden sein, dass man ihm mit Vorurteilen begegnet. Daher könnten wir uns die neue Schule als "Neuanfang" ganz gut vorstellen. Mal davon abgesehen, dass wir aber noch nicht wissen, ob sie ihn überhaupt nehmen... fragen wir uns auch, ob eine Ganztagsschule für ein Kind mit ADHS überhaupt in Frage kommt. Der Tag ist dann schon lang und vielleicht zu anstrengend?
Vielleicht hat hier ja jemand Erfahrungswerte oder Gedanken dazu, die uns weiterhelfen.
Bereits im Voraus vielen Dank!

Viele Grüße, Lotte
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Sheherazade
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Re: Ganztagsschule?

Beitragvon Sheherazade » 30. Januar 2017 06:55

MissPineapple hat geschrieben:Die Fronten in der alten Schule sind auch etwas verhärtet, es wird nicht zu vermeiden sein, dass man ihm mit Vorurteilen begegnet.


Möglich, vielleicht löst sich das aber auch in naher Zukunft dann wieder in Luft auf. Mit 10 Jahren kann er eigentich erst im 5. Schuljahr sein, da würde ich erst versuchen ob es an der Schule nicht doch funktioniert. Jetzt schon die Schule zu wechseln, wäre der Weg des geringsten Widerstandes und evtl. auch nicht so hilfreich für das Selbstbewusstsein deines Sohnes. Erst recht nicht, wenn er nach einiger Zeit ggf. merken sollte, dass er mit der Ganztagsschule nicht klar kommt.

Zur Ganztagsschule: Das ist schwer so pauschal zu beantworten, meine Söhne hätten es nicht gepackt, aus unterschiedlichen Gründen. Beim Älteren haben wir es zwei Jahre versucht mit dem Ganztagsangebot (es ist eine OGS), es hat ihm nicht geschadet, aber auch nicht viel gebracht (unserem Familienleben tat die tägliche verlängerte Auszeit zu der Zeit schon gut, aber das muss er nicht wissen). Der Jüngere wollte von Anfang an nicht am Ganztagsangebot mitmachen, das war uns aber auch von Anfang an klar, da bei ihm der Autismus vordergründig ist. Bei einer Schule mit verpflichtendem Ganztagsangebot hätten unsere Söhne wohl gleich geblockt.
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Re: Ganztagsschule?

Beitragvon ripley » 30. Januar 2017 09:26

Ich glaube, das Ganztagesangebot von Schulen steht und fällt nicht nur mit dem Konzept, sondern mit den tatsächlich eingesetzten Betreuern. Mit deren Qualifikation, mit deren Persönlichkeit, mit deren Geschick, sich mit den Kindern auseinanderzusetzen, mit deren pädagogischem ... Rückgrat etc. pp.

Wenn Dein Sohn sich auf der Schule wohl fühlt UND du auf der alten Schule mit entsprechenden Nachteilen wegen deines Schnes "Bapper" rechnest .. dann rate ich Euch zum Wechsel. Noch mehr, wenn das Ganztagesangebot nicht verpflichtend genutzt werden muss, Ihr also, wenn es nicht klappen sollte, auch wieder zum "normalen" Schulvormittag wechseln könntet. (? Das ist je nach Art des Angebotes sehr unterschiedlich.)

Klar kann es schief gehen.

Meine Erfahrung mit besagtem "Bapper" aber sagt: Wenn man ihn ablegen KANN, dann sollte man alles daran setzen, dies auch zu tun.

Der hiesige Junior hat seinen Bapper bis ins Abi mit sich herumschleppen müssen, obwohl er sich seit der 7. Klasse innerhalb der gesetzten Normen bewegt hat. Das hätte ich ihm sehr gerne erspart, aber es GIBT hier auf dem Land keine Alternative in zumutbarer Distanz.
MissPineapple
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Re: Ganztagsschule?

Beitragvon MissPineapple » 30. Januar 2017 09:54

Vielen lieben Dank für deine Antwort und deine kritische Meinung.
Du benennst genau die Gedanken, die wir uns auch machen... gerade das Argument mit dem Weg des geringsten Wiederstandes ist für mich ziemlich weit vorne... andererseits ist es eben verlockend, seinem Wunsch nachzugeben, denn wir haben ihn schon lange nicht mehr so zufrieden gesehen...
Er selber möchte auch gerne in die Ganztagsschule, aber ich denke, dass er selber gar nicht richtig einschätzen kann, was da auf ihn zukommen würde...
Heute habe ich nochmal ein Gespräch mit der Sozialpädagogin von der Klinik, mal sehen, was die so sagt...
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Sheherazade
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Re: Ganztagsschule?

Beitragvon Sheherazade » 30. Januar 2017 10:20

MissPineapple hat geschrieben:Er selber möchte auch gerne in die Ganztagsschule, aber ich denke, dass er selber gar nicht richtig einschätzen kann, was da auf ihn zukommen würde...

Möglich, vielleicht hat er aber sogar das Bedürfnis danach. Es ist natürlich auch ein wenig von eurem Ablauf im Alltag abhängig. Die feste Ganztagsstruktur in der Schule kann für Kinder mit AD(H)S sehr hilfreich sein. War bei uns aber nicht notwendig (daher wohl auch nicht gewünscht von unseren Söhnen), da unser Alltag schon sehr lange sehr, sehr strukturiert ist aufgrund der Autismusproblematik unseres Jüngsten.
MissPineapple
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Re: Ganztagsschule?

Beitragvon MissPineapple » 30. Januar 2017 15:17

ripley hat geschrieben:Ich glaube, das Ganztagesangebot von Schulen steht und fällt nicht nur mit dem Konzept, sondern mit den tatsächlich eingesetzten Betreuern. Mit deren Qualifikation, mit deren Persönlichkeit, mit deren Geschick, sich mit den Kindern auseinanderzusetzen, mit deren pädagogischem ... Rückgrat etc. pp.

Wenn Dein Sohn sich auf der Schule wohl fühlt UND du auf der alten Schule mit entsprechenden Nachteilen wegen deines Schnes "Bapper" rechnest .. dann rate ich Euch zum Wechsel. Noch mehr, wenn das Ganztagesangebot nicht verpflichtend genutzt werden muss, Ihr also, wenn es nicht klappen sollte, auch wieder zum "normalen" Schulvormittag wechseln könntet. (? Das ist je nach Art des Angebotes sehr unterschiedlich.)

Klar kann es schief gehen.

Meine Erfahrung mit besagtem "Bapper" aber sagt: Wenn man ihn ablegen KANN, dann sollte man alles daran setzen, dies auch zu tun.

Der hiesige Junior hat seinen Bapper bis ins Abi mit sich herumschleppen müssen, obwohl er sich seit der 7. Klasse innerhalb der gesetzten Normen bewegt hat. Das hätte ich ihm sehr gerne erspart, aber es GIBT hier auf dem Land keine Alternative in zumutbarer Distanz.


Danke für deine Antwort.
Es handelt sich um eine reine Ganztagsschule, d.h. wir könnten eben nicht im Zweifelsfall wechseln. Die Sozialpädagogin von der Schule sieht es dennoch in dieser Hinsicht unkritisch. Sie sagte, dass die festen Strukturen der Ganztagsschule auch positiv für meinen Sohn sein können.
Hier zu Hause herrschen ebenfalls sehr klar strukturierte Abläufe, da mein Sohn diese schon immer brauchte und wir vielleicht auch vom Typ her einfach so sind. Morgen haben ich ein Gespräch in der Schule und ich möchte auf jeden Fall in Erfahrung bringen, wie genau sie den Nachmittag gestalten, d.h. wie ist die Aufsicht, wie viel "freie" Zeit ist dabei usw. Unbeobachtet zu sein (oder sich so zu fühlen) war bisher immer eher nachteilig für meinen Sohn und dann hat er auch den größten Unsinn fabriziert.
ripley
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Re: Ganztagsschule?

Beitragvon ripley » 31. Januar 2017 10:04

Wenn Du ganz viel Glück hast, kannst Du vielleicht sogar mal in den Nachmittagsunterricht reinschauen?

Zumindest aber - im Zweifel außerhalb des Schulgeländes - einfach die Schüler danach fragen, wie sie das Konzept und dessen Umsetzeung denn sehen und ob bzw. mit welchen Begründungen sie es Altersgenossen empfehlen würden.

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