Aktuelles und doch altbekanntes Problem

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paulchen
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Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon paulchen » 15. Februar 2016 12:22

Mein Sohn, 12 Jahre, geht auf eine Oberschule, die sehr gut eingestellt ist und schon viele besondere Kinder hatte. Mein Sohn hat auch eine sehr liebe Klassenlehrerin, mit der er gut kann und die sich gut auf ihn einlassen kann.
Dennoch gibt es immer wieder massive Schwierigkeiten, die so nicht hinnehmbar sind.
Letzten Donnerstag überkam es ihn wieder. Er hatte irgendwie Streit, fühlte sich provoziert und bewarf seine Mitschüler mit Stühlen, randalierte mit Tischen, griff die neue Lehrerin( noch ganz frisch an der Schule) körperlich an, prügelte mit einem Buch auf eine Mitschülerin ein. Mittlerweile haben Kinder und Lehrer(!!!!) Angst vor ihm, er macht sich durch diese Aktionen das ganze aufgebaute Vertrauen im Nu zunichte. Freitag habe ich ihn zu Hause gelassen und jetzt darf er zwar zur Schule kommen, hat aber sozusagen Einzelunterricht in einem Extraraum.

Was genau gewesen ist, daran kann oder will er sich nicht erinnern, Tatsache ist nur, dass er sich irgendwann nicht mehr unter Kontrolle hatte. Dass er anschließend abgeholt werden musste und nicht die Kinder, die ihn, seiner Meinung nach provoziert haben, fand er überhaupt nicht gut, sieht sich immer in der Opferrolle.
Die Schule möchte mit dem Einzelunttericht ein Zeichen setzen, aber aus Erfahrungen weiß ich, dass er dies zwar erträgt, wenn auch etwas missmutig, aber nicht wirklich Reue fühlt. Dieses Problem mit dem extremen Ausrasten und andere körperlich angehen, schleppen wir seit dem Kiga mit uns rum, mal mehr, mal weniger heftig und zwischendurch nicht mehr so oft. Er lernte in der GS sich hinterher zu entschuldigen. Auch etwas, was nur eine Art Ritual wurde, weil es die anderen von ihm erwarten. War die Entschuldigung mit Angucken und Händeschütteln vorüber, war es für alle Beteilitgen vorbei, nur mein Sohn nahm sich kurzerhand das nächste Kind vor.

Gestern habe ich einen Artikel über das Über- Ich bei Kindern gelesen und dass es ADHS Kinder noch nicht so früh haben, sich das erst relativ spät entwickelt. In der Theorie wissen sie, wie sie sich verhalten sollten, können es aber in der Praxis nicht anwenden. Nur.... ich kann doch jetzt nicht solange warten, bis sich das Hirn mal dazu herabläßt entsprechende Verbindungen aufzubauen... da muss es doch was geben, was man tun kann.... Denn andere angehen und verletzen geht absolut nicht. Und wild darauf, meinen Sohn von der Schule fliegen zu sehen, bin ich auch nicht, auf Klassenkonferenzen wegen ungebührlichem Verhalten alle naselang habe ich auch keine Lust( habe ich letztes Jahr erst regelmäßig bei dem kleinen Bruder gehabt).....

Mein Sohn nimmt Elvanse 50mg, er hat sehr starke Schwierigkeiten andere anzusehen beim Sprechen, dadurch entgehen im viele Infos durch Mimik, daher verläßt er sich auf´s hören, hört aber nur das, was er möchte.

Hat jemand von euch Ideen?

LG paulchen
Zuletzt geändert von paulchen am 15. Februar 2016 12:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon Eule » 15. Februar 2016 15:10

Macht er Sport? Oder wäre er dafür zu gewinnen?

Wenn ja könnte es eine Idee sein, sich mal umzusehen nach einem guten Judo, Karate etc Training. Gut in dem Sinn, dass es klare strenge Regeln gibt, und dass nicht nur die Technik, sondern auch die Philosophie des Kampfsports vermittelt wird. Kämpfen zur eigenen Verteidigung oder zum Schutz schwächerer, nicht um jemanden anzugreifen, nicht als Ventil für unkontrollierte Wut.

Die meisten ADHSler mögen Regeln, und sind Gerechtigkeits-Fans.

Zu wissen dass man "könnte" ist in vielen Dingen auch der Schlüssel dazu etwas nicht zu tun. Im Sinn von "Ich könnte Person X auseinandernehmen und verkehrt rum wieder zusammen setzen. Aber ich mach es nicht, der hat sich ja durch sein arschiges Benehmen schon selber disqualifiziert."

Nebenbei ist jeder Sport, nicht nur Kampf-Sport natürlich auch ein Mittel um ganz banal Spannung abzubauen, überschüssige Energie auszutoben.

Was ich nicht beurteilen kann weil ich mit Elvanse keine Erfahrung habe, und du auch nichts dazu sagst ob/wie es ansonsten wirkt oder nicht wirkt ist ob die Medi-Dosis angemessen ist. Denn Blickkontakt halten können oder nicht ist nicht unbedingt ein typisches ADHS-Symptom das durch ein Medikament korrigiert werden könnte. Konzentration, Aufmerksamkeitssteuerung, das vollständige Erfassen von Worten und deren Bedeutung, und auch die Fähigkeit zur Steuerung des eigenen Verhaltens sollten sich dagegen mit einer guten Medi-Einstellung sehr wohl beeinflussen lassen. Die Frage wäre also "Was tut das Medi, und was tut es nicht, was funktioniert mit Medi, aber nicht ohne, gibt es immer noch Baustellen, gibt es neue die es ohne oder mit einem anderen Medi nicht gab, kann man an der Dosis nochmal schrauben?"

Was ich von mir selber als Kind kenne: Wenn ich einen für mich schwierigen Sachverhalt verstehen wollte/sollte, den jemand mir erklärte, konnte es durchaus auch passieren dass ich dann diesen Menschen absichtlich nicht angesehen habe um mich besser auf die Worte zu konzentrieren. Auf ein Tafelbild oder auf die Notizen die ich machte sehen war im Unterricht sinnvoller als dem Lehrer ins Gesicht zu schauen.

Und besonders in Konfliktsituationen fand ich es furchtbar wenn meine Mutter mich dann an Arm oder Schulter packte, zu sich hin drehte und den Blickkontakt erzwang, weil sie überzeugt war ich würde weder zuhören noch verstehen, wenn ich sie nicht ansah. Oder weil sie glaubte in meiner Reaktion zu erkennen ob ich sie so wie sie ihre Worte meinte verstand. Ich fand es als kleineres Kind irgendwie einschüchternd und beängstigend so böse angesehen zu werden und gezwungen zu werden das auszuhalten, später war es eher demütigend für mich, ich kam mir vor als würde ich von der 12 bis 15jährigen beinahe Erwachsenen zum Dreikäsehoch im Kindergartenalter degradiert. Meine Mutter hielt nichts von physischer Gewalt - aber diese Blickkontakt-Geschichte war für mich ähnlich schmerzhaft und demütigend wie physische Gewalt.

Ich denke daher, dass es akzeptabel ist, wenn jemand weg sieht oder den Blickkontakt nicht dauerhaft aufrecht erhält sofern er am Anfang des Gesprächs einmal hergestellt war und das Signal  "Jetzt kommt was wichtiges von diesem Menschen!" übermittelt wurde. Dieses Initial-Signal um die Aufmerksamkeit auf die folgende Ansage zu lenken ist definitiv nötig. Aber dieses "mit Blicken niederzwingen/erzwingen" das ich als Kind erlebt habe macht entweder aggressiv oder völlig hilflos und trägt eher dazu bei das ganze zu verschärfen als dazu dass die Message ankommt.
paulchen
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Re: Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon paulchen » 15. Februar 2016 20:29

Danke für Deine Antwort. Ohne Medi ist das Kind nicht ganz er selbst.Wwir hatten es mal vergessen, die einfachsten Dinge, wie Z.B. halte mal bitte die Leiter fest, waren kaum mehr möglich, er war total abwesend. Die Dosis des Medis haben wir erst im Herbst von 30 auf 50 mg erhöht.Damit bin ich eigentlich ganz zufrieden. Den Blickkontakt brauche ich nicht unbedingt, da ich weiß, dass er mir zuhört auch ohne Blickkontakt zu halten, nur ihm entgehen ja doch einige Gesichtsausdrücke, die durchaus manche Infos unterstützen. Dass er sonst nicht so recht hinhört, liegt wohl auch daran, dass es sonst auch nicht richtig von ihm gefordert wurde, er überall irgendwie so durchkam. Anderen Menschen ist jeodch der Blickkontakt wichtig, also denke ich mal, sollte er zumindestens irgendwo ins Gesicht schauen können, wenn auch nicht unbedingt direkt in die Augen. er kann ja auch auf den Mund blicken und dabei sehen, wie sich die Wörter bilden, hilft auch einigen besser zu verstehen.

Er reitet einmal die Woche, hat zusätzlich dazu auch immer mal die Gelegenheit auf dem Hof tatkräftig mit anzupacken und kann sich dadurch immer nochmal eine zusätzliche Reitstunde verdienen. Früher hat er mal Leichtathletik gemacht. Für Judo oder Karate kann ich ihn nicht begeistern auch nicht zum schnuppern. früher mal, da war er der Meinung, das wäre toll, weil er da ja lernen würde, wie er andere richtig verkloppen könne. Mir ist schon bewußt, dass die Judolehrer das deutlich machen, dass der Sport kein Freifahrschein für Prügelattaken ist, aber wenn bei meinem Sohn die eigene Steuerung versagt, denkt der nicht mehr. In der Schule hatten sie jetzt als AG Teakwondo im Angebot, letztes Jahr hat er es als Mittagsangebot gemacht, wo sie wohl aber nur Spiele spielten und da er sich wohl was anderes drunter vorstellte, hat er kurzerhand immer mal geschwänzt. Seine Erklärung war, er hätte doch dem Lehrer gesagt, dass er nicht käme. Blöd für ihn war nur, dass das Angebot verbindlich war und er gar nicht seine eigene Entscheidung treffen durfte. Daher war ich überrascht, dass er Teakwondo als AG machen wollte. Leider ist er für keine AG eingeteilt worden, weil angeblich sein Zettel nicht abgegeben wurde.

Für seine Körperhaltung und -spannung wäre aber nochmal ein anderer sport als Reiten prima. Nur wie? Hinschleifen?

Wir haben aufgrund seiner  Überfallattacken in der Schule( er hat hyperkinetisches ADHS- Störung im Sozialverhalten) jetzt Sokotraining angefangen, erstmal nur mit mir, wiel ja auch noch ein paar Baustellen zu Hause sind, demnächst findet aber das Gruppentraining statt.
Man muss sich immer das Beste heraussuchen, was diese sog. Trainer für einen ausdenken, es muss ja auf die Familiensituation passen und nicht bloß auf das Kind. auch wenn ich kinder nicht vergleichen sollte, mein Autist kann zumindest Blickkontakt, wenn er etwas von einem mölchte, er dreht sich sogar das Gesicht zu sich rum, also eigentlich Dinge, die er laut Klischees gar nicht können dürfte.
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Re: Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon Gutemiene » 18. Februar 2017 10:19

Hallo,

das mit den Klischees kannst du vergessen. Dazu ist die BAndbreite des Erscheinungsbildes von Autisten und ADHSlern zu variantenreich.
Dieses "Augenkontakt vermeiden" ist eher ein diagnostisches Hilfsmittel für Ärzte.
Dabei wäre, wie du richtig schreibst, eine bessere soziale Wahrnehmung für deinen Sohn sehr hilfreich. Dann würde er Signale vielleicht nicht immer so deuten, dass ihn die Anderen nur provozieren wollen....und der eine oder andere Konflikt würde vielleicht nicht eskalieren.

Entschuldige, dass ich hier abrupt abbreche, aber ich werde gerade selbst benötigt, um einen Konflikt zu befriedigen!!!
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Re: Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon ripley » 18. Februar 2017 11:37

Ich schließe mich Eules Empfehlung, ihn zu einer Kampfsportart zu bringen, vollumfänglich an. Nicht zuletzt, weil wir hier damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben.

Ich habe Junior, der damals auf 11 war (und ebenfalls zu unkontrollierten Ausbrüchen neigte, die zu massiven Problemen mit der Schule führten) tatsächlich ins Dojo "geschleift". Karate. Will sagen, ich habe, nachdem die sehr anfängliche Neugierde verflogen war, schlichtweg weiterhin drauf bestanden, dass er zweimal die Woche hingeht. Was insofern auch gestützt wurde, dass ich zeitgleich (in einer Ü40-Gruppe) auch dort zu trainieren anfing. Da war also ein gewissen ... Glaubwürdigkeitsvorteil (?) gegeben.

In seiner Gruppe waren noch mehr solche "Kracher", der Trainer war geübt im Umgang mit "diesen" Kindern und ließ sie bewusst auch mal auflaufen auf Kräftigere. In der Folge hat Junior sehr viel über sich und über seine Körperlichkeit ... und die anderer gelernt. Unter anderem auch den sehr banalen Sachverhalt, dass sinnvoll ist, wenn miteinander übende Partner nur auf Berührung, nicht auf volle Wirkung üben. Wer nämlich zu feste reinledert, der spürt dann schon mal das Echo ... (eine Einsicht, die der Selbstkontrolle deutlich auf die Beine hilft ;-))

Ich kann und will nicht behaupten, dass der Kampfsport alleine Wunder gewirkt hätte, aber er war ein wichtiger bis sehr wichtiger Baustein in Juniors weiterer Entwicklung. Ab der 7. Klasse (also ab gut 12 Jahren) gab es dann auch KEINERLEI echt zerstörerische Vorkommnisse mehr in der Schule (will sagen, er ist schon mal laut und schrill geworden, ist aber nie mehr Leute oder Dinge beschädigend angegangen). Mit 17 Jahren hat er den Sport geschmissen, jetzt ist er 19. Und, ja, er kann noch nervtötend sein, aber Angst muss keiner mehr vor ihrm haben. Trotz 1,88 m Größe.
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Re: Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon Menolly » 18. Februar 2017 12:50

Mal sehen ob paulchen nach einem Jahr noch mal reinschaut... :roll:
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Re: Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon ripley » 18. Februar 2017 15:52

Uups, sorry, blöd von mir, da nicht drauf zu gucken ...
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Re: Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon Menolly » 18. Februar 2017 16:06

Och, ich finde es OK auch mal ältere Themen hoch zu holen. ;)
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Re: Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon Gutemiene » 18. Februar 2017 16:08

Mein Fehler - ich habe Februar 2016 gelesen und Februar 2017 gedacht. Könnte am ADS liegen :oops:
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Re: Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon Gutemiene » 18. Februar 2017 16:15

So - falls Paulchen oder Ripley weiterlesen :

Klar hat Kampfsport nach Regeln Vorteile, besonders für Jungs.

Wenn aber Paulchens Sohn sagt "Prima, da lerne ich, wie ich andere besser verprügeln kann " oder so ähnlich, dann zeigt das meiner bescheidenen Meinung nach, dass er sich stets und immer zu Unrecht angegriffen fühlt und meint, sich permanent verteidigen zu müssen.
Ich stelle mir vor, dass der Junge im Dauerstress wegen der vermeintlichen Aggro-Umgebung ist ( in Wirklichkeit wohl nicht so schlimm, aber die Wahrnehmung macht's, und die ist offenbar anders - daher auch der Name ANdersWelt).

Eine wichtige Maßnahme wäre dann ein Sozialtraining wie bei Autisten oder eben parallel (Kampf-)Sport und Sozialtraining.
Es gibt auch recht gute Trainingsprogramme für Deeskalation (hab selbst schon eins mitgemacht).

Wer sich sicher und gut fühlt, braucht in der Regel keine Gewalt, um sich zu behaupten.
"Mach' GUTEMIENE zum Besenspiel" :lol:
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Re: Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon ripley » 19. Februar 2017 10:23

Gutemiene hat geschrieben:Wenn aber Paulchens Sohn sagt "Prima, da lerne ich, wie ich andere besser verprügeln kann " oder so ähnlich, dann zeigt das meiner bescheidenen Meinung nach, dass er sich stets und immer zu Unrecht angegriffen fühlt und meint, sich permanent verteidigen zu müssen.
(...)

Wer sich sicher und gut fühlt, braucht in der Regel keine Gewalt, um sich zu behaupten.


Gut, dann greifen wir das hier doch einfach auf.

Dem letzten Satz stimme ich zu.

Der Absatz drüber stimmt zwar inhaltlich, was das Empfinden der Kinder angeht, ist MEINER Meinung nach aber ziemlich typisch zumindest für ADHSler, also die mit dem "H".
Mein Eindruck war und ist, dass die Betroffenen salopp gesagt ständig "unter Dampf stehen" und im Grunde permanent auf der Suche sind nach Kristallisationspunkten, an denen sie sich aufziehen, abarbeiten und abreagieren können. Man könnte auch sagen, sie suchen Streit, um sich abzureagieren, aber das hat einen bösen Beiklang.
Sie sind innerlich so unruhig und "geladen", dass sie AUSSEN nach Gründen für ihre Unruhe und Gereiztheit suchen ... und sie natürlich auch finden. Ich erinnere mich da an eine Begebenheit aus Juniors Schulzeit. Da ist er in der Klasse ausgerastet, weil seine Tischnachbarin es doch tatsächlich gewagt hat, ihren Radiergummi einen halben Zentimeter über die von Junior in der Tischmitte gezogene Bleistiftgrenzlinie (! das alleine schon ...) zu legen ...
Wohlgemerkt: Im EMPFINDEN der Betroffenen resultiert tatsächlich so etwas wie "die wollen mich alle nur provozieren und ärgern!".
Aber die Ursache ist die Erkrankung, nicht so sehr mangelndes Sozialtraining. Letzteres kann helfen, Sport kann helfen. Beides hilft aber nur dabei, den Druck irgendwie unter Kontrolle zu bringen oder zumindest bei unschädlichen Gelegenheiten abzulassen. Wirksam und zuverlässig GESENKT bekommt man den "Überdruck" aber m.E. am ehesten mit Medikamenten.
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Re: Aktuelles und doch altbekanntes Problem

Beitragvon Gutemiene » 20. Februar 2017 18:43

Ach ja, so könnte es natürlich auch sein.....

Es geht mir gar nicht darum, wer von uns zwei Hübschen Recht hat.

Paulchen hat ein bestimmtes Problem angesprochen und ich habe mich so dazu geäußert, wie ich es mir gedacht habe.

Um Paulchens Sohn bzw. seine Motive zu analysieren, müsste man den jungen Mann schon besser kennen.

Falls es bei ihm so ist, wie Ripley es beschreibt, wäre das natürlich ein guter Hinweis für die Erzieher. Denn es sollte andere Wege geben, um Dampf abzulassen, außer dem oben beschriebenen "Hauen und Stechen".

Das muss man und kann man lernen. Kampfsport ist EINE Möglichkeit dazu.

Medikamente sind gut für die, die sie vertragen und als Teil der Behandlung annehmen.
Fragt sich nur, ob eine mögliche Verbesserung insgesamt auf die Medikamente oder auf Ergotherapie, Sozialtraining, Sporttherapie oder sonstewas geschoben wird (wer "heilt", hat Recht!)
"Mach' GUTEMIENE zum Besenspiel" :lol:

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