Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

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Novemberwind
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Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Novemberwind » 31. Oktober 2016 14:15

Hallo in die Runde,

ich habe mich hier angemeldet, weil ich hoffe, hier jemanden zu finden, der mich versteht.

Mein Sohn ist dieses Jahr in die Schule gekommen und seit er dort ist, ist alles extrem schwierig. Seine Frustrationstoleranzgrenze liegt bei Null. Er fühlt sich ständig angegriffen, z.B. schon durch Blicke anderer Kinder und wird nun, seit er in der Schule ist (tatsächlich ab Tag 1) beleidigend und, wenn er bedrängt wird körperlich aggressiv (haut, tritt).

Auch zu Hause war er plötzlich aggressiv und hat uns mit Schimpfworten betitelt und, wenn er sich in die Enge getrieben fühlte, gehauen.

Vor den Herbstferien eskalierte das Ganze; er wollte sich nach der Sportstunde nicht umziehen. Die Lehrerin hat ihn am Arm zur Umkleide ziehen wollen und er hat, völlig außer sich, getreten und gehauen. Wir wurden angerufen, mussten ihn abholen und die Schule hat mit uns vereinbart, dass er 3 Tage nicht zur Schule kommt, damit sich alle beruhigen können.

Wir haben dann über unseren Kinderarzt sehr schnell einen Termin bei einem Kinderpsychiater bekommen und sind dort jetzt in Behandlung. Der hat uns erklärt, dass der 1. Teil der Therapie über die Erwachsenen läuft und wie wir uns verhalten sollen. Also wenn möglich, es nicht zum großen Knall kommen lassen (ablenken vom Problem) oder wie wir uns besser durchsetzen können (kurze Sätze, nicht alles 100x wiederholen, freundlich, aber bestimmt ... naja Ihr kennt das alles). Und wenns knallt, Abstand halten. Das funktioniert zu Hause ganz gut. Ein paarmal ist er jetzt auch schon weggegangen und hat sich beruhigt oder hat geschafft, zu sagen, was sein Problem ist, bevor er wütend wurde.

Nun war heute der 1. Tag nach den Ferien, wir hatten gleich morgens ein Gespräch und haben von dem erzählt, was uns der Psychiater gesagt hat. Aber wir wurden gleich richtig in die Mangel genommen, wie wir uns das vorstellen würden, wo sie denn mit meinem Sohn hinsollten, wenn er raus aus der Klasse muss (ich kenn die Räumlichkeiten der Schule gar nicht im Detail) und überhaupt müsse jetzt mal schnell was passieren, sonst wäre er nicht beschulbar. Wir sollten uns darauf gefasst machen, dass man uns gleich anrufen würde, wenn was vorfällt, damit wir ihn abholen. Wir haben dann gesagt, dass das schwierig für uns ist, weil wir berufstätig sind und nochmal nett verpackt, gebeten, die Sachen zu probieren, die zu Hause gut funktionieren. Der Arzt hat auch Telefonstunden, wo er helfen kann. Seine Klassenlehrerin war ganz motiviert, die Mathelehrerin aber überhaupt nicht. Sie sagte in einem Nebensatz, dass alle froh gewesen wären, als er weg war. Ich hätte echt heulen können. Er ist meistens ein sehr lieber und hilfsbereiter Junge. Schwierig ja, weil wahrscheinlich jeder, der kein Ja-Sager ist, schwierig ist, aber wenn man will, durchaus händelbar.

Wir hatten schon so ein komisches Gefühl, als wir gingen. Und prompt kam in der Mathestunde der Anruf, dass wir ihn holen sollten. Er wäre sauer gewesen, weil ihm irgendwelche Zahlen nicht so gut gelangen, dann sollte er sie nochmal und nochmal schreiben, kam in Diskussionen mit der Mathelehrerin, hat blöde Kuh zu ihr gesagt. Ein anderer Betreuer, der schon vorsichtshalber neben meinem Sohn gesessen hat, hat ihn dann rausgetragen. In dem Gerangel hat er wohl auch die Lehrerin gehauen oder getreten und den Betreuer, der ihn bis zum Sekretariat getragen hat (3 Etagen runter und durch eine große Halle), wurde auch empfindlich getreten.

Beim Telefonat wollte ich mal mit der Mathelehrerin und dem Betreuer sprechen, beide wollten nicht. Hab also die Angaben nur von Dritten, die nicht dabei waren. Und man hat uns nur gesagt, dass er nicht beschulbar ist und wir schnell was machen sollen. Auf die Frage, wo er wäre, wurde uns gesagt, dass er jetzt bei den Betreuern der Nachmittagsgruppe wäre und dort herzzerreißend weinen würde. Aber man würde ihn jetzt wieder in den Unterricht holen. Nun hab ich nichts mehr gehört. Planmäßig holt ihn seine Oma gleich ab.

Ich weiß, dass es nicht einfach ist mit ihm, aber das was die jetzt dort von ihm verlangen, wir setzen dich unter Druck und du funktionierst, wird nicht klappen. Er kann das nicht steuern und wird wieder sauer und wenn er dann nicht in Ruhe gelassen wird, haut und tritt er auch wieder. Was soll ich denn nur tun? Ich bin so fertig mit den Nerven, kann gar nicht richtig arbeiten und krieg hier im Job noch Druck. Und das er dann so doll geweint hat und keiner ihn getröstet hat. Schlimm.

Hat jemand einen Rat für mich? Könnte gerade selber heulen.

Sorry für den langen Text.

Traurige Grüße,
Novemberwind
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Maya18Max
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Maya18Max » 31. Oktober 2016 17:08

Hallo Novemberwind,

herzlich Willkommen erst einmal hier im Forum. Fühl dich gedrückt, Du bist nicht alleine.

So wie du hier schreibst, kenne ich das von unserem Sohn auch, nur dass unserer alles in sich rein frisst und es zu Hause “Buff“ macht.

Ich konnte nicht herauslesen, ob ihr nun schon eine feste Diagnose ADHS habt. Wenn ja, stehen bei Euch Medikamente im Raum? Es hört sich doof an, aber das war neben der Therapie und der Elternschulungen das einzig wirksame für unseren Familienfrieden. Seit dem kann er seine Frustration besser handeln und er ist nicht mehr so reinzüberflutet. Kann ich als selbstbetroffene auch bestätigen, dass mit den Medikamenten es deutlich besser wird.

Was Schule angeht ist guter Rat teuer. Da stecke ich auch noch fest bei uns. Keiner hat ne Ahnung und keiner versteht ADHS. Ich würde mir aber sehr schnell Rat holen beim behandelnden Arzt, evtl Schulpsychologen bzw. Beim Jugendamt. Vielleicht könnt ihr eine Schulbegleitung beantragen, die ihn unterstützt.

Das unbeschulbar würde ich so mal nicht stehen lassen. Da kann sich tatsächlich noch einiges tun mit Medikamenten. Die Schule muss auch ihren Beitrag leisten.

Liebe Grüße
Maya
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Novemberwind » 31. Oktober 2016 21:52

Hallo Maya18Max,

danke für Deine Worte.

Nein, eine feste Diagnose gibt es noch nicht, bisher wurde es nur von einer Psychologin vermutet.

Den Arzt spreche ich Freitag beim nächsten Termin an. Wie kann uns das Jugendamt helfen? Wo können wir eine Schulbegleitung beantragen?

Wie alt ist denn Dein Sohn und wie lange hat es bis zur Diagnose gedauert?

Schönen Abend noch,
Novemberwind
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Maya18Max
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Maya18Max » 31. Oktober 2016 22:10

Hallo,

unser Sohn ist 8. Er wurde mit 7 Jahren eingeschult.

Wir hatten Gott sei Dank Recht früh einen Verdacht. Aber zufällig. Die erste Diagnose hat 9 Monate gedauert. Die zweite haben wir, weil es problematisch in der Schule war selbst bezahlt (ausgesprochener Fachmann) und ging dann auch extrem fix. Die erste Diagnostik im Kiga war nämlich nur ein Verdacht von der örtlichen KiJPsy.

Ich weiss nicht in welchem Bundesland ihr wohnt. Es ist aber so, dass Kinder ja integrativ beschult werden. Und diese Integrationskraft, I-Helfer oder Schulbegleitung bzw wie auch immer es bei euch heißt kann beim Jugendamt beantragt werden.

Ich würde beim Facharzt ziemlich schnell schauen, dass ihr eine Diagnostik bekommt, und ich weiss nicht wie ihr zu Medikamente eingestellt seid, diese dann sehr zügig bei einer positiven Festung auf ADHS ausprobiert. Ich hoffe, dass euer Arzt sich auch echt gut auskennt. Das ist leider noch nicht selbstverständlich. Wenn er den Ernst der Lage erkennt wird er euch zügig unter die Arme greifen.

Liebe Grüße
Maya
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Ilayda » 1. November 2016 16:03

Hallo, Novemberwind.
Um mehr darüber sagen zu können, wie Ihr weiter vorgehen könnt, wäre tatsächlich das Bundesland ganz wichtig.

Denn da das Schulrecht Länderdsache ist, und auch die Länder in Sachen Inklusion absolut unterschiedlich strukturiert, muss dann zunächst mal ins entsprechende Schulgesetz und die Erlasse zur Inklusion geschaut werden.

Der Hinweis aufs Jugendamt wegen Schulbegleiter KANN hilfreich sein, allerdings ist die Eingliederungshilfe (darunter fällt der Schulbegleiter) immer nachrangig zu den Regelungen im Schulsystem zu sehen. Zudem braucht es zur Beantragung auf jeden Fall eine Diagnose, aus der die seelische Behinderung hervorgeht (ADHS, Autismus etc.).

Was Du parallel zum Hilfesuchen hier im Forum machen kannst, ist, Dich beim zuständigen Schulamt schlau zu machen. Die haben meistens da auch Fachberatungen, die in die Schulen gehen.

Ich sehe das zwiegespalten - und zwar aus meiner ganz eigenen Erfahrung, die mit Einschulung meines Sohnes sehr viele Parallelen zu Deinen Schilderungen hier aufweist.

Einerseits ist es die Aufgabe der Lehrkräfte und der Schule, Deinen Sohn zu unterrichten und es gibt auch eine Schulpflicht. Ich denke auch, dass manche (und das betone ich, es gibt sehr viele wundervolle andere) Lehrer auch sehr schnell mit der Aussage "nicht beschulbar, kommen Sie Ihr Kind abholen" dabei sind.
Auf der anderen Seite müssen die Lehrkräfte einer ganzen Klasse gerecht werden, die häufig über 30 Kinder groß ist. Bei 30 Kindern für jedes eine Extrawurst braten ist verdammt aufwändig und wenn dann noch fremdgefährdendes Verhalten dazu kommt, gerät das Schulsystem als solches ganz schnell an seine Grenzen.

Dass "unsere" Kinder da nicht die Verlierer sein können, ist uns allen klar, jedoch braucht das die Anstrengung und das Zusammenwirken von allen Beteiligten, zuallervorderst hier die Schule (Schulleitung), falls das nicht hilft, das Schulamt (eventuell müssen die eine alternative Schule finden, falls es gar nicht geht), der Kinderpsychiater und Ihr als Elternhaus.

Soviel zuerstmal als erste Orientierung, bei Nennung des Bundeslandes versuche ich mal, weitere Informationen heranzuholen.
LG
Ilayda
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Novemberwind » 1. November 2016 22:07

Guten Abend,

der Tag heute war wieder sehr speziell.

Heute morgen bin ich zufällig auf die Mathelehrerin gestoßen. Sie wollte erst im Lehrerzimmer verschwinden, ich habe sie aber angesprochen, weil ich mich für gestern entschuldigen wollte. Plötzlich fing sie an, mich anzumotzen. Sie wolle nicht so schnell wieder meinen Sohn sehen und ich solle nie wieder sagen, dass er durch eine geringe Frustrationsgrenze nur haut. Er ist ein ganz übler Schläger und sie hätte mir nichts mehr zu sagen. Ich fand das so furchtbar und hab dann im Auto erstmal geheult.

3 Schulstunden hat es heute ganz gut funktioniert; im Sportunterricht und danach beim Fußballtraining gab es wieder Zwischenfälle mit Haare ziehen und hauen. Übrigens haben wir heute die Nachricht von der Schule bekommen, dass wir uns um eine Schulbegleitung kümmern sollen.

Wir haben dann heute Abend nochmal mit dem Psychiater telefoniert und für morgen einen Nottermin erhalten. Wir haben ihm erklärt, wie groß unser Druck ist. Er sagte, dass wir über Therapie und Medikamente sprechen werden. Im Moment haben wir noch keine Diagnose; aber die wäre doch Voraussetzung für Medis, oder?

Ich bin so durcheinander, möchte doch nur, dass es einfacher für unseren Sohn wird und nicht mehr alles so kompliziert und schwierig ist.

Wir wohnen in Schleswig-Holstein.

Danke für Eure Zeilen; Ilayda, wie ist denn Eure Situation jetzt?
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Eule » 2. November 2016 00:24

Ich kann nicht beurteilen wie du das ganze rübergebracht hast - aber nach meinem Eindruck treffen da mehrere Schwierigkeiten aufeinander.

Auf der einen Seite du, die verständlicherweise ihr überfordertes Kind schützen will, auf der anderen Seite Lehrer, die möglicherweise längst nicht alles wissen, was sie sinnvollerweise wissen sollten über ADHS und den Umgang mit betroffenen Kindern im Unterricht, die verständlicherweise auch die anderen Kinder und gegebenenfalls sich selbst vor Schlägen und anderen körperlichen Übergriffen schützen wollen und müssen.

In dem Moment wo nicht bremsbare körperliche Übergriffe im Spiel sind, ist eindeutig eine Grenze überschritten, völlig egal ob der Täter nun um sich schlägt, aus Frust über sein eigenes Unvermögen, wegen Reizüberflutung oder weil er einen schiefen Blick von irgendwem als Angriff interpretiert gegen den er sich nur durch Schläge zu verteidigen weiß.

Was ich nicht so ganz verstehe: Vor der Schule ist ein Kind doch inzwischen zwingend im Kindergarten oder wenigstens in der Vorschule - sprich, es sollte mindestens ein Jahr schon erlebt haben wie es ist in einer Gruppe gleichaltriger Kids zu sein, in der man zu bestimmten Zeiten sich nach bestimmten Regeln und Anweisungen zu verhalten hat. Sicher ist das noch nicht auf "Schulniveau" von der Dauer und Art der Anforderungen an die Kids - aber so krass wie deine Schilderungen klingen, kann ich mir nicht so recht vorstellen dass es im Kindergarten absolut perfekt ruhig gelaufen ist und diese Eskalation jetzt völlig ohne Vorwarnung kommt.

Das von dir geschilderte Verhalten vom ersten Tag an kann ich mir nicht als "aus dem nichts kommend" vorstellen. Ja, Gruppensituationen sind schwierig - das sind mehr Reize, mehr Menschen mit denen man interagieren muss, und für einen Schulanfänger ist auch Schule was neues. Aber trotzdem, der erste Schritt in eine solche Gruppensituation sollte der Kindergarten gewesen sein - und wenn Gruppensituationen für ihn derart schwierig sind, hat es doch wahrscheinlich auch vorher schon nicht reibungslos funktioniert. Vielleicht "nur" in Form von Verweigern bestimmter Anweisungen, irgendwo nicht mitmachen, zu grob spielen oder auch da schon sich angegriffen fühlen und nicht angemessen reagieren? Gab es im Kindergarten eine Vorgeschichte mit anderen Kids die auch jetzt seine Mitschüler sind, und die Eskalation geht jetzt schneller vonstatten weil die anderen schon wissen wie sie ihn provozieren können, er im Kindergarten schon nichts anderes entgegenzusetzen wusste als schlagen, und nun zusätzlich noch die Betreuer/Lehrer zahlenmäßig weniger sind als es zuvor die Erzieher waren im Verhältnis zur Zahl der Kids, so dass zu spät eingegriffen wird oder der Beginn einer Eskalation nicht erkannt wird weil da außer 2 bis 3 Streithähnen noch mehr als 20 andere Kids sind, die auch das ein oder andere unerwünschte Verhalten an den Tag legen? Und was wurde in Konflikt-Situationen mit anderen Kids im Kindergarten gemacht, oder auch bei euch zuhause?

Dein Spruch mit der geringen Frustrationsgrenze als Ursache fürs schlagen ist wahrscheinlich etwas das für viele Lehrer absolut daneben klingt. Und auch ich tue mich schwer damit - auch wenn ich weiß dass es das die Erklärung für das Verhalten sein kann. Obwohl ich selber ADHS habe, und als Kind auch oft genug Dinge in die Ecke geschmissen habe so dass sie kaputtgingen, und wenn da zufällig jemand in Wurfrichtung stand/saß, bekam der halt was ab, oder mich mit meinem jüngeren Bruder ziemlich heftig geprügelt habe. Es klingt so sehr nach "Kind hat diese geringe Frustrationsgrenze, deshalb müsst ihr alle damit leben dass es Grenzen überschreitet" die eigentlich unter keinen Umständen überschritten werden dürfen.

Mir ist von der ersten solchen Eskalation an immer wieder mit erklären, mit Strafen von "du kriegst heute keinen Nachtisch" bis zu "wer andere Kinder (in dem Fall galt auch mein Bruder als anderes Kind) verdrischt darf nicht spielen gehen" beigebracht worden, dass körperliche GEwalt ein absolutes No go ist, und dass man sich selbst wenn man angegriffen wird nicht mit Fäusten sondern verbal wehren oder einen Erwachsenen um Hilfe bitten soll. Die Reaktion die du schilderst klingt ein bisschen als wäre dein Sohn noch nie wirksam gestoppt worden bei einer solchen Aktion, als hätte es keine Konsequenzen dafür gegeben die für ihn erkennbar damit zusammenhingen und auch unangenehm waren. Und er scheint auch keine Alternative zu kennen als sich körperlich durchzusetzen wenn etwas passiert was ihm nicht gefällt.

Auch wenn ich ahne wie schlimm die Situation mit der Mathelehrerin für dich gewesen sein muss - es gibt absolut keine Entschuldigung oder Rechtfertigung für körperliche Gewalt, und wenn du ihr in einer Situation nach einem Ausraster was von Frustrationsgrenze erzählst, klingt das doch arg beschönigend, kleinredend verharmlosend. Auch wenn du was ganz anderes damit erreichen wolltest. als reine "Verhaltens-Erklärung" im Sinn einer Information für die Lehrerin kann das nicht ankommen, es klang für die Lehrerin vermutlich ganz übel nach Ausrede - frei nach dem Motto "mein armes Kind kann doch nicht mit seinem Frust umgehen, also gucken Sie bitte zu wie es die anderen grün und blau schlägt!" Dass sie daraufhin erst mal aus vollen Rohren dich anschießt ist nachvollziehbar.

Was die Deeskalationstaktiken des Arztes angeht: In der Familie, mit sicher deutlich weniger als 8 Personen in einem Raum können die funktionieren. Funktionieren sie auch noch wenn dein Sohn zwei oder drei Freunde zu Besuch hat, und sie irgendwann die Streiterei um das Spiel mit dem sie zugange sind körperlich austragen? Kannst du dir ausmalen dass eine Schulklasse mit 30 Kids nochmals um mehrere Schwierigkeitsgrade anspruchsvoller ist? Sowohl um die Deeskalations-Taktiken als Erwachsener umzusetzen, als auch um als Kind in dieser Situation nicht noch früher als zuhause die Fassung zu verlieren? Da werden die Eingriffsmöglichkeiten kleiner, und gleichzeitig die Zündschnur beim Kind erheblich kürzer. Gerade was Möglichkeiten die Situation zu verlassen angeht, kommt in der Schule auch noch das Aufsichtsproblem dazu, nicht nur das Problem mit den Räumlichkeiten. Die Lehrer kämen in Teufels Küche, wenn sie ein Kind unbeaufsichtigt zum Abregen vor die Türe schicken würden, müssen aber andererseits die Betreuung der Klasse weiterhin gewährleisten. Und die demütigenden Varianten der 70er und frühen 80er die ich in meiner Schulzeit erlebt habe wie "Stell dich da hinten in die Ecke" - mit viel Glück hinter einem Landkartenständer wenigstens teilweise den Blicken der Mitschüler entzogen, oder "Stell dich vor die Tür und drück von außen die Klinke runter damit ich sehe dass du nicht abhaust!" wünsche ich bestimmt keinem Kind.

Was eine korrekte Diagnostik angeht: Die ist definitiv wichtig. Andererseits: Du sagst, es gibt den Verdacht einer Psychologin. Möglicherweise können deren Beobachtungen mit einbezogen werden, so dass nicht völlig bei null angefangen werden muss mit der Diagnostik. Wobei sich mir zum einen die Frage stellt, wann dieser Verdacht erstmals im Raum stand, und zum anderen welche Schwierigkeiten es schon vor dem Schuleintritt gab, dass überhaupt eine Psychologin das Kind gesehen hat, und irgendeinen Verdacht entwickeln konnte, und warum daraufhin nicht tatsächlich eine seriöse Diagnostik angeschoben wurde.

Was du schilderst klingt an vielen Stellen nach einer Mischung aus Verharmlosung der Sorte "Naja, lebhaftes Kind halt, aber doch nicht gleich ADHS", und einem guten Schuß Angst vor Stigmatisierung wenn da tatsächlich schwarz auf weiß eine ADHS-Diagnose vorliegt. Eine Diagnose kann aber auch eine Chance sein, um eine Behandlung und Hilfen zu bekommen die beim Umgang mit den Schwierigkeiten helfen - angefangen von den erst mal noch recht einfachen Dingen die ihr als Eltern als erste "Schnellanleitung zum Umgang mit einem ADHS-Kind" bekommen habt, bis hin zu Verhaltenstraining und Medis fürs Kind, wenn Instruktionen für die Eltern allein eben nicht ausreichend sind - und danach sieht es nach meinem Eindruck im Moment aus.

Neben der Diagnostik und damit einer Entscheidung ob Medis für deinen Sohn in Frage kommen halte ich aber auch Hilfe für dich für ganz wichtig. Schau doch mal beim ADHS-Deutschland bzw hier im entsprechenden unterforum nach einer Selbsthilfegruppe für Eltern in deiner Nähe - es ist einfach wichtig, zu sehen dass du nicht die einzige bist die mit solchen Schwierigkeiten kämpft. In einer SHG hast du die Chance auch von anderen Eltern Lösungsansätze zu erfahren, die sie bei ihren Kids hilfreich finden, oder du bekommst beim Schildern einer Situation in der du das Verhalten deines Sohnes völlig unverständlich findest eine Erkärung, warum sowas passiert, und damit auch den Hinweis wo man ansetzen kann für eine Veränderung.

Ich hoffe ich hab das jetzt nicht zu wirr geschrieben, so dass du was damit anfangen kannst.
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Maya18Max » 2. November 2016 17:28

Hallo Novemberwind,

wie lief Euer Gespräch mit dem Psychiater? Habt ihr einen "Plan" wie es weitergehen kann?

Noch mal zu den Ansprüchen, die wir Eltern an die Lehrer stellen: Die haben i.d.R. Keine Ahnung von ADHS und dessen Symtome und Auswirkungen auf die Kinder.

Mir hat das letzte Gespräch in der Schule gereicht. Gott sei Dank war da unsere Lerntherapeutin dabei, die "deeskalierend" gewirkt hat. Sonst wäre ich verzweifelt. Unser Sohn geht in eine Regel-Grundschule die Außenstelle einer "Sonderschule" für soziale und emotionale Entwicklung (ADHS und Autismus) ist. Wir waren der festen Überzeugung, dass auch hier die "normalen" Lehrer wissen, was es bedeutet, ein ADHS Kind in der Klasse zu haben. Dem ist nicht so.

Versucht Euch Hilfe zu holen, vor allem auch bei Gesprächen in der Schule, sonst knallen zwei Welten aufeinander. Vielleicht kann die 3. Person vermitteln und erst mal über ADHS aufklären. Wichtig ist, dass ihr miteinander arbeitet und nicht gegeneinander.

Lg
Maya
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Novemberwind » 2. November 2016 23:08

Hallo Maya,

das was Du von den Gesprächen in der Schule schreibst, klingt ja nicht gerade ermutigend.

Das Gespräch mit dem Psychiater war grundsätzlich ok. Zum einen hat er uns bisschen runtergeholt (heute gab es schon wieder einen Zwischenfall in der Schule und wir sind ziemlich aufgelöst dort angekommen) und uns genau erklärt, welche Punkte er in der Diagnostik noch abklären muss. Er geht aber von ADHS aus und hat uns dazu einiges erklärt. Wir sollen jetzt schon mal, die körperlichen Untersuchungen veranlassen, damit dann bei Bestätigung der Diagnose schnell eine Medi-Einstellung erfolgen kann. Aber er hat uns auch nochmal erklärt, dass die Medis (im besten Fall, wenn sie denn wirken) erst nach Wochen einen Effekt haben werden.

Heute Nachmittag hat die Schule dann noch angerufen. Unser Sohn ist morgen und Freitag vom Unterricht suspendiert. Morgen tagen sie in großer Runde inklusive Schulpsychologin, Schulamt, Nachmittagsbetreuung usw. und entscheiden, wie es weitergehen soll. Wir denken, dass sie unseren Sohn da nicht mehr haben wollen. Haben heute schon mit dem Jugendamt Kontakt aufgenommen. Vielleicht können wir da Beratung und Hilfe erhalten.

Eule, ich will auf keinen Fall etwas verharmlosen und nein, ich will Gewalt weder entschuldigen noch rechtfertigen. Unser Sohn war mehr als 3 Jahre in der Kita und uns sind keine Vorfälle bekannt, die auf eine psychische Störung hatten schließen lassen. Ich werde morgen nochmal mit seiner Kita-Erzieherin telefonieren. Vielleicht gibt es noch ein paar Anhaltspunkte, die z.B. bei der Diagnostik helfen können. Bei der Psychologin, die ich erwähnte, waren wir gleich Anfang September. Da hatten wir aber nur 2 Termine, der nächste freie Termine wäre erst Ende November gewesen.

Im Moment wissen wir nicht, wie wir die nächste Zeit meistern sollen, da auch ich berufstätig bin und wir zumindest eine stundenweise Betreuung brauchen. Ich hoffe, dass die Gespräche mit Schule und Jugendamt auch ein paar Möglichkeiten aufzeigen und nicht nur nieder machen. Das war auch das Problem, was ich bei dem Gespräch mit der Mathelehrerin hatte. Jemanden anschreien und niedermachen, hat noch nie weiter geholfen.

Muss jetzt schlafen, bin fix und fertig.

Liebe Grüße,
Novemberwind
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Maya18Max » 3. November 2016 08:17

Hallo Novemberwind,

da stürzt gerade eine Welt auf Euch ein...

Einzigster Trost, es wird besser. Aber es wird ein wenig dauern, da ihr ja auch erst mal die Thematik verinnerlichen müsst.

@ Eule: Ich kann verstehen, dass womöglich im KiGanichts groß auffällig war. Kommt auf immer auf das Konzept drauf an. Bei uns war zB nur die Rede von: viel (aus)diskutieren. Sonst wurden KEINE Ansprüche an das Kind gestellt, da offenes Konzept. So Sachen wie im letzten KIGa Jahr einen Webrahmen odr eine adere Bastelarbeit verpflichtend zuvmachen, gab es bei uns nicht. Nicht mal zum "Werkstattführerschein" hat es mein Kind gebracht. Und das obwohl er handwerklich ständig am Arbeiten war. Er hätte da aber eine kleine "Prüfung" machen müssen und schon war der Ofen aus ( und er hätte es 10 mal geschafft).

Daher, ist alles relativ. Wäre es nicht durch Zufall bei us raus gekommen würden wir seit Beginn der Schule ähnlich da stehen.

@Medis: Warum sollten die nicht wirken???
Es dauert nicht zig Wochen, bis du merklich eine Besserung feststellst. Das geht womöglich sogar am ersten Tag. Bis die Einstellung durch ist und es passt kann es dauern, aber ein erster Erfolg werdet ihr sehr schnell sehen.

Alles Gute Euch! Ihr werdet eine Lösung finden.
Lg Maya
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon ADHDgoesto11 » 3. November 2016 09:46

Novemberwind hat geschrieben:Aber er hat uns auch nochmal erklärt, dass die Medis (im besten Fall, wenn sie denn wirken) erst nach Wochen einen Effekt haben werden.


Von welchen Wirkstoffen redet der Arzt da?

Die bevorzugte medikamentöse Therapie verwendet kurzwirksame Stimulanzien. Deren Wirkung kann man, so man die richtige Dosierung getroffen hat, nach 30 Minuten feststellen und sie hält einige (4-10, je nach Präparat) Stunden an. Das Finden der richtigen Dosierung kann ein paar Tage in Anspruch nehmen, da es hauptsächlich aus Ausprobieren besteht.

Es gibt noch ein paar andere Möglichkeiten, die man ausprobieren kann, wenn die Erstlinientherapie nicht wirkt und/oder inakzeptable Nebenwirkungen verursacht; darunter sind dann auch Wirkstoffe, die über Tage bis Wochen erst einen Wirkstoffspiegel aufbauen müssen.

Tochter *2007 ... ADHS
Sohn *2005 ADHS+Autismus
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Novemberwind » 3. November 2016 11:13

Hallo,

danke Maya für Deinen Zuspruch. Ja, wie Du sagst, eine Welt stürzt auf uns ein. Ich bin fix und fertig und fang bei jeder Kleinigkeit an zu heulen. Ich hoffe so sehr, dass es bald besser wird.

Das Problem bei den Medis sind dann wohl eher nicht die Medikamente an sich (da hatte ich den Arzt wohl falsch verstanden) , sondern die noch unklare Diagnose. Der Arzt vermutet ADHS, aber es passt einiges nicht zu der Diagnose. Offensichtlich fehlt unserem Sohn die Steuermöglichkeit nur in Zusammenhang mit seinen Gefühlen. Er kann sich gut bei den Hausaufgaben konzentrieren, macht alle Aufgaben bis zu Ende, kann sich mehrere Aufgaben merken, muss nicht an Abläufe erinnert werden, vergisst nichts. Das sind so Sachen, die der Arzt abgefragt hat und er meinte, dass das nicht so richtig zur ADHs-Diagnose passen würde. Nun will er noch einige Tests mit ihm machen und wartet noch auf die Ergebnisse eines Fragebogens, den die Schule erhalten hat. Außerdem kann er die Medis erst geben, wenn die körperlichen Untersuchungen (Herz, Gehirn, Leber, Blut) abgeschlossen sind.

Noch eine Frage: Wenn ich das richtige verstehe, sind die Behandlungsschwerpunkte bei ADHS Elterntraining, Verhaltenstherapie beim Kind und Medikamente. Wie ist das mit der Verhaltenstherapie des Kindes? Bisher passiert da nicht wirklich was. Also wir machen, was uns der Arzt geraten hat. Das ist dann ja sozusagen schon eine Art Therapie für das Kind. Aber da er ja große Probleme in der Gruppe hast, wäre ja auch eine Gruppentherapie gut. Gibt es so was?

Weiß jemand, ob die Schule ihn morgen unbefristet vom Unterricht ausschließen kann? Auf der anderen Seite würde ich es ja verstehen. Sie wissen dort nicht, wie sie den Knall vermeiden können und so ist die nächste Katastrophe vorprogrammiert. Er ist von außen so steuerbar.

Eule, danke auch noch für den Tipp wegen der Selbsthilfegruppe. Ja, man fühlt sich sehr allein mit dem Problem. Bin froh, dass ich das Forum hier gefunden hab.

Viele Grüße,
Novemberwind
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Sheherazade
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Sheherazade » 3. November 2016 11:31

Novemberwind hat geschrieben:Der Arzt vermutet ADHS, aber es passt einiges nicht zu der Diagnose. Offensichtlich fehlt unserem Sohn die Steuermöglichkeit nur in Zusammenhang mit seinen Gefühlen. Er kann sich gut bei den Hausaufgaben konzentrieren, macht alle Aufgaben bis zu Ende, kann sich mehrere Aufgaben merken, muss nicht an Abläufe erinnert werden, vergisst nichts. Das sind so Sachen, die der Arzt abgefragt hat und er meinte, dass das nicht so richtig zur ADHs-Diagnose passen würde.


Der Arzt scheint wirklich gut zu sein. Mir war beim Lesen auch so als wenn da noch was ist. Besonders, da dein Sohn auf körperlichen Zwangskontakt so massiv reagiert. Leider scheint das an dieser Schule ja üblich zu sein.

Liest sich ein wenig wie bei unserem Jüngsten als er in die Schule kam. Da hatten wir die Diagnose Autismus + ADHS aber schon über ein Jahr und konnten schnell reagieren.
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon minime » 3. November 2016 12:27

Hallo!

genau in derselben Situation haben wir uns vor genau 3 Jahren befunden und mein Sohn stand auf der Abschussliste, ABER er wurde auch für die anderen Kinder und Eltern zum Abschuss frei erklärt (das war der länger andauernde Schaden!).

Deswegen würde ich mich in keinem Fall darauf versteifen, dass das Kind in derselben Klassensituation (selbe Lehrerinnen und Kinder, die unter ihm leiden mussten) verbleibt. - Sein Verhalten wird im nachgetragen bis er von der Grundschule wechselt, WENN es keine expliziten Eingriff z.B. durch eine Sozialpädagogin gibt! Und das unabhängig davon ob sich sein Verhalten radikal ändert oder nicht.

Wir haben eben vor 3 Jahren in derselben Situation das Kind allen "gefährlichen" Aktivitäten, die ihn überfordert haben entzogen: Fussballtraining (er war da immer falsch am Platz!), unübersichtliche Betreuungssituationen, wo es haufenweise Regeln gibt, aber auch haufenweise "Ablenkungsquellen" diese Regeln nicht befolgen zu können. (Theaterbesuche, schulische Mittagsbetreuung / Hort, Schulsport, ...) Wir haben ihn einfach krank geschrieben. Unser KiA hat das auch empfohlen und hätte da mitgemacht, auch wenn die Diagnose nicht stand.

Übrigens hat der KiA Medis von sich aus angeboten, auch ohne Diagnose um das Kind psychisch zu stabilisieren, er hätte sie nicht forever verschrieben. Er war der Meinung, dass die helfen werden, wenn er es hat und nicht helfen werden, wenn er es nicht hat und dann kann man sofort damit aufhören. Selbstverständlich nach einer Dosisfindungsphase (2-4 Wochen). Ich gebe zu ich habe sehr großen Respekt vor den Medis ohne Diagnose gehabt.


Ich weiß nicht wie es in SH ist, wie man so aus heiterem Himmel eine "Schulbegleitung" anfordern kann ... Hier in Hessen muss erstmal ein Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Bedarfs durchgeführt werden und am Ende dieses Verfahrens kann als eine Maßnahme (nach Diagnostik!!!) eine Schulbegleitung beantragt werden. Da uns das auch geblüht hatte, wollte ich DRINGEND vor diesem Verfahren eine Diagnose gestellt bekommen bei einem Arzt MEINER Wahl und habe das gepusht! Ihr macht das offensichtlich auch so - PRIMA!!!

Bitte vermittle den Lehrerinnen, dass Du die Situation ernst nimmst und ihr diagnostische Maßnahmen eingeleitet habt, die aber etwas dauern. Versuche selber Dein Kind krankzuschreiben und vermeide "Suspendierungen" - die sind nämlich forever in der Schulakte.

Kopf hoch, auf in den Kampf - Du musst noch viel Energie aufwenden! Übrigens war es da genau der Punkt wo ich von jetzt auf gleich von 100% auf 50-75% Berufstätigkeit gegangen bin. Ich war bis dahin auch in der Säuglingsphase Vollzeit berufstätig. Dein Kind steht vor dem Abgrund und ich finde das ist Grund genug sich beruflich anders aufzustellen. Es bleibt letztlich doch an Dir hängen, wenn Du jetzt nicht Deine Kräfte dafür einsetzt. - Die Erkenntnis ist bitter, aber nicht zu ändern!
Nun 3 Jahre später läuft das Kind gut, hat den Sprung in die weiterführende Schule bislang sehrt gut gemeistert .... aber die "Kleinen" geniessen noch Welpenschutz, deswegen traue ich mich erst nach Pfingsten zu jubilieren, wenn es so bleibt.

LG, minime!
Novemberwind
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Novemberwind » 3. November 2016 16:04

Danke für Eure Antworten.

Sheherazade, er reagiert wirklich heftig auf körperlichen Zwangskontakt, wie Du es nennst. Auch wenn man ihm plötzlich was aus der Hand nimmt. Auf der anderen Seite ist er aber auch jemand der Körperkontakt sucht. Er kuschelt z.B. gern und fordert das auch mehrmals am Tag ein. Da ist es wieder so, dass er völlig traurig oder auch sauer wird, wenn man dem nicht gleich nachkommt. Du sagst, ihr habt schnell reagiert. Wie denn?

minime, ich bin froh, wenn ich eure Geschichten lese. Klingt blöd, aber mir hilft es gerade sehr, dass mich jemand versteht und ich nicht allein auf der Welt bin mit diesem Problem. Ja, mein Sohn steht auch auf der Abschussliste. Morgen früh haben wir den Termin in der Schule und morgen Nachmittag mit dem Jugendamt. Da werde ich wegen der Schulbegleitung nachfragen. Ich hoffe, dass die Schule morgen früh sagt, dass sie ihn wenigstens noch stundenweise beschulen wollen. Den Gedanken, ihn aus dem Schulsport, Fussball, Hort usw. rauszunehmen, hatten wir gestern auch schon. Das müssen wir einfach. Krankschreiben ist eine gute Idee. Ich werde das mit dem Kinderarzt besprechen; der unterstützt uns.

War Dein Sohn auch aggressiv? Und konnte er sich durch die Medikamente etwas besser steuern?

Auf in den Kampf, da sagst Du was. Ich habe meine Arbeitszeit gerade seit Anfang des Monats, nachdem ich sie vor ca. einem Jahr wieder erhöht hatte, auf 75% reduziert. Und wir haben gottseidank auch noch eine Oma, die ein sehr gutes Verhältnis zu unserem Sohn hat und mit der ich gestern nochmal gesprochen habe. Sie ist auch bereit, uns zu unterstützen. Das Schwierige ist, dass eigentlich immer jemand in Standby sein müsste, um ihn jederzeit von der Schule abholen zu können.

Liebe Grüße,
Novemberwind
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Sheherazade » 3. November 2016 16:17

Novemberwind hat geschrieben:Du sagst, ihr habt schnell reagiert. Wie denn?


Da unser Sohn, wie deiner, urplötzlich auf der Abschußliste stand (trotz Schulbegleiter!) hat unser KJP ihm MPH verordnet. Das hat GsD sehr schnell bei ihm angeschlagen.

Wenn mein Jüngster um sich geschlagen hat, war er einfach nur verzweifelt, denn auch er stand bei den Eltern der Mitschüler und seinen Mitschülern ganz oben auf der "Opferliste". Ändert aber nichts an der Tatsache, dass so ein Schüler von den Lehrkräften nicht zu händeln ist.
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Maya18Max » 3. November 2016 21:03

Novemberwind hat geschrieben:Noch eine Frage: Wenn ich das richtige verstehe, sind die Behandlungsschwerpunkte bei ADHS Elterntraining, Verhaltenstherapie beim Kind und Medikamente. Wie ist das mit der Verhaltenstherapie des Kindes? Bisher passiert da nicht wirklich was. Also wir machen, was uns der Arzt geraten hat. Das ist dann ja sozusagen schon eine Art Therapie für das Kind. Aber da er ja große Probleme in der Gruppe hast, wäre ja auch eine Gruppentherapie gut. Gibt es so was?


Das hast du richtig verstanden. Die Verhaltenstherapie kann dein Kind als Einzel oder Gruppentherapie machen. Bei Euch wäre sicher auch eine Gruppentherapie ratsam, da hier eben die Frustration auch mit rein spielt und er es in dieser Umgebung besser lernen kann.

Sheherazade hat geschrieben:Weiß jemand, ob die Schule ihn morgen unbefristet vom Unterricht ausschließen kann? Auf der anderen Seite würde ich es ja verstehen. Sie wissen dort nicht, wie sie den Knall vermeiden können und so ist die nächste Katastrophe vorprogrammiert. Er ist von außen so steuerbar.

leider kann ich dir dazu nichts sagen. ABER: Wie hier schon beschrieben wurde. Auch zum Schutze DEINES Kindes solltet ihr überlegen, ob es sinnvoll ist ihn so weiter in die Schule gehen zu lassen. Er leidet da auch sehr darunter UND er hat dabei tagtäglich das Gefühl es vermasselt zu haben und fühlt sich schuldig. Er kann nichts dafür! Er will alles gut machen und strengt sich von neuem jeden Tag an und es endet wieder in einem Desaster.

Ich würde genauso in einer Zwickmühle stecken, aber vielleicht könnt ihr irgendeine Lösung (wenn ihr finanziell nicht darauf angewiesen seid), zumindest vorübergehend finden, dass er erst mal zu Hause bleiben kann. Er wird es schon jetzt schwer haben, überhaupt wieder einen Fuß in der Klasse (egal ob Lehrer oder Kammeraden) auf den Boden zu bekommen. Womöglich wäre es sowieso sinnvoll ihn in eine andere Klasse ggf. andere Schule zu geben. Ach das ist alles sooo schwer...

minime hat geschrieben:Bitte vermittle den Lehrerinnen, dass Du die Situation ernst nimmst und ihr diagnostische Maßnahmen eingeleitet habt, die aber etwas dauern.
und BITTET um Hilfe der Lehrer. Versucht ein miteinander zu finden, auch wenn es schwer ist. Vor allem, wenn er an der Schule bleiben soll.
Eine völlig Chaotische Familie:
Und immer geht es Berg und Tal, wie bei einer Achterbahn :mrgreen:
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Novemberwind » 4. November 2016 10:36

Guten Morgen,

ich komme gerade von dem Gespräch zurück. Hab mich da gut zusammen gerissen, aber jetzt zu Hause heule ich doch. Dieser Zustand macht einen so hilflos. Wir haben die dicke Schulakte meines Sohnes gesehen inkl. ein paar Haaren, die er einem Mädchen rausgerissen hat. Die Schule meint, dass er die Wutausbrüche mit Absicht hat. Sie sagen, dass er bereits morgens aggressiv in die Schule kommt und darüber redet, nicht mehr leben zu wollen. Sie meinen, die Ursache liegt im Elternhaus und, dass er hier unglücklich ist. Ich hab das Gefühl, dass uns keiner mehr glaubt. Er kann so ein entspanntes lustiges Kind sein und er kann auch theatralisch sein. Aber dass er nicht mehr leben will und bei uns unglücklich ist. Gestern nachmittag waren wir im Wald. Da ist er durchs Laub gehopst und wirkte sehr glücklich. In den Ferien waren wir im Safaripark. Das war ein so schöner Tag und wir alle haben viel gelacht.

Jedenfalls hat die Schule die Entscheidung abgegeben, was mit unserem Sohn wird. Er ist auch für nächste Woche noch suspendiert und nächste Woche wird auf Kreis- und Landesebene entschieden, was mit ihm werden soll. Am Donnerstag haben wir dann noch ein Gespräch mit dem Träger der Nachmittagsbetreuung. Dort wird er rausfliegen. Aber das ist sowieso schon egal, da wir ihn da ohnehin kaum noch hatten.

Außerdem haben sie uns unter Druck gesetzt, dass wir die Kita von der Verschwiegenheitspflicht befreien soll. Wir wollten das eigentlich nicht, da es da zum Schluß Probleme gab, die aber nichts mit unserem Soh zu tun hatten. Ging um monatliche Preiserhöhungen, wo es Diskussionen gab und wir sind eben nicht im besten Einvernehmen auseinander gegangen.

Ich weiß, dass er im Moment nicht in der Schule zu händeln ist, aber dieses Gespräch hat so mut- und hoffnungslos gemacht.

Traurige Grüße,
Novemberwind
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon Sheherazade » 4. November 2016 10:48

Habt ihr heute den Termin beim KJP? Der muss das unbedingt wissen, denn jetzt ist schnelles Handeln angeraten. Auch, wenn es für diese Schule nichts mehr nutzt (ganz offensichtlich steht für die Schule schon länger fest, wie der weitere Ablauf sein wird), aber für den weiteren Weg ist es ganz wichtig, dass ihr einen vom KJP mitgetragenen Alternativplan habt.
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Re: Riesige Schulprobleme, weiß nicht mehr weiter

Beitragvon ADHDgoesto11 » 4. November 2016 10:52

Novemberwind hat geschrieben:Die Schule meint, dass er die Wutausbrüche mit Absicht hat. Sie sagen, dass er bereits morgens aggressiv in die Schule kommt und darüber redet, nicht mehr leben zu wollen. Sie meinen, die Ursache liegt im Elternhaus und, dass er hier unglücklich ist.


Wow. Sieht so aus, als ob die Schule schon vollkommen davon überzeugt ist, einen Schuldigen ausgemacht zu haben.

Novemberwind hat geschrieben:Ich hab das Gefühl, dass uns keiner mehr glaubt.


Das ist vermutlich nicht nur ein Gefühl. :cry:

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